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„Der Branche geht es exzellent“ – Deutsche Zulieferer profitieren von weltweitem Schiffbau-Boom

Nach der von der deutschen Schiffbau-Zulieferindustrie im vergangenen Jahr erzielten deutlichen Steigerung der Auftragseingänge und Umsätze steigt die Beschäftigung weiter leicht an, so dass auch für das laufende Jahr ein wachsendes Auftragsvolumen aufgrund des Booms auf dem von ostasiatischen, insbesondere chinesischen Werften, dominierten weltweiten Schiffbaumarkt erwartet wird.

2025 wurde ein durchschnittliches Umsatzplus von 5,2 Prozent von 11,9 auf 12,5 Mrd. Euro verzeichnet, womit man auch deutlich über dem Niveau vor der Corona-Krise liegt. Damit hat die Branche ihre erfreuliche Entwicklung trotz globaler Herausforderungen und einem wettbewerbsintensiven Umfeld fortgesetzt. „Der Branche geht es exzellent“, freute sich Martin Johannsmann, Geschäftsführer der SKF Marine GmbH und Vorstandsvorsitzender der AG Marine Equipment and Systems des VDMA, am Dienstag auf der Jahrespressekonferenz der deutschen Schiffbau- und Offshore-Zulieferindustrie in Hamburg. Für das laufende Jahr erwarte man eine weitere Umsatzsteigerung um 4 Prozent auf 13 Mrd. Euro.

Die Reeder profitierten von einer guten Ertragslage und reinvestierten einen großen Teil der Gewinne in den Neubau von Schiffen und die Modernisierung bzw. Instandhaltung ihrer Flotten. Ein Schub für die Bestellungen erfolge auch durch die Klimavorgaben der Weltschifffahrtsorganisation IMO, die Schifffahrt bis 2050 klimaneutral zu machen. Bei einem durchschnittlichen Lebenszyklus der Schiffe von 20 bis 30 Jahren müssten bereits heute die Weichen für klimaneutrale Antriebe gestellt und bei Neubaubestellungen auch Zwischenlösungen berücksichtigt werden. Hinzu komme, dass der russische Angriffskrieg auf die Ukraine zu verstärkten Rüstungsaufträgen in Europa führt. In diesem Zusammenhang wurde auch der jüngste Auftrag aus Kanada über bis zu 12 U-Boote von TKMS in Kiel als ein positives Signal für den Schiffbaustandort Deutschland begrüßt. Allerdings sind die deutschen Zulieferer nur zu einem kleineren Teil von Neubauprojekten deutscher Werften abhängig, da ihre Exportquote – wie im Maschinen- und Anlagenbau – bei insgesamt ca. 80 Prozent liegt.

Dass die Aussichten der Branche erfreulich bleiben, zeigten die Ergebnisse einer Konjunkturerhebung 2025/2026: Rund 90 Prozent der befragten Unternehmen bewerten die mittelfristige Marktentwicklung positiv oder rechnen mit stabilen Ergebnissen. „Nach vier Wachstumsjahren ist auch eine gleichbleibende Erwartung als sehr gutes Signal zu werten“, so Johannsmann.

Mit 65.000 Beschäftigten (Stand: Juni 2026) verzeichnet die Branche ein leichtes Personal-Plus von 0,4 Prozent gegenüber dem Vorjahr. Damit liegt die prozentuale Steigerung zwar unter dem Umsatzwachstum, zeigt jedoch eine positive Entwicklung und spiegelt gleichzeitig die erreichten Produktivitätszuwächse wider.

Hohe Nachfrage resultiert in Auftragszuwächsen

Besonders hervorzuheben ist das deutliche Wachstum im Auftragseingang: 2025 konnte ein durchschnittliches Plus von 5 Prozent (Vorjahr: 4,6 Prozent) erzielt werden. „Für das laufende Jahr zeichnet sich laut Einschätzung der teilnehmenden Unternehmen ein konstanter oder zunehmender Auftragseingang ab“, sagt Sebastian Meise, Geschäftsführer VULKAN Kupplungs- und Getriebebau Bernhard Hackforth GmbH & Co. KG.

