Kategorie: Interviews

„Wir sehen uns als europäische Luxus-Travelmarke“

Mit großem Aufwand arbeitet die neu gegründete Genfer Luxusreederei Explora Journeys, eine Tochter von MSC, dem Start ihres ersten Schiffes in 2023 entgegen. Michael Wolf sprach mit Explora Journeys-CEO Michael Ungerer über den jetzigen Stand, die Philosophie und die Zukunft.

Michael Ungerer,
Foto: Explora Journeys

Bei einer italienischen Eignerfamilie scheint es klar, dass die Schiffe auch in Italien gebaut werden. Gab es auch noch andere Optionen?

Damals ist wohl mit einigen Werften gesprochen worden, aber das war vor meiner Zeit.

Inwieweit sind bei den Planungen aktuelle Schutz- und Präventivmaßnahmen bzgl. Covid mit beim Bau der Schiffe eingeflossen?

Das ist auch deshalb schon mit eingeflossen, weil die Schiffe sehr großzügig sind. Wir haben 461 Suiten, alle mit Balkon und Terrasse, von 35 bis knapp 300 qm groß. Es gibt viele Aussenflächen, viel frische Luft. Es gibt keine­ Innensuiten und es gibt keine Buffetrestaurants. Das Layout bietet mehr Platz, ein Plus im Pandemiefall.

Werden die Schiffe exakt baugleich oder sind von vornherein Änderungen geplant?

Die ersten beiden werden relativ baugleich sein, da wird es wenige Änderungen geben, vielleicht vom Design oder den Farben her. Diese beiden sind ja auch schon im Bau. Sobald wir dann operative oder Erfahrungen mit Gästen haben, wird das dann natürlich für mögliche Änderungen einfliessen.

Dies gilt auch in Hinsicht auf die Motorisierung, die eher konventionell ist (dieselelektrisch) mit SCR-Katalysatoren oder soll es vielleicht später auch Optionen für neuere Methoden wie Brennzellen (bei Silversea) oder LNG oder Mischkonfigurationen wie bei Ponant und Hurtigruten geben?

Die Schiffe sind für Marinediesel-Betrieb eingerichtet, es sind aber auch Bereiche vorgesehen, um Batterien einzubauen, wenn es Lösungen für bessere Speicher gibt.­ Außerdem haben sie alle Landstromanschlüsse.

Animation: Explora Journeys

LNG ist weltweit nicht überall und nicht in ausreichender Menge vorhanden und es ist ohnehin nur eine Übergangslösung. Wir arbeiten daneben an den verschiedensten Möglichkeiten wie Brennzellen, Wasserstoffantrieb, möchten Hybridmotoren entwickeln, die mit verschiedenen Systemen arbeiten bis hin zu windgetriebenen Lösungen.

Die Eigner leben schon seit Generationen vom Meer und wollen schon deshalb neue Lösungen zum Schutz der Umwelt finden. Wir wollen die Emissionen bis 2050 auf Null senken.

Die Schiffe werden nicht für Expeditionen eingesetzt oder mit Eisklasse ausgestattet sein? War das eine klare Entscheidung von vornherein?

Das war eine klare Entscheidung. Wir wollen diese ökologisch-sensiblen Gegenden vermeiden. Seit ich an Bord bin, haben wir diese über zwei Jahre genutzt, um uns auch mit dem Markt und dem Kunden auseinander zu setzen. Wir haben sehr viel Marktforschung betrieben, hatten auch McKinsey und andere befragt. Wir hatten Fokus-Gruppen im Luxussegment generell – nicht nur Luxus Cruise oder Luxus Hospitality, sondern die ganze Luxusindustrie in London, New York. Es wurden über 20.000 potentielle Kunden in Europa, den USA, China, Japan und Australien befragt, die bereits selektiert waren nach Haushaltseinkommen oder Vermögen und speziellen Reisewünschen. Darunter waren auch Luxury Cruise Repeater, aber auch Nichtcruiser. Vielleicht wenig überraschend: der größte Luxus für diese Kunden ist Zeit und Platz. Wenn man dann diese Erkenntnis nimmt und ein Produkt oder eine Marke designt, dann ergeben sich daraus bestimmte Vorgaben.

Platz zum Beispiel heißt: Das ich sowohl Platz für mich selbst habe – zum Beispiel in den Suiten – deswegen sind es auch mit 35qm die größten im Entry-Level. Dann Platz in den öffentlichen Bereichen, auf den Außendecks, in den Bars und Restaurants usw. Wir haben neun Restaurants, verschiedene – alle klein und fein. Keine großen, keine Sitzungen – jeder hat Platz zu jeder Zeit. Bars und Bereiche mit denen man sich mit andern (Gleichgesinnten) treffen kann. Das hat auch die Größe des Schiffes bestimmt. Wenn man ein Schiff dieser Größe baut, fällt es automatisch nicht in den Expeditionsmarkt. Das ist quasi eine Entscheidung von zwei Seiten gewesen – dem Kunden vom Platz her und von der Eigner-Familie, die Umwelt zu schützen und auch zu bessern…

Das komplette Interview lesen Sie in der aktuellen Printausgabe von AN BORD.

„Saudi-Arabien ist ein Land im Wandel“

Lars Clasen ist der neue CEO von Cruise Saudi. Im Gespräch mit Michael Wolf erläutert er die Situation heute, die Öffnung des Landes für den Tourismus und Kreuzfahrtmarkt und seine Ziele und Visionen.

Lars Clasen, CEO von Cruise Saudi,
Foto: enapress.com

Sie sind der neue CEO von Cruise Saudi. Was hat Sie an diesem Job gereizt?

Nachdem ich mit AIDA, A-ROSA und The Ritz-Carlton Yacht Collection drei Kreuzfahrtreedereien mitbegründet und aufgebaut habe, hat es mich gereizt, meine Erfahrung in einem Markt einzubringen, der praktisch noch nicht existiert. Saudi-Arabien ist ein Land im Wandel. Es war lange Zeit extrem isoliert, abgeschnitten und religiös sehr konservativ. Hier hat sich jetzt seit fünf Jahren enorm viel getan. Mit der Vision 2030 will Saudi Arabien die Abhängigkeit vom Erdöl verringern, die Gesellschaft modernisieren und die Wirtschaft unabhängig von Öleinnahmen machen. Also muss man sich öffnen. Auch die Frauen, die bis jetzt kaum arbeiten durften, sollen dies tun. Bei Cruise Saudi beschäftigen wir schon mehr als 1/3 Frauen.

Die Frauen profitieren schon jetzt vom gesellschaftlichen Wandel und unterstützen daher auch die Vision 2030 massiv und verbinden große Hoffnungen damit. Insgesamt geht es darum, das Land aus der traditionellen religiösen Abgeschlossenheit in die offene Internationalität zu transportieren und gleichzeitig in die Unabhängigkeit vom Öl.

Ein auch wirtschaftlicher, wichtiger Teilbereich dieser neuen Unabhängigkeit soll der Tourismus werden – zuvor durften nur Pilger und Geschäftsleute ins Land. Das ist seit 2019 anders: Man kann einfach ein elektronisches Visum beantragen, das man in der Regel innerhalb einer Stunde bekommt. Seitdem hat sich hier auch im Tourismus sehr viel geändert, vor allem in der Hotellerie und bei Events. Man befindet sich zwar noch am Anfang, es ist jedoch in der kurzen Zeit bereits extrem viel aufgebaut worden – als Beispiel seien hier nur das UNESCO-Weltkulturerbe Al-ʿUla und die Altstadt von Dschidda genannt.

Elephant Rock bei Al-‚Ula, Foto: hyserb – stock.adobe.com

Wie sieht es mit dem Kreuzfahrtbereich aus?

Der Tourismus ist ein Teil der Agenda 2030, und Cruise Saudi steht darin für den Kreuzfahrtbereich. Wir wollen das Rote Meer als Kreuzfahrtdestination weiterentwickeln. Das ist für die europäischen Reedereien, die ihre Schiffe im Mittelmeer haben, eine tolle Winterdestination. Man muss nicht alle Schiffe in den arabischen Golf, zu den Kanaren oder in die Karibik schicken. Das Rote Meer bietet extrem viel und ist einfach zu erreichen ist. Das Wasser ist kristallklar, es gibt schöne Strände und viele Tauchparadiese. Beim Roten Meer als Destination denkt wir dabei über Saudi-Arabien hinaus, weil auch andere Destinationen wie Aqaba oder Sharm el-Sheikh angeboten werden. Wir sind heute aktiv in der Entwicklung von Häfen tätig.

