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Segelabenteuer in der Karibik

Ankommen auf diesem Schiff ist wie die Rückkehr zu einer Familie, die man mal eben aus dem Auge verloren hat. Winzig klein liegt sie zwischen den vier Megaschiffen im Hafenbecken von Bridgetown – und doch ist die Sea Cloud die eigentliche Königin, findet Michael Wolf.

Der Empfang an der Gangway ist herzlich wie immer – Simon, der polnische Hoteldirektor, ist seit 35 Jahren auf diesem Schiff zu Hause und kennt jeden (wiederkehrenden) Gast.
Schlüssel? Braucht man auf diesem Schiff nicht, versichert Danny, der philippinische Steward, auch seit langem dabei. Es gäbe sie zwar, aber es benutze sie keiner. Und nach einem Fernseher habe noch nie ein Gast gefragt, fügt er lächelnd hinzu. Dafür steht die gekühlte Flasche Champagner der exzellenten Hausmarke Drappier bereit. Daneben seit kurzem auch zwei metallene nachfüllbare Trinkwasserflaschen – damit hat auf der Sea Cloud das Ende der Plastik-Ära begonnen.

Auf diesem Schiff ist alles anders, atmet alles Geschichte. Die langen Holzdecks mit ihren bequemen Liegestühlen, der Luxus der Bibliothek und des getäfelten Restaurants.
Die Sea Cloud hat auch heute noch diesen Esprit einer Privatyacht, der die internationalen Gäste meist schnell zueinander bringt, der persönliche Gespräche und Austausch wieder aufleben lässt.
Den Menschen, die man nicht unmittelbar ins Herz geschlossen hat, kann man allerdings auch bei dieser Schiffsgröße schlecht entkommen – zum Glück eine seltene Ausnahme.

Bewegte Fahrt
Der russische Kapitän Sergey Komakin sieht am ersten Reisetag beim Wetterbriefing auf dem Lidodeck in gespannte Gesichter der Gäste. Denn Wind und Wellen hatten die Sea Cloud in der Nacht gut durchgeschaukelt. Zwar ist es jetzt ruhig, doch die Großwetterlage soll nach einer Ruhepause wieder starke Winde und Strömungen bringen. Schiffsarzt Dr. Thomas Titgemeyer, ein begeisterter und guter Hobbyfotograf, hat auf jeden Fall einiges auf dieser Fahrt zu tun.
Dem Kapitän, der von der Krim kommt, kann dieses Wetter nicht imponieren. „Nur auf Segelschiffen kann man eben die Natur fühlen“ meint, heute vielleicht etwas zweideutig. Er bringt beste Erfahrungen mit: ein Onkel bei der Marine, jahrelange Ausbildung bei der Maritimen Hochschule und auf Segelschulschiffen, darunter die bekannte Khersones. Stolz ist er zu Recht auf einen Rekord: 2019 gelang es ihm, während einer Atlantiküberquerung von den Kapverden nach Santo Domingo 2305 Seemeilen nur mit Segeln zu fahren, also über 80% der Strecke ohne Motor.

Die zweite Offizierin Catarina Domingos Viegas hat ebenfalls beste Segelerfahrung. Sie lernte auf dem portugiesischen Viermast-Schoner und Schulschiff Santa Maria Manuela. Die Portugiesin kennt bereits die Sea Cloud-Familie, war bereits mehrfach auf der Sea Cloud 2 eingesetzt.

Über 54 Meter ragt der Hauptmast über Deck, 30 Segel mit 3000 Quadratmeter Segelfläche bieten dem Wind beste „Angriffsfläche“. Fast täglich werden etliche von ihnen, je nach Wetterlage, gesetzt.
Der armenische Bootsmann Mamikon hat seine Crew fest im Griff – wieselflink steigen die Matrosen in die Höhe, während an Deck auch die Gäste bei den Aktionen helfen dürfen. Die Matrosen stammen oft aus typischen Seefahrernationen wie den Philippinen oder Malta.

In dieser Männerwelt gibt es auch zwei junge Frauen, die als Deckhand arbeiten und ihre Ausbildung machen: Sara aus Brasilien und Ana Lucia aus Portugal. „Du bist nicht stark genug“ hören wir oft sagen sie. Aber das motiviert doppelt. Die Entschädigung: „Hoch oben auf dem Hauptmast ist es unglaublich: der Blick, diese Freiheit!“

Die Crew
Die angenehme melodische Stimme, die über die Bordlautsprecher die News durchsagt, die Planungen bekannt gibt, Änderungen verkündet oder morgens die letzten Langschläfer weckt, gehört zu Tanja Sauer. Die Stimme kommt aus Fulda – mit ihren 29 Jahren verfügt die junge Frau mit den hellblonden Haaren, meist als Pferdeschwanz gebunden, bereits über einige Erfahrungen im Cruise-Bereich. Nach ihrem Tourismus-Management-Studium jobbte sie als Scout bei Aida, arbeitete später als Cruise Directorin auf der Royal Clipper.
Sie ist es gewohnt, wie fast jeder von der Crew, mit anzupacken. Beim Einholen der Segel wie auch beim Restaurantservice. In ihren Ruhepausen sieht man sie häufig auf der Holzbank neben der Brücke, den Blick aufs Meer gerichtet. „Jeder Tag ist anders.“, sagt sie. „Die Luft, die See, die Vögel, die Lebensqualität. Dieses Leben macht einfach süchtig.“…

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Fotos: enapress.com

Deutschlands Kreuzfahrtklassiker

Wenn die Ocean Majesty im Frühsommer 2021, nach über einem Jahr Zwangspause durch die Corona-Krise, wieder in See sticht, dann ist es bereits die neunte Saison unter der Flagge des Stuttgarter Familienunternehmens Hansa Touristik. MS Ocean Majesty ist dann einer der ganz wenigen, noch verbliebenen Kreuzfahrtklassiker in Deutschland. Oliver Asmussen berichtet.

