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„Greg Mortimer“ nach Übergabe getauft

Es ist nicht nur der erste in China für den Export-Markt fertiggestellte Neubau eines Kreuzfahrtschiffes und Typschiff einer geplanten Zehner-Serie des Infinity-Typs CX-103, sondern auch das erste mit dem patentierten X-Bow von Ulstein ausgestattete Kreuzfahrtschiff der Welt: Das vertragskonform am 29. August von der zur China Merchant Heavy Industry (CMHI) gehörenden Haimen-Werft in Jiangsu an die in Miami ansässige und von dem Dänen Niels-Erik Lund geführte Reederei Sun Stone Ships Inc. abgelieferte Expeditionskreuzfahrtschiff Greg Mortimer ist am Donnerstag (5.9.2019) in seine Langzeitcharter bei dem australischen Expeditionsreisen-Veranstalter Aurora Expeditions angeliefert und einen Tag später, am Freitag (6.9.2019), am Ausrüstungskai seiner Bauwerft getauft worden. Als Taufpatin fungierte Margaret Mortimer, die Ehefrau des 1952 geborenen Namensgebers Greg Mortimer, der nicht nur 1984 als erster Australier den Mount Everest ohne Sauerstoffmaske bezwungen hatte, sondern 1991 auch Aurora-Expeditions gegründet hat. Am kommenden Freitag soll der Täufling die Werft verlassen und Kurs auf Ushuaia nehmen, wo am 30. Oktober die Jungfernreise, eine 12-tägige Antarktis-Rundreise, beginnt.

Der im Juni 2018 als erstes Kreuzfahrtschiff mit der höchsten Eisklasse 1A bzw. PC6 in China auf Kiel gelegte, am 12. März dieses Jahres zu Wasser gebrachte und jetzt unter Bahamas-Flagge in Fahrt gekommene Neubau (IMO-Nr. 9834648) wird von Aurora Expeditions von November d.J. bis März 2020 zunächst in der Antarktis eingesetzt. Schon bei der Unterzeichnung des Chartervertrages für den rd. 65 Mio. US-Dollar teuren Neubau hatte sich Aurora-Chef Halfpenny die Optionen zur Eincharterung von drei weiteren Einheiten gesichert, von denen er inzwischen mit der im September 2022 als fünftes Schiff in Fahrt kommenden Ocean Discoverer die erste Option genutzt hat. Als zweites Schiff kommt im Oktober 2020 die Ocean Victory in Fahrt, für die am 12. März dieses Jahres der Brennstart erfolgt ist. Sie wird zunächst von dem dänischen Veranstalter Albatros Expeditions in der Antarktis und in den Sommermonaten von dem US-Veranstalter American Steamboat Company in Alaska eingesetzt. Das dritte Schiff der Serie, die im Januar 2021 zu liefernde Ocean Explorer, sicherte sich die zur 1983 gegründeten Vantage DeLuxe World Travel gehörende amerikanische Reederei Vantage Cruise Line, die den Neubau langfristig in Ostasien, dem Mittelmeerraum und Skandinavien einsetzen will. Das vierte Schiff kommt im März 2022 als Ocean Odyssey in Fahrt, während die als Ocean Albatros im Oktober 2022 folgende sechste Einheit vom Albatros Expeditions – als zweites Charterschiff neben der Ocean Victory – für den Einsatz in der Arktis und Antarktis in Langzeit-Charter genommen wird. Das siebte Schiff der Serie wurde am 29. Mai mit der Vertragsunterzeichnung in Hongkong zur Lieferung im September 2021 fest bestellt, nachdem auch hierfür ein Langzeitcharterer gefunden werden konnte. Damit sind alle sieben von SunStone getätigten Festbestellungen durch Charterverträge unterlegt, die übrigen drei Optionen sollen bis Jahresende in Festaufträge zur Lieferung bis 2023 umgewandelt werden.

