Kategorie: Auf Flüssen und Seen

Mehr Leben auf dem Fluss

Mit einem klaren Konzept und ohne großes Aufsehen zu erregen hat sich der jüngste deutsche Flusskreuzfahrtveranstalter Viva Cruises auf dem Markt etabliert. Peggy Günther war an Bord der JANE AUSTEN zu Gast.

Gerade mal zwei Jahre ist das Düsseldorfer Flusskreuzfahrtunternehmen Viva Cruises alt. Doch das Produkt wirkt bereits ausgereift und erwachsen. Kein Wunder, schließlich steht hinter der jungen Marke eine Größe der Flusskreuzfahrt – die Schweizer Reederei Scylla. Zunächst sollte Viva deren Schiffe nur in der Nebensaison vermarkten. Doch inzwischen fahren einige Einheiten ganzjährig für die Düsseldorfer. Mit der VIVA TIARA bekommt das junge Unternehmen zudem bereits ein gebrandetes Schiff. Die in Blautönen frisch renovierte SWISS TIARA soll Anfang Juni mit reduzierter Gästezahl auf dem Rhein starten.

Wir waren bereits vorher an Bord der JANE AUSTEN zu Gast. Der Flusskreuzer für 148 Passagiere war 2005 für den britischen Anbieter Riviera Travel gebaut worden. Das Designkonzept besticht nicht gerade durch Leichtigkeit, aber die großzügigen Kabinen mit viel Stauraum überzeugen. Wasserkocher oder Nespressomaschine gehören zum Standard. Die Nasszelle verdient im Gegensatz zu vielen anderen Flussschiffen eindeutig die Bezeichnung Bad und wartet mit einer geräumigen Duschkabine hinter Glastüren sowie Ritualsprodukten auf. Apropos Wellness: Für ein Flussschiff verfügt die JANE AUSTENüber einen beeindruckend großen Spabereich!

Foto: Mapics/shutterstock.com

Zwei Lounges stehen den Passagieren zur Verfügung, in denen ein All-inclusive-Konzept gelebt wird. Sowohl der Latte Macchiato beim Frühstück als auch der Aperol-Spritz am Abend ist im Reisepreis inkludiert, ebenso wie alle weiteren nicht-alkoholischen Getränke, ein weißer und ein roter Hauswein, Sekt, Bier, Longdrinks und ein Cocktail des Tages. Im Lido am Heck sorgt ein Kaffeeautomat rund um die Uhr für Koffeinnachschub. Mittags wird hier ein Light Lunch serviert und auch abends kann man nach Voranmeldung mit Blick aufs Fahrwasser speisen. Im Hauptrestaurant gibt es eine freie Tischzeit von 19 bis 21 Uhr und die Qualität des Essens ist auf einem gehobenen Niveau…

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Fotos: Peggy Günther, VIVA Cruises, Mapics/shutterstock.com, Val Thoermer/shutterstock.com

Ins Herz von Schlesien

In den vorpommerschen Häfen ist sie während der Sommermonate ein bekannter Gast, die schneeweiße THURGAU SAXONIA. Peer Schmidt-Walther hat sie noch als SAXONIA oft in Stralsund erlebt. Im Frühjahr jedoch weicht sie von ihrem Fahrplan ab.

Dann nämlich geht die THURGAU SAXONIA auf einen geschichtsträchtigen Südost-Kurs.
In Berlin-Spandau startet der Tausendtonner. Weiter über die Havelseen-Kette, den Oder-Havel-Kanal, Eberswalde, das Schiffshebewerk Niederfinow nach Frankfurt/Oder. „Ich wäre zwar lieber ab Hohensaaten links herum Richtung Ostsee nach Stralsund gefahren, aber auch eine Oder-Fahrt hat ihre speziellen Reize“, weiß der Kapitän aus langjähriger Schiffer-Erfahrung auf dem deutsch-polnischen Strom.
Frischer Wind weht den zusteigenden Passagieren ins Gesicht. Oder-Kreuzfahrt-Pionier Magner hingegen freut sich auf sein heimatliches Revier.

Naturbelassenes Bauernweib
Als die THURGAU SAXONIA in den trägen Fluss dreht, ist das Zittern kaum zu spüren. „Wie ein sanfter Schauer“, meint eine Seniorin poetisch, „kriechen die Schwingungen aus dem Maschinenraum durch die Kabinen.“
Mit dreifacher Schrittgeschwindigkeit und 1000 PS gleitet die THURGAU SAXONIA zu Berg, wie die Flussaufwärts-Richtung in der Fachsprache heißt. Kilometer um Kilometer schlängelt sich das 82 Meter lange Vier-Sterne-Schiff auf dem windungsreichen Fluss mit seinen oft schilfgesäumten Ufern voran. Er hat für Auge und Kamera nur stille Sensationen zu bieten: Landschaft satt samt seltene Vögel wie Seeadler und Kraniche – Hauptunterhaltung für die 60 Passagiere. Hin und wieder äsen Rehe auf den Wiesen. Ortschaften werden selten passiert, so dass die Reiseleiterin wenig ansagen muss. Die für Abwechslung sorgende Frachtschifffahrt ist seit der Wende fast eingeschlafen.
„Unter den deutschen Flüssen ist die Oder wie ein Bauernweib unter Großen und Edlen“, schrieb einst ein schlesischer Dichter. Seit dem Zweiten Weltkrieg hat sich an den weitgehend naturbelassenen Ufern nicht viel getan. Nachdenklichkeit erzeugen allerdings zerschossene Brücken- und Hausruinen, die manchmal hinter den ausgefransten Ufern über den Deich ragen. Buhnen – sie sollen die Strömung regulieren und das Fahrwasser ausreichend tief halten – sind auf polnischer Seite, wo alte Landkarten die preußische Provinz Schlesien verzeichnen, unter- und überspült….

