Kategorie: Neueste

Corona und die Leichtigkeit der Kreuzfahrt

Die andauernde COVID-19 Pandemie und der 11. September 2001 hatten einen nachhaltigen Einfluss auf die Art des Reisens – auch mit Kreuzfahrtschiffen. Frank Behling recherchierte.

Die Pandemie lässt auch der Kreuzfahrt keine Ruhepause. Der Ausbruch auf dem Kreuzfahrtschiff Carnvial Vista im Golf von Mexiko hat gezeigt, dass es vor Covid-19 auch auf Schiffen keine absolute Sicherheit gibt. Eine 77-jährige Passagierin war wenige Tage nach der Infektion in einem Krankenhaus verstorben. Die pensionierte Lehrerin war am 31. August von Galveston aus mit der Carnvial Vista zu einer Karibik-Reise aufgebrochen.

Beim Anlauf in Belize am 4. August­ hatte sie sich mit Symptomen testen lassen. Sie und weitere 26 Crewmitglieder wurden positiv auf Covid-19 getestet. Die Seniorin und die Crewmitglieder waren­ alle geimpft.

Der Gesundheitszustand der Seniorin verschlechterte sich jedoch. Sie kam in ein Krankenhaus nach Belize und am 14. August per Krankenrücktransport mit dem Flugzeug zurück nach Hause. In Oklahoma verstarb die Frau jedoch kurz darauf. Die Crewmitglieder verblieben an Bord.

Der Fall hat bei Carnival wieder zu einer Verschärfung der Protokolle geführt. Alle Passagiere müssen jetzt beim Einschiffen in den USA mit dem Impfstatus auch einen negativen Antigen- oder PCR-Test machen.

Diese Regel gilt auch schon in Europa. TUI Cruises und AIDA Cruises haben die Tests auch als Vorgabe fürs Boarding gemacht. Die Folge sind allerdings längere und umständlichere Eincheck-Verfahren. Wartezeiten von ein bis zwei Stunden sind inzwischen die Regel, da in den Terminals auch die Zahl der Personen begrenzt ist.

New York, Foto: enapress.com

Wer 2021 eine Kreuzfahrt mit einem großen Schiff machen will, der braucht vor allem eins: Zeit. Die Corona-Pandemie hat den Seereisesektor verändert. Vergleichbar mit den Anti-Terror-Maßnahmen nach dem 11. September 2001 sorgen die Anpassungen der Abläufe beim Thema­ Gesundheit schon bei der Abfertigung in den Häfen­ für Wartezeiten.

„Die Pandemie hat die Abfertigung in den Häfen so verändert wie der 11. September das Thema Sicherheit in den Fokus rückte“, sagt Jens-Broder Knudsen von der Kieler Schifffahrtsagentur Sartori & Berger. Das Unternehmen ist führend bei den Agentur-Tätigkeiten für Kreuzfahrtschiffe in den deutschen Häfen.

NYC vor dem 11. September.
Einlaufen in den Hafen mit der „Queen Elizabeth 2“.
Foto: Frank Behling

Nach dem 11. September wurden Sicherheitsmaß­nahmen zum Schutz gegen Anschläge oder Schiffsentführungen eingeführt. Alle Häfen rüsteten nach. Teure Scanner für Gepäck und Passagiere wurden angeschafft. Spezielle Abfertigungsroutinen eingeführt.

Plötzlich wurden Häfen Teil des Heimatschutzes. Flüssig­keiten oder Taschenmesser wurden in Koffern beim Boarding herausgefischt. Zum Sektor Sicherheit ist jetzt der Bereich Gesundheitsschutz und Seuchenbekämpfung hinzugekommen. In den Häfen wurden die Terminals und die Verkehrswege erneut neugestaltet.

Besonders die großen Häfen schultern immer noch gewaltige Investitionen in Infrastruktur. Neue Terminals wurden für die neuen Mega-Liner angeschafft. Die älteste Anlage für Megaliner ist heute Terminal 18 in Port Everglades. Das Bauwerk ist gerade einmal elf Jahre alt.

Der Hafen von Miami hat im August sogar festverzinste Wertpapiere im Wert von 1,4 Milliarden Dollar verkauft. New York und New Jersey hatten im März 1,1 Milliarden Dollar durch Wertpapierverkäufe eingenommen. Die Häfen­ brauchen Geld. Auch in Deutschland investierten die Häfen in neue Abfertigungsanlagen.

Teststationen, neue Wartebereiche und medizinisches Personal sind in Pandemie-Zeiten fast wichtiger als die Sicherheitskräfte für die Kontrolle. Das Ziel ist: Das Virus darf nicht an Bord. Die Kosten für Testgeräte im PCR-Verfahren schwanken zwischen 15000 und 50000 Euro.

Wie aber läuft das Geschäft mit der sicheren und jetzt auch gesunden Reisen? „Seit Juli 2020 bieten wir mit der Mein Schiff Flotte als einer der wenigen Kreuzfahrtanbieter weltweit durchgehend Reisen an, seitdem waren weit über 140.000 Gäste an Bord“, sagt Friederike Grönemeyer von TUI Cruises.

Man habe bewiesen, dass Kreuzfahrten mit dem richtigen Gesundheitskonzept auch in Pandemiezeiten sicher möglich seien. „Mit Erfolg: denn unsere Gästezufriedenheit ist zum Teil höher als in Zeiten vor Corona. Viele Gäste waren in den letzten zwölf Monaten nicht nur einmal, sondern mehrere Male an Bord. Andere haben bis zu vier Wochen“, so Grönemeyer. Aktuell sind von TUI Cruises­ sechs der sieben Schiffe in Fahrt.