Welche saudiarabischen Häfen könnten Sie sich heute vorstellen?

Auf jeden Fall Dschidda, da sind wir als Cruise Saudi federführend dabei. Mit der Anbindung an den neuen internationalen Flughafen eignet sich Dschidda auch sehr gut als Basishafen. Saudische Destinationen sind u.a. die sehr alte Fischerstadt Yanbu, die sehr attraktive Landausflugs-Möglichkeiten bietet. Und natürlich Al Wajh – heute ist hier noch kein großer Hafen, das soll das Gateway für Al-ʿUla werden.

Wie ist der heutige Stand?

Wir benötigen noch einige Jahre für die Entwicklung, aber die Kreuzfahrtreedereien haben ja auch einen Vorlauf von mehreren Jahren. In vielleicht zwei oder drei Jahren werden wir hier absolut sensationelle Kreuzfahrtprodukte haben.

Wie sieht es mit den landseitigen Möglichkeiten aus?

Kreuzfahrtreedereien werden nicht wegen eines schönen Terminals kommen. Wir müssen den Gästen interessante Erlebnisse in der Umgebung bieten. Da es bisher kaum Anbieter dafür gibt, sind wir dabei, diese Shore Experiences zu scouten und zu kreieren, so dass wir den Kreuzfahrtreedereien ein rundum interessantes Paket anbieten können.

In den Emiraten haben bereits Reedereien ihre Privatinseln gebaut. Soll so etwas auch bei Ihnen entstehen?

Ja, neben den Häfen entwickeln wir auch „private island“ Destinationen mit vielfältigen naturnahen Angeboten. Ergänzen möchte ich hier, dass sich das Land der vielfach unberührten Einmaligkeit seiner Küsten und Natur bewusst ist und außerordentlich darauf achtet, diese zu erhalten und neue Projekte nur in Einklang mit der Natur und starker ökologischer Kontrolle zu entwickeln.

Wie groß ist Ihrer Meinung nach das lokale Interesse und der einheimische Markt als Quellmarkt?

Wir wollen im internationalen Bereich wachsen, aber auch im lokalen. Dazu möchten wir eine einheimische Kreuzfahrtgesellschaft aufbauen, die Passagiere aus Saudi-Arabien und den Golfländern anspricht. Hierfür entwickeln wir gerade Produktdefinitionen und schauen, welche Schiffe am besten geeignet sind.

Das lokale Interesse ist auf jeden Fall da – es gibt hier 30 Millionen Einwohner, die auch Geld haben. Unser Ziel ist es, in 10 Jahren mindesten 300.000 Passagiere aus dem lokalen Markt zu generieren.

Wie schätzen Sie langfristig das Potential für Cruise Saudi ein?

Im Kreuzfahrtmarkt arbeitet man mit langen Vorlaufzeiten, hier sollte man nichts überstürzen. Ich habe schon diverse Kreuzfahrtgesellschaften aufgebaut, das ist auch der Grund, weshalb man mich gefragt hat, hier her zu kommen, um den Kreuzfahrtbereich zu gründen. Cruise Saudi ist eine hundertprozentige Tochter des nationalen Public Investment Fonds, also eine staatliche Firma. Für mich ist dieser Job eine der spannendsten Aufgaben, die es im Cruise-Bereich im Augenblick gibt. Gleichzeitig trägt man dazu bei, dass sich die hiesige Gesellschaft auch noch weiter öffnet. Ich war im letzten Jahr zweimal und bin jetzt seit Februar ständig hier, diese Änderung sind auch in dieser kurzen Zeit deutlich spürbar.

An wen berichten Sie?

Direkt an den Board, der hochkarätig besetzt ist. Vorsitzender ist S.H. Prinz Badr, der Kultusminister, der auch für den kulturellen und touristischen Bereich der Agenda 2030 zuständig ist. Dazu kommen S.E. der Transportminister, S.E. der Governor des Public Investment Funds sowie Karl Holz, der frühere Chef von Disney Cruise Line und der CEO von Saudi Tourism Authority sowie zwei weitere Mitglieder aus dem Bereich des Public Investment Funds und des Kultusministeriums.


Neue Herausforderung als CEO von Cruise Saudi

Seine mehr als 30-jährige internationale Expertise und Erfahrung in Schifffahrts- und Kreuzfahrtindustrie Europas, Nordamerikas und Asiens dürften ausschlaggebend dafür gewesen sein, dass der renommierte Hamburger Schifffahrtsexperte Lars Clasen der Ernennung zum neuen Chief Executive Officer von Cruise Saudi im Februar dieses Jahres gefolgt ist und damit eine neue Herausforderung angenommen hat. Cruise Saudi in Jeddah baut damit sein Führungsteam im Zuge der Entwicklung der aufstrebenden Kreuzfahrtindustrie des Landes weiter aus. Dazu hatte sich die Organisation bereits dem internationalen Kreuzfahrtverband CLIA angeschlossen.

MSC BELLISSIMA (Archivfoto)

Schon im September letzten Jahres hatte Saudi-Arabien angekündigt, dass es Kreuzfahrtschiffen erlauben würde, das Land zu besuchen und in Jeddah festzumachen. MSC Kreuzfahrten hat sich als erste Reederei entschieden, die MSC Bellissima dort mindestens in den nächsten fünf Jahren zu einer regelmäßigen jährlichen Wintersaison einzusetzen. Das Schiff wird 7-Nächte-Kreuzfahrten ab Jeddah bieten und die Häfen Ras Al Abyad, Aqaba für Petra in Jordanien, Safaga für Luxor in Ägypten sowie Al Wajh und Yanbu in Saudi-Arabien anlaufen.

Die Öffnung Saudi-Arabiens für Kreuzfahrtunternehmen bietet internationalen und einheimischen Gästen die Möglichkeit, das Land und seine zahlreichen Weltkulturerbestätten sowie Ägypten und Jordanien auf einem Kreuzfahrtschiff zu entdecken und dabei ihre Kultur, Geschichte und Traditionen zu erkunden und ihre Strände zu genießen.

Clasen der in Hamburg Betriebswirtschaft studierte hatte zuvor Führungspositionen in renommierten Schifffahrtsunternehmen inne, betrieb zweitweise ein eigenes Consulting-Unternehmen und hielt Gastvorlesungen z. B. an einem universitären maritimen Tourismus-Forschungsinstitut in Shanghai. Dazu gehörten Tätigkeiten wie als Managing Director von The Ritz-Carlton Yacht Collection in Miami oder als Mitbegründer und Managing Director von Dolce Cruise Management, Malta (April 2013 bis November 2017), Geschäftsführender Gesellschafter der Deutschen Seereederei GmbH (von 1993-2009) und als Gesellschafter und CEO der A-ROSA Flussschiff GmbH (zwischen 2002 und 2013), AIDA Cruises-Präsident (von 1997 – 2004) Geschäftsführender Gesellschafter der Deutsche Seereederei GmbH (von 1993 bis 2009) oder im Vorstand der Mammoet-Hansa AG (1990-1996).

„Clasen bringt drei Jahrzehnte Erfahrung in der globalen Kreuzfahrtindustrie mit, und wir freuen uns darauf, ihn als wichtiges Mitglied des Teams zu haben, kommentierte Cruise Saudi-Geschäftsführer Fawaz Farooqui die Ernennung von Clasen, der sich beeindruckt von den Fortschritten zeigte, die Cruise Saudi bei der Entwicklung einer neuen Kreuzfahrtindustrie in dem Land gemacht hat“Als Kreuzfahrtprofi und -enthusiast habe ich die enormen Fortschritte verfolgt, die Cruise Saudi in so kurzer Zeit gemacht hat: von der Gründung einer völlig neuen Branche und der Begrüßung von Gästen auf Kreuzfahrtschiffen zum ersten Mal in Saudi-Arabien bis hin zu der großen Aufmerksamkeit, die das Unternehmen weltweit als neuester Akteur in der Kreuzfahrtbranche genießt“, sagte er. Er freue mich darauf, gemeinsam weitere Meilensteine zu erreichen, während Cruise Saudi eine neue Entwicklungsphase einleitet, indem es nicht nur ein Tor, sondern mehrere neue Tore eröffnet, die die Welt mit dem Königreich Saudi-Arabien verbinden.“ JPM

„Wir haben allen technischen und nautischen Mitarbeitern ein Jobangebot gemacht“


Nach der Übernahme des Managements der Crystal-Hochseeschiffe durch V-Ships hat die Schweizer Firma River Advice für die vier neuen Flusskreuzfahrtschiffe Crystal Ravel, Crystal Debussy, Crystal Bach und Crystal Mahler das Management im Lay-Up-Verfahren übernommen.


