Eine lange Geschichte in eher kurzer Zeit

Foto: Udo Horn/Archiv Udo Horn

Die Ocean Dream war ein Projekt der ambitionierten Reederei Carnival Cruise Lines, das Schiff hat eine bewegte Vergangenheit

Wenn Schiffe erzählen könnten, was sie erlebten, hätten manche viel zu berichten. Das Meer, die Stürme, die Menschen an Bord, die Strapazen, die Wechsel der Eigner, die aktiven Jahre, die unsicheren Zeiten und schließlich das Ende. Da wären spannende und aufregende Geschichten aus der maritimen Welt mitzuteilen.

So ein Schiff ist die Ocean Dream. Ein modernes Schiff, 1981 erbaut, ein Renommee-Projekt von Carnival, der erste in Auftrag gegebene Neubau eines Schiffes der US-amerikanischen Reederei. 1980 wurde es als Baunummer 234 bei der dänischen Werft in Aalborg bestellt, es erhielt den Namen Tropicale. Die besten Schiffbauer wurden engagiert: Für den technischen Entwurf gewann man die britische Firma Technical Marine Planning, für die Innenausstattung den Schiffsarchitekten Joe Farcus. Zugleich wurde eine typische Schornsteinform kreiert, die zum ersten Mal einem Schiff aufgesetzt wurde und seither alle Carnival-Schiffe charakteristisch prägt. Was für ein Anspruch, welche Herausforderung! 100 Millionen US-Dollar wurden investiert. Zehn Jahre ging das gut, dann änderte sich vieles.

Foto: Jürgen Saupe

Die Aalborg Vaerft A/S im Norden Dänemarks vollzog die Kiellegung am 25. Mai 1980, zum Stapellauf kam es am 31. Oktober desselben Jahres. Die Übergabe an die in Liberia registrierte Werft-Tochtergesellschaft AVL Marine Inc. erfolgte am 4. Dezember 1981, die Indienststellung durch die zunächst für 10 Jahre als Bareboat-Charterer fungierenden Carnival Cruise Lines am 16. Januar 1982. Das erst 1991 in das Eigentum der Carnival Corporation plc übernommene Schiff ist 204,75 Meter lang und 26,45 Meter breit. Als Seitenhöhe wurden 18,1 Meter angegeben, als Tiefgang maximal 7,33 Meter. Die Vermessung liegt bei 36.674 BRZ (16.862 NRZ), die Tragfähigkeit bei 6654 tdw bzw. aktuell bei 5694 tdw. Angetrieben wird das Schiff mechanisch über Getriebe und Wellenanlage.

Modell des „Carnival“-Schornstein, Foto: enapress.com

Es verfügt dazu über zwei Dieselmotoren von Sulzer, Typ 7RND68M, je 9785 kW (ca. 13.300 PS). Die Generatorleistung wird mit 19.570 kW (26.608 PS) angegeben, das Schiff ist mit zwei Verstellpropellern und zwei Balance-Rudern ausgerüstet. Die Höchstgeschwindigkeit beträgt 21 kn (39 km/h). Die Besatzung setzt sich aus 550 Mitarbeitern zusammen, 1482 Passagiere sind an Bord zugelassen, nach mehreren Umbauten zuletzt nur noch 1022.

Von 1981 bis 2000 war Monrovia in Liberia der Heimathafen, danach Panama (bis 2001), Genua (2001 bis 2005), London (2005-2008), Valletta/Malta (2008-2012) wieder Panama (2012 bis 2020) und heute Moroni auf den Komoren, einem Inselstaat im südlichen Ostafrika.

Joe Farcus, Foto: enapress.com

Die Ausstattung des Schiffes ist klassisch gehalten, neben 478 Kabinen verschiedener Kategorien sind zwölf Suiten vorhanden. Vier Restaurants und sechs Bars wurden eingerichtet, auch ein Theater gibt es. Je ein Swimmingpool befindet sich auf dem Promenadendeck im hinteren Bereich nahe des Lido-Decks und auf dem Sonnendeck. Es handelte sich zunächst nur um etwas größere Whirlpools, bei Umbauten wurden sie vergrößert. Die Tropicale war für den US-Markt bestimmt, vom Basishafen Miami aus wurden Kreuzfahrten in die Karibik unternommen. Amerikanische Gäste sind gern unter sich und suchen vor allem Entspannung und Abwechslung, Landgänge sind zweitrangig.

Aber bereits 1982 war der glänzend weiße Rumpf des Großschiffes an der Westküste der USA unterwegs. Zu den neuen Destinationen für das Schiff gehörten San Juan ab 1990 und New Orleans ab 1994. Das Schiff war das erste von Carnival, das Kreuzfahrten nach Alaska anbot.

