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Ausguck auf SAIL Bremerhaven 2020

Die SAIL Bremerhaven gehört zu den größten Windjammertreffen der Welt.
Roland Mischke stellte eine Vorschau zusammen, was Besucher im nächsten Jahr erwartet.

Dabei sein, wenn die strahlenden Segel der „Königinnen der Meere“ über das Wasser jagen. Wenn mehr als 250 moderne oder historische Schiffe in die Häfen einfahren. An Bord gehen, wenn sie vor Anker liegen. Mit Seeleuten lockere Gespräche führen, auf den Planken oder im Unterdeck eines Drei- oder Viermasters. Ihren Stolz auf die attraktiven Schiffe wahrnehmen. Herumlaufen, staunen. Die SAIL ist ein Ereignis für die Augen, aber auch andere Sinne. Es wird einfach hoch spannend sein, dieses Festival auf den Wellen und in der Stadt mitzuerleben.
Bremerhaven liegt am Elbe-Weser-Dreieck, das in die Nordsee übergeht. Sie gehört zur Freien Hansestadt Bremen. Neun Mal gab es hier seit 1986 die SAIL Bremerhaven, und jedes Mal wuchs der Anteil der Schifffahrt. Nächstes Jahr werden wieder neue Rekorde erwartet, darauf bereitet sich die Stadt bereits vor.
Ein extragroßes Magazin mit dem Titel „Ausguck 2020“ gewährt ab sofort Einblick in die ganze bunte Segelwelt in Bremerhaven auf 124 Seiten. Mit Sachtexten und großformatigen Bildern von Seglern, Dampf- und Motorschiffen, die bereits zugesagt haben, werden Interessenten angewärmt für das Großereignis SAIL vom 19. bis 23. August.


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http://www.sail-bremerhaven.de


Alt und neu
Bei den Schiffen geht es von ehrfürchtig bis kurios zu. Das sind die Blockbuster 2020:
Das Segelschulschiff El Mellah („Der Matrose“) der algerischen Marine ist ein hochmoderner Neubau nach dem Entwurf des Danziger Konstrukteurs Zygmunt Choren. Das Achterdeck ist gewaltig, die Segelfläche riesig, unterwegs ist es mit einer 222-Mann-Besatzung.
Im Old Style kommt El Galeón aus Spanien daher, die Replik eines königlich-spanischen Handelsschiffs aus dem Jahr 2009. Mit dem 50 Meter langen Dreimaster wird die Tradition einer großen Seefahrernation hochgehalten. Man sieht Kanonen im Schiffsbauch, bleiverglaste Fenster, die Möbel sind handgeschreinert.
Die norwegische Christian Radich sorgt wieder für einen großen Auftritt. Das stählerne Vollschiff wurde vom Namensgeber, einem Unternehmer, bereits Ende des 19. Jahrhunderts entwickelt. Seit 1937 ist es als Schulschiff auf den Meeren unterwegs.
Ganz anders ist der Zweimaster Zénobe Gramme aus Belgien, fast 30 Meter lang und ein schnittiges früheres Forschungsschiff unter Segeln. Es trägt den Namen eines Wissenschaftlers der Meeresforschung, ist seit 1960 im Dienst und ab 1970 unter Regie der belgischen Marine mit einem voluminösen Vordersegel.
Zum ersten Mal nach Bremerhaven kommt der Dreimaster Earl of Pembroke aus England. 1925 in einer schwedischen Werft gebaut, seit 1980 in englischem Privatbesitz und aufwändig restauriert. Sein Name erinnert an den Weltentdecker James Cook, der 1770 mit einem ähnlich gebauten Schiff erstmals Australien anlief. Halle Berry, Tom Hanks und andere Hollywood-Stars diente es als Kulisse für mehr als 20 Filme.

