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Insel mit schlafender Dame

Malta ist ein Staat mit wechselhafter Geschichte zwischen Orient und Okzident.
Die Insel hat viel Kultur zu bieten. Roland Mischke war dort.

„Game of Thrones“ war einer der größten Filmerfolge Hollywoods. Die Filmkulissen der Königreiche gibt es ganz real, sie befinden sich auf Malta, der äußersten Randinsel Europas. Der Inselstaat liegt 290 Kilometer vor der Küste Tunesiens und knapp 100 Kilometer vor Sizilien, aber er ist anders als Nordafrika­ und Europa.

Hollywood hat Malta für sich entdeckt und entsandte seine Mega-Stars dorthin. Brad Pitt war gleich zwei Mal für längere Zeit zu Dreharbeiten auf der Insel, für das Historienepos „Troja“ und den Blockbuster „World War Z“. Regisseure wie Steven Spielberg haben sich in Malta verliebt, denn dort finden sie alles, was sie für ihre aufwendig hergestellten Kultserien brauchen. Zum Beispiel das Stadttor von Königsmund, das in „Game of Thrones“ immer wieder erscheint.

Vor Jahrtausenden begann auf Mdina, wie das Land einst hieß, der Bau wuchtiger Anlagen. Es sind die ältesten freistehenden Sakralbauten im gesamten Mittelmeerraum, mit meterdicken Mauern, Wassergräben und Zugangsbrücken, gegen Feinde abgesichert. Gebaut wurde vor 5000 bis 7000 Jahren, noch vor den ägyptischen Pyramiden. Christen eroberten die Insel, wurden von Muslimen verdrängt und besetzten sie später wieder. Die mystischen Tempelanlagen mit ihren Skulpturen und Ornamenten stehen meist zwischen Felsen am Meer.

Aber schon zehntausende Jahre zuvor lebten auf der Insel Menschen, das haben zahlreiche archäologische Stätten belegt. Sie nutzten die Buchten als natürliche Häfen, es sind immer wieder Schiffswracks gefunden worden. Malta war ideal für menschliche Ansiedlungen, weil weder starke Strömungen noch Gezeiten das Leben beeinträchtigten, und das Klima ist fast das ganze Jahr über angenehm.

Der älteste Fundort liegt in der Hauptstadt Valletta, die Tempelanlage Hypogäum Hal-Saflieni. Erst 1903 hatte sie der Jesuitenpater Manwel Magri entdeckt, mitten in der Innenstadt und von Häusern überbaut. Über abgewetzte Stufen, spärlich flackerndes Licht und schemenhafte Umrisse geht es drei Stockwerke unter die Erde. An die Decke gemalte Spiral- und Rankenmuster, dazu die Ausdünstungen von Jahrtausenden. Mehr als 7000 Tote wurden hier bestattet, bis zurück in die Jungsteinzeit.

Foto: enapress.com

Die Attraktion ist eine winzige Terrakottafigur, die Sleeping Lady, in einer Kammer gefunden. Eine schlummernde Frau mit zierlichem Kopf, aber massigem Körper. Die Priesterin der Unterwelt ist im Heiligtum des National Museums von Valletta in einer Vitrine zu besichtigen. Die Malteser lieben dieses Figürchen.

Im Jahr 60 n. Chr. soll der Apostel Paulus vor der Küste Maltas Schiffbruch erlitten haben, an Land bekehrte er Bewohner zum Christentum, er ist der Schutzpatron der Insel. In den Jahrhunderten wechselten Herrscher einander ab. 800 Jahre vor Christus Phönizier, dann Römer, arabische Sarazenen, Normannen und Spanier. Ab 1525 baute der Ritterorden der Johanniter die Insel zur uneinnehmbaren Festung aus, sie gingen als “Malteser Ritter“ in die Geschichte. 1798 kamen die Franzosen unter Napoleon, 1814 wurden sie vertrieben – Britannien übernahm die Insel als Kronkolonie. Bis heute ist Englisch die zweite Sprache.

Foto: enapress.com

Malta war ein wichtiger strategischer Flottenstützpunkt, erst 1964 wurde es unabhängig, 2004 kam es zur EU. Die Wirtschaft floriert, ebenso der Tourismus, die Malteser haben ein beträchtliches Pro-Kopf-Einkommen (480.000 Ew.).

Anregend sind auch die beiden Nebeninseln Gozo – mit dem schönsten Sandstrand – und Comino. Auch dort gibt es Hinterlassenschaften früher Insulaner.

Die Landschaft ist karg, aber in den Wintermonaten blühen auf den Felsen bunte Blumenteppiche, die Zugvögel nutzen Malta als Zwischenstopp. Das Meerwasser ringsumher ist sauber und klar, optimal für Taucher. Malta ist ein Gewässerparadies.