Wegen seiner Attraktivität wurde es auch für die Filmarbeit interessant. 1985 war eine Episode für die Serie des „A-Teams“ unter dem Namen „Judgement Day (Teil 2)“ im Fernsehen zu sehen, danach noch einmal in der vierten Staffel. Auf Deutsch lief der Film unter dem Titel „Eine Seefahrt die ist lustig“.

Nachdem die italienische Carnival-Tochter Costa Crociere das Schiff Anfang 2001 übernommen hatte, ließ man es 2001/2002 auf der Werft T. Mariotti in Genua für 25 Millionen Euro umbauen. Es wurde modernisiert und sollte den europäischen Kundenstamm ansprechen. Doch man merkte bei Costa nicht, dass der tiefgreifende Umbau, bei dem auch der typische Carnival-Schornstein durch die für Costa typische zylinderförmige Variante ersetzt wurde, allein nicht zum Erfolg führen würde. Weil das Publikum sich bedeckt hielt, blieb die Costa Tropicale nicht lange unter dem Label der italienischen Reederei, 2005 wurde sie in den Ruhestand versetzt.

Foto: Frank Behling

Der nächste Betreiber des zuvor von der Fincantieri-Werft in Palermo modernisierten Schiffes war die ebenfalls zum Carnival-Konzern gehörende Reederei P&O Cruises Australia, die es noch 2005 in die eigene Flotte eingegliederte. Sie erhielt einen neuen Basishafen in Brisbane und war eine Zeitlang das jüngste Kreuzfahrtschiff, nun unter dem Namen Pacific Star und einer neuen Vermessung von 35190 BRZ. Als solche führte sie Kreuzfahrten entlang der tropischen Küste von Queensland, zu verschiedenen Inseln im Südpazifik und nach Neuseeland und Neukaledonien.

Im Mai 2008 erwarb der spanische Reiseveranstalter Pullmantur Cruises das Schiff und stellte es nach einer Modernisierung in Singapur als Ocean Dream wieder in Dienst.

Das Schiff war mehrfach auf Reisen in Not geraten. 1996 lief die Tropicale nahe Tampa auf eine Sandbank, kam dort fest und musste massiv freigeschleppt werden. Am 19. September 1999 befand sich das Schiff auf dem Weg von Cozumel nach Tampa, als der Maschinenraum in Brand geriet. Erschwerend kam hinzu, dass exakt zu dem Zeitpunkt der Hurrikan Harvey im Golf von Mexiko tobte, so dass noch mehr Gefahr drohte. Zwei Tage funktionierte der Antrieb nicht, das Schiff trieb manövrierunfähig auf dem Wasser, Passagiere und Besatzung wurden nicht verletzt. Die Maschinen konnten mit eigener Kraft der Crew wieder in Betrieb gesetzt werden.

Im Juli 2007 und im Januar 2008 geriet das Schiff in der Nähe von Neuseeland in schwere See, es entstanden Lecks an den durchgerosteten Stellen der Außenhaut, Fenster und Antennenanlagen wurden beschädigt. Geschicktes Management an Bord führte dazu, dass es zu keinem Unglück kam.

Foto: Udo Horn/Archiv Udo Horn

Als die Ocean Dream 2009 während einer Kreuzfahrt in Mittel- und Südamerika unterwegs war, wurde sie vom Ausbruch der Schweinegrippe überrascht. Passagiere aus Venezuela wurden nach Margarita gebracht, dort konnten sie das Schiff verlassen. In den Medien hieß es, das Schiff sei unter Quarantäne gestellt worden, dem widersprachen die Schiffseigner von Pullmantur. Sie wussten, dass das ein negatives Image bedeuten würde, der Streit blieb ungeklärt. Die Ocean Dream wurde 2012 aus der Flotte von Pullmantur herausgenommen.

2012 ging das Schiff als Peace Boat an die gleichnamige soziale japanische Organisation, bis 2020 war es unter dem Namen auf weltweiten Kreuzfahrtrouten unterwegs. Es sollte für das Ideal des Weltfriedens und den interkulturellen Austausch eintreten. An Bord gab es vielfältige Bildungsangebote in mehreren Sprachen, Basishafen war Yokohama.

2020 entschieden die Japaner anders: Zum einen übernahm Peace Boat die Sun Princess von Princess Cruises und ernannte sie zum Flaggschiff als Pacific World. Die einstige Ocean Dream wurde dafür ausgemustert. Dann sollte sie doch noch gebraucht werden, wurde in Dream umbenannt und erhielt ihren letzten Heimathafen auf den Komoren. Nun steht wahrscheinlich die Verschrottung an.

Wenn ein Schiff erzählen könnte …

Roland Mischke, maritimes Lektorat: Jens Meyer