„Meine Karriere begann auf der ASTOR“

Ambassador Cruise Line-CEO Christian Verhounig im Gespräch mit Michael Wolf über das junge Start-up, die letzten Entwicklungen und Visionen.

Ambassador Cruise Line-CEO Christian Verhounig,
Foto: Ambassador Cruise Line

Im Februar 2021 haben Sie zusammen mit Partnern die Ambassador Cruise Line gegründet. Was ist im Wesentlichen seitdem geschehen?

Nach der Gründung haben wir gleich unser erstes Schiff gekauft. Wir konnten dann am 24. Juni bereits in den Verkauf gehen. Der Response war sehr gut, viele Gäste schienen nur darauf gewartet zu haben, dass diese Nische dieser Kreuzfahrtschiffe im Markt wieder besetzt wird.

Also war es ein durchaus erfolgreicher Start, der natürlich immer wieder von den neuesten Corona-Entwicklungen beeinflusst wurden, aber so gut, dass wir jetzt das zweite Schiff gekauft haben.

Wann sollen die beiden Schiffe in Fahrt kommen?

Das erste Schiff, die Ambience, wird gerade in der Viktor Lenac Werft in Rijeka komplett umgebaut. Sie beginnt am 6. April. Das zweite soll ebenfalls umgebaut werden und im März 2023 fahren.

Beim Thema Umbau sprechen wir von einem Einbau von Katalysatoren, die Schiffe werden dann nur noch mit Marine Gas Oil fahren.

Die Ambience war nicht in einem so guten Zustand, als wir sie übernahmen. Da musste viel gemacht werden. Von der Farbentfernung mit Sandstrahlern bis hin zu etlichen technischen Modernisierungen. Auch die Kabinen wurden renoviert, die Suiten komplett neu gebaut. Bei der Ambition wird hauptsächlich die Technik erneuert und ergänzt. Auf beiden Schiffen wird auch das Trinkwassersystem verändert – statt Plastik – gibt es jetzt nur noch Glasflaschen.

Ambience, Animation: Ambassador Cruise Line

Wie ist eigentlich der Name der Cruise Line entstanden?

Ein Ambassador (Anmerkung der Red. Botschafter) reist viel, möchte neue Kulturen und Länder kennenlernen. Er ist Repräsentant seine Landes, verhält sich vorbildlich und respektiert andere. Das steht für unseren Namen.

Wir konzentrieren uns auf die Altersgruppe 50+. Da geht es häufig darum, mit Gleichdenkenden zu reisen. Die sind bei der ersten Cruise zu viert, bei den nächsten Fahrten dann bereits in größeren Gruppen.

Wir haben uns entschlossen, ohne Kinder zu reisen. Das bedeutet, es ist ruhiger an Bord als anderswo. Wir werden bei beiden Schiffen auch etwa hundert Kabinen für Alleinreisende einrichten, das führt dann zu mehr Platz. Natürlich gibt es Entertainment, aber auch Lektorate. Und vieles steht im Zeichen der Nachhaltigkeit, im Zeichen der Ozeanforschung.

Sie wollen ohne Kinder fahren, wird es also ein explizites Adults-only Produkt werden?

In der Regel ja. Wir haben aber auch eine Handvoll Reisen, die wir Multi-Generation Cruises nennen. Da wird zwar nicht das traditionelle Kinderbetreuungsprogramm angeboten, aber es ist so abgestimmt, dass die gesamte Familie näher zusammenrückt. Da buchen dann z. B. die Großeltern für ihre Kinder und Enkel. Die Programme auf diesen Reisen sind oft interaktiv wie beim Zirkus auf See, wo sich jeder beteiligen kann. Da kann man die Smartphones und Ipads mal etwas vergessen, das tut vielen Familien gut, sie kommen wieder zusammen.

Ambition, Animation: Ambassador Cruise Line

Welche Märkte haben Sie im Fokus?

Im Augenblick konzentrieren wir uns hundertprozentig auf England. Wir haben da ein No-Fly-Programm kreiert, das bedeutet, dass alle Fahrten von England abgehen.

Wie wollen Sie neben den traditionell starken UK-Firmen wie Saga oder P&O ihre Nische finden?

Saga spricht generell ein höherpreisiges Segment an, wir bieten dagegen ein Premium-Value, ein gutes Preis-Leistungsverhältnis an. Bei P&O wird derzeit eine Änderung von Traditionsschiffen zu Megalinern durchgeführt. Zwischen beiden passen wir vom Konzept und der Größe der Schiffe gut rein.

Für mich ist eine Post-Covid-Erscheinung, dass die Kunden nicht mehr so preisgetrieben sind. Es ist so, als ob sich viele mit der Buchung höherwertiger Kabinen oder Suiten selber für die Strapazen der letzten Jahre beschenken und entschädigen möchten.

Wie groß ist Ihr Team derzeit?

Wir haben hier in London etwa 50 Personen, auf den Schiffen 650 Crew.

Wer bereedert die Schiffe?

Das macht das Bernhard Schulte Ship Management im nautischen Bereich, den Hotelbereich stellen wir selber. Da kenne ich mich im F&B-Bereich aus. Ich habe schon 18-jährig als Kellner auf der Astor begonnen. Jung und blauäugig (lacht).

Welche Schiffe sind Sie damals noch durchlaufen bei Ihrer Karriere?

MS Deutschland beim Opening, die Berlin, die Astor, im englischen Markt P&O, auch Festival – ich bin da schon etwas rumgekommen.

Unser zweites Schiff, die Ambition, habe ich sogar als Manager für Hotel Operations aus der Werft geholt.

Steht Hamburg auf der Jungfernreise immer noch auf dem Programm?

Absolut.

Wir haben derzeit 33 Reisen zwischen vier und 42 Tagen im Angebot.

Gibt es neue Infos zurTaufe?

Am 5. April in Tilbury, Informationen im Lauf der nächsten Woche.

Wie ist eigentlich die etwas ungewöhnliche Farbkomposition des Logos entstanden?

Im Kreuzfahrtbereich sind die Logos und die Farben eher langweilig. Da herrscht Marineblau vor, mal gibt es eine blaue Welle. Da wollten wir etwas Neues kreieren.

Und ausserdem sind die beiden Farben Grün und Purple (Purpur) die einzigen Farben, die die Menschen auch im hohen Alter auseinanderhalten können.

Wie viele Schiffe sollten idealerweise in Ihrer Flotte sein?

Ich denke 3-5 in den nächsten Jahren. Das hängt noch von vielen anderen Dingen ab wie zusätzlichen Märkten usw. Das Potential ist auf jeden Fall sehr groß.

Haben Sie das Ende einige Ihre ehemaligen Schiffen von CMV und einigen Ihre ehemaligen Schiffen wie der Astor noch betrauert?

Das war auch menschlich eine ganz schwierige Situation, wir hatten weltweit über 4.000 Mitarbeiter. Und was die Astor betrifft hat es mir viel bedeutet, es war ja auch mein erstes Schiff.


Unsere News vom 28. Januar: Ambassador Cruise Line kauft zweites Schiff: Britisches Kreuzfahrt-Start-up setzt auf Hamburger Management