„Mit unserem Konzept der Testung im Terminal vor der Einschiffung haben wir die besten Erfahrungen gemacht. Wichtig ist, dass niemand mit einer Infektion an Bord kommt. Die Grundregel lautet getestet, genesen oder geimpft“, sagt Hansjörg Kunze von AIDA Cruises.

Deutschlands größtes Kreuzfahrtunternehmen will bis Jahresende wieder zehn Schiffe in Fahrt haben.

Ebenfalls mit Schwung ist MSC Cruises in Fahrt gekommen. Am 16. August wurde der erste Jahrestag nach der Aufnahme des Fahrtbetriebs gefeiert. Sechs Schiffe sind aktuell wieder im Mittelmeer, der Karibik, rund um England und der Ostsee aktiv.

Anders als nach dem 11. September gibt es aber bei der Corona-Pandemie einen weiteren Aspekt. Die Crew ist ebenfalls ein potenzielles Risiko. Dabei haben AIDA und auch TUI Cruises wiederholt Probleme mit infizierten Crewmitgliedern gehabt. Der Neustart von AIDA war 2020 ein ums andere Mal auch durch infizierte Crewmitglieder überschattet. Die Reederei MSC hat deshalb ein eigenes Crew-Impfprogramm aufgelegt.

Während sich in Europa und Nordamerika die vierte Welle­ der Pandemie mit dem gefürchteten Delta-Virus nicht mehr als so dramatisch auf die Erkrankungen auswirkt, sieht es in anderen Teilen der Welt ganz anders aus. Weitere Mutationen des Virus werden zur aufkommenden Wintersaison erwartet.

Die philippinische Gesundheitsbehörde meldete am 21. August mit 13831 Neuinfektionen­ einen neuen Höchststand. Am selben Tag meldeten die deutschen Gesundheitsämter nur 6600 Neuinfektionen.

Mehr als 250000 Seeleute stammen weltweit allein von den Philippinen. Und auch die CDC stellt ein ums andere mal fest, dass besonders Crewmitglieder mit Infektionen auf Schiffen auffallen. Die Folge: Crewwechsel, vor der Pandemie reine Routine, werden heute­ zu politischen Drahtseilakten. Traurige­ Berühmtheit erlangten 200 Seeleute von dem Pazifik-Staat Kiribati, die monatelang in Hamburg oder auf den Fidschi-Inseln fest­saßen, da sie nicht in ihr Heimatland durften. Selbst der berufliche Reiseverkehr für Soldaten, Diplomaten oder Leistungs­sportler­ ist nicht ohne Komplikationen denkbar. 193 Staaten gehören den Vereinten Nationen. In Corona-Zeiten sind das auch 193 nationale Einreiseregelungen.

Aktuell ist nicht absehbar, wann überhaupt mal wieder ein Kreuzfahrtschiff zu einer Weltreise nach altem Muster­ mit 40 bis 50 Nationen als Destination aufbrechen wird. Das Aufkommen immer neuer Mutationen und die weiter sehr restriktiven Einreiseregeln und Lockdowns in Teilen der Welt lassen einen Seereiseverkehr über Kontinente­ hinweg nicht zu.

Foto: Frank Behling

Corona hat an Bord der Kreuzfahrtschiffe die Abläufe jedoch ganz konkret verändert. Selbst wer den als erstes anstehenden Gesundheitscheck im Terminal vor dem Boarding übersteht, ist auf einem Schiff mit tief­greifenden Veränderungen zu früher konfrontiert.

Restaurants und Bars sind immer noch weit von der Unbeschwertheit der Vor-Corona-Zeit entfernt. Zwar hat AIDA inzwischen wieder Büfett-Restaurants erlaubt. Doch alles mit Abstand und strengen Abläufen.

Wer jetzt eine Reise mit einem Schiff im Winter plant. Braucht vor allem eins: Flexibilität. Bei Fluganreisen muss mit zusätzlichen Kosten und Wartezeiten durch Einreisekontrollen gerechnet werden.

Die besten Perspektiven haben weiterhin die Reisen vor der Haustür. Kurze Wege, eine individuelle Anreise zum Schiff und die im Notfall schnelle Obhut des vertrauten Gesundheitssystems sind der beste Weg für eine Er­holung.

„Wie kann die CLIA es nur schaffen, die Kreuzfahrten wieder einfacher zu machen?“, fragte die US-Reise­bloggerin Ilana Schattauer in ihrem Kanal. Die Anforderungen zur Einschiffung seien zu komplex geworden. Die Wartezeiten rauben meist den Spaß am Urlaub. Lange­ Schlangen außerhalb der Terminals gehören inzwischen auch in Europa zum Bild. Die Ursache ist einfach. Der Gesundheitscheck muss gemäß der Sicherheitsprotokolle und Hygienekonzepte beim Betreten der Terminalanlage erfolgen. Damit fallen auch die klimatisierten und wettergeschützten Wartebereich in den Terminals vor dem ersten Check weg. In Kiel, Hamburg oder Southampton gibt es inzwischen deshalb regelmäßig Fotos von Schlangen vor den Eingängen.

Die Reedereien und Hafenbetreiber sind aber um eine Abhilfe bemüht. Das letzte Wort haben aber die Gesundheitsbehörden. In den USA die mächtige CDC und in Deutschland die jeweiligen Gesundheitsämter.