Robert Straubhaar,
Foto: United Rivers

Robert Straubhaar, CEO von United Rivers, der Muttergesellschaft von River Advice, beantwortet unsere Fragen.

Die Crystal Flussschiffe sind jetzt im Management von River Advice. Was beinhaltet das genau?

Das lay-up Management beinhaltet nebst anderen Punkten insbesondere diese Hauptkomponenten:

A) Organisation der passenden Liegeplätze im Süsswasser

B) Abmehren (Anmerkung der Red. festmachen) der Schiffe für eine kostenoptimierte, längere Liegezeit

C) Sicherstellung einer für die Versicherung genügenden nautisch-technischen Bemannung für Bewachung und Schiffssicherheit

D) Angepasste Repair- und Maintenance-Massnahmen zur Sicherstellung der Schiffssicherheit

E) Aufnahme von Inventar und Schiffsdokumenten

Crystal Mozart wird durch einen anderen Insolvenzverwalter behandelt und da die vier Schwesterschiffe zuerst fixiert wurden, wird nun der Lay-Up-Vertrag auch für die Crystal Mozart mit uns finalisiert.

Wo sind die Schiffe jetzt?

Die vier Schiffe liegen in einem geschlossenen, bewachten Hafen in der Nähe von Arnheim (Dodewaard).

Welches weitere Vorgehen ist geplant?

Die zuständigen Insolvenzverwalter haben dies noch nicht festgelegt.

Gibt es bereits Interessenten für die Schiffe?

Sobald die Insolvenzverwaltung das weitere Vorgehen (Schiffsbesuche u. Probefahrten) festgelegt hat, wird es sicher ein gutes Interesse geben.

Werden sie einzeln oder im Pack angeboten? 

Das ist uns nicht bekannt.

Was ist die Rolle von United Rivers hierbei?

UNITED RIVERS als Muttergesellschaft von River Advice verfügt über ausgezeichnete Kontakte weltweit, es ist gut vorstellbar, dass UNITED RIVERS für den einen oder anderen Interessenten eine Koordinationsrolle spielen kann.

Wie sieht es bei den Besatzungen aus, konnten sie übernommen werden?

River Advice hat 100% der nautischen und technischen Crystal-Mitarbeitenden ein Jobangebot gemacht und bemüht sich, dass die Mehrheit dieser wertvollen Crystal-Mitarbeitenden zu River Advice wechseln wird.


Unsere Meldung vom 15.2.22: Crystal Riverships von Schweizer Managementfirma übernommen

„Meine Karriere begann auf der ASTOR“

Ambassador Cruise Line-CEO Christian Verhounig im Gespräch mit Michael Wolf über das junge Start-up, die letzten Entwicklungen und Visionen.

Ambassador Cruise Line-CEO Christian Verhounig,
Foto: Ambassador Cruise Line

Im Februar 2021 haben Sie zusammen mit Partnern die Ambassador Cruise Line gegründet. Was ist im Wesentlichen seitdem geschehen?

Nach der Gründung haben wir gleich unser erstes Schiff gekauft. Wir konnten dann am 24. Juni bereits in den Verkauf gehen. Der Response war sehr gut, viele Gäste schienen nur darauf gewartet zu haben, dass diese Nische dieser Kreuzfahrtschiffe im Markt wieder besetzt wird.

Also war es ein durchaus erfolgreicher Start, der natürlich immer wieder von den neuesten Corona-Entwicklungen beeinflusst wurden, aber so gut, dass wir jetzt das zweite Schiff gekauft haben.

Wann sollen die beiden Schiffe in Fahrt kommen?

Das erste Schiff, die Ambience, wird gerade in der Viktor Lenac Werft in Rijeka komplett umgebaut. Sie beginnt am 6. April. Das zweite soll ebenfalls umgebaut werden und im März 2023 fahren.

Beim Thema Umbau sprechen wir von einem Einbau von Katalysatoren, die Schiffe werden dann nur noch mit Marine Gas Oil fahren.

Die Ambience war nicht in einem so guten Zustand, als wir sie übernahmen. Da musste viel gemacht werden. Von der Farbentfernung mit Sandstrahlern bis hin zu etlichen technischen Modernisierungen. Auch die Kabinen wurden renoviert, die Suiten komplett neu gebaut. Bei der Ambition wird hauptsächlich die Technik erneuert und ergänzt. Auf beiden Schiffen wird auch das Trinkwassersystem verändert – statt Plastik – gibt es jetzt nur noch Glasflaschen.

Ambience, Animation: Ambassador Cruise Line

Wie ist eigentlich der Name der Cruise Line entstanden?

Ein Ambassador (Anmerkung der Red. Botschafter) reist viel, möchte neue Kulturen und Länder kennenlernen. Er ist Repräsentant seine Landes, verhält sich vorbildlich und respektiert andere. Das steht für unseren Namen.

Wir konzentrieren uns auf die Altersgruppe 50+. Da geht es häufig darum, mit Gleichdenkenden zu reisen. Die sind bei der ersten Cruise zu viert, bei den nächsten Fahrten dann bereits in größeren Gruppen.

Wir haben uns entschlossen, ohne Kinder zu reisen. Das bedeutet, es ist ruhiger an Bord als anderswo. Wir werden bei beiden Schiffen auch etwa hundert Kabinen für Alleinreisende einrichten, das führt dann zu mehr Platz. Natürlich gibt es Entertainment, aber auch Lektorate. Und vieles steht im Zeichen der Nachhaltigkeit, im Zeichen der Ozeanforschung.

Sie wollen ohne Kinder fahren, wird es also ein explizites Adults-only Produkt werden?

In der Regel ja. Wir haben aber auch eine Handvoll Reisen, die wir Multi-Generation Cruises nennen. Da wird zwar nicht das traditionelle Kinderbetreuungsprogramm angeboten, aber es ist so abgestimmt, dass die gesamte Familie näher zusammenrückt. Da buchen dann z. B. die Großeltern für ihre Kinder und Enkel. Die Programme auf diesen Reisen sind oft interaktiv wie beim Zirkus auf See, wo sich jeder beteiligen kann. Da kann man die Smartphones und Ipads mal etwas vergessen, das tut vielen Familien gut, sie kommen wieder zusammen.

Ambition, Animation: Ambassador Cruise Line

Welche Märkte haben Sie im Fokus?

Im Augenblick konzentrieren wir uns hundertprozentig auf England. Wir haben da ein No-Fly-Programm kreiert, das bedeutet, dass alle Fahrten von England abgehen.

Wie wollen Sie neben den traditionell starken UK-Firmen wie Saga oder P&O ihre Nische finden?

Saga spricht generell ein höherpreisiges Segment an, wir bieten dagegen ein Premium-Value, ein gutes Preis-Leistungsverhältnis an. Bei P&O wird derzeit eine Änderung von Traditionsschiffen zu Megalinern durchgeführt. Zwischen beiden passen wir vom Konzept und der Größe der Schiffe gut rein.

Für mich ist eine Post-Covid-Erscheinung, dass die Kunden nicht mehr so preisgetrieben sind. Es ist so, als ob sich viele mit der Buchung höherwertiger Kabinen oder Suiten selber für die Strapazen der letzten Jahre beschenken und entschädigen möchten.

Wie groß ist Ihr Team derzeit?

Wir haben hier in London etwa 50 Personen, auf den Schiffen 650 Crew.

Wer bereedert die Schiffe?