Spaß und Unterhaltung
Der Hamburger Uwe Bahn ist ein bekannter Moderator und Produzent. Der Entertainer erzählt die Stories der See so, dass sie für die Zuschauer zum Erlebnis werden. In Bremerhaven wird sein „Ship Happens – Eine rockige Reise durch die Kreuzfahrt“ zu hören und zu sehen sein. Da geht es wild durcheinander um die Andrea Doria, die Titanic, den ersten Kreuzfahrt-Stapellauf auf der Meyer Werft in Papenburg und in andere turbulente maritime Geschichten. Sein Motto für die abwechslungsreiche Show: „Kreuzfahrt ist auch für alle, die es noch nicht im Kreuz haben.“

Informationen:
www.sail-bremerhaven.de, www.bremerhaven.de

Fotos: Scarlet Sails, Kathrin_Leverentz, TSC_Erlebnis Bremerhaven

Legerer Luxus

Das traditionelle Hapag Lloyd-Flaggschiff EUROPA fährt nach seinem Werftaufenthalt in eine moderne Zukunft. Peggy Günther berichtet.

„Seit 5:22 Uhr liegt die EUROPA an der Pier des Cruiseterminals“, sagt Gabi Haupt beim Empfang in der mit Blautönen neu gestalteten Lobby des Schiffsklassikers. Die Produktmanagerin bei Hapag-Lloyd Cruises hat gerade einen der aufwändigsten Werftaufenthalte seit Indienststellung des Schiffes abgeschlossen. Neben zahlreichen technischen Neuerungen standen auch viele Umbauten im Passagierbereich auf der To-Do-Liste mit 1.500 Punkten.

850 Arbeiter haben während des 14-tägigen Werftaufenthaltes bei Blohm & Voss in Hamburg 5.000 Quadratmeter Teppich verlegt und 3.500 Liter Farbe verpinselt. Aus dem Multifunktionsraum „Atelier“ ist eine reine Sportlocation geworden, passend zum neuen Gesundheitsprogramm EUROPA REFRESH – mit gesunden kulinarischen Alternativen von Dr. Anne Fleck und dem Fitnessprogramm LES MILLS. Manche kleinen Verbesserungen zogen große Arbeiten nach sich: Für die Espressomaschinen in den Suiten mussten erst einmal zusätzliche Stromleitungen gezogen werden. Und im Hauptrestaurant wurden zwei Wände versetzt, um mehr Platz in den Spezialitätenrestaurants zu schaffen.

Foto: Hapag-Lloyd Cruises / Christian Wyrwa

So wuchs das italienische Venezia – jetzt in moderner rot-schwarz-weißer Optik – von 30 auf 50 Sitzplätze. Und das neue Restaurant „The Globe by Kevin Fehling“ bietet 26 Passagieren am Abend erlesenen Sterne-Genuss. Gleichzeitig ist es aber auch gelungen, dem Wunsch vieler Stammgäste nach mehr Zweier-Tischen im Hauptrestaurant nachzukommen: Die Anzahl hat sich von 20 auf 50 erhöht. Insgesamt bietet das Europa-Restaurant nun 265 Sitzplätze in stylischen weißen Ledersesseln. Sie sind mit zwei praktischen Features ausgestattet: einem Griff im Rücken, der es der Crew erleichtert, den Sessel für die Passagiere zurechtzurücken und einem Knopf an der Seite, an dem die Dame ihre Handtasche aufhängen kann. Das ist Liebe zum Detail!

Doch zurück zum neuen Stern am kulinarischen EUROPA-Himmel: „The Globe by Kevin Fehling“. Mit strahlenden Augen kredenzt der 42-Jährige zum ersten Mal Auszüge aus seiner weltoffenen Kreativküche, inspiriert von all seinen Reisen als Küchenchef an Bord der EUROPA zwischen 2000 und 2003. Dazu zählen eine Neuinterpretation von Egg Benedict mit weißem Alba-Trüffel oder ein Carabinero, sous-vide gegart und begleitet von einer feinen Gurkenrelish sowie einem Exotic-Chutney und Tandoori-Hollandaise. Fein abgestimmte Entdeckungsreisen für dem Gaumen aus den besten Zutaten. Selbst beim Interieur hat der Sternekoch selbst Hand angelegt: Von der Decke hängen runde Lampen, die an beleuchtete Globen erinnern, an den schlicht-grauen Wänden erscheint am Abend eine Sternenprojektion….

