DIE KAISERIN DER MEERE

Die Regal Empress, die „Königliche Kaiserin“, war ein griechisches Luxus-Kreuzfahrtschiff, das in seiner 56-jährigen Dienstzeit mehrfach Eigner, Namen und Flagge wechselte. Sie war das letzte historische Passagierschiff, das von den USA aus fuhr.

Im Jahr 2007 und schon verurteilt zu ihrem Untergang hatte die Regal Empress noch einmal einen großen Auftritt. Die beliebte US-amerikanische Fernsehserie „MythBusters“ (Die Wissensjäger) nutzte in ihrer Folge 90 das Schiff zu einigen Experimenten. Am Heck des Schiffes war eine fast 100 Meter lange Leine angebracht worden. Tory Belleci, einer der Moderatoren der Sendung, versuchte damit hinter dem Dampfer Wasserski zu fahren. Der erste Versuch gelang nicht, beim zweiten Anlauf ließ die Kaiserin das Experiment zu, die TV-Zuschauer waren begeistert.


Foto: Sammlung JSA

Die Regal Empress startete 1953 als SS Olympia, ihren Ursprungsnamen hielt sie bis 1981. In den folgenden zwei Jahren danach hieß sie Caribe, von 1983 bis 1993 Caribe I und bis zu ihrem Ende im Jahr 2009 Regal Empress. Sie war am 3. März 1951 für die Greek Line kontrahiert worden. Unterzeichnet wurde der Bauvertrag von der griechischen Transatlantic Shipping Corporation SA als Eigner, als Reeder fungierte bis 1974 die Greek Line, zwischen 1983 und 1993 die Commodore Cruise Line, von 1993 bis 2003 die Regal Cruise Line und von 2003 bis 2009 die Reederei Imperial Majesty Cruises. Die Bauwerft für das Schiff mit der Bau-Nr. 636 war die Alexander Stephen and Sons im schottischen Glasgow.

Der Stapellauf fand am 16. April 1953 statt, zu der Zeit war der Dampfer noch namenlos. Es war zwischen der Greek Line und der Regierung Griechenlands zu Unstimmigkeiten gekommen, weshalb das Projekt erst einmal abgebrochen wurde. Die Ablieferung erfolgte dennoch im selben Jahr, am 12. Oktober 1953. Die offizielle Indienststellung fand am 15. Oktober desselben Jahres statt. Das Schiff war nicht, wie ursprünglich geplant, in Griechenland registriert worden, sondern in Liberia. Trotz der Turbulenzen war die Olympia als erster, einziger und größter Neubau der Reederei Greek Line mit einer Tonnage von 17.362 BRT – ein Anlass zum Feiern. Allerdings geschah das in Monrovia, in der liberianischen Hauptstadt.


Foto: Sammlung JSA

Das Schiff war 186,11 Meter lang, 24,08 Meter breit und wies bei einem Tiefgang von maximal 8,6 Metern eine Tragfähigkeit von 8242 t auf. Die Vermessung von 17.362 BRT erhöhte sich 1983 auf 22.979 BRT. Im Maschinenraum arbeiteten zwei Pemetrada-Dampfturbinen (je 12500 shp), ab 1983 zwei Deutz-4-Takt-Dieselmotoren des Typs RBV12M540 mit einer Gesamtleistung von 14400 PS, die auf zwei Propeller arbeiteten. Die Höchstgeschwindigkeit lag bei 21 Knoten (39 km/h), mit Dieselantrieb ab 1983 bei 17 Knoten (31 km/h). Die zugelassene Passagierzahl belief sich auf 1307, ab 1983 auf 1030 Gäste. Die Besatzungsstärke wurde mit 358 Personen angegeben.

Die Jungfernfahrt der Olympia begann am 15. Oktober 1953, sie führte auf der Route von Glasgow über Dublin nach New York. Auf der Rückreise ging das Schiff nach Bremerhaven, die Bremer Vorstadt wurde nun der Startort für einige Atlantiküberquerungen. Bald darauf ging die Olympia in den Dienst zwischen Piräus und New York. Im Januar 1954 wurde das Schiff zu einer einzigen Reise von New York nach Westindien eingesetzt. Ab 1961 schickte die Reederei die Olympia auch nach Häfen wie Limassol und Haifa, in den Wintermonaten wurde sie ausschließlich für Kreuzfahrten genutzt, deren Zeit war mittlerweile gekommen, die der Passagierfahrten ging allmählich zu Ende.