Das macht das Bernhard Schulte Ship Management im nautischen Bereich, den Hotelbereich stellen wir selber. Da kenne ich mich im F&B-Bereich aus. Ich habe schon 18-jährig als Kellner auf der Astor begonnen. Jung und blauäugig (lacht).

Welche Schiffe sind Sie damals noch durchlaufen bei Ihrer Karriere?

MS Deutschland beim Opening, die Berlin, die Astor, im englischen Markt P&O, auch Festival – ich bin da schon etwas rumgekommen.

Unser zweites Schiff, die Ambition, habe ich sogar als Manager für Hotel Operations aus der Werft geholt.

Steht Hamburg auf der Jungfernreise immer noch auf dem Programm?

Absolut.

Wir haben derzeit 33 Reisen zwischen vier und 42 Tagen im Angebot.

Gibt es neue Infos zurTaufe?

Am 5. April in Tilbury, Informationen im Lauf der nächsten Woche.

Wie ist eigentlich die etwas ungewöhnliche Farbkomposition des Logos entstanden?

Im Kreuzfahrtbereich sind die Logos und die Farben eher langweilig. Da herrscht Marineblau vor, mal gibt es eine blaue Welle. Da wollten wir etwas Neues kreieren.

Und ausserdem sind die beiden Farben Grün und Purple (Purpur) die einzigen Farben, die die Menschen auch im hohen Alter auseinanderhalten können.

Wie viele Schiffe sollten idealerweise in Ihrer Flotte sein?

Ich denke 3-5 in den nächsten Jahren. Das hängt noch von vielen anderen Dingen ab wie zusätzlichen Märkten usw. Das Potential ist auf jeden Fall sehr groß.

Haben Sie das Ende einige Ihre ehemaligen Schiffen von CMV und einigen Ihre ehemaligen Schiffen wie der Astor noch betrauert?

Das war auch menschlich eine ganz schwierige Situation, wir hatten weltweit über 4.000 Mitarbeiter. Und was die Astor betrifft hat es mir viel bedeutet, es war ja auch mein erstes Schiff.


Unsere News vom 28. Januar: Ambassador Cruise Line kauft zweites Schiff: Britisches Kreuzfahrt-Start-up setzt auf Hamburger Management

„Einzelkabinen laufen besonders gut“

Ein Gespräch mit Oliver Steuber, GF von Plantours Kreuzfahrten, über den Neuzugang „Lady Diletta“, die Modernisierung der „Hamburg“ und die Reisepläne der nächsten Monate.

Am Mittwoch feierte Plantours Kreuzfahrten die Taufe des Flussschiffs LADY DILETTA. Was sind die Vorzüge des Schiffs und welche von Ihren eigenen Ideen sind in den Bau der LADY DILETTA eingeflossen?

Es sind die vielen kleinen Details, die auch die Taufgäste, also viele Kreuzfahrtexperten und Branchenkollegen sehr gelobt haben und uns stolz machen. Denn wir haben uns gemeinsam mit unserer Muttergesellschaft Ligabue Group sehr intensiv mit allen Bereichen beschäftigt. Jetzt eine solche direkte Rückmeldung zu erhalten ist wunderschön. Mir sagten Gäste, dass sie sich sogar Anregungen für die eigene Einrichtung zuhause wie Lampen und Farbgebungen mitgenommen haben. Aber bereits in den letzten Monaten haben wir gewusst, dass viele Ideen für die LADY DILETTA richtig waren: Wir haben das erste Schiff mit speziellen Einzelkabinen, die super nachgefragt werden und wir haben Suiten mit echten Balkonen. Eine Rarität auf dem Fluss und auch diese werden sehr gut gebucht.

Wie unterscheidet es sich zu den Neubauten der Konkurrenz?

Sehr stilvolles, elegantes und zugleich modernes italienisches Design, eine sehr gute Küche und einzigartig: Einzelkabinen. Bei Plantours Kreuzfahrten haben wir seit jeher ein Herz für Alleinreisende und können jetzt Flusskreuzfahrten zu besonders fairen Preisen anbieten.

Plantours-Geschäftsführer Oliver Steuber, Foto: enapress.com

LADY DILETTA hat eine große Anzahl an Kabinen für Alleinreisende. Welches Potential hat dieser Markt für Sie, wie werden diese Kabinen gebucht?

Den Markt für Alleinreisende müssen wir nicht erschließen, der ist längst da. Aber wir haben jetzt das einzigartige und wirklich wunderschöne Produkt dazu. Wir haben festgestellt, dass die Buchungen für Suiten und die Einzelkabinen am besten laufen.

Wie ist der gegenwärtige Tagespreis?

Zwischen 180 und 195 Euro.

Ist die LADY DILETTA der Auftakt zu einer neuen Serie?

Noch ist kein Vertrag unterzeichnet. Die Ligabue Group ist zu Recht sehr stolz auf den ersten eigenen Neubau, die Werft hat einen sehr guten Job gemacht und würde logischerweise gerne wieder ein Schiff bauen. Wir haben auch Ideen dazu. Wenn ein Vertrag fix ist, werden es die Leser von AN BORD schnell erfahren.

Wie verlief die Fahrt der SANS SOUCI unter den Corona-Maßnahmen?

Großartig. Wir sind in Berlin gestartet, ein wenig im Schatten der Taufe der LADY DILETTA. Aber das Team um Kapitän Peter Grunewald hat einen fantastischen Job gemacht. Die Gäste waren sehr zufrieden. In Hamburg kam unerwarteter Besuch der Gesundheitsbehörden und wir haben Lob für die an Bord umgesetzten Maßnahmen erhalten. Fast ein Höhepunkt war das Anlaufen in Kiel. Die SANS SOUCI hat die Kreuzfahrt-Saison in Kiel eröffnet. Als erstes Schiff, das dort in diesem Jahr mit Gästen angelegt hat.

SANS SOUCI in Kiel, Foto: Frank Behling

Vor kurzem wurde auch MS HAMBURG umfassend renoviert. Wann möchten Sie hier die Reisen wieder aufnehmen? Gibt es konkrete Pläne?

Nicht renoviert, sondern modernisiert und jetzt haben wir fast eine neue MS HAMBURG, so fantastisch sind die Kabinen mit elektrisch absenkbaren Fenstern und die öffentlichen Räume geworden. Eine ganz neue große Weinstube, dazu endlich eine Bar am Pool. Der Palmengarten mit Blick in Fahrtrichtung und auch der Rezeptionsbereich sind neu gestaltet, ebenso das Buffetrestaurant, das jetzt „The Grill“ heißt. Dafür bleibt die Küche unter Leitung von Küchenchef George wie immer und das ist mindestens genau so wichtig. Und wir wollen noch in diesem Sommer starten, wahrscheinlich Ende Juli/Anfang August.

Sind die Überlegungen MS HAMBURG im Sommer auf „innerdeutschen“ Routen einzusetzen nach wie vor vorgesehen? Ist heute mehr über die Routen bekannt?

Die Planspiele gibt es. Noch lieber würden wir mit längst bestehenden Routen wieder starten, um unseren vielen treuen Kunden die Reise auf der neuen MS Hamburg zu ermöglichen. Und so müssen wir quasi täglich schauen, wie sich die aktuelle Lage entwickelt. Noch gibt es kein Go für eine innerdeutsche Route, aber Kurzreisen zu den deutschen Nordseeinseln haben wir ja auch schon in der Vergangenheit erfolgreich durchgeführt, will sagen die Konzepte liegen quasi schon fertig bereit in der Schublade.

Wie ist Ihre Einschätzung zu den Aussagen des Auswärtigen Amts im Blick auf Hochsee-Kreuzfahrten?

Das war auch ein großes Thema während der Taufe der LADY DILETTA unter den Branchen-Kollegen. Flussreisen sind ja wieder möglich, bei den Hochseereisen könnten wir auf einem kleinen Schiff wie unserer MS HAMBURG sehr viel Sicherheit bieten.

Gibt es konkrete Pläne für ein zweites Hochseeschiff? Eventuell ein weiterer Zukauf?

Es ist kein Geheimnis, das wir sehr gerne ein zweites Schiff im Hochseebereich hätten. Aber dieses Schiff muss zu uns passen. In der aktuellen Phase hätten viele Veranstalter lieber ein Schiff weniger. Vielleicht unterscheidet uns das auch von den anderen – lacht.

