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Krieg der Sterne auf den Meeren

Ohne sie geht es gar nicht: Die gute Küche an Bord ist einer der Hauptvoraussetzungen für eine gelungene Kreuzfahrt. Michael Wolf trug zusammen, was sich die Reedereien heute so einfallen lassen, um den verschiedensten Geschmäckern gerecht zu werden und die damit einhergehenden Änderungen.

Eisstadien, Mega-Wasserrutschen, Achterbahnen oder Mega-Spas – jedes neue Kreuzfahrtschiff, das auf den Markt kommt, glänzt mit neuen Gadgets.
Was seit jeher ständig zum Programm gehört, ist die (gute) Gastronomie, ohne die eine Kreuzfahrt nicht vorstellbar ist.
Sie ist heute komplett reloaded, erfährt eine Renaissance in tausend Varianten. Im Hintergrund lassen die Reedereien ihre Gourmet-Berater und Meisterköche schon die Messer wetzen, um auf den großen kulinarischen Kampf vorbereitet zu sein: Natürlich den Kampf um den Kunden.
Vorhang auf für den Showdown der Innovationen, der neuen Ideen, der neuen Küche auf See und auf den Flüssen.

Hilfreich wie immer: Die Liebe zum Schiff geht vor allem durch den Magen. Deswegen überbieten sich die Reedereien mit exklusiven Restaurants, bekannten Sterneköchen, neuen Programmen oder Kreuzfahrten im Zeichen eines bestimmten Themas (Schokolade, Wein, regionale Küche).
Schon bei der ersten „echten“ Kreuzfahrt der Welt, organisiert vom legendären Reeder Albert Ballin auf der Augusta Victoria 1891, wurde unglaublich aufgetischt: Kaviar satt, Champagner und Austern gehörten zum kulinarischen Standardprogramm.
Aber auch später war in der klassischen Kreuzfahrt der Tag gastronomisch eng durchorganisiert. Early Bird Frühstück für die Frühaufsteher, großes Frühstück à la carte im Restaurant oder am Buffet, 11:00 Uhr die legendäre Bouillon, meist am Pool, die bis zum Mittagessen reichen musste. Nachmittags wurde ein Sandwich- und Kuchensortiment offeriert, oft verbunden mit einer englisch-inspirierten Tea time. Kleine Häppchen zum Aperitif läuteten später das Dinner ein.

Im Restaurant gab es feste Tischzeiten, oft in zwei verschiedenen Sitzungen. So konnte es schon mal vorkommen, dass die Kunden der zweiten Essenszeit sich anschließend beeilen mussten, um noch ein Foto des meist verschwenderisch aufgebauten wöchentlichen Mitternachtsbuffets mit seinen Eisfiguren und Hummerdekorationen zu machen. Und danach gab es natürlich noch auf den besten Schiffen den Room-Service für den kleinen Hunger in der Nacht.
Da hat sich bis heute einiges geändert: Freie Tischwahl, essen mit wem man möchte und zu verschiedenen Zeiten – das sind nur einige der Neuerungen. Auch auf die Mitternachtsbuffets haben die meisten Reedereien jetzt verzichtet – sie finden auf vielen Schiffen allerdings noch als Galabuffet statt, das dann ein Mittagessen oder Dinner ersetzt.
Die kulinarische Vielfalt ist nach wie vor noch eines der wichtigsten Standbeine im Kreuzfahrtgeschäft. Fast alle größeren Schiffe bieten mehrere Essens-Optionen und sprechen auch die unterschiedlichsten Gewohnheiten an. Von vegan, vegetarisch, glutenfrei bis zu den religionsbedingten Vorschriften wie Kosher oder Halal-Küche ist fast alles in der Küche parat. Auf der Vasco da Gama (TransOcean) fand im Sommer zum zweiten Mal eine Kreuzfahrt statt, auf der ausschließlich vegan gekocht wurde, auch auf Flusskreuzfahrtschiffen wird dies bisweilen praktiziert…..

Fotos: enapress.com

Königin des Irrawaddy

Nach einem Vierteljahrhundert Wartezeit wurden die historischen Stätten von Bagan zum Weltkulturerbe erklärt. Mit der Anawrahta ist ein luxuriöses Schiff auf dem Irrawaddy erfolgreich in den Markt getreten. Die Reise führt hinauf bis nach Katha, jener historisch wichtigen Stadt, in der George Orwell seine Entscheidung fasst, Schriftsteller zu werden. Frank Dieter Sistenich berichtet.

