„Erforschung der Polargebiete auf höchstem Niveau“

Wir sprachen mit Hervé Bellaïche Directeur General Adjoint Ponant, über das neue Schiff, die  Märkte und eine neue Reisephilosophie. 

Hervé Bellaïche, Foto: enapress.com

Gibt es einen Unterschied bei den Buchungen seitdem die Le Commandant Charcot auf den Markt gekommen ist?

Wir fühlen einen Unterschied in mehreren Aspekten. Zum einen sind mehr Gäste auf der Suche nach dem Sinn einer Reise, auch der Kreuzfahrt. Viele haben durch die Pandemie die Anfälligkeit und Schwäche des Lebens, der Menschheit und unseres Planeten erkannt. Weil jemand einen Pangolin gegessen hat, wird das gesamte System blockiert, werden die Menschen monatelang zu Hause wie in einem Gefängnis zurückgehalten, einfach unglaublich, wie in einem Film. Die Menschen haben erkannt, wie anfällig das System ist. Um auf die Reisen zurückzukommen: Die Menschen wollen etwas erleben, neue Erfahrungen machen. Viele möchten weniger reisen, aber besser als zuvor. Reisen, die einen Sinn ergeben, die sie näher an die Natur bringen. Sie möchten den Platz des Menschen in der Natur und in der Welt verstehen. Das ist etwas philosophisch, aber es zählt bei der Entscheidung der Reise. Das gilt nicht nur für die Commandant Charcot sondern auch bei unseren anderen Schiffen: Wir versuchen dazu beizutragen, dass die Gäste ihre Umwelt besser verstehen und ihren Reisen einen Sinn zu geben. Sie kommen dann zurück mit neuen Inspirationen, mit mehr Neugierde. Wir erforschen die Welt um die Menschen zu inspirieren. Die Pandemie hat dazu beigetragen, dass noch mehr Menschen solche Inspirationen suchen und auch für Nachhaltigkeit sensibler sind als davor, das sind die beiden Hauptgründe für Reisen. Mit Ponant reist man auf kleinen Schiffen, weniger aber besser, und man kommt meist mit einem anderen ökologischen Bewusstsein zurück.  

Die Le Commandant Charcot ist ein erstaunlich großes Schiff für so wenige Passagiere. Ist das Platzangebot entscheidend beim Buchen?

Das wichtigste sind nicht nur die großen Innenbereiche, sondern auch dieses besondere Schiffsdesign, das für die Fahrtgebiete steht. Es ist ja eigentlich nicht nur Kreuzfahrt, sondern Erforschung der Polargebiete auf höchstem Niveau. Also machen nicht die Innenbereiche oder die Gastronomie den Unterschied, sondern die spezielle Konstruktion des Schiffes. Natürlich ist es auch eines der luxuriösesten Schiffe, aber die wichtigsten Elemente sind sicher die wissenschaftlichen Möglichkeiten, die es bietet und die unterschiedlichen Antriebsarten wie LNG und Batterien.

Seit wann ist der Verkauf für die Fahrten mit der Le Commandant Charcot offen und welche Gästen sind an diesem Produkt interessiert?

Wir bieten das Schiff  seit zwei Jahren an. Im Vergleich haben wir jüngere Gäste, die mehr an Abenteuern begeistert sind. Es sind auch oft keine typischen Kreuzfahrtbucher, das Klientel ist hier anders.

Aus welchen Märkten kommen sie?

Ponant hat sich schon seit einigen Jahren stark internationalisiert. Heute sind drei Viertel unserer Gäste nicht mehr frankophon. Der grösste Gästeanteil kommt aus den USA, auch viele Charter.

Vor acht Jahren war es noch genau umgekehrt, da kamen 70% unserer Gäste aus französischsprachigen Ländern.

Wir können aber nicht sagen, dass das nur mit dem neuen Schiff zusammenhängt.

Ponant hat als eine der ersten Reedereien schon zu Pandemiezeiten wieder Kreuzfahrten durchgeführt. Am Anfang war das sehr kompliziert, was haben Sie daraus gelernt?

Demut. Arroganz ist hier nicht angebracht. Heute haben wir strenge Regeln: PCR-Test vor dem Beginn der Kreuzfahrt und wir setzen die doppelte Impfung voraus. Aber trotz aller Strenge können überall immer noch Probleme auftauchen.

Beitrag zur LE COMMANDANT CHARCOT: Taufe auf See