Kategorie: Magazin 01/2021

Segler-Fest in Bremerhaven

Darauf freuen sich alle Schiffsliebhaber und Sehleute: die „lütte Sail“. Die Vorbereitungen für das maritime Fest in der Seestadt laufen weiter. Im August nehmen zahlreiche Schiffe aus Nah und Fern Kurs auf Bremerhaven. Vom 11. bis 15. August 2021 säumen sie die Kajen Bremerhavens und laden zur Besichtigung ein.
Flaggschiff der „lütte Sail“ wird die Alexander von Humboldt II sein, der markante Dreimaster mit den grünen Segeln, mit Heimathafen Bremerhaven. Ein Ja gab es auch von der Nao Victoria aus Spanien. Die 1991 gebaute Replik lässt das 1519 vom Stapel gelaufene Original wiederauferstehen und erinnert damit an die erste Weltumseglung von 1519 bis 1522 unter Ferdinand Magellan, dem damit die seinerzeit größte maritime Leistung gelang.

Foto: Helmut Gross/Erlebnis Bremerhaven

Das wuchtige Piratenschiff El Galéon sorgte wegen seines Aussehens bereits 2018 für Furore in Bremerhaven und wird 2021 ebenfalls dort erwartet. Der Dreimaster aus dunklem Holz scheint uralt, doch das Schiff ist die Replik des Typs, der unter der spanischen Krone vom 16. bis 18. Jahrhundert als Handelsschiff gesegelt ist. Es wurde erst 2009 in der südwestspanischen Hafenstadt Huelva erbaut.

Liebhaber historischer Schiffstypen bekommen auch bei der Earl of Pembroke glänzende Augen. Der englische Dreimaster ist ein Nachbau der berühmten Endeavour, mit der James Cook als englischer Entdecker 1770 Australien anlief. Bei Open Ship werden die Besucher auf den Spuren von Tom Hanks oder Halle Berry spazieren, die auf den Planken einen „Alice im Wunderland“-Film drehten.

Oft und gern gesehener Gast ist auch die Christian Radich aus Norwegen. Bereits 1937 lief sie vom Stapel und nur zwei Jahre später fand ihre erst Transatlantiküberfahrt nach New York statt. Auf dem majestätischen Windjammer werden seit jeher junge Trainees zu Seeleuten ausgebildet.


Mit dabei sein wird auch die Pogoria. 1980 in Gdansk gebaut, nahm die Barkentine am Tall Ship Race 1980 in der A-Klasse, der größten Segelschiffe der Welt, teil. Beide Wettfahrten dieser Regatta beendete das Schiff als erstes in seiner Klasse und erhielt den inoffiziellen Titel des „schnellsten Segelschiffes“. Sie wurde für Jugendliche vom Verein der „Eisernen Schäkel“ gebaut. Diese Einrichtung hilft Jugendlichen aus ganz Polen, sich mit dem Meer vertraut zu machen. Die vier gekreuzten Schäkel auf dem Rahsegel sind ihr Wahrzeichen.

Foto: Stiftelsen Christian Radich


Großer Nachfrage erfreuen sich schon jetzt die buchbaren Törns mit den Dreimast-Topsegelschonern Hendrika Bartelds und Swaensborgh und den Zweimast-Schonern Twister, Zephyr und Zuiderzee. Gäste wählen zwischen Törns zur Einlaufparade, einem Halbtagestörn hinaus auf die Weser oder einer abendlichen Fahrt zum Feuerwerk.


Täglich gibt es ein buntes Rahmenprogramm für die ganze­ Familie an Land und auf dem Wasser sowie Open Ship auf verschiedenen Schiffen. Zu den musikalischen Highlights gehören die Open-Air-Konzerte von Revolverheld (12.8.), Ben Zucker (13.8.) und Sarah Connor (14.8.).

Dr. Ralf Meyer, Geschäftsführer der Erlebnis Bremerhaven GmbH. Foto: enapress.com

Auf welches Schiff freuen Sie sich persönlich am meisten, Dr. Meyer?
Wir freuen uns natürlich über jedes Schiff, das wir zur „lütten Sail“ in Bremerhaven begrüßen dürfen. Besonders freue ich mich aber auf unser Flaggschiff Alexander von Humboldt II und auf die Earl of Pembroke.

Nachdem die Sail Bremerhaven 2020 im letzten Jahr abgesagt werden musste – was werden Sie als erstes auf der „lütten Sail“ 2021 tun?
Als aller erstes möchte ich die Freude der Gäste und meines Teams miterleben, die aufkommt, wenn die wundervollen Schiffe in die Häfen einlaufen, womit auch der Tourismus wieder an Fahrt aufnimmt.

Was wünschen Sie den Seeleuten und den Sehleuten für die Windjammerveranstaltung vom 11. bis 15. August 2021?
Wir wünschen uns, das wir nach der langen Phase der Pandemie ein friedliches Fest erleben und vor allem Gesundheit für alle Seeleute und Sehleute.

Segelabenteuer in der Karibik

Ankommen auf diesem Schiff ist wie die Rückkehr zu einer Familie, die man mal eben aus dem Auge verloren hat. Winzig klein liegt sie zwischen den vier Megaschiffen im Hafenbecken von Bridgetown – und doch ist die Sea Cloud die eigentliche Königin, findet Michael Wolf.

Der Empfang an der Gangway ist herzlich wie immer – Simon, der polnische Hoteldirektor, ist seit 35 Jahren auf diesem Schiff zu Hause und kennt jeden (wiederkehrenden) Gast.
Schlüssel? Braucht man auf diesem Schiff nicht, versichert Danny, der philippinische Steward, auch seit langem dabei. Es gäbe sie zwar, aber es benutze sie keiner. Und nach einem Fernseher habe noch nie ein Gast gefragt, fügt er lächelnd hinzu. Dafür steht die gekühlte Flasche Champagner der exzellenten Hausmarke Drappier bereit. Daneben seit kurzem auch zwei metallene nachfüllbare Trinkwasserflaschen – damit hat auf der Sea Cloud das Ende der Plastik-Ära begonnen.

