Kategorie: Interviews

„Es war reiner Zufall“

Man nennt ihn nicht umsonst den König der Expeditionsschiffe: Niels-Erik Lund ist einer der bedeutendsten globalen Player in diesem Segment. Michael Wolf sprach mit dem Dänen über die Entwicklung seiner Firma zum Weltmarktführer, Trends im Expeditionsmarkt und warum chinesische Werften seine neuen Schiffe bauen.

Was für eine Ausbildung hatten Sie?

Ich wollte nicht studieren, also habe ich nach der Schule einen Job gesucht.
Mir wurde dann 1969 ein 3-jähriger Trainee-Vertrag bei DFDS angeboten. Dazu gehörte auch eine Ausbildung im unteren Administrationsbereich, bei dem man 3 mal wöchentlich zur Schule ging.

Zu diesem Zeitpunkt war DFDS eine große Firma…

Ja, eine sehr große. Nach einem Jahr in der Armee bin ich zu DFDS zurück, im Finanzbereich.
Abends und am Wochenende war ich in einer Business-Schule, um einen Bachelor-Abschluss in Finance und Administration zu bekommen. Es war eine fünf-Jahres-Ausbildung, aber gleichzeitig hatte ich auch meinen Full-time-Job. Dann wurde ich der jüngste Finanz­direktor bei DFDS. Ich hatte etwa 40 Mitarbeiter.
Zu der Zeit hatte DFDS ca. 100 Fracht- und Passagierschiffe, war die Nr. 1 in Skandinavien.
1981 gründete man das Kreuzfahrtunternehmen Scandinavian World Cruises (SWC) in Miami. 1982 kamen die ersten Schiffe. Wir haben viel Geld verloren, um 1 Million Kronen (heute etwa 135.000 €) pro Tag.

Warum lief es so schlecht?

Die Business-Idee war nicht gut, das Management schlecht. DFDS hat mehr als sein komplettes Eigen­kapital in dieses eine Projekt investiert. Etwas, was über 125 Jahre aufgebaut worden war und das im Kreuzfahrt-Markt, den sie nicht kannten. Es gab noch nicht einmal einen eigenen Mitarbeiter vor Ort. Für mich war das ein Fehler.
Im Januar 1983 bat man mich, nach Miami zu gehen, um die Firma zu schließen, zu verkaufen oder die Verluste einzudämmen. Als Finanzdirektor kannte ich die Zahlen.

Was wussten Sie über Kreuzfahrten zu diesem Zeitpunkt?

Nichts.

War das gut oder schlecht für den Job?

Ich weiß nicht. Ich bin da nur hingekommen, weil mein Vorgesetzter mir persönlich vertraute.

Hätten Sie zuvor mal gedacht, Chef einer Kreuzfahrtreederei zu werden?

Nein, es gibt auch keine familiären Verbindungen zur See oder solche Pläne. Es war reiner Zufall.

Lesen Sie weiter im aktuellen Magazin AN BORD 4/2019.

Meine Passion

Die 43-jährige Finanzexpertin Rania Al-Mashat ist seit Januar 2018 Tourismusministerin in Ägypten. Erstmals steht somit eine Frau an der Spitze des Ministeriums. Über ihre Pläne, auch den Kreuzfahrt-Tourismus im Land der Pharaonen zu pushen, sprach sie mit Michael Wolf.

Was sind Ihre Prioritäten im ägyptischen Tourismus?

Als ich Ministerin geworden bin, haben wir die wichtigsten Interessenvertreter zusammen an einen Tisch gebracht, also den Privatsektor, die Regierung und das Parlament.
Die Vision war, einen nachhaltigen Tourismus zu ­kreieren, der im internationalen Bereich wettbewerbsfähig ist und den wichtigsten internationalen Standards entspricht. Zudem war die Idee, dass in jedem ägyptischen Haushalt zumindest eine Person im Tourismus tätig sein sollte.

Wie gehen Sie dabei voran?

Wir sind dabei, mit unserem Programm zu trainieren, die ethischen Fragen des Tourismus zu erläutern, was es bedeutet, einen Besucher „willkommen zu heißen“. Wir haben Wettbewerbe in Schulen bei denen Kinder Videos hochladen können, wie sie mit Touristen umgehen. Sie bekommen dann Titel wie „ägyptischer Tourismus-Botschafter“ verliehen.
Bei den Hotels arbeiten wir sowohl an der Hardware (die Hotels und die Infrastruktur), als auch an der Software (den Mitarbeitern). Die Sterne-Klassifizierungen wurden seit 2006 nicht geändert.

Was wussten Sie über Kreuzfahrten, als Sie vor einem Jahr Tourismusministerin wurden?

Luxor und Assuan waren immer auf meiner Winterferien-Liste, in der Universitätszeit bin ich auch mit Freunden auf Kreuzfahrten gewesen. Ägypten ist wunderschön. In der Region zwischen Luxor und Assuan kann man veritables Tempel-Hopping machen.
Der Nil ist ein sehr wichtiges Geschenk für Ägypten.
Die Geschichte des Flusses ist faszinierend. Es war der Weg, die Steine zu transportieren, aus denen die Pyramiden errichtet wurden. Der Nil und Nord-Ägypten ist blau, weit und schön. In Abu Simbel herrscht eine unfassbare Schönheit und Ruhe. Die Pharaonen erzählen Geschichten. Wenn Sie hier auf einer Kreuzfahrt sind, tauchen Sie in diese Geschichten ein. In ihr Leben, wie sie sich vorbereitet haben für das Leben nach dem Tod, die Magie ihrer medizinischen Instrumente – in Kom Ombo, in Edfu, die Astronomie. Es ist ein idealer Weg, den Geist der Menschheit zu entdecken.