Der von der norwegischen Firma Ulstein Design & Solution in Kooperation mit SunStone entwickelte Infinity-Typ CX103 zeichnet sich u.a. durch seine ungewöhnliche Vorschiffsgestaltung, den bei Offshore-Schiffen bewährten und nun mehr erstmals auf einem Kreuzfahrtschiff realisierten Ulstein-X-Bow aus, der für gute See-Eigenschaften auch unter rauesten Bedingungen sorgen soll. Die 104,4 m langen, 18,4 m breiten und 5,1 m tiefgehenden Expeditionsschiffe mit einer Vermessung von 7892 BRZ mit höchster Eisklasse 1A bzw. PC6 und Safe Return to Port (SrtP) Auslegung – werden nach den Vorschriften und unter Aufsicht der französischen Klassifikationsgesellschaft Bureau Veritas gebaut. Die norwegische Ulstein-Gruppe liefert neben dem Design nicht nur die Ausrüstungspakete für die Neubauten, sondern übernimmt auch die Bauaufsicht für die Serie. Die 15,5 kn schnellen Neubauten werden bis zu 95, zu 80 Prozent mit Balkonen ausgestattete, Suiten und Kabinen für 130 bis 200 Passagiere aufweisen. Das für 120 bis 160 Gäste sowie 74 Crew-Mitglieder ausgelegte Typschiff verfügt auf vier seiner zehn Decks über 80 Kabinen bzw. Suiten. Darüber verfügen die Schiffe über eine 180-Grad-Panorama-Lounge auf Deck 8, Jacuzzi, Boutique und auf beiden Seiten jeweils zwei Seitenpforten nahe der Wasserlinie für die bordeigenen Zodiac-Schlauchboote sowie eine für unterschiedliche Wassersportaktivitäten nutzbare Marina am Heck und zwei hydraulisch ausklappbare Aussichtsplattformen in der Außenhaut des Vorschiffes auf Deck 5. Die Innenausstattung wird von Mäkinen geliefert, für das Innendesign zeichnet Tomas Tillberg Design International verantwortlich. Die vier mit HFO betriebenen Hauptmotoren und Abgasreinigungsanlagen – 2 x 6 Zyl. und 2 x 8 Zyl-Motoren der L20-Baureihe – der dieselelektrischen Maschinenanlage wurden vom Wärtsilä zugeliefert. Zur Ausrüstung des Schiffes gehören u.a. auch eine dynamische Positionierungs-Anlage und Zero-Speed-Stabilisatoren. JPM

Quelle: Jens Meyer

Taufe mit Franz Joseph

Für den Gründer der amerikanischen Flusskreuzfahrt-Reederei AmaWaterways, Rudi Schreiner, war es sicher die Erfüllung eines langgehegten Traumes: den nach seinen Plänen entwickelten größten Neubau auf der Donau in seiner österreichischen Heimat zu taufen. Michael Wolf berichtet.

Schon der Rahmen ist schön für diese Bilderbuchtaufe: Strahlender Sonnenschein, das pittoreske Städtchen Grein mit seiner hübschen Donaupromenade und dem schönen Schloss.
Als die AmaMagna an diesem Donnerstagnachmittag im Juli in Grein anlegt, warten bereits zahllose Einwohner und lokale Politiker auf das spektakuläre Schiff. An der Gangway stehen sogar Kaiserin Sisi und ihr Gemahl Kaiser Franz Joseph „persönlich“, flankiert von anderen Persönlichkeiten in historischen Kostümen, dazu werden Champagner, lokales Bier und österreichische Würstel serviert. Auch das Showprogramm ist lokal inspiriert: Zu den Klängen der „schönen blauen Donau“ und anderer Strauss-Walzer stürzen sich die Gäste im Drei-Viertel-Takt in ein Taufvergnügen der besonderen Art. Auch Kristin Karst, Miteigentümerin von AmaWaterways, kommt nicht am tanzenden Kaiser vorbei, die amerikanischen Gäste freuen sich über Walzerklänge und einen fast perfekten Imitator des österreichischen Kultsängers Falco, dessen Hits sogar in den Staaten beliebt waren.

Ein gutes Aufwärmen für die Taufe des 22. Flusskreuzfahrtschiffes der amerikanischen Reederei, allerdings diesmal ein ganz besonderes. Das neue Flaggschiff, die AmaMagna, ist etwa doppelt so breit, bietet vier Restaurants, zahlreiche große Suiten, Kino, Spa und Fitnesscenter. Dennoch hat sie nur etwa 20 Prozent mehr Gäste als die „normalen“ Schiffe, bietet Luxus fast auf Hochseeniveau.
Die amerikanische Fernsehmoderatorin Samantha Brown, bekannt in den USA durch ihre TV-Reisesendungen, fungiert als charmante und professionelle Taufpatin. „Ich habe heute den besten Job auf der ganzen Welt“ freut sie sich, bevor sie die Magnumflasche Veuve Clicquot gegen die Bordwand schmettert.
Zuvor hatte Reederei-Gründer Rudi Schreiner die komplizierte Entstehungs-Geschichte des Schiffes erzählt. Greins Bürgermeister Rainer Barth wünschte dem Schiff „viele relaxte und sichere Kreuzfahrten“. Von kirchlicher Seite stand dem nichts im Weg: der örtliche Priester segnete die AmaMagna.
Beim folgenden Empfang in der majestätischen Greinburg lässt es sich Hausherr Erbprinz Hubertus von Sachsen-Coburg und Gotha nicht nehmen, die Gäste mit einem Glas Sekt zu begrüßen. Eine Folkloregruppe präsentiert lokale Volkstänze – und lädt Mutige zum Mittanzen ein.
Die richtige Party beginnt dann nach Sonnenuntergang: Akrobaten performen in leuchtenden Kostümen auf dem Pooldeck, ein Höhenfeuerwerk glitzert über der Donau. Bis in den Morgenstunden wird getanzt – so ein Schiff kommt so schnell nicht wieder.