Und wie geht es weiter. Der Kreuzfahrtverband CLIA sowie die Reedereien setzen auf die Erfolge der Impfungen. In den USA stehen inzwischen wegen der erhöhten Infektions­gefahr bereits „Booster“-Impfungen für Kreuzfahrtpassagiere auf der Tagesordnung.

In Europa wird mit den Impfungen eine Normalisierung erst im kommenden Jahr zu rechnen sein. Mit der kälteren Jahreszeit wird eher mit Einschränkungen durch eine weitere Infektionswelle gerechnet. Die neue Virus-­Mutante AY.3 bereitet sich gerade in den USA, Groß­britannien und Israel aus. Ein Schwerpunkt sind die warmen Südstaaten der USA. In Missouri und Mississippi beträgt der Anteil der Variante YAY.3 bereits 43 bis 45 Prozent. Einziger Schutz vor der Ausbreitung der neuen Mutationen ist eine Einschränkung der individuellen Reisetätigkeit sowie die weiter konsequenten AHA-Regeln.

Die Bedingungen für Reisen möglichst nah am Wohnort sind damit ideal. Kreuzfahrten von europäischen Häfen werden deshalb auch im Winter eine große Perspektive haben. Die Entscheidung von AIDA zur Stationierung der AIDAprima in Hamburg dürfte bald Nachahmer finden.

Ein Stück Florenz auf See

Die Mittelmeer-Saison 2021 verdankte die COSTA FIRENZE, das neueste Schiff von Costa Crociere, der Corona-Pandemie. Ein Glücksfall, wie sich herausstellte. Denn die Gäste der Premierensaison fanden das Schiff viel zu schön, um es wie geplant an die chinesische Costa-Tochter abzugeben. Kai Ortel war auf einer der ersten Kreuzfahrten dabei.

Koffer packen für eine siebentägige Kreuzfahrt, kann ich das noch? Diese Frage stellte sich, weil meine letzte Kreuzfahrt im August 2021 fast zwei Jahre zurücklag. Dann kam Corona und die hinlänglich bekannte Zwangspause für die meisten Kreuzfahrtschiffe­ und -reedereien. Doch meine Sorge erweist sich als unbegründet.

Am Ende stellt sich nur eine lange Jeans als kreuzfahrt-untauglich heraus, und im Kulturbeutel fehlt das Voltaren, das ich nach einem Sturz auf dem nassen Deck am zweiten Reisetag im wahrsten Sinne schmerzlich vermisse. Ansonsten reicht auch auf der COSTA FIRENZE für eine Woche ein mittelgroßer Koffer ohne allzu viel Schnicksack. Dagegen schwebt auch nach der dritten Welle der Pandemie noch immer das Thema Corona­ über allem. Wann und wo an Bord müssen Masken­ getragen werden? Was, wenn ich unterwegs positiv­ getestet werde? Und wie sieht überhaupt eine Kreuzfahrt unter Pandemie-Bedingungen aus?

Foto: Kai Ortel


Die meisten Sorgen sind unbegründet. Masken müssen unter Deck getragen werden, außer, wenn man sich zum Essen oder Trinken im Restaurant oder an der Bar aufhält. Eigentlich auch an Deck, aber da wird es mit der Umsetzung schon schwieriger. Denn bei über 1,50 Metern­ Abstand machen Masken an der frischen Luft keinen­ Sinn mehr, weshalb sich die meisten Gäste das lästige Utensil herunterreißen, sobald sie Seeluft atmen. Dafür muss einmal am Tag die Körpertemperatur gemessen­ werden. Dies geschieht kontaktlos an kleinen Automaten.

Foto: Kai Ortel

Die haben ihre Tücken, aber ein hilfsbereites Besatzungsmitglied ist nie weit. Wer das Temperaturmessen versäumt, bekommt einen Blauen Brief auf die Kabine. Umstellen muss man sich auch bei den Landgängen.­ Denn an Land geht es im Sommer 2021 nur im Rahmen von „Safe-Bubble“-Ausflügen per Bus oder geführtem Spaziergang. Die organisiert die Reederei unter­ Einhaltung sämtlicher Sicherheits- und Hygiene­protokolle. Individuelle Landgänge sind untersagt. Wer sich von seiner Gruppe absetzt, um Land und Leute quasi über die Hintertür auf eigene Faust kennenzulernen, findet­ bei der Rückkehr zum Schiff seine Koffer auf dem Kai wieder. Die Alternative: An Bord bleiben. Das macht einem die COSTA FIRENZE leicht…

… Lesen Sie weiter in der aktuellen AN BORD.

Deutschlands Provinzen entdecken

Dort wo andere Flusskreuzfahrtschiffe umkehren müssen, weil die Abmessungen eine Weiterfahrt nicht zulassen, spielt das kleine Boutiqueschiff SANS SOUCI seine Stärken aus. Ein Bericht von Oliver Asmussen.

