Nach Ausbruch: Vier Kreuzfahrer nehmen Suezkanal
Nach der spektakulären Flucht aus dem Persischen Golf haben sich die sechs Kreuzfahrtschiffe mit hoher Fahrt auf den Weg nach Europa gemacht. Vier der sechs aus dem Kriegsgebiet ausgebrochenen Kreuzfahrtschiffe haben dabei zur Überraschung von Beobachtern die Abkürzung durch das Rote Meer und den Suezkanal genommen. Nur die beiden Schiffe von TUI Cruises nehmen die sichere Route um Afrika herum.
Die MSC Euribia, Celestyal Journey, Celestyal Discovery und die Aroya sind direkt nach dem Verlassen der Gewässer des Omans im Arabischen Meer nach Südwesten in Richtung Golf von Aden abgedreht. Zwischen Mittwochmorgen und Donnerstagabend passierten die vier den Bab al-Mandab und fuhren an der Südküste des Jemen nordwärts ins Rote Meer ein. Dabei passierten sie auch die als besonders gefährlich eingestuften Gewässer im Wirkungsbereich der Huthi-Rebellen.
Zur Sicherheit hatten sie aber zeitweise ihre AIS-Geräte ausgeschaltet, so dass sie von anderen Schiffen und von Land aus nur mittels Radar identifizierbar waren. Die MSC Euribia setzte außerdem einmal mehr ihre hohe Geschwindigkeit als wirksamen Schutz gegen die Verfolgung ein. Bereits bei der Passage der Straße von Hormus hatte das MSC-Schiff laut AIS-Daten über 23 Knoten Geschwindigkeit erreicht.




Die beiden TUI Cruises-Schiffe Mein Schiff 4 und Mein Schiff 5 werden Ende April ihre Versorgungsstopps in Südafrika absolvieren und dann an der Küste Westafrikas nordwärts in Richtung Gibraltar fahren.
Die Celestyal Discovery (ex AIDAaura) hat am 25. April den Suezkanal passiert. Die Celestyal Journey und die MSC Euribia folgen am 26. April. Damit sind diese drei Schiffe zwei Wochen früher im Mittelmeer.
Die so gewonnene Zeit soll in die Vorbereitung zur Aufnahme des regulären Reiseprogramms genutzt werden. Die MSC Euribia soll nach dem Verlassen des Suezkanals am 28. April zunächst Malta ansteuern. Dort sollen Crewmitglieder zusteigen und Ausrüstung übernommen werden. Außerdem befindet sich in Malta die Palumbo Shipyard, an der MSC zu 50 Prozent beteiligt ist. Die Werft hat inzwischen große Erfahrungen in Arbeiten an Bord der Schiffe von MSC Cruises.
Nach der Ausrüstung in Malta geht es Anfang Mai weiter nach Kiel, wo die erste Reise am 16. Mai vom Liegeplatz 1 im Ostuferhafen starten soll. Eventuell wird das Schiff für weitere Ausrüstungsarbeiten auch früher in Kiel eintreffen.
In der Region bleibt vorerst nur die Aroya von der saudischen Reederei Aroya Cruises. Das Schiff bleibt vorerst in Jeddah und startet dort am 7. Mai wieder mit regulären Kreuzfahrten im Roten Meer zu Zielen in Ägypten, Jordanien und Saudi-Arabien. Ab dem 6. Juni beginnen für Aroya erste Testreisen. „Ab dem 14. Mai wird Aroya einzigartige Routen im Roten Meer in Saudi-Arabien, Ägypten und Jordanien anbieten“, sagt Taher Omar Nazer, der neue Geschäftsführer von Aroya Cruises, dann wieder die Saison im Basishafen Istanbul. Die beiden Schiffe von Celestyal sollen laut Reederei Anfang Mai ihren Sommerfahrplan wieder in der Ägäis aufnehmen.
Damit nimmt das Drama um diese sechs Schiffe ein glückliches Ende. Alle waren am 28. Februar in Dubai, Abu Dhabi und Katar vom Ausbruch des Iran-Kriegs überrascht worden. Die Reedereien stellten sofort den Betrieb ein und brachten die Passagiere danach in teils spektakulären Aktionen zurück in ihre Heimatländer. An eine Rückkehr von Kreuzfahrtschiffen in den Orient ist vorerst nicht zu denken. Da die Spannung in der Region eher noch zunimmt, ist dort kaum ein unbeschwerter Urlaub mit Schiffen denkbar. Als Konsequenz haben alle Reedereien auch bereits die geplanten Reisen im kommenden Winter abgesagt und die Schiffe nach Nordeuropa, ins Mittelmeer und die Karibik umgeroutet. FB
Foto: Frank Behling



