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Nicht nur Kreuzfahrt, sondern auch Landerlebnisse

Gianni Rotondo, AVP, International Representatives Offices, EMEA, Royal Caribbean im Interview mit Michael Wolf zur neuen Discovery-Klasse, den Beach Clubs und Plänen der Reedereien-Gruppe.

Die Legend of the Seas wird im Juli abgeliefert und Sie haben gerade ein Schiff für die neue Discovery-Klasse bestellt. Was sind die besonderen Merkmale dieser Klasse?

Über die Discovery-Klasse wissen wir noch sehr wenig – ich weiß, dass das erste Schiff 2029 geliefert wird, und wir haben bereits einen zweiten Auftrag für 2032 vereinbart. Aber sie ist wirklich das bestgehütete Geheimnis im Unternehmen.

Was ich sagen kann: Sie ist Teil einer sehr vollen Pipeline. Die Legend ist das dritte Schiff der Icon-Klasse, das erste hier in Europa – und feiert diesen Sommer ihr Debüt. Dann wird 2027 wirklich sehr busy: Icon 4 kommt dazu, plus Oasis 8. 2028 folgt dann Icon 5. Kurzum: Wir sind gut beschäftigt – bis 2029, wenn das erste Discovery-Schiff unsere Flotte ergänzt.

Nochmal nachgefragt zur Discovery-Klasse­: Es hieß, sie sei stärker auf die Passagiere fokussiert. Was bedeutet das?

Die Gäste stehen bei allem, was wir tun, im Mittelpunkt. Für die Discovery-Klasse bedeutet das: Sowohl die Routen als auch das Erlebnis an Bord sollen absolut um den Gast herum gebaut sein.

Es wird die Weiterentwicklung dessen sein, was wir mit Icon und Oasis begonnen haben. Diese Schiffe sind nach einem Zonenkonzept gebaut – es gibt ganz bewusst verschiedene Bereiche für unterschiedliche Gäste, ob Familien oder Paare. Und das macht bei unserer Größe auch Sinn: Wir haben den Platz, um wirklich auf verschiedene Zielgruppen einzugehen. Wir sind eine Familienmarke – Familien und Mehrgenerationenreisen bleiben unser Fokus. Aber genauso wollen wir das beste Kundenerlebnis für Paare und andere Gruppen bieten.

Können Sie uns etwas zum deutschsprachigen Markt erzählen? Es wurde immer gesagt, dass er sehr wichtig sei und dann wurden fast alle europäischen Büros vor einigen Jahren geschlossen. Der Vertrieb und Sales wurden outgesourct. Wie wichtig ist dieser Markt heute für Sie und wie wollen Sie mehr Traffic und Umsatz erreichen?

Deutschland bleibt ein sehr wichtiger Markt – schon allein deshalb, weil es der zweitgrößte Kreuzfahrtmarkt der Welt ist. Damit ist Deutschland im Senior Management in Miami sehr präsent.

Unsere erste und wichtigste Investition ist TUI Cruises – wir sind 50-Prozent-Joint-Venture-Partner, und das ist bewusst so. Das ist unser Weg, im deutschen Markt wirklich verankert zu sein. Daneben wollen wir natürlich auch die anderen Marken stärker positionieren, Royal Caribbean allen voran. Aber der Ansatz ist dort ein anderer als bei TUI Cruises. Wir wollen unser Produkt nicht vollständig auf den deutschen Gast zuschneiden – es ist ein internationales Produkt. Wir sprechen den Teil des deutschen Publikums an, der gerne in einem internationalen Umfeld reist, mit Englisch als Bordsprache und internationalem Entertainment. Und den gibt es durchaus.

Also lassen Sie die Gäste wählen?

Wenn ein deutscher Gast Service auf Deutsch möchte, ist TUI Cruises die klare Antwort. Unser Fokus bei Royal Caribbean liegt auf dem internationalen Gast – entsprechend ist unsere eigene Präsenz in Deutschland bewusst klein gehalten, vor allem im Vergleich zu TUI Cruises. Aber ich muss sagen: Wir sind wirklich sehr zufrieden damit, wie sich der Markt für Royal Caribbean hier entwickelt.

Welchen Marktanteil haben Sie derzeit in Deutschland mit Royal Caribbean?