Seit diesem Sommer ist es nun amtlich. Groß war der Jubel im ganzen Land, als im Sommer 2019 die UNESCO auf ihrer Jahrestagung in Baku die Entscheidung verkündete, dem Antrag der Regierung von Myanmar stattzugeben und Bagan mit in die Liste der Weltkulturerbestätten aufzunehmen. Seit dem Jahr 1995 lag dieser Antrag der Behörde vor und viele Prämissen im Sinne einer historisch gerechten Konservierung mussten über die Zeit erst erfüllt werden, bevor eine Zustimmung erfolgen konnte.
Über die letzten Jahre seit der touristischen Öffnung des Landes im Jahre 2012 sind zunehmend Schiffe auf dem Irrawaddy (und dem Chindwin, seinem Nebenfluss) unterwegs, zumeist im Vier- oder Fünf-Sterne-Segment. Mit der Anawrahta kam nun ein Schiff im Fünf-Sterne-Plus-Segment auf den Markt, das gewiss die Riege aller Flusskreuzfahrtschiffe vor Ort mit anführt. Der Grund hierfür ist in der Ausstattung des Schiffes und in seiner Größe zu sehen. Grundsätzlich ist es für Flusskreuzfahrtschiffe immer ein Vorteil, über Balkone bzw. Loggien zu verfügen. Die Ufer sind in Sichtweite und es gibt in kulturhistorisch interessanten Gebieten wie dem Flusslauf des Irrawaddy sehr viel zu sehen und zu erleben. Zudem gehören bereits die Standardkabinen des Schiffes mit 34 Quadratmetern zu den größten aller hier kreuzenden Schiffe. Die Balkone der Kabinen umfassen 6 Quadratmeter und sind alle mit Tischen, Sesseln oder Liegen ausgestattet.

Das Schiff ist benannt nach dem Gründer des Landes im 11. Jahrhundert. König Anawrahta baute die ersten und größten Pagoden von Bagan, wählte hier seine Hauptstadt und führte den Buddhismus ein. Die opulente Einrichtung des Schiffes ist eine Reminiszenz an die große Vergangenheit einschließlich der britischen Kolonialzeit. Die 23 sehr großzügig geschnittenen Kabinen sind über alle Decks verteilt, zwei Executive Suiten sind mit 56 Quadratmetern bemessen (plus 16 Quadratmeter Veranda), die beiden Royal Suiten verfügen gar über 86 Quadratmeter und einen Jacuzzi auf der anliegenden 29 Quadratmeter großen Veranda.

Alternative Routen auf dem Fluss der Könige
Für all jene mit knappem Zeitbudget ist eine Reise zu den Tempeln und Pagoden des Weltkulturerbes von Bagan empfohlen. Die Reisestrecke zwischen Bagan und Mandalay zählt zu den attraktivsten in ganz Südostasien. Allen voran der berühmte Ananda Tempel, der jüngst mit Hilfe von Spenden der indischen Regierung renoviert werden konnte. Unzählig sind die hier zu besichtigenden Monumente und ein jedes erzählt seine eigene Geschichte. Für jene, die etwas mehr Reisezeit kalkulieren können, ist der Weg stromaufwärts bis nach Katha und auf die Höhe der großen Schluchten zu empfehlen. Die Landschaft hier im nördlichsten Teil des noch beschiffbaren Flusses gleicht in etwa dem Mittelrheintal mit der Loreley, auch dies eine Weltkulturerbestätte. Acht Tage braucht die Anawrahta von Mandalay bis hinaus nach Katha und wieder zurück. Für diese längere Route ist Einschiffung in Mandalay, hier residierte bis zum Sieg der Engländer über Oberbirma im Jahre 1885 der letzte König (König Thibaw Min). Die meisten Gäste sind bereits einige Tage zuvor angereist, um auch die Sehenswürdigkeiten Mandalays in Ruhe besichtigen zu können, u.a. den Königspalast oder den Mahamuni Buddha Temple, nach der Shwedagon Pagode in Yangon (Rangun) das bedeutendste Sakralbauwerk des Landes….

