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Kleines Schiff auf den Großen Seen

Die HAMBURG ist eines der wenigen Kreuzfahrtschiffe, dass die Großen Seen auf der Grenze zwischen den USA und Kanada befahren kann. Peggy Günther war für uns zur Zeit des Indian Summers an Bord.

„Nüscht, alles schon kahl.“ Anneliese schnauft gegen ihre Enttäuschung an. Die Lektorin hatte doch gesagt, in den Laurentian Mountains sei die Chance auf den Indian Summer am höchsten. Doch die sanfte Hügellandschaft zeigt bis an den Horizont kein rotes Laub. „Ihr seid ein bisschen zu spät dran“, gibt Pierre-Alexandre Legault, Kommunikationschef des Tremblant Resorts unumwunden zu. „Der Peak der Laubfärbung ist etwa um unser kanadisches Thanksgiving herum, also Anfang Oktober. Manchmal sind die Nadelbäume weiter oben dann schon verschneit und unten am See leuchten die roten Blätter – ein Wahnsinnsbild“, berichtet der Manager begeistert. „Doch in den letzten Tagen war es windig und regnerisch, da hat es kaum ein Blatt an den Bäumen gehalten.“

Anneliese tröstet sich unterdessen mit einer heißen Kürbissuppe im höchstgelegenen Restaurant des Ortes, der an das französische Wintersportrefugium Megève erinnern soll. Kalt genug wäre es ja für das rote Laub, das für seine Verfärbung einige Frostnächte benötigt. Doch stehen hier überhaupt genug Zuckerahornbäume, die für ihr besonders intensives Rot bekannt sind? Immerhin gibt es als Hauptgang Hähnchen in Zuckerahornsoße. „Haben Sie das von der Frau gehört, die acht Monate an Bord ist“, raunt sie ihrer Sitznachbarin zu, um sich von ihrer Enttäuschung abzulenken. Anneliese ist eine von fast 40 allein reisenden Passagieren auf der 18-tägigen Plantours-Kreuzfahrt über die Großen Seen. Zehn Prozent der Passagiere sind also ohne Kabinennachbarn unterwegs – das ist erstaunlich viel. Doch wenn man bedenkt, dass auch zwei Drittel der Gäste auf dieser Reise schon einmal mit diesem Schiff unterwegs waren, wird schnell klar, dass die HAMBURG ohnehin kein gewöhnlicher Cruiseliner ist.

Weniger als drei Meter Platz in den Schleusen

Das Schiff für maximal 400 Passagiere hat eine bewegte Geschichte. Vor zwanzig Jahren auf der MTW Schiffswerft für die Conti Reederei gebaut, fuhr es bis 2012 unter dem Namen C. COLUMBUS für Hapag-Lloyd Kreuzfahrten. Als die Hamburger Reederei sich auf Luxus und Expedition spezialisierte, nutzte der Bremer Veranstalter plantours & Partner seine Chance, die zehn Jahre ältere VISTAMAR zu ersetzen. Obwohl die HAMBURG ein wenig größer war, zählt sie dennoch zu den wenigen Schiffen, die auf den Großen Seen zwischen den USA und Kanada kreuzen können. Als sie für Hapag-Lloyd Cruises geplant wurde, gab nämlich der Wellandkanal die Abmessungen des Schiffes vor: Mit seinen 21,5 Metern Breite passt es ziemlich exakt in die 24,4 Meter breiten Schleusen.

1,5 Meter Spielraum bleiben also auf jeder Seite, keine einfache Aufgabe für Kapitän Vladimir Vorobyov. Schon Tage vor der Kanalpassage beobachtet er die Wettervorhersage. Bei mehr als 25 Knoten Wind wird der Kanal gesperrt. „Die Frachtschiffe machen es sich einfach, sie rutschen im Zweifelsfall einfach in die Schleuse“, lacht der 67-jährige Ukrainer. Kein Wunder, dass manche Tanker so zerschrammt aussehen. „Sie wurden extra so gebaut. Für uns kommt das nicht infrage.“ Ruhig und konzentriert steuert er den Schiffsbug auf die erste Schleuseneinfahrt zu. Wer vom Palmgartenbalkon auf dem obersten Deck ganz vorn aus zusieht, dem wird ein wenig mulmig zumute. Denn es macht nicht den Anschein, als würde die HAMBURG zwischen die Betonmauern passen. …

Fotos: Peggy Günther, enapress.com, DenisTangneyJr/istock, Rainer Lesniewski/istock, Orchidpoet/istock

Luxus und Leidenschaft

Nicht weniger als den „Luxus perfektionieren“ will Regent Seven Seas Cruises mit ihrem sich seit Anfang Februar bereits in strahlend weißem Farbkleid am Ausrüstungskai der Fincantieri-Werft in Ancona präsentierenden jüngsten Neubau, der SEVEN SEAS SPLENDOR. Jens Meyer berichtet.

Schon während der Zeit in der Werft steht ihr dabei eine Frau zur Seite, die für die Umsetzung dieses Anspruches nicht nur prädestiniert scheint, sondern auch als Kapitänin der SEVEN SEAS SPLENDOR Branchengeschichte schreiben könnte.
„Es ist schon lange meine Leidenschaft, die Welt zu entdecken und Schiffscrews zu leiten und ich genieße es, diese Begeisterung mit allen zu teilen, die mit uns reisen“, sagt die aus Livorno stammende und mit ihrem Mann auf der kroatischen Insel Korčula lebende Serena Melani. Sie arbeitete einen Großteil dieses Jahres mit den Ingenieuren und Designern in Ancona zusammen, um sicherzustellen, dass auch aus Kapitänssicht Form und Funktion des Neubaus perfekt sind. Denn am am 7. Februar 2020 soll er unter ihrem Kommando zur schon jetzt fast ausgebuchten 15-tägigen Jungfernreise von Barcelona nach Miami ablegen. „Kapitänin Melani hat sich als Vorreiterin in der Schifffahrt und Kreuzfahrtindustrie ausgezeichnet. Sie ist ein internationales Vorbild und wird sowohl von unseren Gästen als von unseren Crews bewundert. Wir sind stolz darauf, sie als erste Frau der Branche mit der Übergabe eines Neubaus zu betrauen und freuen uns auf ihre künftigen Erfolge mit der SEVEN SEAS SPLENDOR“, sagt Reedereichef Jason Montague über die 45-jährige Frau, die sich in ihrer fast 30-jährigen Karriere schnell zu einer Führungspersönlichkeit entwickelt hat. Ihre Laufbahn auf See starte sie schon mit 16 Jahren, als sie neben der Schule als Kadett auf Frachtern im Thyrrenischen Meer unterwegs war. Nach dem Abschluss-Examen am Nautical Collage 1993 übernahm sie als einer der wenigen Frauen leitende Positionen auf Tankern und Frachtern, bevor sie 2010 zu Regent wechselte, wo sie auf allen vier in Fahrt befindlichen RSSC-Schiffen Dienst tat. Nach verschiedenen Offizierspositionen auf der SEVEN SEAS VOYAGER wurde sie ab 2016 als erste Kapitänin der Luxusreederei auf der SEVEN SEAS EXPLORER, SEVEN SEAS MARINER, SEVEN SEAS NAVIGATOR eingesetzt.