Im DACH-Markt haben wir einen kleinen Anteil. Wir wollen bewusst kein Volumen um jeden Preis. Unser Fokus liegt auf den deutschen Gästen, die gerne in einem internationalen Umfeld reisen, mit erstklassigem Entertainment und Service. Ja, diese Segmentierung schränkt unsere Reichweite ein – aber das ist eine bewusste Entscheidung.

Sie haben neue Produkte wie Beach Clubs geschaffen. Können Sie dazu etwas sagen?

Das sind unsere sogenannten Ultimate Destinations – eine echte Weiterentwicklung unserer Marke. Wir sind ein sehr großes Unternehmen und haben die ersten 50 Jahre damit verbracht, Kreuzfahrten weltweit aufzubauen. Inzwischen fahren wir wirklich überall. Aber die Strategie der letzten Jahre geht weiter: weg von reinen Seereisen, hin zum Urlaubserlebnis insgesamt. Wir wollen nicht nur die Kreuzfahrt selbst anbieten, sondern auch Land-Erlebnisse – kurativ, vertikal integriert, aus einer Hand.

Mittlerweile haben wir fünf solcher Destinationen, die bekannteste ist Perfect Day at CocoCay in der Karibik. Und wir stehen kurz davor, die erste in Europa zu eröffnen – einen Royal Beach Club in Santorini. Im nächsten Jahr folgen dann zwei weitere, beide in Mexiko: die zweite Perfect Day-Destination, die größte private Destination überhaupt, und ein Royal Beach Club. Wir wechseln also bewusst zwischen diesen beiden Konzepten ab.

Insgesamt haben wir bis 2028 acht Destinationen. Bei den landbasierten Angeboten sind wir in der Karibik bereits sehr stark aufgestellt. Mit Santorin bringen wir dieses Konzept nun nach Europa – und mit Lelepa schaffen wir ein Traumziel im Pazifik.

Coco Beach Club, Royal Caribbean's Perfect Day at CocoCay, Foto: Royal Caribbean International
Der Royal Beach Club in Santorini soll in 2026 eröffnet werden. Animation: RCI
Perfect Day in Mexiko soll im kommenden Jahr folgen, Animation: RCI

Santorini wir immer im Kontext von Overtourismus genannt. Wollen Sie die Gäste des Beach Clubs etwas vom Hauptziel wegbringen, zu etwas anderem?

Absolut. Wir arbeiten sehr eng mit den lokalen Behörden zusammen und haben einen Manager fest vor Ort in Santorin, der sich darum kümmert. Und das ist auch wichtig – denn Santorin ist klein, der Tourismus enorm, und Kreuzfahrten tragen zum Übertourismus bei. Das wissen wir, und wir nehmen das ernst.

Mit unserem Beach Club geht es deshalb nicht einfach darum, Gäste vom Schiff an den Strand zu bringen. Wir wollen ein rundes Erlebnis schaffen. Die zwei Hauptorte sind Fira und Oia – kleine, wunderschöne Dörfer, aber eben auch empfindlich. Deshalb arbeiten wir mit einem Drei-Schichten-Modell: Ein Drittel der Gäste startet in Oia, wechselt nach Fira und entspannt dann am privaten Strand. Die zweite Gruppe beginnt am Strand, die dritte in Fira. So verteilen wir die Kapazität des Schiffs auf drei Ströme – und nie mehr als ein Drittel ist gleichzeitig an einem der drei Orte. Das reduziert die Belastung für die Insel spürbar, und genau das ist der Gedanke dahinter.

Europa ist in dieser Hinsicht natürlich komplexer als die Karibik – andere Strukturen, andere Rahmenbedingungen. Aber wir arbeiten daran, und ich glaube, wir sind auf einem guten Weg.

Ist der Zugang zum Beach Club kostenpflichtig?

Der Besuch des Beach-Club – mit Restaurants und Aktivitäten – ist kostenpflichtig, also ähnlich einem klassischen Ausflug. Grundsätzlich haben die Gäste zwei Optionen: entweder der kombinierte Trip mit Oia und Fira, oder wer einfach einen entspannten Tag am Strand möchte, ohne die Dörfer zu besuchen, bucht nur die private Destination. Der Gast entscheidet.

Sind weitere Clubs in Europa geplant?

