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Ahoi Excellence!

Vor Kroatiens Küste kreuzt durch türkise Wasser ein Schiff, das die Zukunft der Kreuzfahrt einläutet: die EXCELLENCE ADRIA – klein, elegant, familiär. Szenen aus dem Logbuch. Anita Lehmeier berichtet.

Wir schreiben das Jahr eins von Corona. Die ganze Kreuzfahrtbranche liegt am Boden beziehungsweise im Hafen. Die ganze Kreuzfahrtbranche?
Nein! Die Cruisejacht EXCELLENCE­ ADRIA,­ im Mai 2020 werftneu zu Wasser gelassen,­ war auf ihrer Jungfernfahrt im Juni 2020 vor der Küste Kroatiens unterwegs. Während einwöchiger Inselhoppings schippert sie Passagiere – maximal 37 bei voller Auslastung – zu den schönsten Badebuchten und Städten. Die EXCELLENCE ADRIA punktet in der neuen­ Ära des Reisens mit ihrer Kleinheit.

Foto: Gordan Ukic

Mit 54 Metern Länge, 8,6 Metern Breite und drei Decks erinnert das Schiff mit seiner eleganten Halbbogenkonstruktion an die Privatjachten von Bond-Bösewichten. An Bord wird aber nicht die Übernahme der Weltherrschaft geplant, man geniesst vielmehr, der Weltherrschaft des bösen Virus für eine Weile entfliehen zu können.

In den Innenräumen und an Deck bietet die Cruisejacht den drei Dutzend Passagieren sogar Platz genug, die Abstandsregeln einzuhalten. Im Hafen von Rijeka, wo wir nach 90-minütigem Flug nach Zagreb und knapp zweistündigem Bustransfer eintreffen, ist die EXCELLENCE ADRIA der Selfie-Hotspot für die einheimischen Touristen. Sie sind wegen der Veranstaltungen in die diesjährige Kulturhauptstadt Europas gekommen. Die Events wurden alle abgesagt – jetzt schiessen sie dafür Familienfotos vor dem blütenweissen Schiffsrumpf mit den tiefschwarzen Tauen. Für unsere Gruppe folgt der einzige unangenehme Moment der Reise, der sich nach allen Landgängen wiederholen wird: Wir gehen über die Gangway an Bord, die neidvollen Blicke der Zaungäste im Rücken und die Denkblasen „Geldsäcke!“ über der Mole. Wenn die wüssten, wie erschwinglich Ferien auf der EXCELLENCE ADRIA tatsächlich sind.

Foto: Gordan Ukic

Während wir die Kabinen beziehen, sticht unser kleines Traumschiff in See Richtung Insel Krk. Beim ersten Apéro­ auf dem Sonnendeck wird das familiäre Du an Bord etabliert und die zehnköpfige Crew vorgestellt. Erst jetzt checke ich, dass der gutaussehende Herr mit den silbernen Schläfen, der meinen Koffer in die Kabine gebracht hat, unser Kapitän ist! Und der Eigner dieser sowie zwei weiterer Cruisejachten. Er entstammt einer langen Reihe von Käptens, sein ältester Sohn hat neulich das Patent gemacht. Während wir gemächlich dem Sonnenuntergang entgegengleiten, kreisen die Gespräche nur um ein Thema: die so elegante wie funktionale Ausstattung der Kabinen.

Foto: enapress.com

Die Damen kriegen sich kaum ein über die begehbaren Schränke. „Wir haben sogar zu zweit drin Platz“, schwärmt das Mutter-Tochter-Duo aus der Ostschweiz, das mit zwei Jass-Freundinnen unterwegs ist. Beim Nachtessen outet sich der Grossteil unserer Gruppe als Kreuz- und Flussfahrt-Habitués. Alle sind sich einig: Die EXCELLENCE ADRIA ist das schönste Schiff, auf dem sie je gecruist sind. Ein Paar, das die gleiche Reise eine Woche zuvor gemacht hatte, verlängerte spontan die Ferien, um nochmals mitzuschippern. Eine sportive Alleinreisende lobt die Barfussqualität der Marmor-, Holz- und Teppichböden; sie wird ihre Schuhe nur für die Landgänge aus dem Schrank holen. Das Rentnerpaar aus Solothurn verliebte sich in das Modellbild des Schiffes im Prospekt von Mittelthurgau, buchte und feiert gleich am ersten Abend am Bord seine Goldene Hochzeit.

Natürlich ist Ivica Mazar auf solche Events vorbereitet. Der Küchenchef ist der zweitwichtigste Mann an Bord. Schliesslich ist Essen ein zentraler Aspekt jeder Kreuzfahrt. Von früh bis spät sorgt er mit vielfältigen Frühstücksbuffets und meist zweimal am Tag mit fantasie­vollen Mehrgängern für das leibliche Wohl der Gäste. Sobald die Märkte morgens öffnen, holt der Sohn einer Fischerfamilie das Beste aus dem Meer. Aufs Budget achten müsse­ er nicht, erzählt der Bord-Neuling stolz. Kapitän Jure lasse ihm freie Hand. Das habe er schon bei der Ausstattung der Küche so gehalten: Ivica durfte die Kombüse frei nach seinen Wünschen einrichten. Mitunter ein Grund, seinen Job in einem Luxushotel aufzugeben, die Familie den Sommer über an Land zurückzulassen und fortan auf schwankendem Boden zu arbeiten. Jure habe ihn drei Jahre lang bekniet, in seine Crew zu kommen. Jetzt brilliert Ivica, assistiert von seiner Gehilfin Dada, und interpretiert die klassische kroatische Küche auf moderne leichte Art. Das Ganze auf Wunsch selbstverständlich auch veggie, vegan und glutenfrei.

Zu den täglichen Ritualen an Bord gehören die Badestopps. Kapitän Jure steuert auf seinen Wegen von Insel zu Insel die schönsten einsamen Buchten an. Hier baden die Gäste fernab vom touristischen Rummel der kroatischen Strände.

