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„EINE KÖNIGLICHE SEEFAHRERIN“

Die „Malolo“ war ein Passagierliner der US-amerikanischen Reederei Matson Navigation Company. Zuletzt wurde sie als Kreuzfahrtschiff unter dem Namen „Queen Frederica“ eingesetzt, das Ende war tragisch.

So viel Pech kann man haben. Nachdem das Schiff am 26. Juni 1926 vom Stapel gelaufen war, brauchte die Bauwerft noch ein knappes Jahr, um das Schiff auf See zu bringen. Zum ersten Mal geschah das am 24. Mai 1927. Die Malolo war damals das größte und fortschrittlichste Linienschiff ihrer Zeit. Sie galt auch als das luxuriöseste Linienschiff, das bis dahin in den Vereinigten Staaten gebaut worden war.


Foto: Sammlung JSA

Das Schiff befand sich in der Nähe von Nantucket, das ist eine Hafenstadt an der Ostküste der USA, die auch „kleine graue Lady im Atlantik“ oder „Welthauptstadt des Walfangs“ genannt wurde. Das ehemalige Fischerdorf ist gewachsen, war aber auch schon zu der Zeit, als die Malolo ihren ersten Ausflug machte, eine Stadt. Als solche ist sie berüchtigt, tagelang in dichtem Nebel ausharren zu müssen. Die Technik der Kommunikation war 1927 noch nicht so perfekt wie heute. Am Tag nach dem Start zur Probefahrt des Dampfers kollidierte er brutal mit dem norwegischen Schiff Jacob Christensen. Der Zusammenprall war so heftig, dass die Malolo nach New York geschleppt werden musste – gerade in Fahrt gekommen, schon ramponiert. In einem Trockendock der Metropole wurde sie repariert, erhielt einen doppelten Boden und wasserdichte Schotten, der Rumpf war rotbraun gestrichen worden. Die Fertigstellung dauerte dann noch bis in den Oktober 1927, erst danach wurde das Schiff an die Reederei Matson Lines abgeliefert. Die Überarbeitung erhöhte den Sicherheitsstandard.



Foto: Sammlung JSA

Am 16. November desselben Jahres startete die elegante Malolo zu ihrer Jungfernfahrt von San Francisco über Los Angeles nach Honolulu. Auf der Rückfahrt dieser Tour wurde von Matson in Honolulu ein Brauch eingeführt: die Passagiere warfen massenhaft Blumenkränze in den Ozean. Ihr Wegtreiben auf den Wellen bedeutete, dass die Passagiere an die Küste Hawaiis zurückkehren würden. Das wurde später auch von anderen Reedereien übernommen. Matson übertrieb es in ihren Schriften. „Sie ist eine königliche Seefahrerin“, wurde behauptet, „diese Herrscherin des Pazifiks, das Malolo-Flagschiff der Matson Linie.“

Es war tatsächlich ein prächtiger Schiffsneubau. Als Baunummer 509 wurde er als erste Einheit einer von William Francis Gibbs designten Schiffsserie von der Bauwerft William Cramp & Sons in Philadelphia erstellt. Er war 177,51 Meter lang und 25,4 Meter breit. Der Tiefgang lag bei maximal 8,9 Metern Tiefe, die Vermessung bei 17.232 BRT. Der Heimathafen war San Francisco.


Foto: Sammlung JSA

Die Maschinenanlage bestand aus zwei Dampfturbinen, die auf zwei Festpropeller arbeiteten. Die Maschinenleistung betrug 25.000 kW (33.991 PS), die Höchstgeschwindigkeit lag bei 23 Knoten (43 km/h), die Dienstgeschwindigkeit betrug 21 kn (39 km/h). Zugelassen wurden 620 Passagiere, die Zahl des Personals ist nicht vorhanden. Die Reederei hatte das Passagierverhältnis an Bord bestellt. Auch das Außenbild des Schiffes war besonders gestaltet mit weißen Aufbauten, zwei Masten und hohen gelben und schwarzen Schornsteinen mit dem „M“-Matson-Logo. Etwas Besonderes waren Rettungsboote, die auf der Malolo in tief angebrachten Aufbauten zu sehen waren.