Fotos: Heritage Line, enapess.com

Das neue Flaggschiff bei Costa

Auf dem Datenblatt sind es Schwestern. Die neue Costa Smeralda ist das zweite Schiff der Helios-Klasse. Der Serie von LNG-Kreuzfahrtschiffen, die im Dezember vorigen Jahres mit der AIDAnova startete. Schwesterschiffe sind sie aber nur so halb. Beim Innenleben kommt Costas neues Flaggschiff mit einer Vielzahl von Neuerungen daher. Frank Behling berichtet.

Der Herbst war keine schöne Zeit für alle Freunde und Mitarbeiter von Costa Crociere. Erst die Nachricht, dass gleich vier liebgewonnene Schiffe den Abschied nehmen und in andere Märkte verlegt werden, dann die Nachrichten aus der finnischen Werft Meyer Turku. Gleich zweimal musste die Werft die Ablieferung verschieben. Jetzt wird das neue Schiff zum vierten Advent in Savona erwartet. „Es wird ein Schiff sein, das es so auf dem Markt noch nicht gab“, sagt Neil Palomba, Präsident von Costa Crociere.

337 Meter lang, 183900 BRZ groß und 20 Decks misst dieser Neubau der Helios-Klasse. Die neuen Schiffe sind mit einem Auftragswert von rund 9 Milliarden Euro der größte Auftrag eines US-Konzerns in Europa. Die Meyer Werften in Papenburg und Turku bauen sie. Drei für Aida und je zwei für P&O, Carnival sowie Costa. Die neun Schiffe haben eine baugleiche Plattform. Rumpf, Technik und Decksstruktur sind exakt identisch.
Zwei Azipod-Elektromotoren mit Propellern treiben die Schiffe an. Vier Generator-Sets von Caterpillar mit großen MaK-Motoren sorgen für die Energie. Drei Tanks für Flüssigerdgas (LNG) sowie neuartige Klimatechnik und das Energiemanagementsystem sind bei allen Schiffen gleich.

Oberhalb von Deck 5 werden die Passagiere sehr unterschiedliche Schiffe vorfinden. In dem Bereich, wo Kulinarik, Kunst und Lifestyles das Sagen haben, werden von Architekten sehr unterschiedliche Urlaubswelten geschaffen.
Ein Team aus Architekten unter Führung von Adam Tihany hat der COSTA SMERALDA ein völlig neues Innenleben gegeben. Der fetzig-schrille Stil der Costa-Neubauten nach der Jahrtausendwende ist ruhigerem Ambiente gewichen. Stolz, Haltung, Stil und guter Geschmack sind die Säulen für die Brücke zur „Bella Italia at Sea“ bei Costa.
„Das Beste aus Made in Italy“ verspricht der Designer, der bei den Arbeiten auch das Team von Partner-Ship Design aus Hamburg an seiner Seite hatte. Herausgekommen sind Bauwerke, die maritime Nachbildungen von Bauwerken an Land sind. Da ist am Heck über drei Decks der Spanische Platz aus Rom, der als Piazza di Spagna ein Platz an der Sonne mit Ruhezone ist. Der Brunnen wurde als Wasserelement auf Deck 16 ans Heck gebaut.
Was bei der AIDAnova als Theatrium zentraler Bestandteil der Unterhaltung ist, ist auf der COSTA SMERALDA zum Colosseo geworden, dass von Deck 6 bis 8 ganztägig genutzt werden kann. Zusätzlich bietet die COSTA SMERALDA noch ein klassisches Theater mit etwa 1000 Plätzen auf Deck 6 und 7 im Vorschiff. Das Theater San Remo bietet die volle Palette der Unterhaltung und wird – anders als früher auch tagsüber genutzt. …

Fotos: Frank Behling, Costa Crociere

Schnuppertörn mit Klassiker

Schauplatz Hansestadt Wismar an einem schönen Sommertag. Mit fröhlichen Menschen bummelt auch Peer Schmidt-Walther über die neu gestaltete Hafenpromenade. Zwischen restaurierten Hafenspeichern ragt ein eleganter weißer Schiffsschornstein in den blauen Himmel. Der ist Blickfang und gehört zur ASTOR, die zum ersten Mal die UNESCO-Welterbestadt angelaufen hat.

„So schön hätten wir uns die Stadt nicht vorgestellt!“ schwärmen die einen, andere waren seit DDR-Zeiten nicht hier und staunen, was sich hier seit der Wende alles getan hat. Die meisten wollen „unbedingt wiederkommen, um die Eindrücke zu vertiefen“.
Bis zum Auslaufen um 18 Uhr sind rund 500 Gäste an Bord, die in der alten Markthalle eingecheckt haben. Auch das eine Premiere, denn damit wurde das Gebäude auch als Kreuzfahrtterminal eingeweiht.