Auf diesem Schiff ist alles anders, atmet alles Geschichte. Die langen Holzdecks mit ihren bequemen Liegestühlen, der Luxus der Bibliothek und des getäfelten Restaurants.
Die Sea Cloud hat auch heute noch diesen Esprit einer Privatyacht, der die internationalen Gäste meist schnell zueinander bringt, der persönliche Gespräche und Austausch wieder aufleben lässt.
Den Menschen, die man nicht unmittelbar ins Herz geschlossen hat, kann man allerdings auch bei dieser Schiffsgröße schlecht entkommen – zum Glück eine seltene Ausnahme.

Bewegte Fahrt
Der russische Kapitän Sergey Komakin sieht am ersten Reisetag beim Wetterbriefing auf dem Lidodeck in gespannte Gesichter der Gäste. Denn Wind und Wellen hatten die Sea Cloud in der Nacht gut durchgeschaukelt. Zwar ist es jetzt ruhig, doch die Großwetterlage soll nach einer Ruhepause wieder starke Winde und Strömungen bringen. Schiffsarzt Dr. Thomas Titgemeyer, ein begeisterter und guter Hobbyfotograf, hat auf jeden Fall einiges auf dieser Fahrt zu tun.
Dem Kapitän, der von der Krim kommt, kann dieses Wetter nicht imponieren. „Nur auf Segelschiffen kann man eben die Natur fühlen“ meint, heute vielleicht etwas zweideutig. Er bringt beste Erfahrungen mit: ein Onkel bei der Marine, jahrelange Ausbildung bei der Maritimen Hochschule und auf Segelschulschiffen, darunter die bekannte Khersones. Stolz ist er zu Recht auf einen Rekord: 2019 gelang es ihm, während einer Atlantiküberquerung von den Kapverden nach Santo Domingo 2305 Seemeilen nur mit Segeln zu fahren, also über 80% der Strecke ohne Motor.

Die zweite Offizierin Catarina Domingos Viegas hat ebenfalls beste Segelerfahrung. Sie lernte auf dem portugiesischen Viermast-Schoner und Schulschiff Santa Maria Manuela. Die Portugiesin kennt bereits die Sea Cloud-Familie, war bereits mehrfach auf der Sea Cloud 2 eingesetzt.

Über 54 Meter ragt der Hauptmast über Deck, 30 Segel mit 3000 Quadratmeter Segelfläche bieten dem Wind beste „Angriffsfläche“. Fast täglich werden etliche von ihnen, je nach Wetterlage, gesetzt.
Der armenische Bootsmann Mamikon hat seine Crew fest im Griff – wieselflink steigen die Matrosen in die Höhe, während an Deck auch die Gäste bei den Aktionen helfen dürfen. Die Matrosen stammen oft aus typischen Seefahrernationen wie den Philippinen oder Malta.

In dieser Männerwelt gibt es auch zwei junge Frauen, die als Deckhand arbeiten und ihre Ausbildung machen: Sara aus Brasilien und Ana Lucia aus Portugal. „Du bist nicht stark genug“ hören wir oft sagen sie. Aber das motiviert doppelt. Die Entschädigung: „Hoch oben auf dem Hauptmast ist es unglaublich: der Blick, diese Freiheit!“

Die Crew
Die angenehme melodische Stimme, die über die Bordlautsprecher die News durchsagt, die Planungen bekannt gibt, Änderungen verkündet oder morgens die letzten Langschläfer weckt, gehört zu Tanja Sauer. Die Stimme kommt aus Fulda – mit ihren 29 Jahren verfügt die junge Frau mit den hellblonden Haaren, meist als Pferdeschwanz gebunden, bereits über einige Erfahrungen im Cruise-Bereich. Nach ihrem Tourismus-Management-Studium jobbte sie als Scout bei Aida, arbeitete später als Cruise Directorin auf der Royal Clipper.
Sie ist es gewohnt, wie fast jeder von der Crew, mit anzupacken. Beim Einholen der Segel wie auch beim Restaurantservice. In ihren Ruhepausen sieht man sie häufig auf der Holzbank neben der Brücke, den Blick aufs Meer gerichtet. „Jeder Tag ist anders.“, sagt sie. „Die Luft, die See, die Vögel, die Lebensqualität. Dieses Leben macht einfach süchtig.“…

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Fotos: enapress.com

Deutschlands Kreuzfahrtklassiker

Wenn die Ocean Majesty im Frühsommer 2021, nach über einem Jahr Zwangspause durch die Corona-Krise, wieder in See sticht, dann ist es bereits die neunte Saison unter der Flagge des Stuttgarter Familienunternehmens Hansa Touristik. MS Ocean Majesty ist dann einer der ganz wenigen, noch verbliebenen Kreuzfahrtklassiker in Deutschland. Oliver Asmussen berichtet.

Kreuzfahrten beginnen meist in größeren Häfen, in denen die kleine Lady zwischen den riesigen Megalinern kaum auszumachen ist. Hat man die Ocean Majesty aber entdeckt, dann kann man seinen Blick nur noch schwer von ihr abwenden. Die geschwungene Rumpfform und die harmonischen Proportionen begeistern nicht nur Liebhaber klassischer Kreuzfahrtschiffe.