Der Einschiffungshafen ist für eine Flusskreuzfahrt eher ungewöhnlich. In Bad Cannstatt bei Stuttgart wartet das im Jahr 2000 in Holland gebaute Flussschiff auf seine neuen Gäste. Eigner und Kapitän Peter Grunewald ist auf vielen Reisen persönlich an Bord und bringt die Gäste mit seiner SANS SOUCI in Häfen und Regionen, die von einem Großteil der anderen Flusskreuzfahrtschiffe nicht besucht werden können. Am darauffolgenden Tag beginnt die Reise, „Leinen los“. Noch vor dem Mittagessen passieren wir die erste von 12 Schleusen auf dem Weg nach Heilbronn. Rund 70 Höhenmeter gilt es heute zu überwinden. Die maximale Schiffgröße auf dem Neckar ist, bedingt durch die Abmessungen der Schleusen, auf 105m Länge und 12m Breite begrenzt. Von den insgesamt 367 Kilometern sind 203 Kilometer befahrbar, die Strecke von Plochingen bis zur Mündung in den Rhein bzw. umgekehrt. Insgesamt 27 Schleusen müssen auf dieser Strecke passiert werden. Sie überwinden den Höhenunterschied von 161m zwischen­ Mannheim und Plochingen.

Abends erreicht die SANS SOUCI Heilbronn. Im Vergleich zu den wenigen, anderen Anbietern, die das eine oder andere Flussschiff auf dem Neckar positioniert haben,­ sind die Liegezeiten der SANS SOUCI deutlich ausgedehnter. Das ermöglicht entspannte Stadter­kundungen. So bleibt bis zum nächsten Mittag Zeit, die sehenswerte­ Innenstadt von Heilbronn zu erkunden, bevor es in Richtung Bad Wimpfen weitergeht.

Foto: Oliver Asmussen/Oceanliner-Pictures.com

Die Stadt wirbt mit dem Slogan „Vergangenheit fühlen, Gegenwart genießen“. Ohne Übertreibung kann man sie auch als Juwel am Neckar bezeichnen, Bad Wimpfen. Um in den historischen Stadtkern zu gelangen, muss ein recht steiler Weg erklommen werden. Nach 5 Geh­minuten­ eröffnet sich zunächst ein spektakuläres Panorama über die idyllische Flusslandschaft. Mit jedem Schritt taucht man ein in die ganz besondere Atmosphäre der Stadt, die sehr schnell die Hektik des Alltags vergessen­ lässt. Die Geschichte von Bad Wimpfen ist bestimmt von Kelten, Römern und Staufen. Markant für das Stadtbild ist das Wahrzeichen „Blauer Turm“. Aus der Staufenzeit rührt ein Baudenkmal, welches noch heute das Stadtbild bestimmt. Es ist die größte Königspfalz­ nördlich der Alpen, mit ihren markanten Türmen, dem Steinhaus, dem Hohenstaufentor und der Pfalzkapelle.

… Lesen Sie weiter in der aktuellen AN BORD 3/21.

„AmaSiena“ in Lahnstein getauft

Es war die erste Taufe für die amerikanische Luxusflusskreuzfahrten-Reederei AmaWaterways nach der Pandemie-Pause – auf ihrer Fahrt von Amsterdam nach Basel wurde die AmaSiena in Lahnstein getauft. Michael Wolf berichtet.

Taufen in Lahnstein haben bei Ama schon Tradition – ­hier erhielten bereits die letzten Schiffe ihren­ Namen. Aber statt strahlendem Sonnenschein in den letzten Jahren zeigte an diesem 29. August der Wettergott kein Einsehen: Regenschauer und etwas Wind standen auf dem „Meteo“-Programm, die Zeremonie­ wurde kurzerhand in die Main Lounge verlegt.


„Bei einer Heirat bringt etwas Regen Glück – und so sehen­ wir es auch heute“ sagte Kristin Karst, Mitbegründerin und EVP von AmaWaterways. Der örtliche Pfarrer segnete das Schiff – und musste sich beeilen. Da Sonntag war, warteten seine Schäfchen in der Kirche bereits auf ihn für den Gottesdienst. Von Landseite aus schmetterte der Fanfarenzug von Lahnstein Trompetenklänge zum Schiff hinüber.


AmaWaterways CEO und Gründer Rudi Schreiner war für die Taufveranstaltung eigens an Bord gekommen – er fuhr dieselbe Strecke von Amsterdam nach Basel auf der AmaLucia, die dieses Jahr von der Werft abgeliefert wurde. Schreiner: „Unsere Buchungen für nächstes Jahr sind derzeitig hervorragend. Aber das Jahr 2020 hat uns gezeigt, dass es noch Änderungen geben kann. Genießen­ wir also das Heute und diese Taufe.“
Die Taufpatin war Debbie Fiorino, COO von World Travel Holdings, eine Tourismusorganisation in den USA, zu der auch die größten Agenturen für Kreuzfahrten gehören.­ „Für uns aus der Tourismusbranche liegen 18 herausfordernde Monate hinter uns“, sagte sie. „Umso schöner ist es, jetzt neu die Welt zu erkunden. Dass ich gleichzeitig hier die Godmother für die AmaSiena von AmaWaterways sein darf, ist eine unglaubliche Ehre!“
Mit Elan schleuderte sie dann die Champagnerflasche von Drappier gegen die Bordwand und taufte mit der AmaSiena das 24. Schiff der Flotte von AmaWaterways….

… Lesen Sie weiter in der aktuellen Ausgabe.

Fotos: enapress.com

Die Dresdner Prachtflotte

Die Elbfahrt auf einem historischen Raddampfer der Dresdner Weißen Flotte ist etwas Besonderes. Neun altehrwürdige Schiffe fahren dort, alle sind Originale. Roland Mischke berichtet.

