Kreuzfahrt auf Bewährung

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Die Hoffnungen waren groß. Nachdem die amerikanische Gesundheits- und Seuchenbehörde CDC am 30. Oktober die „No Sail Order“ für Kreuzfahrtschiffe in eine „Conditional Sailing Order“ umgewandelt hat, gab es zunächst Hoffnungen auf eine Rückkehr zu einem reduzierten Kreuzfahrtbetrieb im Dezember von US-Häfen aus.

Eine Woche später ist der Optimismus aber verflogen. Die Auflagen der CDC sind extrem hoch und die Umsetzung sehr teuer. „In der ersten Phase müssen die Reedereien nachweisen, dass sie die Anforderungen an Tests, Quarantäne und Isolation sowie Abstandsregeln einhalten, um die Besatzungsmitglieder zu schützen“, so steht es in der CDC-Order.

Gleichzeitig muss der Nachweis erbracht werden, dass sie entsprechende Test-Kapazitäten für PHC-Tests in den Häfen bestehen. In Miami hat bereits der Aufbau eines gemeinsamen Testcenters begonnen.

Nach dieser ersten Phase und der Abnahme durch die CDC, sollen Schiffe ablegen dürfen. Aber nicht mit zahlenden Passagieren, sondern mit „Test-Passagieren“. Dafür dürfen sich nur Freiwillige melden.

Diese „Test-Passagiere“ dürfen Mitarbeiter der Landorganisationen der Reedereien oder Angehörige sein, wie CDC-Sprecherin Caitlin Shockey in einem Interview der Zeitung USA Today ausführt. Sie müssen aber erklären, dass sie gesund sind und keine Vorerkrankungen haben.

Gleichzeitig müssen die Reedereien sicherstellen, dass sie für alle Kosten im Rahmen einer Infektion aufkommen.

Diese Testfahrten sollen ähnlich wie die Shakedown-Reisen bei den Neubauten in der Vergangenheit, wenn die Crews sich nach der Übergabe des Schiffes in der Werft zunächst mit dem Betrieb langsam einarbeiteten und auf die Jungfernfahrt vorbereiteten. 

„Wir freuen uns darauf, die Vorgaben genauer zu prüfen und mit der CDC zusammenzuarbeiten, um die Rückkehr zu Kreuzfahrten aus US-Häfen voranzutreiben“, sagte Bari Golin-Blaugrund, zuständig für die strategische Kommunikation bei dem Branchenverband CLIA (Cruise Lines International Association).

Foto: enapress.com

Bevor ein Kreuzfahrtschiff wieder eingesetzt werden kann, braucht es ein Zertifikat, das nach einer Besichtigung und Abnahme durch die CDC ausgestellt wird. Das „COVID-19 Conditional Sailing Certificate“ wird dann aber nur den Betrieb innerhalb der Zuständigkeit der US-Gesetzgebung erlauben. Wann das erste Schiff dafür reif ist, steht noch nicht fest. In Miami und Port Everglades werden aber Vorbereitungen für die ersten Testläufe getroffen. Die entsprechenden Schiffe sollen noch im November mit den Probeläufen beginnen.

Die drei großen Reedereien Carnival, Royal Caribbean und NCL haben Schiffe bereits ausgewählt und in Position gebracht. Details sollen in der nächsten Woche veröffentlicht werden.

Ein Hindernis sind die fehlenden Crew-Mitglieder. Für den Betrieb müssen zunächst Crewmitglieder aus Asien eingeflogen werden. Diese müssen die obligatorischen Tests und Quarantäne-Zeiten absolvieren.

Allein schon deshalb ist nicht vor Anfang Dezember mit den ersten Zertifikaten zu rechnen. Jede Reederei muss mit dem vollständig ausgestatteten Schiff eine simulierte Kreuzfahrt absolvieren. Diese soll sieben Tage dauern und unter den Augen der CDC erfolgen.

Da rund um Florida und vor Kalifornien an die 100 Kreuzfahrtschiffe aufliegen, dürfte dieser Zertifizierungsprozess nicht mehr 2020 abgeschlossen werden.

Vor einem Start müssen alle Crewmitglieder an Bord in einem US-Hafen einen Covid-19-Test absolvieren. Danach soll zunächst eine Reise ohne Test-Passagiere erfolgen. Erst nach dieser Reise dürfen dann die Test-Passagiere an Bord. 

Dieses aufwändige Zertifizierungsverfahren signalisiert auch, dass die CDC genau hinschaut. Beobachter gehen davon aus, dass diese Hürden auch mit Blick auf die Präsidentschaftswahl in den USA erfolgte.

Nachdem Vertreter der großen Reedereien bei Vizepräsident Mike Pence waren, gab es von der Trump-Administration die Ansage an die CDC, sich zu bewegen. Die Behörde hat mit der „Conditional Sailing Order“ einen Mittelweg gewählt und ist dem Wunsch der Trump-Administration nachgekommen.

Was passiert, falls es zu einem Wahlsieg der Demokraten mit Joe Biden kommt, bleibt abzuwarten. Biden hatte die Bekämpfung der Covid-19-Krise auf seine Agenda gesetzt.

Da die Kreuzfahrtreedereien im Zuständigkeitsbereich der CDC in der Anfangsphase der Corona-Krise für fast 100 Covid-Ausbrüche mit 2973 Infektionen und 34 Toten verantwortlich waren, ist hier auch eine neue „No Sail Order“ nach dem Amtswechsel im Weißen Haus im Januar denkbar. FB