DAS LANGSTRECKENSCHIFF

SS Arcadia wurde als Passagierschiff gebaut. Es gehörte der britischen Reederei Peninsular and Oriental Steam Navigation Company und wurde zum Kreuzfahrtschiff umgewandelt.


Foto: Sammlung JSA

Wer auf Schiffen durch die Welt fährt, kann allerhand erleben. Im Juni 1961 lag die Arcadia vor Hawaii, eine Gruppe polynesischer Tänzer wurde eingeschifft. Als die Künstler an Bord waren und die Fahrt begann, gelang es der Mannschaft auf der Brücke nicht, den Dampfer durch eine enge Kurve im Hafen zu navigieren. Er trieb ab in ein Korallenriff, wo er sich verkeilte und nicht mehr in Gang kam. Es gelang zwei Tage nicht, das Schiff flottzumachen, es wurde ein Schlepper geholt, der die Arcadia ins Freie zog. Dann konnte die Fahrt beginnen, der Schaden war gering.

Die Schiffbauer schufen die Arcadia im griechischen Stil, ihr Name stammte von einer Region des Peloponnes, die den Ruf einer ländlichen Glückslandschaft besaß. Es war das antike Griechenland, Arkadier galten als Menschen, die ein ruhiges und einfaches Leben führten.

Die Arcadia war ausgestattet worden mit Säulen, 16 Räume hatten griechische Bezeichnungen erhalten. Der Speisesaal der Ersten Klasse erhielt den Namen Olympic, der in der Touristenklasse wurde Corinthic genannt. Andere Titel wie Apollo, Orpheus oder Odyssee wurden vergeben. Neun Räumlichkeiten waren in die Erste Klasse eingefügt worden, sie waren auf der Höhe des Promenadendecks. Direkt unter der Kommandobrücke befand sich die Lookout-Bar, ein beliebter Treffpunkt der Passagiere. Das Schiff hatte einen Ballsaal, eine Lounge, eine Bibliothek, mehrere Cafés und Bars. Ein Pool war eingebaut worden, Kindern stellte man ein eigenes Spielzimmer bereit, in dem sie behütet wurden. Auch in der Touristenklasse – Deck A, B und C – konnten sich Passagiere in mehreren Aufenthaltsräumen bewegen, es gab Bars und einen Pool.

Die Innenausstattung hob sich betont von anderen Schiffen ab, so wurden Möbel mit verschiedenen Farbschemata ausprobiert. Auch neue Metalle und Legierungen wurden eingeführt. Auf der Jungfernreise nach Australien befanden sich noch insgesamt 50 Arbeiter, Zimmerleute und Klempner an Bord, die Restarbeiten an der Innenausstattung erledigten und dafür bessere Bezahlung erhielten.


Foto: Sammlung JSA

Die weiß glänzende Arcadia fuhr unter der Flagge des Vereinigten Königreichs, erster Kapitän war der Commodore GC Forrest. Die Fertigung des für 6,66 Mio. engl. Pfund bestellten Schiffes mit der Baunummer 675 wurde bei der Werft John Brown & Company in Clydebank aufgenommen. Die Kiellegung fand am 28. Juni 1951, der Stapellauf am 14. Mai 1953 statt. Taufpatin war D.F. Anderson, die Ehefrau von Lord Anderson, dem damaligen P&O-Vorsitzenden. Am 20. Januar 1954 wurde die Arcadia fertiggestellt und am 30. Januar des gleichen Jahres an die Reederei übergeben. Sie war der Nachfahre eines gleichnamigen 6603-t-Dampfers (7500 PS), der bereits 1888 in Dienst gestellt worden war.

Die Länge des Schiffes betrug 219,86 Meter, die Breite 27,64 Meter. Der Tiefgang lag bei 9,4 m, die Vermessung bei 29734 BRT. Zur Maschinenanlage gehörten drei ölbefeuerte Foster Wheeler-Überhitzungskessel (600 psi). Der Antrieb erfolgte durch zwei Parsons-Turbinen mit Doppeluntersetzungsgetriebe mit einer Leistung von 42488 PS, die auf zwei Propeller arbeiteten. Die Dienstgeschwindigkeit des Schiffes betrug im Durchschnitt 22 Knoten (41 km/h), die Höchstgeschwindigkeit lag bei 25 Knoten (46 km/h). Das Schiff war u.a. auch mit 500-t/Tag-Frischwasserdestillierungsanlage und – als zweites Schiffer der P&O-Flotte nach der Chusan – modernen Flossenstabilisatoren ausgestattet.

Die Besatzung bestand aus 716 Personen, an Bord waren bis zu 1405 Passagiere zugelassen. Die Arcadia war zu jener Zeit das größte Schiff von P&O. Anfangs war London der Heimathafen, später Southampton.