Foto: Reisebüro Mittelthurgau

Matrose Andelo, dreifacher kroatischer Lifeguard-Meister, schwimmt mit Tauen ans Ufer, vertäut das Schiff und wacht dann mit Adleraugen über die Sicherheit der Passagiere. Dank fehlender Industrie ist das Wasser von verblüffender Klarheit und einem Türkisblau, das man sonst nur auf den Malediven sieht. Wer bei Tisch zu oft zugelangt hat oder einfach mal Ruhe will, zieht sich auf eines der beiden Sonnendecks zurück, geniesst die herbe Schönheit der Küstenlandschaften oder schaut den Matrosen zu, die von morgens bis abends sorgsam den vielen Chromstahl der schwimmenden Schönheit polieren, als wärs ihr eigenes Schiff.

Mit Land, Leuten und Kultur in Kontakt kommen „Excellence“-Kreuzfahrer bei den Landgängen – begleitet von regionalen, Deutsch sprechenden Guides. In Krk, Rab, Zadar und Mali Losinj vereint sich das historische Erbe mit dem Flair moderner Tourismusdestinationen. In Mali Losinj gibt es übrigens den schönsten Mann Kroatiens zu besichtigen: den Athleten Apoxyomenos. Der griechischen Bronzestatue in Lebensgrösse – 1997 von einem Taucher zufällig entdeckt und sechs Jahre lang aufwendig restauriert – wurde ein eigenes, spektakuläres Museum gewidmet, nachdem der Jüngling im Louvre, im British Museum und im Getty Museum für Aufsehen gesorgt hatte.

Die Welle der neuen Expeditionsschiffe

Im Segment der Expeditionskreuzfahrten stehen reihenweise Neuentdeckungen an: Voraussichtlich 14 eisverstärkte Polarschiffe nehmen in diesem Jahr den Betrieb auf. Dazu kommt noch die eine oder andere bereits im letzten Jahr ausgelieferte Einheit, die bisher noch nicht mit Gästen unterwegs war. Und bis ins Jahr 2023 dürften nochmals rund 16 neue spezialisierte Schiffe folgen. Beat Eichenberger recherchierte.

Die Nachfrage für Expeditionen an Bord eisverstärkter Schiffe ist in den letzten Jahren im Zuge der generell boomenden Entwicklung von Seereisen markant gewachsen. Dies hat mehr und mehr Anbieter bewogen, ihre Kapazitäten zügig auszubauen – was im Umkehrschluss wiederum die Nachfrage befeuert. Waren einst Expeditionsschiffe oft ältere, umgebaute Forschungsschiffe oder vereinzelt auch Eisbrecher, sind heute immer mehr so moderne, gar höchst luxuriöse Einheiten in polaren Gewässern und entlegenen Warmwasserzielen unterwegs.

Foto: MyWorld – stock.adobe.com

Rasant anwachsende Kapazitäten

Noch 2018, so eine Industrie-Studie, zählte die weltweite Flotte spezialisierter Expeditionsschiffe 73 Einheiten mit insgesamt 9640 Betten. Mit den seither ausgelieferten und noch in diesem Jahr zu erwartenden Neubauten kann sich diese Zahl 2021 auf 104 Einheiten mit total 17‘000 Betten erhöhen. Diese Zahlen zeigen übrigens auch auf, dass die durchschnittliche Kapazität eines Expeditionsschiffes von einst 132 (2018) auf 163 (2021) ansteigt, was allerdings unverändert massiv weniger ist als auf „klassischen“ Kreuzfahrtschiffen. Das ist auch der Vorschrift geschuldet, dass in der Antarktis nur maximal 100 Personen gleichzeitig an Land gehen dürfen.

Foto: enapress.com

Es versteht sich von selbst, dass die Bauaufträge für die Schiffe, die im letzten Jahr zur Auslieferung kamen und in diesem und den nächsten Jahren fertig erstellt werden, noch in den Jahren vor der Covid-Pandemie erteilt wurden – ein Spiegelbild des unverrückbaren Glaubens in der Industrie an einen anhaltenden Cruise-Boom. Jetzt, zum unglücklichen Zeitpunkt einer aussergewöhnlichen Krisenzeit, erhalten die Reedereien ihre zusätzlichen neuen Kapazitäten, deren Einsatz im Augenblick noch eine echte Herausforderung ist.

Dies gilt natürlich – um diese Feststellung in ein Gesamtbild einzuordnen – nicht nur für die Expeditionsschiffe, sondern für sämtliche neuen Kreuzfahrtschiffe, die seit dem Ausbruch der Pandemie ausgeliefert werden. Im letzten Jahr waren es insgesamt 15 Neubauten („klassisch“ wie eisverstärkt), die zum grössten Teil bis heute noch nie mit Gästen unterwegs waren. Und in diesem Jahr sollen gar 28 neue Schiffe von den Werften an die Reedereien übergehen, wobei die Tatsache, dass die Hälfte davon kleinere, eisverstärkte Expeditionsschiffe sind, wieder zum Thema zurückführt….

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Klassiker mit Stil

Die VASCO DA GAMA ist der neue Flottenzugang bei nicko cruises. Oliver Asmussen hat sich schon einmal an Bord des schön-designten klassischen Kreuzfahrtschiffes umgeschaut.

Es ist ein Klassiker zum verlieben: auf dem Promenade Deck fällt direkt eine weitläufige Teakholz-Promenade ins Auge, die einmal komplett um das Schiff herum verläuft. Leider ist das auf den meisten Neubauten nicht mehr der Fall – entweder weil es eine solche Promenade gar nicht mehr gibt oder weil sie nur um einen Teilbereich des Schiffes herum verläuft. Das Atrium erstreckt sich über drei Decks. Für ein 29 Jahre altes Kreuzfahrtschiff sind die Dimensionen beeindruckend. Eine große, geschwungene Treppe verläuft seitlich innerhalb des offenen Bereiches und verbindet die Decks jeweils einzeln miteinander. Insgesamt wurde im gesamten Atrium viel Messing verwendet, was bis vor einigen Jahren noch zur modernen Einrichtung der meisten Kreuzfahrtschiffe gehörte. Auch im Jahr 2021 wirken die Messingbeschläge keineswegs altmodisch, sondern eher maritim und klassisch. Sie passen perfekt in dieses Schiff und die Fans klassischer Kreuzfahrtschiffe dürften sich an diesem Anblick erfreuen.