Kreuzfahrten beginnen meist in größeren Häfen, in denen die kleine Lady zwischen den riesigen Megalinern kaum auszumachen ist. Hat man die Ocean Majesty aber entdeckt, dann kann man seinen Blick nur noch schwer von ihr abwenden. Die geschwungene Rumpfform und die harmonischen Proportionen begeistern nicht nur Liebhaber klassischer Kreuzfahrtschiffe.

Was aber macht die Ocean Majesty nun so besonders? Immerhin gibt es ja inzwischen auch zahlreiche neue, kleinere Kreuzfahrtschiffe, die mit spektakulären Features wie U-Booten, Glasfenstern unterhalb der Wasserlinie, Jet Skis und Glasbalkonen um Kunden werben. Zunächst muss man festhalten, dass die Ocean Majesty kein Expeditionskreuzfahrtschiff ist, sondern Kreuzfahrten im kleinen Kreis anbietet. Maximal 500 Passagiere kommen in den Genuss, nicht nur über gepflegte Teakdecks zu flanieren, sondern insbesondere ausgefallene Routen abseits des Mainstreams zu bereisen.

Aber damit nicht genug, denn dieser Kreuzfahrtklassiker hat noch viel mehr zu bieten und spricht nicht nur die Altersgruppe der Best Ager an. Auch Individualisten und erfahrene Kreuzfahrer können sich dem maritimen Charme dieses besonderen Schiffes sowie den Routen, die befahren werden, kaum entziehen.

MS Ocean Majesty regelmäßig renoviert
Das Alter von 55 Jahren lässt sich bei der 136m langen und 10.417 BRZ großen MS Ocean Majesty allenfalls an der äußeren Form erkennen oder bei einem Gang durch die Kabinengänge. Diese sind nämlich von Bug bis Heck leicht gewölbt (man nennt dies „Sprung“), so dass man nicht gerade durch die Gänge hindurch schauen kann. Die Reederei Majestic Cruises sowie Hansa Touristik in Stuttgart haben in den letzten Jahren viele Millionen Euro in ihren Kreuzfahrtklassiker gesteckt und diesen fortlaufend renoviert sowie modernisiert. Die Form der Ocean Majesty erinnert an die schönen Oceanliner vergangener Tage. Wer der Meinung ist, dass das familiäre Kreuzfahrtschiff seine besten Tage bereits hinter sich hat, der wird an Bord schon nach wenigen Minuten sehr positiv überrascht sein. In den vergangenen Jahren wurden nicht nur die Kabinen sondern auch die große Majestic Lounge, der Lido Garden und die Außenbereiche renoviert. Darüber hinaus ist laufend in die Maschinenanlage und in die Satellitentechnik investiert worden. Sogar das WLAN-Netz an Bord ist recht flott. MS Ocean Majesty hält im Zusammenhang mit den Investitionen in die Maschinenanlage alle Emissionsgrenzwerte ein und hat somit die Zertifizierungen für das Befahren der arktischen Gewässer, sowie der UNESCO geschützten Fjorde wie des Geiranger- und Sognefjords erhalten….

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Fotos: Oliver Asmussen/Oceanliner-Pictures.com

Seaventure auf Expeditionskurs

Das Thermometer zeigt -13 Grad, ein eisiger Ostwind fegt den zuvor gefallenen Schnee über die Pieranlagen der EDR Antwerp Shipyard, als Oliver Asmussen an diesem Februarmorgen die SEAVENTURE in Belgien besucht.

Immerhin, der Himmel ist blau und lässt den weißen Rumpf der ehemaligen MS Bremen von Hapag-Lloyd Cruises in gleißendem Licht erscheinen. Am schlanken Bug dieses waschechten Expeditionskreuzfahrtschiffes, sind noch die stählernen Lettern des bisherigen Namens, der 27 Jahre lang den Geist der Weserstadt in die entlegensten Regionen der Welt getragen hat, zu erkennen. Künftig wird die SEAVENTURE für die renommierte Schweizer Scylla AG in See stechen, die sich im Laufe der letzten Jahrzehnte einen Namen mit dem Angebot hochwertiger Flusskreuzfahrtschiffe machte.

Mit einer Länge von rund 112m und einer Größe von 6.752 BRZ gehört die SEAVENTURE zu den ganz kleinen Kreuzfahrtschiffen. So ist sie nur unwesentlich länger als zum Beispiel die 110m langen Flusskreuzfahrtschiffe wie etwa die VIVA TIARA. Im Jahr 2018 gründete die Scylla Gruppe den hauseigenen Veranstalter VIVA Cruises, dessen Schiffe alle eine frische, ansprechend blaue Bemalung tragen. Mit dieser in Düsseldorf ansässigen Tochter verfügt das Unternehmen über einen starken, eigenen Vertriebskanal in Deutschland. Erstmals wagt sich die Scylla Gruppe 2021 auf neues Terrain und wird Hochseekreuzfahrten für maximal 164 Passagiere anbieten. Damit ist die Passagierzahl nahezu identisch mit jener auf den Flussschiffen. Dennoch stellt ein Hochseekreuzfahrtschiff auch ein erfahrenes Touristikunternehmen wie Scylla vor neue Herausforderungen. Mit 31 Jahren ist die SEAVENTURE kein neues Schiff mehr und da will man nichts dem Zufall überlassen. Auf der EDR Antwerp Shipyard wird nicht zuletzt, die durch die Pandemie bedingte Zwangspause dafür genutzt, an Bord des als FRONTIER SPIRIT gebauten Kreuzfahrers alles auf den künftigen Einsatz vorzubereiten.

Die letzte Renovierung erfolgte im Jahr 2019 und die Vorbesitzer kümmerten sich stets um einen guten Zustand des Schiffes. Daher schaut der schmucke Dampfer trotz längerer Aufliegezeit in Warnemünde bzw. im dänischen Hundestedt überraschend gut aus. Eine grundlegende Renovierung ist vorerst nicht erforderlich. Es wird jedoch kleine Anpassungen an das Scylla Branding geben. Außerdem erhält das Kreuzfahrtschiff neue Radar- und Navigationsgeräte.

