Kategorie: Ausgabe 3-2020

Lady Diletta in Düsseldorf getauft

Am 24. Juni taufte Silvia Diletta Ligabue den ersten eigenen Flusskreuzfahrtschiff-Neubau, der ausschließlich für den Bremer Veranstalter Plantours Kreuzfahrten in Fahrt kommt. Die Lady Diletta wird zunächst auf Rhein und Mosel, sowie den Wasserwegen in Holland zum Einsatz kommen. Oliver Asmussen berichtet.

Am 24. Juni um genau 10:35 Uhr zerschellte die Champagnerflasche bei strahlendem Sonnenschein und hochsommerlichen Temperaturen am schneeweißen Bug des neuen Flusskreuzfahrtschiffes Lady Diletta. Namensgeberin Silvia Diletta Ligabue zog zusammen mit ihrer Mutter, Cristina Ligabue am weißen Band, welches die Flasche kurz darauf am Bug zerschellen ließ.

Plantours-GF Oliver Steuber, Inti Ligabue, Cristina Ligabue bei der Taufe,
Foto: Oliver Steuber/Oceanliner-Pictures.com

Bedingt durch die massiven, weltweiten Einschränkungen der Corona-Pandemie mussten zunächst sowohl die Jungfernfahrt als auch die geplante Taufe der Lady Diletta abgesagt werden. Die 135m lange Lady Diletta bietet maximal 172 Passagieren Platz, alle 91 Kabinen verfügen über einen französischen Balkon, die insgesamt 8 Suiten sogar über einen kleinen, möblierten Balkon. Aufgrund der Konzipierung als 2 ½ Deck Schiff können die Gäste auch bei Brückenpassagen einen Teil des Sonnendecks weiter nutzen. Eigentümer der Lady Diletta ist die italienische Ligabue Group, deren Vorstandsvorsitzender und Hauptgesellschafter, Inti Ligabue, sich sichtlich erleichtert zeigt, dass es mit einiger Verspätung und einem umfangreichen Hygienekonzept nun doch losgehen kann, mit den ersten Flusskreuzfahrten. Die Jungfernreise der Lady Diletta führt von Düsseldorf und Koblenz zunächst auf der Mosel nach Cochem, Trier, Bernkastel und Alken, bevor es weiter entlang der Loreley in Richtung Rüdesheim geht.

Abendfahrt vor der Taufe auf dem Rhein bei Düsseldorf, Foto: Oliver Asmussen/Oceanliner-Pictures.com

Entsprechend der derzeit gültigen Einschränkungen wurde auf eine stimmungsvolle, große Taufparty an Bord der Lady Diletta verzichtet. Die geladenen Gäste kamen nach einem zwanglosen Empfang am Mittag, abends vor der offiziellen Taufzeremonie jedoch in den Genuss eines großen Galadinners im eleganten Tiepolo Restaurant. Im Anschluss an das Galadinner legte die Lady Diletta zu einer rund 2-stündigen Abendfahrt auf dem Rhein ab. Bei warmen Sommertemperaturen kamen alle Taufgäste in den Genuss, die illuminierte Stadtkulisse von Düsseldorf zu bestaunen.

Foto: Oliver Asmussen/Oceanliner-Pictures.com

Die Lady Diletta wird auch anspruchsvolle Kreuzfahrtgäste ansprechen, denn sowohl die öffentlichen Bereiche als auch die Kabinen durchzieht nicht nur modernes Flair in Verbindung mit einem sehr harmonischen Farbkonzept, sondern auch ein gewisser Luxus. Offiziell bietet Plantours Kreuzfahrten die Lady Diletta im First Class Segment, also als 4-Sterne-Plus Schiff an. In allen Räumen dominiert ein unaufdringliches, italienisches Design. Als Besonderheit sind die Kabinen für Alleinreisende zu nennen, die sowohl auf dem Accademia Deck als auch auf dem Rialto Deck zu finden sind. Die 10 Einzelkabinen auf dem Accademia Deck sind ca. 11,5m² groß, die Einzelkabine auf dem Rialto Deck 12m².

Fotos: Oliver Asmussen/Oceanliner-Pictures.com

Plantours Kreuzfahrten bietet auf den ersten Reisen der Lady Diletta um 400,- EUR pro Person ermäßigte Einführungspreise an. Diese Einführungspreise sind gültig für alle Neubuchungen seit dem 05. Juni. Die vergünstigten Reisepreise gelten auf den Abfahrten am 01.07.2020, 07.07.2020 und 19.07.2020. Die Routen weichen jeweils voneinander ab.

Video zur Taufe der Lady Diletta, Video: Plantours Kreuzfahrten

So fährt die Lady Diletta auf ihrer zweiten Flusskreuzfahrtnach der Jungfernfahrt von Düsseldorf über Köln, Koblenz, Rüdesheim, Worms, Speyer, Kehl/Straßburg, Basel und Germersheim zurück nach Düsseldorf. Die Reisepreise für die zweite Flusskreuzfahrt am 01.07.2020 beginnen ebenfalls bei 699,- EUR p.P. (statt 1.099,- EUR p.P.) in der 2-Bett-Kabine auf dem Accademia-Deck. Die dritte Flusskreuzfahrt der Lady Diletta startet wieder in Düsseldorf und führt über Königswinter, Linz, Andernach, Rüdesheim, Frankfurt, Mainz und Koblenz zurück nach Düsseldorf. Reisedatum: 07.07.-13.07.2020. Reisepreise: Eine 7 Tage Flusskreuzfahrt „Romantischer Rhein“ ist ab 699,- EUR p.P. in der 2-Bett-Kabine auf dem Accademia-Deck buchbar. Noch einmal vergünstigte Reisepreise gewährt Plantours Kreuzfahrten auf der vierten Flusskreuzfahrt vom 19.-25.07.2020 von Düsseldorf über Koblenz, Cochem, Trier, Bernkastel, Alken und Rüdesheim nach Düsseldorf. In der 2-Bett-Kabine auf dem Accademia-Deck reist man für 699,- EUR pro Person.