Fotos: enapress.com

Exklusivität der Einsamkeit

Champagner im Zodiac und Hotdogs auf dem Pooldeck – die neue HANSEATIC NATURE schwimmt exakt in der Mitte zwischen klassischer Luxuskreuzfahrt und waschechter Expedition. Peggy Günther berichtet.

„Es ist gerade recht windig und die Überfahrt könnte nass werden, aber trotzdem möchten wir Ihnen einen Besuch beim Lloydhotel nicht vorenthalten“, lautet die Durchsage von Expeditionsdirektorin Ulrike Schleifenbaum während des Abendessens an Bord der HANSEATIC NATURE. „Da das Wetter so ungemütlich ist, werden wir uns nicht zu lange vor Ort aufhalten, etwa eine halbe Stunde pro Zodiacgruppe.“ Wenigstens die Zeit für ein Getränk an der Hotelbar könne man doch einräumen, kontert eine Erstkreuzfahrerin im Restaurant. Gleichzeitig werden leise Zweifel wach: Heute Vormittag haben wir die nördlichste Siedlung auf Spitzbergen verlassen – mit Kurs in noch höhere Breitengrade. Wieso haben wir noch nie vom scheinbar nördlichsten Hotel der Welt gehört?

Foto: Hapag-Lloyd Cruises

Longyearbyen, die Walrosse von Poolepynten, Ny-Ålesund – bisher verlief die erste geplante Spitzbergenumrundung der HANSEATIC NATURE wie viele andere Reisen in dieser Region. Spitzbergen avanciert zum neuen Trendziel – die Zahl der Kreuzfahrtgäste ist in den letzten zehn Jahren um 140 Prozent gestiegen. Sogar große Megacruiser ohne jegliche Eisklasse machen in Longyearbyen fest. Spannend wird es jedoch erst, wenn die Reise weiter nach Norden führt, in Richtung Packeisgrenze.

Kapitän Thilo Natke freut sich darauf, sein neues Baby zum ersten Mal ins Eis zu fahren. Nach den letzten Monaten in der Bauleitung auf der Werft und der Jungfernfahrt Anfang Mai hat er nur kurz Urlaub gemacht, um Ende Juni bei der ersten Spitzbergenumrundung auf der Brücke zu stehen. Er müsse sich erst einmal an die neue Schiffsgröße gewöhnen, sagt Natke. Die HANSEATIC NATURE ist knapp 16 Meter länger und vier Meter breiter als sein letztes Schiff, die Bruttoraumzahl hat sich nahezu verdoppelt. 120 großzügige Kabinen und Suiten stehen den Passagieren auf dem Neubau zur Verfügung, das HanseAtrium als Vortragsraum mit Meerblick und natürlich die Ocean Academy.

Dieser neue Raum im Heck des Schiffes bietet nicht nur intuitive Möglichkeiten zum Selbststudium, sondern ist vor allem ein Ort der Begegnung mit den Experten an Bord. Auf der ersten geplanten Spitzbergenumrundung sind dies zwei Geologinnen, zwei Biologen, ein Glaziologe und ein Sozial- und Wirtschaftshistoriker. Sie halten nicht nur im Rahmen des allabendlichen Recaps informative Kurzvorträge und stehen bei Anlandungen an interessanten Punkten im Gelände. Während der Zeiten auf See haben sie auch Sprechstunden in der Ocean Academy.