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Fotos: Peer Schmidt-Walther, nicko cruises, Thurgau Travel, daimon77/istockphoto.com

Die Magie des Ganges

Indien ist ein Land voller Farben und Kontraste. Maik Günther fuhr mit der KATHA PANDAW auf der „Lebensader Indiens“, dem Ganges.

Kreuz und quer folgt die Gruppe ihrem Reiseleiter Debu durch die engen, verwinkelten Gassen von Varanasi. Auf keinen Fall dürfen sie ihn oder jemand anderen aus der 14-köpfigen Reisegruppe aus den Augen verlieren. Die Gefahr ist groß, sich in diesem chaotischen Durcheinander der Altstadt mit seinen vielen Tempeln zu verlieren. Eine abendliche Tour zu den Ghats soll das Highlight einer Kreuzfahrt von Kolkata nach Varanasi werden. Auf diesen Terrassen am Fluss verabschieden jeden Abend Priester mit imposanten Zeremonien den Ganges für die Nacht. Schon in der Ferne sind die Glocken und Gesänge der Priester hören. Am Ufer stehen die Menschenmassen mit flackernden Kerzen in der Hand und Feuer lodern an zahlreichen Verbrennungsplätzen am Manikanika Ghat. Ein leicht süßlicher Duft von verbranntem Fleisch steigt in die Nase. Die Hindus glauben fest daran: wer in Varanasi stirbt, verbrannt und dessen Asche in den heiligen Fluss gestreut wird, durchbricht den Kreislauf der Wiedergeburt und gelangt dadurch ins Nirvana. Während die Sonne den Ganges in dunkles Rot verwandelt, kann man das Treiben der unzähligen Menschen entlang der endlos wirkenden Ghats beobachten. Wer nach Indien reist, muss Varanasi besuchen. Nur dort, in dieser über 3.000 Jahre alten Stadt, dem heiligsten Ort des Hinduismus, kann man der traditionellen Kultur und Wissenschaft, dem Spiritismus der Menschen des Landes so nahe kommen. Doch erstmal zurück zum Anfang dieses kleinen Abenteuers.
Kolkata, Hauptstadt des indischen Bundesstaates Westbengalen. Hier begann 1690 mit der Gründung eines Stützpunktes der Britischen Ostindien-Kompanie der Einfluss der späteren Kolonialherren. Noch heute zeugen unzählige, größtenteils verfallene Kolonialhäusern von der Pracht der einst so reichen Industriestadt. Mit dem Hauptstadtumzug nach Neu-Dehli ging es mit der Millionenmetropole am Ganges stetig bergab. Günter Grass bezeichnete die Stadt verächtlich als „ein Haufen Scheiße, wie Gott ihn fallen ließ und Kalkutta nannte“. Hier startet die 14-tägige Flusskreuzfahrt auf dem Ganges.

KATHA PANDAW

Kolkata ist voller Widersprüche. Lärm, Dreck, Gedränge und Gestank, aber es gibt auch die ruhigen, schönen Viertel. In der Lobby des ehrwürdigen „The Grand Oberoi“ Hotels lernen sich die Mitreisenden der anstehenden Flussreise kennen. Brett, Country Manager von Pandaw Expeditions, begrüßt die Gäste und stellt ihnen Debu, den sympathisch-kompetenten Reiseleiter vor. Die Passagiere, meist im Alter zwischen 50 und 80, kommen aus den USA, Großbritannien, Hong Kong und Deutschland. Der Start dieser Flussreise kann aufgrund des aktuellen Niedrigwassers nicht in Kolkata stattfinden, so dass ein Bus die Gäste ins 50 Kilometer entfernte Chandannagar bringt. Die Fahrt vermittelt einen perfekten Einstieg in das Reiseland Indien: holprig, chaotisch, dreckig und doch unglaublich spannend. Am Straßenrand spielen sich tausende Szenen ab und nach zwei Stunden erblicken wir endlich unser Schiff, die KATHA PANDAW. Mit dem hölzernen Beiboot und dessen laut knatternden, stinkenden Dieselmotor, erreichen wir das recht kleine Zweideck-Flachbodenschiff. Maximal 28 Passagiere finden in den knapp 17 qm großen Kabinen Platz. Auf zwei Decks verteilen sich die 14 Kabinen, welche sich in Größe und Einrichtung im Wesentlichen gleichen. Die Wände und auch die Möbel sind mit viel Teakholz und Messing gefertigt und vermitteln dadurch den prächtigen Charme der Kolonialzeit in Kombination mit zeitgemäßen Komfort. Ein umbaufähiges Doppelbett, ein Schreibtisch, ein knapp drei Quadratmeter großes Bad mit Dusche/WC und genügend Stauraum im Kleiderschrank sowie in Schubfächern unter den Betten, sollten aber ausreichen, um das Abenteuer Indien komfortabel zu genießen. Bei der traditionellen Begrüßung durch den Kapitän bekommen die Passagiere neben erfrischenden Welcome-Cocktails auch eine gut duftende Blumenkette um den Hals gelegt. Indien ohne Blüten wäre wie Deutschland ohne Wurst. Die KATHA PANDAW legt ab und ca. 1.000 Kilometer Flussreise sind zu bewältigen.