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https://www.youtube.com/watch?v=VReuScMS0Dw&feature=youtu.be
Video: Oliver Asmussen/Oceanliner-Pictures.com
Cristina Ligabue, Inti Ligabue, Diletta Ligabue nach der Taufe. Foto: Oliver Asmussen/Oceanliner-Pictures.com

Während bei vielen Reedereien der Firmenname im Schiffsnamen wiederzufinden ist, hat man sich bei Ligabue dazu entschieden, den Neubau nach der im Jahr 2019 geborenen, jüngsten Tochter von Inti Ligabue, dem Eigentümer der Ligabue Gruppe, zu benennen. Sie heißt Silvia Diletta Ligabue. Die Lady Diletta setzt mit ihrem Namen die 100-jährige Firmengeschichte der Muttergesellschaft, der Ligabue Gruppe, fort.

Infos/Buchung unter anderem: Plantours Kreuzfahrten (www.plantours-partner.de), Kreuzfahrten & Mehr (www.kreuzfahrten-mehr.de)

Text: Oliver Asmussen, Fotos: Oliver Asmussen/Oceanliner-Pictures.com, Videos: Plantours Kreuzfahrten, Oliver Asmussen/Oceanliner-Pictures.com

Das verlorene Schiff

Vor 400 Jahren brach die MAYFLOWER von Plymouth in die Neue Welt auf. Manche der Passagiere verloren dabei ihr Leben, andere überlebten und wurden zu Pilgervätern. Roland Mischke hat sich damit befasst

Sie hießen William Brewster, Mary Allerton, Elizabeth Hopkins oder Richard Jackson. Sie waren gestandene Leute, Kaufleute, Handwerker, Bauern, Verwaltungsbeamte oder Geistliche. Ihr Leben wurde lebensgefährlich, als sie sich als Puritaner bekannten, Strenggläubige, die nur der Bibel folgten und nicht den mächtigen Vertretern der Church of England. Sie wurden verachtet als Separatisten, Anhänger eines anderen Lebensstils. Weil sie nicht mehr Untertanen des Königs sein wollten, wurden sie verfolgt. Manche flohen ins niederländische Leiden, andere versuchten irgendwie durchzukommen. Bis einige von ihnen sich zusammentaten und entschieden, wir wollen als Gemeinschaft anderswo neu anfangen – in Amerika.

Es muss ihnen seltsam vorgekommen sein, das Schiff zu besteigen, das eine Schlossstruktur hatte, aber eher ein Kahn war, dafür gebaut, am Wind entlang zu segeln. Es hieß MAYFLOWER, Maiglöckchen, ein fatal lieblicher Titel. Mit ihm wollten sie den Atlantik überqueren, um in die Neue Welt zu gelangen. Die meisten stammten aus Mittelengland, einige waren Holländer. Nach Angaben der offiziellen „Mayflower 400“-Organisation führen mehr als 30 Millionen Amerikaner ihre Abstammung auf diese mutigen Seereisenden von damals zurück.

Foto: ZU_09/istockphoto.com

Es waren 102 Passagiere und 31 Mitglieder der Besatzung. Sie befanden sich an Bord und warfen noch einen Blick zurück auf ihre Heimat, dann wurden die Leinen gelöst. Das geschah am 6. September 1620, in der britischen Stadt Plymouth im Südwesten Englands.

Die schwierige Reise

Das Ziel der MAYFLOWER war Virginia, aber die Fahrt wurde von Westwinden heftigster Art und hohem Wellenschlag begleitet. Auf dem beengten Schiff herrschten katastrophale Zustände, unter den Siedlern breiteten sich Lungenentzündungen und Tuberkulose aus. Die Hygiene war nicht sonderlich sauber, die Schlafräume nur schmale Verliese und an Bord fuhren auch Hunde, Schafe, Ziegen und Geflügel. Nur ein Eimer wurde als Nachttopf genutzt, er befand sich auf dem Oberdeck hinter einer Trennwand. Zwei Menschen starben auf der Überfahrt, aber es wurde auch ein Kind geboren, seine Mutter nannte es Oceanus. Die Überfahrt dauerte mehr als zwei Monate, die Vorräte im Frachtraum schwanden dahin und die Angst zu scheitern nahm zu…

Foto: JonnyJim/istockphoto.com

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Drohne hilft Forschern bei der Schildkröten-Zählung und bringt erstaunliche Erkenntnisse

Pressemitteilung

Raine Island im nördlichen Great Barrier Reef ist der weltweit
größte Nistplatz für Grüne Meeresschildkröten

64.000 Tiere kommen in einer Saison (November bis März) dorthin, um ihre Eier zu legen – fast doppelt so viele wie bislang angenommen!

Forscher auf Raine Island in Queensland, dem weltweit größten Nistplatz für Grüne Meeresschildkröten, haben erstaunliche Erkenntnisse über die Population dieser gefährdeten Schildkrötenart gewonnen. Eine Drohne hat maßgeblichen Anteil daran.

Die im Dezember 2019 im Rahmen des „Raine Island Recovery Project“ aufgenommenen und Frame für Frame ausgewerteten Drohnen-Bilder zeigen bis zu 64.000 Green Turtles rund um Raine Island im nördlichen Great Barrier Reef. Bislang gingen die Wissenschaftler immer nur von rund 36.000, also wesentlich weniger Tieren aus.

Andrew Dunstan vom Department of Environment and Science (DES) und Hauptautor der erst jetzt im Juni veröffentlichen Studie sagt, dass Drohnen die effizienteste Erhebungsmethode zur wissenschaftlichen Auswertung der Schildkröten-Population seien. „In früheren Methoden wurden die Tiere immer von einem kleinen Boot aus gezählt, was lediglich zu Schätzungen und einer verringerten Genauigkeit führte“, erklärt der Forscher die überraschenden Zahlen.