Fotos: enapress.com, Hapag-Lloyd Cruises / Christian Wyrwa, Peggy Günther

Nicht nur Bananen sind krumm…

Zu meckern hatte er immer etwas, der „master next god“: Zum Beispiel wenn er morgens längs Deck stolzierte, in flatterndem seidenen Morgenmantel, der feine Herr, und mit dampfender Pfeife zwischen den Zähnen. Erspähten seine unerbittlichen Adleraugen ein Streichholz im Wassergraben, packte mich seine gepflegte Rechte am Genick und drückte „Moses“ Peer Schmidt-Walther zum Aufsammeln in die Knie: „Herr“, so war seine Anrede, weil er die Namen von uns Decksknechten nicht lernen wollte, „hebbt se dat Striekholt nich sehn?!“

Bevor wir auf Kurs Panama-Kanal gingen, wurde Curaçao angelaufen, manchmal auch erst auf der Heimreise. Die steppenähnlich karge Insel der Niederländischen Antillen war regelmäßig Bunkerstation – nicht nur des preiswerten Schweröls wegen, wie wir später heraus bekamen.
Manchmal ging ‘s hier Schlag auf Schlag, so wie auf dieser Reise anno ‘62. Einer vergaß doch einfach, ein Ventil zuzudrehen, so dass unser schöner weißer Bananendampfer mit klebrig-schwarzem Öl „geduscht“ wurde. Das Überlaufrohr zog sich am Vormast hoch, und von oben herab rieselte der Overflower erbarmungslos an Deck. Eine „schöne Bescherung“! Nichts da mit Landgang in Willemstad, dem verlockenden Kolonialstädtchen im Holland-Stil. Statt dessen Sägemehl streuen wie in einer Zirkusmanege, um das Öl zu binden, anschließend stundenlanges Großreinschiff. Oder in sengender Hitze außenbords Malen mit Rollen an meterlangen Stangen. Das ging in die Arme, das blendende Weiß in die Augen: schneeblind in der Karibik – Sachen gab ‘s!

Fiete-Quark-Line
Auch das: Beim Verholen rutschte die tight gespannte Leine über den ölglatten Spillkopf, der Mann dahinter wurde regelrecht in die Luft geschleudert. An Deck dann eine harte Landung mit Knochenbrüchen und anschließendem Inselkrankenhausaufenthalt. Glück gehabt!
Und der Alte meckerte weiter. Bis ein paar Matrosen den Kanal voll hatten und statt nur weißer auch schwarze Farbe mit auf die Pier nahmen. Bald konnte es jeder an der Bordwand ablesen, welcher LINE wir angehörten: nämlich der FIETE-QUARK-LINE, benannt nach unserem „tollen“ Kapitän. Zur Gitarre wurde ein Song improvisiert und alle fielen ein: „Fiete Quark, Quark, Quark – das macht uns alle stark, stark, stark …“ Der Alte tobte, und er heuerte eine Malergang von Land an, die die Spuren seiner Schande überpinseln mussten; wir weigerten uns. „Meuterei!!!“ war denn auch seine wutentbrannte „quarkige“ Rede.
Ankern vor Cristóbal, Panama, denn der Kanal war dicht. Chance für ein Rettungsbootmanöver – nach langer Zeit mal wieder. Also zu Wasser damit! Doch wer dachte schon daran, dass sich das Holz in Folge Dauertrockenheit zusammen gezogen hatte. Die Boote liefen denn auch langsam voll, und wir auf den Duchten bekamen nasse Füße. Also wieder aus dem Wasser. Per Riemen ließen sie sich nicht mehr bewegen, so schwer waren die Boote geworden. „Hiev op!“ Wir waren gerettet, und „Fiete Quark“ als sauberer Kapitän hatte wieder mal das Nachsehen.

