Ritz-Carlton at Sea

Bei strahlendem Sonnenschein wurde in Vigo der Stapellaufdes ersten The Ritz-Carlton Yacht Collection-Schiffes gefeiert.
Michael Wolf war dabei.


Fotos: enapress.com, HJ Barreras Shipyard and The Ritz-Carlton Yacht Collection
Animationen: The Ritz-Carlton Yacht Collection


Am 9. Oktober fand im nordspanischen Vigo auf der Werft Hijos de J. Barreras (HJB) der Stapellauf in traditioneller Form des ersten der vorerst drei Schiffe großen Flotte der The Ritz-Carlton Yacht Collection statt. Weitere Bauten sind in der Planung.
Die Mariott-Kette, Mutterfirma von Ritz-Carlton, hatte sich offensichtlich schon seit etwa 25 Jahren mit Cruise-Plänen beschäftigt. Konkret wurde es vor etwa sechs Jahren, als – erst weitgehend unbemerkt – die Ritz-Carlton Yacht Collection gegründet wurde. Die unglaubliche Kreuzfahrt-Expansion auch im Luxussegment hat die Entwicklung dann sicher beschleunigt.

Mit Oaktree Capital wurde eine Investment-Gesellschaft gefunden, die unter anderem bereits über 300 Cargo-Schiffe im Portfolio haben.
In Vigo wurden erstmals einige Inneneinrichtungen der Suiten vorgestellt. Die renommierte schwedische Firma Tillberg Design, die bereits für die Mutterfirma Mariott Hotels designt hat, kreierte sie in hellen und grauen Farben, modern und elegant.
Douglas Prothero, der kanadische CEO von RCYC, ist von der ersten Planung an dabei.
„Wichtig war es für uns, die richtige Größe der Schiffe zu bestimmen. Im Luxusbereich sollten sie wie bei einem Boutique-Hotel nicht mehr als 150 Zimmer haben.“
Die Größen der 149 Suiten, die alle über Balkone verfügen, liegen zwischen 29 und 65 Quadratmetern, zwei Owner-Suiten verfügen über je 102 Quadratmeter Wohnfläche plus 55 Quadratmeter privaten Balkon. Die in Vigo gebauten Mock-up-Suiten wurden bis ins kleinste Detail gestaltet. Von den Abrundungen der Bettkanten über Farbtöne bis zum Hightech-Lautsprecher auf der Veranda wurden etliche Details über Monate hinweg dann relooked und verändert.

Die Zahlen im Servicebereich der Schiffe sind in der Cruise-Branche beeindruckend: die maximal 298 Gäste des Schiffes werden von 246 Besatzungsmitgliedern betreut .
Neben einer großen Wassersportmarina und zwei Pools sollen die mit 25.600 BRZ vermessenen und 192 Meter langen Schiffe viel Raum in mehreren großen Lounges bieten. Die Gäste können unter fünf Restaurants wählen, von denen eines vom deutschen 3-Michelin-Sterne-Koch Sven Elverfeld aus dem Wolfsburger Ritz-Carlton betreut wird. Die Ritz-Carlton Gruppe wird im Übrigen mit der Yacht-Collection ihren ersten Ausflug in das All-Inclusive Geschäft starten. Unüblich für ein amerikanisches Schiff ist die Tatsache, dass an Bord kein Casino vorgesehen ist und auch keine Shows. Eher will man lokale Künstler in einem speziellen Art-Programm besuchen oder Musiker an Bord bitten. Dazu will man mit etlichen Overnight-Stays auch in kleineren Häfen punkten. Dort, wo Mariott-Hotels sind, setzt man auf die Kompetenz des lokalen Concierge-Teams, um außergewöhnliche und personalisierte Exkursionen vorzubereiten.

Die neuen Gäste sind schon eingeplant: Die Mutterfirma Marriott Luxury verfügt über etwa vier Millionen Kundenadressen, aus denen ein großer Teil rekrutiert werden soll. Auch bei Ritz-Carlton gibt es nach eigenen Angaben etwa 400 000 Gäste, die cruisen und an den neuen Schiffen interessiert sind. Prothero: „Die Nachfrage ist seit dem Verkaufsbeginn im Mai 2018 dreimal größer als erwartet.“ Fast die Hälfte der neuen Gäste, so der CEO, seien First-Cruiser.
Ritz-Carlton leiht den Namen, das Know How, übernimmt die Schulung der Crews und ist im Co-Management verankert. Denn schließlich muss der Image-Level der Luxus-Kette gewahrt bleiben.
Die Taufe des ersten zum Redaktionsschluss noch namenlosen Schiffes soll im Februar 2020 Jahres in Miami gefeiert werden, die Fahrten der ersten beiden Schiffe sind im Mittelmeer, der Karibik, den USA inklusive der Großen Seen und Lateinamerika geplant.
Preislich wollen sich die Manager nicht mit anderen Luxus-Reedereien vergleichen und orientieren sich eher an den Angeboten einer Luxussafari an Land. Die siebentägige Mittelmeerkreuzfahrt wird derzeit mit 5900 Dollar pro Person angeboten, das entspricht einem Tagespreis von etwas über 800 Dollar.