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Krieg der Sterne auf den Meeren

Ohne sie geht es gar nicht: Die gute Küche an Bord ist einer der Hauptvoraussetzungen für eine gelungene Kreuzfahrt. Michael Wolf trug zusammen, was sich die Reedereien heute so einfallen lassen, um den verschiedensten Geschmäckern gerecht zu werden und die damit einhergehenden Änderungen.

Eisstadien, Mega-Wasserrutschen, Achterbahnen oder Mega-Spas – jedes neue Kreuzfahrtschiff, das auf den Markt kommt, glänzt mit neuen Gadgets.
Was seit jeher ständig zum Programm gehört, ist die (gute) Gastronomie, ohne die eine Kreuzfahrt nicht vorstellbar ist.
Sie ist heute komplett reloaded, erfährt eine Renaissance in tausend Varianten. Im Hintergrund lassen die Reedereien ihre Gourmet-Berater und Meisterköche schon die Messer wetzen, um auf den großen kulinarischen Kampf vorbereitet zu sein: Natürlich den Kampf um den Kunden.
Vorhang auf für den Showdown der Innovationen, der neuen Ideen, der neuen Küche auf See und auf den Flüssen.

Hilfreich wie immer: Die Liebe zum Schiff geht vor allem durch den Magen. Deswegen überbieten sich die Reedereien mit exklusiven Restaurants, bekannten Sterneköchen, neuen Programmen oder Kreuzfahrten im Zeichen eines bestimmten Themas (Schokolade, Wein, regionale Küche).
Schon bei der ersten „echten“ Kreuzfahrt der Welt, organisiert vom legendären Reeder Albert Ballin auf der Augusta Victoria 1891, wurde unglaublich aufgetischt: Kaviar satt, Champagner und Austern gehörten zum kulinarischen Standardprogramm.
Aber auch später war in der klassischen Kreuzfahrt der Tag gastronomisch eng durchorganisiert. Early Bird Frühstück für die Frühaufsteher, großes Frühstück à la carte im Restaurant oder am Buffet, 11:00 Uhr die legendäre Bouillon, meist am Pool, die bis zum Mittagessen reichen musste. Nachmittags wurde ein Sandwich- und Kuchensortiment offeriert, oft verbunden mit einer englisch-inspirierten Tea time. Kleine Häppchen zum Aperitif läuteten später das Dinner ein.

Im Restaurant gab es feste Tischzeiten, oft in zwei verschiedenen Sitzungen. So konnte es schon mal vorkommen, dass die Kunden der zweiten Essenszeit sich anschließend beeilen mussten, um noch ein Foto des meist verschwenderisch aufgebauten wöchentlichen Mitternachtsbuffets mit seinen Eisfiguren und Hummerdekorationen zu machen. Und danach gab es natürlich noch auf den besten Schiffen den Room-Service für den kleinen Hunger in der Nacht.
Da hat sich bis heute einiges geändert: Freie Tischwahl, essen mit wem man möchte und zu verschiedenen Zeiten – das sind nur einige der Neuerungen. Auch auf die Mitternachtsbuffets haben die meisten Reedereien jetzt verzichtet – sie finden auf vielen Schiffen allerdings noch als Galabuffet statt, das dann ein Mittagessen oder Dinner ersetzt.
Die kulinarische Vielfalt ist nach wie vor noch eines der wichtigsten Standbeine im Kreuzfahrtgeschäft. Fast alle größeren Schiffe bieten mehrere Essens-Optionen und sprechen auch die unterschiedlichsten Gewohnheiten an. Von vegan, vegetarisch, glutenfrei bis zu den religionsbedingten Vorschriften wie Kosher oder Halal-Küche ist fast alles in der Küche parat. Auf der Vasco da Gama (TransOcean) fand im Sommer zum zweiten Mal eine Kreuzfahrt statt, auf der ausschließlich vegan gekocht wurde, auch auf Flusskreuzfahrtschiffen wird dies bisweilen praktiziert…..

Fotos: enapress.com

Ausgabe 6- 2019

Königin des Irrawaddy

Nach einem Vierteljahrhundert Wartezeit wurden die historischen Stätten von Bagan zum Weltkulturerbe erklärt. Mit der Anawrahta ist ein luxuriöses Schiff auf dem Irrawaddy erfolgreich in den Markt getreten. Die Reise führt hinauf bis nach Katha, jener historisch wichtigen Stadt, in der George Orwell seine Entscheidung fasst, Schriftsteller zu werden. Frank Dieter Sistenich berichtet.