Kapitäns Rache
Er sann auf Rache, und die war in Gestalt der Taufe am Äquator fällig. Aber wer hatte schon, um dem gefürchteten Akt zu entgehen, seine Taufurkunde von irgend einer früheren Reise dabei? Ein paar von Fietes „Getreuen“ – wir sagten „Abtrünnige“ und Schlimmeres – nahmen uns „Meuterer“ hart ran. Er amüsierte sich Pfeife schmauchend vom Bootsdeck aus, was mit uns auf und vor Luke 2 veranstaltet wurde. Nebel und nur +18 Grad Lufttemperatur ließen uns klappern, denn der kalte Humboldtstrom vor der kolumbianischen Küste hatte kein Erbarmen mit uns. Ein Ekel erregendes Gemisch aus Herings-Rizinusöl und Tabasco-Cognac-Sauce im Magen, Menninge in den Haaren und Schmieröl auf der Haut passierten wir die „Linie“. Am nächsten Tag sollte Einlaufen in Guayaquil, unserem Bananen-Ladehafen in Ecuador, sein – aber in dem Aufzug? Das hartnäckige Zeug ließ sich nur in stundenlanger und schmerzhafter Reinigungsprozedur von der Haut und aus den Haaren schrubben. Fietes Rache, die war ihm süß und gelungen! ….

Fotos: Peer Schmidt-Walther

Maritimes Erbe an der Dänischen Riviera

Einst lebte Helsingör vom Öresundzoll und vom Schiffbau. Heute ziehen ein Schloss, maritime Museen und feinsandige Strände Touristen an. Dagmar Krappe berichtet.

„Sein oder Nichtsein, das ist hier die Frage.“ Der englische Dramatiker William Shakespeare wählte­ Schloss Kronborg in Helsingör als den Ort, an dem er den dänischen Prinzen Hamlet diesen berühmt gewordenen Satz aussprechen ließ. In der Festung, die auf einer Landzunge am nordöstlichsten Ende Seelands thront, täuschte Hamlet Wahnsinn vor, um zu erfahren, ob sein Onkel Claudius seinen Vater ermordete,­ um selbst König von Dänemark zu werden.
„Die meisten Besucher denken bei Kronborg nur an das Theaterstück, das Shakespeare um 1600 schrieb“, sagt Schlossführerin Louise Hansen: „Während der Sommermonate finden hier seit 200 Jahren Aufführungen statt, und Schauspieler flanieren als Hamlet, Ophelia, Königin Gertrude und König Claudius über den Schlosshof, durch den Ballsaal, die feuchten Kasematten oder über die windigen Wälle.“ Doch die Kleinstadt 50 Kilometer nördlich von Kopenhagen hat auch ein großes maritimes Erbe, das bis ins 15. Jahrhundert zurückreicht. „Der damalige König, Erik von Pommern, ließ an der Stelle des heutigen Schlosses die Burg „Krogen“ errichten“, erklärt Hansen: „Sie bewachte die Einfahrt in den Öresund, der die Ostsee mit dem Kattegat verbindet.“ 428 Jahre lang – von 1429 bis 1857 – hatten Kapitäne, die das Gewässer passierten, Gebühren zu entrichten, was Helsingör zur Blüte verhalf. Im Gegenzug sorgten die dänischen Könige für eine sichere Reise mit Küsten- und Seezeichen und Schutz vor Seeräubern. „Skibsklarerergården“ in der Strandgade stammt noch aus dieser Zeit. „Über 30 dieser Schiffsmakler-Häuser gab es Ende des 18. Jahrhunderts“, erzählt Museumsführerin Rie Holmes: „Hier wurde der Sundzoll entrichtet. Im Erdgeschoss befand sich ein Lebensmittelladen, in dem die Seeleute ihren Proviant aufstockten, im ersten Obergeschoss wohnte der Makler und im obersten Stock übernachteten die Kapitäne, wenn sie mal für ein paar Tage festen Boden unter den Füßen haben wollten.“

