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Hochseeflair auf der Donau

Sie ist eines der größten Binnenkreuzfahrtschiffe der Welt: Auf der Donau ist seit dem Sommer dieses Jahres die AmaMagna im Einsatz. Michael Wolf konnte sich während der Taufreise das Schiff genauer ansehen.

Wow, was für ein Schiff! Die chinesischen Touristen, die in Budapest an der AmaMagna vorbeiziehen, machen Selfies, Fotos, Videos ohne Ende. Ein so großes Schiff hatten sie wohl selten auf der Donau zu Gesicht bekommen. Und sie haben Glück: Heute steht Captain Jan de Bruijn höchstpersönlich vor der AmaMagna, wartet auf die ersten Gäste. Fast liebevoll flaniert er an „seinem“ Schiff vorbei, das er schon seit Monaten in der Werft „betreut“ hatte, dort die letzten Arbeiten überwachte.
Zusammen mit dem Hoteldirektor schüttelt er die Hände der Anreisenden, von denen nur einige mit großen Bussen kommen, viele dagegen in Limousinen oder Vans.
Individuell ist das Stichwort, das die AmaMagna auszeichnet.

Obwohl das Schiff fast doppelt so groß ist wie die üblichen Flusskreuzfahrtschiffe, nimmt es nur 20 Prozent mehr Passagiere mit. Das macht sich überall an Bord bemerkbar: In der Größe der bemerkenswerten Kabinen und Suiten, in allen öffentlichen Bereichen, den Lounges und Restaurants und natürlich dem riesigen Sonnendeck: Platz ist überall mehr als reichlich vorhanden.
Dabei lässt der erste Eindruck nach dem Eingang mit der relativ kleinen Rezeption noch nicht auf das Raumangebot schließen. Aber dann öffnet sich alles sehr schnell: die bequemen Sitzgelegenheiten, die Bereiche für Hotel- und Cruisedirektor, das lichtdurchflutete Treppenhaus mit seinen zwei parallel angeordneten Marmortreppen und den (leider künstlichen) begrünten Bäumen, das sich über drei Decks erstreckt. Auf denen liegen im Vorderbereich die Restaurants und Lounges, nach hinten erstreckt sich der Wohnbereich, zu dem breite Gänge führen.

Exklusives Wohnen
In acht Kategorien werden die Kabinen und Suiten angeboten, die von 19 bis 66 qm groß sind.
Sie sind in modernen Rot- und Rost-Tönen designt, haben über den Betten meist dekorative Holzpaneelen, daneben körperhohe Spiegel. Neben einem Mega-TV-Screen (mit internationalen TV-Programmen und einer großen Auswahl von auch aktuellsten Spielfilmen, in einigen Suiten zum Ausfahren aus einem Holzsockel) sorgt ein iMac für interaktiven Zugang zum Internet, Surfen und Apple-TV, Buchungen von Bordleistungen etc., ein zusätzliches iPad hilft auch bei der Regulierung der Klimaanlage sowie bei der individuellen Beleuchtung.
Auf einem kleinen Touchscreen an der Wand kann dies ebenfalls eingestellt werden.
Mit wenigen Ausnahmen haben alle Kabinen begehbare Balkons mit Sesseln.
Jeden Tag bringen die wirklich freundlichen Crew-Mitarbeiter frische Wasserflaschen, sie sind kostenfrei. Die Schränke bieten außergewöhnlichen Platz. Die komplett ausgestatteten meist grau gefliesten eleganten Badezimmer sind wahrscheinlich die größten in der Flusskreuzfahrtindustrie. Sie verfügen über große Duschen mit festen Glaswänden, die Marmorplatte der beiden Waschbecken ragt dabei bei einigen durch eine Öffnung in den Duschbereich als Ablage hinein, ein ebenso praktisches wie optisch interessantes Detail. Für High End-Kunden hat die Reederei sechs Grand Suites und eine Owner Suite entworfen, sie bieten auch Butlerservice. In den Kabinen kann man sich auf diesem Schiff bequem auch mal für eine längere Zeit zurückziehen….