Wie laufen die Buchungen für 2021?

Sehr, sehr gut. Wir haben fantastische Routen wie Lateinamerika, Grönland und die Kanalinseln. Jetzt wird vielen nochmals bewusster, welche Vorteile ein kleines Schiff wie unsere MS HAMBURG bietet.

Fotos: enapress.com, Frank Behling

„Legerer Lifestyle“

Seit etwa zwei Jahren ist VIVA Cruises, ein Tochterunternehmen der Schweizer Reederei Scylla, auf dem deutschen Markt. Die Chefin des jungen Flusskreuzfahrtveranstalters, Andrea Kruse, kann sich derzeit über eine gute Nachfrage für Reisen freuen. Michael Wolf sprach mit ihr über Entwicklung und Ziele.

Seit wann gibt es VIVA Cruises?

Seit dem 1.1.2018. Aber zu diesem Zeitpunkt gab es noch keinen Namen, nur ein Blatt weißes Papier, das gefüllt werden wollte. Eine der Ideen dahinter war, das Gruppengeschäft im Winter, das von den Charterpartnern von Scylla kaum wahrgenommen wurde, in Eigenregie und als eigener Veranstalter weiterzuführen.

Auf der ITB im März 2018 wollten wir die Firma mit einem klaren Konzept vorstellen – und vor allem einen Namen und die ersten Reisedaten.

Wie entstand der Name?

Das Produkt sollte nicht nur deutsch sein, sondern sich auch an das internationale Publikum richten. Also brauchten wir einen entsprechenden Namen. Gleichzeitig wollten wir keine Kundenverschiebung von den Charterern, es sollten neue Gäste sein.

Ich mag einfache Botschaften, nichts Kompliziertes. Es sollte ein Name sein, der in vielen Sprachen einfach zu verstehen und sprechen ist. Meine Überlegung: Wir verkaufen Menschen eine Reise, die für sie eine Auszeit bedeuten, etwas, auf das man sich freuen kann, Lebenslust, Momente, die man genießt. So entstand VIVA, enjoy the moment.

Welche Märkte wollen Sie bedienen?

Benelux, Skandinavien, UK – dort haben wir auch Gruppenpartner – und die USA. Etwa 35% sind 2020 international, 65% kommen aus dem deutschsprachigen Bereich (DACH).

Wie ist die Kommunikation mit den Gästen geregelt?

Andrea Kruse, COO VIVA Cruises, Foto: VIVA Cruises

Die Hauptsprachen sind Deutsch und Englisch, auf unserer Website sind die Preise mittlerweile auch in mehreren Währungen angegeben. Auch die Rechnungen können entsprechend in mehreren Währungen ausgestellt werden. Als Bordsprachen gelten Englisch und Deutsch. Da wir viele Gruppenreisen haben, kann man auch entsprechende Crewmitarbeiter mit Kenntnissen der Gästesprache einsetzen, sie sind international aufgestellt. Auf den Fahrten gibt es keine endlosen Durchsagen in zahllosen Sprachen. Den deutschen Gästen haben wir ja schon zuvor gesagt, dass es ein internationales Produkt ist, die meisten mögen dies besonders.

Wie viele Schiffe haben Sie derzeit und was ist das Alleinstellungsmerkmal von VIVA Cruises?

Wir sind 2020 mit neun Schiffen unterwegs. Sie sind unterschiedlich – einige sind Suitenschiffe, andere haben Zweibettkabinen. Aber der All-Inclusive-Standard ist bei allen auf demselben Level. Der Gast wird überall sofort den VIVA-Stil erkennen.

2021 haben wir neben der Vollpension die komplette Getränkekarte inkludiert. In diesem Jahr gibt es bereits eine umfangreiche Selektion, neben den wechselnden Hausweinen, Bier, Softdrinks, Longdrinks, Aperol Spritz, Kaffeespezialitäten, Tee – da ist für jeden Gast etwas dabei. Wenige Ausnahmen wie Champagner werden berechnet.

Auch die Minibar wird nach Wunsch täglich neu gefüllt. Dazu gibt es in den Badezimmern sehr hochwertige Pflegeprodukte von Rituals, das ist auch ein Teil des VIVA-Stils.

Welche Altersgruppe haben Sie im Fokus?

Menschen kann man heute nicht mehr nach dem Alter einteilen. Lebensfreude, Abenteuerlust und Energie findet man heute bei immer mehr Altersschichten, bei 40-jährigen genauso wie bei 70-jährigen.

Willkommen ist bei uns jeder, der unseren legeren Lifestyle mag und verkörpert. Viele von ihnen wollen bei der Reise Dinge auf eigene Faust unternehmen. Deshalb haben wir eine Zusammenarbeit mit TravelCoup begonnen, bei denen man bestimmte Leistungen wie Museumsbesuche ohne Warteschlangen, Hop-On Hop-Off-Bustouren oder Radverleih unabhängig von uns buchen kann. Sie bieten alles im Ausflugsbereich an, das individuell stattfindet. Unsere eigenen Exkursionen sind immer geführt, bieten eine große Bandbreite vom VW-Bulli-Trip durch die Weinberge mit Verkostungen bis zum Sektempfang auf einem alten Schloss.

Sind die Landausflüge inklusive?

Nein, das ist eines der wenigen Ausnahmen. Sie können entweder vorher online oder an Bord gebucht werden.

Wie ist der derzeitige Altersdurchschnitt der Gäste?

Die Flusskreuzfahrt hatte lange den schlechten Ruf, mit Gästen zu fahren, die altersmäßig nichts anderes mehr machen können. 2019 waren wir zum ersten Mal über die ganze Saison im Einsatz, hatten 5600 Gäste. Dabei stellten wir ein Durchschnittsalter von 62 Jahren fest, das ist sehr positiv.

Gibt es spezielle Angebote für Familien?

Familien sind an Bord willkommen, wir bieten auch Kinderpreise, haben aber sonst keine speziellen Konzepte oder Themenreisen hierfür.

Wie hoch ist der Anteil von Online-Buchern?

Bei uns buchen etwa 14% der Kunden direkt,16% über die großen Online-Anbieter. Die gerade aufgelegten Kurzreisen werden derzeit hier besonders gut gebucht, wir haben da einen richtigen Run.

Welche Ziele sind derzeit im Fokus.

Derzeit – man kann ja nur bei der gegenwärtigen Entwicklung von heute reden – ist es eindeutig Deutschland. Einige Häfen haben sich noch nicht entschieden, ob und wie sie wieder Passagierschiffe willkommen heißen, prinzipiell gibt es ja keine Restriktionen. In Holland ist es ja so, dass in den Häfen nur Flusskreuzfahrtschiffe bis zu 100 Personen, Gäste und Crew zusammengezählt, anlegen dürfen.

Wie sehen bei Ihnen die sanitären Maßnahmen zum Wiederbeginn der Kreuzfahrten aus?

Es gibt ein komplettes Konzept, was wir auch auf unserer Website veröffentlicht haben. Dazu gehört ein Screening der Gäste mit verbindlichem täglichem Fiebermessen (bei der Crew mehrmals täglich), sowie ein Gesundheitsfragebogen. Ein Antikörpertest liefert heutzutage noch zu wenige Informationen, da ist die Körpertemperatur eher verbindlich. Über 38 Grad stimmt was nicht. Dazu natürlich tägliche Desinfektionsmaßnahmen von Geländern u.a.. Die öffentlichen Toiletten bleiben zunächst geschlossen. Es wird keine Buffets geben, sondern der Gast am Tisch bedient. In den Restaurants haben wir die Tische entzerrt, einige Plexiglaswände als Trennung einbauen lassen. Die Gänge zu den Kabinen sind nur in einer Richtung begehbar. In den öffentlichen Bereichen herrscht Maskenpflicht, nur in den Restaurants und der Lounge für die Gäste nicht. Für die Crew ist die Maskenpflicht überall obligatorisch. Wir haben uns da an die Regeln der DEHOGA angelehnt. Die Teilnehmerzahl bei Ausflügen wird auf 8-12 Gäste statt üblicherweise bis zu 20 reduziert, außerdem gibt es die kabellosen Audiogeräte. Das sind natürlich alles Kompromisse, aber wir sind trotzdem froh, dass es endlich los geht. Gäste, die die Maßnahmen nicht respektieren, werden von Bord verwiesen, das muss klar sein.