Foto: Oliver Asmussen/Oceanliner-Pictures.com

Auf dem Boat Deck liegt vorn das Hollywood‘s Theater mit kleinen Tischlämpchen und Abstelltischen für Getränkegläser. Es erstreckt sich über zwei Decks. In nächster Nähe liegen die Foto-Galerie und das Bordreisebüro.

Auf dem selben Deck befinden sich mehrere Konferenzräume sowie ein kleines Theater, Auditorium genannt. Direkt neben dem Atrium liegt auf der Backbordseite die Weinbar.

Ganz am Heck vom Boat Deck befindet sich das Waterfront Restaurant Classic. Im mittleren Bereich entsteht durch eine außergewöhnliche Deckenhöhe zunächst der Eindruck, das Restaurant würde sich über zwei Decks erstrecken. Es gibt auch eine größere Anzahl an 2er-Tischen. Stilvolle Dekorationsdetails schmücken den gesamten Restaurantbereich der durch zeitgemäße, dünne Stoffe, warme Pastellfarben und ein ausgeklügeltes Beleuchtungskonzept auffällt.

Auf dem Upper Deck im Heckbereich der Vasco Da Gama liegen die zwei Spezialitätenrestaurants Waterfront Eurasia und Waterfront Mediterranean, die sich in einem komplett unterschiedlichen Stil präsentieren. Im Empfangsbereich des Waterfront Mediterranean Restaurant steht ein Eye-Catcher, ein zu einem Tresen umgebauter Vespa-Roller. Auch wenn man mit diesem natürlich nicht mehr fahren kann, so sind solche Highlights auf Schiffsklassikern heutzutage eine Besonderheit. Blumendekorationen und Wandbilder italienischer Schauspieler sowie markanter Sehenswürdigkeiten komplettieren den außergewöhnlichen Eindruck.

Das Waterfront Eurasia ist im Vergleich zum Mediterranean deutlich dunkler gestaltet. Dieser erste Eindruck ändert sich nach wenigen Minuten, wenn sich die Augen an das gedimmte Licht gewöhnt haben. Eine moderne, blaue LED-Beleuchtung setzt die dunklen Designelemente im Restaurant in Szene. Im Waterfront Eurasia wird eine größere Auswahl asiatischer Gerichte serviert.

Foto: nicko cruises

An das Waterfront Eurasia grenzt der Chef‘s Table als weiteres Spezialitätenrestaurant. Auf der Steuerbordseite neben dem Waterfront Mediterranean Restaurant liegt ein weiteres Spezialitätenrestaurant, The Grill. Wie der Name vermuten lässt, werden hier alle erdenklichen Spezialitäten vom Grill serviert. Ein Lesezimmer mit angrenzender Bibliothek schließen sich dem Restaurant an….

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Unbekanntes Mittelmeer

French Style und Destinationen, die nicht Mainstream sind. Michael Wolf checkte auf der LE LYRIAL ein.

Für viele Passagiere ist es ein Höhepunkt, ein lange erwarteter Moment: die Durchquerung des Kanals von Korinth. In dichten Gruppen stehen sie auf den vorderen Decks, ein Glas Champagner oder einen­ Cocktail in der Hand. Trotz der späten Stunde zeigt man Präsenz – eine solche Besonderheit will sich keiner entgehen lassen – und das bereits am ersten Abend der Reise.

Foto: enapress.com

Als die Küste auftaucht, kann sich niemand vorstellen, dass die winzige Öffnung in der Mitte der Felsen vor uns genug Platz für ein Schiff bieten sollte. Einige Lichter tauchen auf, der kleine Schlepper, der in der Dunkelheit auf die LE LYRIAL gewartet hatte, nimmt seinen Kunden „an die Leine“.

Langsam gleitet das Schiff auf die Küste zu. Wundersam öffnet sich der kleine Spalt in den Felsen, verschlingt die LE LYRIAL. Bordscheinwerfer tasten die Ufer rechts und links ab, die sich auf wenige Zentimeter nähern, verschreckt fliegen einige Vögel auf. Steil ragen die Felsen auf, scheinen sich über uns fast wieder zusammen­zufügen, zwischen ihnen glitzert hoch oben der griechische Sternenhimmel. Etliche Gäste schauen sich das Manöver auf der fast immer offenen Brücke an – ein geniales Schauspiel.

Vor unserem Schiff müht sich unüberhörbar der Schlepper – ­der Dieselmotor übertönt bisweilen die klassischen Weisen der Bordlautsprecher und Erklärungen des Lektors. Dichte Rauchschwaden aus dem Schornstein vor uns unterstreichen die schwere Arbeit des offensichtlich nicht ganz jungen Arbeitsschiffes – und hüllen die gesamte Vorderfront der LE LYRIAL bisweilen in einen schwarzen und nicht gerade nach edlem Parfum riechenden Nebel, durch den man wie Fetzen Teile der Kanalwände vorbeihuschen sieht.

Foto: enapress.com

An der guten Stimmung auf der LE LYRIAL ändert das nichts. Als die Küste nach dem Ende des Kanals hinter uns kleiner wird und Signalleuchten langsam am Horizont erlöschen, sind sich alle Gäste einig: Diese Kreuzfahrt beginnt bereits mit einem Highlight.

Schon zu Beginn der Fahrt hätte man die kleine LE LYRIAL im Kreis der großen Schiffe im Hafen von Piräus fast übersehen. Die langen Ströme der Passagiere, die von zahllosen Bussen ausgespuckt wurden, fließen aber heute in die Bäuche der Megaliner. Dazu vergleichsweise wenige Gäste gehen die kleine Gangway zum Schiff hinauf, die eher einer kleinen schnittigen Yacht ähnelt. Und so wird man heute auch an Bord empfangen: Obwohl viele Gäste individuell anreisen, steht ein hochkarätiges Empfangskomitee an der Reling bereit – Hoteldirektor Eric Noir (der im Übrigen vorzüglich Deutsch spricht) und Monsieur le Commandant Régis Daumesnil persönlich, sekundiert von den charmanten Damen und Herren des Showensembles, wie sich später zeigen wird….

