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AmaWaterways jetzt auch in Ägypten

Michael Wolf sprach mit Kristin Karst, EVP und Co-Owner von AmaWaterways, über die neuen Pläne.

Kristin Karst, EVP, Mitbegründerin und Miteignerin von AmaWaterways an Bord der „AmaSiena“.
Foto: enapress.com

Es gibt drei neue Schiffe in der Familie, wie sind ihre Charakteristika?

AmaSiena, Foto: enapress.coom

AmaSiena und AmaLucia sind Schwesterschiffe. Sie sind sich auch farblich sehr ähnlich, es finden sich viele warme Rottöne. Neu ist bei beiden das Al Fresco, ein Bereich vor der Lounge am Bug des Schiffes mit bestem Blick, in dem auch gegessen werden kann. Bei schönem Wetter lassen sich die Türen öffnen. Dieser Außen­bereich, den es zuvor gegeben hatte, wurde von den Passagieren­ kaum genutzt.

Die AmaDahlia ist etwas ganz anderes. Ein mit nur 36 Kabinen für max. 72 Gästen ausgestattetes kleines, aber sehr feines Schiff, das auf dem Nil fahren wird. Vom Konzept her ist es aber genauso aufgebaut, wie die anderen Schiffe. Es gibt also ein Hauptrestaurant und das Spezialitäten-­Restaurant, The Chef‘s Table Restaurant. Für die Gäste stehen vornehmlich Suiten bereit, teils ausgestattet­ mit Außenbalkon oder mit Französischem Balkon.

Wie ist die aktuelle Buchungslage?

Vor ein paar Wochen war es phänomenal, wir lagen mehr als 50 Prozent über dem Stand von 2019. Jetzt mit der Delta Variante und der Erkenntnis, dass der Coronavirus uns noch länger beschäftigen wird, gibt es einige Änderungen – auch für 2022. Unsere Weihnachtskreuzfahrten waren bereits alle ausverkauft, jetzt gibt es wieder einige freie Kabinen. Auf jeden Fall gehen wir davon aus, dass 2022 ein viel besseres Jahr wird als 2021.

Wie sieht es für den DACH-Markt aus? Zwei Schiffe fahren für e-hoi und Phoenix Reisen. Soll dieses Modell mit deutschsprachigem Publikum eine Konstante werden?

Wir schätzen unsere beiden Partner sehr. Beide wünschen sich eine weitergehende Partnerschaft. Bei e-hoi ist interessant, dass sie nicht nur ihr gechartertes Schiff verkaufen sondern auch noch unsere anderen Schiffe, zum Beispiel in Frankreich, und zwar zu den dort üblichen höheren Preisen.

Im australischen Markt müssen wir sehen, wie sich die Lage entwickelt. Da hatten wir vier Schiffe. Ein Schiff haben wir für den amerikanischen Markt zurückgenommen. Wo die anderen drei Schiffe hingehen, wissen wir noch nicht. Ich würde es als gebürtige Deutsche natürlich begrüßen, wenn wir deutschsprachiges Publikum an Bord hätten.

Wird es weitere Neubauten geben?

Vorerst in dieser bewegten Zeit nicht. Wir warten ab.

Wie läuft der Verkauf der langen Kreuzfahrt, die auf sieben Flüsse führt und mit mehreren Schiffen durchgeführt wird?

Das ist ein neuer Trend. Viele Nordamerikaner, die nach Europa kommen, möchten etwas länger bleiben. Wir haben also mehrere Flüsse und Schiffe kombiniert. Die erste Fahrt, die im Sommer 2023 stattfinden wird, war sofort ausverkauft. Für die anschließend aufgelegte Fahrt im April gibt es nur noch drei freie Kabinen. Also haben wir mit einer dritten Reise im Herbst reagiert, bei denen drei bzw. vier Schiffe von AmaWaterways zum Einsatz kommen. Für diese Reisen müssen die Gäste keine Gebühren für den Wäscheservice bezahlen, eine Annehmlichkeit, die ihnen erlaubt, ihr Gepäck zu reduzieren. Alle Transfers sind auch im Reisepreis inbegriffen.

Ist auch schon mal überlegt worden, Kombireisen mit Hochsee-Kreuzfahrtreedereien anzubieten, bei denen die Passagiere von einer Fluss-Destination am Meer abgeholt und zu einem anderen Fluss gebracht werden?

Wir hatten oft Nachfragen dieser Art von namhaften Ocean Cruise Lines. Die beinhalteten aber immer Cross-Marketing, und wir wollen eigentlich unseren Reisebüros treu bleiben. Also hat sich das bisher noch nicht ergeben.

Was steckt hinter der „Love Story“ von AmaBella und AmaVerde, zu der ein witziges emotionelles Video produziert wurde?

