Chance für Kreuzfahrtstandort Hamburg: Citynaher Anleger auch für Flusskreuzfahrtschiffe gesucht
Die mit ihren für die Abfertigung von Seeschiffen ausgelegten Kreuzfahrt-Terminals in Steinwerder, Altona, HafenCity und Baakenhafen zum führenden deutschen Kreuzfahrtstandort avancierte Elbmetropole Hamburg könnte sich durch die Beseitigung einer Schwachstelle weitere Entwicklungschancen im Bereich des Wassertourismus eröffnen. Dabei handelt es sich um das Segment der Flusskreuzreisen, das schwerpunktmäßig auf Städtereisen setzt und dabei in der Regel von der attraktiven innenstadtnahen Lage der Anleger profitiert. Dass dieses in Hamburg nicht der Fall ist, wird bereits seit Jahren nicht nur von der Branche, sondern auch von ihren Gästen moniert.
Wegen des Tidenhubs sind die über Liegeplätze an Kaimauern verfügenden Kreuzfahrterminals für Flusskreuzer nicht geeignet. Während der früher genutzte Flusskreuzfahrt-Anleger an einem Ponton vor dem Fischmarkt bereits seit 2019 aus Sicherheitsgründen nicht mehr zur Verfügung steht, liegt der derzeitige Flusskreuzfahrt-Anleger beim Kreuzfahrtterminal Steinwerder beispielsweise weit entfernt von der Innenstadt am gegenüberliegenden Flussufer inmitten eines Industriehafengebietes mit unzureichender ÖPNV-Anbindung. Und die gelegentlich genutzte Überseebrücke ist nicht nur logistisch weniger flexibel, kostenintensiver und platzmäßig weniger verfügbar.


Vor diesem Hintergrund haben die Fraktionen von SPD und Grünen den Hamburger Senat aufgefordert, geeignete Standorte für einen oder mehrere Anleger in Innenstadtnähe zu erkunden. Ziel sei es, Hamburg als attraktiven Start-, Ziel- und Zwischenhafen für Flusskreuzfahrten zu etablieren, heißt es in einem Antrag, über den die Bürgerschaft heute (Donnerstag) abstimmen soll.
Nach Angaben des SPD-Tourismusexperten Arne Platzbecker werden moderne und innenstadtnahe Anleger benötigt, um das Potenzial nutzen zu können, das zur Belebung der City beiträgt und zusätzliche Wertschöpfung für lokale Unternehmen schafft. „Dabei legen wir besonderen Wert auf eine fußläufige Erreichbarkeit der City, eine gute ÖPNV-Anbindung sowie hohe ökologische Standards.“ Die Zielgruppe dieser Reiseform sei überwiegend kulturinteressiert, setzt stark auf Städteerlebnisse, verfüge über eine hohe Ausgabenbereitschaft und verbinde Flussreisen häufig mit mehrtägigen Aufenthalten in den jeweiligen Städten. Da Flusskreuzfahrten auch in der Nebensaison gefragt seien, könnten Kultureinrichtungen, Gastronomie und Einzelhandel davon profitieren, „ohne dass es in der Hauptsaison zu Überlastungen in den touristischen Hotspots kommt“, ergänzt der tourismuspolitische Sprecher der Grünen, Dominik Lorenzen. Beide weisen darauf hin, dass Hamburg mit seiner guten Bahn- und Flughafenanbindung über Standortvorteile gegenüber vielen klassischen Flusskreuzfahrthäfen verfüge, die auch für internationale Gäste attraktiv seien. Als geeigneten Standort für ein neues Flusskreuzfahrtterminal favorisiert Platzbecker einen Anleger wie früher in der Nähe des Fischmarktes oder im Bereich des City-Sportboothafens zwischen Elbphilharmonie und Überseebrücke.
Um Anwohner und auch die Umwelt bestmöglich vor Belastungen zu schützen, setzen die Antragsteller bei der Planung neuer Infrastruktur für die Flusskreuzfahrt auf effektiven Lärm- und Emissionsschutz sowie konsequente Landstromnutzung. Der Senat soll nun mögliche Standorte prüfen, Kosten bewerten und Gespräche mit Reedereien führen. Ein Bericht dazu wird bis Sommer 2027 erwartet. JPM
Fotos: Jens Meyer