In den Innenräumen präsentierte sich die Malolo traditionell mit Purser’s Lobby, Dining Room und Smoking Room. Die öffentlichen Räume waren elegant gestaltet, die Wände mit edlen Hölzern verkleidet, dazu passten gedämpfte luxuriöse Farben. Im Innenkabinenteil waren 457 First-Class- und 163 Cabin-Class-Räume in höchstem Komfort und Stil im Angebot für betuchte Passagiere. Das Malolo war eines der ersten Linienschiffe, das ein Hallenbad besaß, es wurde rege in Anspruch genommen.


Foto: Sammlung JSA

Die führende First-Class-Lounge war hell und geräumig, sie besaß riesige Erkerfenster auf beiden Schiffsseiten, dazu Kamine, beige getönt. Die Gäste stießen auf eine ausgewählte Möblierung und liefen über große Teppiche, den Decken wurden gemalte Kuppeln aufgesetzt. Kuppeln aus Holzelementen und großen Säulen zierte auch der Smoking Room, man konnte auf Loungesesseln und Couches mit hellen Farben, zumeist mit Blumenmuster, sitzen. Die Stoffdecken waren kariert, an den Wänden strahlten Leuchten und Palmen zeigten sich in ihren prachtvollen Gefäßen.

Das geräumige Hauptrestaurant wurde zugleich als Veranstaltungsort für die First Class eingerichtet, mit Wandgemälden, Deckenkuppeln mit angenehmer Beleuchtung und einem Musikpavillon. Der Marmorboden war in schwarz-grau-weiß gehalten, die gedeckten Tische großzügig gestaltet mit silbernen Bestecken, Kristallgläsern und feinem Porzellan.

Nachdem Matson drei weitere Linienschiffe bauen ließ, wurde die Malolo 1928 ganz in Weiß gestrichen, um sie für die Tropenfahrten anzupassen. Die Pazifikrouten, die von Francisco und Hawaii ausgingen, führten nach Asien und Australien. Die „Tropifizierung“ erstreckte sich auch auf die Innenräume Pflanzen, Gefäße und Schirme wurden vorbereitet. Auch Hongkong, die Philippinen, Singapur, Thailand, Melbourne, Sydney, das neuseeländische Auckland, Fidschi und Amerikanisch-Samoa wurden angefahren.


Foto: Sammlung JSA

Mit Ausbruch des Zweiten Weltkriegs wurde die Malolo zur Matsonia, die US-War Shipping Administration schickte sie ab 1942 in Matson-Management als Truppentransporter u.a. nach Europa. Nach dem Krieg, ab April 1946, wurde das Schiff modernisiert und auf seine alten Routen gesandt. Nach der am 20. April 1948 in San Francisco unter der Führung von Kapitän William R. Meyer beendeten letzten Reise für Matson verkaufte die Reederei das Schiff an die griechische Mediterranen Lines, bis 1954 trug das unter Panama-Flagge gebrachte Schiff den Namen Atlantic. In Ansaldo bei Genua kam es zu einer weiteren Überarbeitung, diesmal für die Home Lines, die das Schiff danach ab Mitte Mai 1949 zwischen Neapel und New York pendeln ließ. Im April 1952 wechselte es auf die Route von Southampton über Le Havre nach New York.


Foto: Sammlung JSA

Unter den Namen Queen Frederica wurde fuhr das Schiff ab 1954 für die National Hellenic American, nun ging es von Piräus nach New York. Weitere Atlantikfahrten absolvierte das Schiff ab 1956 auch ab Cuxhaven und Le Havre. Im November 1958 kam es in den Besitz der griechischen Reederei Chandris, für die sie drei Jahre in Fahrt blieb, bevor sie für Kreuzfahrten an Sovereigen Cruises verchartert wurde. Im September 1971 wurde die Malolo aufgelegt, nach dreijähriger Liegezeit wurde sie noch an Blue Sea Cruises verchartert und ging auf Kreuzfahrten im Mittelmeer. 1973 wurde sie endgültig ausgemustert.


Foto: Sammlung JSA

Nach knapp vier Jahren Liegezeit in Griechenland wurde die Malolo 1977 nach Perama zum Abbruch verkauft. Als die Abbrucharbeiten begonnen hatten, kam es im Februar 1978 bei der Demontage des Innenausbaus zu einem Brand auf dem Schiff, dabei wurde die Malolo weitgehend zerstört.

Roland Mischke, maritimes Lektorat: Jens Meyer