Die SEAVENTURE wurde gebaut, um die extremsten und entferntesten Regionen dieser Welt bereisen zu können. Das ist auch überall an Bord erkennbar. So ist das Schiff besonders robust gebaut, was in vielen öffentlichen Bereichen erkennbar ist. Es öffnen sich zum Beispiel zu den Aussendecks hin keine automatischen, filigran anmutenden Glastüren, wie man sie von neuen Megalinern kennt. Auf der SEAVENTURE muss man fest anpacken und massive Türen von Hand öffnen. Hinweisschilder an den Türen weisen darauf hin, diese nicht mit einem lauten Krachen zurück ins Schloss fallen zu lassen, sondern beim Schließen festzuhalten. Die Bewohner der benachbarten Kabinen werden diesen Hinweis zu schätzen wissen. Ein Großteil der Außendecks ist mit robusten und maritim anmutenden Teakholz getäfelt.

Für ein Schiff dieser Größe zeigt sich der Pool überraschend großzügig dimensioniert. Hochwertiges Mobiliar lädt zum Verweilen oder auch zum lockeren Small Talk mit Mitreisenden ein. Von allen Plätzen aus bietet sich ein hervorragender Blick auf die offene See bzw. die vorbeiziehende Natur. Die Expeditionslounge im vorderen Bereich auf Deck 7 hält für alle Gäste einen Platz bereit. Sie kann wie die drei Decks tiefer befindliche Seabreeze Lounge für Vorträge der Lektoren und Wissenschaftler genutzt werden, welche einige Reisen begleiten. Sofern die aktuellen Abstands- und Hygieneregelungen weiter Bestand haben, ist die verfügbare Platzkapazität reduziert.
Ebenfalls auf Deck 7 befinden sich ein kleiner aber mit modernen Geräten ausgestatteter Fitnessraum, eine Sauna und ein Frisör.
Die SEAVENTURE verfügt insgesamt über 2 Aufzüge – einen im vorderen und einen im hinteren Treppenhaus.

Zur Bordausstattung gehören 12 Zodiacs. Diese kommen z.B. immer dann zum Einsatz, wenn es keinen Hafen gibt, in dem die SEAVENTURE festmachen kann. Klassische Tenderboote, mit denen die Gäste an Land gebracht werden, gibt es an Bord der SEAVENTURE nicht. Sie werden auch nicht gebraucht. Die geringe Schiffsgröße und der Tiefgang von 4,8m ermöglichen es, in nahezu allen Häfen festmachen zu können. Die Zodiacs werden darüber hinaus für Exkursionen und Erkundungsfahrten genutzt.
Einer der schönsten Orte an Bord ist die künftige SEABREEZE Bar auf dem gleichnamigen Deck, dem sich die SEABREEZE Lounge anschließt. Dabei handelt es sich um den bisherigen Lido-Grill bzw. die Club Lounge. Letztere wurde im Jahr 2016 komplett renoviert und mit einem neuem Farbkonzept sowie Dekorationsdetails versehen. Im Innenbereich dominieren moderne Beeren-Töne, auf dem Aussendeck stehen hochwertige Möbel auf einem gepflegten Teakboden. Von nahezu allen Bereichen aus genießt man als Reisender den freien Blick auf das Meer. Eine kleine, mit Fachliteratur ausgestattete Bibliothek bildet die Verbindung zwischen der Lounge und dem hinteren Treppenhaus.

Auch das auf Deck 4 liegende SEAVENTURE´s Restaurant wurde zuletzt im Jahr 2016 vollständig renoviert und mit neuen, maritimen Dekorationsdetails versehen.
Das Einrichtungskonzept der SEAVENTURE orientiert sich an den Themen Expedition, Natur und Tierwelt. Es gibt überall etwas zu entdecken: Jedes Deck des Schiffes steht für einen bestimmten Kontinent und ist mit entsprechenden Designelementen versehen.
Die SEAVENTURE verfügt über die höchste Eisklasse 1ASuper (E4 Germanischer Lloyd) für Passagierschiffe, ist aber dennoch kein Eisbrecher. Die höchste Eisklasse ermöglicht es dem Schiff, in polaren Gewässern zu fahren und auch dickere Felder mit Treibeis zu passieren sowie Eisdecken von bis zu 1m zu durchbrechen. Der Komfort der Reisegäste hat dabei dennoch Priorität und die Sicherheit von Gast und Schiff stehen ohnehin an oberster Stelle. Dennoch ist die SEAVENTURE für extreme Eissituationen gerüstet. Der Rumpf ist sowohl mit dickerem Stahl als auch einer höheren Spantendichte versehen. Die beiden Propeller sowie die Wellen sind ebenfalls für Eisfahrten verstärkt und konstruiert.

Als eines der ganz wenigen Passagierschiffe überhaupt, verfügt die SEAVENTURE über massive Stahlabdeckungen für die Brückenfenster. Diese lassen sich bei extremen Wellenhöhen in wenigen Minuten an den Brückenfenstern befestigen. So werden Schäden, wie sie zum Beispiel im Jahr 2001 entstanden sind, an der Brücke vermieden.
Obwohl die SEAVENTURE ein echtes Expeditionskreuzfahrtschiff ist und mit einem herkömmlichen Kreuzfahrtschiff wenig gemeinsam hat, sind die Kabinen durchweg sehr großzügig dimensioniert und komfortabel ausgestattet.
Insgesamt gibt es an Bord der SEAVENTURE 7 Kabinenkategorien mit 64 Außen-, 16 Balkon (18m²) und 2 Suiten (24m²), die sich über fünf Passagierdecks verteilen. Innenkabinen gibt es keine.

Der überwiegende Teil der Kabinen wurde im Rahmen umfangreicher Renovierungen im Jahr 2016 erneuert. Der Zustand der Kabinen ist entsprechend durchweg sehr gut. Einziger Wermutstropfen sind die Duschvorhänge, die an Stelle moderner Glasabtrennungen überall noch im Einsatz sind. Eine Ausnahme stellen hier die Suiten dar. Die Duschvorhänge sollen aber schon bei einem nächsten Werftaufenthalt in allen Kabinen durch Glasabtrennungen ersetzt werden.
Solange die strengen Abstands- und Hygieneregeln weiter Gültigkeit haben, wird das bewährte Hygienekonzept „VIVA’s Checkliste“, der Flusskreuzfahrtschiffe übernommen und der jeweiligen Situation angepasst.

