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Neue Reederei Villa Vie Residences erwirbt britisches Kreuzfahrtschiff „Braemar“

Das neue Kreuzfahrtunternehmen Villa Vie Residences, das aus dem ehemaligen Managementteam von Life at Sea hervorgegangen ist, hat von der britischen Kreuzfahrtreederei Fred. Olsen Cruises das seit mehr als drei Jahren in Schottland aufgelegte Kreuzfahrtschiff Braemar für den Einsatz als Residenzkreuzfahrtschiff für eine 3-½ jährige Weltreise für einen ungenannten Preis erworben.

Hierzu soll das 1992 in Spanien erbaute Schiff in Villa Vie Odyssey umbenannt werden. Vor dem geplanten Einsatz ab Mai 2024 als schwimmende Villa, mit der Möglichkeit, Apartments zu erwerben oder aber zu mieten, ist ein mehrere Millionen Euro teurer Umbau des Schiffes geplant.

Hierbei handelt es sich um ein ähnliches Projekt, wie das von der türkischen Miray Cruises aufgelegte Life at Sea Cruises, die mit der ehemaligen AIDAaura eine 3-jährige Kreuzfahrt geplant hatten. Kurz vor dem geplanten Beginn der Reise im November musste das Projekt, sehr zum Ärger der bereits gebuchten Gäste, von Miray abgesagt werden, da man offensichtlich den Kaufpreise für das Schiff nicht aufbringen konnte.


Foto: Christian Eckardt

Der CEO von Villa Vie Residences Mikael Petterson erklärte, dass die Villa Vie Odyssey einen intimen, neuen Kreuzfahrt-Lebensstil bieten, der dabei Teile der Welt erreicht, die von größeren Schiffen nicht erreicht werden können, die aber oft im Zentrum des Reiseziels liegen. Durch den niedrigen Tiefgang des Schiffes können somit auch Binnengewässer und Flüsse befahren werden. Aufgrund der Schiffsbreite von nur 22,5 Meter war zum Beispiel die ehemalige Braemar im Oktober 2019 das bislang größte Kreuzfahrtschiff, dass den Kanal von Korinth mit einer Breite an der engsten Stelle von nur 24 Meter befahren hat.

Das Schiff bietet aktuell Platz für 924 Personen in 485 Kabinen und verfügt über einen vergrößerten Pool, vier Whirlpools, drei Restaurants, acht Bars, vier Lounges, ein Spa, ein Fitnesscenter, eine Bibliothek und eben einem medizinischen Zentrum. Zu den Neuerungen am Schiff wird ein großes, zentrales Geschäftszentrum zählen, das es ermöglicht, auf See in privaten Büros und Konferenzräumen zu arbeiten. Dank Starlink und Viasat 3 wird schneller und zuverlässiger Internetzugang für alle Bewohner und Gäste gewährleistet. Dieses ambitionierte Projekt soll einen Wendepunkt in der Welt der Kreuzfahrten markieren, indem es eine einzigartige Mischung aus Reisen, Wohnen und Arbeiten bietet. Darüber hinaus wird es ein interaktives und lehrreiches kulinarisches Zentrum sowie ein bahnbrechendes Golf-Around-World-Programm geben, das einen Bord-Golfsimulator sowie Touren und Kurse unter der Leitung eines Master-PGA-Professionals umfasst.

Das Start-Up Villa Vie wurde von ehemaligen Mitgliedern des Führungsteams von Life at Sea gegründet, die bei der Auflösung des ursprünglichen Teams im Mai 2023 ausgeschieden sind. CEO Mikael Petterson, war auch schon der damalige frühere Geschäftsführer von Life at Sea.

„Ich habe mit Tausenden von Menschen gesprochen, und wir haben Villa Vie auf der Grundlage dessen entwickelt, was wir von Life at Sea gelernt haben“, erklärte er jetzt gegenüber amerikanischen Medien. „Die Leute wollen die Flexibilität, nach Bedarf zu zahlen, zu kommen und zu gehen, anstatt drei Jahre im Voraus zu bezahlen. Viele wollten eine Kabine besitzen und ein Mitspracherecht im Unternehmen haben.“

Petterson nennt das neue Konzept „ganz anders“ als das Angebot seiner früheren Kollegen, mit einem kleineren Schiff und kürzeren Aufenthalten an Bord, die nach dem Prinzip „Pay as you go“ bezahlt werden. Die Preise unterscheiden sich dabei nicht allzu sehr von den damaligen Einführungsangeboten von Life at Sea, doch gibt es nun mehrere Optionen. Gäste, die nur eine Reise buchen, zahlen 89 US-Dollar pro Person und Tag für eine Innenkabine. Das entspricht 32.485 US-Dollar pro Person und Jahr oder 97.455 US-Dollar für drei Jahre. Außenkabinen gibt es ab 119 US-Dollar pro Person und Tag, und Balkonkabinen ab 199 US-Dollar.

