Kiel prescht bei Kreuzfahrt vor

Foto: Frank Behling

Nun geht es ganz schnell. Mit den Lockerungen der Beherbergungsverbote in Schleswig-Holstein startet auch die Kreuzfahrtsaison 2021. Die Landesregierung Schleswig-Holsteins hat den Reedereien grünes Licht erteilt. Am 22. Mai soll in Kiel die AIDAsol starten. Einen Tag später ist die Mein Schiff 1 dran.

Die Voraussetzungen für den heiß ersehnten Neustart nach der Corona-Pause gab die Landesregierung in Kiel nach der Auswertung des Infektionsgeschehens in Schleswig-Holstein.

Die seit April laufenden Tourismus-Projekte in Teilen Schleswig-Holsteins haben außerdem sehr positive Effekte erzielt. Deshalb gab Ministerpräsident Daniel Günther am Mittwoch grünes Licht für Lockerungen beim Tourismus.

MEIN SCHIFF 1, Foto: Frank Behling

„Es gibt eine Abstimmung unter den norddeutschen Küstenländern, dass Kreuzfahrten erst wieder möglich sind, wenn die Beherbergungsverbote aufgehoben sind. Das ist bei uns am 17. Mai der Fall. Deshalb ist theoretisch ab dem 17. Mai Kreuzfahrtbeginn und Kreuzfahrtende in Kiel möglich“, so Schleswig-Holsteins Wirtschaftsminister Bernd Buchholz (FDP).

„Dies ist eine gute Nachricht für unseren Hafen und die Stadt Kiel. Darauf haben wir lange hingearbeitet und sind startklar“, freut sich Kiels Oberbürgermeister Ulf Kämpfer. Die Reedereien begannen gleich mit den Planungen.

Die Mein Schiff 1 verließ noch am Donnerstag den Ankerplatz vor Santa Cruz de Teneriffa und nahm in Las Palmas von der Mein Schiff 2 Ausrüstung für den Einsatz im Norden an Bord.

Die AIDAsol wurde in Warnemünde ausgerüstet. „Wir sind mit unserem bewährten Hygienekonzept bereit für den Start. Deshalb kommen wir mit der AIDAsol nach Kiel“, so Hansjörg Kunze, Sprecher von AIDA Cruises. Die AIDAsol wird am 13. Mai um 15 Uhr in Kiel erwartet und soll dann mit dem Test der Landstromanlage beginnen.

Zeitgleich werden die Abläufe für die ersten Einschiffungen der Passagiere in Kiel getestet. Der Hafen ist bereit. „Die Ermöglichung von Kreuzfahrten unter Einhaltung strenger Auflagen trägt zu einer wirtschaftlichen Belebung auch von Innenstadt und Hotellerie bei“, so Ulf Kämpfer. Die schleswig-holsteinische Landeshauptstadt wäre dann der erste deutsche Hafen, der den Neustart der Kreuzfahrt in Deutschland nach dem Winter-Lockdown vornimmt.

AIDAsol, Foto: Frank Behling

Die AIDAsol wird zunächst drei- und viertägige Panoramafahrten ab Kiel anbieten. Buchungsstart ist am 12. Mai. Bei TUI Cruises soll ebenfalls nächste Woche Buchungsstart sein. Die ersten Reisen sollen mit geimpften, getesteten und genesenen Passagieren nach den bereits eingespielten Hygiene-Standards erfolgen. Die Nachfrage soll nach Angaben der Reedereien sehr groß sein.

Auch Hapag-Lloyd, MSC und nicko cruises bereiten den Start von Reisen ab Kiel vor. Auch dort werden Schiffe für den Einsatz im Sommer im Norden vorbereitet. Nach dem derzeitigen Stand könnten bereits Ende Juni wieder bis zu sechs Schiffe von Kiel aus fahren. Es sind aber zunächst nur Panorama-Fahrten ohne Hafenbesuche möglich.

Wann die normalen Katalog-Reisen wieder aufgenommen werden, hängt von dem Infektionsgeschehen in den Ostsee-Anrainern sowie Norwegen ab. Derzeit deutet hier aber noch nichts auf eine schnelle Lockerung hin.