Die maximal 164 Gäste erwartet das VIVA All-Inclusive-Konzept mit Vollpension und einer gehobenen Küche, hochwertigen Getränken, sowie Kaffeespezialitäten. In den Kabinen und Suiten befindet sich eine stets gefüllte Minibar. An Bord der SEAVENTURE wird es auch vegane Gerichte geben. Das Restaurant SEAVENTURE‘s bietet ein großes Angebot an kulinarischen Köstlich­keiten, internationaler Küche, Spezialitäten und lokalen Höhepunkten aus der Region. Es wird flexible Essens­zeiten geben, ebenso ist eine freie Platzwahl geplant. Das Frühstücks- und Mittagsbuffet kann im Restaurant oder im Freien an Deck genossen werden. In der SEABREEZE-Bar und in der Expeditionslounge erhält der Gast gute Weine und edle Spirituosen aus allen Teilen der Welt.
Das Schiff eignet sich für anspruchsvolle Individualisten, denen es wichtig ist, spannende Ziele zu entdecken, und die familiäre Atmosphäre. Und dazu die kurzen Wege an Bord und bevorzugt die Nähe zur Natur. Die SEAVENTURE bietet viel maritimen Charme, großzügige Freidecks und eine Menge Komfort.

Die neuen Kapitäne
Denis Radja: Der erfahrene Seebär blickt auf 32 Jahre Erfahrung in der konventionellen Seefahrt zurück. Die letzten 20 Jahre stand Radja als Kapitän auf der Brücke unterschiedlicher Schiffe. 1047 Tage verbrachte er in Polargewässern auf Expeditionskreuzfahrtschiffen. Er besitzt umfangreiche Erfahrungen in den Gewässern der Antarktis, Island, Grönland, Spitzbergen und dem Arktischen Ozean. Denis Radja sammelte Berufserfahrung bei Elegant Cruise, Silversea Expedition Cruises, CMI, Grand Circle Cruise Line, Adventure Canada, Quark Expedition, Students on Ice, Antarctica 21, Zegrahm Expedition, Poseidon, Island Pro Cruises, Noble Caledonia, One Ocean Expeditions und anderen Anbietern mehr.
Kapitän Ivo Botica blickt auf 31 Jahre Erfahrung in der Seefahrt zurück. Während der letzten 14 Jahre hatte er das Kommando auf verschiedenen Expeditionsschiffen. Ivo Botica ist nicht nur ein erfahrener Kapitän sondern auch ein begnadeter Navigationsspezialist, der sein Wissen über die unterschiedlichsten Navigationstechniken auf diversen Lehrgängen und in der Praxis erweitert hat. Botica war für zahlreiche namhafte, internationale Reedereien und Kreuzfahrtanbieter tätig.

Fotos: Oliver Asmussen/Oceanliner-Pictures.com

Ein kleines Schiff, ein kleiner Kontinent

Frankreich hat einen eigenen Erdteil? In der Tat, denn Korsika, die Mittelmeerinsel der Grande Nation, hat so viele Gesichter, dass man von einem Kontinent sprechen könnte. Oliver Schmidt hat das dazu passende Schiff ausprobiert, mit dem die Straßburger Reederei CroisiEurope seit Sommer 2020 die Insel in Wochentörns umrundet: die La Belle des Océans.

Wusste ich’s doch: Franzosen kann so leicht nichts erschüttern. Das Defilee, das sich von der Lounge zum Restaurant wälzt, vorbei an der charmant lächelnden Reiseleiterin Morgan aus Montpellier, ist lediglich um ein modisches Accessoire reicher geworden. Die Maske gibt es im Tigerlook und mit Eiffelturm, mit fischigen Schuppen und als aufgerissenes Haifischmaul, aber auch in schlichtem Schwarz oder als Trikolore.

Wichtig ist, dass sie mit bewundernswerter Disziplin getragen wird, ohne Ausnahme und vor allem ohne, dass sie einer erwähnt. Über indiskutable Notwendigkeiten muss man weder Zeit noch Laune verlieren. Wer das Spiel beobachtet, beginnt langsam, Ulrich Wickerts Buchtitel zu verstehen: „Vom Glück, Franzose zu sein.“

CroisiEurope ist eine französische Reederei. Freilich sitzt sie im Elsass und freilich spricht die Eignerfamilie Schmitter Deutsch so gut wie Französisch, aber was zählt, ist die Nonchalance der Gäste, sind die exzellenten Weine, die inkludiert sind und augenzwinkernd nachgeschenkt werden, und natürlich das frischeste Baguette, das es auf irgendeinem Kreuzfahrtschiff der Welt geben kann. Damit sind alle Komponenten beieinander, die ein französischer Bricoleur bräuchte, um sich selbst ein kleines Traumschiff zu zimmern. Hier ist es aber viel besser: Das stählerne Fundament, auf dem sich das Dîner à la française ereignet, ist ein solides, seit 30 Jahren bewährtes Kreuzfahrtschiff, das bis vor gut einem Jahr in der Luxusflotte von Silversea seinen Dienst versah. Da hatte es einen englischen Kunstnamen und hieß Silver Discoverer, vormals Clipper Odyssey. Erst in Frankreich wurde es namentlich geadelt: La Belle des Océans – die Schöne der Ozeane.

Ihr Ziel ist so französisch wie ihre Atmosphäre. Ihre erste Sommersaison hat sie, Pandemie hin oder her, im wochenweisen Einsatz rund um die Insel Korsika verbracht. Für Franzosen ein beinahe heiliges Eiland – Napoleon wurde hier geboren und die Tochter von Gustave Eiffel hier bestattet –, für Deutsche ein Geheimtipp. Die Ein- und Ausschiffung erfolgt in Nizza, gut zu erreichen von deutschen Flughäfen und mit einem Landeanflug verbunden, der die ganze Schönheit der Côte d’Azur erst vor die Flugzeugfenster und dann vor die Bullaugen des Schiffes zaubert. In der ersten Nacht zaubert nicht Napoleon, sondern Neptun, Meeresgott aus dem nahen Italien (denn einen eigenen haben die Franzosen nicht – eigentlich merkwürdig) eine Oberfläche auf das Ligurische Meer, die so kreativ ist wie die Farben in den Gesichtern der neuen Passagiere, die nach dem Dinner vorsichtig zu Bett wanken, um noch ein Weilchen dem Tanz auf den Wellen den Tanz in den Mägen folgen zu lassen….