Für den gebürtigen Dresdner Erich Kästner (1899-1974) war seine Heimatstadt die schönste der Welt, weil sie in einer eleganten Kurve am Fluss lag. Der Schriftsteller, der mit „Emil und die Detektive“ (1929) Ruhm erlangte, wohnte nahe der Elbe. Er schwelgte: „Wenn es zutreffen sollte, dass ich nicht nur weiß, was schlimm und hässlich, sondern auch was schön ist, so verdanke ich diese Gabe dem Glück in Dresden aufgewachsen zu sein.“

Foto: enapress.com

Kästner sah den Fluss jeden Tag, seine feierliche, grandiose Lage zwischen den Ufern und die muntere Flut, die sich durch das Zentrum der sächsischen Hauptstadt wälzte. Als er im Zweiten Weltkrieg die Stadt verließ und nach München zog, weil Dresden zerstört war, war er nie mehr so glücklich wie zuvor.

An der Hand der Mutter, einer Schneiderin, war er auf Raddampfern. Auf den Planken hörte er das sanfte Röhren der Dampfmaschinen, verfolgte das allmähliche Vorwärtskommen, das stoische Stampfen der Schaufelräder, die Energie, die sich in Bewegung umsetzte, und die Rauchschwärme der glühenden Kohleöfen im Unterschiff, die aus dem Schornstein nach oben wölkten und denen er hinterherträumte.

Früh lernte er, dass Geschwindigkeit nicht Maßstab einer Flussfahrt war, sondern das Dahingleiten auf dem Wasser. Unter den schrägen Holmen der Schiffsaufbauten und dem schnittigen Bug vornedran. Im Winter lagen die Schiffe an einem unsichtbaren Seil im Hafen, schneeweiß gepudert, wie mit Zuckerguss überzogen. Glücklicher kann ein Kind, das den Blick auf diese Spielzeugwelt richtet, nicht sein.

Foto: Sächsische Dampfschifffahrt/Weiße Flotte Dresden

Im Sommer ging es vom Terrassenufer entlang, zur Rechten die Brühlsche Terrasse, laut Goethe „der Balkon Europas“, die eklektizistische Kunstakademie von Lipsius, zur Linken die Staatskanzlei mit dem güldenen Fassadenschmuck, die Augustusbrücke, die es schon als Bogenbau im 16. Jahrhundert gab und die Canaletto 1748 wieder und wieder malte, und sich nie sattsehen konnte. Die Schlösserfahrt, heute die Attraktion, fand schon damals statt. Harmonie im sanften Elbtal, besetzt von einer anspruchsvollen Gebäudepracht, wie Schloss Pillnitz. Dann geht es stromaufwärts unter einer sanft ansteigenden Uferlandschaft, dann unter schroffen Hängen, die in das Elbsandsteingebirge übergingen.

Der Junge stand mittschiffs und verfolgte fasziniert, wie der Dampfer unaufhörlich die Schaufelräder bewegte und das Wasser klatschen ließ, während die Dampfzylinder ihre Arbeit verrichteten. Leicht vibrierte das Schiff. Kein Wunder, dass viele Bücher Kästners von staunenden Kindern handelten.

Die Raddampfer sind immer noch auf der Elbe, wie Kästner sie sah, wenngleich mehrfach überholt. Diese Dampfer lassen sich nicht allein auf funktionale Wasserfahrzeuge reduzieren. Sie sind eine geniale Erfindung aus der frühen Mitte des 19. Jahrhunderts, bei der eine ganz eigene Antriebsart kraftvoll werkelt mithilfe einer Achswelle, und die Schaufelräder antreibt. Schauen Passagiere in das heiße Unterschiff, empfinden viele von ihnen, dass die Maschinen atmen wie der Mensch es tut.

Foto: Sächsische Dampfschifffahrt/Weiße Flotte Dresden

Das hat auch Prominente auf die Personendampfer gelockt. 1897 lud Sachsens König den König von Siam zur Dampferfahrt ein, sie führte auf der Hohenzollern nach Meißen. 1901 kam es zur „Kaiserfahrt“, als Österreichs Kaiser Franz Josef auf die Habsburg stieg und ins böhmische Aussig schipperte. Preußenkaiser Wilhelm II. begab sich 1909 auf dem nach ihm benannten Schiff mit König Friedrich August II. nach Meißen. Der Präsident von Nordkorea, Kim Il Sung, ein Diktator, war 1984 zum Staatsbesuch in der DDR. Die Dresden begeisterte ihn, so dass er um eine Kopie des Schiffs bat und es zu Hause eins zu eins nachbauen ließ; es liegt bis heute im Hafen von Pjöngjang.

2002 gingen Bundeskanzler Gerhard Schröder und Russlands Präsident Wladimir Putin an Bord der Meißen. 2011 fuhr die Entertainerin Hella von Sinnen im Rahmen der Zwingerfestspiele auf der Wehlen. Bundespräsident Joachim Gauck war 2012 mit 200 Diplomaten auf der Leipzig. Bundeskanzlerin Angela Merkel ließ sich mitsamt ihrer Familie 2014 auf der Pillnitz nach Königstein bringen. Und der Sänger der Band Rammstein, Till Lindemann, durfte auf demselben Schiff sogar kurz ans Steuerrad….

… Erfahren Sie mehr in der aktuellen AN BORD.

Taufe in Memphis

Noch in Pandemiezeiten ging auf dem Mississippi ein neuer Schaufelraddampfer der American Queen Steamboat Company an den Start: Am 21. März wurde die American Countess in New Orleans getauft. Es ist das vierte Flussschiff der Reederei. Michael Wolf stellt zusammen.