Um die starke Position auf dem Weltmarkt zu festigen und auszubauen, setzt die Branche auf strategische Schwerpunkte:

  • – Perspektive EU: Für die Zulieferindustrie ist eine zuverlässige Zusammenarbeit der europäischen maritimen Wirtschaft von besonderer Bedeutung, da fast 50 Prozent des Umsatzes mit Kunden und Partnern in Europa generiert werden.
  • – Positionierung gegenüber China: In China werden circa 60 Prozent aller Schiffe gebaut. Um faire Wettbewerbsbedingungen in diesem wichtigen Markt zu gewährleisten, erwartet die Branche von der Politik ein entschlosseneres Vorgehen gegen Wettbewerbsverzerrungen wie Subventionen und staatlich gesetzte Local-Content-Vorgaben. Um die Abhängigkeit von einzelnen Ländern zu verringern, sei es für die Unternehmen der Blick in andere Märkte wichtig. Südkorea stehe an zweiter und Japan an dritter Stelle der Schiffbaunationen. Darüber hinaus wachsen auch andere asiatische Märkte wie beispielsweise Indien, was zur Diversifikation beitrage.
  • – Verbesserung der Standortbedingungen: Um als deutsche Zuliefererindustrie wettbewerbsfähig zu bleiben, sind Reformen dringend notwendig. Der Standort Deutschland hat ein enormes Kostenproblem, insbesondere bei Personal, Energie und Steuern. Darüber hinaus entstehen erhebliche Belastungen durch die Vielzahl von Regularien, sowohl auf EU- als auch auf nationaler Ebene.
  • – Transformation der Schifffahrt als Markttreiber: In der Schifffahrt sind nachhaltige und effiziente Technologien immer mehr gefragt. Dies ist ein entscheidender Wachstums- und Innovationsmotor und darf nicht durch zögerliche Politik ausgebremst werden. Maritime Zulieferunternehmen entwickeln neue Antriebslösungen, intelligente Systemintegration und digitale Services, die nicht nur die Effizienz steigern, sondern auch den ökologischen Fußabdruck der Branche deutlich reduzieren.
  • – In Deutschland wird stark in den Auf- und Ausbau der Verteidigungsfähigkeit investiert.

Der sogenannte „Kurs Marine 2035“ bildet die steigenden Bedarfe der Marine ab. Auch hier werden wir in den kommenden Jahren deutliche Zuwächse in der maritimen Zulieferindustrie verzeichnen. „Durch unseren Vorsprung bei innovativen und effizienten Lösungen können wir als Branche auch international punkten und erfolgreich sein“, betont Meise. Um diesen Vorteil zu erhalten, benötige man aber ein verlässliches Umfeld im eigenen Land sowie freien Handel und faire Wettbewerbsbedingungen auf den internationalen Märkten.

Belastungen der Unternehmen im eigenen Land senken

Gefordert sei auch die Politik, für geeignete Rahmenbedingungen zu sorgen. „Wir brauchen in Deutschland und Europa vor allem Maßnahmen zur Stärkung der eigenen maritimen Wettbewerbsfähigkeit. Zu den konkreten Maßnahmen zählen die konsequente Senkung der Belastungen der Unternehmen, aber auch die Förderung von Forschung, Entwicklung, Bildung und Digitalisierung“, ergänzt Martin Johannsmann, der angesichts der überbordenden Belastungen besonders für kleine und mittelständische Betriebe hinsichtlich des Berichtswesens, der Regularien und Anforderungen und Nachweise bis in den Bereich der Menschenrechte Zweifel am wirtschaftlichen Verständnis von Teilen der Politik hegt. JPM

Fotos: Jens Meyer

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