Fotos: enapress.com

Megayacht mit Eisklasse

Milliardärs-Yacht für Nicht-Milliardäre: Mit einem der umfangreichsten All-inclusive-Konzepte der Kreuzfahrtbranche, mit Hubschrauber und U-Boot unternimmt die Scenic Eclipse exklusive Expeditionen weltweit. Franz Neumeier hat sich die Kreuzfahrtyacht genauer angesehen.

Die Ausfahrt von New York City entlang der Skyline von Manhattan und ganz nahe vorbei an der Freiheitsstatue steht meist ganz oben auf der Wunschliste passionierter Kreuzfahrer. Kaum noch zu übertreffen ist dieses Erlebnis zum Sonnenuntergang, wenn ganz vorne am Bug der Kreuzfahrtyacht Scenic Eclipse einem warmer Herbstwind um die Nase weht und ein Kellner Champagner reicht.
Die erste Discovery-Yacht der Welt und eine Milliardärs-Yacht für Nicht-Milliardäre – so sieht die Reederei ihre neue Ultraluxus-Yacht Scenic Eclipse und positioniert sie auf amerikanisches Sechs-Sterne-Niveau: Ultra-Luxus mit der höchsten Eisklasse für Passagierschiffe (PC6) und Ultra-all-inklusive. Nur Rundflüge mit einem der beiden bordeigenen Hubschrauber, Tauchgänge mit dem kleinen U-Boot und Spa-Behandlungen kosten extra, alles andere ist im Reisepreis enthalten, selbst Landausflüge, gute Weine und Cocktails sowie die 155 Whiskey-Sorten an der Lounge Bar.

Als Taufpatin der Yacht ist die großartige und humorvolle Helen Mirren, britische Schauspielerin und Oscar-Gewinnerin, nach New York gekommen. Abgesehen davon jedoch sind die Feierlichkeiten im Manhattan Cruise Terminal ein enormes Understatement für ein Ultraluxus-Schiff: Kein Magnum-Protz bei der Champagner-Flasche, kein pompöses Gehabe, nur ein paar feine Häppchen und Champagner, Begleitmusik mit Harfe und Streichquartett.
Scenic-CEO Glen Moroney und seiner Frau Karen, die für das Innendesign des Schiffs verantwortlich zeichnet, strahlt das Glück über ihr neues Schiff aus den Gesichtern. Wohl auch, weil das Projekt beinahe an einer Pleite der Uljanik-Werft im kroatischen Pula gescheitert wäre. Scenic musste ein großes, eigenes Team aus Technikern und Ingenieuren zusammenstellen und den Bau weitgehend selbst übernehmen. Das Schiff kam rund ein Jahr später kam als geplant.
Auch der Taufakt selbst verlief ein wenig anders erwartet: Beim ersten Versuch zerschellte die Champagner-Flasche nicht am Bug der Scenic Eclipse, hinterließ aber eine ordentliche Schramme im Lack. Beim zweiten Versuch löste sich die Flasche aus der Halterung und fiel – ohne zu zerbrechen – in den Hudson River. Helen Mirren beschloss spontan und notgedrungen, dass die Taufe des Schiffs damit dennoch vollzogen sei. Jubel und Applaus, Glückwünsche und Blumen, Gruppenfotos vor dem Schiff….

Fotos: Franz Neumeier

Abenteuer Franz-Josef-Land

Renate Scheiper reiste mit der SEA SPIRIT zu den Eisbären, Walrossen und Seevögeln im Fanz-Josef-Land. Eine Reise mit Zodiac-Touren, Polar-Plunge, viel Geschichte und Abenteuer-Charakter.

