Kategorie: Segelschiffe

Das große Fressen

Im Herbst mästen sich die Grizzlys des Great Bear Rainforest an der Fülle an Lachsen. Auf einer Segelboot-Safari sehen Menschen dem Spektakel staunend zu – auf möglichst schonende Weise. Ingrid Brunner war dabei.

Im Herbst kehren die Lachse nach einem Leben im Meer zurück in ihre Ursprungsflüsse. Sie kämpfen sich flussaufwärts, um abzulaichen – und zu sterben. Ihr Tod bedeutet Leben – für die Möwen, die Seeadler; die Fische düngen den Waldboden, sogar das Plankton im Wasser versorgt der Lachs mit Nährstoffen. Vor allem aber die Bären warten im Herbst auf den Salmon Run, wie dieses Naturschauspiel auf Englisch heißt. Die Fische sind so zahlreich, dass sie der Bärin, die mit drei Jungtieren am Flussufer entlang streift, direkt ins Maul zu springen scheinen. Wie im Naturfilm.
So hatte man sich das vorgestellt, davon haben die Teilnehmer der Segeltour in den Great Bear Rainforest in British Columbia geträumt: einmal einen Grizzly beim Lachsfang zu beobachten. Was man nicht erwartet hatte: Es riecht, nein, es stinkt am Fluss wie in einer Fischfabrik. All die verwesenden Fischkadaver rauben den Touristen schier den Atem. Es ist sehr still, die Motoren sind abgestellt, mit Rudern staken sich Kapitän Neil Shearar und Deckhand Rachel Muehlenberg lautlos immer näher an die Bärenfamilie heran. Und weil Niedrigwasser ist, gleitet Shearar wenig später in seinem wasserdichten Neoprenoverall ins Wasser und zieht die beiden Schlauchboote weiter. Zu Fuß, das Wasser reicht nur noch bis zu den Knien.

Keiner spricht. Kaum zu glauben, aber es fällt den Teilnehmern, die in ihrem Berufsleben gewohnt sind, den Ton anzugeben, gar nicht schwer, einfach mal zu schweigen. Man hört leises Plätschern, den Wind in den Zedern, das Gezeter der Möwen. Die Bärin holt einen Fisch aus dem Wasser. Mit einer Pranke reißt sie die Flanke des zuckenden Tiers auf, die orangefarbenen Fischeier spritzen heraus. „In wenigen Wochen nehmen sie 160 bis 200 Pfund zu“, erklärt Neil Shearar. Auch wenn das nordamerikanische Pfund nur rund 454 Gramm hat, ist das doch noch eine unglaubliche Zahl. Bis zu 20 000 Kalorien pro Tag müssen sich ja irgendwo niederschlagen. Am Ende des großen Fressens, wenn die Bären schon übersatt sind, lassen sich die geschickten Jäger nur noch auf die Beute plumpsen. Sie werden dann auch wählerisch und essen nur noch den Lachskaviar.
Es sind Tierbeobachtungen wie diese, für die Gäste aus aller Welt anreisen und viel Geld zahlen. Sie kommen, um im Great Bear Rainforest an der kanadischen Pazifikküste eine Safari mit dem Segelboot zu machen. Sie wollen Wale, Grizzlys, Schwarzbären, Wölfe sehen, mit ein wenig Glück vielleicht sogar einen Blick auf den geheimnisvollen, seltenen Kermode- oder Geisterbären erhaschen. Wenn man so will, sind das die Big Five des kanadischen Regenwalds und seiner Küstengewässer.
Der Südafrikaner Neil Shearar ist seit 20 Jahren in diesen Gewässern unterwegs. Er kennt das Gewirr aus großen und kleinen Inseln mit seinen Strömungen und Untiefen wie seine Westentasche. Und er weiß die besten Plätze, an denen Passagiere wilde Tiere ganz aus der Nähe beobachten können. Einen festen Fahrplan, wie auf Kreuzfahrtschiffen üblich, gibt es nicht. Es ist ein wenig wie in seine Heimat Afrika: Man muss Zeit und Geduld mitbringen. Und es gibt keine Garantie, Tiere zu sehen. Eines aber ist klar anders als in Afrika: Der Regenwald hat seinen Namen nicht ohne Grund. Es regnet oft. Und stark. Manche Bäche und Wasserfälle fließen nur bei Regen. Sie leiten die Niederschläge, die der Wald nicht aufnimmt, ins Meer und versiegen dann bis zum nächsten großen Guss. Neil bemerkt beiläufig, diesen Wasserfall habe er nicht gesehen, als er letztes Mal hier vorbeigekommen sei….