Was aber macht die Ocean Majesty nun so besonders? Immerhin gibt es ja inzwischen auch zahlreiche neue, kleinere Kreuzfahrtschiffe, die mit spektakulären Features wie U-Booten, Glasfenstern unterhalb der Wasserlinie, Jet Skis und Glasbalkonen um Kunden werben. Zunächst muss man festhalten, dass die Ocean Majesty kein Expeditionskreuzfahrtschiff ist, sondern Kreuzfahrten im kleinen Kreis anbietet. Maximal 500 Passagiere kommen in den Genuss, nicht nur über gepflegte Teakdecks zu flanieren, sondern insbesondere ausgefallene Routen abseits des Mainstreams zu bereisen.

Aber damit nicht genug, denn dieser Kreuzfahrtklassiker hat noch viel mehr zu bieten und spricht nicht nur die Altersgruppe der Best Ager an. Auch Individualisten und erfahrene Kreuzfahrer können sich dem maritimen Charme dieses besonderen Schiffes sowie den Routen, die befahren werden, kaum entziehen.

MS Ocean Majesty regelmäßig renoviert
Das Alter von 55 Jahren lässt sich bei der 136m langen und 10.417 BRZ großen MS Ocean Majesty allenfalls an der äußeren Form erkennen oder bei einem Gang durch die Kabinengänge. Diese sind nämlich von Bug bis Heck leicht gewölbt (man nennt dies „Sprung“), so dass man nicht gerade durch die Gänge hindurch schauen kann. Die Reederei Majestic Cruises sowie Hansa Touristik in Stuttgart haben in den letzten Jahren viele Millionen Euro in ihren Kreuzfahrtklassiker gesteckt und diesen fortlaufend renoviert sowie modernisiert. Die Form der Ocean Majesty erinnert an die schönen Oceanliner vergangener Tage. Wer der Meinung ist, dass das familiäre Kreuzfahrtschiff seine besten Tage bereits hinter sich hat, der wird an Bord schon nach wenigen Minuten sehr positiv überrascht sein. In den vergangenen Jahren wurden nicht nur die Kabinen sondern auch die große Majestic Lounge, der Lido Garden und die Außenbereiche renoviert. Darüber hinaus ist laufend in die Maschinenanlage und in die Satellitentechnik investiert worden. Sogar das WLAN-Netz an Bord ist recht flott. MS Ocean Majesty hält im Zusammenhang mit den Investitionen in die Maschinenanlage alle Emissionsgrenzwerte ein und hat somit die Zertifizierungen für das Befahren der arktischen Gewässer, sowie der UNESCO geschützten Fjorde wie des Geiranger- und Sognefjords erhalten….

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Fotos: Oliver Asmussen/Oceanliner-Pictures.com

Seaventure auf Expeditionskurs

Das Thermometer zeigt -13 Grad, ein eisiger Ostwind fegt den zuvor gefallenen Schnee über die Pieranlagen der EDR Antwerp Shipyard, als Oliver Asmussen an diesem Februarmorgen die SEAVENTURE in Belgien besucht.

Immerhin, der Himmel ist blau und lässt den weißen Rumpf der ehemaligen MS Bremen von Hapag-Lloyd Cruises in gleißendem Licht erscheinen. Am schlanken Bug dieses waschechten Expeditionskreuzfahrtschiffes, sind noch die stählernen Lettern des bisherigen Namens, der 27 Jahre lang den Geist der Weserstadt in die entlegensten Regionen der Welt getragen hat, zu erkennen. Künftig wird die SEAVENTURE für die renommierte Schweizer Scylla AG in See stechen, die sich im Laufe der letzten Jahrzehnte einen Namen mit dem Angebot hochwertiger Flusskreuzfahrtschiffe machte.

Mit einer Länge von rund 112m und einer Größe von 6.752 BRZ gehört die SEAVENTURE zu den ganz kleinen Kreuzfahrtschiffen. So ist sie nur unwesentlich länger als zum Beispiel die 110m langen Flusskreuzfahrtschiffe wie etwa die VIVA TIARA. Im Jahr 2018 gründete die Scylla Gruppe den hauseigenen Veranstalter VIVA Cruises, dessen Schiffe alle eine frische, ansprechend blaue Bemalung tragen. Mit dieser in Düsseldorf ansässigen Tochter verfügt das Unternehmen über einen starken, eigenen Vertriebskanal in Deutschland. Erstmals wagt sich die Scylla Gruppe 2021 auf neues Terrain und wird Hochseekreuzfahrten für maximal 164 Passagiere anbieten. Damit ist die Passagierzahl nahezu identisch mit jener auf den Flussschiffen. Dennoch stellt ein Hochseekreuzfahrtschiff auch ein erfahrenes Touristikunternehmen wie Scylla vor neue Herausforderungen. Mit 31 Jahren ist die SEAVENTURE kein neues Schiff mehr und da will man nichts dem Zufall überlassen. Auf der EDR Antwerp Shipyard wird nicht zuletzt, die durch die Pandemie bedingte Zwangspause dafür genutzt, an Bord des als FRONTIER SPIRIT gebauten Kreuzfahrers alles auf den künftigen Einsatz vorzubereiten.

Die letzte Renovierung erfolgte im Jahr 2019 und die Vorbesitzer kümmerten sich stets um einen guten Zustand des Schiffes. Daher schaut der schmucke Dampfer trotz längerer Aufliegezeit in Warnemünde bzw. im dänischen Hundestedt überraschend gut aus. Eine grundlegende Renovierung ist vorerst nicht erforderlich. Es wird jedoch kleine Anpassungen an das Scylla Branding geben. Außerdem erhält das Kreuzfahrtschiff neue Radar- und Navigationsgeräte.