Valletta hat Sehenswürdigkeiten, die zum Weltkulturerbe der UNESCO gehören. Ein ganzer Stadtteil, der breite Felsen Mount Sciberras, steht unter Schutz, auch die beiden Häfen Marsamxett und Grand Harbour. Neben Festungen gibt es Paläste, Kirchen und andere beeindruckende Bauwerke. Die außen unscheinbare Kathedrale beherbergt den größten Kunstschatz, farbenfreudig verzierte, einmalige Freskomalerei des Italieners Mattia Preti.­ Der Großmeisterpalast ist prunkvoll, die Festung Fort St. Elmo aus dem 16. Jahrhundert, die dem Schutz vor Angriffen diente, massiv, und die Karmeliterkirche hat eine beeindruckende Kuppel, die auch UNESCO-Welterbe ist. Am schönsten ist, durch die verwinkelten Gassen der Altstadt zu spazieren, vorbei an Barockfassaden, Heiligstatuen und Brunnen.

Das Straßenleben geht Tag und Nacht, die Malteser gelten im Mittelmeerraum als Liebhaber des Nachtlebens. Tagsüber schlürfen sie Kinnie, das Nationalgetränk ist eine erfrischende Limonade aus Bitterorangen und Gewürzen ohne Alkohol, am Abend genießen sie Bier und Wein. Die Küche orientiert sich am Gemüse, von der Kolonialzeit blieben Würstchen mit Rührei und Schinken. Stark gewürzte Pasta ist im Angebot der Lokale, Pastizzi, Teigtaschen mit einer Füllung aus Ricotta, Spinat oder Erbsen. Und von großem Stellenwert ist das traditionelle Hauptgericht Fenek, Kaninchen.

Zentrum des Nachtlebens sind St. Julian’s und Paceville mit Bars und Tanzgelegenheiten, an Wochenenden gern bis in die frühen Morgenstunden. Weil Malta das Land der Sprachreisen ist, kommen viele junge Leute aus europäischen Ländern, die gern nachts mit um die Häuser ziehen.

Die Sonneninsel Malta ist reizvoll, es ist immer etwas los auf Straßen und Plätzen. Die Bewohner sind geschichtsbewusste Zeitgenossen, die auf ihre Inselgruppe nichts kommen lassen. Sie gelten als besonders gastfreundlich, sind erstaunlich sprachbegeistert und stolz auf die Vielfalt ihrer nur 27 Kilometer langen Insel.

Interview mit Carlo Micallef, Deputy CEO & Chief Marketing Officer von Malta Tourism Authority.

Wasserfälle und Sushi

Eine Reise mit diesem Schiff rund um Island ist eine Entdeckungsfahrt für alle Sinne – Naturerlebnisse inklusive. Eine exzellente Mischung von Zodiac-Abenteuer, Luxushotel und Haute Cuisine. Michael Wolf über die der CRYSTAL ENDEAVOR.

Wer die CRYSTAL ENDEAVOR betritt, den erwartet anfangs kein riesiges Atrium, sondern eher etwas Understatement für ein so großes Expeditionsschiff: Die schöne Gangway bringt ihre Besucher direkt zum zentralen „Boulevard“ des Schiffes auf Deck 5, dem „Seahorse“, also Seepferdchen-Deck. Hier befinden sich Richtung Bug die moderne Rezeption, das Bistro mit seinem Marmorboden und Sitzmöbeln in modernen grün- und blau-Farben (in dem ganztägig Snacks und Suppe an einem Bedienbuffet bereit stehen) mit Bar (die nachmittags eine gute Eiscreme-Auswahl bietet), und das gut ausgestattete Hospital.

Richtung Heck liegen­ die Behandlungsräume des Spas, das eine ganze Palette unterschiedlichster Massagen und Treatments anbietet. Dahinter liegt ein wirklich gut bestückter Fitnessraum, in dem täglich Pilates- oder andere Fitnesskurse von Sportdirektor Victor angeboten werden, sowie die erstaunlich große Boutique. Am Ende des Ganges befindet sich eines der Schmuckstücke des neuen Schiffes, das bei unserem Besuch zwar schon bei einem Cocktail vorgestellt wurde, aber noch nicht operationell war: das Solarium. Schon von außen sind die verglasten Wände am Heck, die sich über zwei Decks erstrecken, ein markantes Wahrzeichen der CRYSTAL ENDEAVOR.

Von innen bieten sie ungehinderte Sicht in fast alle Richtungen. Zentraler Punkt ist der Pool, dessen Boden nach Leerung auf das normale Bodenniveau gebracht werden und als Tanzfläche oder als Platz für Empfänge genutzt werden kann. Im Restaurant (Marketplace) wird es hier ganztägig kleine Speisen und Snacks auf zwei Decks geben. Ein sehr schöner kleiner Deckbereich aussen direkt am Heck sowie einige Relax-Steinliegen werden das Solarium sicher insgesamt zu einem Hot Spot der CRYSTAL ENDEAVOR machen.

Überhaupt hat dieses Schiff wirklich schöne und vor allem­ sehr großzügige Aussenbereiche. Auf Deck 5 lässt sich das Schiff (fast) umlaufen – während man um das Heck herumgehen kann, steigt der Weg nach vorn auf der rechten Seite zum ein Deck höher gelegenen Sonnendeck mit originellen Holz-Bänken, einem Jacuzzi mit Panoramasicht und vor allem einem kleinen Vistapoint ganz vorn an der Bugspitze mit Titanic-Feeling.