Ihr in neun Monaten unter der Flagge der Marshall Islands in Fahrt kommendes neues „Baby“, das am 28. Juni 2018 als Bau-Nr. 6281 auf Kiel gelegt worden war, wird nach Reedereiangaben mit der 412 Quadratmeter großen Regent Suite auf Deck 14 die größte und eleganteste Suite erhalten, die jemals auf einem Luxus-Kreuzfahrtschiff realisiert worden ist. Auch der über einen eigenen Poolbereich verfügende 120 Quadratmeter-Balkon soll neue Maßstäbe setzten. Auf dem rund 500 Mio. Dollar teuren Luxuskreuzer, bei dem es sich um einen optimierten Nachbau der 2016 vom Fincantieri-Werftbetrieb in Genua abgelieferten Typschiff SEVEN SEAS EXPLORER handelt und dem 2023 noch ein drittes Schiff dieser Klasse folgen soll, werden auf den 10 Passagierdecks mehr als 4 200 Quadratmeter italienischer Marmor verlegt. Darunter auch in allen Badezimmern der insgesamt 375 Balkonsuiten 15 verschiedener Kategorien zwischen 28 und 412 Quadratmeter für maximal 750 Gäste. Die gesamte Balkonfläche des 224 Meter langen und mit rund 55200 BRZ vermessenden Schiffes beläuft sich auf fast 4380 Quadratmeter. 500 Kristall-Kronleuchter sowie speziell in Auftrag gegebene Kunstwerke sollen besondere Akzente setzen, wobei die an einen englischen Garten erinnernde Observation Lounge ein Highlight darstellen wird. Ihr Herzstück ist ein überwältigender Kronleuchter aus handbemalten Porzellanblumen und Pfingstrosen.

Fotos: Regent Seven Seas Cruises, enapress.com

Modernes Design und lokaler Touch

Celebrity Cruises bietet seit 16 Jahren Fahrten zwischen den Galapagos-Inseln an. Nun wurde ein Neubau für dieses Gebiet gebaut, der doppelt so viel Platz an Bord bietet und mit modernster Technik arbeitet. Michael Wolf schaute sich die fast fertige Celebrity Flora auf ihrer Bauwerft in Rotterdam an.

Ein steiler Bug, schöne Formen – die neue Celebrity Flora präsentiert sich in der De Hoop-Werft in Rotterdam wie ein kleiner klassischer Oceanliner. Dabei hat dass Schiff mit seinen 5 739 BRZ gerade mal die Dimensionen einer Megayacht und würde in Cannes oder Monte Carlo im Kreis der dort dümpelnden Luxus-Yachten nicht großartig auffallen.
Genau dieses Yacht-Feeling sei gewünscht, so Lisa Lutoff-Perlo, die Chefin von Celebrity Cruises.

Während die Arbeiter noch scharenweise am und im Schiff arbeiteten, konnten sich bei einem Event auf der Werft Vertreter von Presse und Vertriebspartnern einen ersten Eindruck vom Schiff verschaffen.
Optisch ganz besonders: die Marina mit der gleichzeitigen Anlegemöglichkeit für zwei große Zodiacs, sowie die Penthousesuiten oben am Heck mit ihren geschwungenen Fensterfronten und Balkonen.
In der Discovery Lounge findet man nicht nur lokales Design wie originelle Sitzmöbel, sondern auch den größten Screen, der auf den Galapagosinseln eingesetzt wird. Hier finden die Vorträge und Präsentationen der Lektoren statt. Das mittig gelegene Seaside-Restaurant bietet enorm viel Platz, alle Fischspezialitäten und Meeresfrüchte sollen hier aus heimischen Gewässern serviert werden.
Die 50 Kabinen und Suiten, jeweils nur für zwei Personen ausgerichtet, sind modern ausgestattet und in hellen Farben und dunklen Hölzern designt. Alle Betten haben direkten Blick auf die Panoramafenster, wie auch die Badezimmer. Einige der Kabinen haben die neuen Infinite Verandas, die erstmals auf der Celebrity Edge eingeführt wurden. Hier lässt sich das Fenster auf Knopfdruck bis zur Hälfte nach unten einfahren, die Kabine wird dadurch größer. Bei anderen ist die klassische Balkon-Variante zu finden. Jede Kabine hat einen Verteiler für gefiltertes Trinkwasser, Plastikbecher und -Flaschen sind an Bord nicht mehr zu finden.
Über das oberste Deck erstreckt sich ein festes Sonnendach, kurvig gestylt mit witzigen Löchern, die den Blick in den Himmel freigeben. An den Seiten des Decks, das auch einen Openair-Grill und einen großen Whirlpool beherbergt, liegen wie Cabanas zwei Relaxbereiche, die für eine Zeit (oder auch für eine Nacht) gemietet werden können. Im Preis von 299 US-Dollar pro Person ist ein Dinner und ein mit dem eigenen Namensmonogramm bestickter Pyjama enthalten, auch der Kapitän könnte auf einen Besuch vorbeikommen. Das kannte man bis jetzt nur von den sogenannten balinesischen Betten der SeaDream-Yachten. Die allerdings erheben keinen Aufpreis für die begehrten Open-air-Betten.
Für die Celebrity Flora ist die amerikanische Reederei mit der Universität von Miami eine Partnerschaft eingegangen, die unter dem Namen Oceanscope das Erforschen der Destination in einem Minilabor an Bord ermöglicht. Geleitet wird das Programm von einem der Professoren der Uni, Dr. Peter Ortner.
Mit 200 Quadratmeter Solarzellen ist die Flora zur Emissionsverringerung gut aufgestellt (als einziges Schiff im Galapagos-Fahrgebiet), die dynamische Positionierung hilft, Schäden der Unterwasserwelt durch Ankern zu vermeiden.
Die Celebrity Flora machte sich nach ihrer Übergabe am 13. Mai an die Reederei auf den Weg in ihr neues Fahrgebiet, die Galapagosinseln.
Taufpatin wird am 30. Juni die ecuadorianische Naturforscherin und ehemalige Präsidentin des World Wildlife Fund (WWF), Yolanda Kakabadse, sein.