Die SEAVENTURE wurde gebaut, um die extremsten und entferntesten Regionen dieser Welt bereisen zu können. Das ist auch überall an Bord erkennbar. So ist das Schiff besonders robust gebaut, was in vielen öffentlichen Bereichen erkennbar ist. Es öffnen sich zum Beispiel zu den Aussendecks hin keine automatischen, filigran anmutenden Glastüren, wie man sie von neuen Megalinern kennt. Auf der SEAVENTURE muss man fest anpacken und massive Türen von Hand öffnen. Hinweisschilder an den Türen weisen darauf hin, diese nicht mit einem lauten Krachen zurück ins Schloss fallen zu lassen, sondern beim Schließen festzuhalten. Die Bewohner der benachbarten Kabinen werden diesen Hinweis zu schätzen wissen. Ein Großteil der Außendecks ist mit robusten und maritim anmutenden Teakholz getäfelt.

Für ein Schiff dieser Größe zeigt sich der Pool überraschend großzügig dimensioniert. Hochwertiges Mobiliar lädt zum Verweilen oder auch zum lockeren Small Talk mit Mitreisenden ein. Von allen Plätzen aus bietet sich ein hervorragender Blick auf die offene See bzw. die vorbeiziehende Natur. Die Expeditionslounge im vorderen Bereich auf Deck 7 hält für alle Gäste einen Platz bereit. Sie kann wie die drei Decks tiefer befindliche Seabreeze Lounge für Vorträge der Lektoren und Wissenschaftler genutzt werden, welche einige Reisen begleiten. Sofern die aktuellen Abstands- und Hygieneregelungen weiter Bestand haben, ist die verfügbare Platzkapazität reduziert.
Ebenfalls auf Deck 7 befinden sich ein kleiner aber mit modernen Geräten ausgestatteter Fitnessraum, eine Sauna und ein Frisör.
Die SEAVENTURE verfügt insgesamt über 2 Aufzüge – einen im vorderen und einen im hinteren Treppenhaus.

Zur Bordausstattung gehören 12 Zodiacs. Diese kommen z.B. immer dann zum Einsatz, wenn es keinen Hafen gibt, in dem die SEAVENTURE festmachen kann. Klassische Tenderboote, mit denen die Gäste an Land gebracht werden, gibt es an Bord der SEAVENTURE nicht. Sie werden auch nicht gebraucht. Die geringe Schiffsgröße und der Tiefgang von 4,8m ermöglichen es, in nahezu allen Häfen festmachen zu können. Die Zodiacs werden darüber hinaus für Exkursionen und Erkundungsfahrten genutzt.
Einer der schönsten Orte an Bord ist die künftige SEABREEZE Bar auf dem gleichnamigen Deck, dem sich die SEABREEZE Lounge anschließt. Dabei handelt es sich um den bisherigen Lido-Grill bzw. die Club Lounge. Letztere wurde im Jahr 2016 komplett renoviert und mit einem neuem Farbkonzept sowie Dekorationsdetails versehen. Im Innenbereich dominieren moderne Beeren-Töne, auf dem Aussendeck stehen hochwertige Möbel auf einem gepflegten Teakboden. Von nahezu allen Bereichen aus genießt man als Reisender den freien Blick auf das Meer. Eine kleine, mit Fachliteratur ausgestattete Bibliothek bildet die Verbindung zwischen der Lounge und dem hinteren Treppenhaus.

Auch das auf Deck 4 liegende SEAVENTURE´s Restaurant wurde zuletzt im Jahr 2016 vollständig renoviert und mit neuen, maritimen Dekorationsdetails versehen.
Das Einrichtungskonzept der SEAVENTURE orientiert sich an den Themen Expedition, Natur und Tierwelt. Es gibt überall etwas zu entdecken: Jedes Deck des Schiffes steht für einen bestimmten Kontinent und ist mit entsprechenden Designelementen versehen.
Die SEAVENTURE verfügt über die höchste Eisklasse 1ASuper (E4 Germanischer Lloyd) für Passagierschiffe, ist aber dennoch kein Eisbrecher. Die höchste Eisklasse ermöglicht es dem Schiff, in polaren Gewässern zu fahren und auch dickere Felder mit Treibeis zu passieren sowie Eisdecken von bis zu 1m zu durchbrechen. Der Komfort der Reisegäste hat dabei dennoch Priorität und die Sicherheit von Gast und Schiff stehen ohnehin an oberster Stelle. Dennoch ist die SEAVENTURE für extreme Eissituationen gerüstet. Der Rumpf ist sowohl mit dickerem Stahl als auch einer höheren Spantendichte versehen. Die beiden Propeller sowie die Wellen sind ebenfalls für Eisfahrten verstärkt und konstruiert.

Als eines der ganz wenigen Passagierschiffe überhaupt, verfügt die SEAVENTURE über massive Stahlabdeckungen für die Brückenfenster. Diese lassen sich bei extremen Wellenhöhen in wenigen Minuten an den Brückenfenstern befestigen. So werden Schäden, wie sie zum Beispiel im Jahr 2001 entstanden sind, an der Brücke vermieden.
Obwohl die SEAVENTURE ein echtes Expeditionskreuzfahrtschiff ist und mit einem herkömmlichen Kreuzfahrtschiff wenig gemeinsam hat, sind die Kabinen durchweg sehr großzügig dimensioniert und komfortabel ausgestattet.
Insgesamt gibt es an Bord der SEAVENTURE 7 Kabinenkategorien mit 64 Außen-, 16 Balkon (18m²) und 2 Suiten (24m²), die sich über fünf Passagierdecks verteilen. Innenkabinen gibt es keine.