Seit diesem Sommer ist es nun amtlich. Groß war der Jubel im ganzen Land, als im Sommer 2019 die UNESCO auf ihrer Jahrestagung in Baku die Entscheidung verkündete, dem Antrag der Regierung von Myanmar stattzugeben und Bagan mit in die Liste der Weltkulturerbestätten aufzunehmen. Seit dem Jahr 1995 lag dieser Antrag der Behörde vor und viele Prämissen im Sinne einer historisch gerechten Konservierung mussten über die Zeit erst erfüllt werden, bevor eine Zustimmung erfolgen konnte.
Über die letzten Jahre seit der touristischen Öffnung des Landes im Jahre 2012 sind zunehmend Schiffe auf dem Irrawaddy (und dem Chindwin, seinem Nebenfluss) unterwegs, zumeist im Vier- oder Fünf-Sterne-Segment. Mit der Anawrahta kam nun ein Schiff im Fünf-Sterne-Plus-Segment auf den Markt, das gewiss die Riege aller Flusskreuzfahrtschiffe vor Ort mit anführt. Der Grund hierfür ist in der Ausstattung des Schiffes und in seiner Größe zu sehen. Grundsätzlich ist es für Flusskreuzfahrtschiffe immer ein Vorteil, über Balkone bzw. Loggien zu verfügen. Die Ufer sind in Sichtweite und es gibt in kulturhistorisch interessanten Gebieten wie dem Flusslauf des Irrawaddy sehr viel zu sehen und zu erleben. Zudem gehören bereits die Standardkabinen des Schiffes mit 34 Quadratmetern zu den größten aller hier kreuzenden Schiffe. Die Balkone der Kabinen umfassen 6 Quadratmeter und sind alle mit Tischen, Sesseln oder Liegen ausgestattet.

Das Schiff ist benannt nach dem Gründer des Landes im 11. Jahrhundert. König Anawrahta baute die ersten und größten Pagoden von Bagan, wählte hier seine Hauptstadt und führte den Buddhismus ein. Die opulente Einrichtung des Schiffes ist eine Reminiszenz an die große Vergangenheit einschließlich der britischen Kolonialzeit. Die 23 sehr großzügig geschnittenen Kabinen sind über alle Decks verteilt, zwei Executive Suiten sind mit 56 Quadratmetern bemessen (plus 16 Quadratmeter Veranda), die beiden Royal Suiten verfügen gar über 86 Quadratmeter und einen Jacuzzi auf der anliegenden 29 Quadratmeter großen Veranda.

Alternative Routen auf dem Fluss der Könige
Für all jene mit knappem Zeitbudget ist eine Reise zu den Tempeln und Pagoden des Weltkulturerbes von Bagan empfohlen. Die Reisestrecke zwischen Bagan und Mandalay zählt zu den attraktivsten in ganz Südostasien. Allen voran der berühmte Ananda Tempel, der jüngst mit Hilfe von Spenden der indischen Regierung renoviert werden konnte. Unzählig sind die hier zu besichtigenden Monumente und ein jedes erzählt seine eigene Geschichte. Für jene, die etwas mehr Reisezeit kalkulieren können, ist der Weg stromaufwärts bis nach Katha und auf die Höhe der großen Schluchten zu empfehlen. Die Landschaft hier im nördlichsten Teil des noch beschiffbaren Flusses gleicht in etwa dem Mittelrheintal mit der Loreley, auch dies eine Weltkulturerbestätte. Acht Tage braucht die Anawrahta von Mandalay bis hinaus nach Katha und wieder zurück. Für diese längere Route ist Einschiffung in Mandalay, hier residierte bis zum Sieg der Engländer über Oberbirma im Jahre 1885 der letzte König (König Thibaw Min). Die meisten Gäste sind bereits einige Tage zuvor angereist, um auch die Sehenswürdigkeiten Mandalays in Ruhe besichtigen zu können, u.a. den Königspalast oder den Mahamuni Buddha Temple, nach der Shwedagon Pagode in Yangon (Rangun) das bedeutendste Sakralbauwerk des Landes….

Fotos: Heritage Line, enapess.com

Das neue Flaggschiff bei Costa

Auf dem Datenblatt sind es Schwestern. Die neue Costa Smeralda ist das zweite Schiff der Helios-Klasse. Der Serie von LNG-Kreuzfahrtschiffen, die im Dezember vorigen Jahres mit der AIDAnova startete. Schwesterschiffe sind sie aber nur so halb. Beim Innenleben kommt Costas neues Flaggschiff mit einer Vielzahl von Neuerungen daher. Frank Behling berichtet.