Ich war selbst in Projekten involviert, potenzielle weitere Standorte zu finden – und das Mittelmeer bietet da einiges. Im Westen wären das spanische Festland oder die Balearen interessant, in der Mitte Italien und Malta, im Osten vor allem Griechenland und die Türkei. Wir schauen uns das aktiv an.

Und nicht nur im Mittelmeer – wir evaluieren Optionen weltweit. Die Pipeline ist gut gefüllt.

Welche Optionen würden Ihnen persönlich gefallen?

Als Italiener muss ich natürlich an unsere wunderschönen Strände denken. Sizilien und Kalabrien, die beiden Regionen im tiefen Süden, wären fantastisch für mediterrane Routen, egal ob nach Westen oder Osten. Kreuzfahrten ab Rom oder Ravenna, unserem zweiten Heimathafen in Italien, könnten den Süden Italiens wunderbar einbinden. Ein Standort dort würde in beide Richtungen funktionieren. Aber konkrete Pläne gibt es dazu aktuell nicht – unsere Planung läuft bis 2028, und bis dahin werden wir acht private Destinationen haben. Das ist schon eine Ansage.

Wie nehmen die Gäste diese Option an?

Es geht natürlich zum einen darum, die Besucherströme besser zu steuern und die Belastung zu reduzieren. Aber am Ende ist es eine Frage der Kundenzufriedenheit – gemessen am Net Promoter Score, dem NPS, der international anerkannten Kennzahl dafür. Und was wir klar sehen: Sobald wir eine private Destination in die Route aufnehmen, steigt der NPS. Perfect Day at CocoCay ist inzwischen Teil aller Florida-Routen, und der Effekt ist eindeutig. Neue Schiffe haben ohnehin einen hohen NPS – aber wir haben verstanden, dass eigene Destinationen, wo wir Service und Qualität vollständig in der Hand haben, noch einmal einen deutlichen Unterschied machen. Das steigert die Zufriedenheit.

Wie viele Schiffe haben Sie in Europa in den nächsten drei Jahren?

Wir haben bereits eine gute Anzahl von Schiffen in Europa im Sommer – und die große Ergänzung 2026 ist natürlich die Legend. Sie fährt Westmittelmeer-Routen: Italien, Spanien, Frankreich. Typischerweise haben wir zwei Schiffe ab Rom im Angebot, sowohl Richtung westliches als auch östliches Mittelmeer – dieses Jahr ist das Schlüsselschiff dort die Odyssey of the Seas. Dazu kommt Ravenna, unser Heimathafen an der Adria, als Startpunkt für Kreuzfahrten entlang der italienischen Küste Richtung Griechenland. Und dieses Jahr haben wir erstmals auch ein Schiff ab Athen – damit sind wir an vier Einschiffungshäfen im Mittelmeer präsent, plus Southampton für den britischen Markt, unseren größten in Europa.

2027 kommt dann etwas wirklich Interessantes dazu: Zwei Schiffe, die sogenannte Open-Jaw-Routen fahren. Das bedeutet, man kehrt nicht zum selben Hafen zurück, sondern verbindet zum Beispiel Italien mit Griechenland in sieben Tagen, dann Italien mit Spanien in weiteren sieben Tagen. Gäste können zwei oder drei Kreuzfahrten kombinieren und so das gesamte Mittelmeer entdecken – ohne jemals denselben Hafen zweimal anzulaufen. Das ist ein komplett anderes Reiseerlebnis.

Odyssey of the Seas, Foto: RCI

Ich nehme an, dass Sie zur Situation in Arabien nichts sagen können?

Wir operieren derzeit nicht in der Region, daher hatten wir keine Routenstreichungen – wir stationieren im Winter keine Schiffe in den Emiraten oder auf der Arabischen Halbinsel. Direkt sind wir also nicht betroffen. Was uns aber indirekt treffen kann: Luftverkehrsstörungen im Nahen Osten, die Gäste beeinflussen, die zum Beispiel nach Asien oder Australien fliegen – oder umgekehrt aus Australien in die Karibik. Aufs Geschäft ist der Einfluss bisher gering, da keine Abfahrten gestrichen wurden. Aber klar: Unruhe in der Region beeinflusst das Vertrauen der Reisenden.