Die Reise findet im Januar statt und anfangs sind auch die Temperaturen recht angenehm. Knapp 20 Grad Celsius, dazu ein paar Sonnenstrahlen. Die meisten Passagiere habe es sich auf den Liegen und in den Sesseln auf dem überdachten Sonnendeck am Heck oder vorne am Bug bequem gemacht. Gelegentlich tauchen seitlich des Schiffes Flussdelfine aus dem trüben Ganges empor. Am Ufer lassen sich Menschen bei ihrem alltäglichen Ritual beobachten. Sie tauchen ein in den heiligen Fluss, waschen sich, trinken gar das Wasser. Ein paar hundert Meter flussaufwärts werden indes tote Körper bei feierlichen Zeremonien verbrannt. Asche und auch nicht komplett verbrannte Reste des Leichnams werden anschließend in den Fluss gestreut. Den darin Badenden stört es nicht. Mutter Ganges gibt, Mutter Ganges nimmt. Skurril, vielleicht gar ein weniger makaber, bei diesen Beobachtungen einen kühlen Caipirinha zu genießen. Flussaufwärts führt die Reise zunächst nach Kalna mit seinen Tempelanlagen. Einige Stunden später wird in Mayapur, eine kleine Stadt, die als Hauptsitz der Hare-Krishna-Bewegung berühmt geworden ist, angelegt. Zehntausende Gläubige strömen jeden Tag nach Mayapur. Gigantische Ausmaße nimmt der noch in Bau befindliche „Temple of the Vedic Planetarium“ an. 2020 soll dieser, in seiner Dimension sogar den Vatikan übertrumpfende, Tempel nach vielen Jahren Bauzeit endlich eröffnet werden. Was für gigantische Geldsummen werden hier geflossen sein? Der Glaube macht’s möglich.

Die Schleuse Farakka trennt den unteren vom oberen Teil des Ganges. Für den Kapitän und seine Crew bedeutet die Weiterfahrt nun höchste Konzentration. Nur bei Tageslicht und mit Begleitung eines erfahrenen Lotsen lassen sich die zahlreichen Sandbänke bei recht niedrigem Wasserstand umfahren. Gelegentlich setzt die KATHA PANDAW dennoch auf, kann sich aber durch geschicktes Manövrieren selbst aus der misslichen Lage befreien. Der Service der ausschließlich mit Männern besetzten Crew ist nicht zu beanstanden. Neben der täglichen Reinigung der Kabinen gehört auch am Abend das Aufschlagen der Betten zur Selbstverständlichkeit. Nach den Landgängen werden sogar die Schuhe der Gäste geputzt und blitzblank wieder vor die Kabinentür gestellt. Auch das Essen, welches außer zum Frühstück immer am Tisch als 4-Gänge-Menü serviert wird, ist abwechslungsreich, sehr schmackhaft und nur auf speziellen Wunsch entsprechend scharf. Wenn es das Wetter zulässt, werden im Freien auf dem Oberdeck indische Speisen wie das bekannte Dhal (Linsensuppe mit verschiedenen Gemüsen) oder als Hauptgang kräftige Mughal-Curries mit Lamm oder Hühnchen serviert. Immer dabei ist das Fladen-Brot Pooris, welches auf speziellen Wunsch einiger Passagiere sogar in der Variante mit gebratenen Knoblauch angeboten wird. Eine umfangreiche Getränkekarte mit unerwartet guten Weinen aus Indien, regionalen Biersorten, zahlreichen Cocktails und natürlich einer großen Auswahl alkoholfreier Getränke lassen keinen Wunsch offen. Mineralwasser wird kostenlos angeboten. Getränke- oder Weinpakete können kostenpflichtig gebucht werden.

Weitere Höhepunkte dieser Flussreise sind die in Hinterhöfen untergebrachten Textilwebereien in Bhagalpur und auch die am Flussufer gelegenen Tempelanlagen von Sultanganji. Alle Ausflüge mit englischsprachigem Guide sind übrigens bei Pandaw Cruises im Reisepreis inkludiert. Der geschulte Reiseleiter Debu kennt sich in dieser Region bestens aus und dank seiner fröhlich-charmanten Art werden die Landgänge für die Passagiere immer zu einem besonderen Erlebnis. An Bord sorgen kultur­elle Darbietungen einheimischer Musiker, Vorträge und Filme über die indische Geschichte für abwechslungsreiche Unterhaltung.

In einem Seitenarm des Ganges, nur wenige Kilometer von Mokama entfernt, endet am 11. Tag unerwartet die Reise auf dem heiligen Fluss. Dichter Nebel und zu geringe Wassertiefe machen eine Weiterfahrt nach Varanasi unmöglich. Dem engagierten Team von Pandaw gelingt es aber in kürzester Zeit, ein Alternativprogramm zu organisieren. Mit einem Bus geht es weiter nach Nalanda. Die alte Universitätsstadt war einst ein buddhistisches Zentrum und zog vor vielen Jahrhunderten chinesische, nepalesische und tibetische Gelehrte aus aller Welt an. Leider zeugen nur noch Ruinen der vielen Backsteinklöster und Bibliotheken von den einst glanzvollen Zeiten. Bereits am Abend erreicht die kleine Reisegruppe Bodh Gaya, eine der heiligsten Stätten des Buddhismus. Hunderte Gläubige haben sich hinter dem großen Tempel unter dem Baum des Lebens, dem Bodhi-Baum, versammelt und suchen in Meditation und Selbstprüfung die erfüllende Erleuchtung für ihr Leben. Leider vergehen auch hier die Tage viel zu schnell und die letzte Etappe der Reise durch Nordindien steht an. Per Flugzeug geht’s weiter nach Varanasi.

In der Heimat der hinduistischen Götter endet die zweiwöchige Reise. Die kleine internationale Gästeschar hat diese Pilgerreise unternommen und sich von der Magie des Ganges und seiner dort lebenden Menschen und ihrer­ Kultur verzaubern lassen.

Fotos: Maik Günther

Zwischen Paprika und Cevapcici

Die meisten Donauschiffe sind zwischen Passau und Budapest unterwegs. Doch was kommt eigentlich danach? Peggy Günther fuhr mit dem neuen Phoenix-Flottenmitglied A-Silver hin.