Rund ums Schiff geht es aber auf Deck 10 – auch mit einem Jogging Track. Hier liegt noch eine kleine Bar mit Sitzgruppen und Liegestühlen um eine erfrischende Dusche­ im modernen Glas-Styling am Bug. Also Platz ohne Ende – und auf dem Helikopterdeck könnte man letztendlich bequem Tennis spielen….

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Bildergalerie zur CRYSTAL ENDEAVOR
Bildergalerie Island

Fotos und Videos: enapress.com

Oceania Cruises sorgt für neuen Glanz auf den Weltmeeren

Ein Mix aus sanften Erdtönen, Seegras-Grün und kräftigem Siena-Rot sorgt in den Veranda Kabinen für Wohlfühlatmosphäre.
Animation: Oceania Cruises

An Bord gehen und sich vom ersten Moment an willkommen fühlen – darauf freuen sich gerade viele Reisende, die seit langer Zeit zum ersten Mal wieder eine Kreuzfahrt unternehmen. Wenn dann noch erstklassige Kulinarik und unvergessliche Routen das Wohlfühlerlebnis komplettieren, dann ist meistens von Oceania Cruises die Rede. Neben der „Feinsten Küche auf See“, hochwertiges An-Bord-Entertainment und Destinationen abseits der bekannten Pfade begeistern die sechs Boutique-Schiffe mit einem luxuriösen und dennoch legeren Ambiente.

Die moderne Concierge Lounge bietet­ ganztägig
kostenfreie Snacks, Kaffee und Erfrischungs-getränke auch einen persönlichen Concierge.
Animation: Oceania Cruises

In 2023 vergrößert sich die Flotte der internationalen Reederei, wenn die Vista erstmals in See sticht. Das neue Schiff bietet Platz für bis zu 1.200 Gäste und setzt neue Maßstäbe, wenn es um stilvolles Wohnen auf See geht. Großzügige Badezimmer mit Regenwalduschen, edle Polster und Möbel, hochwertige Kunst sowie eine durchdachte und ansprechende Raumgestaltung gehören zum Design-Konzept des neuesten Flottenmitgliedes von Oceania Cruises. Eine von vielen Besonderheiten ist die eigene Veranda, über die alle Kabinen, Suiten und Penthouses verfügen und so einen traumhaften Meerblick ermöglichen.

Wohnbereich-Impression der Vista-Suite. Animationen: Oceania Cruises
Bedroom der Vista-Suite. Animation: Oceania Cruises

Zu den weiteren Highlights zählt eine ganz neue Kabinen-Kategorie, die auf der Vista Premiere feiert: Die „Concierge Level Solo Veranda Kabine“ wurde exklusiv für Alleinreisende entworfen und bietet neben einem separaten Sitz- und Schlafbereich auch reichlich Stauraum. Hinzu kommen weitere Vorzüge wie gratis Wäscheservice und Zugang zur Concierge Lounge. Noch mehr Platz gefällig? Mit einer Fläche von bis zu 172 Quadratmetern beeindrucken die Suiten und Penthouses der Vista. Die „Meeres-Residenzen“ verfügen je nach Kategorie über separate Ankleidezimmer, einer Teakholzveranda inklusive 180-Grad-Ausblick oder auch über einen Barbereich. Allen Unterkünften gleich ist das zeitlose, ästhetische Dekor, welches für ein einladendes Zuhause in der Ferne sorgt und zusammen mit der „Feinsten Küche auf See“ und den faszinierenden Reisezielen die perfekte Urlaubskombination bildet.

Video: Youtube/Oceania Cruises

Die ersten Reisen der Vista können bereits ab dem 15. September 2021 gebucht werden.
Weitere Informationen zu Oceania Cruises gibt es in jedem guten Reisebüro, telefonisch unter +49 69 2222 33 00­ sowie online unter www.oceaniacruises.com.

Sommer in Schweden

Oliver Asmussen reiste mit der ARTANIA von Bremerhaven zum Bottnischen Meerbusen. Dabei entdeckte er das nordische Land mit seinen vielen Facetten.

Foto: Oliver Asmussen/Oceanliner-Pictures.com

Es ist die zweite Kreuzfahrt nach der Corona-­Pause, die an diesem 17. Juni 2021 in beginnt. Zum ersten Mal nach ihrer Rückkehr aus Australien am 08.06.2020 kehrt die Grand Lady, wie das 1984 als Royal Princess gebaute Schiff liebevoll genannt wird, mit Gästen an Bord an das Columbus Cruise Center zurück. An diesem herrlichen Sommermorgen liegt eine ganz besondere Stimmung in der Luft, denn es ist nicht die Rückkehr von der abgebrochenen Weltreise mit nur wenigen Gästen an Bord, sondern die Rückkehr von der ersten, regulären Kreuzfahrt in die Ostsee. Strahlend weiß und makellos schiebt sich der elegante Bug des 231m langen und 44.500 BRZ großen Kreuzfahrers die Weser­ hinauf. Kapitän Morten Hansen hat das Kommando.