1882, als der Sundzoll bereits abgeschafft war, entstand in der Nähe der Festung eine Werft. Über 400 Schiffe liefen vom Stapel, bis in den 1980er Jahren die große Werftenkrise den Erfolg beendete. Aus der einstigen Industrie entwickelte sich eine Kulturmetropole mit zahlreichen Museen. Im Umland reihen sich ehemalige Fischerdörfer mit langen, feinsandigen Stränden aneinander. Die „Dänische Riviera“ erstreckt sich vom Öresund im Osten 230 Kilometer über Helsingör, Gilleleje, Tisvildeleje, Hundested bis in die Sejerø Bucht im Westen.
Am Pier in Helsingörs Kulturhafen sitzt ein Jüngling aus glänzendem Edelstahl und blinzelt hinüber zum Kulturzentrum „Kulturvaerftet“, das in Kombination mit moderner Architektur aus Glas und Stahl in den früheren Werftgebäuden entstanden ist. HAN (deutsch „ER“) lautet der Name des jüngeren Bruders der kleinen Meerjungfrau in Kopenhagen. Er ist ein Symbol für die postindustrielle Zeit Helsingörs. Ein paar Schritte weiter in der Allégade trifft man auf vier in Bronze gegossene Werftarbeiter: Männer unterschiedlicher Generationen auf dem Weg zur Arbeit. Doch hinter der alten Backsteinfassade befindet sich heute nur noch das „Vaerftsmuseet“.
Arbeitsutensilien und Modelle von Schiffen, die in Helsingör gefertigt wurden, zeigen die tiefe Verwurzelung mit einer Epoche, in der der Schiffbau das Leben der meisten Familien bestimmte…

Fotos: Dagmar Krappe

Ausgabe 05-2019

Für Sie auf anbord.de:

Auszüge aus den Artikeln der neuen Ausgabe.
Die vollständigen Artikel und weitere spannende Beiträge finden Sie – wie gewohnt – in der neuen Printausgabe von AN BORD bei Ihrem Zeitschriftenhändler oder hier:
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Hochseeflair auf der Donau

Sie ist eines der größten Binnenkreuzfahrtschiffe der Welt: Auf der Donau ist seit dem Sommer dieses Jahres die AmaMagna im Einsatz. Michael Wolf konnte sich während der Taufreise das Schiff genauer ansehen.

Wow, was für ein Schiff! Die chinesischen Touristen, die in Budapest an der AmaMagna vorbeiziehen, machen Selfies, Fotos, Videos ohne Ende. Ein so großes Schiff hatten sie wohl selten auf der Donau zu Gesicht bekommen. Und sie haben Glück: Heute steht Captain Jan de Bruijn höchstpersönlich vor der AmaMagna, wartet auf die ersten Gäste. Fast liebevoll flaniert er an „seinem“ Schiff vorbei, das er schon seit Monaten in der Werft „betreut“ hatte, dort die letzten Arbeiten überwachte.
Zusammen mit dem Hoteldirektor schüttelt er die Hände der Anreisenden, von denen nur einige mit großen Bussen kommen, viele dagegen in Limousinen oder Vans.
Individuell ist das Stichwort, das die AmaMagna auszeichnet.

Obwohl das Schiff fast doppelt so groß ist wie die üblichen Flusskreuzfahrtschiffe, nimmt es nur 20 Prozent mehr Passagiere mit. Das macht sich überall an Bord bemerkbar: In der Größe der bemerkenswerten Kabinen und Suiten, in allen öffentlichen Bereichen, den Lounges und Restaurants und natürlich dem riesigen Sonnendeck: Platz ist überall mehr als reichlich vorhanden.
Dabei lässt der erste Eindruck nach dem Eingang mit der relativ kleinen Rezeption noch nicht auf das Raumangebot schließen. Aber dann öffnet sich alles sehr schnell: die bequemen Sitzgelegenheiten, die Bereiche für Hotel- und Cruisedirektor, das lichtdurchflutete Treppenhaus mit seinen zwei parallel angeordneten Marmortreppen und den (leider künstlichen) begrünten Bäumen, das sich über drei Decks erstreckt. Auf denen liegen im Vorderbereich die Restaurants und Lounges, nach hinten erstreckt sich der Wohnbereich, zu dem breite Gänge führen.