Der überwiegende Teil der Kabinen wurde im Rahmen umfangreicher Renovierungen im Jahr 2016 erneuert. Der Zustand der Kabinen ist entsprechend durchweg sehr gut. Einziger Wermutstropfen sind die Duschvorhänge, die an Stelle moderner Glasabtrennungen überall noch im Einsatz sind. Eine Ausnahme stellen hier die Suiten dar. Die Duschvorhänge sollen aber schon bei einem nächsten Werftaufenthalt in allen Kabinen durch Glasabtrennungen ersetzt werden.
Solange die strengen Abstands- und Hygieneregeln weiter Gültigkeit haben, wird das bewährte Hygienekonzept „VIVA’s Checkliste“, der Flusskreuzfahrtschiffe übernommen und der jeweiligen Situation angepasst.

Die maximal 164 Gäste erwartet das VIVA All-Inclusive-Konzept mit Vollpension und einer gehobenen Küche, hochwertigen Getränken, sowie Kaffeespezialitäten. In den Kabinen und Suiten befindet sich eine stets gefüllte Minibar. An Bord der SEAVENTURE wird es auch vegane Gerichte geben. Das Restaurant SEAVENTURE‘s bietet ein großes Angebot an kulinarischen Köstlich­keiten, internationaler Küche, Spezialitäten und lokalen Höhepunkten aus der Region. Es wird flexible Essens­zeiten geben, ebenso ist eine freie Platzwahl geplant. Das Frühstücks- und Mittagsbuffet kann im Restaurant oder im Freien an Deck genossen werden. In der SEABREEZE-Bar und in der Expeditionslounge erhält der Gast gute Weine und edle Spirituosen aus allen Teilen der Welt.
Das Schiff eignet sich für anspruchsvolle Individualisten, denen es wichtig ist, spannende Ziele zu entdecken, und die familiäre Atmosphäre. Und dazu die kurzen Wege an Bord und bevorzugt die Nähe zur Natur. Die SEAVENTURE bietet viel maritimen Charme, großzügige Freidecks und eine Menge Komfort.

Die neuen Kapitäne
Denis Radja: Der erfahrene Seebär blickt auf 32 Jahre Erfahrung in der konventionellen Seefahrt zurück. Die letzten 20 Jahre stand Radja als Kapitän auf der Brücke unterschiedlicher Schiffe. 1047 Tage verbrachte er in Polargewässern auf Expeditionskreuzfahrtschiffen. Er besitzt umfangreiche Erfahrungen in den Gewässern der Antarktis, Island, Grönland, Spitzbergen und dem Arktischen Ozean. Denis Radja sammelte Berufserfahrung bei Elegant Cruise, Silversea Expedition Cruises, CMI, Grand Circle Cruise Line, Adventure Canada, Quark Expedition, Students on Ice, Antarctica 21, Zegrahm Expedition, Poseidon, Island Pro Cruises, Noble Caledonia, One Ocean Expeditions und anderen Anbietern mehr.
Kapitän Ivo Botica blickt auf 31 Jahre Erfahrung in der Seefahrt zurück. Während der letzten 14 Jahre hatte er das Kommando auf verschiedenen Expeditionsschiffen. Ivo Botica ist nicht nur ein erfahrener Kapitän sondern auch ein begnadeter Navigationsspezialist, der sein Wissen über die unterschiedlichsten Navigationstechniken auf diversen Lehrgängen und in der Praxis erweitert hat. Botica war für zahlreiche namhafte, internationale Reedereien und Kreuzfahrtanbieter tätig.

Fotos: Oliver Asmussen/Oceanliner-Pictures.com

Ein kleines Schiff, ein kleiner Kontinent

Frankreich hat einen eigenen Erdteil? In der Tat, denn Korsika, die Mittelmeerinsel der Grande Nation, hat so viele Gesichter, dass man von einem Kontinent sprechen könnte. Oliver Schmidt hat das dazu passende Schiff ausprobiert, mit dem die Straßburger Reederei CroisiEurope seit Sommer 2020 die Insel in Wochentörns umrundet: die La Belle des Océans.

Wusste ich’s doch: Franzosen kann so leicht nichts erschüttern. Das Defilee, das sich von der Lounge zum Restaurant wälzt, vorbei an der charmant lächelnden Reiseleiterin Morgan aus Montpellier, ist lediglich um ein modisches Accessoire reicher geworden. Die Maske gibt es im Tigerlook und mit Eiffelturm, mit fischigen Schuppen und als aufgerissenes Haifischmaul, aber auch in schlichtem Schwarz oder als Trikolore.

Wichtig ist, dass sie mit bewundernswerter Disziplin getragen wird, ohne Ausnahme und vor allem ohne, dass sie einer erwähnt. Über indiskutable Notwendigkeiten muss man weder Zeit noch Laune verlieren. Wer das Spiel beobachtet, beginnt langsam, Ulrich Wickerts Buchtitel zu verstehen: „Vom Glück, Franzose zu sein.“

CroisiEurope ist eine französische Reederei. Freilich sitzt sie im Elsass und freilich spricht die Eignerfamilie Schmitter Deutsch so gut wie Französisch, aber was zählt, ist die Nonchalance der Gäste, sind die exzellenten Weine, die inkludiert sind und augenzwinkernd nachgeschenkt werden, und natürlich das frischeste Baguette, das es auf irgendeinem Kreuzfahrtschiff der Welt geben kann. Damit sind alle Komponenten beieinander, die ein französischer Bricoleur bräuchte, um sich selbst ein kleines Traumschiff zu zimmern. Hier ist es aber viel besser: Das stählerne Fundament, auf dem sich das Dîner à la française ereignet, ist ein solides, seit 30 Jahren bewährtes Kreuzfahrtschiff, das bis vor gut einem Jahr in der Luxusflotte von Silversea seinen Dienst versah. Da hatte es einen englischen Kunstnamen und hieß Silver Discoverer, vormals Clipper Odyssey. Erst in Frankreich wurde es namentlich geadelt: La Belle des Océans – die Schöne der Ozeane.