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Segelabenteuer in der Karibik

Ankommen auf diesem Schiff ist wie die Rückkehr zu einer Familie, die man mal eben aus dem Auge verloren hat. Winzig klein liegt sie zwischen den vier Megaschiffen im Hafenbecken von Bridgetown – und doch ist die Sea Cloud die eigentliche Königin, findet Michael Wolf.

Der Empfang an der Gangway ist herzlich wie immer – Simon, der polnische Hoteldirektor, ist seit 35 Jahren auf diesem Schiff zu Hause und kennt jeden (wiederkehrenden) Gast.
Schlüssel? Braucht man auf diesem Schiff nicht, versichert Danny, der philippinische Steward, auch seit langem dabei. Es gäbe sie zwar, aber es benutze sie keiner. Und nach einem Fernseher habe noch nie ein Gast gefragt, fügt er lächelnd hinzu. Dafür steht die gekühlte Flasche Champagner der exzellenten Hausmarke Drappier bereit. Daneben seit kurzem auch zwei metallene nachfüllbare Trinkwasserflaschen – damit hat auf der Sea Cloud das Ende der Plastik-Ära begonnen.

Auf diesem Schiff ist alles anders, atmet alles Geschichte. Die langen Holzdecks mit ihren bequemen Liegestühlen, der Luxus der Bibliothek und des getäfelten Restaurants.
Die Sea Cloud hat auch heute noch diesen Esprit einer Privatyacht, der die internationalen Gäste meist schnell zueinander bringt, der persönliche Gespräche und Austausch wieder aufleben lässt.
Den Menschen, die man nicht unmittelbar ins Herz geschlossen hat, kann man allerdings auch bei dieser Schiffsgröße schlecht entkommen – zum Glück eine seltene Ausnahme.

Bewegte Fahrt
Der russische Kapitän Sergey Komakin sieht am ersten Reisetag beim Wetterbriefing auf dem Lidodeck in gespannte Gesichter der Gäste. Denn Wind und Wellen hatten die Sea Cloud in der Nacht gut durchgeschaukelt. Zwar ist es jetzt ruhig, doch die Großwetterlage soll nach einer Ruhepause wieder starke Winde und Strömungen bringen. Schiffsarzt Dr. Thomas Titgemeyer, ein begeisterter und guter Hobbyfotograf, hat auf jeden Fall einiges auf dieser Fahrt zu tun.
Dem Kapitän, der von der Krim kommt, kann dieses Wetter nicht imponieren. „Nur auf Segelschiffen kann man eben die Natur fühlen“ meint, heute vielleicht etwas zweideutig. Er bringt beste Erfahrungen mit: ein Onkel bei der Marine, jahrelange Ausbildung bei der Maritimen Hochschule und auf Segelschulschiffen, darunter die bekannte Khersones. Stolz ist er zu Recht auf einen Rekord: 2019 gelang es ihm, während einer Atlantiküberquerung von den Kapverden nach Santo Domingo 2305 Seemeilen nur mit Segeln zu fahren, also über 80% der Strecke ohne Motor.

Die zweite Offizierin Catarina Domingos Viegas hat ebenfalls beste Segelerfahrung. Sie lernte auf dem portugiesischen Viermast-Schoner und Schulschiff Santa Maria Manuela. Die Portugiesin kennt bereits die Sea Cloud-Familie, war bereits mehrfach auf der Sea Cloud 2 eingesetzt.

Über 54 Meter ragt der Hauptmast über Deck, 30 Segel mit 3000 Quadratmeter Segelfläche bieten dem Wind beste „Angriffsfläche“. Fast täglich werden etliche von ihnen, je nach Wetterlage, gesetzt.
Der armenische Bootsmann Mamikon hat seine Crew fest im Griff – wieselflink steigen die Matrosen in die Höhe, während an Deck auch die Gäste bei den Aktionen helfen dürfen. Die Matrosen stammen oft aus typischen Seefahrernationen wie den Philippinen oder Malta.

In dieser Männerwelt gibt es auch zwei junge Frauen, die als Deckhand arbeiten und ihre Ausbildung machen: Sara aus Brasilien und Ana Lucia aus Portugal. „Du bist nicht stark genug“ hören wir oft sagen sie. Aber das motiviert doppelt. Die Entschädigung: „Hoch oben auf dem Hauptmast ist es unglaublich: der Blick, diese Freiheit!“

Die Crew
Die angenehme melodische Stimme, die über die Bordlautsprecher die News durchsagt, die Planungen bekannt gibt, Änderungen verkündet oder morgens die letzten Langschläfer weckt, gehört zu Tanja Sauer. Die Stimme kommt aus Fulda – mit ihren 29 Jahren verfügt die junge Frau mit den hellblonden Haaren, meist als Pferdeschwanz gebunden, bereits über einige Erfahrungen im Cruise-Bereich. Nach ihrem Tourismus-Management-Studium jobbte sie als Scout bei Aida, arbeitete später als Cruise Directorin auf der Royal Clipper.
Sie ist es gewohnt, wie fast jeder von der Crew, mit anzupacken. Beim Einholen der Segel wie auch beim Restaurantservice. In ihren Ruhepausen sieht man sie häufig auf der Holzbank neben der Brücke, den Blick aufs Meer gerichtet. „Jeder Tag ist anders.“, sagt sie. „Die Luft, die See, die Vögel, die Lebensqualität. Dieses Leben macht einfach süchtig.“…

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Fotos: enapress.com

Deutschlands Kreuzfahrtklassiker

Wenn die Ocean Majesty im Frühsommer 2021, nach über einem Jahr Zwangspause durch die Corona-Krise, wieder in See sticht, dann ist es bereits die neunte Saison unter der Flagge des Stuttgarter Familienunternehmens Hansa Touristik. MS Ocean Majesty ist dann einer der ganz wenigen, noch verbliebenen Kreuzfahrtklassiker in Deutschland. Oliver Asmussen berichtet.

Kreuzfahrten beginnen meist in größeren Häfen, in denen die kleine Lady zwischen den riesigen Megalinern kaum auszumachen ist. Hat man die Ocean Majesty aber entdeckt, dann kann man seinen Blick nur noch schwer von ihr abwenden. Die geschwungene Rumpfform und die harmonischen Proportionen begeistern nicht nur Liebhaber klassischer Kreuzfahrtschiffe.