… Lesen Sie weiter in der AN BORD 1/2020.

Fotos: Ingrid Brunner, Bluewater Adventures/www.bluewateradventures.ca, Bobbushphoto/iStockphoto.com, Elissa Title – stock.adobe.com

Zwischen Olivenhainen und Weinbergen

Beeindruckende Natur, alte Städte und ein Schiff mit Geschichte. Axel Scheibe war mit der TARIN und per Rad unterwegs durch Istrien.

Was eignet sich besser, um Istrien kennenzulernen als ein Schiff. Dazu noch eines mit Tradition und, wer an seine Gesundheit denkt, eines mit Fahrrädern an Deck. So wie die TARIN. 1943 gebaut, ursprünglich gedacht und genutzt für Frachttransporte erhielt sie 2004 eine komplette Runderneuerung und Umgestaltung. Seither ist sie mit ihrem 450 PS starken Motor und bis zu 20 Passagieren vor der Küste Istriens unterwegs. Fünf Besatzungsmitglieder kümmern sich um das Wohl der Gäste und um die Fahrräder. Die sind wichtig. Wer sich für eine Kreuzfahrt auf der TARIN entscheidet, entscheidet sich auch für die Kombination Rad/Schiff. Das bedeutet, während das Schiff im Hafen liegt oder bereits den nächsten Liegeplatz ansteuert, geht es täglich mit dem Drahtesel auf Tour. Auf zwei Rädern kommt man Land und Leuten am nächsten und kann die grandiose Landschaft in vollen Zügen genießen.

Das hat sich auch bis über den Großen Teich hinweg herumgesprochen und so ist es heute eine 18-köpfige Gruppe rüstiger Rentner aus New Jersey, die im Hafen von Pula das Schiff entert. Vorfreude im Gesicht und an mancher Tasche baumelt bereits der Fahrradhelm.
Die Maße der TARIN von 22 m in der Länge und 6,20 m in der Breite sind überschaubar. Kein Wunder, dass es dann auch in den Kabinen recht eng zugeht. Mit rund 8 Quadratmetern gehören sie wohl sicher zu den kleinsten ihrer Art. Praktisch eingerichtet, das ist ok. Doch mit einigen Komforteinbußen muss man leben. Es sind die Erlebnisse, die in den kommenden Tagen durchaus dafür entschädigen, dass es selbst unter Jugendherbergsbedingungen luxuriöser zugeht. Nun gut, das Wetter spielt mit, und so beschränkt sich die Kabinennutzung letztlich sowieso nur auf die Nacht. Begehrter sind die luftigen Plätze im Außenbereich und bei Sonnenanbetern die Liegen ganz oben, dort wo man dem blauen Himmel am nächsten ist. Wer sich für Istrien entscheidet, entscheidet sich für kristallklares Meer, Sonne, romantische kleine Städte, das wahrscheinlich beste Olivenöl der Welt (Die Einheimischen sind zumindest davon überzeugt.) und nicht zu vergessen edle Weine. Die Luft ist voll vom Duft der Pinien. Besonders für die, die sich aus den Städten und von den Küsten ins Hinterland wagen, wo Weinreben an sonnenverwöhnten Hängen wachsen. Zypressenumsäumte Alleen weisen den Weg. Die Radreiseleiter Ina und Alwin sind immer zur Stelle, wenn es einmal klemmt. Und erzählen Interessantes, Spannendes und Überraschendes aus und über ihre Heimat. So wie Weinberge und Olivenhaine sich abwechseln, so wechseln sich auch die einladenden Wegweiser ab, die zu Oliven-oder Weinproben in die kleinen malerischen Dörfer einladen….

… Erfahren Sie wie es weiter geht in der AN BORD 1/2020.

Fotos: Axel Scheibe, enapress.com, concept w – stock.adobe.com

Maritime Events

Windjammer und Traditionssegler haben eine Zukunft – nicht allein an den Küsten von Nord- und Ostsee. Auch in unseren Nachtbarländern und in Übersee sind sie beliebt. Lothar Lorenz hat eine Auswahl unterschiedlicher „maritimer Events“ zusammengestellt.

Foto: Alvov/shutterstock.com