Dreimal Koggen-Salut
„Die ASTOR könnte doch auch noch andere kleine Häfen anlaufen“, sinniert ein Thüringer, „da wäre ich sofort wieder dabei!“ Von den Schiffsabmessungen her – 176 Meter Länge, 6,10 Meter Tiefgang und 22,60 Meter Breite – gäbe es für etliche von ihnen keine Probleme. Auch einen Erstanlauf von Wismars Schwesterstadt Stralsund könne man sich vorstellen, meint Klaus Ebner von Transocean, „denn kleinere deutsche Häfen wie Eckernförde, Flensburg, die nordfriesischen Inseln und Rügen´schen Seebäder sind sehr nachgefragt“.
„Herzlich willkommen wieder zu Hause!“, strahlt Kreuzfahrtdirektor Johannes Lemm und empfängt seine Gäste vor der Halle ganz persönlich mit Handschlag. Das hat auf der ASTOR schon Tradition. Seit rund drei Jahrzehnten. Ein langes und bewegtes Schiffsleben im Dienst von treuen Fans, die ihr Schiff lieben.
Vor ihnen liegt eine Kurzreise zum Schnuppern: geeignet sowohl für Kreuzfahrt-Neulinge als auch für alte Hasen und Fans des überschaubaren, gemütlichen und sehr familiären Schiffes. „Das auch noch wie ein Schiff aussieht“, bemerkt ein Passagier mit Kennerblick.
Was man an Gesprächsfetzen vor der Gangway aufschnappt, deutet auf eine große Erwartungshaltung hin: Alle sind gespannt, was sie auf dieser Reise nach Malmö, Göteborg, Frederikstad, Kristiansand und Hamburg erwartet.
Schon der Abschied von Wismar ist bewegend. Viele Hände winken und wünschen „gute Reise!“, die Soldaten feuern mit ihren historischen Gewehren in die Luft. In der Wismar-Bucht kommt die Kogge WISSEMARA unter geblähtem Segel entgegen und knallt drei Mal Salut mit ihrer Kanone. ASTOR grüßt mit drei langen Typhon-Dröhnern herüber.

Nicht nur Smörrebröd
Die nächsten Tage sind gefüllt mit den unterschiedlichsten Sightseeing-Aktivitäten. In Malmö geht´s los: eine Radtour vom Hafen durch die neue Stadt am Vestra Hamnen mit dem städtischen Highlight, ein „Drehenden Torso“ genanntes und mit Architektur-Preisen überhäuftes Hochhaus, in die beschauliche Altstadt zwischen Lille Torg, Stortorget, Gustav-Adolf-Platz und Sankt Petri Kirche. Malmö, die lebendige und doch beschauliche grüne Stadt, gefällt allen auf Anhieb. Mittagspause neben dem ehemaligen Trockendock und heutigem Yachthafen, wo früher die traditionsreiche Kockums-Werft 8000 Menschen beschäftigte. Nicht weit entfernt von der königlichen Festung Malmöhus ist sogar ein kühles Ostseebad drin: nach aufheizender Sauna mit nackten schwitzenden Schweden samt Kattegat-, Kopenhagen-, Schiffs- und Öresundbrücke-Blick in der historischen Badeanstalt Ribersborgs Kallbadhus.
Göteborg wartet nach einer Schärenfahrt am nächsten Tag mit Hafenrundfahrt, Oldtimer-Straßenbahn-Tour in die City, Stadtrundgang, Kasematten-Besichtigung in der Stadtmauer, Lunch im beliebten „KPH Matbar“ mit lokalen Gerichten, Fischmarkt, Paddan-Bootstour unter Brücken bis zum Trollhättan-Kanaleingang und zur Viermastbark VIKING, heute ein stilvolles Hotel. Dazu ein Schifffahrtsmuseum samt Frachtern, uralten Göta-Kanal-Fahrgastschiffen und sogar einem großen Zerstörer und U-Boot. Die Palette der Sehenswürdigkeiten ist noch viel breiter. Eine blondlockige Cheerleader-Band untermalt das Auslaufen mit schmissigen Rhythmen und erntet dafür Beifallsstürme bei den Zuschauern an der Reling….