Was aber macht die Ocean Majesty nun so besonders? Immerhin gibt es ja inzwischen auch zahlreiche neue, kleinere Kreuzfahrtschiffe, die mit spektakulären Features wie U-Booten, Glasfenstern unterhalb der Wasserlinie, Jet Skis und Glasbalkonen um Kunden werben. Zunächst muss man festhalten, dass die Ocean Majesty kein Expeditionskreuzfahrtschiff ist, sondern Kreuzfahrten im kleinen Kreis anbietet. Maximal 500 Passagiere kommen in den Genuss, nicht nur über gepflegte Teakdecks zu flanieren, sondern insbesondere ausgefallene Routen abseits des Mainstreams zu bereisen.

Aber damit nicht genug, denn dieser Kreuzfahrtklassiker hat noch viel mehr zu bieten und spricht nicht nur die Altersgruppe der Best Ager an. Auch Individualisten und erfahrene Kreuzfahrer können sich dem maritimen Charme dieses besonderen Schiffes sowie den Routen, die befahren werden, kaum entziehen.

MS Ocean Majesty regelmäßig renoviert
Das Alter von 55 Jahren lässt sich bei der 136m langen und 10.417 BRZ großen MS Ocean Majesty allenfalls an der äußeren Form erkennen oder bei einem Gang durch die Kabinengänge. Diese sind nämlich von Bug bis Heck leicht gewölbt (man nennt dies „Sprung“), so dass man nicht gerade durch die Gänge hindurch schauen kann. Die Reederei Majestic Cruises sowie Hansa Touristik in Stuttgart haben in den letzten Jahren viele Millionen Euro in ihren Kreuzfahrtklassiker gesteckt und diesen fortlaufend renoviert sowie modernisiert. Die Form der Ocean Majesty erinnert an die schönen Oceanliner vergangener Tage. Wer der Meinung ist, dass das familiäre Kreuzfahrtschiff seine besten Tage bereits hinter sich hat, der wird an Bord schon nach wenigen Minuten sehr positiv überrascht sein. In den vergangenen Jahren wurden nicht nur die Kabinen sondern auch die große Majestic Lounge, der Lido Garden und die Außenbereiche renoviert. Darüber hinaus ist laufend in die Maschinenanlage und in die Satellitentechnik investiert worden. Sogar das WLAN-Netz an Bord ist recht flott. MS Ocean Majesty hält im Zusammenhang mit den Investitionen in die Maschinenanlage alle Emissionsgrenzwerte ein und hat somit die Zertifizierungen für das Befahren der arktischen Gewässer, sowie der UNESCO geschützten Fjorde wie des Geiranger- und Sognefjords erhalten….

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Fotos: Oliver Asmussen/Oceanliner-Pictures.com

Seaventure auf Expeditionskurs

Das Thermometer zeigt -13 Grad, ein eisiger Ostwind fegt den zuvor gefallenen Schnee über die Pieranlagen der EDR Antwerp Shipyard, als Oliver Asmussen an diesem Februarmorgen die SEAVENTURE in Belgien besucht.

Immerhin, der Himmel ist blau und lässt den weißen Rumpf der ehemaligen MS Bremen von Hapag-Lloyd Cruises in gleißendem Licht erscheinen. Am schlanken Bug dieses waschechten Expeditionskreuzfahrtschiffes, sind noch die stählernen Lettern des bisherigen Namens, der 27 Jahre lang den Geist der Weserstadt in die entlegensten Regionen der Welt getragen hat, zu erkennen. Künftig wird die SEAVENTURE für die renommierte Schweizer Scylla AG in See stechen, die sich im Laufe der letzten Jahrzehnte einen Namen mit dem Angebot hochwertiger Flusskreuzfahrtschiffe machte.

Mit einer Länge von rund 112m und einer Größe von 6.752 BRZ gehört die SEAVENTURE zu den ganz kleinen Kreuzfahrtschiffen. So ist sie nur unwesentlich länger als zum Beispiel die 110m langen Flusskreuzfahrtschiffe wie etwa die VIVA TIARA. Im Jahr 2018 gründete die Scylla Gruppe den hauseigenen Veranstalter VIVA Cruises, dessen Schiffe alle eine frische, ansprechend blaue Bemalung tragen. Mit dieser in Düsseldorf ansässigen Tochter verfügt das Unternehmen über einen starken, eigenen Vertriebskanal in Deutschland. Erstmals wagt sich die Scylla Gruppe 2021 auf neues Terrain und wird Hochseekreuzfahrten für maximal 164 Passagiere anbieten. Damit ist die Passagierzahl nahezu identisch mit jener auf den Flussschiffen. Dennoch stellt ein Hochseekreuzfahrtschiff auch ein erfahrenes Touristikunternehmen wie Scylla vor neue Herausforderungen. Mit 31 Jahren ist die SEAVENTURE kein neues Schiff mehr und da will man nichts dem Zufall überlassen. Auf der EDR Antwerp Shipyard wird nicht zuletzt, die durch die Pandemie bedingte Zwangspause dafür genutzt, an Bord des als FRONTIER SPIRIT gebauten Kreuzfahrers alles auf den künftigen Einsatz vorzubereiten.

Die letzte Renovierung erfolgte im Jahr 2019 und die Vorbesitzer kümmerten sich stets um einen guten Zustand des Schiffes. Daher schaut der schmucke Dampfer trotz längerer Aufliegezeit in Warnemünde bzw. im dänischen Hundestedt überraschend gut aus. Eine grundlegende Renovierung ist vorerst nicht erforderlich. Es wird jedoch kleine Anpassungen an das Scylla Branding geben. Außerdem erhält das Kreuzfahrtschiff neue Radar- und Navigationsgeräte.

Die SEAVENTURE wurde gebaut, um die extremsten und entferntesten Regionen dieser Welt bereisen zu können. Das ist auch überall an Bord erkennbar. So ist das Schiff besonders robust gebaut, was in vielen öffentlichen Bereichen erkennbar ist. Es öffnen sich zum Beispiel zu den Aussendecks hin keine automatischen, filigran anmutenden Glastüren, wie man sie von neuen Megalinern kennt. Auf der SEAVENTURE muss man fest anpacken und massive Türen von Hand öffnen. Hinweisschilder an den Türen weisen darauf hin, diese nicht mit einem lauten Krachen zurück ins Schloss fallen zu lassen, sondern beim Schließen festzuhalten. Die Bewohner der benachbarten Kabinen werden diesen Hinweis zu schätzen wissen. Ein Großteil der Außendecks ist mit robusten und maritim anmutenden Teakholz getäfelt.