Es ist fast schon ein Privileg, zu den ersten Gästen­ zu zählen, die mit der Artania wieder in See stechen. Zwar nicht nach Norwegen, wie ursprünglich geplant, aber wie sich später herausstellt, ist die alternative Ostseeroute sowieso die bessere Wahl. Die Stimmung unter den Wartenden ist gut. Sie sortieren sich nach vollständig geimpften und ungeimpften Personen. Natürlich alles unter Einhaltung der gültigen­ Hygienemaßnahmen und Abstandsregelungen. Diese Kreuzfahrt wird vermutlich die letzte sein, auf der ungeimpfte Gäste an Bord sind.

Foto: Oliver Asmussen/Oceanliner-Pictures.com

Die Sonne scheint den ganzen Tag vom wolken­losen Himmel über der Weserstadt. Zum Glück ist das so, denn die ankommenden Gäste dürfen zunächst nicht in das Terminalgebäude: Die Hygieneregelungen erlauben keine Menschen­ansammlungen innerhalb des CCCB. Die Mitarbeiter von Phoenix Reisen erkennen die Lage jedoch schnell und in bester organisatorischer Manier beginnt die Einschiffung­ früher als vorgesehen. Noch schnell einen medizinischen „Check-Point“ passiert, alle Fragebögen abgegeben und Dokumente (Coronatests, Impfnachweise) kontrollieren lassen – schon heißt es „Willkommen zu Hause“, „Willkommen an Bord“ der Artania

Foto: Oliver Asmussen/Oceanliner-Pictures.com

Auf der Artania muss in allen geschlossenen­ Bereichen eine Maske getragen werden. Es sei denn, man sitzt an einem festen Sitzplatz im Restaurant oder in einer der Lounges. Mit dieser Regelung tut sich kein Gast schwer, denn vielmehr ist es inzwischen zum Alltag geworden, sich und andere Menschen auf diese Weise zu schützen. Umso erfreulicher ist es, dass auf den Freidecks keine Maskenpflicht besteht, solange die Abstände zwischen den Reisenden eingehalten­ werden können. In allen Restaurants besteht, wie schon vor Beginn der Corona-Pandemie, freie Sitzplatzwahl. Somit ist es weiterhin möglich, jeden Abend das Restaurant zu wechseln. Die wohl bedeutendste Änderung ist der Wegfall des Lido-Buffetrestaurants. Das Restaurant hat jedoch nicht geschlossen, sondern wird vorerst als drittes à la carte-Restaurant genutzt. In allen Restaurants gibt es eine identische Speisekarte. Das sorgt für Entspannung, denn nun entscheidet alleine das Ambiente darüber, in welchem Restaurant man seine Mahlzeiten einnehmen möchte.

Beim Sail Away zum Sonnenuntergang können viele Reisende ihre Emotionen nicht mehr zurückhalten. Tränen kullern über viele Wangen, als Kapitän Morten Hansen das Typhon der Artania immer und immer wieder ertönen­ lässt. Die zu dieser Zeit noch aufgelegte Amadea­ und Amera erwidern prompt den Gruß der Artania. Untermalt mit der Auslaufmelodie wird die Abfahrt in Bremerhaven besonders emotional….

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Inseln unterm Regenbogen

Hat eine halbe Atlantik-Überquerung einen Sinn? Ja, hat sie, denn mittendrin gibt es eine faszinierende Welt aus Natur, Abgeschiedenheit und unentdecktem Kreuzfahrtziel: die Inselgruppe der Azoren, zu bereisen nur mit kleinen Entdeckerschiffen. Oliver Schmidt hat die World Voyager gewählt – und die Welt neu entdeckt.

Sie könnte fast eine Weltkarte sein, die Musterung, die das Meer in jahrtausendelanger „Arbeit“­ in den Stein gespült hat – jedenfalls kann man Afrika und Grönland, den panamerikanischen Isthmus und sogar Madagaskar erkennen. Allzu viele Reisende dürften sie noch nicht gesehen haben, denn der kleine Fels bei Madeira mit seinen Höhlen heißt Deserta Grande und ist eine „verbotene Insel“, geöffnet nur auf Sonder-Intervention des portugiesischen Reeders Mario Ferreira, der die Flotten für das neue Hochseegeschäft von nicko cruises zur Verfügung stellt und an Bord mitreist. Die Extratour mit den bordeigenen Zodiacs der World Voyager zeigt, dass des Reeders Idee, in den mit Portugal verbundenen Inselgruppen wie Azoren und Kapverden mit besonderem Know-how seine Nische zu finden, nicht abwegig ist. Die „Oh!-“ und „Ah!“-Rufe der Passagiere wetteifern mit dem Klicken guter Kameras, denn wer hier mit einer Selfie-Stange herumwedelte, der wäre out. Eines haben die Weltentdecker in den Outdoor-Anoraks schon gelernt: Zodiac-Fahren macht Gaudi! Zwei starke Matrosenarme, ein beherzter Schritt, das „Hinsetzen!!“ der Bootsführerin, die auch oben auf der Brücke navigiert und keinen Widerspruch duldet, und schon geben die Wellen ihren Rhythmus ins Rückgrat, das auf dem breiten, sicheren Wulst des Schlauchbootes ruht.