Mit vereinten Kräften ziehen Expeditionsleiter Ryan aus England und Historiker Andreas aus Deutschland das Zodiac im seichten Wasser über die Kiesel. Es ist die erste Anlandung der Gäste des komfortablen Expeditionsschiffes Sea Spirit in Franz-Josef-Land. Drei weitere der insgesamt elf Zodiacs sind bereits unterwegs in die Geographers Bucht der Prinz Georg Insel. Plötzlich kommt ein Anruf von der Brücke: „Anlandung sofort abbrechen. Ein Eisbär ist unterwegs!“ Oh ja – da steht er hoch oben am Abhang eines Schneefeldes. Wir sind begeistert, auch wenn nun alle Zodiacs zurück müssen zum Schiff. Zwei Männer der russischen Eisbärpatrouille, welche die Sea Spirit begleiten und jeweils vor den Passagieren an Land gehen, hatten ihn entdeckt. Jetzt ist klar, weshalb am Vortag die fünf mit Gewehren ausgestatteten Russen nebst zwei Wissenschaftlern zustiegen, als die Sea Spirit nach zwei Seetagen, von Longyearbyen auf Spitzbergen kommend, auf Alexandra Land in russisches Gewässer einklarierte.
Das war der Erste unseres täglichen Eisbären. Die gescheiterte Anlandung wird nachmittags in einer anderen Bucht ersetzt durch eine Zodiac-Fahrt entlang gigantischer Gletscherfronten. Walrossfamilien schwimmen auf Eisschollen vorbei, teilweise so gequetscht, dass mancher Po halb im Wasser hängt. Doch sie scheinen sich wohl zu fühlen, räkeln sich, gähnen, wedeln mit den Flossen.

Gourmet-Dinner und Naturspektakel
Täglich informieren die vierzehn internationalen Lektoren durch Vorträge und Filme (auf Englisch, von Andreas simultan übersetzt) über Inseln, Tiere, Vegetation und die spannende Geschichte der Entdeckung von Franz-Josef-Land durch die österreichisch-ungarische Expedition 1872 – 1874 mit dem Segelschiff Admiral Tegetthoff, die den Archipel nach ihrem Kaiser „Franz-Josef“ benannte. Der ukrainische Kapitän Oleg bedauert, dass wir wegen des starken Eises Kap Tegetthoff nicht anlaufen können, wo das Schiff der Expedition damals vom Eis eingeschlossen wurde. Das soll uns besser nicht passieren. Dafür dröhnen Lachsalven durch die Oceanus Lounge, als er persönlich jeden seiner Offiziere vorstellt mit witzigen Einfällen. Zudem begeistert er alle 92 Passagiere aus 15 Ländern durch seine Politik der „offenen Brücke“, die manchmal regelrecht belagert ist. …

Fotos: Renate Scheiper, Sergey Gorshkov, Poseidon Expeditions, Dietmar Denger

„Greg Mortimer“ nach Übergabe getauft

Es ist nicht nur der erste in China für den Export-Markt fertiggestellte Neubau eines Kreuzfahrtschiffes und Typschiff einer geplanten Zehner-Serie des Infinity-Typs CX-103, sondern auch das erste mit dem patentierten X-Bow von Ulstein ausgestattete Kreuzfahrtschiff der Welt: Das vertragskonform am 29. August von der zur China Merchant Heavy Industry (CMHI) gehörenden Haimen-Werft in Jiangsu an die in Miami ansässige und von dem Dänen Niels-Erik Lund geführte Reederei Sun Stone Ships Inc. abgelieferte Expeditionskreuzfahrtschiff Greg Mortimer ist am Donnerstag (5.9.2019) in seine Langzeitcharter bei dem australischen Expeditionsreisen-Veranstalter Aurora Expeditions angeliefert und einen Tag später, am Freitag (6.9.2019), am Ausrüstungskai seiner Bauwerft getauft worden. Als Taufpatin fungierte Margaret Mortimer, die Ehefrau des 1952 geborenen Namensgebers Greg Mortimer, der nicht nur 1984 als erster Australier den Mount Everest ohne Sauerstoffmaske bezwungen hatte, sondern 1991 auch Aurora-Expeditions gegründet hat. Am kommenden Freitag soll der Täufling die Werft verlassen und Kurs auf Ushuaia nehmen, wo am 30. Oktober die Jungfernreise, eine 12-tägige Antarktis-Rundreise, beginnt.

