Das Ziel ist „touchless“

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Bessere Hygienemaßnahmen auf Kreuzfahrtschiffen sind eine der Haupt-Voraussetzungen, um sanitäre Krisen zu vermeiden. Michael Wolf sprach mit Arno Ahrens, Sales Director Cruise der Firma Steripower, Spezialist für Handdesinfektion.

MW: Das Corona-Virus hat die Kreuzfahrtbranche durchgerüttelt. Bei vielen Zulieferern herrscht Stillstand. Wie sieht es bei Ihnen aus?

AA: Im Cruise-Bereich ist Stillstand, aber wir haben uns in den letzten sechs Wochen eine zweite Produktion im Münsterland aufgebaut, von der wir z. B. den Lebensmittelhandel oder Arztpraxen und Krankenhäuser beliefern können, hier werden bis zu 1000 Geräte am Tag gebaut. Für die Schiffe gibt es aber auch täglich Anfragen, was wir an Desinfektionsmitteln vorrätig haben oder sofort liefern können, und welche neuen Möglichkeiten zur Desinfektion es gibt.

MW: Sie kümmern sich aber auch um etliche Neubauten.

AA: Nächste Woche gehe ich nach Rotterdam, um Geräte auf der neuen Silver Origin zu installieren. Auch bei Viking Cruises Lines und RCCL laufen die Vorbereitungen auf vollen Touren, um mit den Fahrten wieder zu beginnen. Hier sollen die Desinfektionsgeräte teilweise um 20 Prozent aufgestockt werden, um die Gäste gesund an und von Bord zu bekommen.

Arno Ahrens, Sales Director Cruise bei Steripower

MW: Was kann man heute noch im Einzelnen tun, um die hygienischen Maßnahmen an Bord weiter zu verbessern?

AA: Wir sind gerade dabei, für die öffentlichen Toiletten an Bord Komplett-Einheiten zu entwickeln, die Desinfektionsgeräte, Feuchttücher und einen Mülleimer haben, sowie eine automatische Türöffnung ohne Berührung ermöglichen. Wir haben diese Art von Technik bereits seit Jahren auf den TUI-Schiffen im Einsatz. Bereits nächste Woche werden wir bei verschiedenen Reedereien Gespräche führen mit unseren neuen Partner Almaco der im Schiffsbau führend ist. Weiterhin bieten wir den Reedereien personalisierte Handsprays zum Mitnehmen für die Gäste auf Exkursionen an.

MW: Wie sind die Vorgaben der Reedereien in Sachen Hygiene?

AA: Die möchten ganz klar mehr „touchless“ auf dem Schiff werden, Berührungen sollen so oft wie möglich vermieden werden. Zum anderen wollen die Reedereien natürlich eine Garantie bekommen, dass die Mittel auch ihren Zweck erfüllen, also Viren vernichten. Es gibt bei Mitbewerbern von uns in der letzten Zeit wohl einige Lieferschwierigkeiten, weil deren Desinfektionsmittel in Asien hergestellt werden. Wir produzieren dies in Deutschland und füllen dies sogar seit Anfang des Jahres in Gebinden „No More Plastic“ ab. Durch unsere intensive Zusammenarbeit mit Sea Chefs und TUI Cruises haben wir es in den letzten Jahren geschafft, den Standard für Handhygiene entscheidend zu verbessern.

Große Bandbreite: Handdesinfektionsmittel für die Gäste, Foto: Steripower

MW: Welche Kriterien verlangen die Reedereien von den Desinfektionsmitteln, was muss es können?

AA: Man sagt, es sollte in kürzester Zeit, also 15-30 Sekunden je nach Mittel, das Norovirus töten. Mittlerweile kommen auch noch andere gefährlichen Viren wie Corona hinzu. Deshalb habe ich bei einem Labor eine Prüfung unseres Mittels mit Zertifikat beantragt, das klar über die Geschwindigkeit und Verlässlichkeit der Virenabtötung Auskunft gibt. Das wurde uns heute (8.5.) auch bestätigt.

MW: Welche Mengen an Desinfektionsmitteln benötigt man eigentlich pro Tag und Passagier, um einen guten Schutz zu gewährleisten?

AA: Wir gehen davon aus, dass ein Gast an Bord sich etwa 6-8 Mal pro Tag die Hände desinfiziert. Also vor jeden Gang zum Essen und nach den Landgängen oder der Benutzung der Sanitär-Anlagen sollte Pflicht sein. In den Toiletten sollte man sich die Hände waschen und dann desinfizieren. Leider wird das immer noch viel zu häufig nicht gemacht. Nach den Erfahrungen der letzten Monate wird das Verständnis für gute Handhygiene sich hoffentlich bei vielen ändern. Die minimale Menge ist 0,5 Milliliter pro Tag und Gast, bei TUI Cruises sind es z. B. 1 Milliliter oder mehr pro Pumpeinheit Sprühstoß. Die entsprechenden Geräte stehen fast überall, auch in der Crew Area oder dem Maschinenkontrollraum.

MW: Wie viele Geräte gibt es etwa an Bord eines großen Schiffes?

AA: Zum Beispiel bei TUI Cruises 120 bis 160 Aufsteller mit Geräten.

MW: Ihre Prognose: Wann geht die Kreuzfahrt wieder richtig los?

AA: Wenn unsere Regierung sagt, bis zum 31. August dürfen keine Großveranstaltungen stattfinden, dann muss man klar sagen, dass eine Cruise auf einem großen Schiff darunterfällt. Aber wir müssen abwarten, was die Vorgabe von CDC (Centers for Disease Control and Prevention, US-Behörde, Anmerkung der Red.) ist, denn die haben ja ein 100 tägiges Fahrverbot erlassen. Wenn das Herbstgeschäft vielleicht ab September noch mitgenommen werden kann, wäre das Grund zur Freude. Es gibt bereits auch Überlegungen, erst mit kleineren Schiffen zu starten.

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