Schwan des Schwarzen Meeres

Foto: Sammlung JSA

Das Passagierschiff Basarabia war lange der Stolz der rumänischen Schifffahrt. Im Zweiten Weltkrieg kam es zwischen die Fronten, wovon es sich danach nicht mehr erholen konnte.

Es war einmal ein Fürstengeschlecht namens Basarab, das im Süden des heutigen Rumäniens im 13. und 14. Jahrhundert herrschte. Deshalb hieß die Region Basarabia, was nichts mit Arabien zu tun hat. Die Fürsten erweiterten ihr Territorium im Laufe der Jahrhunderte sukzessive, und als sich im Krieg von 1812 Russland in Bessarabien – wie es auf Deutsch genannt wird – festsetzte, wurde das Gebiet auf einem noch größeren Raum Basarabia genannt. Die Einwohner dort wehrten sich aber gegen die russische Okkupation und vertrieben die Russen allmählich. Die Bessaraber hatten den Auerochsen in ihrem Wappen, der einen fünfzackigen Stern anstelle der Hörner hatte. 1918 vereinten sie sich mit ihren uralten Nachbarn, den Rumänen, „für ewige Zeiten“, hieß es.

So ist es nicht verwunderlich, dass die stolzen Menschen Bessarabiens 20 Jahre später darauf pochten, dass das große Schiff, das im Schwarzen Meer und im Mittelmeer unter rumänischer Flagge verkehren sollte, den Namen Basarabia erhielt.

Foto: Sammlung JSA

Die Basarabia kam – wie ihr Schwesterschiff Transilvania – 1938 zu Wasser, es waren die ersten großen rumänischen Passagierschiffe. Die Motorschiffe bedienten die Schifffahrtslinien der rumänischen Staatsreederei SMR mit Passagierbeförderungen, aber auch mit Ladungstransporten. Der Heimathafen beider Schiffe war Constanta, die Indienststellung der Basarabia erfolgte im September des Jahres. Die bäuerlichen Menschen versammelten sich am Ufer des Schwarzen Meeres und bestaunten das technische Wunderwerk.

Überliefert ist, dass das Schiff einen niedrig angelegten Schornstein und lange horizontale Gehwege hatte. Das Raucherzimmer war mit Möbeln aus Mahagoniholz ausgestattet, Sofas und Sessel waren aus Leder und die amerikanische Bar bestand aus poliertem Walnussholz. Die Wände der Salons trugen Arbeiten des Künstlers M. Stefanescu, der Burgen und andere Gebäude Bessarabiens gemalt hatte. Es gab auch eine Tanzfläche.

Der Speisesaal der Klasse Eins war groß und bestückt mit Möbeln aus polierter Birke, die Beleuchtung war indirekt. Die Klassen Zwei und Drei waren nur weniger luxuriös.

Das Schiff war als eines von zwei Schwesterschiffen bei der dänischen Werft Burmeister & Wain in Kopenhagen von der staatlichen rumänischen Reederei Serviciul Maritim Român (SMR) in Auftrag gegeben worden. Als Auflage war erwünscht, dass es eine hohe Geschwindigkeit erlangen und einen ausgezeichneten Komfort besitzen sollte. Sein Aussehen war yachtähnlich und es hatte einen glänzend weißen Anstrich erhalten. Es sollte ein stolzes Schiff sein, es machte auch auf den Kreuzfahrtlinien, der Route Istanbul, Piräus, Beirut, Haifa und Alexandria, einen guten Eindruck.

Das damalige konservative Königreich Rumänien wollte mit diesem Kreuzer seine Freude an der Moderne demonstrieren. Das gleichzeitig in Kopenhagen erstellte Schwesterschiff Transilvania war als erstes Schiff am 11. Februar 1938 unter der Bau-Nr. 633 vom Stapel gelaufen und am 11. Juni des gleichen Jahres in Dienst gestellt worden. Beide Schiffe sollten laut Werbung die „Schwäne des Schwarzen Meeres“ sein. In der Zeit vor dem Zweiten Weltkrieg galt sie auch noch als schnellstes Schiff im Mittelmeer.