Der im Juni 2018 als erstes Kreuzfahrtschiff mit der höchsten Eisklasse 1A bzw. PC6 in China auf Kiel gelegte, am 12. März dieses Jahres zu Wasser gebrachte und jetzt unter Bahamas-Flagge in Fahrt gekommene Neubau (IMO-Nr. 9834648) wird von Aurora Expeditions von November d.J. bis März 2020 zunächst in der Antarktis eingesetzt. Schon bei der Unterzeichnung des Chartervertrages für den rd. 65 Mio. US-Dollar teuren Neubau hatte sich Aurora-Chef Halfpenny die Optionen zur Eincharterung von drei weiteren Einheiten gesichert, von denen er inzwischen mit der im September 2022 als fünftes Schiff in Fahrt kommenden Ocean Discoverer die erste Option genutzt hat. Als zweites Schiff kommt im Oktober 2020 die Ocean Victory in Fahrt, für die am 12. März dieses Jahres der Brennstart erfolgt ist. Sie wird zunächst von dem dänischen Veranstalter Albatros Expeditions in der Antarktis und in den Sommermonaten von dem US-Veranstalter American Steamboat Company in Alaska eingesetzt. Das dritte Schiff der Serie, die im Januar 2021 zu liefernde Ocean Explorer, sicherte sich die zur 1983 gegründeten Vantage DeLuxe World Travel gehörende amerikanische Reederei Vantage Cruise Line, die den Neubau langfristig in Ostasien, dem Mittelmeerraum und Skandinavien einsetzen will. Das vierte Schiff kommt im März 2022 als Ocean Odyssey in Fahrt, während die als Ocean Albatros im Oktober 2022 folgende sechste Einheit vom Albatros Expeditions – als zweites Charterschiff neben der Ocean Victory – für den Einsatz in der Arktis und Antarktis in Langzeit-Charter genommen wird. Das siebte Schiff der Serie wurde am 29. Mai mit der Vertragsunterzeichnung in Hongkong zur Lieferung im September 2021 fest bestellt, nachdem auch hierfür ein Langzeitcharterer gefunden werden konnte. Damit sind alle sieben von SunStone getätigten Festbestellungen durch Charterverträge unterlegt, die übrigen drei Optionen sollen bis Jahresende in Festaufträge zur Lieferung bis 2023 umgewandelt werden.

Der von der norwegischen Firma Ulstein Design & Solution in Kooperation mit SunStone entwickelte Infinity-Typ CX103 zeichnet sich u.a. durch seine ungewöhnliche Vorschiffsgestaltung, den bei Offshore-Schiffen bewährten und nun mehr erstmals auf einem Kreuzfahrtschiff realisierten Ulstein-X-Bow aus, der für gute See-Eigenschaften auch unter rauesten Bedingungen sorgen soll. Die 104,4 m langen, 18,4 m breiten und 5,1 m tiefgehenden Expeditionsschiffe mit einer Vermessung von 7892 BRZ mit höchster Eisklasse 1A bzw. PC6 und Safe Return to Port (SrtP) Auslegung – werden nach den Vorschriften und unter Aufsicht der französischen Klassifikationsgesellschaft Bureau Veritas gebaut. Die norwegische Ulstein-Gruppe liefert neben dem Design nicht nur die Ausrüstungspakete für die Neubauten, sondern übernimmt auch die Bauaufsicht für die Serie. Die 15,5 kn schnellen Neubauten werden bis zu 95, zu 80 Prozent mit Balkonen ausgestattete, Suiten und Kabinen für 130 bis 200 Passagiere aufweisen. Das für 120 bis 160 Gäste sowie 74 Crew-Mitglieder ausgelegte Typschiff verfügt auf vier seiner zehn Decks über 80 Kabinen bzw. Suiten. Darüber verfügen die Schiffe über eine 180-Grad-Panorama-Lounge auf Deck 8, Jacuzzi, Boutique und auf beiden Seiten jeweils zwei Seitenpforten nahe der Wasserlinie für die bordeigenen Zodiac-Schlauchboote sowie eine für unterschiedliche Wassersportaktivitäten nutzbare Marina am Heck und zwei hydraulisch ausklappbare Aussichtsplattformen in der Außenhaut des Vorschiffes auf Deck 5. Die Innenausstattung wird von Mäkinen geliefert, für das Innendesign zeichnet Tomas Tillberg Design International verantwortlich. Die vier mit HFO betriebenen Hauptmotoren und Abgasreinigungsanlagen – 2 x 6 Zyl. und 2 x 8 Zyl-Motoren der L20-Baureihe – der dieselelektrischen Maschinenanlage wurden vom Wärtsilä zugeliefert. Zur Ausrüstung des Schiffes gehören u.a. auch eine dynamische Positionierungs-Anlage und Zero-Speed-Stabilisatoren. JPM

Quelle: Jens Meyer

Taufe mit Franz Joseph

Für den Gründer der amerikanischen Flusskreuzfahrt-Reederei AmaWaterways, Rudi Schreiner, war es sicher die Erfüllung eines langgehegten Traumes: den nach seinen Plänen entwickelten größten Neubau auf der Donau in seiner österreichischen Heimat zu taufen. Michael Wolf berichtet.