Der Herbst war keine schöne Zeit für alle Freunde und Mitarbeiter von Costa Crociere. Erst die Nachricht, dass gleich vier liebgewonnene Schiffe den Abschied nehmen und in andere Märkte verlegt werden, dann die Nachrichten aus der finnischen Werft Meyer Turku. Gleich zweimal musste die Werft die Ablieferung verschieben. Jetzt wird das neue Schiff zum vierten Advent in Savona erwartet. „Es wird ein Schiff sein, das es so auf dem Markt noch nicht gab“, sagt Neil Palomba, Präsident von Costa Crociere.

337 Meter lang, 183900 BRZ groß und 20 Decks misst dieser Neubau der Helios-Klasse. Die neuen Schiffe sind mit einem Auftragswert von rund 9 Milliarden Euro der größte Auftrag eines US-Konzerns in Europa. Die Meyer Werften in Papenburg und Turku bauen sie. Drei für Aida und je zwei für P&O, Carnival sowie Costa. Die neun Schiffe haben eine baugleiche Plattform. Rumpf, Technik und Decksstruktur sind exakt identisch.
Zwei Azipod-Elektromotoren mit Propellern treiben die Schiffe an. Vier Generator-Sets von Caterpillar mit großen MaK-Motoren sorgen für die Energie. Drei Tanks für Flüssigerdgas (LNG) sowie neuartige Klimatechnik und das Energiemanagementsystem sind bei allen Schiffen gleich.

Oberhalb von Deck 5 werden die Passagiere sehr unterschiedliche Schiffe vorfinden. In dem Bereich, wo Kulinarik, Kunst und Lifestyles das Sagen haben, werden von Architekten sehr unterschiedliche Urlaubswelten geschaffen.
Ein Team aus Architekten unter Führung von Adam Tihany hat der COSTA SMERALDA ein völlig neues Innenleben gegeben. Der fetzig-schrille Stil der Costa-Neubauten nach der Jahrtausendwende ist ruhigerem Ambiente gewichen. Stolz, Haltung, Stil und guter Geschmack sind die Säulen für die Brücke zur „Bella Italia at Sea“ bei Costa.
„Das Beste aus Made in Italy“ verspricht der Designer, der bei den Arbeiten auch das Team von Partner-Ship Design aus Hamburg an seiner Seite hatte. Herausgekommen sind Bauwerke, die maritime Nachbildungen von Bauwerken an Land sind. Da ist am Heck über drei Decks der Spanische Platz aus Rom, der als Piazza di Spagna ein Platz an der Sonne mit Ruhezone ist. Der Brunnen wurde als Wasserelement auf Deck 16 ans Heck gebaut.
Was bei der AIDAnova als Theatrium zentraler Bestandteil der Unterhaltung ist, ist auf der COSTA SMERALDA zum Colosseo geworden, dass von Deck 6 bis 8 ganztägig genutzt werden kann. Zusätzlich bietet die COSTA SMERALDA noch ein klassisches Theater mit etwa 1000 Plätzen auf Deck 6 und 7 im Vorschiff. Das Theater San Remo bietet die volle Palette der Unterhaltung und wird – anders als früher auch tagsüber genutzt. …

Fotos: Frank Behling, Costa Crociere

Diva tauft Grandiosa

Die Taufe der MSC Grandiosa am 9. November in Hamburg war zwar nicht die erste, die von MSC Cruises in der Elbmetropole zelebriert wurde. Doch dieses Mal drehte sich alles um ihren bisher größten Neubau, es wurde zur längsten Taufe in der Geschichte der Reederei. Dabei gab es für die Wahl der Hansestadt als Taufort gleich mehrere Gründe. Jens Meyer erlebte das Spektakel an Bord eines nicht nur durch seine Größe beeindruckenden Täuflings.

Im Gegensatz zu der vor rund neun Jahren durch Kälte und heftige Schneeschauer beeinträchtigten Taufe der MSC Magnifica in Hamburg – spielte das Wetter bei dieser Veranstaltung mit. Zudem lockten auch das bereits bei den Cruise Days im September nahe der Überseebrücke vorgestellte MSC Village sowie die von dem Lichtkünstler Michael Batz speziell für den Taufakt erneut installierte Blue Port-Illuminierung mehr als 5.000 „Sehleute“ ab 16.00 Uhr an die Wasserkante. Dort führten Wayne und Annemarie Carpendale durch das Programm mit Live-Musik von Max and Friends. Dazu hatte die bereits am 6. November zum Erstanlauf mit Plakettentausch in Hamburg eingetroffene MSC Grandiosa gegen 17.00 Uhr vom Cruise Terminal Steinwerder abgelegt. Mit Assistenz von zwei Schleppern nahm Kapitän Marco Massa, der just an diesem besonderen Tag Geburtstag feierte, Kurs auf die blau erstrahlte Elbphilharmonie. Dort hatte es schon am Vortag ein von der MSC Foundation organisiertes Benefiz-Konzert gegeben. Dessen Eintrittseinnahmen von rund 250 000 Euro gingen an die Stiftung „Lebensraum für Elbe“ für die Renaturierung der Flusslandschaft um Kirchwerder.