Die größte Veränderung gegenüber der „alten“ HANSEATIC und der BREMEN ist die höhere Eisklasse der HANSEATIC NATURE. Der Neubau wurde mit PC6 qualifiziert, was die höchste Eisklasse für Passagierschiffe ist, alles darüber zählt als Eisbrecher. Kapitän Natke erklärt, was dazugehört: Im Haupteisbereich gibt es doppelt so viele Spanten, die Außenhaut ist bis zu 16 Millimeter dick, der Bugbereich besonders verstärkt. Die Propeller wurden aus Edelstahl statt aus Bronze gefertigt und die Maschinen sind elastisch gelagert. Als sich das erste Eisfeld der Reise zeigt, füllt sich der Nature Walk schnell mit blauen Hapag-Lloyd-Parkern. Die neue Promenade auf dem Vordeck des Schiffs zählt für viele Gäste zu den Lieblingsorten an Bord, denn nirgends kann man der Natur näher sein. Lautlos gleitet die HANSEATIC NATURE an die weiße Kante heran. „Festhalten“, sagt jemand und dann rumpelt es gewaltig. Der Bug teilt das Eis wie ein Kuchenmesser eine Baisertorte. Das Schiff setzt seinen Weg unbeeindruckt und mit unverminderter Geschwindigkeit fort, lässt kleine Schollen rechts und links der Fahrspur zurück…

Fotos: Peggy Günther, Hapag-Lloyd Cruises

Kleines Schiff auf den Großen Seen

Die HAMBURG ist eines der wenigen Kreuzfahrtschiffe, dass die Großen Seen auf der Grenze zwischen den USA und Kanada befahren kann. Peggy Günther war für uns zur Zeit des Indian Summers an Bord.

„Nüscht, alles schon kahl.“ Anneliese schnauft gegen ihre Enttäuschung an. Die Lektorin hatte doch gesagt, in den Laurentian Mountains sei die Chance auf den Indian Summer am höchsten. Doch die sanfte Hügellandschaft zeigt bis an den Horizont kein rotes Laub. „Ihr seid ein bisschen zu spät dran“, gibt Pierre-Alexandre Legault, Kommunikationschef des Tremblant Resorts unumwunden zu. „Der Peak der Laubfärbung ist etwa um unser kanadisches Thanksgiving herum, also Anfang Oktober. Manchmal sind die Nadelbäume weiter oben dann schon verschneit und unten am See leuchten die roten Blätter – ein Wahnsinnsbild“, berichtet der Manager begeistert. „Doch in den letzten Tagen war es windig und regnerisch, da hat es kaum ein Blatt an den Bäumen gehalten.“

Anneliese tröstet sich unterdessen mit einer heißen Kürbissuppe im höchstgelegenen Restaurant des Ortes, der an das französische Wintersportrefugium Megève erinnern soll. Kalt genug wäre es ja für das rote Laub, das für seine Verfärbung einige Frostnächte benötigt. Doch stehen hier überhaupt genug Zuckerahornbäume, die für ihr besonders intensives Rot bekannt sind? Immerhin gibt es als Hauptgang Hähnchen in Zuckerahornsoße. „Haben Sie das von der Frau gehört, die acht Monate an Bord ist“, raunt sie ihrer Sitznachbarin zu, um sich von ihrer Enttäuschung abzulenken. Anneliese ist eine von fast 40 allein reisenden Passagieren auf der 18-tägigen Plantours-Kreuzfahrt über die Großen Seen. Zehn Prozent der Passagiere sind also ohne Kabinennachbarn unterwegs – das ist erstaunlich viel. Doch wenn man bedenkt, dass auch zwei Drittel der Gäste auf dieser Reise schon einmal mit diesem Schiff unterwegs waren, wird schnell klar, dass die HAMBURG ohnehin kein gewöhnlicher Cruiseliner ist.

Weniger als drei Meter Platz in den Schleusen

Das Schiff für maximal 400 Passagiere hat eine bewegte Geschichte. Vor zwanzig Jahren auf der MTW Schiffswerft für die Conti Reederei gebaut, fuhr es bis 2012 unter dem Namen C. COLUMBUS für Hapag-Lloyd Kreuzfahrten. Als die Hamburger Reederei sich auf Luxus und Expedition spezialisierte, nutzte der Bremer Veranstalter plantours & Partner seine Chance, die zehn Jahre ältere VISTAMAR zu ersetzen. Obwohl die HAMBURG ein wenig größer war, zählt sie dennoch zu den wenigen Schiffen, die auf den Großen Seen zwischen den USA und Kanada kreuzen können. Als sie für Hapag-Lloyd Cruises geplant wurde, gab nämlich der Wellandkanal die Abmessungen des Schiffes vor: Mit seinen 21,5 Metern Breite passt es ziemlich exakt in die 24,4 Meter breiten Schleusen.

