Erster Stahlschnitt bei Brodosplit noch in diesem Jahr: Storylines-Residenzschiff „Narrative“ ab 2024 in Fahrt

Foto: Storylines

Ergänzung zu unserer Meldung vom 01. April 2021: Großer Tag für Brodosplit

Das von Shannon Lee und Alister Punton seit Gründung ihres mit Hauptsitz in New York ansässigen Start-ups Storylines in 2016 verfolgte Projekt eines Residenzschiffes ist nach anfänglichen Rückschlägen und Verzögerungen jetzt seiner Realisierung einen entscheidenden Schritt näher gekommen: „Wir sind erfreut, dass wir endlich eine Werft für den Bau unseres mit verflüssigtem Erdgas (LNG) zu betreibenden Residenzschiffes bekannt geben können“, so die aus dem Projektentwicklungs– bzw. dem Konstrukteursbereich stammenden und zuvor nicht im Schifffahrts- oder Kreuzfahrtsektor tätigen Initiatoren. Mit dem Engineering sei bereits begonnen worden und man rechne mit dem Brennstart bei der zur DIV-Gruppe gehörenden Brodosplit-Werft im kroatischen Split im späteren Verlauf dieses Jahres.

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Für die Werft ist der Auftrag ein zweiter Meilenstein für den Aufbau eines weiteren neuen Geschäftsfeldes: Bereits im vergangenen Jahr hatte sie mit der 290 m langen und mit 118 Apartments auszustattenden Njord von Ocean Residences Development Ltd (ORD), Malta, einen ersten Auftrag zum Bau eines Residenzschiffes verkündet, das ebenfalls 2024 in Fahrt kommen sollte.

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Der nach den derzeitigen Planungen 2024 für Storylines unter dem Namen Narrative in Fahrt kommende rd. 226 m lange Neubau soll über 627 Apartments zwischen 72 und 735 qm, davon 87 Prozent mit eigenem Balkon, verfügen, die zu Preisen zwischen 300 000 und mehr als 8 Mio. Dollar vermarktet werden sollen. Dafür sind verschiedene Modelle und Optionen für die Käufer vorgesehen, die ihre Apartments z. B. für die permanente eigene Nutzung für Perioden ab 12 über 24 Jahre bis zur gesamten – auf ca. 60 Jahre veranschlagten – Lebensdauer des Schiffes leasen können und sie auch durch Storylines periodisch für die Buchung von Kreuzfahrtgästen überlassen können. Damit ist man nach eigenen Angaben preislich deutlich unter dem Niveau des seit 2003 für eine in Miami ansässige Betreibergesellschaft in Fahrt befindlichen Wettbewerbers The World, der über nur 165 Luxus-Apartments verfügt, die seit 2006 verkauft sind. Vorgesehen sind ca. dreieinhalbjährige Weltreisen mit einer durchschnittlichen Verweildauer in den Anlaufhäfen zwischen drei und fünf Tagen.

Der mit umweltfreundlichen Dual Fuel-Motoren für die Energieerzeugung an Bord sowie Batteriepacks auszurüstende Neubau, dessen Entwurf aus der Zusammenarbeit mit der renommierten schwedischen Firma Tillberg Design stammt, soll mit modernen Energierückgewinnungs- und Speichersystemen sowie Umweltschutzeinrichtungen wie Müllentsorgungs-, Sammel- und Recyclinganlagen ausgestattet werden. Zu den Besonderheiten wird neben einer bordeigene Brauerei, Wassersportmarina im Heck mit eigenem Pool, Atrium mit breitem Kulinarik-Angebot in rd. 20 verschiedenen Restaurants, mehr als 20 Lounges, Kunstatelier, leistungsfähigem Hospital, umfangreicher Bibliothek und Naturgartenanlagen an Deck auch der unter dem Namen „Sustain“ angekündigte erste „Zero-Waste-Markt“ auf See gehören. Er wird ein verpackungsfreies Angebot von Früchten, Obst und ohne Einsatz von Pestiziden an Bord gezogenen Produkten bereit halten, darunter Salate, Gemüse, Suppengrün und Erdbeeren für die eigne Zubereitung von Mahlzeiten.

