Regina Maris – Vom Kreuzfahrer zur Privatyacht

Die 1966 in Dienst gestellte Regina Maris war der erste Nachkriegs-Neubau eines deutschen Kreuzfahrtschiffes von einer deutschen Werft für eine deutsche Reederei. Dieser Neubau stellte damit alles in den Schatten, was einheimische Mitbewerber in der ersten Nachkriegszeit im noch jungen Kreuzfahrtmarkt bislang versuchten. Jürgen Saupe berichtet.

Nach dem zweiten Weltkrieg begann die deutsche Kreuzschifffahrt Mitte der 50er Jahre eher zögerlich und wurde auch nicht von Misserfolgen verschont. So merkte zum Beispiel auch die Hapag mit der Patricia, ihrem damals aus zweiter Hand aus Schweden erworbenen Schiff, umbenannt in Ariadne, dass die Zeit für ein derart hochpreisiges Produkt noch nicht reif war.

„Nordland“, Foto: Jürgen Saupe

Mehr Glück hatte stattdessen die in Lübeck beheimatete Lübeck Linie AG. Man erwarb bereits 1956 von den Hurtigruten aus Norwegen die 1930 erbaute Harald Jarl, ließ sie in Lübeck mit einfachen Mitteln zum Kreuzfahrtschiff umbauen und offerierte mit ihr bis 1970 zu überschaubaren Preisen überwiegend Nordlandkreuzfahrten unter dem so passenden Schiffsnamen Nordland.

Eine Geschäftsidee entsteht

Vom Erfolg der Nordland ermutigt, entschloss man sich Anfang der 60er Jahre in der Chefetage bei der Lübeck Linie AG voll ins Risiko zu gehen und den ersten Neubau eines deutschen Kreuzfahrtschiffes, bereits für weltweite Fahrt ausgelegt, nach 1945 in Auftrag zu geben. Man glaubte so, aus den Fehlern der Mitbewerber beim Erwerb von Gebrauchttonnage gelernt zu haben, indem man ohne Kompromisse nach damals aktuellem Stand der Technik nicht umbauen, sondern neu bauen ließ. Es war klar, dass bei den Finanzierungskosten eines Neubaus die Reisen nicht zum Schnäppchenpreis angeboten werden konnten. Doch man war der festen Überzeugung, mit der Preisgestaltung einen guten Mittelweg gefunden zu haben. So wurde eine Geschäftsidee in die Realität umgesetzt.

Foto: Sammlung JSA

Die Zeit unter der Lübeck Linie

Die Regina Maris wurde bei den Flender Werken in Lübeck in Auftrag gegeben und man konnte bereits am 14. Dezember 1965 den Stapellauf feiern. Am 12. Mai 1966 lieferte die Werft das Schiff an die Reederei ab. Bemerkenswert: Dieser Neubau konnte bereits einige Besonderheiten aufweisen, die zu jener Zeit noch nicht als „normal“ galten. So waren zum Beispiel alle Kabinen voll klimatisiert und hatten eine eigene Nasszelle (Dusche bzw. Sitzbadewanne sowie WC und Waschtisch). Weiterhin war das Schiff mit einer modernen Schlingerdämpfungsanlage, den Flossenstabilisatoren von Denny Brown ausgerüstet. Ebenso war bereits ein 500 PS Bugstrahlruder zum besseren Manövrieren eingebaut. Im Heck befand sich ein über eine Rampe zugänglicher Garagenraum für 20 bis 30 PKW der Gäste. Unter der Reedereiflagge der Lübeck Linie blieb die Regina Maris zehn Jahre lang im Dienst, erwies sich dann allerdings im Laufe der Zeit als zu klein, um rentabel zu bleiben.

Die Zeit in Übersee

So musste die Führungsetage der Reederei 1976 den Entschluss fassen, das Schiff zu verkaufen. Ein Interessent fand sich in Kanada. Die Mercator Shipping mit Sitz in Halifax erwarb das Schiff und gab ihr den neuen Namen Mercator One. Vom neuen Eigner wurden jetzt Kreuzfahrten zu den Bermudas, Bahamas und in Kanada angeboten, allerdings nicht von langer Dauer. Das Schiff fuhr rote Zahlen ein, die Eigner gerieten darauf hin in finanzielle Turbulenzen. Am 19.Mai 1977 wurde die Mercator One in Nassau/Bahamas beschlagnahmt, später nach Shelbourne/Kanada überführt und dort bis zur Freigabe der Versteigerung aufgelegt. Unter den internationalen Bietern interessierte sich auch der Reeder Peter Deilmann für das vermeintliche Schnäppchen.