1,5 Meter Spielraum bleiben also auf jeder Seite, keine einfache Aufgabe für Kapitän Vladimir Vorobyov. Schon Tage vor der Kanalpassage beobachtet er die Wettervorhersage. Bei mehr als 25 Knoten Wind wird der Kanal gesperrt. „Die Frachtschiffe machen es sich einfach, sie rutschen im Zweifelsfall einfach in die Schleuse“, lacht der 67-jährige Ukrainer. Kein Wunder, dass manche Tanker so zerschrammt aussehen. „Sie wurden extra so gebaut. Für uns kommt das nicht infrage.“ Ruhig und konzentriert steuert er den Schiffsbug auf die erste Schleuseneinfahrt zu. Wer vom Palmgartenbalkon auf dem obersten Deck ganz vorn aus zusieht, dem wird ein wenig mulmig zumute. Denn es macht nicht den Anschein, als würde die HAMBURG zwischen die Betonmauern passen. …

Fotos: Peggy Günther, enapress.com, DenisTangneyJr/istock, Rainer Lesniewski/istock, Orchidpoet/istock

Dem Eis so nah

Natur pur erwartet die Passagiere der RCGS Resolute bei einer Fahrt zum antarktischen Kontinent. Oliver Schmidt über ein Schiff mit Hamburger Erbe und beeindruckende Tier- und Naturerlebnisse.

„Und was passiert mit Schiffen, die ins Weddell-Meer fahren?“ fragt Katie laut in die Runde. „Sie bleiben stecken!“ antwortet der Chor der Passagiere. Das Ganze natürlich auf Englisch. Die kleine Schottin, die sich bei ihren Vorträgen gern im Schneidersitz auf jenes Podest hockt, auf dem vor dem Dinner die Speisekarte ausliegt, ist trotz ihres starken Dialektes gut zu verstehen und hat ihre Passagiere im Griff. Von dem 21-köpfigen „Expedition Staff“ ist sie einer der unbestrittenen Stars. Die Geschichte der Antarktis und ihrer Entdecker ist das ständige Thema der quirligen Historikerin, die auf Südgeorgien gelebt hat. Nicht nur Shackletons Vita kann sie spannend erzählen, auch von deutschen Antarktisforschern, bei Nichtfachleuten kaum bekannt, kennt sie hinreißende Geschichten.
Shackleton – der Mann, der jede Antarktisreise begleitet wie kein zweiter. Sein Heldentum liegt jetzt vor dem Bug der RCGS Resolute, denn die 117 Passagiere des kleinen Schiffes mit der höchsten finnischen Eisklasse „1A Super“ blicken aus ihren Zodiac-Schlauchbooten angestrengt durch ihre Ferngläser auf Point Wild, die schmale, unwirtliche Landzunge, auf der die Expeditionscrew des großen Forschers vier Monate ausharren musste, nachdem ihr Schiff im Eis zerquetscht wurde. Schiffe eben, die ins Weddell-Meer fahren. Auch Kreuzfahrt-Reisende heutiger Tage bekommen diesen Flecken auf Elephant Island nur sehr selten zu sehen; in 96 von hundert Fällen machen schwere See und raue Stürme ihnen einen Strich durch die Rechnung. 24 Augenpaare pro Boot schauen nach einem Landungsplatz aus. Vergeblich. Felsbrocken groß wie ein Kleinwagen, schäumendes, gurgelndes Wasser dazwischen, am unerreichbaren Land dicht gedrängte Pinguine und Seelöwen, dazwischen die mannshohe Statue von Kapitän Pardo, dem Kommandanten der Yelcho, die Shackletons Männer 1916 gerettet hat. Viele hundert Seemeilen sei Shackleton nach Südgeorgien gesegelt, in einer Nussschale wie weiland Kapitän Bligh, um für seine Leute Hilfe zu holen, erzählt Katie. Auf den Landgang wird verzichtet; Katies Gänsehautfaktor hat auch so funktioniert.