Foto: Oliver Asmussen/Oceanliner-Pictures.com

Die World Voyager hievt die Schlauchboote hoch, dreht bei und nimmt Kurs auf jenen Zielort, wo es ihr in den nächsten Tagen gelingen wird, ihren Passagieren alle neun bewohnten Inseln der Azoren zu zeigen. Namen sind Schall und Rauch, und wer sich aufs Glatteis führen lässt und azurblauen Himmel erwartet, hat sich gleich doppelt geirrt. Die Einwohner werden nicht müde zu betonen, dass die Azoren-Hochs aus der westeuropäischen Wetterkarte zwar hier vorbeikommen, aber selten verweilen. Und außerdem geht der Name auf den Açor zurück, den Habicht, und der wiederum kommt nur in der Flagge vor, weil das, was die ersten frühen Besucher der Inseln dafür hielten, in Wahrheit Mäusebussarde waren. Ebenso trügerisch sind die Regenbogen, die der Gischt immer wieder über die Häfen und die anmutigen Hügellandschaften zaubert. Und damit nicht genug: Selbst die „Azorianer“, ein homogenes Volk, das „seine“ Inseln im Herzen trägt, sucht der Reisende vergebens. Bei einer Ausdehnung von 600 Kilometern von Ost nach West ist man zu keiner Zeit von einer Insel zur andern gereist, um Onkel und Tante zum Kaffee zu besuchen. Jeder blieb für sich, jede Insel hat ihre eigene Kultur – die Entdecker auf Schiffsplanken erwartet also täglich eine neue Überraschung.­

Foto: Holger Leue/Leue-Photo.com

Und so ist auch Sarah noch nie auf Corvo gewesen, der nordwestlichsten Insel, 450 Einwohner. Die junge Deutsche,­ die auf den Inseln Meeresbiologie studiert, ist als Lektorin für die reich bestückte Welt der Wale rund um die Azoren an Bord. Für die Beobachtungstour im Schlauchboot konnte sie jedoch nur Delfine herbeischaffen.­ Jetzt steigt sie mit anderen Gästen langsam den steilen Berg auf Corvo hinauf, wo beim allerbesten Willen kein Auto Platz hätte, und hört ihrer portugiesischen­ Kollegin interessiert zu, die über Land und Leute auf der kleinen Insel berichtet. „Hier muss ich hin“, stellt Sarah kurz und bündig fest. Immerhin gibt es Kindergarten und Schule, eine Mehrzweckhalle und ein Altersheim. Und sehr viele Kühlschränke, falls das Versorgungsschiff mal nicht kommt. Nicht schlecht für 450 Seelen…

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Sonne, Sirtaki und griechische Götter

Griechenland mit allen Sinnen: Wer mit der Celestyal Crystal ein halbes Dutzend Inseln erkundet, taucht jeden Tag in eine andere Welt. Corona-Tests und elektronische Kontaktspeicherung sollen für Seelenfrieden sorgen. Stefanie Bisping berichtet.

Das Meer leuchtet blau, in der Open-Air-Bar auf Deck 5 blubbert der Jacuzzi, die Abendsonne taucht das Schiff in warmes Licht. Kapitän Nikaolaos­ Vasileiou manövriert die Celestyal Crystal­ aus dem Hafenbecken und nimmt Kurs aufs offene Meer. In den Korbstühlen der Bar stoßen gut gelaunte Gäste auf die Reise durch die Ägäis an. Langsam werden der Hafen von Piräus, die blaue Kuppel der orthodoxe­n Kirche und die Hochhäuser der Stadt kleiner. Die Aussichten könnten besser nicht sein: sechs Inseln in sieben Tagen, dazu ein jähes, eigenartiges Glücksgefühl, das sich aus Aufbruch, Szenerie und dem während der Pandemie fremd gewordenen Anblick entspannter Menschen zusammensetzt.

Foto: enapress.com

Für den Moment ist das Gefühl der Sorglosigkeit begründet.­ Jeder Gast, ob geimpft oder nicht, musste beim Einchecken einen negativen PCR-Test vorweisen. Bevor es an Bord ging, wurde ein weiterer Antigen-Test durchgeführt. Zudem wurde jedem Passagier ein Datensammler an einer Kette umgehängt, der ähnlich wie die Corona-App die Kontakte der Gäste speichert. „Würde im Lauf der Reise doch eine Infektion festgestellt, könnten­ wir anhand der Daten die Kontaktpersonen identifizieren“, erklärt Sprecherin Irene Proestaki. Beim Neustart soll nichts schiefgehen. Celestyal Cruises stellte die Operationen gleich im März 2020 ein und fuhr in der vergangenen Saison gar nicht. Erst im Juni nahmen die Schiffe der zypriotischen Reederei nach sechzehn Monaten­ Pause ihre Fahrten wieder auf, zunächst mit 450 Gästen. Jetzt sind 600 Passagiere an Bord der kompakten, knapp 160 Meter langen und 25 Meter breiten Crystal. Das entspricht der Hälfte der Kapazität.