Fotos: enapress.com

Taufe mit Zodiacs

Die Zeremonie war so außergewöhnlich wie die Destinationen, die dieses Schiff befährt: Von Zodiacs aus konnten die Gäste am 11. Oktober im Hamburger Hafen an der Taufe der Hanseatic Inspiration inklusive einer spektakulären 3D-Projektion am Schiff teilnehmen. Michael Wolf sammelte bei Taufe und einer kurzen Einführungsfahrt Impressionen.

Während das erste Schiff des bestellten Trios neuer Expeditionsschiffe, die Hanseatic Nature, wegen einer verspäteten Lieferung in einer kleinen Feier im Mitarbeiterkreis von Projektmanagerin Isolde Susset getauft wurde, hatte die Reederei für die neue Hanseatic Inspiration einen ganz besonderen Auftritt vorbereitet. Dass an diesem Oktoberabend in Hamburg ein leichter Nieselregen auf dem Wetterprogramm stand, passte zum Thema Expedition. Eine ganze Stunde lang gehörte die Elbe den Gästen und Mitarbeitern – von 27 Zodiacs, zwei Barkassen und einem Fahrgastschiff aus konnten sie das Geschehen verfolgen. Geboten wurde eine Multimedia-Show der Superlative: elf Hochleistungsbeamer projizierten auf die Schiffswand einen aus 19230 Bildern bestehenden Film, der durch die zukünftigen Zielgebiete der Hanseatic Inspirationführte. Da stellten Eisberge die prächtige Kulisse, Pinguine hüpften buchstäblich von Balkon zu Balkon, Wale tauchten majestätisch aus den Fluten. Dann wieder flatterten farbenprächtige Vögeln an den Ufern des Amazonas. Musikalisch untermalt wurde die Show von der deutschen Popkünstlerin Oonagh und dem norwegischen Musiker Terje Isungset. Auf einem Ponton schwamm dann die Tauf-Equipe ein: Hapag-Lloyd-Cruises Chef Karl J. Pojer, Hansesatic inspiration Kapitän Ulf Wolter und – natürlich
Taufpatin Laura Dekker, die 2009 als 14jährige allein zu einer Weltumsegelung startete und damit bestens zum Thema Expedition passt. „Ich bin mir sicher, dass die Inspiration ihrem Namen alle Ehre machen wird und die Gäste auf viele inspirierenden Reisen mitnehmen wird, die ihnen die Wunder der Natur nahebringen“ sagte sie nach der Zeremonie, die den Beteiligten sicherlich unvergesslich bleiben wird.

Die Highlights
Hinter der Rezeption fließen Wasserfälle, oder je nach Vorgabe wahrscheinlich auch Destinationsfilme – die Screens sind beeindruckend und laden zum Träumen ein. Nur zwei Uhren bringen den Reisenden schnell in die Realität: Eine zeigt die Zeit von Hamburg, die andere die Schiffszeit, eine gute Idee.
Die Hanseatic Inspiration ist bis auf wenige Ausnahmen baugleich mit der Hanseatic nature („an Bord“ berichtete 3-19). Besonders schön bei beiden Schiffen: Das zentrale HanseAtrium, eine stylische Lounge mit Panoramafenstern, einer intimen Bar, einem witzigen nostalgischen Musik-Automaten und Mega-Screens, auf denen Filme der jeweiligen Destinationen Stimmung machen für die Lektorate, Vorträge oder Besprechungen zu den Expeditionen. Intensiviert werden kann das Thema dann in der Ocean Academy mit seinen Mikroskopen, Exponaten und den Relax-Sesseln mit integrierten Touchscreen. Diese geben über die verschiedenen Destinationen Auskunft auch in wissenschaftlicher Hinsicht ebenso wie eine interaktive große Screen-Wand. Zu den Highlights gehören auch die beiden je nach Wetterlage einziehbaren gläsernen Balkone auf Deck 8, auf denen man eine freie Sicht nach unten auf das Meer hat – Schwindelfreiheit vorausgesetzt. Freie Sicht nach vorn dagegen bietet der Inspiration Walk, ein Deckumlauf direkt am Bug des Schiffes – ideal für Beobachtungen von Tieren und Landschaft. Näher kann man dem Wasser auf diesem Schiff nicht kommen.
Der Fünf-Sterne-Anspruch der Hanseatic Inspiration wird nicht nur durch das Verhältnis von 175 Crewmitarbeitern zu maximal 230 Gästen (auf Antarktisreisen und Spitzbergen-Umrundungen sind es nur bis zu 199) unterstrichen, sondern auch durch die angebotene Gastronomie (ein Hauptrestaurant, ein Buffetrestaurant und das Spezialitätenrestaurant Nikkei mit japanisch-peruanischer Küche). Die hier angebotene Qualität soll dem der Europa 2 nicht nachstehen.
Auch die Großzügigkeit der öffentlichen Räume wie der eleganten Observation-Lounge, dem für ein Expeditionsschiff mit weit über 200qm äußerst großen Spa-Bereich und dem enormen Platz auf dem Sonnendeck (mit Faltdach) und dem Pool mit seiner Gegenstromanlage stehen hierfür….