Pinguine und „Vacuum Cleaning Partys“

Bereits in Südgeorgien, dem ersten Ziel dieser 19 Tage langen Reise; war Katie in ihrem Element. Denn die Inseln kennt sie wie ihre Westentasche. Kolonien mit 300 000 Pinguinen gab es dort zu sehen, anders als auf dem Antarktischen Kontinent ist das Land grün, und putzige, flauschig-braune Seelöwenbabys spielen in hohem Gras. Auf der alten Walfangstation Grytviken, die ein Antarktismuseum beherbergt, ließe sich tagelang Industriefotografie betreiben, wenn sich die schräg stehende Sonne zwischen den rostroten Kesseln der früheren Trankocherei bricht. Eine halbe Stunde brauchte man, so zeigen grausig-blutige Fotos im Museum, um einen 25 Meter langen Wal vollständig zu verarbeiten. An den Gräbern von Sir Ernest Shackleton und seinem Freund und Helfer Frank Wild wurde ein Toast ausgebracht – ein Wodka, spendiert vom Schiff, der mit den großen Entdeckern brüderlich geteilt wird. Zwischen den Anlandungen finden in den Fluren an Bord immer wieder „Vacuum Cleaning Partys“ statt. Das gesellige Beisammensein mit einem Rudel Staubsauger zielt auf die alles beherrschende „Bio Security“, die verbietet, dass irgend ein organisches Spurenelement von den Besuchern eingeschleppt oder von einer Insel zur andern getragen wird. Klettverschlüsse an Jacken und Taschen werden brutal abgerissen und entsorgt, denn in ihnen fängt sich auf jeden Fall der Pollen irgendeiner Pflanze, die ein europäischer Nichtsnutz als Pusteblume bezeichnen würde. Vor und nach jedem Landgang führt der Weg in den „Mud Room“, wo die bordeigenen Gummistiefel aufbewahrt werden – aber nicht, ohne den bestiefelten Fuß in eine Art kleine Autowaschanlage mit rotierenden Bürsten zu halten und anschließend durch ein Desinfektionsbad zu stapfen. Überreste von pinguinalen Hinterlassenschaften könnten sonst Krankheiten von einer Insel zur andern tragen. Die Vertreter der landseitigen Stationen, die hier die Gastgeber sind und als Behörde fungieren, welche die Landgangserlaubnis erteilt, behalten sich vor, dieser Prozedur beizuwohnen.

Hanseatisches Erbe

Das Schiff dreht ab, die Boote sind wieder an Bord, alle Shackleton-Geschichten sind erzählt. Auf der Weiterreise wird das rund 10 000 Tonnen messende Schiff von der Kraft der Elemente noch einmal ganz schön durchgeschüttelt. Den meisten deutschen Reisenden dürfte die RCGS Resolute aus der Flotte von One Ocean Expeditions eher als Hanseatic von Hapag-Lloyd bekannt sein. Nach ihrem Weggang aus der Hamburger Luxusflotte hat sie ein neues Leben angefangen. Der Veranstalter aus British Columbia (Kanada) hat die Passagierzahl auf maximal 146 verringert und den Fokus noch mehr auf das Outdoor-Erlebnis gelegt. Niemals ist das Schiff Mittelpunkt, sondern Mittel zum Zweck. So wollen es die Stammgäste des Unternehmens, das seine intensiven Reisen in Polargebiete bisher nur mit russischen Eisbrechern durchgeführt hat. „The German Ship“, das übrigens immer noch an der Großen Elbstraße gemanagt wird und einem Hamburger Kaufmann gehört, wird als unerhörter Luxus angestaunt, auch wenn das tadellose Vier-Sterne-Menü mittags in blauen T-Shirts serviert wird und man sich den Tee zur nachmittäglichen Teatime aus dem Automaten holen muss. Dass die mitreisenden Naturjünger aus der besseren Gesellschaft kommen, garantiert schon der Reisepreis von fast tausend Dollar pro Tag – ohne Flüge, versteht sich. Denn sie reisen aus aller Herren Länder an: Deutschland und Brasilien, China und USA, verstärkt natürlich aus Kanada. Zu den 21 Personen, die zur Erklärung von Flora und Fauna, Wind und Wetter, Eis und Ozean mitreisen, gehören auch bekannte Größen wie die Fotografin Sue Flood, hierzulande freilich unprominent.
Als die Passagiere beim Barbecue auf dem Achterdeck sitzen und dazu kerngesunde frisch gemixte Gemüse-Cocktails genießen, kommt der erste gewaltige Tafeleisberg zum Greifen nah vorbei. Seine Abbruchkante ist so glatt, als habe eine Maschine sie säuberlich blankgefräst…..

Fotos: Oliver Schmidt

Grand Lady mit großer Fangemeinde

Die Artania, bekannt aus der ARD-Dokuserie „Verrückt nach Meer“, ist perfekt auf das deutsche Kreuzfahrtpublikum zugeschnitten. Mit erstklassigem Service, besonderer Routenplanung und maritimem Charme, stellte Brigitte von Imhof fest.