Fotos: enapress.com

Eine Elfe für den Douro

Bis zur letzten Sekunde wurde noch am Schiff gearbeitet, aber die seit langem geplante Taufe konnte pünktlich stattfinden. Yvonne Catterfeld war die charmante Patin der A-ROSA ALVA bei einer beindruckenden Zeremonie in Porto am 30. April. Michael Wolf berichtet.

Eine schönere Kulisse kann es für eine Schiffstaufe kaum geben: im Hintergrund die Altstadt von Porto mit ihren historischen Fassaden, den prächtigen Palästen und der Kathedrale, daneben die berühmte Stahlkonstruktion der Brücke Ponte Dom Luis I, davor die schaukelnden kleinen hölzernen Transportschiffe für die lokalen Portwein-Hersteller. Am Anleger von Vila Nova de Gaia flanieren Touristen, eine Seilbahn führt hinauf auf den Hügel.
Die A-ROSA ALVA ist festlich geschmückt, bereit für die Taufzeremonie. Ein Priester segnet das Schiff, der Moderator Fernando Tiberini führt dreisprachig durch das Programm der Ansprachen der A-Rosa-Chefs Jörg Eichler und Markus Zoepke und dem stellvertretendem Geschäftsführer der Partnerfirma Douro Azul, dem Eigner des Neubaus.
„Entlang lebendiger Städte, blühender Landschaft und fruchtbarer Hügel mögest Du sicher dahin gleiten“ gibt Patin Yvonne Catterfeld neben der „Handbreit Wasser unter dem Kiel“ dem Täufling mit auf den Weg, bevor sie das rote Band zerschneidet und die Champagnerflasche mit einer kleinen Verspätung beim zweiten Anlauf am Bug zerschellt und sich rotweiße Konfetti-Fontänen über das Schiff ergießen.
„Ich finde, dass der Name des Schiffes A-ROSA ALVA, also Elfe, hervorragend zur Natur passt“ meinte Yvonne Catterfeld, die auch Markenbotschafterin für A-Rosa ist. Sie kenne jetzt mittlerweile fast alle Strecken bei „ihrer“ Reederei, reise häufig mit ihrer Familie. Demnächst sollen noch weitere „Familienteile“ mit einbezogen werden: Die nächsten Werbe-Shootings sollen mit Yvonnes Partner Oliver stattfinden.
An diesem Dienstagabend wurde die Taufe an Deck gebührend gefeiert: A-Rosa-Genussbotschafter Oliver Edelmann hatte ein edles Galabuffet aufgebaut, die Esstische waren liebevoll dekoriert und eine ambulante Bar am Heck erfreute sich besten Zuspruchs. Neben Champagner fand der neue In-Drink des Jahres reißenden Absatz: weißer Portwein auf Eis mit Tonic Water (Port Tonic), die lokale Band Flor Batom sorgte dazu für heiße Rhythmen.
Krönender Höhepunkt zum Sonnenuntergang die Ausfahrt der A-ROSA ALVA mit Publikum unter den berühmten Brücken von Porto ging es fast bis zum Atlantik. Mit Fadomusik in einer historischen Port-Kellerei klang der rundum gelungene Tauftag aus.
Das neue Schiff wird ganz im Zeichen des Douro stehen. Bis auf den holländischen Hoteldirektor und den deutschen Cruisedirektor kommt die gesamte Crew aus Portugal. Auch die Küche soll neben internationalen Gerichten auch regionale Spezialitäten sowie portugiesische Weine, natürlich aus dem Anbaugebiet des Douro bieten.

Kleiner Rundgang

Das Schmuckstück des großen Sonnendecks ist sicher der gutdimensionierte Pool, umgeben von bequemen Liegemöbeln. Ein Sonnendach spendet mittig Schatten, am Heck findet man ein kleines Minigolfspiel.
Die 63 Kabinen sind zwischen 12 und 14 Quadratmeter groß und verteilen sich über drei Decks, die mit einem Aufzug verbunden sind. Zwei Balkonsuiten am Heck verfügen über jeweils 29 Quadratmeter. Sie sind in modernen hellen Grau-und Rottönen designt und mit einem großen Screen sowie individuell regelbarer Klimaanlage und kompletten Badezimmer ausgestattet.
In den Kabinen auf Deck 2 und 3 finden sich die neuen Panoramafenster, die zur Hälfte nach unten abgesenkt werden können und so eine gläserne Brüstung bilden.
Das Marktrestaurant liegt im vorderen Bereich von Deck 2, in seiner Mitte der Buffet-Bereich. Auf der A-ROSA ALVA werden Suppen und Hauptgerichte an den Tisch serviert, eine Neuerung in der Flotte. Für kulinarischen Genuss ohne Reue schließt der Fitnessraum praktischerweise direkt am Restaurant an.
Im Spa-Bereich auf Deck 1 mit Massage und Ruheraum liegen auch die beiden nach Geschlechtern getrennten Saunen.
Besonders schön präsentiert sich der Außenbereich der Lounge (mit kleiner Bar) auf Deck 3 vorne am Bug mit seinen Tischen und freien Blick in die Fahrtrichtung.
Durch die Verzögerung der Fertigstellung in der Werft musste die Jungfernfahrt kurzfristig abgesagt werden. Die gebuchten Gäste dürften sich dennoch freuen: die Reederei bot ihnen zwei Freireisen an. Auch die Reisebüros sollen für die Vermittlung die volle Kommission erhalten. Am 8. Mai begann so die erste Fahrt der A-ROSA ALVA auf dem Douro.