Das für 6334 Gäste in 2450 Kabinen und 1700 Crewmitglieder ausgelegte 181541-BRZ-Schiff hatte zum Taufakt vor der Elphi gedreht. Die geladenen Gäste, darunter auch Schauspielerinnen wie Bettina Zimmermann, Tina Ruland, Stephanie Stumph und die Moderatorinnen Susann Atwell und Inka Bause erlebten die mit einer Theaterpräsentation und Übertragungen von Land- und Bordfeierlichkeiten begleitete und von Michelle Hunziker sowie Jochen Schröpp moderierte Zeremonie. Im Beisein von MSC-Gründer Gianluigi Aponte, seiner Tochter Alexa und ihrem für das Kreuzfahrtgeschäft verantwortlichen Mann Pierfrancesco Vago sowie MSC Cruises-CEO Gianni Onorato zerschnitt Filmschauspiel-Legende Sophia Loren mit Unterstützung von Kapitän Massa ein unter dem LED-Himmel der 112 m langen Indoor-Promenade gespanntes Taufband – das symbolische Signal für den Mechanismus, der anschließend die obligatorische Champagnerflasche am Rumpf zerspringen ließ. …

Fotos: enapress.com, Frank Behling

Feuerwerk der Aktivitäten

Wie viel Sonnendeck braucht ein modernes Kreuzfahrtschiff? Diese Frage steht heute nicht immer im Fokus moderner Schiffsentwickler. Auf dem jüngsten Neubau der Norwegian Cruise Line hat der Passagier mehr Möglichkeiten für Abenteuer als für ein Sonnenbad. Die neuen E-Sports stehen dabei ganz besonders im Fokus. Auf der NORWEGIAN ENCORE schaute sich Frank Behling um.

Die 20 Decks des jüngsten Schiffes der Breakaway-Klasse wurden am 31. Oktober von der Meyer Werft an die US-Reederei ausgeliefert. An Bord des 333 Meter langen und 20 Decks hohen Schiffes sind nicht nur Kabinen für rund 4000 Passagiere. An Bord wurde auch modernste Unterhaltungs-Technik eingebaut, die für Technik- und Spiele-Nerds keine Wünsche frei lässt.
Ein Herzstück ist dabei ganz oben im hinteren Drittel, hoch oben auf Deck 18. Über der gesamten Schiffsbreite und über zwei Decks verläuft dort ein 350 Meter langer Parcours der längsten Kartbahn der Meere.

Die Konstrukteure der Meyer Werft haben den Parcours mit einer Gesamtbreite von 50 Metern auf das nur 41 Meter breite Schiffe gebaut. An beiden Seiten ragen die Kurven sogar jeweils vier Meter über die Außenwand des Schiffes.
Das Rennen mit kleinen Rennautos mit Elektroantrieb ist aber nur ein Baustein in der Erlebnis-Strategie der Konstrukteure der Meyer Werft. Umrahmt wird die Bahn von den beiden gigantischen Wasserrutschen Ocean Loop und Aqua Racer.
Die NORWEGIAN ENCORE ist ein Funpark für Technikfreaks. Direkt hinter der Kartbahn ist die Laser-Tag-Arena unter freiem Himmel am Heck. Passagiere mit einer guten Koordination von Auge und Arm und dem nötigen Teamgeist können dort ihre Geschicklichkeit mit Laser-Waffen unter Beweis stellen. Die Frage, warum dafür das Sonnendeck weichen musste, wird beim Blick auf die Preisliste deutlich. Bei knapp 10 Dollar pro Person in der Laser-Tag-Arena und 16 Dollar für die Kartbahn werden deutlich mehr Umsätze erzielt als mit Liegestühlen.

