MV Werften: Es werden auch weiter Schiffe gebaut

Foto: Frank Behling

Es war die Woche der Weichenstellung. Die MV Werften in Mecklenburg-Vorpommern haben Insolvenz angemeldet. Der Mann, der jetzt das Sagen über die Zukunft von knapp 1900 Frauen und Männern der MV Werften und die gewaltigen Werftanlagen in Wismar, Warnemünde und Stralsund hat, ist Insolvenzverwalter Christoph Morgen.

In einer ersten Stellungnahme machte er den Beschäftigten auch gleich Hoffnung. Das Insolvenzverfahren „ist nicht das Ende des Schiffbaus“ im Nordosten. Es ist vielmehr eine Standortbestimmung mit der Perspektive auf einen Kurswechsel. Weg von den großen Kreuzfahrtschiffen und hin zum Spezial- oder Marineschiffbau und auch zum Bau klassischer Handelsschiffe.

Wenn ein Mann mit so einer Aufgabe Erfahrung hat, ist es Christoph Morgen. Seit etwa 10 Jahren ist er auf deutschen Werften unterwegs und hat einige spektakuläre Insolvenzverfahren gemeistert. Den letzten Kraftakt hatte er 2020 in Schleswig-Holstein zu lösen.

Die Flensburger Schiffbau-Gesellschaft (FSG) hatte sich beim Wandel hin zur Spezialwerft für moderne Passagierfähren „verhoben“. Eine Fähre für Irland wurde mit einem dreistelligen Millionen-Verlust verspätet abgeliefert. Eine zweite Fähre für die Brittany Ferries in Frankreich lag seit 2018 an der Werftpier und bescherte der Werft die Zahlungsunfähigkeit.

Christoph Morgen, Foto: Frank Behling

Im April 2020 mitten in der ersten Corona-Welle meldete die Werft dann Insolvenz an und der norwegische Eigner zog sich zurück. Christoph Morgen trat nach der Sichtung der Bücher und der Bewertung der Werft dann mit einem Plan vor die Belegschaft.

Die unfertige Fähre Honfleur wurde wie Ballast abgeworfen. Christoph Morgen fand in Norwegen einen Abnehmer, der die Fähre fertigstellte und genug Geld bezahlte, damit die Werft den Neustart wagen konnte.

Der Investor Lars Windhorst stieg nach Hertha BSC auch bei der FSG ein und sorgte für die Sicherheit beim Neuaufbau des Betriebs. Inzwischen werden in Flensburg wieder Schiffe gebaut. Keine hochmodernen Fähren mit komplexen und klimaneutralen Antriebssystemen, sondern klassische Frachtfähren für den weltweiten Einsatz.

Ob es bei den MV Werften auch so gut läuft, wird Christoph Morgen erst im März wissen. Bis dahin sind die Gehälter durch das Insolvenzausfallgeld gesichert und die Werft kann von neuen Investoren besichtigt werden.

Wie es ab Anfang März mit den MV Werften weitergeht, bleibt also spannend. Gleich nach den ersten Sitzungen und Sichtungen der Unterlagen hat Christoph Morgen aber klargestellt, dass der unfertige Neubau Global Dream ein ganz wichtiger Bestandteil der Zukunftsperspektive sein wird.

Wird das Schiff in Wismar fertiggestellt, soll es 1,5 Milliarden Euro durch Bezahlung in die Kassen spülen und so die Kredite aus der Bauzeit ablösen. Ob der Käufer dann Genting heißen wird, wollte niemand aus dem Umfeld kommentieren.

Die zweite Alternative ist das Ausdocken des unfertigen Schiffes und ein Auflegen an einem kostengünstigen Platz. Danach könnte das Schiff dann „wie es ist“ zum Verkauf auf den Markt gebracht werden. Auch dabei dürfte es einen Erlös im oberen dreistelligen Millionenbereich einspielen.

Was die Zukunft der Werften angeht, wird aber von einer Perspektive im Schiffbau gesehen. Ähnlich wie in Flensburg ist auch jetzt sein Ziel der Neuanfang in einer neuen Gesellschaft. Dieser „Reset“ könnte mit einem Investor zeitnah beginnen. Hier ist auch die Gewerkschaft mit im Boot.

„Schiffe werden auch weiterhin im Nordosten gebaut“, so ist aus dem Umfeld des Insolvenzverwalters zu hören. Bis die Schweißgeräte wieder zünden, ist es aber noch ein Stück. Die Gewerkschaft IG Metall will sich mit den Betriebsräten ebenfalls einbringen.

Für die Angehörigen der Belegschaft gab es eine erste gute Nachricht. „Es sind alle Vorbereitungen getroffen worden, dass ab Montag die Löhne und Gehälter ausgezahlt werden können“, so Morgen.

Das ist der erste Punkt des Dreipunkte-Plan. Zweite Punkt ist die Fertigstellung der Global Dream. „Wir müssen alles daran setzen, dieses Schiff fertigzubauen“, so Morgen. Der dritte Punkt ist die Umstellung der Werften auf andere Schiffstypen. Kreuzfahrtschiffe sollen nach der Global Dream  nicht mehr gebaut werden.

Morgen hat auch bereits mit Genting gesprochen. Dabei geht es um die Perspektive für eine mögliche Übernahme des Schiffes 2023 durch Genting Hongkong zur Nutzung unter der Marke Dream Cruises.

Es wird aber auch ein „Plan B“ vorbereitet. Dazu gehört der Stopp des Neubaus für Genting und eine Anpassung für des Konzepts an Bedürfnisse eines anderen Interessenten. Fest steht, dass das ursprünglich für Asien bestimmte Schiffes nicht ohne Anpassungen für einen Kreuzfahrtkonzept eines anderen Reeders genutzt werden kann. FB