Meine Passion

Die 43-jährige Finanzexpertin Rania Al-Mashat ist seit Januar 2018 Tourismusministerin in Ägypten. Erstmals steht somit eine Frau an der Spitze des Ministeriums. Über ihre Pläne, auch den Kreuzfahrt-Tourismus im Land der Pharaonen zu pushen, sprach sie mit Michael Wolf.

Was sind Ihre Prioritäten im ägyptischen Tourismus?

Als ich Ministerin geworden bin, haben wir die wichtigsten Interessenvertreter zusammen an einen Tisch gebracht, also den Privatsektor, die Regierung und das Parlament.
Die Vision war, einen nachhaltigen Tourismus zu ­kreieren, der im internationalen Bereich wettbewerbsfähig ist und den wichtigsten internationalen Standards entspricht. Zudem war die Idee, dass in jedem ägyptischen Haushalt zumindest eine Person im Tourismus tätig sein sollte.

Wie gehen Sie dabei voran?

Wir sind dabei, mit unserem Programm zu trainieren, die ethischen Fragen des Tourismus zu erläutern, was es bedeutet, einen Besucher „willkommen zu heißen“. Wir haben Wettbewerbe in Schulen bei denen Kinder Videos hochladen können, wie sie mit Touristen umgehen. Sie bekommen dann Titel wie „ägyptischer Tourismus-Botschafter“ verliehen.
Bei den Hotels arbeiten wir sowohl an der Hardware (die Hotels und die Infrastruktur), als auch an der Software (den Mitarbeitern). Die Sterne-Klassifizierungen wurden seit 2006 nicht geändert.

Was wussten Sie über Kreuzfahrten, als Sie vor einem Jahr Tourismusministerin wurden?

Luxor und Assuan waren immer auf meiner Winterferien-Liste, in der Universitätszeit bin ich auch mit Freunden auf Kreuzfahrten gewesen. Ägypten ist wunderschön. In der Region zwischen Luxor und Assuan kann man veritables Tempel-Hopping machen.
Der Nil ist ein sehr wichtiges Geschenk für Ägypten.
Die Geschichte des Flusses ist faszinierend. Es war der Weg, die Steine zu transportieren, aus denen die Pyramiden errichtet wurden. Der Nil und Nord-Ägypten ist blau, weit und schön. In Abu Simbel herrscht eine unfassbare Schönheit und Ruhe. Die Pharaonen erzählen Geschichten. Wenn Sie hier auf einer Kreuzfahrt sind, tauchen Sie in diese Geschichten ein. In ihr Leben, wie sie sich vorbereitet haben für das Leben nach dem Tod, die Magie ihrer medizinischen Instrumente – in Kom Ombo, in Edfu, die Astronomie. Es ist ein idealer Weg, den Geist der Menschheit zu entdecken.

Der Nil hat jetzt wieder einen deutlichen Zuwachs an Touristen erlebt.

Ja, es gibt einen Aufschwung der Nilkreuzfahrten. Gleichzeitig wurden die meisten Schiffe upgedatet, auch nach sicherheitsrelevanten Aspekten.
Dies geschieht in Kooperation mit der ägyptischen Tourismus-Föderation, unter voller Einbindung des ­Privatsektors, der 98 Prozent des Business ausmacht. Darauf bin ich stolz.
Unsere Rolle als Ministerium ist es, dass die Regeln eingehalten und aktualisiert werden, die Konkurrenz­fähigkeit gewährleistet wird, aber auch immer mehr Business im und für das Land zu etablieren. Einige Firmen investieren in neue Schiffe, auch die lange ­Kreuzfahrt von Kairo nach Luxor wird wiederbelebt. Das sind sehr erfreuliche Entwicklungen.

Wie wichtig ist der Kulturtourismus in Ägypten?

Ägypten ist vielfältig: es gibt das Meer und die Sonne. Und den Kulturtourismus, den wir wiederbeleben ­möchten. So ist es einzigartig, dass die komplette Region von Luxor Teil des UNESCO Welterbes ist.
(Anmerkung der Redaktion: Abu Simbel war das erste Projekt der UNESCO vor dem Bau eines Stausees. Die Rettung der Tempel von Nubien war ein weltweites Gemeinschaftsprojekt zur Erhaltung des Kulturerbes. Die Idee der Welterbekonvention wurde in Abu Simbel gefasst.)

Ich gebe Ägypten meinen Verstand, mein Herz, meine Seele. Ägypten besitzt mich. Jede Zelle meines Körpers ist für das Land, 24 Stunden am Tag, sieben Tage die Woche.
Ägypten zu dienen, indem wir zu einer Politik beitragen, die den Reichtum des Nils an alle seine Bürger weitergibt, ist nicht nur eine Mission, sondern eine Leidenschaft.

Rania Al-Mashat, Tourismusministerin Ägypten

Dabei wird Ihnen das Grand Egyptian Museum (GEM) helfen?

Genau. Das GEM soll Ende 2020 eröffnet werden.
Es ist das einzige Museum, wo man ägyptisches Erbe ­sehen kann, und die Pyramiden als Kulisse hat. Über das GEM wollen wir die Leute daran erinnern, was uns unterscheidet und auf was wir stolz sind.

Gibt es Masterpläne für den Kreuzfahrtbereich?

Wo die Kreuzfahrt stoppt ist ein wichtiger Punkt.
Wir haben Liegeplätze in Luxor und Assuan. Wir ver­suchen diese auszubauen, so dass wir mehr Touristen empfangen können. Wir möchten auch gern Al-Minya, die Heimat von Echnaton, als neues Kreuzfahrtziel einführen, weil es fantas­tische Tempel besitzt.

Ist auch der Hochseemarkt im Fokus?

