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Huthi und die Kreuzfahrer

Die Lage im Roten Meer beschäftigt gegenwärtig auch alle größeren Kreuzfahrtreedereien. Die Passage der im Süden gelegenen Meerenge Bab al-Mandab ist derzeit kaum noch möglich. Zwölf Angriffe auf Handelsschiffe gab es seit Ende November. Ein Autotransporter wurde mit einem Hubschrauber aus dem Jemen gekapert und entführt.

Die Folge ist eine Risikoeinstufung des Roten Meeres bei den Versicherungen der Reedereien. Mehr als 100 Handelsschiffe haben deshalb bereits die Passage der Suezroute abgebrochen und nehmen den Weg um Südafrika herum. Bis sieben bis zehn Tage länger ist die Route, je nach Wetter am Kap und im Südatlantik. Die Containerreedereien MSC, Maersk, Hapag-Lloyd sowie CMA CGM haben ihre Schiffe bereits auf die Kap-Route geschickt.

Die Folgen der Raketenangriffe treffen aber auch die Kreuzfahrer, die im Frühjahr aus dem Indischen Ozean durch das Rote Meer zurück ins Mittelmeer fahren wollen. Betroffen sind hier die Weltreisen und die Schiffe, die den Winter im Persischen Golf oder in Fernost verbringen, wie die AIDAnova, AIDAbella, Mein Schiff 2, MSC Opera, MSC Virtuosa oder die Costa Toscana. Aber auch die Weltreise der Artania von Phoenix soll im April durch das Rote Meer führen.

Die Schiffe aus dem Persischen Golf sollen Ende März ihre Transreisen vom Golf nach Europa antreten. Wenn bis dahin die Gefahr von Raketenangriffen durch die Huthi nicht gebannt ist, müssen die Routen angepasst werden. Der Weg um das Kap der guten Hoffnung ist etwa 5.000 Seemeilen länger – also entweder früher los oder später ins Frühlingsprogramm im Mittelmeer starten.

Die Reedereien beobachten die Entwicklung jedenfalls alle derzeit sehr genau. Die Entscheidung der Umroutung hängt aber letztlich von der Entwicklung der Sicherheitslage rund um das rote Meer im Januar ab. Die Passagiere der betroffenen Reisen würden dann zeitnah informiert, heißt es bei den Reedereien.

Aktuell sind im Roten Meer und im Golf von Aden etwa 30 Marineschiffe aus den USA, Großbritannien, Italien, Spanien, Frankreich, Japan, China und Indiens unterwegs. Eine sichere Passage des Roten Meers ist seit Mitte Dezember nicht möglich. Die Huthi-Rebellen haben zur Unterstützung der Hamas den Angriff auf alle Schiffe mit einem Bezug zu Israel angekündigt. Dazu gehören auch Reedereien, derer Eigner oder Gesellschafter jüdischer Abstammung sind. Außerdem sollen Schiffe attackiert werden, die israelische Waren transportieren oder israelische Häfen ansteuern.

Für diese Angriffe haben die Huthi-Rebellen große Mengen an Flugkörpern und Drohnen bereitstehen, die seit Jahren aus dem Iran geliefert wurden. Entsprechende Waffensysteme wurden seit September 2022 im Jemen auch offen bei Paraden der Rebellen präsentiert. FB