Wann geht die erste Fahrt los?

Am 26. Juni geht es mit der frisch renovierten VIVA TIARA von Düsseldorf aus los nach Passau, das wird sozusagen ihre Jungfernfahrt.

Was ist Ihr gegenwärtige Tagespreis?

Die Schiffe sind unterschiedlich, wir haben ja auch Suitenschiffe. Bei der VIVA TIARA ist es ein Tagespreis von 199€ all inclusive.

Wie ist jetzt die Buchungsentwicklung?

Wir haben unsere bereits gebuchten Kunden alle persönlich angerufen und konnten 40 Prozent von ihnen umbuchen auf spätere Reisen.Die Leute wollen wieder reisen, auch 2021 ist gut gebucht, unser Katalog ist seit der ITB, die nicht stattfand, fertig. Den konnten wir den Kunden dann gleich senden. Aber es haben auch viele auf Oktober und November diesen Jahres umgebucht. Wenn man die Passagierzahlen der stornierten Reisen herausrechnen, kommen wir immer noch auf eine Zahl von 8000 bis 8500 Gästen dieses Jahr, das ist eine sehr gute Entwicklung. Werden sich die Dinge wieder normalisieren, sollten wir 2021 dann etwa auf 15.000 Passagiere kommen. Dazu wird auch die VIVA ONE beitragen – es ist der erste eigene Neubau für VIVA Cruises und kommt im Juni nächsten Jahres.

Foto: VIVA Cruises

Interviews

Interview mit Michael Ungerer

(CEO Explora Journeys)

(18.03.2022)

Interview mit Lars Clasen

(CEO Cruise Saudi)

(18.03.2022)

Interview mit Robert Straubhaar

(CEO UNITED RIVERS)

(18.02.2022)

Interview mit Christian Verhounig

(CEO Ambassador Cruise Line)

(11.02.2022)

Interview mit Dr. Ing. Alexander Badrow

(Oberbürgermeister Stralsund)

(28.01.2022)

Interview mit Robert Kellerhals

Culinary Director AmaWaterways

(03.12.2021)

Interview mit Stephan Frei

Geschäftsführer Reisebüro Mittelthurgau

(30.10.2021)

Interview mit Hermann Helguson

Expeditionsleiter bei Iceland ProCruises

(15.10.2021)

Interview mit Jo Rzymowska

Vice President & Managing Director EMEA Celebrity Cruises

(08.10.2021)

Interview mit Hervé Bellaiche

Directeur General Adjoint Ponant

(03.10.2021)

Interview mit Carlo Micallef

Deputy CEO & Chief Marketing Officer Malta Tourism Authority

(24.09.2021)

Interview mit Jack Anderson

CEO von Crystal Cruises

(19.09.2021)

Interview mit Kristin Karst

EVP und Co-Owner von AmaWaterways

(10.09.2021)

Interview mit Benjamin Krumpen

Geschäftsführer Phoenix Reisen

(06.08.2021)

Interview mit Chris Theophilides

CEO Celestyal Cruises

(06.08.2021)

Interview Benjamin Krumpen

Geschäftsführer Phoenix Reisen

(18.06.2021)

Interview Guido Laukamp

Managing Director nicko cruises

(18.06.2021)

Interview Robert Straubhaar

Präsident und CEO UNITED RIVERS

(04.06.2021)

Interview Maik A. Schlüter

Business Development Director DACH Oceania Cruises

(28.05.2021)

Interview Felix Eichhorn

Präsident AIDA Cruises

(22.05.2021)

Interview Inge Tangerås

Managing Director von Cruise Norway

(07.05.2021)

Interview Nico Bleichrodt

VP International Sales von Holland America Line und Kontinental-Europa Managing Director von Seabourn

(30.04.2021)

Interview Benjamin Krumpen

Geschäftsführer Phoenix Reisen

(23.04.2021)

Interview Andrea Zito

CEO Swan Hellenic

(16.04.2021)

Interview Jack Anderson

CEO und Interimspräsident Crystal Cruises

(10.04.2021)

Interview Pierfrancesco Vago

Executive Chairman von MSC & Chairman Cruise Lines International Association (CLIA)

(26.03.2021)

Interview Klaus Vollmer

Business Director Maritime Solutions von Lufthansa Industry Solutions

(19.03.2021)

Interview Hervé Bellaiche

Directeur Général Adjoint, Commercial, Marketing & Communication PONANT

(12.03.2021)

Interview Kristin Karst

Co-Owner und EVP von AmaWaterways

(05.03.2021)

Interview Prof. Dr. Antje Boetius

Leiterin Alfred-Wegener-Institut

(26.02.2021)

Interview mit John Waggoner

CEO American Queen Steamboat Company

(19.02.2021)

Interview mit Christine Beine

Geschäftsführerin Hamburg Cruise Net

(12.02.2021)

Interview mit Christian Hein

MSC Kreuzfahrten-Deutschland-Geschäftsführer

(05.02.2021)

Interview mit Carol Cabezas

Präsidentin Azamara

(29.01.2021)

Interview mit Hana Abou Merhi

COO Abou Merhi Cruises

(22.01.2021)

Interview mit Jürgen Kutzer

Inhaber und Geschäftsführer Aviation & Tourism International

(08.01.2021)

Interview mit Robert Liersch

Geschäftsführer M’Ocean

(18.12.2020)

Interview mit Michael Goh

Präsident Dream Cruises

(07.12.2020)

Interview mit Andreas Nüssel

Managing Director EMEA Silversea Cruises

(04.12.2020)

Interview mit Kristin Karst

Co-Owner und EVP von AmaWaterways

(20.11.2020)

Interview mit Dr. Ralf Meyer

Geschäftsführer von „Erlebnis Bremerhaven“

(06.11.2020)

Interview mit Stuart R. McQuaker

CEO Tradewind Voyages

(30.10.2020)

Interview mit Simone Maraschi

Managing Director Cruise Gate Hamburg

(23.10.2020)

Interview mit Walter Littlejohn III

VP & Managing Director Crystal River Cruises

(16.10.2020)

Interview mit Benjamin Krumpen

Geschäftsführer Phoenix Reisen GmbH

(09.10.2020)

Interview mit Robert Straubhaar

CEO & Chairman United Rivers

(25.09.2020)

Interview mit Arild Myrvoll

Havila Voyages CEO

(18.09.2020)

Interview mit Stephan Frei

Geschäftsführer Reisebüro Mittelthurgau

(04.09.2020)

Interview mit Anja Tabarelli

Deutschland-Chefin, Director Sales & Marketing von Cunard Line

(28.08.2020)

Interview mit Dr. Jörg Rudolph

Geschäftsführer Costa Kreuzfahrten Deutschland

(21.08.2020)

Interview mit Christine Fäth-Schubert

Geschäftsführerin von kreuzfahrten.de

(14.08.2020)

Interview mit Kristin Karst

Co-Owner und EVP von AmaWaterways

(07.08.2020)

Interview mit Andrea Zito

CEO Swan Hellenic

(24.07.2020)

Interview mit Jörg Eichler

Geschäftsführer A-ROSA Flussschiff

(17.07.2020)

Interview mit Cornelia Gemperle

(Geschäftsführerin Kuoni Cruises)

17.07.2020

Interview mit Guido Laukamp

(Geschäftsführer nicko cruises Schiffsreisen)

10.07.2020

Interview mit Oliver Steuber

(Geschäftsführer Plantours Kreuzfahrten)

26.06.2020

Interview mit Rolf Löhrke

(Geschäftsführer Star Clippers Kreuzfahrten GmbH)

19.06.2020

Interview mit Jennifer Summer (Autorin)

(19.06.2020)

„Wir starten neu“

Über die Pläne und Ziele der Luxusreederei SEADREAM Yacht Club sprach Michael Wolf mit Präsident Robert Lepisto.

Wann will SEADREAM wieder starten?

