Color Line leiht sich Geld

Foto: Frank Behling

Die Color Line ist von der Corona-Pandemie schwer getroffen. Bei den Verkehrszahlen wird das Unternehmen das schlechteste Jahr seit 2004 erleben. Um die Liquidität zu sichern, musste die Reederei jetzt sogar einen Kredit aufnehmen. Der einzige Lichtblick ist die Fortsetzung des Kreuzfahrtangebots für norwegische Bürger. Bis zu 1000 norwegische Bürger oder Menschen mit dauerhaftem Wohnsitz in Norwegen dürfen derzeit pro Tag und Schiff mit Color Fantasy und Color Magic das dreitägige Kreuzfahrtangebot nutzen. Diese Chance des Verkaufs von Seereisen mindert den Verlust der Passagiersparte des norwegischen Unternehmens etwas.

Dennoch sind die Spuren in der Konzern-Bilanz nach sechs Monaten Corona deutlich. In Norwegen hat die Reederei jetzt kurzfristig auf dem Kapitalmarkt eine Hybrid-Anleihe über 44 Millionen Euro aufgenommen, mit der die Liquidität für den kommenden Winter gesichert werden soll. Zu einem Zinssatz von 12 Prozent muss die Anleihe 2024 wieder zurückgezahlt werden. Schwer betroffen ist die Route Kiel-Oslo, die als Kreuzfahrtroute geführt wird und bislang einen Großteil des Konzernumsatzes von insgesamt 480 Millionen Euro erwirtschaftete.

2020 sind aber besonders die Passagierverkehre eingebrochen. Statt der sonst 1,1 Millionen Passagiere pro Jahr wurde 2020 auf der Route Kiel-Oslo vielleicht gerade einmal die Hälfte transportiert. Auch beim Gütertransport werden die 45 000 Trailer des Vorjahres nicht mehr erreicht. Die Frachtfähre Color Carrier wurde am 14. September aus dem Fahrplan genommen, da für den Transport von Lkw die beiden Kreuzfahrtfähren reichen.

Foto: Frank Behling

Die erste Reaktion nach sechs Monaten Pandemie war die Kappung beim Personal. Rund 300 der 2400 Arbeitsplätze sollen gestrichen werden. „Die Color Line wird der herausfordernden Situation im Zusammenhang mit der Covid-19-Pandemie mit einem umfassenden Programm zur Kosteneinsparung und Effizienzsteigerung begegnen“, sagte Vorstand Trond Kleivdal. Der Personalabbau soll eine Einsparung von etwa 26 Millionen Euro bringen. Um dennoch die Finanzierung der im Besitz von Olav Nils Sunde und seinen beiden Söhnen befindlichen Reederei zu sichern, wurde die Anleihe bei einem skandinavischen Bankenkonsortium aufgenommen. Rückzahlbar ist das Darlehen bis 2024 bei einem Zinssatz von 12,27 Prozent. Die vergangenen Monate waren hart. Auf der Route Kiel-Oslo lagen von Mitte März bis Mitte Juni die beiden Kreuzfahrtfähren komplett still. Bis Mitte August lief der Verkehr dann normal. Doch inzwischen sind die beiden Kreuzfahrtfähren wieder nur für norwegische Passagiere als Kreuzfahrer und für Lastwagen als Güterfähre im Einsatz. Dies hat Auswirkungen auf den Fahrplan: Die Schiffe kommen in Kiel eine Stunde später an und starten auch eine Stunde früher zur Fahrt zurück nach Oslo. Grund: Die Schiffe sind langsamer unterwegs, um Treibstoff zu sparen.

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Dieser Einbruch trifft auch den Seehafen Kiel. „Die Color Line zählt zu den wichtigsten Kunden des Kieler Hafens. Im Passagierverkehr ist Color Line die Reederei mit den meisten Passagieren ab Kiel“, sagt Seehafen-Geschäftsführer Dirk Claus. Auch wenn die Frachtverkehre nach Fahrplan laufen, verzeichnet der Seehafen Einbußen bei den Passagiergeldern, da aufgrund geltender Bestimmungen in Norwegen derzeit keine Passagiere aus Deutschland befördert werden, so Claus. „Wir schauen auch nach vorn und hoffen darauf, bald Deutschland wieder zu öffnen“, sagt Color-Sprecher Helge Otto Mathisen. Die norwegische Regierung überprüft jeweils zum Monatsende das Infektionsgeschehen. FB