Foto: Christian Miller

Eine Green Turtle legt bis zu 600 Eier in einer Saison
Seit mehr als eintausend Jahren gilt Raine Island als DER Nistplatz für Green Turtles. Die Insel ist damit eine der weltweit ältesten Meeresschildkröten-Kolonien. Jedes Jahr zwischen November bis März kommen Zehntausende Tiere zum Nisten hierher. Eine Green Turtle kehrt frühestens im Alter von acht Jahren an den Strand zurück, an dem sie selbst zur Welt kam. Ein Weibchen brütet dann alle drei bis sieben Jahre. In einer Saison kommt sie dafür bis zu sechs Mal (alle zwölf Nächte) an den Strand. Dann gräbt sie ein großes Loch und legt jeweils rund 100 Eier in Tischtennisball-Größe. Dieser Prozess dauert mehrere Stunden. Im Idealfall sind das 600 Eier pro Schildkröte in einer Saison. Anschließend verschwindet sie wieder im Meer. Das Ausbrüten überlässt sie dann getrost der Sonne und dem warmen Sand. 

Rund acht bis zehn Wochen später schlüpfen die Jungen und machen sich auf den Weg ins Meer (Hatching genannt). Doch nur eines von 1.000 Jungtieren wird selbst wieder für Nachwuchs sorgen. Die größte Gefahr für die Mini Turtles in den ersten Monaten sind Vögel und andere Meerestiere. Eine Green Turtle wird bis zu 1,40 Meter lang, rund 160 Kilogramm schwer und bis zu 50 Jahre alt.

Foto: Great Barrier Reef Foundation and Queensland Government

Raine Island Recovery Project: Lebensraum nachhaltig schützen
„Die neueste Studie kombiniert Wissenschaft und Technologie, um die gefährdete Green Turtle besser zu zählen. Dies ist ein wichtiger Bestandteil unseres umfassenderen Raine Island Recovery Project“, erzählt Anna Marsden, Chefin der Great Barrier Reef Foundation und fügt hinzu: „Raine Island ist der weltweit größte Nistplatz für Green Turtles. Deshalb arbeiten wir daran, den Lebensraum nachhaltig zu schützen.“ 

Für das zunächst auf fünf Jahre veranschlagte Raine Island Recovery Project, eine Zusammenarbeit zwischen dem Queensland Government, der Great Barrier Reef Marine Park Authority, der Great Barrier Reef Foundation und den Traditional Owners der Wuthathi und Kemer Kemer Meriam Nation (Ugar, Mer, Erub), stehen umgerechnet rund 4,9 Millionen Euro (7,95 Millionen Australische Dollar) zur Verfügung. Mehr Details zum Raine Island Recovery Project unter https://parks.des.qld.gov.au/raineisland/. 

Video: Great Barrier Reef Foundation und Queensland Government

Raine Island liegt etwa 620 Kilometer nördlich von Cairns beziehungsweise 120 Kilometer vor der Halbinsel Cape York. Im Jahr 2007 wurde die 21 Hektar große Koralleninsel zusammen mit zwei Nachbarinseln (Moulter und MacLennan Cays) zum Nationalpark erklärt. Der Raine Island Nationalpark ist nach dem britischen Seefahrer Thomas Raine, der die Insel im Jahr 1815 entdeckte, benannt. 

Text: Pressemitteilung Queensland Australia/Global Spot, Fotos: Great Barrier Reef Foundation and Queensland Government (2), Christian Miller (1), Video: Great Barrier Reef Foundation und Queensland Government

Teamarbeit gegen Corona

Statt wie üblich als Reisejournalist an Bord eines Kreuzfahrtschiffes zu gehen, gab es für Maik Günther die Möglichkeit, als „Containment-Scout“ des Gesundheitsamtes den Behörden in Pandemiezeiten bei der Arbeit auf Mein Schiff 3 zu helfen. Sein Protokoll.

Mitte März 2020: Die Bundesregierung beschliesst umfassende Maßnahmen zur Eindämmung des Corona-Virus in Deutschland. Geschäfte müssen bundesweit schließen, Einreisesperren für Menschen aus Nachbarländern werden verhängt, der Tourismus kommt zum Erliegen und meine Tätigkeit als Reisejournalist erweist sich als äußerst schwierig.

Dann höre ich, das bundesweit sogenannte „Containment-Scouts“ gesucht werden, also Menschen, die sich unterstützend bei den örtlichen Gesundheitsämtern um die Kontaktverfolgung bei Corona-Infizierten kümmern. Recherche gehört zum kleinen Einmaleins eines jeden Journalisten. Im zugeteilten Gesundheitsamt in Oldenburg ist die Lage indes ruhig. Eine Handvoll Infizierte weist die Statistik für die Huntestadt noch auf, einige Dutzend sind in Quarantäne und gelegentlich melden sich ein paar Reiserückkehrer.

Feuerschiff ELBE 1 (Vordergrund) und MEIN SCHIFF 3 (Hintergrund), Foto: Maik Günther

Nach wenigen Tagen kontaktiert mich der Leiter des örtlichen Gesundheitsamtes. Das übergeordnete Niedersächsische Landesgesundheitsamt fragt an, ob Interesse bestünde, den Landkreis Cuxhaven zu unterstützen? Dort hätte vor wenigen Tagen das Kreuzfahrtschiff Mein Schiff 3 im Hafen festgemacht. An Bord würden sich auf CoViD-19 positiv getestete Crew-Mitglieder befinden. Allerorts würden die Alarmglocken schlagen. Ich darf Teil eines Teams werden, dass sich um die Bewältigung dieser Situation kümmert.