 Jeder Gast ist gehalten, täglich an einer der Stationen zum Fiebermessen seine Körpertemperatur zu erfassen. Ausweisen muss man sich an den Automaten mittels Scancode auf der Bordkarte und Gesichtserkennung. In den öffentlichen Bereichen herrscht Maskenpflicht. Das Accessoire darf erst am Platz in Bars und Restaurants abgenommen­ werden. Allerdings haben viele Passagiere ein entspanntes Verhältnis zum Maskengebot, und weil sie zahlende Gäste sind, hat die Crew nicht das Herz, sie an ihre Pflicht zu erinnern. Die Besatzung selbst sei bereits zu 95 Prozent vollständig geimpft, so Irene Proestaki.­

Jessica Cardoso da Rocha, die im Ausflugsbüro arbeitet, gehört nicht dazu. Sie hat den gesamten Lockdown in ihrer Heimat im Nordosten Brasiliens verbracht, wo ihre Großmutter und ihre Tante an Covid-19 starben. Sie ließ sich nicht in Brasilien impfen, weil die dort verwendeten Impfstoffe in der EU nicht anerkannt werden. Seit zwei Wochen ist sie wieder an Bord, wird alle zwei Tage getestet­ und erwartet ihren Impftermin. Ihre Maske sitzt niemals auch nur einen halben Zentimeter unter der Nase.

Friedlich schlingert die Celestyal Crystal durch spürbare Wellen ihrem ersten Ziel entgegen: Patmos. Das karge, religiös bedeutsame Inselchen liegt in heller Morgensonne. Weil noch immer heftiger Wind weht, ankert das Schiff vor der Insel, die Passagiere werden mit Tenderbooten an Land gebracht. Zu Fuß, per Taxi oder im Ausflugsbus erreichen sie die Grotte mit Kapelle, die als Schöpfungsort der Johannes-Offenbarung gilt. Als hochbetagter Apostel soll Johannes die Worte des ihm hier erschienen Jesus einem Schüler diktiert haben. Zwar ist die Beweislage dürftig, aber die Lage an einem Hang über dem tiefblauen Meer lässt zusammen mit der Hitze Christus-Erscheinungen als möglich erscheinen. Weil mit dem 1088 gegründeten Ordenshaus Agios Ioannis zudem eines der wichtigsten griechisch-orthodoxen Klöster hier ansässig ist, gilt Patmos als Heilige Insel, was für den schweißtreibenden Aufstieg fast so entschädigt­ wie die Aussicht auf weiße Häuser und tiefblaues Meer…

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Fotos: Celestyal Cruises, Stefanie Bisping, enapress.com

Kalender „Kreuzfahrten 2022“

Ein volles Jahr Kreuzfahrt-Feeling! Der „an Bord“-Kalender im A3-Format und in limitierter Auflage. Für eine Lieferung vor Weihnachten bestellen Sie bitte bis zum 10. Dezember 2021.

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    Erste Impressionen von der Taufe der Crystal Endeavor

    News: 2. Endeavor-Schiff für Waldorf Astoria?

    Pressemitteilung von MV Werften zur Taufe: Luxusschiff mit Eisklasse: „Crystal Endeavor“ feierlich in Stralsund getauft

    Taufpatin Manuela Schwesig und MV Werften-Chef Peter Fetten, Foto: enapress.com
    Foto: enapress.com
    Manuela Schwesig, MP Mecklenburg-Vorpommern und Taufpatin der Crystal Endeavor und Bundesminister für Wirtschaft & Energie Peter Altmaier Foto: enapress.com
    Colin Au, Group-President Genting Hongkong, Foto: enapress.com
    Foto: enapress.com
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    Alle Fotos: ENAPRESS.COM

    Ahoi Excellence!

    Vor Kroatiens Küste kreuzt durch türkise Wasser ein Schiff, das die Zukunft der Kreuzfahrt einläutet: die EXCELLENCE ADRIA – klein, elegant, familiär. Szenen aus dem Logbuch. Anita Lehmeier berichtet.

    Wir schreiben das Jahr eins von Corona. Die ganze Kreuzfahrtbranche liegt am Boden beziehungsweise im Hafen. Die ganze Kreuzfahrtbranche?
    Nein! Die Cruisejacht EXCELLENCE­ ADRIA,­ im Mai 2020 werftneu zu Wasser gelassen,­ war auf ihrer Jungfernfahrt im Juni 2020 vor der Küste Kroatiens unterwegs. Während einwöchiger Inselhoppings schippert sie Passagiere – maximal 37 bei voller Auslastung – zu den schönsten Badebuchten und Städten. Die EXCELLENCE ADRIA punktet in der neuen­ Ära des Reisens mit ihrer Kleinheit.