Während die Kartbahn und die Arena unter freiem Himmel sind, gibt es ein Deck tiefer den „Galaxy Pavilion“.
Ohne Altersbeschränkung kann dort mit Virtual Reality mit Lenkdrachen durch Schluchten geflogen, mit Rennautos kurvenreiche Küstenstraßen abgefahren und mit einem Jeep vor Dinosauriern aus dem Jurassic-Park entkommen werden. Hier kosten die Spiele zwischen 7 und 20 Dollar.
Ein Escape-Room mit dem Abstieg in die versunkene Stadt Atlantis setzt dagegen auf den Teamgeist bei der Lösung komplexer Rätsel zur Wiederauferstehung. Bei der Ausstattung wurden an Bord der NORWEGIAN ENCORE viele Elemente der ein Jahr zuvor in Dienst gestellten NORWEGIAN BLISS optimiert….

Fotos: enapress.com, Frank Behling

Glanz zum Jubiläum

Im Februar wird bei Regent Seven Seas Cruises gefeiert. Die amerikanische Luxusmarke wird 30 Jahre alt. Zum Jubiläum beschenkt sich das Unternehmen mit einem neuen Flaggschiff. Die SEVEN SEAS SPLENDOR wird im Januar die Fincantieri Werft in Ancona verlassen. Es kommt ein Schiff für das oberste Segment der Luxus-Reisen, berichtet Frank Behling.

Als sich 1990 Manager aus dem Umfeld der noblen Hotelmarke Radisson mit norwegischen Reedern zusammentaten und die Ausweitung des Hotelprodukts aufs Meer besiegelten, wurde der Grundstein für das gelegt, was jetzt unter dem Namen Regent Seven Seas zu den exklusivsten Angeboten im Kreuzfahrtmarkt gehört.
An den ersten Neubau erinnert dabei jedoch nur noch ein wenig das Logo. Das 1992 in Dienst gestellte Doppelrumpfschiff RADISSON DIAMOND hat längst seinen Platz als Spielkasino vor Hongkong gefunden. Das neue Flaggschiff SEVEN SEAS SPLENDOR wurde weniger als Hotel, sondern mehr im Stil einer Megayacht mit exklusivem Service gebaut.

Seit 2014 die Reederei als Luxus-Marke unter das Dach von Norwegian Cruise Line kam, wird am Ausbau der Flotte gearbeitet. Die im Februar 2019 aufgeschwommene SEVEN SEAS SPLENDOR wird nach der Auslieferung bei Fincantieri als fünftes Schiff in Fahrt kommen und am 6. Februar von Barcelona aus die Transatlantikreise nach Miami antreten.
Die Fincantieri Werft in Ancona ist bekannt für die yachtähnlichen Produkte. Ein Schiff mit 55000 BRZ und 377 Suiten für rund 800 Passagiere ist auf dem Papier schon eine Besonderheit im Markt. Alle Suiten haben Balkone. Das Raumangebot in den Suiten reicht von 24 bis 413 Quadratmetern.
Für die Zahlenfreunde: Ein Passagier hat rechnerisch 68 BRZ zur Verfügung – das ist glatt das Doppelte im Vergleich zu einem der vergleichbaren großen Schiffe der Vier-Sterne-Kategorie.
Mit 560 Crewmitgliedern ist der Buttler-Service ein Standard auf dem 223 Meter langen Neubau. Die SEVEN SEAS SPLENDOR folgt der drei Jahre älteren SEVEN SEAS EXPLORER. Mit nur sieben Passagierdecks ist das Schiff fast familiär.
Und dennoch werden Freunde der Regent-Flotte den Luxus der vier kleineren Schiffe SEVEN SEAS EXPLORER, SEVEN SEAS NAVIGATOR, SEVEN SEAS MARINER und SEVEN SEAS VOYAGER nicht vermissen. Reisen mit Regent ist in der Wertigkeit eines der besten internationalen Produkte: In den Reisepreis sind nicht nur alle Angebote an Bord inkludiert – sondern auch die Landprogramme.
Zum Preis von 400 Euro pro Person und Tag bekommt der Gast das Gefühl eines exklusiven Urlaubs auf einer Luxusyacht. Für jeden Gast wird ein individualisiertes Reiseambiente geschaffen.
Die neue SEVEN SEAS SPLENDOR setzt besonders auf Großzügigkeit. Die Decks sind geräumig und traditionell. Nicht nur der Infinity-Pool am Heck auf Deck 5 ist eine der extravaganten Ideen der Schiffs-Designer. Die Restaurants, Bars und auch die Pool-Bereiche sind dezent und ruhig gestaltet. Wer Regent Seven Seas bucht, der feiert keine Poolparty, sondern interessiert sich für Destinationen, gutes Essen oder testet edle Weine und Whiskeys. …

Fotos: Regent Seven Seas Cruises

Auf den Spuren der Rheinromantik

Der mittlere Rhein zwischen Loreley und Drachenfels zieht seit Jahrhunderten Schiffstouristen an. Peggy Günther geht dem Mythos an Bord der RHEIN SYMPHONIE auf den Grund.