Der Nil hat jetzt wieder einen deutlichen Zuwachs an Touristen erlebt.

Ja, es gibt einen Aufschwung der Nilkreuzfahrten. Gleichzeitig wurden die meisten Schiffe upgedatet, auch nach sicherheitsrelevanten Aspekten.
Dies geschieht in Kooperation mit der ägyptischen Tourismus-Föderation, unter voller Einbindung des ­Privatsektors, der 98 Prozent des Business ausmacht. Darauf bin ich stolz.
Unsere Rolle als Ministerium ist es, dass die Regeln eingehalten und aktualisiert werden, die Konkurrenz­fähigkeit gewährleistet wird, aber auch immer mehr Business im und für das Land zu etablieren. Einige Firmen investieren in neue Schiffe, auch die lange ­Kreuzfahrt von Kairo nach Luxor wird wiederbelebt. Das sind sehr erfreuliche Entwicklungen.

Wie wichtig ist der Kulturtourismus in Ägypten?

Ägypten ist vielfältig: es gibt das Meer und die Sonne. Und den Kulturtourismus, den wir wiederbeleben ­möchten. So ist es einzigartig, dass die komplette Region von Luxor Teil des UNESCO Welterbes ist.
(Anmerkung der Redaktion: Abu Simbel war das erste Projekt der UNESCO vor dem Bau eines Stausees. Die Rettung der Tempel von Nubien war ein weltweites Gemeinschaftsprojekt zur Erhaltung des Kulturerbes. Die Idee der Welterbekonvention wurde in Abu Simbel gefasst.)

Ich gebe Ägypten meinen Verstand, mein Herz, meine Seele. Ägypten besitzt mich. Jede Zelle meines Körpers ist für das Land, 24 Stunden am Tag, sieben Tage die Woche.
Ägypten zu dienen, indem wir zu einer Politik beitragen, die den Reichtum des Nils an alle seine Bürger weitergibt, ist nicht nur eine Mission, sondern eine Leidenschaft.

Rania Al-Mashat, Tourismusministerin Ägypten

Dabei wird Ihnen das Grand Egyptian Museum (GEM) helfen?

Genau. Das GEM soll Ende 2020 eröffnet werden.
Es ist das einzige Museum, wo man ägyptisches Erbe ­sehen kann, und die Pyramiden als Kulisse hat. Über das GEM wollen wir die Leute daran erinnern, was uns unterscheidet und auf was wir stolz sind.

Gibt es Masterpläne für den Kreuzfahrtbereich?

Wo die Kreuzfahrt stoppt ist ein wichtiger Punkt.
Wir haben Liegeplätze in Luxor und Assuan. Wir ver­suchen diese auszubauen, so dass wir mehr Touristen empfangen können. Wir möchten auch gern Al-Minya, die Heimat von Echnaton, als neues Kreuzfahrtziel einführen, weil es fantas­tische Tempel besitzt.

Ist auch der Hochseemarkt im Fokus?

Es gibt eine Vereinbarung zwischen Griechenland, ­Zypern und Ägypten, geopolitische Kooperationen und eine Kreuzfahrtlinie. Das Programm der Anlaufhäfen
ist finalisiert. Wir hoffen, Ende 2019/Anfang 2020 diese Reisen anbieten zu können. Wir haben ein sign-up für eine Route zwischen den drei Ländern. Darauf wird der Hafen von Alexandria gut vorbereitet. Auch für die Schienenverbindung nach Kairo gibt es einen detaillierten Plan.
Die Mittelmeerküste Ägyptens ist im Fokus: Ich bin als Kind jeden Sommer dort gewesen, mein Lieblingsplatz zum Schwimmen. Die Strände die wir am Mittelmeer haben sind fantastisch.

Hatten Sie ein Vorbild für dieses Tourismus-Konzept?

Nein. Ich denke, Ägypten hat immer eine Vorreiterrolle gegenüber anderen Ländern im Tourismusbereich gehabt und die Standards gesetzt.

Ihr persönlicher Tipp?

Ich liebe die Tempel von Kom Ombo und Philae. Kom Ombo, weil an den Wänden des Tempels zahlreiche Elemente der Astronomie zu finden sind. Instrumente der Medizin, Detailvielfalt an den Wänden. Man kommt nur dahin, wenn man eine Kreuzfahrt macht.
Der Philae Tempel gehört zu meinen schönsten Kindheits- und Jugenderinnerungen.

Foto: enapress.com, Fotoaufmacher: AdobeStock

Das Projekt meines Lebens

Am 15. November hatte der Hamburger parteilose Wirtschaftssenator Frank Horch seinen letzten Arbeitstag. Kaum ein anderer Politiker hat in Hamburg so viel für die Kreuzfahrt getan. Zu seinem Lebenswerk gehört sicher auch, die Anbindung zum Hamburger Hafen über die Elbe zu verbessern und damit die Stadt wieder konkurrenzfähiger zu machen. Michael Wolf sprach mit ihm.

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