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Fotos: Oliver Schmidt, enapress.com

Vom Goldenen Dreieck ins tiefe Laos

Tempel, Dörfer, Töne grün in grün – das Boutiqueschiff Mekong Sun bringt entspannt und entschleunigt über den Oberlauf des Mekong. Andreas Drouve (Text) und Holger Leue (Fotos) berichten.

Da staunt man. Das erste Gebot an Bord lautet „Bitte Schuhe ausziehen.“ Ganz so, als würde man ringsherum in Südostasien ein Privathaus betreten. Was anfangs befremden mag, verkehrt sich rasch ins Gegenteil. Auf der MEKONG SUN fühlt man sich gleich wie daheim. Ob barfuß, in Socken oder Pantoffeln. Zudem macht das unbeschuhte Dasein auf sympathische Art alle gleich: die 16köpfige Crew und die maximal 28 Gäste.

Aufbruch mit Reisesegen

Thailands Norden stimmt mit Tropenhitze und Worapong auf die Exotik ein. Worapong, Anfang siebzig, ist ein Spätberufener im Leben. Früher war er Hotelmanager, Ehemann, Familienvater. Dann schwor er dem alten Dasein ab und begann ein neues als Buddhistenmönch. Heute spendet er den Flusskreuzfahrern an Land den Reisesegen. Man möge sich von Gefahren fernhalten, sagt er, und wünscht allen Glück. Dabei strahlt er aus dem Innern heraus.

Das Goldene Dreieck war einst Hochburg des Opiumhandels, derlei Vergangenheit ist weitgehend verraucht. Kurz vor der Grenze nach Laos steht die MEKONG SUN zum Einstieg bereit. 358 km sind es ab hier flussabwärts bis Luang Prabang: ohne Karten, ohne elektronischen Hilfsmittel für die Navigation. Die beiden Kapitäne, Mister Buala und Mister Vansee, stammen aus Schifferfamilien. Sie kennen die Tücken und Gefahren auf dem Mekong: Stromschnellen, Strudel, Inseln, Felsen, wechselnde Wasserstände. Gefahren wird nur auf Sicht und über Tag. Abends stehen mangels Häfen Anlegemanöver an Sandbänken an – schöner geht’s kaum. Auf den Geschmack bringt auch das erste Abendmenü: frittierter Fischkuchen an Zitronengras, Auberginensalat, gebratenes Huhn mit Paprika und Cashewnüssen. Und als Nachtisch Klebereis mit Kokosnussmilch und Mango….

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Fotos: Holger Leue/leue-photo.com

Reise durch die Zeit

Natur pur: Mit den ältesten Kabinenschiffen der Welt durch das Herz Schwedens zu fahren ist ein echtes Erlebnis. Peggy Günther berichtet.

Für manche Frauen ist das Alter kein Reizthema. Die JUNO ist eine von ihnen. Topfit und gutaussehend liegt sie in Göteborg am Packhuskajen und lässt die Herzen von Schiffsliebhabern höherschlagen. 1874 gebaut ist sie das älteste noch fahrende Passagierschiff mit Kabinen. Ihre jüngeren Geschwister – WILHELM THAM, Baujahr 1912, und DIANA, Baujahr 1931, sind nicht weniger beliebt. Während jüngere Einheiten bereits im Museumshafen landen, kreuzen diese drei Götakanalschiffe während der Sommermonate noch immer über die schwedischen Wasserwege. Oftmals sind die Reisen über Jahre im Voraus ausgebucht.

Innerhalb von vier oder sechs Tagen fahren sie über die größten Seen Schwedens und durch Kanäle nach Stockholm, wo ein Passagierwechsel stattfindet, bevor sie wieder nach Göteborg zurückkehren. Bei dieser langen Reise gönnen die Seniorinnen sich lediglich einen Schönheitsschlaf: In Motola liegen sie für eine Nacht, damit auch der Kapitän seine Ruhezeit einhalten kann. Im Alter braucht man eben weniger Schlaf.

Zwischen 25 und 29 Kabinen verteilen sich bei den drei Schiffen auf drei Decks. Zugegeben: Der Begriff „Kabine“ ist ein Euphemismus. Eigentlich erinnert der persönliche Rückzugsraum eher an ein Schlafwagenabteil in der Eisenbahn. Zu zweit ist es eine logistische Herausforderung, sich auf den drei Quadratmetern zu bewegen. Neben dem kleinen Waschtisch und einem etwa 25 Zentimeter tiefen Kleiderschrank, sind zwei kleine Etagenbetten an der Wand angebracht. Wer größer als 1,75 Meter ist, wird gebeten, dies bei der Anmeldung anzugeben, da manche Kojen etwas länger sind. Tapeten und Accessoires aus den 1920er-Jahren verleihen dem gemütlichen Rückzugsort einen ganz eigenen Charme.

Duschen und Toiletten werden gemeinschaftlich genutzt. Spätestens nach der ersten Begegnung im Bademantel stellt sich ein Gefühl der Vertrautheit zwischen den Reisenden ein.

