Schiff mit und ohne Heldennamen

Foto: Eric Houri

Die Serenade, ursprünglich Jean Mermoz, war eins der ältesten Passagierschiffe auf den Weltmeeren – 51 Jahre lang.

1971 wurde der Film „Der Kapitän“ auf dem Schiff gedreht, welches erst ein Jahr zuvor den verkürzten Namen Mermoz erhielt und Jahre später in Serenade umbenannt wurde. Weil der Schauspieler Heinz Rühmann im Mittelpunkt stand, erhielt das Schiff vorübergehend den Filmnamen Julia, es sollte ein deutscher Name für das deutsche Publikum und seinen Lieblingsstar sein. Das galt nur für einige Wochen und störte niemand. Das Drehbuch verlangte eine schlichte Handlung: Es zeigte ein Kreuzfahrtschiff auf dem Mittelmeer. Dort verguckte sich eine liebestolle ältere Dame in den feschen Kapitän mit der stattlichen Uniform. Das brachte den guten Rühmann, der damals schon nicht mehr der Jüngste war, völlig durcheinander, zumal er als Film-Kapitäns eines alten Frachtschiffes von seinem Film-Reeder zu diesem Job gedrängt wurde.

Foto: Sammlung JSA

Durcheinandergeraten kann man auch, wenn man die Geschichte der Serenade kennen lernt. Sie war zunächst ein schönes, vorzeigbares und verlässliches Passagierschiff und trug seit 1970 bis 1999 den Namen Mermoz. Erst als sie altersbedingt und in nicht mehr bestem Zustand war, wurde sie zur Serenade. Im Jahr 2008 wurde ihr auf ihrer letzten Fahrt dann auch noch das letzte „de“ im Namen weggenommen. In der Geschichte der Schifffahrtsabgänge spricht man in diesem Fall von einem Überführungsnamen. Die Serenade hieß zuletzt schließlich nur noch Serena.

Das gefiel den Traditionalisten nicht, die Fans des Schiffes waren vor allem Franzosen. Denn Jean Mermoz war so etwas wie ihr Nationalheld, befreundet mit einem anderen Helden, Antoine de Saint-Exupéry. Beide galten ihren Landsleuten als Könige der Luftfahrt.

Jean Mermoz war ein bekannter Post- und Atlantikflieger, ein wagemutiger Pilot, der keine Angst vor den schwierigsten Routen zeigte. 1936 war er mit seinem Postflugzeug auf dem Weg über den Südatlantik, es kam wohl zu einem Motorschaden, er schaffte es nicht mehr an Land. Seither gilt er als verschollen, er wurde nur 35 Jahre alt.

Foto: Eric Houri

Der Rumpf des Schiffs war elegant geschwungen, bis 1969 hellgrau gepönt, so war das Schiff am längsten als Jean Mermoz bekannt. Sie gehörte der Reederei Cie. De Nav. Fraissinet et Cyprien in Marseille. 1957 war sie als Linienpassagierschiff in Dienst gestellt worden und fuhr von Anfang an unter der Flagge der Bahamas.

Der Auftraggeber hatte sich für eine französische Werft entschieden, das Schiff mit der Baunummer D17 wurde bei Chantiers de l’Atlantique in Saint-Nazaire gebaut. Am 17. November 1956 war es vom Stapel gelassen worden. Es war 162,01 Meter lang, 19,75 Meter breit und hatte einen Tiefgang von 6,40 Metern. Die Vermessung lag bei 12.460 BRT. Der Maschinenantrieb erfolgte durch B&W-Atlantique-Dieselmotoren. Ihre Leistung wurde mit 7796 kW (10.600 PS) angegeben, die Höchstgeschwindigkeit lag bei 17 kn (31 km/h). Zwei Festpropeller waren vorhanden. Das Schiff sah schnittig aus, Platz war für 394 Passagiere in drei Klassen sowie Platz für 460 Mann Truppen, die von 160 Crewmitgliedern betreut wurden.

Im Mai 1957 wurde die Jean Mermoz abgeliefert, ihre erste Fahrt war die Strecke von Marseille nach Pointe-Noire, auf dieser Route war sie dann jahrelang hin und her unterwegs. 1965 erfolgte der Verkauf an die französische Nouvelle Cie de Paquebots, sie blieb aber weiter auf derselben Liniendienststrecke. Insgesamt war das Schiff 24 Jahre auf ein und derselben Route als Passagiertransporter unterwegs.

Erst 1970 kam der Wandel, nachdem das Schiff zum Kreuzfahrtschiff umgebaut wurde und nunmehr als Mermoz unter dem Label Paquet Cruises mit jetzt weißem Rumpf zum Einsatz kam. Der Umbau fand in der Werft von T. Mariotti in Genua statt.

Um die Passagierkapazität erhöhen zu können, setzte man weitere Aufbauten auf den Schiffsrumpf. Das erhöhte die Tonnage auf 13.804 BRT, fortan fanden bis zu 757 Passagiere Platz. Der Rumpf wurde um zwei Meter auf 162,01 m verlängert. Der Start in die Kreuzfahrperiode begann im September 1970, es lief gut an auf den Ozeanen, die Passagiere waren zufrieden mit dem neuen Kreuzfahrer.

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Über die Ausstattung der Jean Mermoz ist kaum etwas bekannt. Als Passagierschiff war sie praktisch und nützlich eingerichtet, die Kunden sollten zügig zu ihren Zielorten transportiert werden. Auch als Kreuzfahrtschiff war die Mermoz kein schwimmendes Wellnesshotel mit luxuriösen Angeboten für ihre Passagiere, wie es heute üblich ist. Neben dem Restaurant gab es Bars und diverse Gesellschaftsräume, aber die Ausstattung sollten wir uns nicht opulent vorstellen. Spa und Massage eher nicht, auch kein großes Casino, Kunstgalerie, Kids Club oder gar Theatrium. Dennoch kann das Schiff sehr unterhaltsam gewesen sein, vor allem in seiner Zeit in der Karibik.

Dort gab es am Silvestertag 1975 ein größeres Malheur. Die Mermoz strandete vor Belize, konnte aber nach einiger Zeit wieder freigeschleppt werden. Zwei Wochen später kam es während einer Kreuzfahrt zum Antriebsverlust, die Maschinen schwächelten, das Schiff musste abermals unter schwierigen Umständen flottgemacht werden. Das soll Paquet Cruises veranlasst haben, die Mermoz abzustoßen. Sie wurde an die Prestige Cruises verkauft, ein US-amerikanisches Unternehmen mit Sitz in Las Vegas, das vor allem mit seinen Karibiktouren Kunden anlockte. Elf Jahre lang blieb die Mermoz dort im Dienst.

Foto: Sammlung JSA

Im November 1999 erwarb die zypriotische Louis Cruise Line das Schiff, es wurde in Serenade umbenannt, musste allerdings technisch bedingt im Oktober 2003 in Eleusis aufgelegt werden. Im Frühjahr 2004 konnte das Schiff frisch renoviert wieder zu Kreuzfahrten eingesetzt werden. Im Juli 2006 war die Serenade während der Unruhen im Libanon mit daran beteiligt, australische Touristen aus dem Land zu evakuieren.

Im April 2008 war die Serenade endgültig nicht mehr vorzeigbar, sie wurde ausgemustert. Im Mai zogen Schlepper den in Serena umbenannten Kreuzfahrer zur Abbruchwerft in Indien. Dort traf sie am 14. Juni des Jahres ein.

Roland Mischke, maritimes Lektorat: Jürgen Saupe