Posieren für ein Gruppenfoto bei der Taufe der AMERICAN COUNTESS:
Captain Bobby Duncan (links), Taufpatin Angie Hack, Claudette Waggoner und John Waggoner (Mitte).
Foto: Josh Brasted

Der Chairman und CEO von AQSC John Waggoner, musste bis zum letzten Moment bangen, dass das neue Schiff tatsächlich von der amerikanischen Behörde CDC die Ausnahmegenehmigung von der Regelung bekommen hatte, die zu diesem Zeitpunkt ein Betriebsverbot für Schiffe über 250 Menschen an Bord vorsah. „Ich muss mich mal kneifen,“, lachte er vor seiner Rede. „Ich kann immer noch nicht glauben, dass wir hier alle stehen“. Er nannte die American Countess ein „ein modernes amerikanisches Meisterwerk, das die Gäste unbedingt erleben wollen.“

Die geladenen Gäste mussten im Übrigen einen Tag vor der Taufzeremonie einen Covid-Test durchführen.

Louisianas Governor Billy Nungesser sagte bei seiner Ansprache, dass der Tourismus auf dem Mississippi rasch wieder seinen Stand wie vor der Pandemie erreichen möge. Dazu trägen besonders die Flusskreuzfahrten mit ihren diversen besuchten Ort am Fluss bei.

Die Taufe war auch diesmal wieder eine „Familienangelegenheit“ – während Waggoners Frau Claudette bereits 2014 Patin bei der Taufe der American Empress war, konnte seine Tochter Marissa Applegate 2017 die American Duchess taufen. Heute war die zweite der drei Töchter der Waggoners die Godmother – Angie Hack.

American Queen Steamboat Company / www.AQSC.com

Sie schleuderte an der Waterfront von New Orleans eine Flasche Maker‘s Mark Bourbon-Whiskey an die Bordwand. Whiskey statt Champagner zum Taufen – das hat bei American Queen Steamboat Company schon Tradition. Bei der Taufe der American Queen 1995 war es sogar eine 80 Liter-Flasche mit Tabasco, die „vertauft“ wurde….

…Lesen Sie weiter in der aktuellen AN BORD.

Segler-Fest in Bremerhaven

Darauf freuen sich alle Schiffsliebhaber und Sehleute: die „lütte Sail“. Die Vorbereitungen für das maritime Fest in der Seestadt laufen weiter. Im August nehmen zahlreiche Schiffe aus Nah und Fern Kurs auf Bremerhaven. Vom 11. bis 15. August 2021 säumen sie die Kajen Bremerhavens und laden zur Besichtigung ein.
Flaggschiff der „lütte Sail“ wird die Alexander von Humboldt II sein, der markante Dreimaster mit den grünen Segeln, mit Heimathafen Bremerhaven. Ein Ja gab es auch von der Nao Victoria aus Spanien. Die 1991 gebaute Replik lässt das 1519 vom Stapel gelaufene Original wiederauferstehen und erinnert damit an die erste Weltumseglung von 1519 bis 1522 unter Ferdinand Magellan, dem damit die seinerzeit größte maritime Leistung gelang.

Foto: Helmut Gross/Erlebnis Bremerhaven

Das wuchtige Piratenschiff El Galéon sorgte wegen seines Aussehens bereits 2018 für Furore in Bremerhaven und wird 2021 ebenfalls dort erwartet. Der Dreimaster aus dunklem Holz scheint uralt, doch das Schiff ist die Replik des Typs, der unter der spanischen Krone vom 16. bis 18. Jahrhundert als Handelsschiff gesegelt ist. Es wurde erst 2009 in der südwestspanischen Hafenstadt Huelva erbaut.

Liebhaber historischer Schiffstypen bekommen auch bei der Earl of Pembroke glänzende Augen. Der englische Dreimaster ist ein Nachbau der berühmten Endeavour, mit der James Cook als englischer Entdecker 1770 Australien anlief. Bei Open Ship werden die Besucher auf den Spuren von Tom Hanks oder Halle Berry spazieren, die auf den Planken einen „Alice im Wunderland“-Film drehten.

Oft und gern gesehener Gast ist auch die Christian Radich aus Norwegen. Bereits 1937 lief sie vom Stapel und nur zwei Jahre später fand ihre erst Transatlantiküberfahrt nach New York statt. Auf dem majestätischen Windjammer werden seit jeher junge Trainees zu Seeleuten ausgebildet.


Mit dabei sein wird auch die Pogoria. 1980 in Gdansk gebaut, nahm die Barkentine am Tall Ship Race 1980 in der A-Klasse, der größten Segelschiffe der Welt, teil. Beide Wettfahrten dieser Regatta beendete das Schiff als erstes in seiner Klasse und erhielt den inoffiziellen Titel des „schnellsten Segelschiffes“. Sie wurde für Jugendliche vom Verein der „Eisernen Schäkel“ gebaut. Diese Einrichtung hilft Jugendlichen aus ganz Polen, sich mit dem Meer vertraut zu machen. Die vier gekreuzten Schäkel auf dem Rahsegel sind ihr Wahrzeichen.

Foto: Stiftelsen Christian Radich


Großer Nachfrage erfreuen sich schon jetzt die buchbaren Törns mit den Dreimast-Topsegelschonern Hendrika Bartelds und Swaensborgh und den Zweimast-Schonern Twister, Zephyr und Zuiderzee. Gäste wählen zwischen Törns zur Einlaufparade, einem Halbtagestörn hinaus auf die Weser oder einer abendlichen Fahrt zum Feuerwerk.