„Guten Morgen, hier sprrricht Ihr Kapitän von der Brrrücke“. Im Handumdrehen stellt sich gute Laune ein, wenn Morten Hansen über Lautsprecher seine Gäste begrüßt. Sein norwegisch eingefärbtes Deutsch mit österreichischer Lautfärbung (seine Frau stammt aus dem Burgenland) klingt unaufgeregt und irgendwie gemütlich – selbst dann, wenn er uns auf eine ungemütliche Überfahrt vom spanischen Festland nach Sardinien einstimmen muss: Windstärke acht bis neun, bis zu fünf Meter hohe Wellen „und Schlaglöcher im Meer. Da kann es heute Nacht ganz schön rrrumpeln.“
Wir befinden uns auf einer zwölftägigen Reise mit MS Artania durchs Mittelmeer. Von Marseille über Barcelona, Tarragona und Alicante geht es vom spanischen Festland rüber nach Sardinien und Sizilien und Korfu, weiter ins Adriatische Meer nach Montenegro und Kroatien bis zum Zielhafen Triest. Und wie versprochen, erleben die Passagiere eine sturmgebeutelte Nacht, in der so manche Gegenstände durch die Kabinen fliegen. Als Trostpflaster wird es am Ende der Reise für jeden eine „Sturmerprobt“-Urkunde geben mit genauer Positionsangabe 38°44’0N/008°03’1 E.

Royale Herkunft

Die Artania gehört zu den Lieblingen beim deutschen Kreuzfahrtpublikum. Das zeigt die hohe Zahl von Wiederholern, die je nach Route und Reisezeit bei 50 bis 80 Prozent liegt. Jens und seine Frau Gaby sind bereits zum vierten Mal an Bord. „Auf der Artania stimmt einfach alles“, bringt es der Fluglotse aus Dresden auf den Punkt. „Interessante Routen, die andere Schiffe nicht im Programm haben, super Service, tolles Essen, gutes Preis-Leistungsverhältnis, gute Stimmung – was will man mehr.“
Die „Grand Lady“, wie die Artania auch genannt wird, hat eine noble Herkunft. 1984 wurde sie als Royal Princess in Dienst gestellt. Taufpatin war keine Geringere als Lady Diana. 2010 wurde das Schiff von Kreuzfahrtveranstalter Phoenix übernommen und nach einer 40 Millionen Euro teuren Renovierung für das deutsche Publikum seefit gemacht. Seither konnte die Artania eine treue Fan-Gemeinde aufbauen. Ein Teil ihrer Popularität verdankt sie der ARD-Serie „Verrückt nach Meer“, eine unterhaltsame, informative Reisedokumentation, die seit Staffel vier an Bord der Artania gedreht wird (siehe Kasten).
Mit Platz für 1200 Passagiere weist das 231 Meter lange Schiff eine stattliche, aber überschaubare Größe auf. Dass die Dimensionen relativ sind, zeigt sich im Hafen von Barcelona, wo die Artania, zwischen zwei Megalinern von RCCL und der MSC Cruises, wie eine Barke wirkt. In den anderen Häfen, wo sie meist das einzige Schiff ist, wirkt sie elegant und majestätisch.
Alle Gäste sind in Außenkabinen untergebracht – von der kleinsten, 15 Quadratmeter großen Kabine bis zur Royal Suite (50 qm). Viele Kabinen, Juniorsuiten und Suiten besitzen einen privaten Balkon. Auf Wunsch werden Getränke, kleine Gerichte und Frühstück auf der Kabine serviert.

Die breiten, lichtdurchfluteten Promenadengänge auf dem Salon-Deck verbinden alle wichtigen Einrichtungen wie Show Lounge, Boutique, Bordkino, Kartenspielzimmer, Foto-/Videoshop und Internet-Ecke. Auf den Außendecks findet man viele geschützte Liegeplätze, zwei Poolbereiche, ein klassisches Terrassen-Heck mit der Phoenix Bar sowie eine Rundum-Promenade. Bald hat jeder seine persönliche Wohlfühlecke entdeckt, sei es Harry’s Bar oberhalb der Lobby, die Bodega Bar oder die Pacific Lounge, in der auch geraucht werden darf.
Das kulinarische Angebot gehört zu den Stärken auf der Artania. Die aus Wien stammende Chefköchin Tamara Schwarz und ihr Küchenteam übertreffen Tag für Tag die hohen Erwartungen. Die Küchen der jeweiligen Regionen werden charmant ins Menü eingebunden. Tapas-Mitternachtsbüffet, italienischer Abend, und der philippinische Abend – eine Hommage an das zauberhafte Service-Team, dem viele Philippiner angehören. Der Tischwein ist inklusive, aber man kann auch aus einer kundig bestückten Weinkarte auswählen – zu mehr als zivilen Preisen. Wer gerne frischen Fisch isst, darf sich täglich auf neue Variationen freuen, die mit viel Liebe und Know-how zubereitet werden. Dasselbe gilt für die raffinierten Fleischgerichte und die Menüs für Vegetarier….