Die Basarabia war am 19. Mai 1938 vom Stapel gelaufen, unter der Baunummer 634. Das Schiff war 123,44 Meter lang, 17,64 Meter breit und hatte einen Tiefgang von 8,20 Metern. Vermessen wurde es mit 6672 BRT (3918 NRT), die Tragfähigkeit lag bei 1620 tdw. Installiert worden waren 2 x Zwölfzylinder-Zweitakt-Dieselmotoren von Burmeister & Wain, die auf zwei Propellern arbeiteten. Die Maschinenleistung betrug 14.400 PS, die Höchstgeschwindigkeit 22 kn (41 km/h). Die Besatzung bestand aus 156 Personen, zugelassen waren an Bord 412 Passagiere. Das Schiff war auf beiden Meeren anerkannt als vorzüglicher Kreuzer.

Nach Beginn des Zweiten Weltkriegs sympathisierte Rumänien anfangs mit Hitlerdeutschland. Das hatte unmittelbare Folgen für die Basarabia. Der Passagier- und Seefrachtverkehr auf den europäischen Schifffahrtslinien war vom Krieg überschattet, teilweise wurde er sogar aufgehoben. Die rumänische Marine sollte im Rahmen der Sicherheitsmaßnahmen Schiffe der europäischen Handelsmarine als Konvoischiffe im westlichen Schwarzmeerbecken begleiten. Sie nahm jedoch nicht daran teil.

Foto: Jürgen Saupe

Im November 1940 überließ Rumäniens Staatschef Marschall Antonescu das Schiff der deutschen Luftwaffe als Stabsschiff zur Verfügung. Im Juni 1941 trat das Land nach vielen Wirren den Achsenmächten bei, die Basarabia wurde nicht wie viele andere Schiffe als Hilfskriegsschiff oder für Nachschubtransporte herangezogen. Zwar versuchten Briten und Deutsche Zugriff auf die auf See befindlichen beiden rumänischen Schiffe zu bekommen, aber erst 1943 gelang es der britischen Regierung, die Basarabia und die Transilvania für den Transport jüdischer Flüchtlinge nach Palästina zu gewinnen. Die Briten garantierten eine vollständige Sicherheit für die beiden Schiffe und die zumeist bulgarischen Juden als Passagiere. Die Deutschen versuchten das zu verhindern, konnten sich aber bei den rumänischen Behörden nicht durchsetzen.

Am 23. August 1944 kam es in Rumänien zum Staatsstreich, das Land wechselte auf die Seiten der Alliierten – und damit auch die Schiffe. Wenige Tage zuvor hatte die türkische Regierung in Istanbul die Basarabia beschlagnahmt und übergab das Schiff als Kriegsbeute an die Sowjetunion. Sein neuer Heimathafen war nun Odessa, von dort brachte es im September und Oktober 1945 rumänische Kriegsgefangene aus der Sowjetunion über Constanta in die Heimat. Zugleich wurden im selben Jahr weitere jüdische Auswanderer mit dem Schiff nach Palästina gebracht. Es wurde so ausgestattet, dass es Platz für Auswanderer hatte, für die an Bord Klappbetten zur Verfügung standen.

Foto: Jürgen Saupe

Ab 1948 gehörte das Schiff offiziell der Ukraine, die zur Sowjetunion gehörte. Bereedert wurde es von der Reederei Black Sea Shipping Company. Die Basarabia hieß nun Ukraina, damit waren umfangreiche Umbauten verbunden. Zunächst ordnete die Reederei Kreuzfahrten im Schwarzen Meer an, doch in der Nachkriegszeit war Urlaub auf dem Wasser nicht sonderlich begehrt. Die Menschen hatten mit ihren Sorgen zu tun. Deshalb wurde das Schiff auch auf den Routen Griechenland, Syrien und Ägypten sowie auch im westlichen Mittelmeer eingesetzt. In den 1980er Jahren wurde die Basarabia auch auf die Langstrecke von Odessa nach Havanna auf Kuba eingesetzt.

Nach den vielen Wechseln und den zu wenigen Überarbeitungen des strapazierten Schiffes musterte man es im Februar 1987 aus. Die letzte Reise zur Abwrackwerft im pakistanischen Gadani absolvierte die einstige Basarabia unter dem Namen Ina. Im März des Jahres begann dort die Verschrottung.

Roland Mischke, maritimes Lektorat: Jens Meyer