Die Arcadia wurde von der John Brown & Company in Clydebank komplettiert, die auch zwei ältere Schwesterschiffe erstellt hatte, die Vorgängerdampfer hießen Chusan und Himalaya. Zudem gab es eine Partnergesellschaft, die Orient Steam Navigation Company, zu der die Orcades und Oronsay gehörten. Unter diesen Schiffen war die Arcadia das größte und mit Abstand modernste Schiff. Es war eine Augenweide, weil das Schiff einen Schornstein von großem Durchmesser besaß mit einem kuppelförmigen Oberteil – das verschaffte ihm ein stilvolles Profil. Die im Windkanal von Thermotank Ltd. optimierte Abgasströmungsführung leitete den Schornsteinrauch hinter das Schiff, was die Verschmutzung der offenen Decks weitgehend verhindern sollte – ein für die damalige Zeit bemerkenswerter Fortschritt.

Es war noch die Zeit der großen Passagierschifffahrt. P&O hatte damals in Barrow-in-Furness die Orient Lines Orsova vom Stapel laufen lassen, die ebenfalls im Australiendienst eingesetzt worden war. Zugleich wurde in dieser Zeit die Royal Yacht Britannia von der britischen Königin getauft und in Dienst gestellt.

Die Jungfernfahrt führte die Arcadia vom 22. Februar 1954 an von Tilbury ins australische Fremantle, als Zwischenstopps waren Suezkanal, Aden, Bombay und Colombo ausgesucht worden. Nach der Jungfernfahrt wurde die Arcadia als Kreuzfahrtschiff genutzt, der Starthafen war Southampton. Im Oktober desselben Jahres wurde die Arcadia abermals in den Liniendienst geschickt.

Immer häufiger wurde das Schiff für Kreuzfahrten ausgewählt, so fanden ab 1959 Touren nach Sydney und San Francisco statt. Im selben Jahr kam es zur ersten Modernisierung, bei der die Arcadia mit Klimaanlagen ausgestattet wurde, alle Kabinen profitierten davon. Zwischendurch ging es immer wieder in den 1960er Jahren vom Linienpassagierschiff zum Kreuzfahrtschiff, stets ab Großbritannien und Australien. Es war die Zeit, als viele Briten als Auswanderer oder Touristen auf den fünften Kontinent gebracht wurden.

Im Mai 1954 gab es ein schwerwiegendes Problem. Es zu einer Kollision gekommen, als die Arcadia den Hafen von Tilbury verlassen wollte. Der Schlepper Cervia wurde so hart getroffen, dass er schnell sank. Dabei wurden fünf der elf Mitglieder der Besatzung in den Tod gezogen, darunter auch der Kapitän W. Russell. Später wurde das Wrack der Cervia gehoben und für museale Zwecke aufbereitet.


Foto: Sammlung JSA

1962 gab es ein weiteres Unglück, in das die Arcadia verwickelt wurde. Bei stürmischem Seegang lief das Schiff in den Hafen Tilbury ein, als der Anker geworfen werde sollte, peitschte der starke Wind die Arcadia. Die Folge war ein in die Schiffswand gerissenes Loch, der Anker war hin und her geschleudert worden.

1964 wurde die Arcadia für die US-amerikanische Fernsehserie „Perry Mason“ beansprucht, gemeinsam mit dem französischen Passagierschiff Flandre. Die Drehaufnahmen für die dramatischen Szenen wurden vor allem im Hafen von Acapulco gefilmt. Dort lagen die beiden Schiffe vor Anker, die Fernsehserie war eine erfolgreiche Show, viele Zuschauer fieberten ihren Helden hinterher.

Um 1970 war der Liniendienst nach Australien nicht mehr wirtschaftlich, die Passagiere nutzten vermehrt das Flugzeug. Die Arcadia wurde von der Strecke genommen und nach entsprechendem Umbau nur noch als Kreuzfahrtschiff genutzt. Das Schiff wurde an der Westküste der USA stationiert, es pendelte in den Sommermonaten mit Interessenten nach Alaska, in den Wintermonaten waren Reisen nach Mexiko und Hawaii begehrt, das Geschäft lief gut.

Doch dann wurde die Arcadia wieder nach Australien verlegt, sie ersetzte die Himalaya, die außer Dienst gestellt worden war. Die Arcadia absolvierte von Großbritannien ein letztes Mal eine Kreuzfahrt, dann nie wieder. Das Schiff war nun nur noch in Asien unterwegs, und das als letztes noch im Dienst stehendes Passagierschiff von P&O in der Region. Sämtliche anderen Passagierschiffe waren zwischen 1940 bis Ende 1950 nach und nach ausgemustert worden.

1974 war das Ende der Arcadia beschlossen. 1975 wurde sie zur Verschrottung nach Taiwan verschleppt. An ihrer Stelle erwarb P&O die Sea Princess, die ursprünglich Kungsholm hieß.

Roland Mischke, maritimes Lektorat: Jens Meyer