Mit dem Sonnenuntergang im Rücken fahren die kleinen Barkassen in Richtung Dunkelheit. Der Loreleyfelsen erhebt sich im roten Schein bengalischer Fackeln gespenstisch in die laue Sommernacht. Auf dem Rhein formieren sich mehr als 40 Schiffe, viele geschmückt mit roten Lichterketten, ebenso wie die Häuser am Ufer. Es herrscht gespannte Vorfreude auf den Außendecks. Um 21:30 Uhr versinken die historischen Gebäude von Oberwesel plötzlich in der Dunkelheit. Böllerschüsse ertönen und die Stimme der Weinhexe hallt zwischen den Bergen wieder. Dann beginnt das halbstündige Feuerwerk. Die Passagiere der RHEIN SYMPHONIE sind begeistert – besser kann eine Flusskreuzfahrt auf dem Rhein nicht beginnen.

Erst am Tag zuvor waren sie in Köln eingestiegen und Kreuzfahrtdirektor Carsten Münnichow hatte sich mit den Worten vorgestellt: „Kennen Sie die Fernsehserie ‚Das Traumschiff‘? Ich bin Ihre Beatrice.“ Nach diesem Startschuss für eine gute Urlaubsstimmung setzt Münnichow gleich noch eine englische Begrüßung hinterher. Auf unserer soliden Mittelrheinkreuzfahrt gibt es nämlich Gäste, die weiter gereist nicht hätten sein können – eine Gruppe Freundinnen, von denen drei in Australien leben. Die vierte im Bund kommt aus Deutschland und hat die Reise organisiert. „Wir haben uns in den 70er-Jahren in Papua-Neuguinea kennengelernt, als unsere Männer Entwicklungsarbeit leisteten“, verrät sie und setzt dazu: „Das war eine aufregende Zeit. Ich würde es immer wieder tun.“

Schnell ist das Flussschiff erkundet: Die ehemalige VIKING HELVETIA punktet mit einer gemütlichen kleinen Bibliothek und Kabinen mit französischen Balkonen auf dem Oberdeck, die Kabinen bieten ausreichend Stauraum und sind zweckmäßig eingerichtet. Kreuzfahrdirektor Münnichow verrät, dass internationale Gäste nicht mehr die Ausnahme sind bei nicko cruises. Die Reederei arbeite inzwischen auch mit ausländischen Agenturen zusammen. Außerdem sinke das Durchschnittsalter langsam, allerdings nicht auf Reisen mit Haustürabholung. Dank einer derart bequemen Anreise trauen sich auf dieser Reise auch 17 Alleinreisende auf den Fluss, für sie gibt es einen Kennenlerncocktail. Meine 78-jährige Tischnachbarin gönnt sich zum ersten Mal eine Solo-Flussreise und raunt beim ersten Frühstück: „Gestern Abend war sogar das Bett aufgeschlagen. Hoffentlich machen die die Kabine jetzt nicht wieder so piekfein.“ So viel Service sei ihr unangenehm, da sie doch immer diejenige gewesen sei, die für ihre Familie all das gemacht habe. Doch auch sie lernt, den guten Service an Bord ein wenig zu genießen….

Fotos: Peggy Günther, Ake1150/stock.adobe.com, Adrian72/stock.adobe.com, dudlajzov/stock.adobe.com

Schnuppertörn mit Klassiker

Schauplatz Hansestadt Wismar an einem schönen Sommertag. Mit fröhlichen Menschen bummelt auch Peer Schmidt-Walther über die neu gestaltete Hafenpromenade. Zwischen restaurierten Hafenspeichern ragt ein eleganter weißer Schiffsschornstein in den blauen Himmel. Der ist Blickfang und gehört zur ASTOR, die zum ersten Mal die UNESCO-Welterbestadt angelaufen hat.

„So schön hätten wir uns die Stadt nicht vorgestellt!“ schwärmen die einen, andere waren seit DDR-Zeiten nicht hier und staunen, was sich hier seit der Wende alles getan hat. Die meisten wollen „unbedingt wiederkommen, um die Eindrücke zu vertiefen“.
Bis zum Auslaufen um 18 Uhr sind rund 500 Gäste an Bord, die in der alten Markthalle eingecheckt haben. Auch das eine Premiere, denn damit wurde das Gebäude auch als Kreuzfahrtterminal eingeweiht.