Schon der Rahmen ist schön für diese Bilderbuchtaufe: Strahlender Sonnenschein, das pittoreske Städtchen Grein mit seiner hübschen Donaupromenade und dem schönen Schloss.
Als die AmaMagna an diesem Donnerstagnachmittag im Juli in Grein anlegt, warten bereits zahllose Einwohner und lokale Politiker auf das spektakuläre Schiff. An der Gangway stehen sogar Kaiserin Sisi und ihr Gemahl Kaiser Franz Joseph „persönlich“, flankiert von anderen Persönlichkeiten in historischen Kostümen, dazu werden Champagner, lokales Bier und österreichische Würstel serviert. Auch das Showprogramm ist lokal inspiriert: Zu den Klängen der „schönen blauen Donau“ und anderer Strauss-Walzer stürzen sich die Gäste im Drei-Viertel-Takt in ein Taufvergnügen der besonderen Art. Auch Kristin Karst, Miteigentümerin von AmaWaterways, kommt nicht am tanzenden Kaiser vorbei, die amerikanischen Gäste freuen sich über Walzerklänge und einen fast perfekten Imitator des österreichischen Kultsängers Falco, dessen Hits sogar in den Staaten beliebt waren.

Ein gutes Aufwärmen für die Taufe des 22. Flusskreuzfahrtschiffes der amerikanischen Reederei, allerdings diesmal ein ganz besonderes. Das neue Flaggschiff, die AmaMagna, ist etwa doppelt so breit, bietet vier Restaurants, zahlreiche große Suiten, Kino, Spa und Fitnesscenter. Dennoch hat sie nur etwa 20 Prozent mehr Gäste als die „normalen“ Schiffe, bietet Luxus fast auf Hochseeniveau.
Die amerikanische Fernsehmoderatorin Samantha Brown, bekannt in den USA durch ihre TV-Reisesendungen, fungiert als charmante und professionelle Taufpatin. „Ich habe heute den besten Job auf der ganzen Welt“ freut sie sich, bevor sie die Magnumflasche Veuve Clicquot gegen die Bordwand schmettert.
Zuvor hatte Reederei-Gründer Rudi Schreiner die komplizierte Entstehungs-Geschichte des Schiffes erzählt. Greins Bürgermeister Rainer Barth wünschte dem Schiff „viele relaxte und sichere Kreuzfahrten“. Von kirchlicher Seite stand dem nichts im Weg: der örtliche Priester segnete die AmaMagna.
Beim folgenden Empfang in der majestätischen Greinburg lässt es sich Hausherr Erbprinz Hubertus von Sachsen-Coburg und Gotha nicht nehmen, die Gäste mit einem Glas Sekt zu begrüßen. Eine Folkloregruppe präsentiert lokale Volkstänze – und lädt Mutige zum Mittanzen ein.
Die richtige Party beginnt dann nach Sonnenuntergang: Akrobaten performen in leuchtenden Kostümen auf dem Pooldeck, ein Höhenfeuerwerk glitzert über der Donau. Bis in den Morgenstunden wird getanzt – so ein Schiff kommt so schnell nicht wieder.

Fotos: enapress.com

Exklusivität der Einsamkeit

Champagner im Zodiac und Hotdogs auf dem Pooldeck – die neue HANSEATIC NATURE schwimmt exakt in der Mitte zwischen klassischer Luxuskreuzfahrt und waschechter Expedition. Peggy Günther berichtet.