Fotos: Brigitte von Imhof, enapress.com, rudi1976/Stock.Adobe.com, Olga Ilinich/shutterstock.com


Kreuzfahrterlebnis für den Gaumen

Silversea Cruises plant für den Neubau Silver Moon ein kulinarisches Rundumprogramm passend zu den Destinationen. Die Idee besticht mit ausgewogenen Komponenten und ist exzellent abgeschmeckt, findet Peggy Günther, die auf der ersten Testreise dabei war.

„Ihr rollt den Reis erst zwischen euren Fingern zu einer Kugel und steckt diese dann einfach in den Mund“, sagt Nicole Ponseca und lächelt in einige panische Gesichter an der mit Palmenblättern ausgelegten Tafel. Handsanitizer? Fehlanzeige. Die Gäste haben ihre Hände in einer Schale mit Zitronenwasser gewaschen, das muss reichen. Auf dem Tisch türmen sich frische Früchte, gegrillter Oktopus, gesottener Schweinebauch, frittierte Garnelen. Gegessen wird all das mit den Händen, wie es bei einer traditionellen philippinischen Feier üblich ist. Nur der Nachtisch – selbstgemachtes Eis – wird zum Glück in einem Becher gereicht.

„Klar würde ich da mitmachen“, sagt ein deutscher Silversea-Stammgast, als er von diesem Ausflugsangebot hört, das zum S.A.L.T.-Programm gehört. Das Akronym steht für „Sea and Land Taste“ und startet mit der Jungfernfahrt der Silver Moon im August 2020. Das Schiff bekommt eine Showküche und ein Restaurant, in denen die Spezialitäten der Region, in der sich das Schiff gerade befindet, an Bord präsentiert werden. Außerdem sind kulinarische Landausflüge geplant, die den Passagieren die Destinationen auf authentische Weise nahebringen sollen.

„Wir haben in den letzten 18 Monaten S.A.L.T. entwickelt, weil wir einen demografischen Wandel verzeichnen“, erklärt Barbara Muckermann, Chief Marketing Officer von Silversea Cruises. Zwar gehören rund 60 Prozent der Passagiere weiterhin zur Generation der Babyboomer mit einem Durchschnittsalter von 64 Jahren, aber der Anteil der jüngeren Passagiere mit einem Durchschnittsalter von 46 Jahren liege auch schon bei 20 Prozent, Tendenz steigend. Über alle Altersklassen hinweg lieben Silversea-Passagiere die gastronomische Kultur und das Essen wird als Schlüssel angesehen, um die Seele einer Destination zu erfassen.

S.A.L.T. ist ein Programm für Kreuzfahrt-Repeater: Wer schon einmal in Rom war, möchte vielleicht nicht wieder zum Kolosseum, sondern fährt auf den Markt. Wenn das Programm gut ankommt, ist auch eine Ausweitung auf den älteren Schiffen Silver Muse und Silver Spirit denkbar. Muckermann schätzt, dass bis zu zehn Prozent der Gäste das Programm intensiv nutzen werden. Sie entscheiden sich für die kulinarischen Ausflüge, gehen in das Spezialitätenrestaurant mit lokaler Küche und besuchen die Kochkurse an Bord. Prinzipiell soll das Angebot kostenlos sein, nur wenn der Andrang zu groß wird, könnte es sein, dass die Kurse mit einer Gebühr versehen werden. Denn es wird nur 22 Plätze im S.A.L.T. Lab geben.

„Da die Silver Muse bereits die größte Anzahl an Restaurants für diese Schiffsgröße hat, besteht Luxus für uns nicht darin, ein weiteres Restaurant hinzuzufügen, sondern Gastronomie erlebbar und verstehbar zu machen“, ergänzt Muckermann. Für die Kriegsgeneration bedeute Luxus, dass sie einen gleichbleibenden Standard an Qualität und Gerichten vorfinde – vom Kaviar über den Hummer bis hin zum Beef Wellington. Das liege einfach an ihrem Erfahrungshorizont, der sie in dieser Hinsicht konservativer hat werden lassen….

Fotos: enapress.com, Peggy Günther, iStock

Maritime Events

Windjammer und Traditionssegler haben eine Zukunft – nicht allein an den Küsten von Nord- und Ostsee. Auch in unseren Nachtbarländern und in Übersee sind sie beliebt. Lothar Lorenz hat eine Auswahl unterschiedlicher „maritimer Events“ zusammengestellt.

Foto: Alvov/shutterstock.com