Exklusives Wohnen
In acht Kategorien werden die Kabinen und Suiten angeboten, die von 19 bis 66 qm groß sind.
Sie sind in modernen Rot- und Rost-Tönen designt, haben über den Betten meist dekorative Holzpaneelen, daneben körperhohe Spiegel. Neben einem Mega-TV-Screen (mit internationalen TV-Programmen und einer großen Auswahl von auch aktuellsten Spielfilmen, in einigen Suiten zum Ausfahren aus einem Holzsockel) sorgt ein iMac für interaktiven Zugang zum Internet, Surfen und Apple-TV, Buchungen von Bordleistungen etc., ein zusätzliches iPad hilft auch bei der Regulierung der Klimaanlage sowie bei der individuellen Beleuchtung.
Auf einem kleinen Touchscreen an der Wand kann dies ebenfalls eingestellt werden.
Mit wenigen Ausnahmen haben alle Kabinen begehbare Balkons mit Sesseln.
Jeden Tag bringen die wirklich freundlichen Crew-Mitarbeiter frische Wasserflaschen, sie sind kostenfrei. Die Schränke bieten außergewöhnlichen Platz. Die komplett ausgestatteten meist grau gefliesten eleganten Badezimmer sind wahrscheinlich die größten in der Flusskreuzfahrtindustrie. Sie verfügen über große Duschen mit festen Glaswänden, die Marmorplatte der beiden Waschbecken ragt dabei bei einigen durch eine Öffnung in den Duschbereich als Ablage hinein, ein ebenso praktisches wie optisch interessantes Detail. Für High End-Kunden hat die Reederei sechs Grand Suites und eine Owner Suite entworfen, sie bieten auch Butlerservice. In den Kabinen kann man sich auf diesem Schiff bequem auch mal für eine längere Zeit zurückziehen….

Fotos: enapress.com

Megayacht mit Eisklasse

Milliardärs-Yacht für Nicht-Milliardäre: Mit einem der umfangreichsten All-inclusive-Konzepte der Kreuzfahrtbranche, mit Hubschrauber und U-Boot unternimmt die Scenic Eclipse exklusive Expeditionen weltweit. Franz Neumeier hat sich die Kreuzfahrtyacht genauer angesehen.

Die Ausfahrt von New York City entlang der Skyline von Manhattan und ganz nahe vorbei an der Freiheitsstatue steht meist ganz oben auf der Wunschliste passionierter Kreuzfahrer. Kaum noch zu übertreffen ist dieses Erlebnis zum Sonnenuntergang, wenn ganz vorne am Bug der Kreuzfahrtyacht Scenic Eclipse einem warmer Herbstwind um die Nase weht und ein Kellner Champagner reicht.
Die erste Discovery-Yacht der Welt und eine Milliardärs-Yacht für Nicht-Milliardäre – so sieht die Reederei ihre neue Ultraluxus-Yacht Scenic Eclipse und positioniert sie auf amerikanisches Sechs-Sterne-Niveau: Ultra-Luxus mit der höchsten Eisklasse für Passagierschiffe (PC6) und Ultra-all-inklusive. Nur Rundflüge mit einem der beiden bordeigenen Hubschrauber, Tauchgänge mit dem kleinen U-Boot und Spa-Behandlungen kosten extra, alles andere ist im Reisepreis enthalten, selbst Landausflüge, gute Weine und Cocktails sowie die 155 Whiskey-Sorten an der Lounge Bar.