Einen Tag nach meiner Zusage bin ich auch schon in Cuxhaven, untergebracht im „Havenhostel“, nur wenige hundert Meter von der Pier entfernt, wo die Mein Schiff 3 seit dem 28. April festgemacht hat. Anfangs sind noch rund 2.900 Crew-Mitglieder an Bord. Wenige Wochen zuvor gab es vor Teneriffa und in der Deutschen Bucht ein Aufeinandertreffen einiger Schiffe der TUI Cruises Flotte. Von all diesen Schiffen wurden Crew-Mitglieder auf die Mein Schiff 3 gebracht. Marcus Puttich, im normalen Arbeitsleben Leiter der Abteilung Port & Ground Operations bei TUI Cruises und aktuell einer von drei Krisenstabsleitern im Unternehmen, erläutert diesen Crew-Transfer: „Bereits Anfang April gab es die große Herausforderung, dass viele Häfen in unseren Fahrgebieten auf der ganzen Welt geschlossen wurden. Zudem haben auch zahlreiche Herkunftsländer unserer Crewmitglieder ihre Einreisebeschränkungen verschärft, ihre Häfen und Flughäfen geschlossen. Eine sichere Rückführung unserer Besatzungsmitglieder aus mehr als 60 Nationen war zwischenzeitlich nahezu ausgeschlossen. Die Logistik für eine solche Aktion ist immens. Sie benötigt engen Austausch mit den örtlichen Behörden, den Botschaften der Länder, aber auch dem Auswärtigen Amt.“ …

… Lesen Sie weiter in der aktuellen Ausgabe von AN BORD.

Fotos: Maik Günther

Ausgabe 3 – 2020

Auszüge aus den Artikeln der neuen Ausgabe.
Die vollständigen Artikel und weitere spannende Beiträge finden Sie – wie gewohnt – in der neuen Printausgabe von AN BORD bei Ihrem Zeitschriftenhändler oder hier:
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Yachtfeeling im Mittelmeer

Schon am Vorabend dümpelt sie im flimmernden Meer vor der Kulisse der historischen Mauern von Dubrovnik, ein Bild für eine Postkarte. Während die Gäste der letzten Reise den Abend in der Altstadt genießen und bis in die Nacht ihren eigenen Tenderservice haben, checkte Michael Wolf am nächsten Nachmittag im neuen Cruisehafen der kroatischen Stadt an Bord der SEADREAM II ein.

In kleinen Grüppchen, paarweise oder auch alleine kommen die neuen Passagiere über die Gangway. Am Pool stehen bereits die wichtigsten Personen der SEADREAM II zum Empfang bereit: Kapitän Steinar Holmsteinsson, Hoteldirektor Christophe Cornu und Club Director Taylor Davies. Es ist für viele ein bisschen wie nach Hause kommen: Man umarmt sich, kennt sich.

Das obligatorische Glas Prosecco wird von den beiden charmanten Thailänderinnen aus dem Spa gereicht, dazu kalte Tücher – eine Wohltat. Fast alle Gäste auf der heutigen Cruise sind, das sieht man sofort, „Wiederholungstäter“, eine echte Community. Die sich noch nicht kennen, finden sich schnell am Sandwich-Buffet oder beim ersten Cocktail zusammen: „Socialising“ ist das Motto.

Empfangskomitee an Bord

Die meisten Repeater kennen natürlich „ihre“ SEADREAM II und die Historie: 1985 als SEA GODDESS II gebaut, galt sie zusammen mit ihrer ein Jahr älteren und baugleichen Schwester SEADREAM I (ex-SEA GODDESS I) als der Inbegriff der luxuriösen Kreuzfahrtyacht schlechthin. Dazu elegante Linien, viele Außendecks. Die Nobelreedereien Cunard und Seabourn setzten die beiden Schiffe ein, 2001 wurden sie von der jungen Reederei SEADREAM übernommen. Obwohl das Schiff auch heute noch in exzellentem Zustand ist, sieht man natürlich hier und da etwas angesetzte Patina an manchen Metallteilen, auf den hölzernen Decks oder auch am Mobiliar der Suiten. Für SEADREAM-Fans ist das Nostalgie pur, sie stört es auch nicht, dass die Suiten keine Balkone haben. Patrick aus New Orleans ist bereits zum dritten Mal an Bord: „Das ist ein Schönwetter-Schiff voller Nostalgie. Wir sind sowieso den ganzen Tag an Deck – da brauchen wir keine Balkone.“

Nostalgischer Charme

Die Erkundungstour dauert auf einem solchen Schiff nicht lange. Die Gangway führt direkt zum Pooldeck mit seinen großen Holzflächen und den metallenen Liegestühlen, dem Pool, in dessen blauen Fliesen das SEADREAM-Logo im Wasser schillert, sowie einer kleinen Poolbar, die tagsüber geöffnet ist. Von hier aus gelangt man auf der einen Seite zur Main Lounge in grauen und beigen Farben und einer Metall-Deckendekoration im Retrolook über einer kleinen Tanzfläche mit einem Flügel. Hier haben alle 112 Passagiere Platz. Besonders schön ist eine kleine gemütliche Eck-Bar und Holztheke für kleine Buffets. Auf der anderen Schiffsseite führt ein Außengang vom Pool direkt zum Rezeptionsbereich mit vielen Holzelementen und Messinggeländern, dem Herz der Yacht. Hier finden sich Kreuzfahrtberatung, Concierge, Rezeption und Internetplatz am selben Platz, die Boutique besteht aus einer größeren Vitrinenwand mit Luxusartikeln.

Viel Holz, Glasvitrinen und rote Vorhänge auch im Dining Salon, am Heck liegt auf demselben Deck eine ausklappbare Marina für Wassersport wie Kajaks, Jetski und sogar kleine bordeigene Segelboote, die über eine Außentreppe erreichbar ist.

Die Bibliothek auf Deck 4 könnte aus einem englischen Country-Club stammen – glänzendes Holzparkett, Orientteppiche, Holzregale mit Coffee-Table-Büchern, bequeme Sessel und Sofas. Der ideale Rückzugsort zum Lesen, für kleine Vorträge oder Whiskey-Verkostungen. Dezent dazu etwas Musik von der seitlichen Piano-Bar (auf manchen Reisen bis zum Morgengrauen geöffnet), die einem der kleinsten Casinos auf Schiffen gegenüberliegt. Am Bug des Schiffes dann der Spa-Bereich mit einem großen Fitnessraum und modernsten Geräten.