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Von der gegenwärtigen Corona-Pandemie erhoffen sich die Storyline-Gründer Rückenwind für ihr mit Blick auf gesundheitliche und Hygiene-Aspekte optimiertes Neubau-Projekt, das mit einem anderen Konzept zunächst einen holprigen Start hatte. Um bezahlbare Residenzen auf See für eine gleichgesinnte Community zu kreieren, wollte man ursprünglich in Fahrt befindliche Passagierschiffe entsprechend umbauen, weil man den Kauf von Alttonnage und ihren Umbau für billiger hielt als den Neubau entsprechender Schiffe. Schließlich hätten Marktstudien gezeigt, dass für schwimmende Residenzen eine größere Nachfrage besonders in einem erschwinglichen Preisbereich besteht, die durch das seinerzeit im Markt befindliche hochpreisige Ultra-Luxus-Residenzschiff The World (BRZ: 43188) nicht abgedeckt werden konnte. Schon zwei Jahre nach Gründung hatte man rd. 100 feste Interessenten für den Kauf von Kabinen gefunden und war bei der Suche nach geeigneter Umbau-Tonnage auf die Marco Polo (BRZ: 22080) von CMV als mögliches erstes Schiff gestoßen. Doch schon bei der Erarbeitung der Pläne für den nötigen Umbau und die künftige Vermarktung wurde deutlich , dass dieser 1965 in Wismar erbaute, am 22. Oktober letzten Jahres für 2,77 Mio. US Dollar von Highseas Ltd. in Dubai ersteigerte und im Januar dieses Jahres zum Abbruch im indischen Alang eingetroffene Oldie wegen seines Alters und seiner Größe nicht den künftigen Ansprüchen der potenziellen Klientel gerecht werden konnte.

Ankauf und Umbau zum Residenzschiff verworfen: Costa Classica, Foto: Jens Meyer

Auch das wenig später ins Auge gefasste zweite Objekt, die 1991 von Fincantieri in Monfalcone erbaute Costa Classica, (BRZ: 52926), war zwar deutlich jünger, musste aber trotz des bereits begonnenen Umbauplanungs- und Marketingaktivitäten ebenfalls verworfen werden, weil sich zeigte, dass wegen der schon ein Jahr später in Kraft tretenden strengeren Emissionslimitierungen für die Schifffahrt das Anlaufen eine Reihe von wichtigen Anlaufdestinationen nicht zulassen würden. Da auch die zu erwartende weitere Lebensdauer der beiden Schiffe von ca. 24 Jahren zu gering war, für die Darstellung eines wirtschaftlich vernünftigen Einsatzes und einer akzeptablen Preisgestaltung für das Marketing blieb ein Neubau die einzige realistische Option und machte die einst für 2020 geplante Indienststellung eines ersten Residenzschiffes obsolet.

Video: Youtube/Storylines Cruise Condos

Alister Punton, Mitbegründer des jungen Unternehmen, das nach einer ersten Büroeröffnung im UK dieses schon wenig später wieder aufgab, anschließend Aktivitäten nach Delaware verlegte und Anfang dieses Jahres auch ein neues Büro im Marina Blue-Gebäude in Miami eröffnete, hatte Ende Oktober 2018 zunächst die Erstellung des Kaskos für den Neubau bei einer chinesischen Werft und die anschließende Komplettierung der Inneneinrichtung sowie den Einbau von Schlüsselkomponenten durch europäische Zulieferer angekündigt: „Wir haben Kontakt mit einigen der wichtigsten Marktführer im Zulieferbereich aufgenommen, um das sauberste, grünste und modernste derzeit lieferbare Schiff zu bekommen“, kündigt er vollmundig an. JPM