Es gibt eine Vereinbarung zwischen Griechenland, ­Zypern und Ägypten, geopolitische Kooperationen und eine Kreuzfahrtlinie. Das Programm der Anlaufhäfen
ist finalisiert. Wir hoffen, Ende 2019/Anfang 2020 diese Reisen anbieten zu können. Wir haben ein sign-up für eine Route zwischen den drei Ländern. Darauf wird der Hafen von Alexandria gut vorbereitet. Auch für die Schienenverbindung nach Kairo gibt es einen detaillierten Plan.
Die Mittelmeerküste Ägyptens ist im Fokus: Ich bin als Kind jeden Sommer dort gewesen, mein Lieblingsplatz zum Schwimmen. Die Strände die wir am Mittelmeer haben sind fantastisch.

Hatten Sie ein Vorbild für dieses Tourismus-Konzept?

Nein. Ich denke, Ägypten hat immer eine Vorreiterrolle gegenüber anderen Ländern im Tourismusbereich gehabt und die Standards gesetzt.

Ihr persönlicher Tipp?

Ich liebe die Tempel von Kom Ombo und Philae. Kom Ombo, weil an den Wänden des Tempels zahlreiche Elemente der Astronomie zu finden sind. Instrumente der Medizin, Detailvielfalt an den Wänden. Man kommt nur dahin, wenn man eine Kreuzfahrt macht.
Der Philae Tempel gehört zu meinen schönsten Kindheits- und Jugenderinnerungen.

Foto: enapress.com, Fotoaufmacher: AdobeStock

Durchs Herz von Frankreich

Die Oberleitungsmasten fliegen nur so vorbei. Kurz nachgerechnet ergibt sich ein Tempo von 360 Sachen. Der französische Hochgeschwindigkeitszug TGV lässt bei Peer Schmidt-Walther keinen Gedanken daran aufkommen, schon bald komplett ausgebremst zu werden – auf dem Péniche-Kabinenschiff DEBORAH.

Briare, in der Region Loiret. Das kleine Städtchen liegt an der Grenze zum Burgund, wo auch der Verbindungskanal zwischen Seine und Loire mündet. Schon 1642 wurde hier nach 38 Jahren Bauzeit der Briare-Kanal fertiggestellt, der erste größere in Europa. Wasser und Land sind hier also eng miteinander verflochten, wofür nicht nur die zahlreichen Brücken und Schleusen ein beredtes Indiz sind. Früher wurden die Waren der Loire-Schiffe im seeartigen Hafen auf die großen Kanalfrachter umgeschlagen. Seinen Wohlstand verdankt Briare daher im Wesentlichen der Binnenschifffahrt. Was man nicht nur an den stattlichen Häusern, der mächtigen Kirche Église Saint-Etienne und zwei Schlössern ablesen kann, sondern auch im Schifffahrts-Museum des Deux Marines et du Pont Canal erfährt. Ein Besuch lohnt sich allemal, bevor man an Bord geht.

Charme nautique außen und innen

Erste Begegnung im Port de Commerce am Quai Mazoyer. Sie wirkt – blau-weiß und auf Hochglanz poliert – mit ihren 38 Metern geradezu wie ein Koloss inmitten der kleinen Hausboote. Am bulligen Steven der in blitzenden Stahllettern angeschweißte Name: DEBORAH. „Charme nautique“. So jedenfalls liest man es am Marina-Gebäude gegenüber. Passt!Ein junger, schwarzbärtiger Typ mit Basecap, T-Shirt und Jeans will sich gerade auf sein Klapprad schwingen. Er stoppt abrupt: „You are…? Per kräftigem Handschlag gibt er sich lachend als Kapitän zu erkennen. Rodolphe Magnin aus Lyon ist zwar erst 35, aber Chef „seines Dampfers“. „Wir haben noch viel Zeit“, tritt er schließlich in die Pedalen und verschwindet hinter Rosenbüschen in einer Gasse Richtung Stadt. Seine Freizeit ist knapp bemessen, denn ab 19 Uhr startet der Gäste-Empfang im Salon.Auch Célia Pszczolka, die Purserin, empfängt einen herzlich strahlend. Auf dem Treppenpodest eine Orchidee und ein Schild mit den Namen der Passagiere. Eine gute Idee! So kommt man vielleicht schneller ins Gespräch, wenn man sich persönlich ansprechen kann. Hier genügt der Vorname. Joana mit dem unweiblichen Nachnamen Casanova führt hinab aufs Kabinendeck.

Debut und Gourmet-Menü

Stilvoll und absolut modern in Grau, Blau und Weiß gehalten, fühlt man sich gleich wohl in dem kleinen Reich für sieben Tage. Stauraum ist dennoch genügend vorhanden und das Bad erstaunlich geräumig. Bis ans Fenster gluckert das grüne Kanalwasser.
Der Sekt perlt in den Gläsern, während die sechsköpfige Crew ihr Debut gibt. Beifall ist die Belohnung dafür.Im sonnendurchfluteten Restaurant indes hat sich bereits Christophe Muller aufgebaut wie auch später zweimal am Tag. Der gewichtige Elsässer, in blendendem Weiß mit hoher, steifer Mütze, wartet auf die hungrige Gäste-Meute. Seine Menü-Folge lässt einem schon vorab das Wasser im Munde zusammenlaufen: Spargel, Entenbrust, eine lokale Käseauswahl, Erdbeer-Mousse und Weine. Produkte, wie Christophe betont, die frisch aus der Region stammen und ein Bio-Siegel führen. Gespannt sind auch die belgischen Tischnachbarn Christiane, René und Pierre, mit denen schnell eine muntere Unterhaltung in Gang kommt. Wir beschließen spontan zusammenzubleiben, obwohl freie Tischwahl herrscht.
Geradezu angeflogen kommt die blonde estnische Serviererin Egle Lukoseviciote aus Klaipeda, dem früheren Memel…..