Täglich gibt es ein buntes Rahmenprogramm für die ganze­ Familie an Land und auf dem Wasser sowie Open Ship auf verschiedenen Schiffen. Zu den musikalischen Highlights gehören die Open-Air-Konzerte von Revolverheld (12.8.), Ben Zucker (13.8.) und Sarah Connor (14.8.).

Dr. Ralf Meyer, Geschäftsführer der Erlebnis Bremerhaven GmbH. Foto: enapress.com

Auf welches Schiff freuen Sie sich persönlich am meisten, Dr. Meyer?
Wir freuen uns natürlich über jedes Schiff, das wir zur „lütten Sail“ in Bremerhaven begrüßen dürfen. Besonders freue ich mich aber auf unser Flaggschiff Alexander von Humboldt II und auf die Earl of Pembroke.

Nachdem die Sail Bremerhaven 2020 im letzten Jahr abgesagt werden musste – was werden Sie als erstes auf der „lütten Sail“ 2021 tun?
Als aller erstes möchte ich die Freude der Gäste und meines Teams miterleben, die aufkommt, wenn die wundervollen Schiffe in die Häfen einlaufen, womit auch der Tourismus wieder an Fahrt aufnimmt.

Was wünschen Sie den Seeleuten und den Sehleuten für die Windjammerveranstaltung vom 11. bis 15. August 2021?
Wir wünschen uns, das wir nach der langen Phase der Pandemie ein friedliches Fest erleben und vor allem Gesundheit für alle Seeleute und Sehleute.

G:oteborg wird groß gefeiert

Stolze 400 Jahre alt wird das schwedische Göteborg in diesem Sommer.
Dagmar Lieder gratuliert der Stadt und stellt das Kreuzfahrtziel vor.

Sympathisch. Herzerfrischend unkompliziert. Humorvoll und entspannt – Mit genau diesem Genießer-Naturell heißt Göteborg seine Gäste willkommen. Schon immer und erst recht zum 400. Geburtstag der maritimen Stadt an der Westküste Schwedens. Gefeiert wird am 4. Juni 2021 – wegen Corona – im kleineren Stil und dann in zwei Jahren noch einmal richtig groß.


Immer mehr Besucher kommen auf dem Wasserweg in Schwedens zweitgrößte Stadt. Zuletzt zählte der Hafen 60 Anläufe von Kreuzfahrtschiffen mit über 100 000 Passagieren. Göteborg hat seine Anlegeplätze schon im Vorfeld des Jubiläums hübsch gemacht – das altehrwürdige Amerikaterminal mit seiner zentralen Lage strahlt im neuen Glanz.


Wer nicht zum ersten Mal Kurs auf 57° 42‘ 25“ N, 11° 57‘ 59“ O nimmt und dann sachte unter Göteborgs Golden-Gate-Bridge, der Älvborgsbron, durchgleitet, merkt schnell, wie sich die Skyline der Stadt verändert hat. Am markantesten: Die neue Brücke mit den weißen Pylonen, die die über 80 Jahre alte Dame, die Götaälvbron ablöst. Doch aller neuer Architektur zum Trotz – die 600000-Einwohner-Stadt bleibt bodenständig, grün, ein Garant für Gourmetküche und ist innovativ zugleich – gerade erst hat „Lonely Planet“ Göteborg erneut den weltweit besten nachhaltigen Stadtaufenthalt attestiert.
Selbstverständlich, dass die Veranstaltungen zum 400. Geburtstag der Stadt von ihren Bürgern mit bestimmt sind. Auf der Suche nach einem Jubiläumssong durfte jeder Beiträge zum Wettbewerb einschicken. Gewonnen hat die inzwischen 23-jährige Katarina Hemlin. ”Vi vill leva, vi vill dö i Göteborg” – ihr Lied klingt jeden Tag pünktlich um 16.21 Uhr vom Glockenturm der Deutschen Kirche, um an das Geburtsjahr der Stadt zu erinnern.


Und sonst Einzigartiges für die coole Küstenstadt? Die staatlichen Alkoholmonopol-Läden offerieren speziellen Jubiläums-Schampus zum Anstoßen. Die ersten neuen Briefmarken des Jahres tragen natürlich Göteborg-Motive und heben auch die Bedeutung des Hafens– des größten in Skandinavien – hervor.
Kreuzfahrer lernen Göteborgs „Smultronställen“, also die Lieblingsplätze meistens bei einer Stadtrundfahrt kennen: Den Panoramablick von der Masthuggs-Kirche über die gesamte Stadt, die Fischmarkthalle „Feske­körka“. Die Flaniermeile Avenyn mit Poseidon-Brunnen, Theater, Kunst- und der Konzerthalle ist ein Muss; eine gemächliche Bootsfahrt mit „Paddan“ und deutschem Guide durch die Kanäle die Kür. Andere leihen sich Fahrräder, um die Umgebung, Parks oder den Botanischen Garten auf eigene Faust zu erkunden. Und Dritte zieht es mit Bus oder Straßenbahn raus an die Küste. Kleine Fähren und Passagierboote schippern von dort auf die oft auto-­freien Schären vor der Stadt mit ihren pittoresken Häusern. Natur pur.


Die Göteborger sind sich sicher: Die Stadt wächst Besuchern ans Herz – früher oder später egal, ob im Jubi­läumsjahr oder erst 2023.

Fotos: enapress.com, Dagmar Lieder

Astoria, das dienstälteste Kreuzfahrtschiff

Unter dem aktuellen Namen Astoria in Rotterdam durch die Insolvenz des letzten Charterers CMV aufgelegt und auf seine weitere Bestimmung wartend, hat dieser Oldtimer eine mehr als aufregende Vergangenheit aufzuweisen. Jürgen Saupe über die Historie des Schiffes.