Zum Frühstück und Lunch trifft man sich open-air im Topside-Restaurant auf Deck 5, romantische kleine Tische am Heck mit Blick auf Pool und Meer sind die Favoriten. Auch abends kann man hier manchmal speisen, auf besonderen Wunsch auch häufiger, wenn das Wetter mitspielt.

Perast, Montenegro, 19

Und noch ein Deck höher liegen dann die beiden Highlights, wofür SEADREAM-Fans eine solche Reise schon allein buchen. Zum einen eine der wahrscheinlich schönsten Bars auf Schiffen, ganz in Holz und oval gestaltet, die passenderweise zur Lage Top of the Yacht Bar heißt…

Die beiden Barkeeper Nic and Byron kreieren hier neue Drinks, mixen die Lieblingscocktails ihrer verschiedenen Gäste schon meist automatisch, wenn die auf den hohen hölzernen Barhockern Platz nehmen. Genau hier schlägt eindeutig das social heart des kleinen Schiffes. Hier wird diskutiert, hier spielt der philippinische Pianist und Gitarrist Romeo zum Aperitif, hier wird abends mit einem DJ abgetanzt. Und immer ist der Meerblick inklusive. Das zweite Highlight sind die „balinesischen Betten“, Liegebereiche an den Schiffsseiten und ganz vorn am Heck, die abends auf Wunsch als Bett für die Nacht vorbereitet werden.

Pflanzen und Pyjamas

Im Gegensatz zu den öffentlichen Räumlichkeiten liegen alle Kabinen bzw. Suiten im vorderen Bereich der SEADREAM II. Auf Deck 2 mit Bullaugen, darüber mit großen Fenstern. Auch hier findet man viel Holzelemente, eine gemütliche Eleganz vergangener Tage, aber alle wichtigen Anschlüsse der heutigen Zeit, von USB bis zu amerikanischen oder deutschen Steckernormen, die Beleuchtungssysteme bis zur Leselampe gut ausgereift. Das Bett ist mit einem Vorhang vom Eingangsbereich abgetrennt. Das Badezimmer ist zwar klein, aber ausreichend und edel ausgestattet bis zur Pflegeserie von Bulgari. Und noch ein Luxus in Form eines Lebewesens auf der Suite: Denn wo findet man dort heutzutage noch echte Grünpflanzen?

Kleine aber wichtige Details machen den Unterschied zu anderen Cruiseanbietern im Luxusbereich aus: mit Namen bedruckte Trinkflaschen, ebenfalls mit Namen verzierte Pyjamas (leider seit einiger Zeit nur noch in einer Größe) oder das kleine Täschchen für die Kabinenkarte (und Kreditkarten für Landausflüge), das RFID geschützt ist. Sehr nützlich und praktisch, weil so die Kreditkarten nicht von Betrügern aus der Nähe ausgelesen werden können.

Der Dresscode auf diesem Schiff ist durchgängig und nennt sich „Yacht-Casual“, also relaxte Eleganz ohne Krawatte. Beim Welcome-Cocktail zählt der isländische Kapitän die an Bord anwesenden Nationalitäten der Gäste auf. Die größte Gruppe ist heute aus New York, quittiert von begeistertem Jubel und Klatschen. USA, England, Australien – das sind heute wieder einmal die wichtigsten Herkunftsländer der Passagiere. Dazu etwas Korea, Japan und immerhin drei deutsche Gäste. Wie bei SEADREAM üblich darf bei diesem Cocktail natürlich auch die Kaviardose an der kleinen Bar nicht fehlen, die bestens frequentiert wird.

Service mit höchsten Ansprüchen

Der französische Executive-Hoteldirektor Christophe Cornu ist ein Vertreter der „Hospitality People“ der alten Schule, ein Gentleman. Er kennt alle Stationen im Hotelbereich aus eigener Erfahrung, arbeitete als Kellner und Rezeptionist im weltberühmten Pariser Hotel Crillon am Place de la Concorde, später dann bei 3-Sternekoch Alain Senderens im Restaurant Lucas-Carton. Im Crillon lernte er einen talentierten Pianoplayer kennen, der auch auf der legendären FRANCE spielte.

„Er hat mich auf den Geschmack für Schiffe und den Kreuzfahrtmarkt gebracht.“, sagt er heute. „Mein Traum war es immer, die Welt kennenzulernen. Wo geht das besser, als auf einem Kreuzfahrtschiff? Wenn ich morgens aus dem Fenster schaue und das Meer sehen, bin ich glücklich.“

Trotz aller Romantik ist der drahtige Franzose unnachgiebig im Job: Vom ausnahmsweise einmal nachlässig dekorierten Buffet bis zum Fleck auf der Kellnerweste sind seine Augen überall. Die hohen Maßstäbe hat er bei seinen diversen beruflichen Kreuzfahrt-Stationen gelernt: Von Cunard‘s bzw. Seabourn‘s berühmten SEA GODDESS-Yachten (die später zu den SEADREAM-Yachten wurden) über Crystal Cruises und Seabourn hat Cornu so Erfahrungen bei den wichtigsten kleinen Cruiselines im Ultra-Luxus-Bereich sammeln können. Höchsten Ansprüchen genügen müsse man auch vor allem bei einigen Vollchartern, so der Executive Hoteldirektor. So wie bei der Charterreise eines arabischen Prinzen mit seinen Freunden oder dem einer bayrischen Luxus-Automobilmarke zum Filmfestival von Cannes.

Und er hat natürlich jede Menge Erinnerungen. An Zeiten, zu denen noch im Hafen ein roter Teppich wartete oder die Gäste mit riesigen Sonnenhüten an Bord kamen. Heute hat sich dies natürlich der Zeit angepasst.