Das sind Schwesterschiffe, die 2010 und 2011 gebaut wurden. Wir haben die Pause genutzt, um sie komplett zu renovieren und auch das neue Gastronomiekonzept, das auf Buffets verzichtet, dafür aber Action Cooking Stations integriert.

Die beiden Schiffe fahren auf dem Fluss zusammen, trennen sich wieder und kommen dann wieder in einem Hafen zusammen, eine ungewöhnliche „Love Story“, liebevoll in Szene gesetzt von unserem Art Director Leo Starico.

Video zur „Love“-Story von AmaVerde und AmaBella. Videoquelle: Youtube/AmaWaterways

Es wird eine komplett neue Destination bei AmaWaterways geben, den Rio Magdalena in Kolumbien. Wie kam es dazu?

Rudi Schreiner hat als 23-Jähriger sieben Monate am und auf dem Amazonas gelebt und dort sein erstes Floss gebaut. Deshalb kam die Idee auf, es vielleicht dort einmal mit Flussreisen zu versuchen. Wir sind dann vor ein paar Jahren hingefahren und haben uns die wichtigsten Punkte­ angeschaut, fanden es aber letztendlich doch nicht so spannend. Bei der Suche nach weiteren Flüssen stießen wir auf den Rio Magdalena. Kolumbien ist im Aufschwung. Wir wollten eigentlich schon 2019 dort hin, aber wegen der Corona-Pandemie und der Impfsituation klappte es dann doch nicht. Also sind wir schließlich in diesem Jahr nach Kolumbien und Ecuador gereist und haben uns mit verschiedenen Mitarbeitern des Reiseveranstalters Metropolitan Touring und Core Magdalena getroffen, einer Organisation, die sich um alles kümmert, was diesen Fluss betrifft. Das geht von kulturellen Dingen bis zum Umweltschutz oder Wasserstand. Wir haben ein kleines Ausflugsboot gemietet und sind fast 500 Kilometer auf dem Rio Magdalena gefahren. Übernachtet haben wir in kleinen Pensionen, aber auch in außergewöhnlichen Hotels, haben dabei die entsprechenden Gegenden und die Ausflugsmöglichkeiten erkundet. Dabei entdeckten wir traumhafte Landschaften, aber auch tolle Städte wie Mompós, die kein Mensch kennt und die einmal reicher und bedeutender war als Cartagena. Wir haben nicht nur einen wunderschönen neuen Fluss gefunden mit so viel Geschichte und Kultur sondern auch verlässliche Partner vor Ort. Das Schiff wird am Fluss gebaut und soll etwa dieselbe Größe haben wie die AmaDahlia.

Wie lange dauert es von der Idee bis zur Indienststellung?

Die Idee hatten wir schon lange, endgültig wussten wir aber Ende Mai, als wir in Kolumbien und Ecuador waren, dass wir dieses Projekt realisieren werden. Also sind das schon über dreieinhalb Jahre, die bis zur Fertigstellung vergehen. Beginnen wollen wir mit der ersten Kreuzfahrt auf dem Rio Magdalena Ende 2023, vielleicht aber auch erst Anfang 2024. Es muss noch sehr viel vor Ort gemacht werden.


Jungfernfahrt der AmaDahlia

Pressemitteilung

Luxus-Flusskreuzfahrtgesellschaft begrüßt die ersten Gäste an Bord ihres atemberaubenden neuen Schiffes zu einer Fahrt voller ägyptischer Kultur, regionaler Küche und exklusiver Erlebnisse

Die preisgekrönte Luxus-Flusskreuzfahrtgesellschaft AmaWaterways feierte am 6. September den Start ihres neuesten Schiffes – der AmaDahlia – auf dem Nil mit der Route „Secrets of Egypt & The Nile“. Während der Feierlichkeiten überraschten die Mitbegründer Rudi Schreiner und Kristin Karst die ersten Gäste des Schiffes mit einer Cocktailstunde im Fünf-Sterne-Hotel Four Seasons Cairo At The First Residence, wo alle Gäste ihre viertägigen Landprogramme vor der Kreuzfahrt genießen konnten. Die Gäste gingen dann in Luxor an Bord des Schiffes, wo sie von lokalen Musikern und einer ägyptischen Derwischvorstellung begrüßt wurden, bevor sie die atemberaubende AmaDahlia erkundeten und sich auf eine unvergessliche 7-Nächte-Flusskreuzfahrt begaben.