Fotos: enapress.com

Nicht nur Bananen sind krumm…

Zu meckern hatte er immer etwas, der „master next god“: Zum Beispiel wenn er morgens längs Deck stolzierte, in flatterndem seidenen Morgenmantel, der feine Herr, und mit dampfender Pfeife zwischen den Zähnen. Erspähten seine unerbittlichen Adleraugen ein Streichholz im Wassergraben, packte mich seine gepflegte Rechte am Genick und drückte „Moses“ Peer Schmidt-Walther zum Aufsammeln in die Knie: „Herr“, so war seine Anrede, weil er die Namen von uns Decksknechten nicht lernen wollte, „hebbt se dat Striekholt nich sehn?!“

Bevor wir auf Kurs Panama-Kanal gingen, wurde Curaçao angelaufen, manchmal auch erst auf der Heimreise. Die steppenähnlich karge Insel der Niederländischen Antillen war regelmäßig Bunkerstation – nicht nur des preiswerten Schweröls wegen, wie wir später heraus bekamen.
Manchmal ging ‘s hier Schlag auf Schlag, so wie auf dieser Reise anno ‘62. Einer vergaß doch einfach, ein Ventil zuzudrehen, so dass unser schöner weißer Bananendampfer mit klebrig-schwarzem Öl „geduscht“ wurde. Das Überlaufrohr zog sich am Vormast hoch, und von oben herab rieselte der Overflower erbarmungslos an Deck. Eine „schöne Bescherung“! Nichts da mit Landgang in Willemstad, dem verlockenden Kolonialstädtchen im Holland-Stil. Statt dessen Sägemehl streuen wie in einer Zirkusmanege, um das Öl zu binden, anschließend stundenlanges Großreinschiff. Oder in sengender Hitze außenbords Malen mit Rollen an meterlangen Stangen. Das ging in die Arme, das blendende Weiß in die Augen: schneeblind in der Karibik – Sachen gab ‘s!

Fiete-Quark-Line
Auch das: Beim Verholen rutschte die tight gespannte Leine über den ölglatten Spillkopf, der Mann dahinter wurde regelrecht in die Luft geschleudert. An Deck dann eine harte Landung mit Knochenbrüchen und anschließendem Inselkrankenhausaufenthalt. Glück gehabt!
Und der Alte meckerte weiter. Bis ein paar Matrosen den Kanal voll hatten und statt nur weißer auch schwarze Farbe mit auf die Pier nahmen. Bald konnte es jeder an der Bordwand ablesen, welcher LINE wir angehörten: nämlich der FIETE-QUARK-LINE, benannt nach unserem „tollen“ Kapitän. Zur Gitarre wurde ein Song improvisiert und alle fielen ein: „Fiete Quark, Quark, Quark – das macht uns alle stark, stark, stark …“ Der Alte tobte, und er heuerte eine Malergang von Land an, die die Spuren seiner Schande überpinseln mussten; wir weigerten uns. „Meuterei!!!“ war denn auch seine wutentbrannte „quarkige“ Rede.
Ankern vor Cristóbal, Panama, denn der Kanal war dicht. Chance für ein Rettungsbootmanöver – nach langer Zeit mal wieder. Also zu Wasser damit! Doch wer dachte schon daran, dass sich das Holz in Folge Dauertrockenheit zusammen gezogen hatte. Die Boote liefen denn auch langsam voll, und wir auf den Duchten bekamen nasse Füße. Also wieder aus dem Wasser. Per Riemen ließen sie sich nicht mehr bewegen, so schwer waren die Boote geworden. „Hiev op!“ Wir waren gerettet, und „Fiete Quark“ als sauberer Kapitän hatte wieder mal das Nachsehen.