Die Reise ist ein Outdoorerlebnis: Auf den beiden oberen Decks öffnen sich die Kabinentüren direkt zur Promenade hin. Der Lieblingsplatz ist die Lounge auf dem Brückendeck mit ihren gemütlichen Korbstühlen. Dank des entspannten Reisetempos kommt der Geist zur Ruhe. Es gibt nicht viel zu tun: Die Passagiere betrachten das grüne Wasser, auf dessen Oberfläche sich Vogelschwärme spiegeln. Sie winken Radfahrern zu, die auf ihrer Tour entlang des Kanals Halt machen, um das Schiff zu fotografieren. Und sie registrieren, dass jede Brücke auf dem Weg anders aussieht. Manchmal besuchen sie auch den Kapitän. Man findet an Bord Zeit zum Lesen und tauscht sich mit Gästen aus aller Welt aus. Für die Getränkewünsche gibt es einen Kühlschrank mit Strichliste – die Honesty Bar. Die Crew ist auf ein Minimum reduziert: Kapitän und Steuermann, Reiseleiter, vier Matrosen, die auch mittags die Bettdecken ordnen, sowie zwei Stewardessen im Service und zwei Köche. Es ist erstaunlich, welche Köstlichkeiten in der Miniküche entstehen und wie diese immer warm und parallel serviert werden…

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Fotos: Peggy Günther, enapress.com

Kurzcruise ins Nirgendwo

Die Schiffe von Dream Cruises bieten eine fast unerschöpfliche Vielfalt von Möglichkeiten für ihre fast ausschließlich asiatischen Gäste. Restaurants, Casinos, Discos, Live-Musik, Karaoke und Spiele ohne Ende. Die Reisen sind kurz, oft nur mit einer Destination: das Schiff ist das Ziel. Und wer will, findet auch himmlisch ruhige Rückzugsorte an Bord mit Meerblick wie auf der schönen Heckpromenade. Michael Wolf checkte in Singapur auf der Genting Dream ein.

Das Spektakel ist schon von weitem zu sehen: eine Symphonie von Farben. Es blinkt, Schriften spulen sich über die gesamte Schiffslänge, illuminieren auch die riesigen Schiffsbemalung des chinesischen Pop-Artisten Jacky Tsai. Die Farben wechseln ständig, reflektieren sich in der Bucht vor dem ultramodernen Marina Bay Cruise Center, das fast vollständig hinter dem leuchtenden Schiffsgiganten verschwindet.

Der schnellste Passagiertausch, den man sich vorstellen kann, ist bereits voll im Gang: Nach Fahrplan sind es gerade mal sechs Stunden, in denen alle 3360 Gäste ausgeschifft und die neuen an Bord gebracht werden.

Foto: enapress.com

Die Check-in Formalitäten sind am gut konzipierten Terminal schnell erledigt. Zwar gibt es an einigen Schaltern Warteschlangen, aber Mitarbeiter der Cruiseline mit einem Handschild sammeln schnell und effizient die Premiumgäste ein, die im „The Palace“ eingebucht sind. Für die geht es im Express-Verfahren durch die Kontrollen und anschließend in eine Warte-Lounge, in der bereits die Riege der Butler bereit steht, die sich um die Gäste in diesem separaten Wohnbereich des Schiffes kümmern.

Foto: enapress.com

Auch so kann Sicherheitskontrolle sein: Charmante junge Damen (der Jahreszeit entsprechend mit einem kleinen Weihnachtsmützchen auf dem Kopf) kümmern sich um die Security Kontrolle am Eingang des Schiffes. Das asiatische Lächeln und die Höflichkeit können nicht darüber hinwegtäuschen, dass sie einen guten Job machen – ihren scharfen Augen entgeht kein verbotener Gegenstand im Handgepäck. Aber wie viel angenehmer ist es nun mal, ein Nein mit einem Lächeln zu hören, als mit bösem Blick – zumal im Urlaub.

Der ist knapp bemessen: Nur zwei Nächte dauert diese Cruise, eine der zahlreiche Kurzreisen mit heute nur einer Destination (Port Dickson in Malaysia), die in Asien äusserst beliebt sind.

Die GENTING DREAM ist „Made in Germany“, das wird auch stolz auf den Hochglanz-Schiffsbroschüren vermerkt – und die deutsche Qualitätsarbeit zählt auch heute noch in Asien. Schon zu Beginn konnte sie mit Superlativen aufwarten. Sie war das einzige Kreuzfahrtschiff mit einem millionenteuren MRT-Scanner an Bord, dazu gab es zwei Mini-U-Boote, die allerdings mittlerweile abgebaut wurden.

Foto: enapress.com

Den besten Überblick über die zahllosen Möglichkeiten und vor allem das Essensangebot hat der indische Hoteldirektor Mithun Shetty. Er kennt Struktur und Abläufe auf den Schiffen von Genting perfekt, fing als Rezeptionist an. Nach verschiedenen unterschiedlichen Stationen wie Front Office Manager oder Food and Beverage Manager herrscht er heute über 1100 Mitarbeiter, das ist der Großteil der 1800 Personen starken Crew der GENTING DREAM. Sie kommen aus mehr als 30 verschiedenen Nationen…

Interview mit Dream Cruises Präsident Michael Goh: „Wir bieten eine Schnittstelle zwischen den Welten“

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Very Shiok in Singapore

Singapur ist eine Stadt der Lichter, vor allem zu Weihnachten und über die Festtage.
Vor allem aber ein Mekka der multi-ethnischen Gastronomie. Michael Wolf recherchierte.

Es glitzert und funkelt an allen Ecken und den Strassen. Girlanden blinken, Weihnachtssterne leuchten, Boutiquen, Shops und Restaurants sind liebevoll dekoriert, Weihnachtsmann-Zipfelmützen omnipräsent. Die Advents- und Weihnachtszeit gehört in Singapur zu den Highlights des Jahres – trotz für europäische Naturen ungewöhnlicher schwüler Temperaturen mit häufigem Regen.

Foto: enapress.com

Der dauert aber meist nicht lange – das Weihnachtsvergnügen bleibt. Von frischgeschlagenen Import-Weihnachtsbäumen in den Shopping-Malls bis zum Weihnachtstollen in den Luxusbäckereien gibt es so ziemlich alles, was mit dieser Zeit assoziiert wird. Und wer hätte gedacht, dass es sogar einen echten „deutschen“ Weihnachtsmarkt mit Holzbuden, Bratäpfeln, Glühwein und einer Eisfläche zum Schlittschuhlaufen gibt? Das alles hat das 5-Sterne-Hotel Capitol Kempinski direkt vor der Haustür eingerichtet, dazu gibt es im hauseigenen Theater farbenprächtige Christmas-Shows.

