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Mit neuem Achterschiff und Antrieb „Münsterland“-Probefahrt erfolgreich beendet

Foto: AG „Ems“

Als nunmehr drittes mit LNG betriebenes Fährschiff der AG „Ems“-Gruppe nach dem Neubau Helgoland und der umgebauten Ostfriesland hat die Borkum-Fähre Münsterland nach einem 17,5 Mio. Euro teuren Großumbau bei der niederländischen Werft Koninklijke Niestern Sanders BV in Delfzijl mit dem dort auch gefertigtem neuen Achterschiff einschließlich der neuen Antriebsanlage am 23. Dezember 2021 ihre technische Erprobungsfahrt erfolgreich absolviert.

Zur technischen Erprobung gehören neben der Bebunkerung mit verflüssigtem Erdgas (LNG) auch eine erstmalige Inbetriebnahme der neuen Diesel-Gas-Elektro-Maschinenanlage. „Das ist immer ein spannender Moment“, verrät AG „EMS“-Inspektor Claus Hirsch. Im neu gebauten Achterschiff sind alle Komponenten der neuen Antriebsanlage vom Gastank, Generatoren, die elektrischen Fahrmotoren, die Azignel-Propeller und die Hilfsaggregate verbaut. „Nun kann das Feintuning im Zusammenspiel der einzelnen Komponenten erfolgen“, so Hirsch. „Fahreigenschaften und Manövrierfähigkeit des 15 Meter längeren Schiffes sind sehr gut“, zeigte sich auch Kapitän Dirk Saathoff sehr erfreut. Durch den Umbau der 1986 in Leer als 1859-BRZ-Schiff für 1200 Gäste und max. 70 Pkw erbauten Münsterland erhöhte sich nicht nur die Länge auf 94 m, und die Pkw-Stellplatzkapazität um 15 Plätze, sondern es entstanden auch zwei neue Salons und ein größeres Sonnendeck für die Passagiere des trotz höherer Maschinenleistung unverändert 15,5 kn schnellen Schiffes.

Wie bereits auf der bereits 2015 entsprechend umgebauten Ostfriesland wurde auch hier ein Flüssiggastank vom Typ C eingesetzt, d.h. die Behälter bestehen aus einem inneren Tank und einem weiteren äußeren, der zum Schutz dient. Dazwischen sorgt eine Vakuumisolierung für die gleichbleibenden Umgebungsverhältnisse, denn das Flüssiggas lagert bei -162° C und 5 bar Druck im Tank. Neu ist die Größe des verbauten Spezialtanks, denn anders als bei der Ostfriesland, auf der ein geometrisches Raumvolumen von 45 m³ gegeben ist, fasst der Tank der Münsterland 53 m³. Das größere Volumen wurde durch einen vergrößerten Innendurchmesser des inneren Tanks und eine verbesserte Isolation und dadurch geringere Schichtbreite ermöglicht.

„Die Gasventileinheiten (GVUs) konnten nun im Tankaufstellraum untergebracht werden, so dass dieser Platz im Maschinenraum frei geworden ist“, erklärt AG „Ems“-Projektleiter Michael Baumfalk. LNG, das aus Methan besteht und auf minus 162°C heruntergekühlt wird, erlaubt es Stickoxide und Schwefeloxide um 90% bzw. 95% sowie Kohlendioxide um 20% zu reduzieren und Feinstaub nahezu komplett zu vermeiden.

Das Umbau-Projekt wird im Rahmen der Umsetzung der Mobilitäts- und Kraftstoffstrategie der Bundesregierung (MKS) durch das Bundesministerium für Verkehr und digitale Infrastruktur gefördert, wobei die Fördermaßnahme wird von der NOW GmbH koordiniert wird. Man hat uns EU-weit als First Mover bezeichnet und das wollen wir bleiben. Dazu gehört, nicht nur die ersten zu sein, die auf LNG setzen, sondern dies auch konsequent weiter zu entwickeln und zu verfolgen“, konstatiert AG „Ems“-Vorstand Dr. Bernhard Brons.

Die Münsterland wird gegen Ende Januar aus den Niederlanden zurückerwartet und verkehrt künftig wieder auf der Route Eemshaven – Borkum. JPM