Meyer Werft in Papenburg baut Nachfolger der Asuka II

Foto: Meyer Werft

NYK aus Japan vergibt weltweit ersten Auftrag seit Beginn der Pandemie

Die durch die Corona-Pandemie angeschlagene Meyer Werft hat den derzeit einzigen Neubauauftrag für ein Kreuzfahrtschiff an Land gezogen. Der Neubau für den japanischen Großkonzern NYK soll das aktuell größte japanische Kreuzfahrtschiff Asuka II ab 2025 ersetzen.

NYK gilt als eine der führenden japanischen Reedereien und gehört zu den größten Reedereien der Welt. Nach Angaben von Meyer-Werft-Chef Jan Meyer soll das neue Kreuzfahrtschiff einer Länge von rund 229 Metern und einer Breite von 29,8 Metern mit Flüssigerdgas (LNG) angetrieben werden. An Bord soll Platz für 385 Passagierkabinen sein.

Der Neubau, der über sein Joint-Venture geordert wurde, soll das bisher einzige Kreuzfahrtschiff von NYK, die Asuka II aus dem Jahr 1990 ersetzen. Sie wurde von Mitsubishi Heavy Industries im Auftrag von Crystal Cruises als Crystal Harmony gebaut und bedient aktuell als größtes Kreuzfahrtschiff Japans ein Premium- und Luxussegment.

Die Papenburger Schiffbauer, die seit Beginn der Corona-Pandemie ihr bis dato bis 2023 reichendes Auftragsbuch bis in das Jahr 2025 gestreckt haben, ist es damit gelungen, sich den weltweit ersten Neubauauftrag für ein Kreuzfahrtschiff sei Beginn der Pandemie zu sichern. Bisher stand mit dem dritten Kreuzfahrtschiff der Triton-Baureihe für Disney Cruise Line nur ein Schiff im Orderbuch der Meyer Werft für 2025.

Bei Werftchef Jan Meyer ist die Erleichterung nach der Auftragsvergabe groß: „Das ist ein weiterer, sehr wichtiger Schritt für die Standortsicherung in Papenburg. Für unser aktuelles Zukunftsprogramm mit enorm wichtigen Einsparungen und sehr vielen unterschiedlichen Maßnahmen sind neue Aufträge absolut notwendig“, so Meyer.

Der japanische Auftraggeber NYK ist Meyer zufolge „eine erstklassige Adresse“. Das Unternehmen zählt zu den größten Reedereien der Welt und betreibt mehr als 400 Schiffe, vorwiegend im Container- und RoRo-Transport.

Ausschlaggebend für die Auftragsvergabe nach Papenburg sei die Erfahrung der Meyer Werft beim LNG-Antrieb von Kreuzfahrtschiffen gewesen, „aber auch unsere Qualität“, so Meyer. Seine Werft sei vor neun Jahren erstmals mit NYK ins Gespräch gekommen. Ihn freue der neue Auftrag auch umso mehr, da normalerweise zu 80 Prozent Aufträge im Schiffbau innerhalb Japans vergeben würden. „Wir haben unseren neuen Kunden aus Japan in dieser weltweit extrem schwierigen Marktsituation und weltweiter Konkurrenz mit dem besten Schiffskonzept, Innovationen, Qualität und einem für uns sehr herausfordernden Preis als neuen Kunden gewinnen können.“ 

Auch wenn NYK ein neuer Kunde für die Meyer Werft ist, haben die Papenburger in der Vergangenheit schon mehrfach für Kreuzfahrtschiff-Neubauten mit asiatischen Auftraggebern zusammengearbeitet. Erstmals wurden mit der Superstar Leo und der Superstar Virgo 1998 und 1999 Kreuzfahrtschiffe für Star Cruises gebaut. Die Superstar Leo und die Superstar Virgo waren seinerzeit weltweit die ersten Kreuzfahrtschiffe, auf denen Hubschrauber landen konnten. 

Zuletzt baute die Meyer Werft am Stammsitz in Papenburg mit der Genting Dream und der World Dream 2016 und 2017 Kreuzfahrtschiffe für jeweils 3300 Passagiere für die Reederei Dream Cruises. Sie gehört zum Genting Konzern aus Malaysia. Der Konzern hatte 2017 die MV Werften in Rostock, Wismar und Stralsund in Mecklenburg-Vorpommern übernommen, baut dort aktuell mit der Global Dream das weltweit größte Kreuzfahrtschiff, ist aber durch die Corona-Pandemie ebenfalls stark angeschlagen.  Christoph Assies