Fotos: PSW, CroisiEurope, Shutterstock.com

Für Sie auf anbord.de:

Auszüge aus den Artikeln der neuen Ausgabe.
Die vollständigen Artikel und weitere spannende Beiträge finden Sie – wie gewohnt – in der neuen Printausgabe von AN BORD bei Ihrem Zeitschriftenhändler oder hier:

Neuer Stern für Chinas Kreuzfahrtziele

Chinesen lieben Kreuzfahrten. Aus der Volksrepublik buchen inzwischen über 2,5 Millionen Menschen pro Jahr eine längere Seereise. Das Wachstumspotenzial ist gigantisch – so wie alles im Reich der Mitte. Für diesen Markt gibt es jetzt auch ein Schiff, das speziell für Wünsche chinesischer Passagiere entwickelt wurde. Frank Behling sah sich auf der COSTA VENEZIA um.

Die Costa Venezia ist das Symbol italienischer Lebensart und zugleich eine für Urlauber aus China optimierte Urlaubsart. Es ist das Typschiff einer ganzen Serie von Neubauten, die bald auch in China entstehen sollen.Im Februar mussten aber Tausende Reisebüromitarbeiter und Journalisten aus China noch nach Italien reisen, um dort die Präsentation des neuen Flaggschiffes der Marke Costa Asia zu erleben. Gebaut wurde die „Costa Asia“ bei der italienischen Fincantieri-Werft in Monfalcone. Am 8. März startete sie zur Jungfernreise in Richtung Shanghai.
„China hat ein großes Potenzial Und wir haben das Ziel, dieses Potenzial weiter zu entwickeln“, sagt Mario Zanetti, der Präsident von Costa Asia. „In China ist die Lust auf Reisen deutlich zu spüren. Dabei ist die Kreuzfahrt die ideale Art für den Urlaub. Mit der Costa Venezia haben wir ein Schiff, das die schönsten Dinge Italiens nach Asien bringt“, so Mario Zanetti, Präsident von Costa Asia.
Costa Asia ist Teil der Carnival-Gruppe, die sich den Markt in China seit fast 15 Jahren genau angeschaut hat. 2006 startete die europäische Carnival-Tochter Costa mit der Costa Allegra in China. Was als Test begann, wurde inzwischen zur festen Größe.
„Die Chinesen lieben die italienische Lebensart, auf vielerlei Art“, sagt Zanetti. Mit vier Schiffen und über 10000 Betten ist Costa inzwischen einer der großen Anbieter im chinesischen Markt. Das Erfolgsrezept ist die Öffnung des Produkts für chinesische Passagiere.Die erste Bordsprache der Schiffe ist zwar Englisch – wegen Solas. Chinesisch ist aber die Sprache, die allgegenwärtig ist. Alle Beschriftungen, Infotafeln und Speisekarten sind bei Costa Asia in Chinesisch. „Das ist unser Bekenntnis zu China“, so Zanetti. Er zeigt nur zu gern die Einflüsse. „Unsere Gäste aus China lieben gute Küche, besonders aus Italien“, sagt er.

Wer an Bord der Costa Venezia jetzt Pagodendächer, eine chinesische Mauer und Reis als Hauptnahrung erwartet, wird enttäuscht. Goldene Löwen-Skulpturen, rote Plüschpolster und Teppiche sowie Jackie Chan als Wachsfigur deuten zwar auf die asiatische Nähe hin.Dominierend ist jedoch Bella Italia. „Das liegt daran, dass Italien in China sehr beliebt ist. Besonders die Küche ist ein Grund für die Beliebtheit“, sagt Zanetti.
Das größte Restaurant ist mit 1500 Plätze das Canal Grande. Wie beim Vorbild in Venedig durchzieht ein Kanal mit einer echten Gondel aus Venedig den Raum. Pizzeria, Eis-Salon und viele kleine Cafés wurden integriert. Die sonst auf Kreuzfahrten übliche Basketball-Arena wurde durch einen Fußballplatz mit Kunstrasen und der Bemalung Juventus Turin ersetzt. Juve ist in China der Inbegriff für europäischen Sport….

Fotos: Frank Behling

Kreuzfahrt mit Hammer und Sichel

Bei der Ivan Franko handelte es sich um das Typ-Schiff der aus fünf Einheiten bestehenden Serie, die von 1964 bis 1972 auf der MTW-Werft in Wismar entstanden. Diesen „Sowjet-Liner“ suchte sich Jürgen Saupe aus, um mit einem der damals größten Passagierschiffe der UdSSR in der Karibik zu kreuzen.

In den 70er Jahren war Neckermann ein großer Anbieter von Kreuzfahrten, überwiegend im unteren Preissegment. Die unter dieser Veranstalterflagge fahrenden sowjetischen Kreuzfahrtschiffe waren allesamt in Vollcharter des Unternehmens. Somit konnte der Veranstalter Bordleben, Unterhaltung und die Ausflüge bestimmen. Nicht nur damals war es wichtig, an Bord ein starkes Bindeglied zwischen Fahrgästen und Schiffsführung zu haben, denn das Wort Servicebereitschaft war seinerzeit bei den Russen oft noch ein Fremdwort und nicht selten wurden auch die kleinsten Wünsche eines Gastes einfach ignoriert, da die Erfüllung ja mit zusätzlicher Arbeit des Schiffspersonals verbunden waren. Dazu konnte sogar das Auswechseln einer kaputten Glühbirne in der Kabine zählen. Manchmal passierte auch für den Rest der Reise überhaupt nichts. So war das freundliche Neckermann-Team an Bord stets gefordert.

Die Ivan Franko gehörte zu ihrer Zeit mit rund 20 000 BRT (der damaligen Vermessungseinheit) zu den großen Kreuzfahrtschiffen, sicher auch ein Grund für ihre Beliebtheit. Da jeweils nur bis zu rund 650 Passagiere an Bord waren, gab es reichlich Bewegungsfreiheit auf den großen Sonnendecks sowie in den öffentlichen Räumen. Einzige Ausnahme: der Musiksalon. Dieser war ursprünglich nur für nur 180 Gäste (bei Linienfahrten) konzipiert, wurde später aber bei allen Schiffen dieser Serie aufgrund des überwiegenden Einsatzes für Kreuzfahrten erheblich vergrößert, so dass hier schließlich bis zu rund 500 Passagiere Platz fanden. Bei einem „Ferienliner“ durchaus nicht üblich, verfügten die Schiffe dieser Serie jedoch sowohl über einen Swimmingpool auf dem Sonnendeck als auch über einen überdachten Pool mit großen Fenstern, dessen Dach sich anfangs bei allen, später nur noch bei einigen dieser Schiffe öffnen ließ. Es gab ein kleines Bordkino, in dem allerdings mehr sowjetische Dokumentarfilme als westliche Kinoerfolge gezeigt wurden.