Der Rumpf ist bereits 75 Jahre alt, doch für das gesamte Innenleben gilt das (Um)Baujahr 1994. Die heutige Astoria hat Vergangenheit – und was für eine! Bereits in ihrem ersten Leben sorgte sie als Stockholm für Schlagzeilen. Im zweiten Leben bot sie als Völkerfreundschaft sonnenhungrigen DDR-Bürgern Abwechslung. Und in all den Jahren kam das Schiff niemals wirklich zur Ruhe.

Bekannt wurde die 1946 bei den schwedischen Götaverken unter der Baunummer 611 für den Liniendienst Göteborg – New York der Svenska Amerika Linjen gebaute Stockholm (16144 BRT) durch die Kollision mit dem italienischen Passagierschiff Andrea Doria in der Nacht des 25. Juli 1956, etwa 100 Seemeilen vor New York. Der schwedische Liner bohrte sich mit seinem Bug in die Breitseite des italienischen Schiffes, das so schwer beschädigt wurde, dass es Stunden später mit 47 Toten sank. Dank des stabil gebauten Rumpfes konnte die Stockholm, auf der fünf Menschen der Kollision zum Opfer fielen, trotz ihrer schweren Beschädigungen mit eigener Kraft und langsamer Fahrt New York anlaufen. Einmal mehr bewahrheitete sich der Begriff „Qualität aus Schwedenstahl“. Auf der Bethlehem-Werft in New York erhielt die Stockholm innerhalb von drei Monaten ein neues Vorschiff.

Die Kollision, wenn auch gut überstanden, ließ das Schiff bei den Passagieren zu einem „Unglücksschiff“ werden. Die Reederei sah sich daraufhin gezwungen, den Liner zu verkaufen. Am 3. Januar 1960 fand im Hafen von Göteborg die Übergabe an die Regierung der damaligen DDR als neuem Eigner statt. Für 1,4 Millionen US$ konnte das Schiff erworben werden. In Völkerfreundschaft umbenannt und von der Deutschen Seereederei in Rostock (DSR) bereedert, wurde das Schiff genau 25 Jahre als Urlauberschiff für den Freien Deutschen Gewerkschaftsbund (FDGB) eingesetzt. Am 29. Januar 1985 wurde die Völkerfreundschaft aus dem aktiven Dienst herausgenommen, die DDR-Flagge jedoch erst ein halbes Jahr später am 5. Juli eingeholt. Ein geplanter Verkauf war in letzter Minute geplatzt….

… Lesen Sie weiter in „an Bord“.

Fotos: Jürgen Saupe, Sammlung JSA

Unbekanntes Holland

In den Niederlanden trotzen die Menschen dem Meer seit Jahrhunderten.
Entstanden sind schöne Landstriche mit unzähligen Wasserwegen.
Die Region und das benachbarte Belgien ist prädestiniert für eine Flussfahrt, finden Stefanie Schnelli (Text) und Holger Leue (Fotos). Die Excellence Countess macht die Reise besonders schön.

Schwierig zu fassen, wie weit der Blick reicht. Die Weite lädt ihn ein, in die Ferne zu wandern und wieder zurück. Flaches Land. Topfeben. Nichts versperrt die Sicht auf den Horizont. Die höchste Erhebung der Wattinsel Texel vor der niederländischen Küste beträgt rund 20 Meter. Sie ist kein fester Hügel, sondern eine Düne, Sand.
Es geht vorbei an saftig grünen Wiesen, auf denen mollige­ Schafe grasen, an Häusern mit den typischen Reetdächern. Die Landschaft fasziniert, der viele Platz, die Ruhe und Natürlichkeit. Beim Aussteigen zerrt der Wind an Haaren und Jacke. „Sturm nennt ihr das?“, fragt Tanja und lacht. „Sturm ist für uns im Norden erst, wenn die Schafe keine Locken mehr haben.“ Tanja ist die Reise­leiterin an Bord der Excellence Countess, mit der die Gruppe eine Flussreise durch die Niederlande und Belgien unternimmt. Am riesigen Strand an der Nordspitze der Insel lässt sie ihre Schützlinge auf einem Spaziergang frische Luft schnappen.

Dem Wasser trotzen
Der Ausflug nach Texel ist nicht das erste Mal, dass die Passagiere der Excellence Countess vom Reisebüro Mittelthurgau die niederländische Weite erleben. Eine Woche lang erkunden sie das Land, werden von ihrem eleganten schwimmenden Hotel von einem Ort zum anderen geführt. Die Excellence Countess ist dabei ein Erlebnis an sich. 2019 getauft, überzeugt sie mit Stil, hohem Komfort und grosszügigen Räumlichkeiten. Auffallend grosse Fenster und viel Glas sorgen für reichlich natürliches Licht und eine entspannte, einladende Atmosphäre vom ersten Augenblick an. Die Rundreise „Holland-IJsselmeer“ startet und endet in Nijmegen, führt in den Süden, nach Zeeland, und bis in den Norden. Auf dem Programm stehen kleine Orte wie Middelburg oder Metropolen wie Amsterdam, Naturausflüge wie Friesland oder die Besichtigung von technischen Bauten wie die Deltawerke…

… Lesen Sie weiter in „an Bord“.

Fotos: Holger Leue/leue-photo.com, enapress.com