Ihr Ziel ist so französisch wie ihre Atmosphäre. Ihre erste Sommersaison hat sie, Pandemie hin oder her, im wochenweisen Einsatz rund um die Insel Korsika verbracht. Für Franzosen ein beinahe heiliges Eiland – Napoleon wurde hier geboren und die Tochter von Gustave Eiffel hier bestattet –, für Deutsche ein Geheimtipp. Die Ein- und Ausschiffung erfolgt in Nizza, gut zu erreichen von deutschen Flughäfen und mit einem Landeanflug verbunden, der die ganze Schönheit der Côte d’Azur erst vor die Flugzeugfenster und dann vor die Bullaugen des Schiffes zaubert. In der ersten Nacht zaubert nicht Napoleon, sondern Neptun, Meeresgott aus dem nahen Italien (denn einen eigenen haben die Franzosen nicht – eigentlich merkwürdig) eine Oberfläche auf das Ligurische Meer, die so kreativ ist wie die Farben in den Gesichtern der neuen Passagiere, die nach dem Dinner vorsichtig zu Bett wanken, um noch ein Weilchen dem Tanz auf den Wellen den Tanz in den Mägen folgen zu lassen….

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Fotos: Oliver Schmidt, enapress.com

Vom Goldenen Dreieck ins tiefe Laos

Tempel, Dörfer, Töne grün in grün – das Boutiqueschiff Mekong Sun bringt entspannt und entschleunigt über den Oberlauf des Mekong. Andreas Drouve (Text) und Holger Leue (Fotos) berichten.

Da staunt man. Das erste Gebot an Bord lautet „Bitte Schuhe ausziehen.“ Ganz so, als würde man ringsherum in Südostasien ein Privathaus betreten. Was anfangs befremden mag, verkehrt sich rasch ins Gegenteil. Auf der MEKONG SUN fühlt man sich gleich wie daheim. Ob barfuß, in Socken oder Pantoffeln. Zudem macht das unbeschuhte Dasein auf sympathische Art alle gleich: die 16köpfige Crew und die maximal 28 Gäste.

Aufbruch mit Reisesegen

Thailands Norden stimmt mit Tropenhitze und Worapong auf die Exotik ein. Worapong, Anfang siebzig, ist ein Spätberufener im Leben. Früher war er Hotelmanager, Ehemann, Familienvater. Dann schwor er dem alten Dasein ab und begann ein neues als Buddhistenmönch. Heute spendet er den Flusskreuzfahrern an Land den Reisesegen. Man möge sich von Gefahren fernhalten, sagt er, und wünscht allen Glück. Dabei strahlt er aus dem Innern heraus.

Das Goldene Dreieck war einst Hochburg des Opiumhandels, derlei Vergangenheit ist weitgehend verraucht. Kurz vor der Grenze nach Laos steht die MEKONG SUN zum Einstieg bereit. 358 km sind es ab hier flussabwärts bis Luang Prabang: ohne Karten, ohne elektronischen Hilfsmittel für die Navigation. Die beiden Kapitäne, Mister Buala und Mister Vansee, stammen aus Schifferfamilien. Sie kennen die Tücken und Gefahren auf dem Mekong: Stromschnellen, Strudel, Inseln, Felsen, wechselnde Wasserstände. Gefahren wird nur auf Sicht und über Tag. Abends stehen mangels Häfen Anlegemanöver an Sandbänken an – schöner geht’s kaum. Auf den Geschmack bringt auch das erste Abendmenü: frittierter Fischkuchen an Zitronengras, Auberginensalat, gebratenes Huhn mit Paprika und Cashewnüssen. Und als Nachtisch Klebereis mit Kokosnussmilch und Mango….

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Fotos: Holger Leue/leue-photo.com

Sonnenfahrt zu den Emiraten

Für Menschen mit einer Vorliebe für Gegensätze ist der Persische Golf das ideale Reiseziel. Frank Behling berichtet von der COSTA DIADEMA.

Kaum irgendwo in der Welt sind unter Sonnengarantie die Unterschiede so gewaltig, wie in dem Randmeer des Indischen Ozeans.

Wer nachts mit dem Schiff den Persischen Golf befährt, muss sich daran gewöhnen: Die gewaltigen Fackeln der Ölplattformen erleuchten vielerorts das Gewässer auch bei Nacht. Die 160 Ölförderanlagen im Persischen Golf sind nicht zu übersehen.

Öl und Gas haben der Region das Fundament für die Entwicklung gegeben. „Früher war das anders, da war hier nicht viel los. Wir Perlentaucher sind morgens raus und waren den ganzen Tag da draußen“, schwärmt Saad Ismail Al Jassem. Der 84jährige Katari ist stolz auf sein Lebenswerk. Er war Bodybuilder, Luftwaffenoffizier und hat Jahrzehnte Perlen aus den Austern an den Riffen vor Doha gefunden.

Heute steht Perlentaucher Al Jassem in seinem Geschäft im Souk von Doha. Wenn er rüber schaut, sieht er den neuen Stadtteil mit Wolkenkratzern hinter den traditionellen Dhaus, den hölzernen Handelsschiffen. Die Kreuzfahrtpassagiere mag er. Sie kommen immer um die Mittagszeit und verweilen lange in der Fußgängerzone.

Der Souk in Doha mit seinen kleinen Gassen, dem Krankenhaus für Falken und der Reitschule der Polizei markiert das krasse Gegenstück zur modernen City-Insel „The Pearl“. In Sichtweite wurde an der Bucht von 2006 bis 2010 ein 400 Hektar großer Stadtteil dem Golf abgerungen. Eine Flotte niederländischer Saugbagger spülte eine Traumwelt auf. Hochhäuser, Yachthäfen und Villen wechseln sich ab.