Rund zwei Stunden nachdem die A-Silver an der Grenzkontrollstation festgemacht hat, kommen vier Beamte in dicken Jacken an Bord. Kreuzfahrtdirektor Fausto hat die Passagiere bereits auf den anstehenden „Facecheck“ vorbereitet. Brav erscheinen sie der Reihe nach an der Rezeption und blicken in die strengen Augen der Zöllner. Kurz darauf weicht die Anspannung aus den Gesichtern der leitenden Crewmitglieder. Die A-Silver darf die EU-Außengrenze passieren. An den Ufern ist nichts als Wald zu sehen. Stünde bei Stromkilometer 1433 nicht ein kleines Schild, würde man das Dreiländereck gar nicht wahrnehmen. Der Strom ist nun für 137 Kilometer Grenzlinie zwischen Kroatien und Serbien. Nächster Stopp: Belgrad.

Die Schönheiten der Wachau, ein Übernachtaufenthalt in Wien und ein ganzer Tag in Budapest liegen bereits hinter den Passagieren. Am Morgen lag das Schiff noch im beschaulichen Mohacs. Einmal im Jahr – zum Karneval – erwacht der verschlafene Ort im Süden Ungarns zu Leben: Dann vertreiben mehr als 1.000 Männer mit Schafsfellmänteln, gruseligen Weidenholzmasken und Ratschen, Glocken sowie anderen Krachmachern den Winter. Doch heute ist kaum etwas los in dem kleinen Dorf. Die meisten Passagiere der A-Silver haben ohnehin einen Ausflug nach Pecs gebucht. Auf dem Weg sehen sie sanfte Hügel, weite Felder, Pfirsichbäume. „Schnapsbäume“, sagt Reiseführerin Estelle. „Die Ungarn machen aus allem Schnaps. Palinko heißt er hier. Es gibt sogar Paprikaschnaps. Und zur Hochzeit verschenkt man den regionalen Wein namens Lämmerschwanz, damit das Paar männlichen Nachwuchs bekommt.“ Fischsuppe mit Karpfen und Paprika müsse man hier essen, rät Estelle den Gästen noch. Doch dafür bleibt keine Zeit.

Paprika hat selbstverständlich auch der ungarische Küchenchef Marc an Bord im Einsatz. Etwa fünf Gramm pro Portion kommen an sein original ungarisches Rindergulasch, das den Gästen hervorragend schmeckt. Und eine gute Küche ist entscheidend für den Erfolg eines Schiffes. Die A-Silver ist neu in der Flotte von Phoenix Reisen. seachefs kümmert sich um den Hotelbetrieb auf dem Schiff der österreichischen Reederei Lüftner Cruises. Etwa die Hälfte der Crew kommt aus Indonesien, die meisten anderen aus Osteuropa. Hoteldirektor Roland Zahnd arbeitet seit drei Jahren für seachefs, vorher war er für River Advice mit nicko cruises und Excellence-Schiffen des Reisebüros Mittelthurgau unterwegs. „Ich würde gern Ägypter oder Türken in der Crew beschäftigen“, sagt der Schweizer. „Sie kennen das Gastgewerbe von zuhause. Aber das ist schwierig aufgrund der angespannten Visasituation.“ Zahnd fährt gern auf dem Fluss. So lerne man ganz Europa kennen. Viele Regionen fehlen ihm nicht mehr auf der persönlichen Landkarte. Das Donaudelta gehört dazu und das wird vorerst auch so bleiben, denn die A-Silver fährt nur bis zum Eisernen Tor. „Eigentlich ist die Strecke danach auch recht langweilig, da passiert drei Tage lang nicht viel, bis das Schiff im Delta ist“, tröstet sich Zahnd….

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Fotos: Peggy Günther, enapress.com

Auf den Spuren der Rheinromantik

Der mittlere Rhein zwischen Loreley und Drachenfels zieht seit Jahrhunderten Schiffstouristen an. Peggy Günther geht dem Mythos an Bord der RHEIN SYMPHONIE auf den Grund.

Mit dem Sonnenuntergang im Rücken fahren die kleinen Barkassen in Richtung Dunkelheit. Der Loreleyfelsen erhebt sich im roten Schein bengalischer Fackeln gespenstisch in die laue Sommernacht. Auf dem Rhein formieren sich mehr als 40 Schiffe, viele geschmückt mit roten Lichterketten, ebenso wie die Häuser am Ufer. Es herrscht gespannte Vorfreude auf den Außendecks. Um 21:30 Uhr versinken die historischen Gebäude von Oberwesel plötzlich in der Dunkelheit. Böllerschüsse ertönen und die Stimme der Weinhexe hallt zwischen den Bergen wieder. Dann beginnt das halbstündige Feuerwerk. Die Passagiere der RHEIN SYMPHONIE sind begeistert – besser kann eine Flusskreuzfahrt auf dem Rhein nicht beginnen.

Erst am Tag zuvor waren sie in Köln eingestiegen und Kreuzfahrtdirektor Carsten Münnichow hatte sich mit den Worten vorgestellt: „Kennen Sie die Fernsehserie ‚Das Traumschiff‘? Ich bin Ihre Beatrice.“ Nach diesem Startschuss für eine gute Urlaubsstimmung setzt Münnichow gleich noch eine englische Begrüßung hinterher. Auf unserer soliden Mittelrheinkreuzfahrt gibt es nämlich Gäste, die weiter gereist nicht hätten sein können – eine Gruppe Freundinnen, von denen drei in Australien leben. Die vierte im Bund kommt aus Deutschland und hat die Reise organisiert. „Wir haben uns in den 70er-Jahren in Papua-Neuguinea kennengelernt, als unsere Männer Entwicklungsarbeit leisteten“, verrät sie und setzt dazu: „Das war eine aufregende Zeit. Ich würde es immer wieder tun.“