Dann gibt es die Möglichkeit, eine eigene Kabine auf dem Schiff zu erwerben, hier startet der Kaufpreis bei 99.000 US-Dollar für eine Innenkabine, 149.000 US-Dollar für eine Außenkabine und 249.000 US-Dollar für eine Balkonkabine. Die Eigner müssen dann monatliche Gebühren, je nach Kabinenkategorie, zwischen 1.750 US-Dollar bis 4.000 US-Dollar pro Person zahlen. Dabei haben dann die Kabineneigner auch die Möglichkeit, ihre Kabinen an andere Personen zu vermieten.

Ville Vie Residences gibt den Eignern dabei eine Garantie für eine Nutzung von 15 Jahren, was der noch geschätzten Lebenserwartung des Schiffes entspricht.

„Wenn Gäste weniger als drei Jahre an Bord bleiben wollen, lohnt es sich, eine Kabine zu mieten. Wenn Sie länger als drei Jahre bleiben, ist es besser eine Kabine zu kaufen“, sagt Petterson.

Was ist im Preis mit inbegriffen?

Alle Lebensmittel und alkoholfreien Getränke sind auf der Reise im Preis mit inbegriffen, ebenso wie Alkohol beim Abendessen. Für amerikanische Gäste sind auch WiFi und medizinische Besuche (aber keine Behandlungen oder Medikamente) inbegriffen. Es ist jedoch derzeit noch nicht geklärt, ob die medizinischen Besuche auch für internationale Gäste verfügbar sein werden. Ein wöchentlicher Reinigungsservice der Kabine und ein zweiwöchentlicher Wäscheservice werden ohne zusätzliche Kosten angeboten.

Petterson erklärte, dass das Schiff Villa Vie Odyssey wie geplant starten wird und die Passagiere, anders als bei Life at Sea, nur eine Anzahlung bei der Buchung von 10 % leisten müssen, um ihren Platz zu sichern. Alle Anzahlungen werden bis zum 15. Februar auf einem Treuhandkonto aufbewahrt. Danach werden die Zahlungen für die ersten 90 Tage der Kreuzfahrt entgegengenommen. Die Zahlungen werden dann für jedes Segment 90 Tage vor dem jeweiligen Starttermin entgegengenommen. Petterson ist zuversichtlich, dass die Kreuzfahrt stattfinden wird, da das Schiff durch private Investitionen finanziert wurde. „Kein einziger Cent der Einzahlungen wird vor dem 15. Februar ausgegeben.“

Vor dem Einsatz mit Start am 15. Mai 2024 in Southampton ist eine 10-wöchige Umbau- und Werftzeit eingeplant, einschließlich eines zweiwöchigen Dockaufenthaltes um das Unterwasserschiff nach der langen Aufliegezeit in schottischen Gewässern wiederherzurichten. Vor einigen Wochen berichtete Petterson davon, dass die Umbauarbeiten möglicherweise auf einer deutschen Werft erfolgen werden. Ob dabei auch die Lloyd Werft Bremerhaven möglicherweise eingebunden ist, ist derzeit noch nicht bekannt. Im Rahmen der ersten Etappe der Weltreise ist nach derzeitigem Fahrplan dann auch ein Besuch der schwimmenden Villa in Hamburg geplant, das am 17. und 18. Juni 2024 besucht werden soll.

Verlängerungssektion, Foto: Christian Eckardt

Die Braemar wurde ursprünglich als Crown Majesty für die Commodore Cruise Line in Dienst gestellt und war bei der Ablieferung 163,8 Meter lang. 2001 erwarb die Reederei Fred Olsen das Schiff und setzte es seitdem als Braemar für ein vorwiegend englisches Publikum ein. Im Mai 2008 wurde das Kreuzfahrtschiff im Trockendock ELBE 17 bei Blohm + Voss Repair GmbH um eine 31,20 Meter lange Mittelsektion verlängert. Mit dieser rund 2.250 Tonnen schweren Mitschiffsektion, die seinerzeit bei der Bremerhavener Schichau Seebeckwerft im Unterauftrag von Blohm + Voss Repair gefertigt wurde, erhöhte sich die Passagierkapazität des dann 195 Meter langen Kreuzfahrtschiffes auf rund 950 Passagiere. In den folgenden Jahren besuchte das Schiff auch immer wieder deutsche Häfen und steuerte mehrfach auch Bremen an und machte dort an der Getreideumschlaganlage in Gröpelingen fest. ChrEck