    Foto: Gordan Ukic

    Mit 54 Metern Länge, 8,6 Metern Breite und drei Decks erinnert das Schiff mit seiner eleganten Halbbogenkonstruktion an die Privatjachten von Bond-Bösewichten. An Bord wird aber nicht die Übernahme der Weltherrschaft geplant, man geniesst vielmehr, der Weltherrschaft des bösen Virus für eine Weile entfliehen zu können.

    In den Innenräumen und an Deck bietet die Cruisejacht den drei Dutzend Passagieren sogar Platz genug, die Abstandsregeln einzuhalten. Im Hafen von Rijeka, wo wir nach 90-minütigem Flug nach Zagreb und knapp zweistündigem Bustransfer eintreffen, ist die EXCELLENCE ADRIA der Selfie-Hotspot für die einheimischen Touristen. Sie sind wegen der Veranstaltungen in die diesjährige Kulturhauptstadt Europas gekommen. Die Events wurden alle abgesagt – jetzt schiessen sie dafür Familienfotos vor dem blütenweissen Schiffsrumpf mit den tiefschwarzen Tauen. Für unsere Gruppe folgt der einzige unangenehme Moment der Reise, der sich nach allen Landgängen wiederholen wird: Wir gehen über die Gangway an Bord, die neidvollen Blicke der Zaungäste im Rücken und die Denkblasen „Geldsäcke!“ über der Mole. Wenn die wüssten, wie erschwinglich Ferien auf der EXCELLENCE ADRIA tatsächlich sind.

    Foto: Gordan Ukic

    Während wir die Kabinen beziehen, sticht unser kleines Traumschiff in See Richtung Insel Krk. Beim ersten Apéro­ auf dem Sonnendeck wird das familiäre Du an Bord etabliert und die zehnköpfige Crew vorgestellt. Erst jetzt checke ich, dass der gutaussehende Herr mit den silbernen Schläfen, der meinen Koffer in die Kabine gebracht hat, unser Kapitän ist! Und der Eigner dieser sowie zwei weiterer Cruisejachten. Er entstammt einer langen Reihe von Käptens, sein ältester Sohn hat neulich das Patent gemacht. Während wir gemächlich dem Sonnenuntergang entgegengleiten, kreisen die Gespräche nur um ein Thema: die so elegante wie funktionale Ausstattung der Kabinen.

    Foto: enapress.com

    Die Damen kriegen sich kaum ein über die begehbaren Schränke. „Wir haben sogar zu zweit drin Platz“, schwärmt das Mutter-Tochter-Duo aus der Ostschweiz, das mit zwei Jass-Freundinnen unterwegs ist. Beim Nachtessen outet sich der Grossteil unserer Gruppe als Kreuz- und Flussfahrt-Habitués. Alle sind sich einig: Die EXCELLENCE ADRIA ist das schönste Schiff, auf dem sie je gecruist sind. Ein Paar, das die gleiche Reise eine Woche zuvor gemacht hatte, verlängerte spontan die Ferien, um nochmals mitzuschippern. Eine sportive Alleinreisende lobt die Barfussqualität der Marmor-, Holz- und Teppichböden; sie wird ihre Schuhe nur für die Landgänge aus dem Schrank holen. Das Rentnerpaar aus Solothurn verliebte sich in das Modellbild des Schiffes im Prospekt von Mittelthurgau, buchte und feiert gleich am ersten Abend am Bord seine Goldene Hochzeit.

    Natürlich ist Ivica Mazar auf solche Events vorbereitet. Der Küchenchef ist der zweitwichtigste Mann an Bord. Schliesslich ist Essen ein zentraler Aspekt jeder Kreuzfahrt. Von früh bis spät sorgt er mit vielfältigen Frühstücksbuffets und meist zweimal am Tag mit fantasie­vollen Mehrgängern für das leibliche Wohl der Gäste. Sobald die Märkte morgens öffnen, holt der Sohn einer Fischerfamilie das Beste aus dem Meer. Aufs Budget achten müsse­ er nicht, erzählt der Bord-Neuling stolz. Kapitän Jure lasse ihm freie Hand. Das habe er schon bei der Ausstattung der Küche so gehalten: Ivica durfte die Kombüse frei nach seinen Wünschen einrichten. Mitunter ein Grund, seinen Job in einem Luxushotel aufzugeben, die Familie den Sommer über an Land zurückzulassen und fortan auf schwankendem Boden zu arbeiten. Jure habe ihn drei Jahre lang bekniet, in seine Crew zu kommen. Jetzt brilliert Ivica, assistiert von seiner Gehilfin Dada, und interpretiert die klassische kroatische Küche auf moderne leichte Art. Das Ganze auf Wunsch selbstverständlich auch veggie, vegan und glutenfrei.

    Zu den täglichen Ritualen an Bord gehören die Badestopps. Kapitän Jure steuert auf seinen Wegen von Insel zu Insel die schönsten einsamen Buchten an. Hier baden die Gäste fernab vom touristischen Rummel der kroatischen Strände.