Für ein Schiff dieser Größe zeigt sich der Pool überraschend großzügig dimensioniert. Hochwertiges Mobiliar lädt zum Verweilen oder auch zum lockeren Small Talk mit Mitreisenden ein. Von allen Plätzen aus bietet sich ein hervorragender Blick auf die offene See bzw. die vorbeiziehende Natur. Die Expeditionslounge im vorderen Bereich auf Deck 7 hält für alle Gäste einen Platz bereit. Sie kann wie die drei Decks tiefer befindliche Seabreeze Lounge für Vorträge der Lektoren und Wissenschaftler genutzt werden, welche einige Reisen begleiten. Sofern die aktuellen Abstands- und Hygieneregelungen weiter Bestand haben, ist die verfügbare Platzkapazität reduziert.
Ebenfalls auf Deck 7 befinden sich ein kleiner aber mit modernen Geräten ausgestatteter Fitnessraum, eine Sauna und ein Frisör.
Die SEAVENTURE verfügt insgesamt über 2 Aufzüge – einen im vorderen und einen im hinteren Treppenhaus.

Zur Bordausstattung gehören 12 Zodiacs. Diese kommen z.B. immer dann zum Einsatz, wenn es keinen Hafen gibt, in dem die SEAVENTURE festmachen kann. Klassische Tenderboote, mit denen die Gäste an Land gebracht werden, gibt es an Bord der SEAVENTURE nicht. Sie werden auch nicht gebraucht. Die geringe Schiffsgröße und der Tiefgang von 4,8m ermöglichen es, in nahezu allen Häfen festmachen zu können. Die Zodiacs werden darüber hinaus für Exkursionen und Erkundungsfahrten genutzt.
Einer der schönsten Orte an Bord ist die künftige SEABREEZE Bar auf dem gleichnamigen Deck, dem sich die SEABREEZE Lounge anschließt. Dabei handelt es sich um den bisherigen Lido-Grill bzw. die Club Lounge. Letztere wurde im Jahr 2016 komplett renoviert und mit einem neuem Farbkonzept sowie Dekorationsdetails versehen. Im Innenbereich dominieren moderne Beeren-Töne, auf dem Aussendeck stehen hochwertige Möbel auf einem gepflegten Teakboden. Von nahezu allen Bereichen aus genießt man als Reisender den freien Blick auf das Meer. Eine kleine, mit Fachliteratur ausgestattete Bibliothek bildet die Verbindung zwischen der Lounge und dem hinteren Treppenhaus.

Auch das auf Deck 4 liegende SEAVENTURE´s Restaurant wurde zuletzt im Jahr 2016 vollständig renoviert und mit neuen, maritimen Dekorationsdetails versehen.
Das Einrichtungskonzept der SEAVENTURE orientiert sich an den Themen Expedition, Natur und Tierwelt. Es gibt überall etwas zu entdecken: Jedes Deck des Schiffes steht für einen bestimmten Kontinent und ist mit entsprechenden Designelementen versehen.
Die SEAVENTURE verfügt über die höchste Eisklasse 1ASuper (E4 Germanischer Lloyd) für Passagierschiffe, ist aber dennoch kein Eisbrecher. Die höchste Eisklasse ermöglicht es dem Schiff, in polaren Gewässern zu fahren und auch dickere Felder mit Treibeis zu passieren sowie Eisdecken von bis zu 1m zu durchbrechen. Der Komfort der Reisegäste hat dabei dennoch Priorität und die Sicherheit von Gast und Schiff stehen ohnehin an oberster Stelle. Dennoch ist die SEAVENTURE für extreme Eissituationen gerüstet. Der Rumpf ist sowohl mit dickerem Stahl als auch einer höheren Spantendichte versehen. Die beiden Propeller sowie die Wellen sind ebenfalls für Eisfahrten verstärkt und konstruiert.

Als eines der ganz wenigen Passagierschiffe überhaupt, verfügt die SEAVENTURE über massive Stahlabdeckungen für die Brückenfenster. Diese lassen sich bei extremen Wellenhöhen in wenigen Minuten an den Brückenfenstern befestigen. So werden Schäden, wie sie zum Beispiel im Jahr 2001 entstanden sind, an der Brücke vermieden.
Obwohl die SEAVENTURE ein echtes Expeditionskreuzfahrtschiff ist und mit einem herkömmlichen Kreuzfahrtschiff wenig gemeinsam hat, sind die Kabinen durchweg sehr großzügig dimensioniert und komfortabel ausgestattet.
Insgesamt gibt es an Bord der SEAVENTURE 7 Kabinenkategorien mit 64 Außen-, 16 Balkon (18m²) und 2 Suiten (24m²), die sich über fünf Passagierdecks verteilen. Innenkabinen gibt es keine.

Der überwiegende Teil der Kabinen wurde im Rahmen umfangreicher Renovierungen im Jahr 2016 erneuert. Der Zustand der Kabinen ist entsprechend durchweg sehr gut. Einziger Wermutstropfen sind die Duschvorhänge, die an Stelle moderner Glasabtrennungen überall noch im Einsatz sind. Eine Ausnahme stellen hier die Suiten dar. Die Duschvorhänge sollen aber schon bei einem nächsten Werftaufenthalt in allen Kabinen durch Glasabtrennungen ersetzt werden.
Solange die strengen Abstands- und Hygieneregeln weiter Gültigkeit haben, wird das bewährte Hygienekonzept „VIVA’s Checkliste“, der Flusskreuzfahrtschiffe übernommen und der jeweiligen Situation angepasst.