In Norwegen wird erwartet, dass frühestens ab Ende Mai wieder Kreuzfahrten für norwegische Urlauber auf norwegischen Schiffen erlaubt sind. Jedoch auch da ohne Landgang. Die Color Line bereitet den Neustart der Kreuzfahrtfähren der Kiel-Oslo-Route vor.

Bevor die ersten Passagiere in Kiel am 22. Mai an Bord der AIDAsol steigen werden, muss noch an der Technik im Hafen gearbeitet werden. „Am 17. Mai wird eine Landstromanlage eingeweiht, damit die Schiffe zukünftig am Liegeplatz die Diesel ausmachen können“, so Wirtschaftsminister Bernd Buchholz.

Diese Anlage versorgt seit Dezember bereits die Fähren der Stena Line mit Ökostrom. Am 17. Mai wird sie dann als erste zivile Landstromanlage in Deutschland zwei Schiffe gleichzeitig versorgen.

„Wir sind stolz auf die neue Landstromanlage. Nicht nur wegen der herausragenden Architektur und Fassade, sondern auch, weil zwei Schiffe im Parallelbetrieb mit Ökostrom versorgt werden können“, so Seehafen-Chef Dirk Claus.

Auch bei AIDA ist man gespannt auf den Test. Am 7. Mai hat die AIDAsol in Warnemünde die erste Landstromanlage eingeweiht. In Kiel steht die nächste Herausforderung an.

2018 hatte AIDA in Kiel ein Abkommen zur nachhaltigen Weiterentwicklung des Tourismus in Schleswig-Holstein mit Stadt und Landesregierung unterzeichnet.

Die 2011 am Ostseekai getaufte AIDAsol ist das Schiff in der AIDA-Flotte, das schon seit 2014 in Hamburg aus externen Stromquellen versorgt wird. Mit dem AIDA-Schiff kann die Anlage in Kiel zertifiziert werden. In Kiel gibt es jetzt für die drei Stadt-Terminals in der Innenförde Landstromanschlüsse. FB


„Tatsache ist, dass Hamburg bisher höhere Inzidenz-Zahlen hatte als Schleswig-Holstein und das die Lage hier ein bisschen anders war. Wir sind jetzt erst ein paar Tage unter der 100er-Marke. Ein genaues Datum oder einen Termin zu nennen ist im Moment schwierig. Vom Gefühl her würde ich denken, dass wir irgendwann im Juni starten werden. Ob dies nun Mitte Juni ist oder die zweite Hälfte des Monats, dass kann ich noch nicht sagen. Es ist eine Gesamtentscheidung, was den Tourismus in Hamburg betrifft, nicht nur die Kreuzfahrt. Wir sind durch die letzten Abstimmungen der Küstenländer an die Hotellerie gekoppelt worden. Das war auch in Schleswig-Holstein der Fall. Die Hotellerie hat wieder aufgemacht und daher durfte die Kreuzfahrt auch wieder starten.“

Simone Maraschi, Managing Director Cruise Gate Hamburg

„Insgesamt ist die Entwicklung jetzt natürlich absolut positiv. Ob jetzt nun in Bremen oder in Mecklenburg-Vorpommern ein paar Wochen später oder ein paar Wochen früher geöffnet wird, ist egal, wichtig ist einfach nur, dass wir vorankommen. Selbst, wenn wir nur einen Standort haben von dem gefahren wird, sehen auch die Kunden, da entwickelt sich was, es geht voran.“

Veit Hürdler, Geschäftsführer Columbus Cruise Center Bremerhaven und Wismar

„Wir freuen uns, dass dieses wichtige touristische Segment, Kreuzschifffahrt, aus Deutschland wieder startet.  Wir sind überzeugt, dass mit den sehr guten Hygienekonzepten der Reedereien und der Häfen die Voraussetzung für einen zeitnahen Neustart der Hochseekreuzfahrt und Flusskreuzfahrt in Mecklenburg-Vorpommern geschaffen sind.“

 Jens A. Scharner, Geschäftsführer ROSTOCK PORT