Kapitäns Rache
Er sann auf Rache, und die war in Gestalt der Taufe am Äquator fällig. Aber wer hatte schon, um dem gefürchteten Akt zu entgehen, seine Taufurkunde von irgend einer früheren Reise dabei? Ein paar von Fietes „Getreuen“ – wir sagten „Abtrünnige“ und Schlimmeres – nahmen uns „Meuterer“ hart ran. Er amüsierte sich Pfeife schmauchend vom Bootsdeck aus, was mit uns auf und vor Luke 2 veranstaltet wurde. Nebel und nur +18 Grad Lufttemperatur ließen uns klappern, denn der kalte Humboldtstrom vor der kolumbianischen Küste hatte kein Erbarmen mit uns. Ein Ekel erregendes Gemisch aus Herings-Rizinusöl und Tabasco-Cognac-Sauce im Magen, Menninge in den Haaren und Schmieröl auf der Haut passierten wir die „Linie“. Am nächsten Tag sollte Einlaufen in Guayaquil, unserem Bananen-Ladehafen in Ecuador, sein – aber in dem Aufzug? Das hartnäckige Zeug ließ sich nur in stundenlanger und schmerzhafter Reinigungsprozedur von der Haut und aus den Haaren schrubben. Fietes Rache, die war ihm süß und gelungen! ….

Fotos: Peer Schmidt-Walther

Hochseeflair auf der Donau

Sie ist eines der größten Binnenkreuzfahrtschiffe der Welt: Auf der Donau ist seit dem Sommer dieses Jahres die AmaMagna im Einsatz. Michael Wolf konnte sich während der Taufreise das Schiff genauer ansehen.

Wow, was für ein Schiff! Die chinesischen Touristen, die in Budapest an der AmaMagna vorbeiziehen, machen Selfies, Fotos, Videos ohne Ende. Ein so großes Schiff hatten sie wohl selten auf der Donau zu Gesicht bekommen. Und sie haben Glück: Heute steht Captain Jan de Bruijn höchstpersönlich vor der AmaMagna, wartet auf die ersten Gäste. Fast liebevoll flaniert er an „seinem“ Schiff vorbei, das er schon seit Monaten in der Werft „betreut“ hatte, dort die letzten Arbeiten überwachte.
Zusammen mit dem Hoteldirektor schüttelt er die Hände der Anreisenden, von denen nur einige mit großen Bussen kommen, viele dagegen in Limousinen oder Vans.
Individuell ist das Stichwort, das die AmaMagna auszeichnet.

Obwohl das Schiff fast doppelt so groß ist wie die üblichen Flusskreuzfahrtschiffe, nimmt es nur 20 Prozent mehr Passagiere mit. Das macht sich überall an Bord bemerkbar: In der Größe der bemerkenswerten Kabinen und Suiten, in allen öffentlichen Bereichen, den Lounges und Restaurants und natürlich dem riesigen Sonnendeck: Platz ist überall mehr als reichlich vorhanden.
Dabei lässt der erste Eindruck nach dem Eingang mit der relativ kleinen Rezeption noch nicht auf das Raumangebot schließen. Aber dann öffnet sich alles sehr schnell: die bequemen Sitzgelegenheiten, die Bereiche für Hotel- und Cruisedirektor, das lichtdurchflutete Treppenhaus mit seinen zwei parallel angeordneten Marmortreppen und den (leider künstlichen) begrünten Bäumen, das sich über drei Decks erstreckt. Auf denen liegen im Vorderbereich die Restaurants und Lounges, nach hinten erstreckt sich der Wohnbereich, zu dem breite Gänge führen.