Geblieben ist aber auch die Spitzengastronomie. Küchenchef Tomasz aus Polen zaubert auf dieser Reise kulinarische Kreationen vom Besten, kauft unterwegs in einigen Märkten lokale Spezialitäten oder frische Fische. Das Angebot auf den Speisekarten ist unglaublich vielfältig, auch vegane oder glutenfreie Speisen sind zu finden. Seine Kochstunde in der Main Lounge ist bestens besucht.

Die Gäste lieben das exzellente Essen, den etwas nostalgischen Lifestyle. Und sie sind unterschiedlich: Da ist heute das Gay-Paar aus New York, kultiviert und exzellent gekleidet. Einige Paare aus Ohio und den Südstaaten lieben es eher lässig, casual. Man hat sich, wie bei Amerikanern üblich, bereits am ersten Abend kennengelernt und zu Cocktails und Essen verabredet. Jim, ein ehemaliger Autohändler und Foto-Fan, hält jeden wichtigen Moment dieser Reise mit seiner professionellen Ausrüstung fest. Er hat bereits an Bord seine nächste Reise mit SEADREAM gebucht – die Mischung aus locker und luxuriös gefällt ihm und seiner Frau. „In meinem Job musste ich jahrelang Krawatten und Anzug tragen. Da ist eine Reise wie diese eine Wohltat.“

Dubrovnik

Kleine Reiseeindrücke

Die Destinationen auf dieser Reise bieten eine gute Mischung aus unbekannt und berühmt. Da ist am ersten Tag die malerische Bucht von Kotor in Montenegro. Schon bei der frühen Einfahrt bietet sich ein Panoramablick mit nicht enden wollenden Bergzügen, kleinen Dörfchen und Badebuchten mit Cafés und Restaurants an den Ufern.

Die Altstadt von Kotor steht im Zeichen der Katzen – Hunderte von ihnen dösen auf den Treppen, schleichen durch die Gassen oder werden mal wieder aus den kleinen Boutiquen gescheucht. Hoch über Kotor liegt eine große Festung, zu denen 1350 schweißtreibende Stufen führen, aber der Blick lohnt. Sehenswert auch das bezaubernde Dörfchen Perast mit seinen beiden Inseln. Sie gehören wie die gesamte Bucht zum UNESCO-Weltkulturerbe.

Abends vor der beleuchteten Kulisse der Festung von Kotor ist auf der SEADREAM II Open-air-Kino angesagt. Rocketman Elton John flimmert über die große Leinwand am Pool, frisches Popcorn wird serviert, wie es sich im Kino gehört. Dazu einen wärmenden Drink. Denn der Abend wird frisch. Auch die Gäste, die die Außenbetten reserviert haben, kuscheln sich mit einem Cocktail in die weißen Bettdecken. Obwohl die Sterne funkeln, und die SEADREAM II nur langsam über das Meer gleitet, haben die meisten Gäste am diesem Abend das Open-air-Erlebnis abgeschrieben – zu kalt ist die Nacht, stürmisch wird der Wind. Gut, dass auch heute in den Suiten ein warmes Bett wartet.

Wind und Regen bestimmen die beiden nächsten Tage, der Overnight-Aufenthalt vor Taormina muss wegen des Wetters durch Messina ersetzt werden. Aber die Ausflüge nach Taormina werden dann am nächsten Tag dennoch durchgeführt.

Ein strahlend blauer Himmel, ein glattes Meer und sommerliche Temperaturen entschädigen für die meteorologischen Kapriolen der letzten Tage, als die SEADREAM II vor dem malerischen Amalfi mit seinen von Bougainvilleas rotgesprenkelten alten Häusern, Kirchen und Mauern Anker wirft. Endlich ist Gelegenheit, die Marina zu nutzen – wenig später umkurven die ersten Gäste bereits auf Kajaks und mit einem schnellen Jetski das Schiff.

Letzte Station vor dem Ende der Kreuzfahrt ist dann Capri, die „Island of Love“, für viele vor allem amerikanische Gäste Höhepunkt und once-in-a-lifetime-Erlebnis.

„Kitsch and fun“ verspricht das Tagesprogramm. Zu Recht: die zahllosen Boutiquen, die Cabrio-Taxis, die um reiche Kunden feilschenden Motorboot-Fahrer mit ihrer gestenreichen Sprache – das ist Italien wie aus dem Holly­wood-Film. An eine Durchfahrt durch die beiden Faraglioni-Felsen vor Capri mit SEADREAM I vor einigen Jahren kann sich der Autor bestens erinnern. Damals war der beliebte Kapitän Welsh auf der Hut vor der italienischen Küstenwache.

„Früher haben wir das öfter gemacht, wenn wir Capri besuchten“, erinnert sich Kapitän Holmsteinsson. „Heute sind die Strafen dafür so hoch geworden, dass ich mir das mit meinem Gehalt nicht leisten kann“, schmunzelt er. Die Landausflüge sind bei SEADREAM nicht im All-Inclusive-Programm eingeschlossen. Auf unserer Reise lagen die Preise dafür zwischen 89 und 269 $ pro Person und Ausflug. Darunter sind Winzerbesuche mit Verkostung, Bootsfahrten in die Blaue Grotte in Capri oder Fahrten mit Quad Bikes über die Lavafelder des Vulkans Ätna. Vermisst wurde von einigen Gästen auf dieser Reise die berühmte Champagner and Caviar-Splash-Party, bei der die Crew Kaviar aus der Kilodose entweder im Pool oder in einer kleinen Bucht im Meerwasser serviert, sie fiel wegen des kapriziösem Wetter wahrhaftig ins Wasser. Im Ausschiffungshafen Civitavecchia findet die kleine SEADREAM II dann wieder die ganzen anderen Megaschiffe wieder, die in den letzten Tagen keinem Gast gefehlt haben.

