Sorgen um MV Werften

Foto: Frank Behling

Die Situation bei den MV Werften spitzt sich weiter zu. Für die zum Genting-Konzern gehörende Werftengruppe wird jetzt an einer neuen Zukunftsperspektive gearbeitet. Größtes Problem ist dabei, dass es für die beiden Neubauten der „Global“-Klasse derzeit bei Genting keinen Abnahmetermin mehr gibt.

Das Typschiff Global Dream liegt seit November in Wismar im überdachten Baudock. Die Arbeiten zur Fertigstellung des 342 Meter langen Neubaus kamen mit Ausbruch der Corona-Pandemie fast zum Erliegen. Der geplante Fertigstellungstermin 2021 soll intern bereits gestrichen worden sein.

Um die Werft mit ihren 2600 Mitarbeitern wirtschaftlich zu stabilisieren, wurde laut Pressemitteilung am 12. August die Notwendigkeit eines umfangreichen Restrukturierungsprogrammes angekündigt.

Ziel dieses Restrukturierungsprogramms ist es, die Werftengruppe mit den Standorten Wismar, Warnemünde und Stralsund bis zum Herbst wirtschaftlich zu stabilisieren.

Dabei steht nicht mehr die Fertigstellung der zwei Schiffe der „Global“-Klasse für 2021 und 2022 im Fokus. Vielmehr soll die Werftengruppe in die Lage versetzt werden, die Schiffe der eigentlich für 2022 und 2023 geplanten „Universal“-Klasse zu bauen.

„Eckpunkte und Einzelheiten werden zeitnah in Zusammenarbeit mit den Arbeitnehmervertretern und unter Beteiligung von Experten erarbeitet und sollen anschließend zügig umgesetzt werden“, heißt es in der Mitteilung.

Im Juli hatten das Land Mecklenburg-Vorpommern, ein Bankenkonsortium und der Gesellschafter der Freigabe von 175 Millionen Euro aus der Liquiditätsreserve von Genting Hongkong zugestimmt, um die MV Werften finanziell zu unterstützen. Diese Finanzspritze wurde genutzt, um Rechnungen von Partnern und Lieferanten zu begleichen. Am Bau der Global-Klasse sind 600 Firmen und Partner beteiligt.

Fraglich ist inzwischen, ob das am 9. Dezember 2019 in Warnemünde auf Kiel gelegte zweite Schiff der „Global“-Klasse überhaupt weitergebaut wird. Die Bautätigkeit an diesem Rumpf wurde inzwischen heruntergefahren. Erste Gerüchte kursieren in Warnemünde, die eine Verschiebung des kompletten Global-Projekts um mindestens zwei Jahre erwarten. In dieser Zeit soll auch eine Perspektive für die Nutzung der beiden großen Schiffe unter den Covid-19-Bedingungen erarbeitet werden.

Besser stehen die Perspektiven für die „Universal“-Klasse. Diese Schiffe haben eine Größe von 88000 BRZ und sind für 2000 Passagiere ausgelegt. Das erste Schiff sollte ursprünglich Ende 2022 in Fahrt kommen. 2023 gilt jetzt als wahrscheinlich.

Bei der Global Dream sollten in 2500 Kabinen bis zu 9500 Passagiere auf 20 Decks befördert werden. Dieses Konzept gilt unter Pandemie-Bedingungen als nicht mehr realisierbar. Deshalb gibt es auch noch keine aktualisierte Ablieferungsplanung für die Global Dream. FB