Aber während Happy Christmas nur zwei Monate regiert, hat rund um das Jahr etwas ganz anderes Hochsaison in der Löwenstadt. Denn wahrscheinlich nirgendwo auf der Welt dreht sich alles so sehr ums Essen wie hier. Die multi-­ethnische Kultur des Stadtstaates hat zu den verschiedensten Geschmacksrichtungen geführt.

Atlas Bar, Foto: enapress.com

Das Mekka für Liebhaber der Satay-Spiesse (Fleischspiesse mit Erdnusssauce) liegt am Telok Ayer Markt, im Herzen von Singapur Downtown. Inmitten von Wolkenkratzern mit ihren Glasfassaden liegt rund um eine viktorianische Markthalle der Lau Pa Sat Festival Market mit seinen Dutzenden von Grillständen und Hunderten von Tischen. Die eigentlich hier liegende Strasse wird abends einfach für den Autoverkehr geschlossen. Im Erfolgs­roman „Crazy Rich Asians“ liest man, dass auch die Milliardäre nicht nur in sündhaft teure Restaurants und In-Kneipen gehen (gibt es in Singapur zuhauf), sondern sich gerne auch an ihren Streetfood-Lieblingsständen unters Volk mischen.

Weihnachtsmarkt des Capital Kempinski Hotels, Foto: enapress.com

Unzählbar sind auch die Food-Märkte, vor allem in China­town. Es sind unübersehbare Alleen von kleinen Ständen, die köstlichste kulinarische Kleinigkeiten aus den verschiedensten Küchen zaubern – ob indisch, thai, chinesisch oder malaysisch – es ist alles im Überfluss vorhanden. Die langen Schlangen vor bestimmten Stationen geben schnell über die Beliebtheit und Qualität Auskunft, die aus den Garküchen dringenden Essen­gerüche machen Appetit.

Hier gibt es von Laksa, der köstlichen Kokos-Curry-Suppe­ mit Shrimps und Nudeln, über jede Art von Currys (besonders bekannt der Fischkopf-Curry, in dem der Namensgeber schwimmt) bis zum Chili-Crab (Krabben in Chilisauce) und verschiedensten Reisgerichten so ziemlich alles. Die Preise sind niedrig – nirgendwo anders bekommt man so gutes und preiswertes Essen. Auch wenn hier alles durcheinander wuselt, wie es scheint, und die Gerichte in einfachsten Küchen entstehen, sind die Hygiene-­Regeln streng. Dafür sind die Gesundheitsbehörden von Singapur bekannt – kleine Kennzeichnungen an den Ständen weisen auf die Ergebnisse der jeweiligen Kontrollen hin.

Eine der zahllosen guten kleinen Restaurants ist der Coconut Club, eine erste Adresse für Nasi lemak. Das malaysische Gericht besteht aus in Kokosnussmilch gedämpften Reis, der mit Sambal (Chilisauce), Gurkenscheiben, Erdnüssen, getrockneten Sardellen und einem harten Ei serviert wird, oft auch mit Hühnerfleisch. In dem kleinen Restaurant mit Terrasse gibt es jede Menge unterschiedlicher Reisgerichte wie verschiedene Gorengs, die schon zum Frühstück bereitstehen.

Singapur ohne Streetfood wäre nicht denkbar – und geht in der Löwenstadt bis zum vom Guide Michelin vergebenen Stern für das Hawker Chan. „Die preiswerteste Küche mit Michelinstern“ verheisst das Plakat aussen an dem einfachen Restaurant, das von dem Strassenhändler Chan Hong Meng gegründet wurde. 2016 gab es vor allem für das berühmte geröstete Chicken mit Sojareis-Gericht den begehrten Stern, mittlerweile gibt es schon Filialen in London, Melbourne und Bangkok. Innen warten auf den Besucher einfache Plastiktische, eine Theke zum Bestellen und eine Lichttafel, die die Nummer des Gastes aufruft, wenn das Gericht fertig ist – selfservice ist angesagt.

Die Gäste sind gemischt – viele Einheimnische, junge Backpacker, neugierige Gourmets. Dekorativ hängen die gerösteten Hühnchen hinter der Theke, in der Küchen wird mit Volldampf gearbeitet.

Als die Ziffer 888 aufleuchtet, ist unser Essen bereit. „Für ein Autokennzeichen mit so vielen Achten muss man in Singapur sicher 100.000 Dollar hinblättern“ kichert die nette Chinesin an unserem Tisch. Heute waren es für das wirklich leckere Hühnchen nur wenige Dollar.

Als Kontrastprogramm dient später ein anderes Sternerestaurant in Singapur, das Table 65 im Hotel Michael auf Sentosa Island. Im ultramodernen Look kocht Yoran Jakobi in einer Schauküche, um die die Esstische gruppiert sind. Auf der Karte stehen Kreationen wie Mangrowenkrabben aus Sri Lanka (mit einem kleinen Süppchen, Stangenbohnen und Vadouvan, einer indischen Gewürzmischung), Langustinen aus Mozambique (pochiert in Entenfett mit Kaffee- und Zitronendashis nach Albufeira Art) oder Seeteufel (serviert mit einer Terrine seiner Leber, einer Zwiebelsoubise und einer geräucherten Shao-hising Sauce).

Foto: enapress.com

Mit seinem Mut zum Experimentieren und der Entwicklung neuer Geschmacksrichtungen hat sich der junge Holländer seinen ersten Stern erkocht, eine interessante kulinarische Erfahrung in einem luxuriösen Rahmen. Der Preis ist an diesem Tag entsprechend fast zwanzigmal teurer als bei Hawker Chan.

Beim Essen wird man in Singapur schnell die Sprache der Kulinarik lernen. Hat es sehr gut geschmeckt, war es „shiok“.

Unsere Reportage entstand vor dem Ausbruch der Pandemie. Die Website des Tourismusoffice von Singapur www.VisitSingapore.com bietet beste Informationen, darunter auch in der Rubrik „Virtuelle Erlebnisse“ etliche Eindrücke, die man in Pandemie-Zeiten auch von zuhause­ aus sammeln kann.