Fotos: enapress.com

Rendezvous mit dem Furebergfossen

Diffuses Licht, wabernde Wolkenschleier, atemberaubende Sonnenuntergänge, tosende Wasserfälle und einsame Stille – so präsentiert sich Südnorwegen, als wir an Bord der AMERA in die atemberaubende Fjordwelt im Land der Trolle eintauchen. Oliver Asmussen berichtet.

Das fünfte Mitglied in der Hochseeflotte

Mit der Amera nahm im vergangenen Spätsommer der Bonner Veranstalter das fünfte Mitglied in seine Hochseeflotte auf. Zuvor wurden 40 Millionen Euro in das 42-tägige Umbau- und Renovierungsprojekt investiert. Gebaut wurde die Amera im Jahr 1988 als ultraluxuriöse Royal Viking Sun für die damalige Royal Viking Line. Von 2002 bis 2019 kreuzte der schlanke Bug in internationalen Gewässern rund um die Welt und erlangte in Deutschland als Prinsendam Bekanntheit. Mit seinen überschaubaren Abmessungen von 204 Meter, 39.051 BRZ und maximal 835 Passagieren passt dieses schmucke Schiff perfekt in die bestehende Flotte.

An Bord der Amera findet man sich schnell zurecht, die Deckaufteilung ist ideal und die Kabinen sind großzügig bemessen. Alle Kabinen und Suiten der Amera sind renoviert und bieten, je nach Kategorie zwischen 14-85 Quadratmetern Platz, ein Großteil verfügt über einen eigenen Balkon. Auf höchst komfortable Art und Weise reisen wir von Bremerhaven in Richtung Sognefjord, den mit 204 Kilometern längsten Fjord Europas, können unterwegs oft das herrliche Wetter auf den vielen Außendeckflächen genießen.

Eine Prinzessin unter dem Sternenhimmel

Der Abend klingt nach einer sehenswerten Willkommens-Show mit einem leckeren Cocktail an Deck aus. Die See ist ruhig, Sterne funkeln am Nachthimmel. Der Name Amera bedeutet übrigens „Prinzessin“ – und als solche kann man die schmucke Schiffslady zweifelsfrei bezeichnen.

Doch kurz nach der Einfahrt in den Sognefjord wird der Prinzessin die Show gestohlen. Glutrot geht die Sonne auf. An Deck haben sich viele Kreuzfahrer versammelt und kommen aus dem Staunen nicht mehr heraus. Unter dem Schiffsrumpf befinden sich mehr als 1.200 Meter Wasser, die Berge ragen zum Teil mehr als 1.000 Meter in die Höhe und werden in ein melancholisches Licht getaucht. Der Sognefjord zieht sich 204 km in das Landesinnere hinein. Damit ist er der längste und zugleich tiefste Fjord in Europa.

Bedingt durch den hohen Sonnenstand wird die Landschaft einige Zeit später nicht mehr in melancholische Rottöne sondern in diffuse Blautöne getaucht. Norwegen fasziniert zu jeder Tageszeit und bei jedem Wetter, wie wir im Laufe dieser Reise erleben können…

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Fotos: Oliver Asmussen/oceanliner-pictures.de

Mehr Leben auf dem Fluss

Mit einem klaren Konzept und ohne großes Aufsehen zu erregen hat sich der jüngste deutsche Flusskreuzfahrtveranstalter Viva Cruises auf dem Markt etabliert. Peggy Günther war an Bord der JANE AUSTEN zu Gast.

Gerade mal zwei Jahre ist das Düsseldorfer Flusskreuzfahrtunternehmen Viva Cruises alt. Doch das Produkt wirkt bereits ausgereift und erwachsen. Kein Wunder, schließlich steht hinter der jungen Marke eine Größe der Flusskreuzfahrt – die Schweizer Reederei Scylla. Zunächst sollte Viva deren Schiffe nur in der Nebensaison vermarkten. Doch inzwischen fahren einige Einheiten ganzjährig für die Düsseldorfer. Mit der VIVA TIARA bekommt das junge Unternehmen zudem bereits ein gebrandetes Schiff. Die in Blautönen frisch renovierte SWISS TIARA soll Anfang Juni mit reduzierter Gästezahl auf dem Rhein starten.

Wir waren bereits vorher an Bord der JANE AUSTEN zu Gast. Der Flusskreuzer für 148 Passagiere war 2005 für den britischen Anbieter Riviera Travel gebaut worden. Das Designkonzept besticht nicht gerade durch Leichtigkeit, aber die großzügigen Kabinen mit viel Stauraum überzeugen. Wasserkocher oder Nespressomaschine gehören zum Standard. Die Nasszelle verdient im Gegensatz zu vielen anderen Flussschiffen eindeutig die Bezeichnung Bad und wartet mit einer geräumigen Duschkabine hinter Glastüren sowie Ritualsprodukten auf. Apropos Wellness: Für ein Flussschiff verfügt die JANE AUSTENüber einen beeindruckend großen Spabereich!

Foto: Mapics/shutterstock.com

Zwei Lounges stehen den Passagieren zur Verfügung, in denen ein All-inclusive-Konzept gelebt wird. Sowohl der Latte Macchiato beim Frühstück als auch der Aperol-Spritz am Abend ist im Reisepreis inkludiert, ebenso wie alle weiteren nicht-alkoholischen Getränke, ein weißer und ein roter Hauswein, Sekt, Bier, Longdrinks und ein Cocktail des Tages. Im Lido am Heck sorgt ein Kaffeeautomat rund um die Uhr für Koffeinnachschub. Mittags wird hier ein Light Lunch serviert und auch abends kann man nach Voranmeldung mit Blick aufs Fahrwasser speisen. Im Hauptrestaurant gibt es eine freie Tischzeit von 19 bis 21 Uhr und die Qualität des Essens ist auf einem gehobenen Niveau…

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Fotos: Peggy Günther, VIVA Cruises, Mapics/shutterstock.com, Val Thoermer/shutterstock.com

Die Farben der Südsee

Die Fidschi-Inseln sind ein Paradies für Schnorchler und Taucher. Martin Müller (Text) und Holger Leue (Fotos) fuhren an Bord der REEF ENDEAVOUR durch das Archipel.