1968 ließ man die Flagge Liberias am Mast niederholen, aufgezogen wurde die griechische Flagge, als neuer Heimathafen wurde Andros benannt. 1970 erfolgte eine Modernisierung, die Olympia wurde umgebaut zum erstklassigen Kreuzfahrtdampfer. Sie besaß nun acht Decks für ihre Gäste. Die Passagierzahl wurde etwas reduziert, den Gästen wurde mehr Fläche geboten. Doch die Periode der Fahrten für die Greek Line ging ihrem Ende entgegen, das Schiff wurde am 24. März 1974 in Piräus aufgelegt. Dort blieb es für sieben Jahre liegen, kein gutes Schicksal für ein Kreuzfahrtschiff.

1981 wollte man es noch mal versuchen. Die Olympia wurde an die in Hamburg ansässige Sally Shipping GmbH verkauft und das so lange aufgelegte Schiff in Caribe umbenannt. Dennoch musste es noch ein Jahr aufliegen, wurde in Deutschland registriert und im Februar 1982 von Piräus an die Howaldtswerke-Deutsche Werft in Hamburg verschleppt. Dort begannen im März 1983 Umbau- und Sanierungsarbeiten, die sich bis in den Juni des Jahres hinzogen. Dabei wurde der Dampfturbinenantrieb durch einen Dieselantrieb ersetzt.


Foto: Jürgen Saupe

Foto: Jürgen Saupe

Nach Abschluss der umfangreichen Erneuerung wurde die Caribe in Caribe I umbenannt und an die Commodore Cruise Line mit Sitz in Panama verkauft. Ab Sommer 1983 war das Schiff für zehn Jahre lang ausschließlich für einwöchige Kreuzfahrten von Miami in die Karibik eingesetzt worden. Weil das neue Design mit seinem Schornstein, der zwar modernisiert worden war, aber nach Urteil vieler Passagiere der herkömmlichen klassischen Form nicht entsprach, ging das Schiff wieder nach Hamburg, wo ein Schornstein alter Form zur Freude der Passagiere aufgesetzt wurde.

Foto: Sammlung JSA

Mit dem Umbau in Hamburg war auch die Ausstattung geändert worden. Die Inneneinrichtung bestand durchgehend aus einer dunklen Holzvertäfelung. Der Speisesaal wurde erweitert auf eine Kapazität von bis zu 540 Besuchern. Die öffentlichen Räume führten zu Bars, Lounges und einem Nachtclub mit Tanzfläche, Casino und Kino konnten jederzeit zu Discos umgebaut werden. Auch eine Bibliothek war vorhanden.

Der gelungene erfolgreiche Wechsel zur Commodore Cruises endete wegen deren Geschäftsaufgabe 1993 abrupt. Das Schiff ging nun an die Regal Cruise, die ihr den Namen Regal Empress bescherte. 1997 erfolgte eine grundlegende Modernisierung in Mobile, dabei wurden an vielen Kabinen Balkone angebracht. Dann aber schon das nächste Pech: Ausstehenden Zahlungsforderungen war nicht nachgekommen worden, daraufhin wurde die Regal Empress am 18. April 2003 in dem kleinen Port Manatee in Florida in die Kette gelegt.

Als neuer Eigner kam im Mai 2003 die Imperial Majesty Cruise Line ins Geschäft. Die Gesellschaft setzte die Regal Empress auf Kreuzfahrten im Gebiet um die Bahamas. Damit konnte sie ihr kleineres Schiff, namens Ocean Breeze und zwei Jahre jünger als der Neuankauf, ersetzen. Doch im Laufe der Jahre war die Regal Empress gealtert, sie konnte nicht mehr den aktuellen Bedürfnissen nach Komfort entsprechen.



Im Oktober 2008 wurde die Kaiserin der Meere zwischenzeitlich ausgemustert und nach Galveston gebracht. Dort sollte sie den Opfern von Hurrikan Ike als vorübergehendes Wohnschiff dienen. Doch die Federal Emergency Management Agency (FEMA) erlaubte das – ohne Begründung – nicht, weshalb das Schiff wieder nach Fort Lauderdale zurückkam. Dort wurde die Regal Empress am 1. Dezember 2008 abermals in Dienst gestellt. Ihre letzte Fahrt erlebte das malträtierte Schiff im März 2009 auf der Strecke von Fort Lauderdale nach Nassau, nach dem 15. März wurde sie durch die jüngere Bahamas Celebration abgelöst.

Foto: Sammlung Jens Meyer

Die Regal Empress wurde im selben Monat an eine Abwrackwerft in Indien verkauft. Die Reise von Freeport dorthin begann Anfang April 2009 und dauerte mehr als drei Monate, das Schiff erhielt dazu einen anderen Namen, Regal Tmpress. In Alang wurde das Schiff am 24. Juli 2009 auf den Strand gesetzt, die Abbrucharbeiten begannen im Oktober, im März 2010 waren sie abgeschlossen.

Roland Mischke, maritimes Lektorat: Jens Meyer