Als Taufpatin der Yacht ist die großartige und humorvolle Helen Mirren, britische Schauspielerin und Oscar-Gewinnerin, nach New York gekommen. Abgesehen davon jedoch sind die Feierlichkeiten im Manhattan Cruise Terminal ein enormes Understatement für ein Ultraluxus-Schiff: Kein Magnum-Protz bei der Champagner-Flasche, kein pompöses Gehabe, nur ein paar feine Häppchen und Champagner, Begleitmusik mit Harfe und Streichquartett.
Scenic-CEO Glen Moroney und seiner Frau Karen, die für das Innendesign des Schiffs verantwortlich zeichnet, strahlt das Glück über ihr neues Schiff aus den Gesichtern. Wohl auch, weil das Projekt beinahe an einer Pleite der Uljanik-Werft im kroatischen Pula gescheitert wäre. Scenic musste ein großes, eigenes Team aus Technikern und Ingenieuren zusammenstellen und den Bau weitgehend selbst übernehmen. Das Schiff kam rund ein Jahr später kam als geplant.
Auch der Taufakt selbst verlief ein wenig anders erwartet: Beim ersten Versuch zerschellte die Champagner-Flasche nicht am Bug der Scenic Eclipse, hinterließ aber eine ordentliche Schramme im Lack. Beim zweiten Versuch löste sich die Flasche aus der Halterung und fiel – ohne zu zerbrechen – in den Hudson River. Helen Mirren beschloss spontan und notgedrungen, dass die Taufe des Schiffs damit dennoch vollzogen sei. Jubel und Applaus, Glückwünsche und Blumen, Gruppenfotos vor dem Schiff….

Fotos: Franz Neumeier

Abenteuer Franz-Josef-Land

Renate Scheiper reiste mit der SEA SPIRIT zu den Eisbären, Walrossen und Seevögeln im Fanz-Josef-Land. Eine Reise mit Zodiac-Touren, Polar-Plunge, viel Geschichte und Abenteuer-Charakter.

Mit vereinten Kräften ziehen Expeditionsleiter Ryan aus England und Historiker Andreas aus Deutschland das Zodiac im seichten Wasser über die Kiesel. Es ist die erste Anlandung der Gäste des komfortablen Expeditionsschiffes Sea Spirit in Franz-Josef-Land. Drei weitere der insgesamt elf Zodiacs sind bereits unterwegs in die Geographers Bucht der Prinz Georg Insel. Plötzlich kommt ein Anruf von der Brücke: „Anlandung sofort abbrechen. Ein Eisbär ist unterwegs!“ Oh ja – da steht er hoch oben am Abhang eines Schneefeldes. Wir sind begeistert, auch wenn nun alle Zodiacs zurück müssen zum Schiff. Zwei Männer der russischen Eisbärpatrouille, welche die Sea Spirit begleiten und jeweils vor den Passagieren an Land gehen, hatten ihn entdeckt. Jetzt ist klar, weshalb am Vortag die fünf mit Gewehren ausgestatteten Russen nebst zwei Wissenschaftlern zustiegen, als die Sea Spirit nach zwei Seetagen, von Longyearbyen auf Spitzbergen kommend, auf Alexandra Land in russisches Gewässer einklarierte.
Das war der Erste unseres täglichen Eisbären. Die gescheiterte Anlandung wird nachmittags in einer anderen Bucht ersetzt durch eine Zodiac-Fahrt entlang gigantischer Gletscherfronten. Walrossfamilien schwimmen auf Eisschollen vorbei, teilweise so gequetscht, dass mancher Po halb im Wasser hängt. Doch sie scheinen sich wohl zu fühlen, räkeln sich, gähnen, wedeln mit den Flossen.

Gourmet-Dinner und Naturspektakel
Täglich informieren die vierzehn internationalen Lektoren durch Vorträge und Filme (auf Englisch, von Andreas simultan übersetzt) über Inseln, Tiere, Vegetation und die spannende Geschichte der Entdeckung von Franz-Josef-Land durch die österreichisch-ungarische Expedition 1872 – 1874 mit dem Segelschiff Admiral Tegetthoff, die den Archipel nach ihrem Kaiser „Franz-Josef“ benannte. Der ukrainische Kapitän Oleg bedauert, dass wir wegen des starken Eises Kap Tegetthoff nicht anlaufen können, wo das Schiff der Expedition damals vom Eis eingeschlossen wurde. Das soll uns besser nicht passieren. Dafür dröhnen Lachsalven durch die Oceanus Lounge, als er persönlich jeden seiner Offiziere vorstellt mit witzigen Einfällen. Zudem begeistert er alle 92 Passagiere aus 15 Ländern durch seine Politik der „offenen Brücke“, die manchmal regelrecht belagert ist. …

Fotos: Renate Scheiper, Sergey Gorshkov, Poseidon Expeditions, Dietmar Denger