Seit heute wissen wir, dass wir ab dem 20. Juni wieder Fahrten mit der SEADREAM I innerhalb Norwegens anbieten werden. Das betrifft am Anfang vor allem norwegische Gäste, nach der Beendigung der europäischen Reiserestriktionen auch deutsche Passagiere. SEADREAM II liegt derzeit in Lissabon, sobald die Genehmigungen vorliegen, werden wir Reisen im Mittelmeer anbieten. Vor der Pandemie waren wir einer der Anbieter, die in der Karibik am längsten Kreuzfahrten getätigt haben. Und es gab nicht einen einzigen Fall von Erkrankungen an Bord.

Robert W. Lepisto, President SEADREAM Yacht Club, Foto: enapress.com

Warum wurde der Neubau SEADREAM INNOVATION gecancelt?

Wir haben uns gemeinsam mit der Werft entschlossen, dieses Neubauprojekt für SEADREAM nicht durchzuführen. Beide Seiten sind aber offen für mögliche zukünftige Projekte und Zusammenarbeit.

Wann finden die nächsten Refits für die SEADREAM I und II statt?

Die SEADREAM II wird im Herbst dieses Jahres voraussichtlich in Lissabon ins Trockendock gehen. Dabei werden die üblichen Arbeiten zur Instandhaltung durchgeführt, die alle zwei Jahre stattfinden. Also Arbeiten an den Tanks, elektrischen Systemen, Maschinen etc.. Der Rumpf wird sandgestrahlt und neu gestrichen, innen werden diverse neue Teppiche gelegt und Möbel erneuert und allgemeine Reparaturen durchgeführt. Während der Corona-Pause hat unsere Crew schon einen signifikanten Teil davon begonnen. Die Schiffe sind ja, wie Sie wissen in einem exzellenten Zustand. Im Frühling 2021 geht dann die SEADREAM I für ca. 19 Tage ins Drydock.

Ihre Maßnahmen für neue Reisen?

Beim Essen zum Beispiel wird in unserem Fall sicher alles auf dem Teller serviert. Anfangs wird alles limitiert, was die Buffets betrifft. Aber wir hatten bereits zuvor strikte Regeln, um die Sicherheit von Crew und Gästen zu sicherzustellen.

Dazu gehören zum Beispiel das ständige Säubern und Desinfizieren der Außenbereiche, dort wo Essen serviert wird, die Geländer auch im Treppenbereich oder eigene Wasser-Flaschen für Gäste – auch um Plastik zu vermeiden.

SEADREAM II, Foto: enapress.com

Nächstes Jahr wird SEADREAM 20.

Wir sind derzeit mit anderen Dingen beschäftigt. Aber wir werden ihn auf spezielle, tolle Weise feiern. Und das zusammen mit unserer Crewmitgliedern – sie sind wie eine große Familie, auch für unsere Gäste. Ich freue mich schon wieder auf die Gäste-Fragebögen von den Reisen – sie loben unsere Crew auf eine herzliche Art.

Was ist Ihre Definition von Luxus?

Gerade im Luxusbereich muss man akzeptieren, dass Menschen unterschiedlich sind. Jeder hat andere Ansichten, was für sie persönlich Luxus definiert. Das Erlebnis muss die Bedürfnisse der jeweiligen Gäste ansprechen. Und wir bieten die Flexibilität, genau das den Gästen anbieten zu können.

Es wird aber auch eine neue Definition von Luxus geben. Für viele gehört heute Nachhaltigkeit und Respekt für die Umwelt zum Luxus. Früher waren es Designer-Kleider oder die Glitzer- und Glamour-Marken und die klassischen Luxuslabel wie Tiffany, heute sehen immer mehr Leute andere Herausforderungen in diesem Bereich als das, was wir in der Vergangenheit erlebt haben.

Also ist alles bereit für den Neustart?

Genau! Ich denke, dass branchenweit die Leute, die zuvor mit Schiffen unterwegs waren, wiederkommen werden, sogar sehr schnell meiner Meinung nach. Es wird anfangs allerdings schwerer werden, Erstkreuzfahrer auf die Schiffe zu holen.

Die Industrie wird einen Wiederaufschwung erleben, vor allem SEADREAM. Schon von der Größe der Schiffe her. Unser Slogan heißt nicht umsonst: It‘s yachting, not cruising.

Interview: Michael Wolf, Fotos: enapress.com

Das Ziel ist „touchless“

Bessere Hygienemaßnahmen auf Kreuzfahrtschiffen sind eine der Haupt-Voraussetzungen, um sanitäre Krisen zu vermeiden. Michael Wolf sprach mit Arno Ahrens, Sales Director Cruise der Firma Steripower, Spezialist für Handdesinfektion.

MW: Das Corona-Virus hat die Kreuzfahrtbranche durchgerüttelt. Bei vielen Zulieferern herrscht Stillstand. Wie sieht es bei Ihnen aus?

AA: Im Cruise-Bereich ist Stillstand, aber wir haben uns in den letzten sechs Wochen eine zweite Produktion im Münsterland aufgebaut, von der wir z. B. den Lebensmittelhandel oder Arztpraxen und Krankenhäuser beliefern können, hier werden bis zu 1000 Geräte am Tag gebaut. Für die Schiffe gibt es aber auch täglich Anfragen, was wir an Desinfektionsmitteln vorrätig haben oder sofort liefern können, und welche neuen Möglichkeiten zur Desinfektion es gibt.

MW: Sie kümmern sich aber auch um etliche Neubauten.

AA: Nächste Woche gehe ich nach Rotterdam, um Geräte auf der neuen Silver Origin zu installieren. Auch bei Viking Cruises Lines und RCCL laufen die Vorbereitungen auf vollen Touren, um mit den Fahrten wieder zu beginnen. Hier sollen die Desinfektionsgeräte teilweise um 20 Prozent aufgestockt werden, um die Gäste gesund an und von Bord zu bekommen.

Arno Ahrens, Sales Director Cruise bei Steripower

MW: Was kann man heute noch im Einzelnen tun, um die hygienischen Maßnahmen an Bord weiter zu verbessern?

AA: Wir sind gerade dabei, für die öffentlichen Toiletten an Bord Komplett-Einheiten zu entwickeln, die Desinfektionsgeräte, Feuchttücher und einen Mülleimer haben, sowie eine automatische Türöffnung ohne Berührung ermöglichen. Wir haben diese Art von Technik bereits seit Jahren auf den TUI-Schiffen im Einsatz. Bereits nächste Woche werden wir bei verschiedenen Reedereien Gespräche führen mit unseren neuen Partner Almaco der im Schiffsbau führend ist. Weiterhin bieten wir den Reedereien personalisierte Handsprays zum Mitnehmen für die Gäste auf Exkursionen an.

MW: Wie sind die Vorgaben der Reedereien in Sachen Hygiene?

AA: Die möchten ganz klar mehr „touchless“ auf dem Schiff werden, Berührungen sollen so oft wie möglich vermieden werden. Zum anderen wollen die Reedereien natürlich eine Garantie bekommen, dass die Mittel auch ihren Zweck erfüllen, also Viren vernichten. Es gibt bei Mitbewerbern von uns in der letzten Zeit wohl einige Lieferschwierigkeiten, weil deren Desinfektionsmittel in Asien hergestellt werden. Wir produzieren dies in Deutschland und füllen dies sogar seit Anfang des Jahres in Gebinden „No More Plastic“ ab. Durch unsere intensive Zusammenarbeit mit Sea Chefs und TUI Cruises haben wir es in den letzten Jahren geschafft, den Standard für Handhygiene entscheidend zu verbessern.

Große Bandbreite: Handdesinfektionsmittel für die Gäste, Foto: Steripower

MW: Welche Kriterien verlangen die Reedereien von den Desinfektionsmitteln, was muss es können?

AA: Man sagt, es sollte in kürzester Zeit, also 15-30 Sekunden je nach Mittel, das Norovirus töten. Mittlerweile kommen auch noch andere gefährlichen Viren wie Corona hinzu. Deshalb habe ich bei einem Labor eine Prüfung unseres Mittels mit Zertifikat beantragt, das klar über die Geschwindigkeit und Verlässlichkeit der Virenabtötung Auskunft gibt. Das wurde uns heute (8.5.) auch bestätigt.

MW: Welche Mengen an Desinfektionsmitteln benötigt man eigentlich pro Tag und Passagier, um einen guten Schutz zu gewährleisten?