Hoteltipps:

The Capitol Kempinksi: Das 1904 im spätviktorianischen Stil erbaute Warenhaus „Stamford House“ wurde in den letzten Jahren zu einem der besten Luxushotels Singapurs umgebaut. Die Lage in Downtown ist ideal, das renovierte bekannte Capitol Theatre liegt im selben Gebäudekomplex. Die großen Zimmer und Suiten bieten jeden Komfort, Spa mit Salzwasser-Pool, raffinierte Bars und Restaurants sowie eine Amex-Platinum-Lounge. Mitglied der Leading Hotels of the World. Charmanter Service der rotgekleideten Brand-Botschafterinnen, der „Ladies in red“, 15 Stamford Road, Singapore, 178906, Singapore

J.W. Marriott Hotel Singapore South Beach:In Gehweite zu beliebten Shopping Malls, zwei Restaurants, drei Bars (eine mit einer aussergewöhnlichen Gin-Kollektion), dazu ein historischer Nebenbau. Witzig sind die LED-animierten Fahrstühle – mal fühlt man sich in einem Aquarium, mal im Himmel. 30 Beach Road, Nicoll Hwy, Access Via, Singapur 189763

La vie est belle

Alte Platanenalleen, Weinberge, historische Steinbrücken und schöne Restaurants – der Canal du Midi ist eine ganz besondere Erfahrung. Eile ist nicht gewollt, befand Holger Leue.

Einmal sein eigener Kapitän sein. Einmal den Fahrtwind auf dem legendären Canal du Midi spüren. Einmal die Herausforderung meistern, ein schickes Boot durch einen engen Kanal zu steuern – was, geglückte Manöver vorausgesetzt, am Ende richtig stolz macht.

Foto: Holger Leue / www.leue-photo.com

Vorkenntnisse, profundes Technikverständnis oder einen Führerschein braucht man für das Abenteuer Canal du Midi nicht. Zum Auftakt gibt es eine einstündige Einführung beim Bootsverleiher. Der Rest kommt von allein – nach dem „learning by doing“-Prinzip. Na gut, Fingerspitzengefühl sollte man mitbringen, dazu ein Gefühl für Tempo und Abstände, eine Prise Selbstbewusstsein – und plötzlich ist man selbst Kapitän der knapp 15 m langen Horizon 5, dem Flaggschiff des Hausbootvermieters.

Mit großzügigem Deckbereich und fünf Kabinen (samt fünf Nasszellen) ist sie perfekt für große Familien oder kleine Gruppen geeignet. Wir sind im Freundeskreis unterwegs und lassen uns vom Charme des Canal du Midi im Süden von Frankreich verzaubern. Gemächlich schippern wir mit maximal 8 km/h durch eine liebliche Landschaft, eingebettet in die Weinberge des Languedoc. Der Weg ist das Ziel, so heißt es auch hier. Ohne Stress, ohne Druck. Ein Weg mit hohem Erholungswert. Für uns heißt es „Leinen los“ an der Basis in Homps – dann kann der siebentägige Hausbooturlaub beginnen. Die wichtigsten Stationen unserer Strecke werden Paraza, Capestang und Bezier sein. So ein Urlaub ist die perfekte Kombination aus Entspannung, Erlebnissen und Teamwork. Denn man muss als Crew zusammenarbeiten, um durch die Schleusen zu manövrieren. Und auch das Anlegen erfordert aufgrund der Bootsdichte an einigen Liegeplätzen Präzisionsarbeit, bei der jedes Auge und jede leinenhaltende Hand zählt…

Foto: Holger Leue & Lars Böhnke / www.leue-photo.com

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Genuss mit allen Sinnen

Seit Ende Oktober ist die SILVER MOON offiziell ein Flottenmitglied von Silversea Cruises. Peggy Günther über das neue Flaggschiff der monegassischen Reederei.

Grazil liegt die SILVER MOON an der Pier von Civitavecchia. Das jüngste Flottenmitglied von Silversea Cruises wartet nach der Übergabe durch die Fincantieri-Werft in Ancona am 30. Oktober geduldig auf seine Erweckung. Noch hat kein Passagier das Innere des Luxusschiffs mit 298 Suiten gesehen, noch ist das Schiff ungetauft. Die monegassische Reederei Silversea Cruises hofft auf einen glanzvollen Start mit Mittelmeerrouten, die perfekt zum Schiffskonzept passen würden.

Foto: Silversea Cruises

Denn wo lassen sich kulinarische Genüsse besser zelebrieren als im Mittelmeer? Und das lukullische Erlebnis steht im Zentrum der SILVER MOON. Kein anderes Schiff dieser Größe bietet eine derartige Vielfalt für Gourmets: Acht Restaurants laden zu unterschiedlichsten Erlebnissen ein – vom japanisch-inspirierten Kaiseki über Pizza und Pasta im Spaccanapoli bis hin zum The Grill. Hier können sich die Passagiere am Abend neben dem Pool auf heißen Lavasteinen Fisch, Fleisch und Gemüse selbst auf den Punkt garen.

Das gastronomische Herz des Schiffes pulsiert auf Deck 4 – hier ist der neue S.A.L.T.-Hub angesiedelt. Das Akronym steht für „Sea And Land Taste“ und das Konzept dahinter ist genauso naheliegend wie innovativ: Das gastronomische Angebot richtet sich nach den Destinationen, in denen das Schiff unterwegs ist.

An einem Seetag vor der Küste Italiens könnte das Programm im S.A.L.T.-Hub wie folgt aussehen: Mittags lernen die Passagiere im S.A.L.T. Lab das Geheimnis der perfekten Pizza. In der großzügigen Testküche hat jeder Teilnehmer des Kochkurses einen guten Blick auf das runde Zentrum, wo ein Koch aus Napoli sein Familienrezept teilt. Die Gäste kneten den Teig und schnuppern am frischen Oregano…

…Lesen Sie weiter in „an Bord“.