30000 Menschen leben jetzt dort. Große Sportwagen parken unter Palmen und Yachten liegen in Marinas, deren Zufahrten dem Canale Grande aus Venedig nachempfunden wurden. Baustile der Toskana oder Andalusiens wurden dort genauso integriert wie französische Straßen-Restaurants.

Auch in Katar wurden Milliarden aus dem Öl- und Gasgeschäft in Stahlbeton investiert. Sportanlagen, Straßen und Häfen sind entstanden. Der neue Kreuzfahrtterminal kam 2020 dazu. Wenn der Lockdown der Pandemie vorbei ist, will Doha die Metropole für Kreuzfahrten werden….

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Fotos: Frank Behling, enapress.com

Reise durch die Zeit

Natur pur: Mit den ältesten Kabinenschiffen der Welt durch das Herz Schwedens zu fahren ist ein echtes Erlebnis. Peggy Günther berichtet.

Für manche Frauen ist das Alter kein Reizthema. Die JUNO ist eine von ihnen. Topfit und gutaussehend liegt sie in Göteborg am Packhuskajen und lässt die Herzen von Schiffsliebhabern höherschlagen. 1874 gebaut ist sie das älteste noch fahrende Passagierschiff mit Kabinen. Ihre jüngeren Geschwister – WILHELM THAM, Baujahr 1912, und DIANA, Baujahr 1931, sind nicht weniger beliebt. Während jüngere Einheiten bereits im Museumshafen landen, kreuzen diese drei Götakanalschiffe während der Sommermonate noch immer über die schwedischen Wasserwege. Oftmals sind die Reisen über Jahre im Voraus ausgebucht.

Innerhalb von vier oder sechs Tagen fahren sie über die größten Seen Schwedens und durch Kanäle nach Stockholm, wo ein Passagierwechsel stattfindet, bevor sie wieder nach Göteborg zurückkehren. Bei dieser langen Reise gönnen die Seniorinnen sich lediglich einen Schönheitsschlaf: In Motola liegen sie für eine Nacht, damit auch der Kapitän seine Ruhezeit einhalten kann. Im Alter braucht man eben weniger Schlaf.

Zwischen 25 und 29 Kabinen verteilen sich bei den drei Schiffen auf drei Decks. Zugegeben: Der Begriff „Kabine“ ist ein Euphemismus. Eigentlich erinnert der persönliche Rückzugsraum eher an ein Schlafwagenabteil in der Eisenbahn. Zu zweit ist es eine logistische Herausforderung, sich auf den drei Quadratmetern zu bewegen. Neben dem kleinen Waschtisch und einem etwa 25 Zentimeter tiefen Kleiderschrank, sind zwei kleine Etagenbetten an der Wand angebracht. Wer größer als 1,75 Meter ist, wird gebeten, dies bei der Anmeldung anzugeben, da manche Kojen etwas länger sind. Tapeten und Accessoires aus den 1920er-Jahren verleihen dem gemütlichen Rückzugsort einen ganz eigenen Charme.

Duschen und Toiletten werden gemeinschaftlich genutzt. Spätestens nach der ersten Begegnung im Bademantel stellt sich ein Gefühl der Vertrautheit zwischen den Reisenden ein.

Die Reise ist ein Outdoorerlebnis: Auf den beiden oberen Decks öffnen sich die Kabinentüren direkt zur Promenade hin. Der Lieblingsplatz ist die Lounge auf dem Brückendeck mit ihren gemütlichen Korbstühlen. Dank des entspannten Reisetempos kommt der Geist zur Ruhe. Es gibt nicht viel zu tun: Die Passagiere betrachten das grüne Wasser, auf dessen Oberfläche sich Vogelschwärme spiegeln. Sie winken Radfahrern zu, die auf ihrer Tour entlang des Kanals Halt machen, um das Schiff zu fotografieren. Und sie registrieren, dass jede Brücke auf dem Weg anders aussieht. Manchmal besuchen sie auch den Kapitän. Man findet an Bord Zeit zum Lesen und tauscht sich mit Gästen aus aller Welt aus. Für die Getränkewünsche gibt es einen Kühlschrank mit Strichliste – die Honesty Bar. Die Crew ist auf ein Minimum reduziert: Kapitän und Steuermann, Reiseleiter, vier Matrosen, die auch mittags die Bettdecken ordnen, sowie zwei Stewardessen im Service und zwei Köche. Es ist erstaunlich, welche Köstlichkeiten in der Miniküche entstehen und wie diese immer warm und parallel serviert werden…

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Fotos: Peggy Günther, enapress.com

G:oteborg wird groß gefeiert

Stolze 400 Jahre alt wird das schwedische Göteborg in diesem Sommer.
Dagmar Lieder gratuliert der Stadt und stellt das Kreuzfahrtziel vor.

Sympathisch. Herzerfrischend unkompliziert. Humorvoll und entspannt – Mit genau diesem Genießer-Naturell heißt Göteborg seine Gäste willkommen. Schon immer und erst recht zum 400. Geburtstag der maritimen Stadt an der Westküste Schwedens. Gefeiert wird am 4. Juni 2021 – wegen Corona – im kleineren Stil und dann in zwei Jahren noch einmal richtig groß.


Immer mehr Besucher kommen auf dem Wasserweg in Schwedens zweitgrößte Stadt. Zuletzt zählte der Hafen 60 Anläufe von Kreuzfahrtschiffen mit über 100 000 Passagieren. Göteborg hat seine Anlegeplätze schon im Vorfeld des Jubiläums hübsch gemacht – das altehrwürdige Amerikaterminal mit seiner zentralen Lage strahlt im neuen Glanz.