Schnell ist das Flussschiff erkundet: Die ehemalige VIKING HELVETIA punktet mit einer gemütlichen kleinen Bibliothek und Kabinen mit französischen Balkonen auf dem Oberdeck, die Kabinen bieten ausreichend Stauraum und sind zweckmäßig eingerichtet. Kreuzfahrdirektor Münnichow verrät, dass internationale Gäste nicht mehr die Ausnahme sind bei nicko cruises. Die Reederei arbeite inzwischen auch mit ausländischen Agenturen zusammen. Außerdem sinke das Durchschnittsalter langsam, allerdings nicht auf Reisen mit Haustürabholung. Dank einer derart bequemen Anreise trauen sich auf dieser Reise auch 17 Alleinreisende auf den Fluss, für sie gibt es einen Kennenlerncocktail. Meine 78-jährige Tischnachbarin gönnt sich zum ersten Mal eine Solo-Flussreise und raunt beim ersten Frühstück: „Gestern Abend war sogar das Bett aufgeschlagen. Hoffentlich machen die die Kabine jetzt nicht wieder so piekfein.“ So viel Service sei ihr unangenehm, da sie doch immer diejenige gewesen sei, die für ihre Familie all das gemacht habe. Doch auch sie lernt, den guten Service an Bord ein wenig zu genießen….

Fotos: Peggy Günther, Ake1150/stock.adobe.com, Adrian72/stock.adobe.com, dudlajzov/stock.adobe.com

Hochseeflair auf der Donau

Sie ist eines der größten Binnenkreuzfahrtschiffe der Welt: Auf der Donau ist seit dem Sommer dieses Jahres die AmaMagna im Einsatz. Michael Wolf konnte sich während der Taufreise das Schiff genauer ansehen.

Wow, was für ein Schiff! Die chinesischen Touristen, die in Budapest an der AmaMagna vorbeiziehen, machen Selfies, Fotos, Videos ohne Ende. Ein so großes Schiff hatten sie wohl selten auf der Donau zu Gesicht bekommen. Und sie haben Glück: Heute steht Captain Jan de Bruijn höchstpersönlich vor der AmaMagna, wartet auf die ersten Gäste. Fast liebevoll flaniert er an „seinem“ Schiff vorbei, das er schon seit Monaten in der Werft „betreut“ hatte, dort die letzten Arbeiten überwachte.
Zusammen mit dem Hoteldirektor schüttelt er die Hände der Anreisenden, von denen nur einige mit großen Bussen kommen, viele dagegen in Limousinen oder Vans.
Individuell ist das Stichwort, das die AmaMagna auszeichnet.

Obwohl das Schiff fast doppelt so groß ist wie die üblichen Flusskreuzfahrtschiffe, nimmt es nur 20 Prozent mehr Passagiere mit. Das macht sich überall an Bord bemerkbar: In der Größe der bemerkenswerten Kabinen und Suiten, in allen öffentlichen Bereichen, den Lounges und Restaurants und natürlich dem riesigen Sonnendeck: Platz ist überall mehr als reichlich vorhanden.
Dabei lässt der erste Eindruck nach dem Eingang mit der relativ kleinen Rezeption noch nicht auf das Raumangebot schließen. Aber dann öffnet sich alles sehr schnell: die bequemen Sitzgelegenheiten, die Bereiche für Hotel- und Cruisedirektor, das lichtdurchflutete Treppenhaus mit seinen zwei parallel angeordneten Marmortreppen und den (leider künstlichen) begrünten Bäumen, das sich über drei Decks erstreckt. Auf denen liegen im Vorderbereich die Restaurants und Lounges, nach hinten erstreckt sich der Wohnbereich, zu dem breite Gänge führen.

Exklusives Wohnen
In acht Kategorien werden die Kabinen und Suiten angeboten, die von 19 bis 66 qm groß sind.
Sie sind in modernen Rot- und Rost-Tönen designt, haben über den Betten meist dekorative Holzpaneelen, daneben körperhohe Spiegel. Neben einem Mega-TV-Screen (mit internationalen TV-Programmen und einer großen Auswahl von auch aktuellsten Spielfilmen, in einigen Suiten zum Ausfahren aus einem Holzsockel) sorgt ein iMac für interaktiven Zugang zum Internet, Surfen und Apple-TV, Buchungen von Bordleistungen etc., ein zusätzliches iPad hilft auch bei der Regulierung der Klimaanlage sowie bei der individuellen Beleuchtung.
Auf einem kleinen Touchscreen an der Wand kann dies ebenfalls eingestellt werden.
Mit wenigen Ausnahmen haben alle Kabinen begehbare Balkons mit Sesseln.
Jeden Tag bringen die wirklich freundlichen Crew-Mitarbeiter frische Wasserflaschen, sie sind kostenfrei. Die Schränke bieten außergewöhnlichen Platz. Die komplett ausgestatteten meist grau gefliesten eleganten Badezimmer sind wahrscheinlich die größten in der Flusskreuzfahrtindustrie. Sie verfügen über große Duschen mit festen Glaswänden, die Marmorplatte der beiden Waschbecken ragt dabei bei einigen durch eine Öffnung in den Duschbereich als Ablage hinein, ein ebenso praktisches wie optisch interessantes Detail. Für High End-Kunden hat die Reederei sechs Grand Suites und eine Owner Suite entworfen, sie bieten auch Butlerservice. In den Kabinen kann man sich auf diesem Schiff bequem auch mal für eine längere Zeit zurückziehen….

Fotos: enapress.com

Wilde Tiere, Natur pur und ein Hauch Luxus

Südamerika und das Amazonasgebiet faszinieren Reisende. Axel Scheibe fuhr mit der JANGADA auf dem mächtigsten Strom der Welt.