Dreimal Koggen-Salut
„Die ASTOR könnte doch auch noch andere kleine Häfen anlaufen“, sinniert ein Thüringer, „da wäre ich sofort wieder dabei!“ Von den Schiffsabmessungen her – 176 Meter Länge, 6,10 Meter Tiefgang und 22,60 Meter Breite – gäbe es für etliche von ihnen keine Probleme. Auch einen Erstanlauf von Wismars Schwesterstadt Stralsund könne man sich vorstellen, meint Klaus Ebner von Transocean, „denn kleinere deutsche Häfen wie Eckernförde, Flensburg, die nordfriesischen Inseln und Rügen´schen Seebäder sind sehr nachgefragt“.
„Herzlich willkommen wieder zu Hause!“, strahlt Kreuzfahrtdirektor Johannes Lemm und empfängt seine Gäste vor der Halle ganz persönlich mit Handschlag. Das hat auf der ASTOR schon Tradition. Seit rund drei Jahrzehnten. Ein langes und bewegtes Schiffsleben im Dienst von treuen Fans, die ihr Schiff lieben.
Vor ihnen liegt eine Kurzreise zum Schnuppern: geeignet sowohl für Kreuzfahrt-Neulinge als auch für alte Hasen und Fans des überschaubaren, gemütlichen und sehr familiären Schiffes. „Das auch noch wie ein Schiff aussieht“, bemerkt ein Passagier mit Kennerblick.
Was man an Gesprächsfetzen vor der Gangway aufschnappt, deutet auf eine große Erwartungshaltung hin: Alle sind gespannt, was sie auf dieser Reise nach Malmö, Göteborg, Frederikstad, Kristiansand und Hamburg erwartet.
Schon der Abschied von Wismar ist bewegend. Viele Hände winken und wünschen „gute Reise!“, die Soldaten feuern mit ihren historischen Gewehren in die Luft. In der Wismar-Bucht kommt die Kogge WISSEMARA unter geblähtem Segel entgegen und knallt drei Mal Salut mit ihrer Kanone. ASTOR grüßt mit drei langen Typhon-Dröhnern herüber.

Nicht nur Smörrebröd
Die nächsten Tage sind gefüllt mit den unterschiedlichsten Sightseeing-Aktivitäten. In Malmö geht´s los: eine Radtour vom Hafen durch die neue Stadt am Vestra Hamnen mit dem städtischen Highlight, ein „Drehenden Torso“ genanntes und mit Architektur-Preisen überhäuftes Hochhaus, in die beschauliche Altstadt zwischen Lille Torg, Stortorget, Gustav-Adolf-Platz und Sankt Petri Kirche. Malmö, die lebendige und doch beschauliche grüne Stadt, gefällt allen auf Anhieb. Mittagspause neben dem ehemaligen Trockendock und heutigem Yachthafen, wo früher die traditionsreiche Kockums-Werft 8000 Menschen beschäftigte. Nicht weit entfernt von der königlichen Festung Malmöhus ist sogar ein kühles Ostseebad drin: nach aufheizender Sauna mit nackten schwitzenden Schweden samt Kattegat-, Kopenhagen-, Schiffs- und Öresundbrücke-Blick in der historischen Badeanstalt Ribersborgs Kallbadhus.
Göteborg wartet nach einer Schärenfahrt am nächsten Tag mit Hafenrundfahrt, Oldtimer-Straßenbahn-Tour in die City, Stadtrundgang, Kasematten-Besichtigung in der Stadtmauer, Lunch im beliebten „KPH Matbar“ mit lokalen Gerichten, Fischmarkt, Paddan-Bootstour unter Brücken bis zum Trollhättan-Kanaleingang und zur Viermastbark VIKING, heute ein stilvolles Hotel. Dazu ein Schifffahrtsmuseum samt Frachtern, uralten Göta-Kanal-Fahrgastschiffen und sogar einem großen Zerstörer und U-Boot. Die Palette der Sehenswürdigkeiten ist noch viel breiter. Eine blondlockige Cheerleader-Band untermalt das Auslaufen mit schmissigen Rhythmen und erntet dafür Beifallsstürme bei den Zuschauern an der Reling….

Fotos: enapress.com

Taufe mit Zodiacs

Die Zeremonie war so außergewöhnlich wie die Destinationen, die dieses Schiff befährt: Von Zodiacs aus konnten die Gäste am 11. Oktober im Hamburger Hafen an der Taufe der Hanseatic Inspiration inklusive einer spektakulären 3D-Projektion am Schiff teilnehmen. Michael Wolf sammelte bei Taufe und einer kurzen Einführungsfahrt Impressionen.