Wer nicht zum ersten Mal Kurs auf 57° 42‘ 25“ N, 11° 57‘ 59“ O nimmt und dann sachte unter Göteborgs Golden-Gate-Bridge, der Älvborgsbron, durchgleitet, merkt schnell, wie sich die Skyline der Stadt verändert hat. Am markantesten: Die neue Brücke mit den weißen Pylonen, die die über 80 Jahre alte Dame, die Götaälvbron ablöst. Doch aller neuer Architektur zum Trotz – die 600000-Einwohner-Stadt bleibt bodenständig, grün, ein Garant für Gourmetküche und ist innovativ zugleich – gerade erst hat „Lonely Planet“ Göteborg erneut den weltweit besten nachhaltigen Stadtaufenthalt attestiert.
Selbstverständlich, dass die Veranstaltungen zum 400. Geburtstag der Stadt von ihren Bürgern mit bestimmt sind. Auf der Suche nach einem Jubiläumssong durfte jeder Beiträge zum Wettbewerb einschicken. Gewonnen hat die inzwischen 23-jährige Katarina Hemlin. ”Vi vill leva, vi vill dö i Göteborg” – ihr Lied klingt jeden Tag pünktlich um 16.21 Uhr vom Glockenturm der Deutschen Kirche, um an das Geburtsjahr der Stadt zu erinnern.


Und sonst Einzigartiges für die coole Küstenstadt? Die staatlichen Alkoholmonopol-Läden offerieren speziellen Jubiläums-Schampus zum Anstoßen. Die ersten neuen Briefmarken des Jahres tragen natürlich Göteborg-Motive und heben auch die Bedeutung des Hafens– des größten in Skandinavien – hervor.
Kreuzfahrer lernen Göteborgs „Smultronställen“, also die Lieblingsplätze meistens bei einer Stadtrundfahrt kennen: Den Panoramablick von der Masthuggs-Kirche über die gesamte Stadt, die Fischmarkthalle „Feske­körka“. Die Flaniermeile Avenyn mit Poseidon-Brunnen, Theater, Kunst- und der Konzerthalle ist ein Muss; eine gemächliche Bootsfahrt mit „Paddan“ und deutschem Guide durch die Kanäle die Kür. Andere leihen sich Fahrräder, um die Umgebung, Parks oder den Botanischen Garten auf eigene Faust zu erkunden. Und Dritte zieht es mit Bus oder Straßenbahn raus an die Küste. Kleine Fähren und Passagierboote schippern von dort auf die oft auto-­freien Schären vor der Stadt mit ihren pittoresken Häusern. Natur pur.


Die Göteborger sind sich sicher: Die Stadt wächst Besuchern ans Herz – früher oder später egal, ob im Jubi­läumsjahr oder erst 2023.

Fotos: enapress.com, Dagmar Lieder

Astoria, das dienstälteste Kreuzfahrtschiff

Unter dem aktuellen Namen Astoria in Rotterdam durch die Insolvenz des letzten Charterers CMV aufgelegt und auf seine weitere Bestimmung wartend, hat dieser Oldtimer eine mehr als aufregende Vergangenheit aufzuweisen. Jürgen Saupe über die Historie des Schiffes.

Der Rumpf ist bereits 75 Jahre alt, doch für das gesamte Innenleben gilt das (Um)Baujahr 1994. Die heutige Astoria hat Vergangenheit – und was für eine! Bereits in ihrem ersten Leben sorgte sie als Stockholm für Schlagzeilen. Im zweiten Leben bot sie als Völkerfreundschaft sonnenhungrigen DDR-Bürgern Abwechslung. Und in all den Jahren kam das Schiff niemals wirklich zur Ruhe.

Bekannt wurde die 1946 bei den schwedischen Götaverken unter der Baunummer 611 für den Liniendienst Göteborg – New York der Svenska Amerika Linjen gebaute Stockholm (16144 BRT) durch die Kollision mit dem italienischen Passagierschiff Andrea Doria in der Nacht des 25. Juli 1956, etwa 100 Seemeilen vor New York. Der schwedische Liner bohrte sich mit seinem Bug in die Breitseite des italienischen Schiffes, das so schwer beschädigt wurde, dass es Stunden später mit 47 Toten sank. Dank des stabil gebauten Rumpfes konnte die Stockholm, auf der fünf Menschen der Kollision zum Opfer fielen, trotz ihrer schweren Beschädigungen mit eigener Kraft und langsamer Fahrt New York anlaufen. Einmal mehr bewahrheitete sich der Begriff „Qualität aus Schwedenstahl“. Auf der Bethlehem-Werft in New York erhielt die Stockholm innerhalb von drei Monaten ein neues Vorschiff.

Die Kollision, wenn auch gut überstanden, ließ das Schiff bei den Passagieren zu einem „Unglücksschiff“ werden. Die Reederei sah sich daraufhin gezwungen, den Liner zu verkaufen. Am 3. Januar 1960 fand im Hafen von Göteborg die Übergabe an die Regierung der damaligen DDR als neuem Eigner statt. Für 1,4 Millionen US$ konnte das Schiff erworben werden. In Völkerfreundschaft umbenannt und von der Deutschen Seereederei in Rostock (DSR) bereedert, wurde das Schiff genau 25 Jahre als Urlauberschiff für den Freien Deutschen Gewerkschaftsbund (FDGB) eingesetzt. Am 29. Januar 1985 wurde die Völkerfreundschaft aus dem aktiven Dienst herausgenommen, die DDR-Flagge jedoch erst ein halbes Jahr später am 5. Juli eingeholt. Ein geplanter Verkauf war in letzter Minute geplatzt….

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Fotos: Jürgen Saupe, Sammlung JSA