„Es ist gerade recht windig und die Überfahrt könnte nass werden, aber trotzdem möchten wir Ihnen einen Besuch beim Lloydhotel nicht vorenthalten“, lautet die Durchsage von Expeditionsdirektorin Ulrike Schleifenbaum während des Abendessens an Bord der HANSEATIC NATURE. „Da das Wetter so ungemütlich ist, werden wir uns nicht zu lange vor Ort aufhalten, etwa eine halbe Stunde pro Zodiacgruppe.“ Wenigstens die Zeit für ein Getränk an der Hotelbar könne man doch einräumen, kontert eine Erstkreuzfahrerin im Restaurant. Gleichzeitig werden leise Zweifel wach: Heute Vormittag haben wir die nördlichste Siedlung auf Spitzbergen verlassen – mit Kurs in noch höhere Breitengrade. Wieso haben wir noch nie vom scheinbar nördlichsten Hotel der Welt gehört?

Foto: Hapag-Lloyd Cruises

Longyearbyen, die Walrosse von Poolepynten, Ny-Ålesund – bisher verlief die erste geplante Spitzbergenumrundung der HANSEATIC NATURE wie viele andere Reisen in dieser Region. Spitzbergen avanciert zum neuen Trendziel – die Zahl der Kreuzfahrtgäste ist in den letzten zehn Jahren um 140 Prozent gestiegen. Sogar große Megacruiser ohne jegliche Eisklasse machen in Longyearbyen fest. Spannend wird es jedoch erst, wenn die Reise weiter nach Norden führt, in Richtung Packeisgrenze.

Kapitän Thilo Natke freut sich darauf, sein neues Baby zum ersten Mal ins Eis zu fahren. Nach den letzten Monaten in der Bauleitung auf der Werft und der Jungfernfahrt Anfang Mai hat er nur kurz Urlaub gemacht, um Ende Juni bei der ersten Spitzbergenumrundung auf der Brücke zu stehen. Er müsse sich erst einmal an die neue Schiffsgröße gewöhnen, sagt Natke. Die HANSEATIC NATURE ist knapp 16 Meter länger und vier Meter breiter als sein letztes Schiff, die Bruttoraumzahl hat sich nahezu verdoppelt. 120 großzügige Kabinen und Suiten stehen den Passagieren auf dem Neubau zur Verfügung, das HanseAtrium als Vortragsraum mit Meerblick und natürlich die Ocean Academy.

Dieser neue Raum im Heck des Schiffes bietet nicht nur intuitive Möglichkeiten zum Selbststudium, sondern ist vor allem ein Ort der Begegnung mit den Experten an Bord. Auf der ersten geplanten Spitzbergenumrundung sind dies zwei Geologinnen, zwei Biologen, ein Glaziologe und ein Sozial- und Wirtschaftshistoriker. Sie halten nicht nur im Rahmen des allabendlichen Recaps informative Kurzvorträge und stehen bei Anlandungen an interessanten Punkten im Gelände. Während der Zeiten auf See haben sie auch Sprechstunden in der Ocean Academy.

Die größte Veränderung gegenüber der „alten“ HANSEATIC und der BREMEN ist die höhere Eisklasse der HANSEATIC NATURE. Der Neubau wurde mit PC6 qualifiziert, was die höchste Eisklasse für Passagierschiffe ist, alles darüber zählt als Eisbrecher. Kapitän Natke erklärt, was dazugehört: Im Haupteisbereich gibt es doppelt so viele Spanten, die Außenhaut ist bis zu 16 Millimeter dick, der Bugbereich besonders verstärkt. Die Propeller wurden aus Edelstahl statt aus Bronze gefertigt und die Maschinen sind elastisch gelagert. Als sich das erste Eisfeld der Reise zeigt, füllt sich der Nature Walk schnell mit blauen Hapag-Lloyd-Parkern. Die neue Promenade auf dem Vordeck des Schiffs zählt für viele Gäste zu den Lieblingsorten an Bord, denn nirgends kann man der Natur näher sein. Lautlos gleitet die HANSEATIC NATURE an die weiße Kante heran. „Festhalten“, sagt jemand und dann rumpelt es gewaltig. Der Bug teilt das Eis wie ein Kuchenmesser eine Baisertorte. Das Schiff setzt seinen Weg unbeeindruckt und mit unverminderter Geschwindigkeit fort, lässt kleine Schollen rechts und links der Fahrspur zurück…

Fotos: Peggy Günther, Hapag-Lloyd Cruises