Die Kabinen allerdings waren selbst für damalige Verhältnisse gewöhnungsbedürftig. Ein Großteil hatte keine Nasszellen, Duschen und Toiletten befanden sich in aber ausreichender Zahl auf den Gängen. Auch die Einrichtung war einfach – ohne Teppichboden und mit Resopal-Möbeln. Einigen westlichen Touristen, die Erfahrung von anderen, besseren und auch teureren Kreuzfahrtschiffen mitbrachten, trösteten sich darüber allabendlich an den Bars bei aus heutiger Sicht „spottbilligen“ Getränken hinweg.

Kulinarisches

Nach heutigem Standard würden die kulinarische Qualität, Präsentation und der Service sicher schlicht die Schulnote 5–6 bekommen. Doch damals waren nur wenige kritische Stimmen zu hören, was sicher auch an den extrem niedrigen Fahrpreisen lag, die viele manch „katastrophale“ Mahlzeit still ertragen ließen. Die „Rettung“ nahte in den angelaufenen Häfen. Zahlreiche Passagiere gingen an Land essen. Zwar waren Auswahl und Reichhaltigkeit der Mahlzeiten durchaus in Ordnung, doch die Qualität der Speisen, die Teller-Präsentation und der Service der Stewardessen und Stewards ließ oft zu wünschen übrig. So war es zum Beispiel auf sowjetischen Schiffen üblich, immer im „Dreier-Kollektiv“ zu servieren. Beim Hauptgang trug so die Stewardess ein Tablett mit dem Fleisch, eins mit Gemüse und eins mit den Kartoffeln zu den Tischen ihrer Station. Jedem einzelnen Gast wurde vorgelegt. So konnte der Gast zwar Menge und Zusammenstellung individuell bestimmen, aber: War eine Gemüsesorte bei den Passagieren, die zuvor bedient wurden, ein „Renner“, mussten die später bedienten Gäste nehmen, was noch auf den Platten lag. Beim Fleisch dagegen hatten die, die „in der Mitte“ an der Reihe waren, die besten Karten. Denn zu Beginn war die Stewardess noch etwas „ängstlich“ bei der Bemessung der Menge pro Gast – und zum Schluss war meist nicht mehr viel da…..

Fotos: Jürgen Saupe

Alles für alle

Ein altes Menschheitsgeheimnis ist entschlüsselt worden: Die Moai, markante Steinfiguren auf der Osterinsel, wurden mit genauer Bestimmung platziert. Roland Mischke hat Rapa Nui bereist.

Schon Babys wollen Gerechtigkeit. Aus Studien ist bekannt, dass die Kleinsten mit dem Wunsch auf die Welt kommen, zu teilen. Selbst beim Spielzeug achten sie, die weder sprechen noch gehen können, darauf dass es gerecht verteilt ist. Dieses Empfinden liegt offenkundig in unserer Natur.

So auch auf der Osterinsel. Den einsamsten Ort der Erde. Nach Osten hin fast 4000 Kilometer von der chilenischen Küste und nach Südwesten hin, zur nächsten Inselgruppe, den Marquesas-Inseln, ebenso 4000 Kilometer entfernt. Auf der Osterinsel wohnen etwa 4000 Menschen, die Rapa Nui, wie sie sich und gleichzeitig ihre Insel nennen. Sie gehört zum Staat Chile, aber die Einheimischen kommunizieren in einem polynesischen Dialekt. Rapa Nui heißt: Großer Stein. Wie das abgelegene Eiland besiedelt werden konnte, ist unklar. Und unklar war auch bis vor kurzem, nach welchem System auf der 166 Quadratkilometer großen Insel 638 vermessene Moai verteilt wurden.

Unglaubliches ist über die bis zu knapp zehn Meter hohen und tonnenschweren Steinskulpturen mit den wuchtigen Körpern ab der Taille und den riesigen Köpfen berichtet worden. Jetzt haben US-amerikanische Forscher das Geheimnis gelüftet. Die Kolosse wurden immer dort aufgestellt, wo sich eine Süßwasserquelle befand. Alle Insulaner sollten wissen, wo es Wasser gibt. Selbst in der Weite des Stillen Ozeans funktioniert das menschliche Gerechtigkeitsempfinden.

Die Moai, maskuline Figuren, galten als Darstellungen von Häuptlingen oder populären Ahnen. Diese Ansicht ist nun widerlegt. Die Anthropologen Carl Lipo und Terry Hunt von der Universität Binghamton in New York erklärten: „Je mehr wir die Zusammenhänge geprüft haben, desto mehr bestätigte sich das Muster, das wir sahen. An Orten ohne Statuen gab es kein Süßwasser.“ Moai stehen nur an Wasserstellen. Die Ahnenreihe beschwört die Tradition des Teilens, das Wasser ist kollektives Gut…..

Fotos: Wolfgang Siesing, Mrvisual/AdobeStock, Tero Hakala/shutterstock.com

Zeitloser Luxus

Nach der Crystal Symphony wurde nun auch die Crystal Serenity in Bremerhaven komplett renoviert und technisch upgedatet. Michael Wolf schaute sich die Neuerungen bei einer Fahrt an der US-amerikanischen Westküste an.

