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„Hondius“ auf der Heimreise

Das Expeditionskreuzfahrtschiff Hondius ist auf dem Heimweg. Am 17. Mai wird das durch die Hantavirus-Fälle in die Schlagzeilen geratene Schiff vor Rotterdam erwartet. In dem niederländischen Hafen soll das Schiff einer gründlichen Desinfektion unterzogen werden. Die Besatzung wird eine längere Quarantäne durchlaufen.

Die Hafenverwaltung von Rotterdam hat zusammen mit der Stadt einen Liegeplatz ausgewählt, an dem das Schiff erreichbar ist und alle technischen Möglichkeiten zur Versorgung bestehen. Der Platz ist aber abgeschottet und für die Öffentlichkeit nicht erreichbar, hieß es. In Rotterdam hat man Quarantäne mehr Erfahrungen als im Heimathafen der Hondius.

„Wir können bestätigen, dass Hondius bei der Ankunft einer Reinigung unterzogen wird. Details zu Reinigungsprotokollen für Schiffe werden noch in Absprache mit der RIVM in Rotterdam, der Weltgesundheitsorganisation, dem Außenministerium, dem Gesundheitsministerium, der Rotterdam Port Health Authority und weiteren relevanten Stellen festgelegt. Darüber hinaus werden alle verbliebenen Besatzungsmitglieder an Bord die von den niederländischen Behörden geltenden medizinischen Screening- und Quarantänebedingungen einhalten“, teilte die Reederei jetzt mit. 

Gemäß den Vorgaben der Gesundheitsbehörden gelten die Crewmitglieder alle als Kontaktpersonen. Die Weltgesundheitsorganisation WHO empfiehlt eine Quarantäne der Kontaktpersonen bis zum 21. Juni. Inzwischen wurden elf Menschen mit Bezug zu den Passagieren und Crewmitgliedern positiv auf das Virus getestet. Drei Passagiere sind danach verstorben.

Die Reise der Hondius begann am 1. April in Ushuaia, laut Reederei Oceanwide Expeditions, mit 114 Passagieren und 61 Crewmitgliedern. Es war die Rückreise nach Europa zum Abschluss der Antarktissaison. Am 11. April starb während der Reise an Bord ein niederländischer Passagier. Er wurde am 21. April zusammen mit seiner Frau auf der zu Großbritannien gehörenden Insel St. Helena ausgeschifft. Die Frau verstarb dann am 26. April in einem Krankenhaus im südafrikanischen Johannesburg. In St. Helena verließen laut Reederei 30 weitere Passagiere und ein Crewmitglied das Schiff.

Darunter war auch ein erkrankter britischer Passagier, der zur Behandlung nach Johannesburg gebracht worden war. Er ist inzwischen auf dem Weg der Besserung. Bei der Weiterreise des Schiffes am 24. April war noch nicht bekannt, dass das Hantavirus die Ursache der Erkrankungen war. Am 27. April wurden zwei weitere Passagiere im Atlantik im Rahmen eines Medevac-Einsatzes von Bord geholt. Am 2. Mai verstarb an Bord eine deutsche Passagierin. Der geplante Ausschiffungshafen Praia auf den Kapverdischen Inseln durfte nicht mehr angelaufen werden. Eine französische Passagierin ist inzwischen auch schwer erkrankt.

Als Ausweichhafen wurde Granadilla an der Südspitze von Teneriffa angesteuert, wo unter strengen Sicherheitsvorkehrungen am 10. und 11. Mai alle verbliebenen Passagiere und 36 der 61 Crewmitglieder von Bord geholt und in ihre Heimatländer geflogen wurden. Die Crew bleibt an Bord und überführt das Schiff nun nach Rotterdam. Sie bleibt mit dem Schiff in Quarantäne.

Die Quarantäne- und Beobachtungsdauer sollte vollständig eingehalten werden, auch wenn währenddessen keine Symptome auftreten. Ein negatives Testergebnis bei asymptomatischen Personen hebt die Quarantäne nicht auf.

Bei dem an Bord des Schiffes festgestellten Erreger handelt es sich um die Anden-Variante des Hantavirus. Es wird im Kot und Ausscheidungen von Nagetieren übertragen. Wie genau das Virus an Bord kam, wird jetzt untersucht. Genauso die Frage, wie sich Schiffe gegen das Einschleppen des Virus schützen können.

Aus diesem Grund ist auch das Gepäck aller Passagiere und Crewmitglieder an Bord geblieben und jetzt auf dem Weg nach Rotterdam. Es wird ebenfalls gründlich untersucht. Die Passagiere werden dann über das Ergebnis der Untersuchung informiert. Die Reederei steht dafür in Kontakt mit den Urlaubern.  

Die Hondius soll am 28. Mai in Island eigentlich die Arktis-Saison starten. Ob dieser Termin gehalten werden kann, hängt von den Untersuchungen in Rotterdam ab. Die Flotte der Reederei aus dem niederländischen Hafen Vlissingen besteht aus vier Schiffen. Neben der Hondius gehören die Expeditionsschiffe Plancius und Ortelius sowie der Segler Rembrandt von Rijn zur Flotte. Der Betrieb auf den anderen Schiffen läuft aber regulär weiter.     

Die 2017 bis 2019 bei Brodosplit in Split/Kroatien gebaute Hondius ist das Flaggschiff von Oceanwide Expeditions. Das 6.603 BRZ große Schiff hat 80 Kabinen für 170 Passagiere. FB

Foto: Frank Behling