Exklusives Wohnen
In acht Kategorien werden die Kabinen und Suiten angeboten, die von 19 bis 66 qm groß sind.
Sie sind in modernen Rot- und Rost-Tönen designt, haben über den Betten meist dekorative Holzpaneelen, daneben körperhohe Spiegel. Neben einem Mega-TV-Screen (mit internationalen TV-Programmen und einer großen Auswahl von auch aktuellsten Spielfilmen, in einigen Suiten zum Ausfahren aus einem Holzsockel) sorgt ein iMac für interaktiven Zugang zum Internet, Surfen und Apple-TV, Buchungen von Bordleistungen etc., ein zusätzliches iPad hilft auch bei der Regulierung der Klimaanlage sowie bei der individuellen Beleuchtung.
Auf einem kleinen Touchscreen an der Wand kann dies ebenfalls eingestellt werden.
Mit wenigen Ausnahmen haben alle Kabinen begehbare Balkons mit Sesseln.
Jeden Tag bringen die wirklich freundlichen Crew-Mitarbeiter frische Wasserflaschen, sie sind kostenfrei. Die Schränke bieten außergewöhnlichen Platz. Die komplett ausgestatteten meist grau gefliesten eleganten Badezimmer sind wahrscheinlich die größten in der Flusskreuzfahrtindustrie. Sie verfügen über große Duschen mit festen Glaswänden, die Marmorplatte der beiden Waschbecken ragt dabei bei einigen durch eine Öffnung in den Duschbereich als Ablage hinein, ein ebenso praktisches wie optisch interessantes Detail. Für High End-Kunden hat die Reederei sechs Grand Suites und eine Owner Suite entworfen, sie bieten auch Butlerservice. In den Kabinen kann man sich auf diesem Schiff bequem auch mal für eine längere Zeit zurückziehen….

Fotos: enapress.com

Megayacht mit Eisklasse

Milliardärs-Yacht für Nicht-Milliardäre: Mit einem der umfangreichsten All-inclusive-Konzepte der Kreuzfahrtbranche, mit Hubschrauber und U-Boot unternimmt die Scenic Eclipse exklusive Expeditionen weltweit. Franz Neumeier hat sich die Kreuzfahrtyacht genauer angesehen.

Die Ausfahrt von New York City entlang der Skyline von Manhattan und ganz nahe vorbei an der Freiheitsstatue steht meist ganz oben auf der Wunschliste passionierter Kreuzfahrer. Kaum noch zu übertreffen ist dieses Erlebnis zum Sonnenuntergang, wenn ganz vorne am Bug der Kreuzfahrtyacht Scenic Eclipse einem warmer Herbstwind um die Nase weht und ein Kellner Champagner reicht.
Die erste Discovery-Yacht der Welt und eine Milliardärs-Yacht für Nicht-Milliardäre – so sieht die Reederei ihre neue Ultraluxus-Yacht Scenic Eclipse und positioniert sie auf amerikanisches Sechs-Sterne-Niveau: Ultra-Luxus mit der höchsten Eisklasse für Passagierschiffe (PC6) und Ultra-all-inklusive. Nur Rundflüge mit einem der beiden bordeigenen Hubschrauber, Tauchgänge mit dem kleinen U-Boot und Spa-Behandlungen kosten extra, alles andere ist im Reisepreis enthalten, selbst Landausflüge, gute Weine und Cocktails sowie die 155 Whiskey-Sorten an der Lounge Bar.

Als Taufpatin der Yacht ist die großartige und humorvolle Helen Mirren, britische Schauspielerin und Oscar-Gewinnerin, nach New York gekommen. Abgesehen davon jedoch sind die Feierlichkeiten im Manhattan Cruise Terminal ein enormes Understatement für ein Ultraluxus-Schiff: Kein Magnum-Protz bei der Champagner-Flasche, kein pompöses Gehabe, nur ein paar feine Häppchen und Champagner, Begleitmusik mit Harfe und Streichquartett.
Scenic-CEO Glen Moroney und seiner Frau Karen, die für das Innendesign des Schiffs verantwortlich zeichnet, strahlt das Glück über ihr neues Schiff aus den Gesichtern. Wohl auch, weil das Projekt beinahe an einer Pleite der Uljanik-Werft im kroatischen Pula gescheitert wäre. Scenic musste ein großes, eigenes Team aus Technikern und Ingenieuren zusammenstellen und den Bau weitgehend selbst übernehmen. Das Schiff kam rund ein Jahr später kam als geplant.
Auch der Taufakt selbst verlief ein wenig anders erwartet: Beim ersten Versuch zerschellte die Champagner-Flasche nicht am Bug der Scenic Eclipse, hinterließ aber eine ordentliche Schramme im Lack. Beim zweiten Versuch löste sich die Flasche aus der Halterung und fiel – ohne zu zerbrechen – in den Hudson River. Helen Mirren beschloss spontan und notgedrungen, dass die Taufe des Schiffs damit dennoch vollzogen sei. Jubel und Applaus, Glückwünsche und Blumen, Gruppenfotos vor dem Schiff….

Fotos: Franz Neumeier