So richtig schnittig sieht sie nicht aus und auch ihre Fahrweise ist eher gemütlich. Trotzdem überzeugt die nagelneue JANGADA wohl jeden Passagier, der das Glück hat, auf ihr den Amazonas zu erforschen. Anfang 2019 in Dienst gestellt, verspricht sie etwas Luxus inmitten wilder Natur. Und das Versprechen hält sie.
Für die Mehrzahl europäischer Touristen, die es auf Südamerikas größten Fluss zieht, ist Manaus Ausgangs- und Endpunkt ihrer „Expedition“. So geht es auch der kleinen Reisegruppe aus Deutschland, die nach Stationen an den Wasserfällen von Iguazú, im wildreichen Pantanal und in Brasilia nun dem Höhepunkt ihrer Brasilienreise entgegensteuert, einem einwöchigen Aufenthalt auf dem Amazonas. Vorher jedoch gilt die Aufmerksamkeit Manaus, der Metropole am großen Fluss, die als einzige Millionenstadt der Welt nur per Flugzeug oder mit dem Schiff erreichbar ist. Straßenverbindung in die „Zivilisation“ gibt es nicht. Hat die Stadt auch heute über 2 Millionen Einwohner und gilt sie auch als eines der größten Industriezentren des Riesenreiches Brasilien, so hatte sie eigentliche ihre große Blütezeit bereits vor über 100 Jahren.
Tausende Glücksritter kamen, um mit Kautschuk reich zu werden. Einige Dutzend haben es geschafft, dem Rest blieb nur der Job als Tagelöhner auf den riesigen Kautschukplantagen, die dem Urwald entlang des Flusses abgerungen werden konnten. So wurde Manaus zu einer reichen Stadt und es entstand inmitten des Dschungels ein Opernhaus, das bis heute durch seine Schönheit besticht. Selbst europäische Superstars aus Oper und Operette zog es in diese wilde Gegend. Auch die Villen mancher Kautschukbarone lassen vergangene Pracht- und Reichtum erahnen. Besonders schön: der wieder erstandene historische Markt in seinen schmucken Jugendstil-Hallen am Fluss. Dort, am Hafen, drängen sich immer Dutzende mehr oder minder kleine Holzschiffe, zumeist farbenfroh bemalt, die mit ihrem Linienverkehr den Transport von Gütern und Menschen entlang des Flusses sicher stellen. In den unteren Decks stapeln sich die Waren und im Stock darüber baumelt Hängematte neben Hängematte. Die Routen auf dem Fluss und seinen Nebenarmen zu den oft weit entfernt gelegenen Siedlungen sind viele Tage lang. Für die Menschen am Strom der normale Alltag, für Touristen mit Komfortansprüchen wohl nicht der optimale Weg.

Denn ein bisschen Luxus sucht fast jeder Tourist, den es auf den mächtigsten Strom der Welt verschlägt. Damit kann die JANGADA dienen. Attraktiv ist sie, gleitet einem schwimmenden Luxusbungalow gleich sanft durch das Wasser. 2019 erstmals mit Gästen unterwegs kann sie doch auf einen Standard verweisen, den kaum eines der anderen Flussschiffe hat, die in recht großer Zahl von Manaus aus auf dem Amazonas und dem Rio Negro unterwegs sind.
Doch als erstes heißt es Schwimmwesten anziehen. Die JANGADA liegt etwas abseits der Stege und eines der kleinen Beiboote, die in den nächsten Tag immer wieder zum Einsatz kommen werden, bringt die Passagiere hinüber zum Schiff. Ein kleiner Sprung nur, doch Sicherheit wird groß geschrieben, die Westen müssen sein. Auch wenn sie für reichlich Schweiß nicht nur auf der Stirn sorgen. Das Thermometer steht oberhalb der 30 Gradmarke. Gemeinsam mit der hohen Luftfeuchtigkeit ein Klima im beginnenden Südwinter, das den „Nordlichtern“ zusetzt. Doch an Bord des Schiffes ist das vorbei. Schnell sind die 12 komfortablen Kabinen bezogen. Je 20 Quadratmeter sorgen für ein angenehmes Raumgefühl, die großflächigen Fenster bzw. Balkontüren bringen die Landschaft in die Kabinen und individuelle Klimaanlagen tun ihr Übriges dazu, dass bei einem kühlen Getränk in der Lounge die Müdigkeit abfällt.

Während das Schiff langsam Fahrt aufnimmt und eine frische Brise an Deck auch den Aufenthalt außerhalb der „klimatisierten Zone“ angenehm werden lässt, nutzen einige Passagiere gleich die Gelegenheit, das Schiff zu erkunden und dem Kapitän auf der Brücke einen Kurzbesuch abzustatten. Der hat natürlich einiges Wissenswertes auf Lager, das er gern mit den Gästen teilt. Groß ist die JANGADA nicht, doch mit knapp 30 Meter in der Länge und 10 Meter in der Breite für maximal 24 Passagiere doch recht geräumig. Ein großes Plus der doppelrumpfigen Katamaranbauweise ist der geringe Tiefgang von gerade mal 1,30 Meter. „Damit können wir in manch kleinen Nebenfluss einfahren, wo andere Schiffe Probleme bekommen“, so Kapitän Mamoga….

Fotos: Axel Scheibe, Nigel/stock.adobe.com, Freder/istockphoto.com

Von Dubrovnik nach Zadar

Mit der nur 34 Meter langen Dalmatia kleine kroatische Städte und Strände erkunden – das sind veritable Ferien, stellte Renate V. Scheiper fest.

Der Liegeplatz unserer schönen, kleinen „MS Dalmatia“ begeistert uns: Einige Kilometer außerhalb von Dubrovnik beim Stadtteil Gruž hat sie vor der berühmten „Dubrovnik-Brücke“ festgemacht, einer einhüftigen“ Schrägseilbrücke, die eine Bucht der Adria mit der Mündung der Ombla verbindet. Daniel, nach dem Kapitän die wichtigste Person an Bord als Restaurant-Chef und Allroundman, winkt schon von weitem. Dann gibt es ein herzliches „Willkommen an Bord“ direkt am Pier.

