Neues Viking Line-Flaggschiff hat erstmals Wasser unter dem Kiel

Viking Glory, Foto: Deltamarine

Trotz Verzicht auf Rotorsegel-Zusatzantrieb ein Meilenstein als „Green Ship“

Auch wenn der in ersten Entwürfen angedachte Windzusatzantrieb durch zwei Rotorsegel des finnischen Herstellers Norsepower nicht realisiert wird, soll das am 26. Februar im Baudock der chinesischen XSI-Werft in Xiamen aufgeschwommene und mit Schlepperassistenz an der Ausrüstungskai verholte neue Flaggschiff der in Mariehamn ansässigen Viking Line, die Kreuzfahrtfähre Viking Glory, Maßstäbe als eine der ökonomischsten und ökologischsten Kreuzfahrtfähren nicht nur der Ostsee, sondern auch weltweit setzen.

Das am 3. Juni 2019 als Bau-Nr.488A auf Kiel gelegte 63813-BRZ-Schiff, für dessen Bau bereits im November 2016 ein Vorvertrag(verbunden mit einer Option für ein Schwesterschiff) und Anfang April 2017 ein Festauftrag mit einem Investitionsvolumen von 194 Mio. Euro zur Lieferung 2020 unterzeichnet worden war, soll nach mehrfacher nicht zuletzt Pandemie-bedingter Verschiebung des Ablieferungstermins nunmehr im November geliefert und Anfang 2022 auf der Route Stockholm – Mariehamn – Turku als Ersatz für die Amorella in Fahrt kommen.

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https://www.youtube.com/watch?v=YsFEntEjQIU
Video: Youtube/Viking Line Suomi

Dabei handelt es sichum eine eine 225,55 m lange und 35 m breite Ro/Pax-Fähre mit 13 Decks, 922 Kabinen und Platz für bis zu 2800 Gäste sowie 1500 Spurmeter für rollende Ladung (300 Pkw/90 Lkw). Für den elektrischen Antrieb und die Bordstromversorgung des über die hohe Eisklasse 1 A Super verfügenden Neubaus sorgen sechs auf Generatoren arbeitende Wärtsilä-Motoren des Typs 31DF, die sowohl verflüssigtes Erdgas (LNG) als auch verschiedene Biogase umweltfreundlich verbrennen können und sich durch niedrigen Verbrauch bei hoher Zylinderleistung auszeichnen sollen. Erstmals auf einem chinesischen Passagierschiffsneubau und einer Ro/Pax-Fähre kamen nach Hersteller-Angaben zwei ABB-XO-Azipodantriebe zum Einbau, die für eine Geschwindigkeit von 22 kn und in Verbindung mit den drei Bugstrahlern für eine optimale Manövrierfähigkeit sorgen. Sie sollen eine einfachere Formgebung des Unterwasserschiffes ermöglichen und damit zur Reduzierung des Wasserreibungswiderstandes gegenüber einem vergleichbaren Schiff mit Wellen-Antrieb und herkömmlicher Ruderanlage um acht um acht Prozent beitragen. Zur Energie-Einsparung soll auch ein dynamisches Klimatisierungs- und Beleuchtungssystem beitragen, das mit Hilfe von Sensoren Licht und Temperaturen in nicht belegten Räumen automatisch herunterfährt. Durch ein innovatives Energie-Recyclingsystem von Climeon sollen zudem bis zu 40 Prozent der vom Passagierbereich benötigten elektrischen Energie generiert werden können. Doch nicht nur Abwärme wird recycelt, auch die beim LNG-Einsatz anfallende Kälteabgabe bleibt nicht ungenutzt und wird u.a. in Kühlräumen weiterverwertet.

Viking Grace, Foto: Jens Meyer

Schon Anfang 2013 hatte die Viking Line mit der Indienststellung von der STX-Werft in Turku erbauten und mit LNG-Antrieb ausgerüsteten Ro/Pax-Fähre Viking Grace (BRZ: 57565), Maßstäbe für die Effizienz und Umweltfreundlichkeit im Fährschiffbereich auf der Ostsee gesetzt, die mit der 2018 erfolgten Nachrüstung mit einem von Norsepower gelieferten 24 m hohen und 4 m im Durchmesser großen Rotorsegel noch einmal verbessert werden konnten. Experten hatten sich davon die Einsparung von jährlich 300 t Brennstoff und eine entsprechende Reduzierung von Emissionen versprochen. Trotz der geringeren Grösse des ebenfalls zwischen Stockholm und Turku eingesetzten Schiffes und des nach einer Testphase beschlossenen Verzichts auf diesen Zusatzantrieb bei ihrem neuen Flaggschiff verspricht sich die Reederei von der Viking Glory eine zehnprozentige Effizienzverbesserung gegenüber dem ersten und bisher einzigen Ro/Pax-Schiff mit LNG/Wind-Antrieb. JPM