Foto: Sammlung JSA

Die Zeit unter der Reederei Deilmann

1979 ersteigerte schließlich Reeder Peter Deilmann das Schiff und erteilte seinem Kapitän Schmidt, bürointern „Schmitti“ genannt, die Order, das ersteigerte Schiff von Kanada heim nach Neustadt in Holstein, dem Sitz der Reederei, zu bringen. Als kleines Dankeschön für das Vertrauen dieses Kommandos ließ es sich „Schmitti“ nicht nehmen, seinem Chef im mit Salzwasser gefüllten Pool 180 lebende Maine-Lobster quer über den Atlantik nach Hause mitzubringen…

Nach der Überführung und einem Umbau der Fahrgasteinrichtungen bei der Werft Nobiskrug erhielt das Schiff zunächst im Hinblick auf den anderen in Bau befindlichen Deilmann-Kreuzfahrer Berlin am 10. Okt. 1979 den Namen Frankfurt, ca. 6 Wochen später durch Flaggenwechsel abgeändert in Frankfurt I.

Foto: Jürgen Saupe

Touristische Mitstreiter überzeugten Herrn Deilmann aber davon, dass der ursprüngliche Schiffsname Regina Maris im deutschen Markt immer noch einen größeren Bekanntheitswert besitzt. So brachte man den Neuerwerb ab dem 19. Mai 1980 wieder unter dem Namen Regina Maris in Fahrt, allerdings jetzt unter Singapur-Flagge. Hintergrund hierzu mag auch eine geplante Vercharterung an Neckermann Seereisen gewesen sein, die das Schiff als Ersatz für das verkaufte philippinische Kreuzfahrtschiff Doña Montserrat für die beliebten NUR-Fernost-Kreuzfahrten einsetzen wollten. Doch auch unter Singapur-Flagge erwies sich das Schiff als nicht profitabel genug. Der Wechsel in ein anderes Fahrtgebiet, die Karibik, brachte auch nicht den erhofften Erfolg. Ebenso wenig der Versuch, im karibischen Raum einen lukrativen Langzeit-Charterer zu finden. Letztendlich wurde das Schiff 1982 nach einem Feuer an Bord auf den Bermudas aufgelegt und schließlich zum Verkauf gestellt.

Interessant hierbei die heute fast in Vergessenheit geratene damalige Absicht von Phoenix Reisen, die Regina Maris einzuchartern. Dies wurde allerdings nie realisiert. Im Büro eines touristischen Anbieters in Köln ist noch ein Modell des Schiffes mit einem „Phoenix-Schornstein“ zu bestaunen. Der Name Regina Maris mag es den Phoenix-Mannen angetan haben, denn rund 13 Jahre später fand sich im Seereisen-Angebot ein anderes Schiff mit diesem Namen, war ebenfalls sowohl als Privatyacht als auch als Kreuzfahrtschiff auf den Meeren unterwegs, nur halt in umgekehrter Reihenfolge.

Vom Kreuzfahrer zur Privatyacht

1983 wurde die Regina Maris an die zum griechischen Reeder Latsis gehörende Madere Ltd. verkauft und in Alexander umbenannt. Die ursprünglich geplante Absicht, den Neuerwerb weiter als Kreuzfahrtschiff zu betreiben, wurde schnell aufgegeben, denn Latsis fand Gefallen an dem Schiff und wollte es privat nutzen. Nach einer längeren Aufliegezeit wurde 1985 der Lloyd Werft in Bremerhaven der Auftrag zum Umbau in eine Privatyacht erteilt. Aufwändig umgebaut und entsprechend klassifiziert, diente sie der Familie Latsis zwanzig Jahre als Privatyacht. Die Familie Latsis lud immer wieder Persönlichkeiten zu Kreuzfahrten auf ihr Schiff ein. Zu den Gästen gehörten unter anderem auch Prinz Charles und Lady Diana.

Foto: Sammlung JSA

1992 erhielt die Alexander eine neue, geschwungene Schornsteinkappe. 1998 erfolgte ein weiterer Umbau bei Hellenic Shipyards. Das Schiff hat heute 14 Doppelsuiten und 12 Kabinen für bis zu 80 Gäste, die von einer sechzigköpfigen Besatzung betreut werden. Nach dem Tod von Giannis Latsis am 17. April 2003 trennte sich die Familie von der liebgewordenen Alexander.

Seit 2005 ist das Schiff in Malta registriert und kann seit 2016 über den neuen Eigner Troy Yachting auch privat gechartert werden.