Wir 32 Passagiere richten uns in den 8 bis 11 qm messenden 17 Kabinen auf drei Deckebenen ein. Zweckmäßig sind sie ausgestattet mit einem breiten Doppelbett oder zwei getrennt stehende Betten und einem geräumiges Nachttischchen. Genügend Stauraum bietet ein Schrank neben der privaten Dusche/WC. Sogar ein kleiner Schreibtisch mit Stuhl verführt dazu, sich Notizen zu machen oder Postkarten zu schreiben. Kleine, nicht zu öffnende ovale Fensterchen lassen in den Kabinen des Hauptdecks feststellen, ob das Wasser spiegelglatt oder bewegt ist. Bei jeweils auf die Deckpromenade geöffneter Kabinentür der Ober- und Promenadendecks weht frische Meeresbrise hinein. Erste Sonnenbäder werden genommen auf bequemen Liegen. Andere Gäste bevorzugen die überdachten, schattigen Sitzecken. Mit unverstellter Rundumsicht fühlen sich alle wie auf einer Privatyacht. Doch auch im verandaähnlichen offenen Heckbereich hinter dem Panorama-Restaurant sitzt man bequem an frischer Luft mit freiem Blick nach drei Seiten.

Beim Begrüßungsdrink vor dem Dinner wird die elegante Krawatte bewundert, die Daniel trägt als „Markenzeichen“ Kroatiens, wo angeblich die Krawatte erfunden wurde. Jeden Abend erfreut er uns mit einer würdevoll getragenen anderen Krawatte, dazu passendem Hemd und Weste. Im übrigen führt er ein strenges Regiment gegenüber seinem jungen Helfer Lovre, der mit Feuereifer dabei ist, korrekt zu servieren und elegant Wein einzuschenken. Im Restaurant hängt, unübersehbar neben der Tür zur Heck-Veranda, das Tagesprogramm mit handschriftlich hinzugefügtem Menue. Zusätzlich informiert Daniel wie ein gelernter Conferencier humorvoll Einzelheiten zum Programm des nächsten Tages wie Länge des Ausfluges, holpriges Straßenpflaster, enge Gassen oder gefährlich-schöne Souvenirgeschäfte.

Das hilft schon am nächsten Tag beim geführten Ausflug in die normalerweise restlos überlaufene Stadt Dubrovnik. Sie ist fast menschenleer. Sogar die steinernen Hunde auf dem berühmten Onofrio-Brunnen am Eingang scheinen noch zu schlafen. Es gelingt ein unvergesslicher Gang durch die Stadt mit ihren Sehenswürdigkeiten. Als die Menschenmassen der großen Schiffe in die Stadt fluten, sitzen wir längst gemütlich in einem Café. Wie das? Die Reiseleiterin hatte durch Daniel fragen lassen, ob seine Gäste bereit seien, sehr früh aufzustehen. Oh ja – es hat sich gelohnt….

Foto: nicko cruises

Fotos: Renate Scheiper, enapress.com, nicko cruises

Taufe mit Franz Joseph

Für den Gründer der amerikanischen Flusskreuzfahrt-Reederei AmaWaterways, Rudi Schreiner, war es sicher die Erfüllung eines langgehegten Traumes: den nach seinen Plänen entwickelten größten Neubau auf der Donau in seiner österreichischen Heimat zu taufen. Michael Wolf berichtet.

Schon der Rahmen ist schön für diese Bilderbuchtaufe: Strahlender Sonnenschein, das pittoreske Städtchen Grein mit seiner hübschen Donaupromenade und dem schönen Schloss.
Als die AmaMagna an diesem Donnerstagnachmittag im Juli in Grein anlegt, warten bereits zahllose Einwohner und lokale Politiker auf das spektakuläre Schiff. An der Gangway stehen sogar Kaiserin Sisi und ihr Gemahl Kaiser Franz Joseph „persönlich“, flankiert von anderen Persönlichkeiten in historischen Kostümen, dazu werden Champagner, lokales Bier und österreichische Würstel serviert. Auch das Showprogramm ist lokal inspiriert: Zu den Klängen der „schönen blauen Donau“ und anderer Strauss-Walzer stürzen sich die Gäste im Drei-Viertel-Takt in ein Taufvergnügen der besonderen Art. Auch Kristin Karst, Miteigentümerin von AmaWaterways, kommt nicht am tanzenden Kaiser vorbei, die amerikanischen Gäste freuen sich über Walzerklänge und einen fast perfekten Imitator des österreichischen Kultsängers Falco, dessen Hits sogar in den Staaten beliebt waren.

Ein gutes Aufwärmen für die Taufe des 22. Flusskreuzfahrtschiffes der amerikanischen Reederei, allerdings diesmal ein ganz besonderes. Das neue Flaggschiff, die AmaMagna, ist etwa doppelt so breit, bietet vier Restaurants, zahlreiche große Suiten, Kino, Spa und Fitnesscenter. Dennoch hat sie nur etwa 20 Prozent mehr Gäste als die „normalen“ Schiffe, bietet Luxus fast auf Hochseeniveau.
Die amerikanische Fernsehmoderatorin Samantha Brown, bekannt in den USA durch ihre TV-Reisesendungen, fungiert als charmante und professionelle Taufpatin. „Ich habe heute den besten Job auf der ganzen Welt“ freut sie sich, bevor sie die Magnumflasche Veuve Clicquot gegen die Bordwand schmettert.
Zuvor hatte Reederei-Gründer Rudi Schreiner die komplizierte Entstehungs-Geschichte des Schiffes erzählt. Greins Bürgermeister Rainer Barth wünschte dem Schiff „viele relaxte und sichere Kreuzfahrten“. Von kirchlicher Seite stand dem nichts im Weg: der örtliche Priester segnete die AmaMagna.
Beim folgenden Empfang in der majestätischen Greinburg lässt es sich Hausherr Erbprinz Hubertus von Sachsen-Coburg und Gotha nicht nehmen, die Gäste mit einem Glas Sekt zu begrüßen. Eine Folkloregruppe präsentiert lokale Volkstänze – und lädt Mutige zum Mittanzen ein.
Die richtige Party beginnt dann nach Sonnenuntergang: Akrobaten performen in leuchtenden Kostümen auf dem Pooldeck, ein Höhenfeuerwerk glitzert über der Donau. Bis in den Morgenstunden wird getanzt – so ein Schiff kommt so schnell nicht wieder.

