Kategorie: Ausgabe 3-2020

Quarantäne brechen mit Mark Twain

Quarantäne, Einreiseverbote und geschlossene Häfen: Was in Corona-Zeiten für Kreuzfahrtgäste ein hoch aktuelles Ärgernis ist, gab es auch schon vor über 150 Jahren. Wie der Schriftsteller Mark Twain auf seiner Seereise trickreich die behördlichen Anordnungen unterlief, berichtet Karsten Eichner.

Der illustre Passagier aus Übersee ist am Boden zerstört: Zum ersten Mal fährt er per Schiff nach Griechenland – und soll nun wegen strenger Quarantäne-Bestimmungen nicht ins Land der klassischen Antike einreisen und die Akropolis aus der Nähe sehen dürfen. Was in den vergangenen Wochen zahlreiche Kreuzfahrtgäste in Südostasien, der Karibik und anderswo schmerzhaft erlebt haben, das ist bereits anno 1867 auch dem amerikanischen Autor und Reiseschriftsteller Mark Twain (1835-1910) auf seiner Seereise durchs Mittelmeer passiert. Damals grassiert in weiten Teilen Europas eine erneute Cholera-Epidemie, und die örtlichen Behörden fahren schwere Geschütze auf: Spanien und Malta dürfen gar nicht angesteuert werden, auch Lissabon ist tabu, in Norditalien herrscht die Seuchen-Angst und in Griechenland gilt vor Einreise zumindest eine elftägige Quarantäne.

Kein Landgang für 40 Tage

Mark Twain (Samuel L. Clemens, 1835-1910) Foto: Brian – stock.adobe.com

Quarantäne – das bezeichnet seit der großen Pest-Epidemie im 14. Jahrhundert die Zeitspanne von ursprünglich 40 (lat.: quadraginta) Tagen. In diesem Zeitraum wurde allen Seeleuten aus pestverdächtigen Schiffen der Landgang verwehrt. Auch Mitte des 19. Jahrhunderts sind die hygienischen Bedingungen in Südeuropa noch alles andere als vorbildlich und leisten damit der Pandemie Vorschub – ein Schock für die Touristen aus Übersee. Den bekommt Twain beispielsweise beim Landgang in Civitavecchia, noch heute dem bevorzugten Kreuzfahrthafen für Tagesausflüge nach Rom. Twain notiert staunend und mit unverhohlenem Sarkasmus über die Bewohner: „Sie sind sehr unsauber, diese Leute (…). Wenn sie jemanden mit einem sauberen Hemd sehen, erregt das ihre Verachtung. Die Frauen waschen an den öffentlichen Brunnen in den Straßen den halben Tag lang Wäsche, aber die gehört wahrscheinlich jemand anderem.“ Anderswo ist es kaum besser: In einem öffentlichen Badehaus in Mailand muss Twain aus der Wanne heraus eine halbe Stunde lang in allen möglichen europäischen Sprachen lautstark rufen, bevor er ein Stück Seife erhält…

Cadiz

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