Die maximal 164 Gäste erwartet das VIVA All-Inclusive-Konzept mit Vollpension und einer gehobenen Küche, hochwertigen Getränken, sowie Kaffeespezialitäten. In den Kabinen und Suiten befindet sich eine stets gefüllte Minibar. An Bord der SEAVENTURE wird es auch vegane Gerichte geben. Das Restaurant SEAVENTURE‘s bietet ein großes Angebot an kulinarischen Köstlich­keiten, internationaler Küche, Spezialitäten und lokalen Höhepunkten aus der Region. Es wird flexible Essens­zeiten geben, ebenso ist eine freie Platzwahl geplant. Das Frühstücks- und Mittagsbuffet kann im Restaurant oder im Freien an Deck genossen werden. In der SEABREEZE-Bar und in der Expeditionslounge erhält der Gast gute Weine und edle Spirituosen aus allen Teilen der Welt.
Das Schiff eignet sich für anspruchsvolle Individualisten, denen es wichtig ist, spannende Ziele zu entdecken, und die familiäre Atmosphäre. Und dazu die kurzen Wege an Bord und bevorzugt die Nähe zur Natur. Die SEAVENTURE bietet viel maritimen Charme, großzügige Freidecks und eine Menge Komfort.

Die neuen Kapitäne
Denis Radja: Der erfahrene Seebär blickt auf 32 Jahre Erfahrung in der konventionellen Seefahrt zurück. Die letzten 20 Jahre stand Radja als Kapitän auf der Brücke unterschiedlicher Schiffe. 1047 Tage verbrachte er in Polargewässern auf Expeditionskreuzfahrtschiffen. Er besitzt umfangreiche Erfahrungen in den Gewässern der Antarktis, Island, Grönland, Spitzbergen und dem Arktischen Ozean. Denis Radja sammelte Berufserfahrung bei Elegant Cruise, Silversea Expedition Cruises, CMI, Grand Circle Cruise Line, Adventure Canada, Quark Expedition, Students on Ice, Antarctica 21, Zegrahm Expedition, Poseidon, Island Pro Cruises, Noble Caledonia, One Ocean Expeditions und anderen Anbietern mehr.
Kapitän Ivo Botica blickt auf 31 Jahre Erfahrung in der Seefahrt zurück. Während der letzten 14 Jahre hatte er das Kommando auf verschiedenen Expeditionsschiffen. Ivo Botica ist nicht nur ein erfahrener Kapitän sondern auch ein begnadeter Navigationsspezialist, der sein Wissen über die unterschiedlichsten Navigationstechniken auf diversen Lehrgängen und in der Praxis erweitert hat. Botica war für zahlreiche namhafte, internationale Reedereien und Kreuzfahrtanbieter tätig.

Fotos: Oliver Asmussen/Oceanliner-Pictures.com

Ein kleines Schiff, ein kleiner Kontinent

Frankreich hat einen eigenen Erdteil? In der Tat, denn Korsika, die Mittelmeerinsel der Grande Nation, hat so viele Gesichter, dass man von einem Kontinent sprechen könnte. Oliver Schmidt hat das dazu passende Schiff ausprobiert, mit dem die Straßburger Reederei CroisiEurope seit Sommer 2020 die Insel in Wochentörns umrundet: die La Belle des Océans.

Wusste ich’s doch: Franzosen kann so leicht nichts erschüttern. Das Defilee, das sich von der Lounge zum Restaurant wälzt, vorbei an der charmant lächelnden Reiseleiterin Morgan aus Montpellier, ist lediglich um ein modisches Accessoire reicher geworden. Die Maske gibt es im Tigerlook und mit Eiffelturm, mit fischigen Schuppen und als aufgerissenes Haifischmaul, aber auch in schlichtem Schwarz oder als Trikolore.

Wichtig ist, dass sie mit bewundernswerter Disziplin getragen wird, ohne Ausnahme und vor allem ohne, dass sie einer erwähnt. Über indiskutable Notwendigkeiten muss man weder Zeit noch Laune verlieren. Wer das Spiel beobachtet, beginnt langsam, Ulrich Wickerts Buchtitel zu verstehen: „Vom Glück, Franzose zu sein.“

CroisiEurope ist eine französische Reederei. Freilich sitzt sie im Elsass und freilich spricht die Eignerfamilie Schmitter Deutsch so gut wie Französisch, aber was zählt, ist die Nonchalance der Gäste, sind die exzellenten Weine, die inkludiert sind und augenzwinkernd nachgeschenkt werden, und natürlich das frischeste Baguette, das es auf irgendeinem Kreuzfahrtschiff der Welt geben kann. Damit sind alle Komponenten beieinander, die ein französischer Bricoleur bräuchte, um sich selbst ein kleines Traumschiff zu zimmern. Hier ist es aber viel besser: Das stählerne Fundament, auf dem sich das Dîner à la française ereignet, ist ein solides, seit 30 Jahren bewährtes Kreuzfahrtschiff, das bis vor gut einem Jahr in der Luxusflotte von Silversea seinen Dienst versah. Da hatte es einen englischen Kunstnamen und hieß Silver Discoverer, vormals Clipper Odyssey. Erst in Frankreich wurde es namentlich geadelt: La Belle des Océans – die Schöne der Ozeane.

Ihr Ziel ist so französisch wie ihre Atmosphäre. Ihre erste Sommersaison hat sie, Pandemie hin oder her, im wochenweisen Einsatz rund um die Insel Korsika verbracht. Für Franzosen ein beinahe heiliges Eiland – Napoleon wurde hier geboren und die Tochter von Gustave Eiffel hier bestattet –, für Deutsche ein Geheimtipp. Die Ein- und Ausschiffung erfolgt in Nizza, gut zu erreichen von deutschen Flughäfen und mit einem Landeanflug verbunden, der die ganze Schönheit der Côte d’Azur erst vor die Flugzeugfenster und dann vor die Bullaugen des Schiffes zaubert. In der ersten Nacht zaubert nicht Napoleon, sondern Neptun, Meeresgott aus dem nahen Italien (denn einen eigenen haben die Franzosen nicht – eigentlich merkwürdig) eine Oberfläche auf das Ligurische Meer, die so kreativ ist wie die Farben in den Gesichtern der neuen Passagiere, die nach dem Dinner vorsichtig zu Bett wanken, um noch ein Weilchen dem Tanz auf den Wellen den Tanz in den Mägen folgen zu lassen….