Ein Wintertag in Los Angeles präsentiert sich erfreulicherweise wettermäßig meist anders als hierzulande. Bei strahlendem Sonnenschein bietet sich heute von den Hügeln der Halbinsel bei San Pedro aus ein herrlicher Blick – in der einen Richtung auf die Skyline der Metropole mit den dem von hier aus winzigen Hollywood-Schriftzügen und den schneebedeckten Bergen. Auf der anderen Seite auf den Hafen von Los Angeles, im Hintergrund ist sogar Long Beach mit dem Kultschiff Queen Mary erkennbar, das hier als Hotelschiff sein Dasein fristet. Im Industriehafen liegt das World Cruise Terminal, das seinen großen Namen sicher irgendwann verdienen wird, hier wartet bereits die weiße Crystal Serenity auf ihre letzten Gäste.
Das Terminalgebäude hat den nostalgischen Charme einer Gepäckhalle aus anderen Zeiten. Das Ankommen auf dem Schiff ist dafür dann spektakulär: Im Rezeptionsbereich ist ein gutes Dutzend von mobilen Eincheck-Stationen aufgebaut, an denen freundliche Mitarbeiter nur auf uns zu warten scheinen. Ein guter Einstieg in den Luxus des Schiffes, dezent begleitet von einem Glas Champagner.
Das Atrium mit seinen Freitreppen, dem Wasserfall unter der beeindruckenden farbigen Glasmosaik-Kuppel präsentiert sich an diesem Dezembertag wie eine Weihnachtslandschaft: Verschneite Tannenbäume, Rentiere, Schlitten mit Geschenken, Märchenfiguren und natürlich Weihnachtsmänner in allen Variationen sind mit unglaublicher Liebe zum Detail hier und an allen öffentlichen Räumen des Schiffes platziert. Kaum eine andere Cruise Line bietet seinen Passagieren eine derart fast verschwenderische Weihnachtsdekoration wie Crystal Cruises.
Aber nicht nur wegen des weihnachtlichen Touches präsentiert sich die Crystal Serenity heute anders: Das Schiff wurde nach der Crystal Symphony im Rahmen des Erneuerungsprogrammes der Reederei komplett upgedatet. (Unsere letzte Schiffsbeschreibung finden Sie in an Bord 2-2016). 28 Tage dauerten die umfangreichen Renovierungsarbeiten auf der Lloyd-Werft in Bremerhaven, die wie Crystal Cruises zur malaysischen Genting Gruppe gehört.

Foto: enapress.com

Gastronomie mit neuer Philosophie

Das bisherige an manchen Ecken etwas schwülstige Hauptrestaurant, der Crystal Dining Room mit seinen zwei Sitzungen, hat ausgedient. Es präsentiert sich jetzt in hellen frischen Farben mit blauen und beigen Akzenten, anderer Beleuchtung und mehr kleineren Tischen als zuvor, mehr Individualität ist gefragt. Der Name Waterside entstand zuerst auf den Flussschiffen von Crystal, ist jetzt flottenweit für die Hauptrestaurants mit ihren internationalen Menüs eingeführt. Ebenfalls übernommen wurde auch die Open Dining Politik: Innerhalb der Öffnungszeiten können die Gäste jetzt zu jeder Zeit ohne Reservierung essen.

Das ehemalige Lido Café hoch oben am Heck auf Deck 12 beherbergt in seinen Räumen mit dem schönen Außenbereich jetzt zwei Gastronomiekonzepte. Tagsüber bietet es als Marketplace großzügige Buffets sowie frische Küche. Abends verwandelt es sich in das brasilianische Restaurant Churrascaria mit südamerikanischen Cocktails, Tapas und Grillspezialitäten. Auf demselben Deck mittig entstand das Silk Kitchen & Bar (zuvor Tastes), wo unter anderem frische chinesische Wok-Gerichte und Suppen serviert werden. Getrennt durch eine living wall aus Grünpflanzen liegt auf der anderen Seite unverändert (gut) der Trident Grill für das späte Frühstück und Tagesgerichte oder Snacks sowie die umfangreiche, immer gut umlagerte, Eiscreme-Bar. Umi Uma ist der neue Name für das neu designte asiatische Restaurant (ehemals Silk Road & The Sushi Bar). Es serviert als einziges Restaurant auf See die Küche des mittlerweile fast global bekannten japanisch-peruanischen Master Chefs Nobu Matsuhisa. Sicher eine der besten Sushi-Küchen, die es derzeit gibt. Hier wie im italienischen Restaurant Prego besteht Reservierungspflicht, ein Besuch pro Fahrt ist kostenfrei, nur die Bewohner der größeren Suiten dürfen mehrfach gustieren. Sehenswert und ideal für die Kamera: das Grand Gala Buffet, das einmal pro Fahrt im Atrium von der Crew um den österreichischen Executive-Chef Franz Weiss in einer unglaublich aufwendigen Art aufgebaut wird. Sushi, Hummer, Austern – an mehr als zwanzig Stationen haben die Passagiere die Qual der Wahl.Auch hier wie in allen Restaurants und Bars wird eine große Auswahl von inkludierten Getränken angeboten, von Champagner bis zu unterschiedlichsten lokalen Weinen. Der deutsche Chef-Sommelier Tilmar Pfefferkorn aus Hamburg versteht seinen Job als Glücksfall. „Ich komme hier mit Weinen in Kontakt, die man sonst nie sehen würde“, sagt er. Und er kennt natürlich die eigenen Weingüter der Reederei in Kalifornien, deren Produkte auch an Bord ausgeschenkt werden. Einmal pro Jahr macht er in einem Weinland Urlaub, um sich neue Anregungen zu holen. „Besonders interessant wird es, wenn die Weine noch unbekannt sind. Deshalb geht es dieses Jahr für mich nach Polen.“

Intimität und Individualität

Teil des neuen Gastronomiekonzeptes ist auch der Umbau des Stardust Club, eine beliebte Lounge für Drinks, Livemusik und zum Tanzen auf Deck 6. Hier wurde nicht nur mit beige-braunen Farben und neuen Möbeln Akzente gesetzt, sondern auch ein komplett neues Licht- und Bühnensystem eingebaut. Der für Tischgruppen geschaffene Platz verhelfen der Lounge zu einer neuen Multinationalität: vom Bridge-Event bis zur Dinner-Show im dann neubenannten Stardust Supper Club. Dabei werden dieselben Menüs und Weine serviert wie im Waterside, dazu gibt es Unterhaltung vom bordeigenen Entertainment-Ensemble, in den Servierpausen kann dann zu den Klängen eines Streichquartettes getanzt werden. Da der Supper Club nur an ein bis zwei Abenden pro Fahrt performt, kommt allerdings nur ein Bruchteil der Passagiere in den Genuss der neuen Attraktion…..


Fotos: enapress.com


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