Schiffbau-Schaufenster als Blickfang

Foto: Jens Meyer

Eine „Gläserne Manufaktur“ für die Automobilfertigung gibt es bereits im Zentrum der Elbmetropole Dresden als Partnerstadt der Hansestadt Hamburg. Und überdachte Schwimm- und Baudocks sowie eingehauste Neubauten und Reparaturschiffe sind hierzulande nichts Ungewöhnliches. Jetzt aber gewinnt ein bereits vor einem Jahr angekündigtes neues maritimes Highlight der Elbmetropole Hamburg direkt gegenüber den Landungsbrücken in Sichtweite der Elbphilharmonie sichtbar Kontur. Auf dem 287 m langen Schwimmdock 10 der Hamburger Traditionswerft Blohm + Voss ist das Gros der 66 filigranen Stahlstützen und der ersten Querträger für die spektakuläre 50 m hohe Dachkonstruktion verschweißt und verschraubt worden. Durch den Überzug mit einer millimeterdünnen transparenten und dauerhaften Folie entsteht so ein spektakuläres Schaufenster.

„Die textile Hülle ist poetisch und nützlich zugleich. Sie schützt Menschen und Objekte vor den Unbilden des Wetters, ohne die Blickbeziehungen zwischen Innen und Außen zu stören. Dock 10 wird so zu einer wichtigen Ergänzung des wunderschönen Hamburger Stadtbildes“, schwärmt der als Sieger aus einem Architektenwettbewerb hervorgegangene Stuttgarter Architekt Werner Sobek, von dem auch der Entwurf des Faltdaches des Tennisstadions am Rothenbaum in Hamburg stammt.

Hamburgs Stadtentwicklungssenatorin Dorothee Stapelfeldt (SPD) war sich schon bei der Präsentation des Projekts sicher: „Ja, hier liegen Schiffe in der Werft im Dock, hier wird an den Schiffen gearbeitet. Das ist das, was zu Hamburg gehört.“

Die Bremer Lürssen-Gruppe, die die Hamburger Werft 2016 übernommen und an diesem Standort bereits 20 Mio. Euro investiert hat, lässt sich die Modernisierung des Schwimmdocks rd. 13 Millionen Euro kosten. Ursprünglich sollte der Mitte 2020 begonnene Umbau bereits Ende letzten Jahres abgeschlossen sein. Doch noch wird mit Hochdruck an der Komplettierung der Überdachung gearbeitet, deren wasserseitig zu den Landungsbrücken ausgerichtete Fassade transparent ausgeführt wird, während die übrigen Seiten bzw. Einfahrten geschlossen werden. Erste Metallpaneele sind bereits an der werftseitigen Rückwand montiert.

Die – lt. Modelltest – orkanresistente Überdachung bietet nach Werftangaben zahlreiche Vorteile. Dazu gehören nicht nur bessere Arbeitsbedingungen für die Mitarbeiter, sondern auch eine durch den Wetterschutz mögliche Qualitätsverbesserung der Arbeiten. Gleichzeitig können damit in erheblichem Maße Geräusche, Schall- und Abgas-Emissionen reduziert und damit die Umwelt geschont werden. Falls Auftraggeber – wie beim Bau oder der Reparatur und Wartung von luxuriösen Megayachten und sensiblen Marineschiffen nicht unüblich – besondere Diskretion wünschen, kann dies durch eine zusätzliche interne Einhausung temporär sichergestellt werden.

Nach Fertigstellung der mobilen Schiffbauhalle soll sie zu einem noch nicht genannten Zeitpunkt in diesem Jahr mitsamt einem darin befindlichen Rohbau einer Superyacht zu dessen Fertigstellung zum Lürssen-Standort in Berne an derWeser verschleppt werden.

Fest steht dagegen, dass das grösste überdachte Schwimmdock Europas mit seinem überdimensionalen Schaufester in zwei Jahren an die Elbe zurückkehrt und hier nicht nur die Attraktivität für die Kunden der Werft, zu denen besonders auch Reeder von Kreuzfahrtschiffen gehören, sondern auch für die „Sehleute“ an Land erhöhen wird. JPM