AA: Wir gehen davon aus, dass ein Gast an Bord sich etwa 6-8 Mal pro Tag die Hände desinfiziert. Also vor jeden Gang zum Essen und nach den Landgängen oder der Benutzung der Sanitär-Anlagen sollte Pflicht sein. In den Toiletten sollte man sich die Hände waschen und dann desinfizieren. Leider wird das immer noch viel zu häufig nicht gemacht. Nach den Erfahrungen der letzten Monate wird das Verständnis für gute Handhygiene sich hoffentlich bei vielen ändern. Die minimale Menge ist 0,5 Milliliter pro Tag und Gast, bei TUI Cruises sind es z. B. 1 Milliliter oder mehr pro Pumpeinheit Sprühstoß. Die entsprechenden Geräte stehen fast überall, auch in der Crew Area oder dem Maschinenkontrollraum.

MW: Wie viele Geräte gibt es etwa an Bord eines großen Schiffes?

AA: Zum Beispiel bei TUI Cruises 120 bis 160 Aufsteller mit Geräten.

MW: Ihre Prognose: Wann geht die Kreuzfahrt wieder richtig los?

AA: Wenn unsere Regierung sagt, bis zum 31. August dürfen keine Großveranstaltungen stattfinden, dann muss man klar sagen, dass eine Cruise auf einem großen Schiff darunterfällt. Aber wir müssen abwarten, was die Vorgabe von CDC (Centers for Disease Control and Prevention, US-Behörde, Anmerkung der Red.) ist, denn die haben ja ein 100 tägiges Fahrverbot erlassen. Wenn das Herbstgeschäft vielleicht ab September noch mitgenommen werden kann, wäre das Grund zur Freude. Es gibt bereits auch Überlegungen, erst mit kleineren Schiffen zu starten.

Fotos: Steripower, enapress.com (1)

„Taufe auf den Kanaren“

Zur Verspätung der Sea Cloud Spirit und neuen Destinationen sprach Michael Wolf mit dem Geschäftsführer von Sea Cloud Cruises, Daniel Schäfer.

MW: Warum hat sich die Ablieferung der Sea Cloud Spirit verzögert?

DS: In der spanischen Werft war wegen der Ausgangssperre mehrere Wochen lang kompletter Arbeitsstopp. Unser vorab eingebauter zeitlicher Puffer ist jetzt aufgebraucht. Wir wissen noch nicht genau, wann das Schiff fertig wird. Auch die Werft kann das nicht endgültig sagen, weil sie derzeit nicht weiß, wie sich die Einreisebeschränkungen der europäischen Zulieferer entwickeln werden.

MW: Gibt es ein grobes Zeitfenster?

DS: Wir werden im Sommer nähere Informationen bekommen, planen aber den Start auf Ende des Jahres.

MW: Was muss jetzt noch am Schiff gemacht werden?

DS: Das sind die gesamten Rigg-Arbeiten. Die Masten konnten noch angeliefert werden, nur die hierfür spezialisierten Arbeiter konnten nicht mehr anreisen. Mit der Maststellung wird dann sobald wie möglich begonnen, die Arbeiten werden etwa drei Monate dauern. Parallel wird der Innenausbau finalisiert. Wenn die Masten gestellt sind, können die Maschinen angeworfen werden – der hintere Mast dient auch als Auspuffteil. Dann wird noch die Technik optimiert. Natürlich ist es schwierig, nicht sagen zu können, wann es definitiv losgeht, wir wollen aber mit offenen Karten spielen.

SEA CLOUD SPIRIT, Foto: Sea Cloud Cruises

MW: Die ersten Reisen sollen aber dann zu den Kanaren gehen, und nicht in die Karibik wie ursprünglich geplant?

DS: Das ist richtig. Wir haben mit der Werft besprochen, dass das Schiff auf den Kanaren getauft wird, hier soll auch die Einführungs- und Jungfernfahrt stattfinden. Dort bleiben wir bis April, können danach in unser bereits veröffentlichtes Programm direkt einsteigen.

MW: Wie sehen die Buchungen für 2021 aus?

DS: Wir haben diverse Umbuchungen bekommen, es stehen aber immer noch eine ganze Reihe Buchungen für 2020 im System. Da warten die Gäste auf die weitere Entwicklung. Wir erleben ganz aktuell einen Anstieg der Nachfrage für 2021, es geht also langsam wieder los. Für 2021 gibt es aber dennoch genügend Platz – das wird bei anderen nicht anders sein.

MW: Wann kommt der neue Katalog?

DS: Wahrscheinlich schon Anfang Juni. Bis dahin hoffe ich auch, das konkrete Programm für die Kanaren zu haben. Wir sondieren jetzt auch im Vertrieb, wer diese Reisen am besten anbieten kann, wer die Kapazität, Lust und Möglichkeiten hat, diese zu vermarkten. Reisen zu den Kanaren in diesem Winter sind wahrscheinlich sehr gut, weil sicherlich einige Gäste jetzt nicht so lang fliegen wollen. Und für diejenigen, die Fernweh verspüren, sind die beiden anderen Schiffe ja weiterhin in der Karibik. So haben wir die Bandbreite unseres Winterprogramms erweitert.

MW: In diesen Tagen berichten etliche Medien über die Schattenseiten der Kreuzfahrt. Haben Segler bessere Chancen…

DS: Auf jeden Fall. Ich glaube auch, dass es die klassischen Kreuzfahrer in nächster Zeit sehr schwer haben werden allein aufgrund der Größe der Schiffe. Die Bilder, die von den Schiffen in Quarantäne um die Welt gingen, haben sich in den Köpfen der Menschen eingebrannt. Da haben wir es mit unseren kleinen Schiffen wesentlich einfacher. Das Gesetz der großen Zahl erschlägt da etliches. Und wenn das Thema Corona wieder abflaut und die Themen Klimaschutz und Nachhaltigkeit wieder akut werden, da stehen wir natürlich wieder ganz weit vorn. Auch Krisen sind auf kleinen Schiffen leichter zu handeln: Unsere Gäste sind nach dem Ausbruch innerhalb von drei Tagen wieder zu Hause gewesen, ein großer Teil der Crew etwas später. Wir haben zu fünft innerhalb eines Tages sämtliche Flüge und Transfers organisiert, das wäre für ein Schiff mit mehreren hundert Personen technisch gar nicht möglich gewesen.

MW: Wo liegen die beiden Schiffe jetzt?

DS: Auf den Kanaren, Santa Catalina.

MW: Wird es nach der Krise konkrete Änderungen auf den Schiffen geben?

DS: Wir haben uns natürliches einiges überlegt, schon auch um etwaigen Auflagen entsprechen zu können. Wenn es um die Änderungen von Buffets geht, ist dies sicher am einfachsten durch Service am Tisch zu realisieren oder mit klassischen Dinners. Bei uns findet auch vieles open-air statt, das ist sicherlich hilfreich. Konkret haben wir aber derzeit noch nichts beschlossen.

MW: Ihre persönliche Prognose: Wann wird sich die Kreuzfahrt wieder öffnen?

DS: Wir können grds. mit 2 – 4 Wochen Vorlauf starten und beobachten die weitere Entwicklung. Für das Neugeschäft konzentrieren wir uns derzeit auf das 4. Quartal. Es gibt aber auch Szenarien, die von April 2021 ausgehen.

MW: Die Highlights aus dem nächsten Katalog?

DS: Kanaren im Winter, das haben wir noch nie zuvor gemacht. Das wird gut funktionieren. Es kommt wieder die Zeit, wo man sich wieder besinnt, auf das, was zählt im Leben. Das können auch einfache Dinge sein. Wir haben uns immer auf gute Qualität konzentriert und sind dem Modernitätswahnsinn und dem Streben nach immer mehr und immer größer nicht verfallen. Deswegen ist unser Produkt so zeitlos und modern wie nie zuvor. Viele Leute kommen jetzt wieder auf den Boden und erkennen, dass man so nicht weitermachen kann. Wie lange das anhält, weiß ich nicht. Dieser Wahnsinn muss schon aus klimatischen Gründen aufhören.

Katalog: www.seacloud.com

Stapellauf der SEA CLOUD SPIRIT

Video: Sea Cloud Cruises, Fotos: Sea Cloud Cruises (2), enapress.com (2)