Während das erste Schiff des bestellten Trios neuer Expeditionsschiffe, die Hanseatic Nature, wegen einer verspäteten Lieferung in einer kleinen Feier im Mitarbeiterkreis von Projektmanagerin Isolde Susset getauft wurde, hatte die Reederei für die neue Hanseatic Inspiration einen ganz besonderen Auftritt vorbereitet. Dass an diesem Oktoberabend in Hamburg ein leichter Nieselregen auf dem Wetterprogramm stand, passte zum Thema Expedition. Eine ganze Stunde lang gehörte die Elbe den Gästen und Mitarbeitern – von 27 Zodiacs, zwei Barkassen und einem Fahrgastschiff aus konnten sie das Geschehen verfolgen. Geboten wurde eine Multimedia-Show der Superlative: elf Hochleistungsbeamer projizierten auf die Schiffswand einen aus 19230 Bildern bestehenden Film, der durch die zukünftigen Zielgebiete der Hanseatic Inspirationführte. Da stellten Eisberge die prächtige Kulisse, Pinguine hüpften buchstäblich von Balkon zu Balkon, Wale tauchten majestätisch aus den Fluten. Dann wieder flatterten farbenprächtige Vögeln an den Ufern des Amazonas. Musikalisch untermalt wurde die Show von der deutschen Popkünstlerin Oonagh und dem norwegischen Musiker Terje Isungset. Auf einem Ponton schwamm dann die Tauf-Equipe ein: Hapag-Lloyd-Cruises Chef Karl J. Pojer, Hansesatic inspiration Kapitän Ulf Wolter und – natürlich
Taufpatin Laura Dekker, die 2009 als 14jährige allein zu einer Weltumsegelung startete und damit bestens zum Thema Expedition passt. „Ich bin mir sicher, dass die Inspiration ihrem Namen alle Ehre machen wird und die Gäste auf viele inspirierenden Reisen mitnehmen wird, die ihnen die Wunder der Natur nahebringen“ sagte sie nach der Zeremonie, die den Beteiligten sicherlich unvergesslich bleiben wird.

Die Highlights
Hinter der Rezeption fließen Wasserfälle, oder je nach Vorgabe wahrscheinlich auch Destinationsfilme – die Screens sind beeindruckend und laden zum Träumen ein. Nur zwei Uhren bringen den Reisenden schnell in die Realität: Eine zeigt die Zeit von Hamburg, die andere die Schiffszeit, eine gute Idee.
Die Hanseatic Inspiration ist bis auf wenige Ausnahmen baugleich mit der Hanseatic nature („an Bord“ berichtete 3-19). Besonders schön bei beiden Schiffen: Das zentrale HanseAtrium, eine stylische Lounge mit Panoramafenstern, einer intimen Bar, einem witzigen nostalgischen Musik-Automaten und Mega-Screens, auf denen Filme der jeweiligen Destinationen Stimmung machen für die Lektorate, Vorträge oder Besprechungen zu den Expeditionen. Intensiviert werden kann das Thema dann in der Ocean Academy mit seinen Mikroskopen, Exponaten und den Relax-Sesseln mit integrierten Touchscreen. Diese geben über die verschiedenen Destinationen Auskunft auch in wissenschaftlicher Hinsicht ebenso wie eine interaktive große Screen-Wand. Zu den Highlights gehören auch die beiden je nach Wetterlage einziehbaren gläsernen Balkone auf Deck 8, auf denen man eine freie Sicht nach unten auf das Meer hat – Schwindelfreiheit vorausgesetzt. Freie Sicht nach vorn dagegen bietet der Inspiration Walk, ein Deckumlauf direkt am Bug des Schiffes – ideal für Beobachtungen von Tieren und Landschaft. Näher kann man dem Wasser auf diesem Schiff nicht kommen.
Der Fünf-Sterne-Anspruch der Hanseatic Inspiration wird nicht nur durch das Verhältnis von 175 Crewmitarbeitern zu maximal 230 Gästen (auf Antarktisreisen und Spitzbergen-Umrundungen sind es nur bis zu 199) unterstrichen, sondern auch durch die angebotene Gastronomie (ein Hauptrestaurant, ein Buffetrestaurant und das Spezialitätenrestaurant Nikkei mit japanisch-peruanischer Küche). Die hier angebotene Qualität soll dem der Europa 2 nicht nachstehen.
Auch die Großzügigkeit der öffentlichen Räume wie der eleganten Observation-Lounge, dem für ein Expeditionsschiff mit weit über 200qm äußerst großen Spa-Bereich und dem enormen Platz auf dem Sonnendeck (mit Faltdach) und dem Pool mit seiner Gegenstromanlage stehen hierfür….

Fotos: enapress.com