Fotos: enapress.com

Flusskreuzfahrt mit Rollstuhl

Nach einer jahrelangen Planungsphase stellt Phoenix Reisen im Juni 2019 das als Herzensprojekt angekündigte Flusskreuzfahrtschiff MS Viola in Dienst. Johannes Zurnieden, Gründer des Bonner Kreuzfahrtveranstalters Phoenix Reisen, realisiert damit einen großen Traum. Gästen denen es aufgrund ihrer körperlichen Konstitution nicht ganz so einfach ist auf Reisen zu gehen, steht in 34 barrierefreien Kabinen ein bedarfsgerechter Komfort zur Verfügung. Oliver Asmussen berichtet.

Bei herrlichem Sommerwetter wurde die 96,30 Meter lange, 11,4 Meter breite und 1996 als J. Henry Dunant für das niederländische Rote Kreuz gebaute MS Viola am Bonner Rheinufer getauft. Taufpatin war die bekannte Paralympics-Goldmedaillengewinnerin Annika Zeyen. Bevor das auf maximal 122 Passagiere ausgelegte Flusskreuzfahrtschiff unter seinem neuen Namen bei Phoenix Reisen zur Jungfernreise aufgebrochen ist, wurde es im Winter auf einer niederländischen Werft komplett entkernt und völlig neu aufgebaut. Erneuert wurden dabei nicht nur das gesamte Mobiliar, die Matratzen in den Kabinen und alle Wandverkleidungen, sondern auch die dahinter liegenden Rohrleitungen, Wassertanks, Klimaanlagen und Kabelverbindungen.

Insgesamt stehen 60 Kabinen auf zwei Kabinendecks an Bord zur Verfügung. Die Größe der 34 barrierefreien Kabinen variiert zwischen 15-17 Quadratmeter. Die Bäder in diesen Kabinen bieten höhenverstellbare Waschbecken, welche mit dem Rollstuhl unterfahren werden können. Die Zugänge zu den Duschen innerhalb der Bäder sind ebenfalls barrierefrei. Einige Kabinen teilen sich ein Bad mit der Nachbarkabine. Es stehen auf dem Unterdeck Zweibett-Kabinen der Kategorie A und B mit einer Größe von ca. 10 Quadratmeter zur Verfügung. Die Kabinen auf dem Unterdeck sind in erster Linie Reisenden vorbehalten, die sich ohne Rollstuhl fortbewegen können. Auf dem Unterdeck steht eine begrenzte Anzahl an Einzelkabinen der Kategorie E für Alleinreisende bereit.

Willkommen an Bord
Die komplett renovierte Viola beeindruckt gleich nach dem Durchschreiten der großen Glastüren mit einem herausragenden Raumgefühl. Das Foyer zeigt sich in zurückhaltend dezent, in ansprechendem Farbdesign. An Bord der Viola sind keine Teppiche verlegt. Der Kunststoff-Bodenbelag im Restaurant und in der Lounge ist täuschend echt dem eines Teppichs nachempfunden.
Die Rezeption der Viola kann in einem Bereich mit dem Rollstuhl unterfahren werden.
Ein großer Treppenabgang verbindet alle drei Decks miteinander. Gleich zwei große Fahrstühle sorgen für einen reibungslosen Transport der Rollstuhlfahrer zwischen den Decks. Einer davon führt bis auf das Sonnendeck hinauf, was eine große Besonderheit auf einem Flusskreuzfahrtschiff darstellt.
Im direkten Vergleich zu anderen Flusskreuzfahrtschiffen sind auf der Viola alle wichtigen, öffentlichen Bereiche auf einem einzigen Deck platziert. Ein umständlicher und mühevoller Deckwechsel zwischen der Panoramalounge und dem Restaurant an Bord entfällt auf der Viola.
Das Panorama-Restaurant überzeugt nicht nur durch eine Kombination aus wunderbarer Wohlfühlatmosphäre und Eleganz, sondern auch durch Helligkeit und freier Aussicht auf die vorbeiziehende Flusslandschaft. Von nahezu allen Plätzen aus ist ein guter bis sehr guter Blick durch die großen Panoramafenster möglich. Auch Reisende, die sich nicht mit dem Rollstuhl fortbewegen, kommen in den Genuss dieses üppigen Raumgefühls. Gespeist wird in einer einzigen, offenen Tischzeit an fest reservierten Tischen. Nach Absprache werden Gerichte für spezielle Diäten gereicht (Diabetiker, Glutenfrei, Laktosefrei usw.). Als besonderes Highlight ist das Kapitäns-Dinner zu nennen (keine Abendgarderobe Pflicht).
Zwischen Foyer und Restaurant befindet sich ein Frisör, selbstverständlich ebenfalls barrierefrei. Am Eingang zum Restaurant können die Reisenden in einer kleinen Lounge verweilen….

Fotos: Oliver Asmussen/www.oceanliner-pictures.com