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Fotos: Oliver Schmidt, enapress.com

Vom Goldenen Dreieck ins tiefe Laos

Tempel, Dörfer, Töne grün in grün – das Boutiqueschiff Mekong Sun bringt entspannt und entschleunigt über den Oberlauf des Mekong. Andreas Drouve (Text) und Holger Leue (Fotos) berichten.

Da staunt man. Das erste Gebot an Bord lautet „Bitte Schuhe ausziehen.“ Ganz so, als würde man ringsherum in Südostasien ein Privathaus betreten. Was anfangs befremden mag, verkehrt sich rasch ins Gegenteil. Auf der MEKONG SUN fühlt man sich gleich wie daheim. Ob barfuß, in Socken oder Pantoffeln. Zudem macht das unbeschuhte Dasein auf sympathische Art alle gleich: die 16köpfige Crew und die maximal 28 Gäste.

Aufbruch mit Reisesegen

Thailands Norden stimmt mit Tropenhitze und Worapong auf die Exotik ein. Worapong, Anfang siebzig, ist ein Spätberufener im Leben. Früher war er Hotelmanager, Ehemann, Familienvater. Dann schwor er dem alten Dasein ab und begann ein neues als Buddhistenmönch. Heute spendet er den Flusskreuzfahrern an Land den Reisesegen. Man möge sich von Gefahren fernhalten, sagt er, und wünscht allen Glück. Dabei strahlt er aus dem Innern heraus.

Das Goldene Dreieck war einst Hochburg des Opiumhandels, derlei Vergangenheit ist weitgehend verraucht. Kurz vor der Grenze nach Laos steht die MEKONG SUN zum Einstieg bereit. 358 km sind es ab hier flussabwärts bis Luang Prabang: ohne Karten, ohne elektronischen Hilfsmittel für die Navigation. Die beiden Kapitäne, Mister Buala und Mister Vansee, stammen aus Schifferfamilien. Sie kennen die Tücken und Gefahren auf dem Mekong: Stromschnellen, Strudel, Inseln, Felsen, wechselnde Wasserstände. Gefahren wird nur auf Sicht und über Tag. Abends stehen mangels Häfen Anlegemanöver an Sandbänken an – schöner geht’s kaum. Auf den Geschmack bringt auch das erste Abendmenü: frittierter Fischkuchen an Zitronengras, Auberginensalat, gebratenes Huhn mit Paprika und Cashewnüssen. Und als Nachtisch Klebereis mit Kokosnussmilch und Mango….

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Fotos: Holger Leue/leue-photo.com

Reise durch die Zeit

Natur pur: Mit den ältesten Kabinenschiffen der Welt durch das Herz Schwedens zu fahren ist ein echtes Erlebnis. Peggy Günther berichtet.

Für manche Frauen ist das Alter kein Reizthema. Die JUNO ist eine von ihnen. Topfit und gutaussehend liegt sie in Göteborg am Packhuskajen und lässt die Herzen von Schiffsliebhabern höherschlagen. 1874 gebaut ist sie das älteste noch fahrende Passagierschiff mit Kabinen. Ihre jüngeren Geschwister – WILHELM THAM, Baujahr 1912, und DIANA, Baujahr 1931, sind nicht weniger beliebt. Während jüngere Einheiten bereits im Museumshafen landen, kreuzen diese drei Götakanalschiffe während der Sommermonate noch immer über die schwedischen Wasserwege. Oftmals sind die Reisen über Jahre im Voraus ausgebucht.

Innerhalb von vier oder sechs Tagen fahren sie über die größten Seen Schwedens und durch Kanäle nach Stockholm, wo ein Passagierwechsel stattfindet, bevor sie wieder nach Göteborg zurückkehren. Bei dieser langen Reise gönnen die Seniorinnen sich lediglich einen Schönheitsschlaf: In Motola liegen sie für eine Nacht, damit auch der Kapitän seine Ruhezeit einhalten kann. Im Alter braucht man eben weniger Schlaf.

Zwischen 25 und 29 Kabinen verteilen sich bei den drei Schiffen auf drei Decks. Zugegeben: Der Begriff „Kabine“ ist ein Euphemismus. Eigentlich erinnert der persönliche Rückzugsraum eher an ein Schlafwagenabteil in der Eisenbahn. Zu zweit ist es eine logistische Herausforderung, sich auf den drei Quadratmetern zu bewegen. Neben dem kleinen Waschtisch und einem etwa 25 Zentimeter tiefen Kleiderschrank, sind zwei kleine Etagenbetten an der Wand angebracht. Wer größer als 1,75 Meter ist, wird gebeten, dies bei der Anmeldung anzugeben, da manche Kojen etwas länger sind. Tapeten und Accessoires aus den 1920er-Jahren verleihen dem gemütlichen Rückzugsort einen ganz eigenen Charme.

Duschen und Toiletten werden gemeinschaftlich genutzt. Spätestens nach der ersten Begegnung im Bademantel stellt sich ein Gefühl der Vertrautheit zwischen den Reisenden ein.

Die Reise ist ein Outdoorerlebnis: Auf den beiden oberen Decks öffnen sich die Kabinentüren direkt zur Promenade hin. Der Lieblingsplatz ist die Lounge auf dem Brückendeck mit ihren gemütlichen Korbstühlen. Dank des entspannten Reisetempos kommt der Geist zur Ruhe. Es gibt nicht viel zu tun: Die Passagiere betrachten das grüne Wasser, auf dessen Oberfläche sich Vogelschwärme spiegeln. Sie winken Radfahrern zu, die auf ihrer Tour entlang des Kanals Halt machen, um das Schiff zu fotografieren. Und sie registrieren, dass jede Brücke auf dem Weg anders aussieht. Manchmal besuchen sie auch den Kapitän. Man findet an Bord Zeit zum Lesen und tauscht sich mit Gästen aus aller Welt aus. Für die Getränkewünsche gibt es einen Kühlschrank mit Strichliste – die Honesty Bar. Die Crew ist auf ein Minimum reduziert: Kapitän und Steuermann, Reiseleiter, vier Matrosen, die auch mittags die Bettdecken ordnen, sowie zwei Stewardessen im Service und zwei Köche. Es ist erstaunlich, welche Köstlichkeiten in der Miniküche entstehen und wie diese immer warm und parallel serviert werden…

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Fotos: Peggy Günther, enapress.com