    Foto: Reisebüro Mittelthurgau

    Matrose Andelo, dreifacher kroatischer Lifeguard-Meister, schwimmt mit Tauen ans Ufer, vertäut das Schiff und wacht dann mit Adleraugen über die Sicherheit der Passagiere. Dank fehlender Industrie ist das Wasser von verblüffender Klarheit und einem Türkisblau, das man sonst nur auf den Malediven sieht. Wer bei Tisch zu oft zugelangt hat oder einfach mal Ruhe will, zieht sich auf eines der beiden Sonnendecks zurück, geniesst die herbe Schönheit der Küstenlandschaften oder schaut den Matrosen zu, die von morgens bis abends sorgsam den vielen Chromstahl der schwimmenden Schönheit polieren, als wärs ihr eigenes Schiff.

    Mit Land, Leuten und Kultur in Kontakt kommen „Excellence“-Kreuzfahrer bei den Landgängen – begleitet von regionalen, Deutsch sprechenden Guides. In Krk, Rab, Zadar und Mali Losinj vereint sich das historische Erbe mit dem Flair moderner Tourismusdestinationen. In Mali Losinj gibt es übrigens den schönsten Mann Kroatiens zu besichtigen: den Athleten Apoxyomenos. Der griechischen Bronzestatue in Lebensgrösse – 1997 von einem Taucher zufällig entdeckt und sechs Jahre lang aufwendig restauriert – wurde ein eigenes, spektakuläres Museum gewidmet, nachdem der Jüngling im Louvre, im British Museum und im Getty Museum für Aufsehen gesorgt hatte.

    Die Welle der neuen Expeditionsschiffe

    Im Segment der Expeditionskreuzfahrten stehen reihenweise Neuentdeckungen an: Voraussichtlich 14 eisverstärkte Polarschiffe nehmen in diesem Jahr den Betrieb auf. Dazu kommt noch die eine oder andere bereits im letzten Jahr ausgelieferte Einheit, die bisher noch nicht mit Gästen unterwegs war. Und bis ins Jahr 2023 dürften nochmals rund 16 neue spezialisierte Schiffe folgen. Beat Eichenberger recherchierte.

    Die Nachfrage für Expeditionen an Bord eisverstärkter Schiffe ist in den letzten Jahren im Zuge der generell boomenden Entwicklung von Seereisen markant gewachsen. Dies hat mehr und mehr Anbieter bewogen, ihre Kapazitäten zügig auszubauen – was im Umkehrschluss wiederum die Nachfrage befeuert. Waren einst Expeditionsschiffe oft ältere, umgebaute Forschungsschiffe oder vereinzelt auch Eisbrecher, sind heute immer mehr so moderne, gar höchst luxuriöse Einheiten in polaren Gewässern und entlegenen Warmwasserzielen unterwegs.

    Foto: MyWorld – stock.adobe.com

    Rasant anwachsende Kapazitäten

    Noch 2018, so eine Industrie-Studie, zählte die weltweite Flotte spezialisierter Expeditionsschiffe 73 Einheiten mit insgesamt 9640 Betten. Mit den seither ausgelieferten und noch in diesem Jahr zu erwartenden Neubauten kann sich diese Zahl 2021 auf 104 Einheiten mit total 17‘000 Betten erhöhen. Diese Zahlen zeigen übrigens auch auf, dass die durchschnittliche Kapazität eines Expeditionsschiffes von einst 132 (2018) auf 163 (2021) ansteigt, was allerdings unverändert massiv weniger ist als auf „klassischen“ Kreuzfahrtschiffen. Das ist auch der Vorschrift geschuldet, dass in der Antarktis nur maximal 100 Personen gleichzeitig an Land gehen dürfen.

    Foto: enapress.com

    Es versteht sich von selbst, dass die Bauaufträge für die Schiffe, die im letzten Jahr zur Auslieferung kamen und in diesem und den nächsten Jahren fertig erstellt werden, noch in den Jahren vor der Covid-Pandemie erteilt wurden – ein Spiegelbild des unverrückbaren Glaubens in der Industrie an einen anhaltenden Cruise-Boom. Jetzt, zum unglücklichen Zeitpunkt einer aussergewöhnlichen Krisenzeit, erhalten die Reedereien ihre zusätzlichen neuen Kapazitäten, deren Einsatz im Augenblick noch eine echte Herausforderung ist.

    Dies gilt natürlich – um diese Feststellung in ein Gesamtbild einzuordnen – nicht nur für die Expeditionsschiffe, sondern für sämtliche neuen Kreuzfahrtschiffe, die seit dem Ausbruch der Pandemie ausgeliefert werden. Im letzten Jahr waren es insgesamt 15 Neubauten („klassisch“ wie eisverstärkt), die zum grössten Teil bis heute noch nie mit Gästen unterwegs waren. Und in diesem Jahr sollen gar 28 neue Schiffe von den Werften an die Reedereien übergehen, wobei die Tatsache, dass die Hälfte davon kleinere, eisverstärkte Expeditionsschiffe sind, wieder zum Thema zurückführt….

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