Ilisoni Vibosi, der famos überkandidelte Hospitality Manager der MV Reef Endeavour, versprüht den umwerfenden Charme der Fidschianer. Ein landestypisches Mannsbild von einschüchternder Rugbyspieler-Statur, überwältigt er uns bei der Begrüßung an Bord spielend mit einem Strahlen, das bis zur keck am Ohr flatternden Hibiskusblüte reicht. Exzentrisch, lässig und zugleich im maßgeschneiderten Habitus, setzt Ilisoni den lebensfrohen Ton für unsere Seereise zwischen entlegenen fidschianischen Inseln.

Foto: Holger Leue/leue-photo.com

Wir sind im Westen des Inselstaats unterwegs. Die Yasawas ragen im trockenen Lee der Hauptinseln gebirgig aus dem Pazifik. Hier ist Fidschi von kaum berührter Natur und versprengtem Dorfleben ohne Supermärkte und Bankautomaten geprägt. Die Gastlichkeit kommt ohne Schnickschnack aus und ist in lokales Leben gebettet. Die flotte Fähre Yasawa Flyer macht hier täglich die große Runde zwischen dem Hafen Denarau auf Viti Levu und den Archipelen der Mamanucas und Yasawas. Samthäutige skandinavische Twens und von allen Sonnen gegerbte Best Ager lassen sich in den Insel-Resorts für einen Südsee-Urlaub zwischen Wandern, Dösen, Schnorcheln und Tauchen absetzen. Während wir auf der kaum mittelgroßen Reef Endeavour zwar keine waschechte Entdecker-Kreuzfahrt erleben, dafür aber ein Movie ins unendlich Blaue. Die Stimmung unter den maximal 130 Gästen an Bord könnte entspannter nicht sein. Für Australier und Neuseeländer ist Fidschi ein Katzensprung, weshalb manche Wiederholungstäter sind. Oft ist das schnittige weiße Schiff nur halb ausgelastet, weshalb schnell Intimität und Kameraderie den herzlichen englischen Umgangston bestimmen. Auch die Kleidung ist leger, nur zum Kapitänsdinner kramt man lange Hose und schickes luftiges Kleid hervor. Bei Dorfbesuchen sind mindestens lange Shorts angesagt, Tank Tops und Baseballcaps tabu. Die praktisch und luxusfrei gestalteten Kabinen in Ocker- und Walnusstönen auf den drei Wohndecks sind 14 und 28 qm groß. Die meisten Passagiere nutzen sie nur zum Schlafen, verbringen viel lieber Zeit auf dem Sonnendeck, im Gespräch oder schlendern für den Tagescocktail zum freundlichen Barmann. Der Pool wird fast nur von Kindern benutzt, während die Eltern sich auf die nächste Schnorchel- oder Landtour vorbereiten…

Foto: Holger Leue/leue-photo.com

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Fotos: Holger Leue/leue-photo.com

Flusskreuzfahrt modern

Die Flusskreuzfahrt zu verjüngen ist eine anspruchsvolle Aufgabe. nicko cruises hat mit der nickoVISION alle Voraussetzungen geschaffen und das Produkt kommt gut an. Das ist kaum verwunderlich: Drei Restaurants und eine lange Tischzeit, moderne Kabinen und aktivere Ausflüge sprechen für sich, findet Peggy Günther.

Achtzehn Uhr – Abfahrt in Wien. Viele Gäste der nickoVISION stehen noch an Deck, genießen den Blick auf die Strände der Donauinsel. Manche bestellen einen Aperitif in der Lounge und suchen sich dabei schon mal optisch einen Tisch im Hauptrestaurant aus. Der lichtdurchflutete Übergang zwischen Bar und Restaurant ist zwischen den Decks fließend gestaltet. Einige Passagiere entscheiden sich für einen Platz am Heck mit Blick aufs Fahrwasser in Mario‘s Grill. Hier werden unter anderem Steaks und Lachs serviert. Außerdem lockt noch das intime Spezialitätenrestaurant „Manhattan“ mit Jazzclub-Atmosphäre und festem Menü. Dank drei kulinarischer Alternativen herrscht eine entspannte Stimmung an Bord. Niemand muss pünktlich beim Abendessen sitzen und trotzdem läuft der Service zügig ab. Das ist ein Novum in der Flusskreuzfahrt.

Zum Wohlfühlfaktor trägt auch das moderne Design bei. Der Gast wird von einem schicken Interieur in Blau und Beige, kombiniert mit dunklen Hölzern empfangen. Das Konzept stammt aus der Feder von Robert Reitsma, dem kreativen Kopf der Reederei Scylla, dem Eigner der nickoVISION. Die gut geschnittenen Kabinen messen 14 Quadratmeter und ihre vierte Wand besteht auf dem Ober- und dem Mitteldeck komplett aus Glas. Entspannen mit Blick ist auch in der Sauna oder im kleinen Fitnessraum auf dem Hauptdeck möglich. Das frische Konzept wendet sich an ein jüngeres Publikum: Die nickoVISION ist ein Schiff für die Generation 60 plus. Und da diese oft noch deutlich fitter sind als die 70- bis 80-jährigen, sind nun auch aktivere Ausflüge im Programm: mehr Stadtrundgänge statt Busfahrten.

Das lässt sich auf den Donaufahrten hervorragend umsetzen: Das historische Ybbs können die Passagiere beispielsweise wunderbar vom Anleger aus zu Fuß erkunden. Zwischen Salzamt und Weinmaut läuft man durchs Sandtörl in die Altstadt, wo die Donauschiffer früher in 14 Wirtshäusern die schwierige Passage des Strudengaus feierten…

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Fotos: Peggy Günther, enapress.com