Eine Queen in Dubai

Sie war ein Schiff der Superlative, hatte 25 Kapitäne und 2,5 Millionen Passagiere, 25 Weltumrundungen und über 800 Atlantik-Passagen. Jetzt ist sie ein Hotel. Oliver Schmidt war nicht nur vor zehn Jahren auf der Abschiedsreise dabei, sondern war diesen Sommer in Dubai, um die legendäre QE2 wiederzusehen.

Die Aufzüge hinter den grün gestrichenen Schiebetüren riechen so, wie sie nur auf Schiffen riechen, die das Alter von 40 Jahren längst passiert haben. Wollte man den Duft künstlich herstellen, müsste man zu gebrauchtem Teppichboden und Maschinen-Odeur noch eine Prise Salzwasser und einen Hauch Schmierfett mischen. Jeder Fan historischer Schiffe weiß, was gemeint ist. Aber alle 23 Aufzüge an Bord der QE2 sind wieder in Betrieb, seit das „Wüstenschiff“, das 2008 nach der letzten Reise in Dubai für immer festmachte, im Frühjahr 2018 als Hotel in Betrieb ging. Für ein historisches Schiff ist es eine echte Herausforderung, gegen die glas- und chromblitzenden, gigantischen Hotelbauten des Golfstaates zu bestehen, denn eines ist sicher: Von den spärlichen Übernachtungsbesuchen weltweiter Schiffsliebhaber wird die „Queen“ niemals existieren können.

Nach neun Jahren Dornröschenschlaf, in der sich die Finanzwelt nach dem Crash von 2008 neu erfinden musste, wurde der Plan wieder aus der Schublade geholt. Ein Plan, der nicht nur ein Hotel vorsieht, sondern ein vollständiges Kreuzfahrtschiff, das nicht mehr ablegt. Im größten Kino der Weltmeere sollen Filmpremieren stattfinden, Brücke und Maschine als Museum hergerichtet werden, der Theatersaal genutzt und der mondäne Yachtclub für Privatparties vermietet werden. Die Superlative dazu sind schon gefunden, ohne die in Dubai nichts geht: Der „Golden Lion Pub“, der schon seit 1969 in Betrieb ging, ist nunmehr der älteste Pub Dubais, der mondäne „Queens Room“ Dubais einziger Ballsaal mit Tageslicht, denn in den großen Hotels sind diese Säle unter der Erde.

Investitionen haben die Macher in Dubai jedenfalls nicht gescheut. Da die Klimaanlage der QE2 den Sommertemperaturen von 45 und mehr Celsius-Graden nicht gewachsen war, musste ein Spezialist her, vermittelt vom ehemaligen Commodore der Cunard-Flotte, Ronald Warwick. Er baute gigantische Kühlaggregate auf der Landseite, aus denen nun komfortable Kühle in die Salons strömt. Bezeichnenderweise lässt man sich mit der Renovierung der Außendecks am meisten Zeit; draußen hält sich hier niemand gern auf. Ship-Lover beklagen, dass das Promenadendeck die Rettungsboote eingebüßt hat. Mit ihnen verschwanden allerdings auch Davits und Taljen, so dass eine gerade Flaniermeile mit ungestörtem Blick auf die Dubai-Skyline entstand – just das, was die Hotelgäste wollen. An maritimen Erinnerungsstücken ist nur an Bord geblieben, was fest eingebaut oder unentbehrlich war. Die Bordbibliothek, einige Schiffsmodelle und etwas vom Original-Mobiliar hingegen sind in die Einschiffungshalle gewandert – klare Trennung: historische Einstimmung vorm Schiff, drinnen ein Top-Hotel mit vielen Bordeinrichtungen zum Geldverdienen. Aus diesem Grunde mussten auch auf den teuersten Decks die Original-Kabinen einer Flächensanierung weichen. Große, moderne Hotelzimmer locken hinter den Balkonen zahlungskräftiges Publikum an. Weiter unten sind die schönen Holzverkleidungen in Gängen und Kabinen geblieben; das kleinste Schlafgemach misst 17 Quadratmeter.

Manche Investition hätte freilich gespart werden können, hätte man das Schiff nicht fast eine Dekade lang in mörderischem Klima sich selbst überlassen. Dem Interieur hat das zum Glück nicht geschadet. Kenner der Queen Elizabeth 2 werden verzückt die unverwechselbare Midship Lobby wiedererkennen, im Queens Grill ein erlesenes Sechsgang-Menü genießen oder im Lido am Buffet frühstücken. Zielgruppe Nummer eins aber sind die „Locals“, die betuchte Einwohnerschaft von Dubai, die, an kleinere Restaurantschiffe am Dubai Creek gewöhnt, langsam den Weg hinaus nach Port Rashid findet und die britische Elizabeth zu ihrer Party-Queen macht, ohne ihr die Identität zu rauben. Obgleich man nach eigenen Angaben keinen Kontakt zu anderen Hotelschiffen wie etwa der Queen Mary in Long Beach oder der Rotterdam in Rotterdam pflegt, achtet man peinlich darauf, nicht wie diese „Vorbilder“ in wirtschaftliche Schieflage zu geraten. Gelernt hat man freilich nichts: Die Idee, die Rettungs- und Tenderboote als Shuttles von der Stadt zur Queen Elizabeth 2 oder für abendliche Partyfahrten einzusetzen, ist ein schöner Traum. Doch bis jetzt vergammeln die Boote im Wüstensand.


Fotos: Oliver Schmidt,
Außenfoto: Choopershooter für Veranstalter/Eigner/www.qe2.com