Foto: AmaWaterways

„Ich bin hocherfreut, dass unsere wunderbare neue AmaDahlia auf dem Nil unterwegs ist“, sagte Kristin Karst, Executive Vice President und Mitbegründerin von AmaWaterways. „Es war wirklich eine große Freude, mit unseren Gästen zusammen zu sein, als wir gemeinsam die wunderschöne Umgebung an Bord entdeckten, die die lokale Kultur und die unverwechselbare Kunst der Region widerspiegelt. Ägypten hat einen ganz besonderen Platz in meinem Herzen und ich freue mich darauf, dass noch viele weitere Gäste die Schönheit von AmaDahlia und die unvergleichlichen Erlebnisse, die diese Route bietet, erleben werden.“

Neben der Anwesenheit der Mitbegründer des Flusskreuzfahrtunternehmens während der Jungfernfahrt des Schiffes hatten die Gäste auch die Gelegenheit, sich mit dem ägyptischen Partner von AmaWaterways, Ahmed Atef El Wassief, dem Präsidenten von Wings for Tourism Investment, auszutauschen – einem Reisedienstleistungsunternehmen, das für sein Engagement für Gastfreundschaft und Professionalität und seine enge Zusammenarbeit mit internationalen Partnern bekannt ist.

„Wir sind unseren ägyptischen Partnern sehr dankbar, dass sie uns geholfen haben, die AmaDahlia pünktlich zu ihrer ersten Saison im September zu starten“, sagte Rudi Schreiner, Präsident und Mitbegründer von AmaWaterways. „Ihre Erfahrung vor Ort war während der gesamten Planungs- und Bauphase von entscheidender Bedeutung und wir freuen uns darauf, weiterhin zusammenzuarbeiten, um die ikonischen Wunder Ägyptens mit unseren Gästen zu teilen.“

Foto: AmaWaterways

Die luxuriöse AmaDahlia mit ihren 36 Kabinen, darunter 16 prächtige Suiten mit einer Größe zwischen 370 und 430 Quadratfuß, bietet ihren Gästen eine intime Atmosphäre mit viel Platz zum Entspannen und Erholen nach einem Tag voller beeindruckender Entdeckungen. Das Design der AmaDahlia spiegelt die Kultur der Region wider und empfängt die Gäste mit leuchtenden Farben und Mustern sowie mit einladenden öffentlichen Bereichen, von denen aus man einen atemberaubenden Blick auf den Nil genießen kann. Das Schiff bietet eine Fülle von Annehmlichkeiten, darunter einen Swimmingpool und eine Bar auf dem Sonnendeck sowie köstliche lokale Küche im Hauptrestaurant und im The Chef’s Al Fresco Restaurant, das auf einem offenen Deck mit spektakulärer Aussicht liegt. Während der Kreuzfahrt werden die Gäste von der freundlichen ägyptischen Crew verwöhnt, während sie die Wunder der alten ägyptischen Geschichte und die atemberaubenden Landschaften entlang des Nils entdecken.

Foto: AmaWaterways

AmaDahlias 11-Nächte-Reise „Secrets of Egypt & The Nile“ lädt die Gäste ein, die antike Zivilisation mit authentischen, von Ägyptologen geführten Landausflügen in kleinen Gruppen zu erkunden. Die Flusskreuzfahrten finden saisonal von September bis Juni jeden Jahres statt und führen von Luxor nach Assuan und zurück, mit innerägyptischen Flügen zwischen Kairo und Luxor. Die Tage werden damit verbracht, bemerkenswerte Wahrzeichen wie den Tempel von Luxor und das Tal der Könige und Königinnen zu entdecken und Wunder wie die Große Sphinx und die Pyramiden von Gizeh zu bestaunen. Nach der Rückkehr an Bord werden die Gäste mit lokaler Unterhaltung und informativen Vorträgen von fachkundigen Ägyptologen verwöhnt, die Insiderwissen über die vielen Rätsel und Geheimnisse vermitteln, die Ägypten geprägt haben.

Video: Youtube/AmaWaterways

Das 11-Nächte-Kreuzfahrt- und Landprogramm beinhaltet drei Nächte in Kairo vor der Kreuzfahrt und eine Nacht in Kairo nach der Kreuzfahrt, wo die Gäste im Four Seasons Hotel übernachten und eine exklusive Privatführung und ein spezielles Abschiedsessen im Präsidentenpalast Abdeen genießen. Als Ergänzung zu diesem beeindruckenden Kreuzfahrt- und Landabenteuer wird Secrets of Egypt & the Nile mit optionalen Verlängerungen angeboten, darunter drei Nächte in Dubai vor dem Programm oder vier Nächte in Jordanien (Amman und Petra) und vier Nächte in Israel (Jerusalem) nach dem Programm. 

Text: PM AmaWaterways

Renaissance der Pharaonen

Der Nil ist die Lebensader Ägyptens. Und er erzählt die ganze Geschichte des Landes, von den Pharaonen bis in die Moderne. Roland Mischke war auf dem Fluss unterwegs.

Massige Wasserbüffel wälzen sich lustvoll im Schwemmlandboden des Flusses. Kamele ziehen gravitätisch an den Küstenstreifen entlang, sie tragen Lasten, ihre Führer sind in blauen oder schwarzen Stoffen gegen die intensive Ultraviolett-Strahlung gewappnet. Grüne fruchtbare Inseln liegen im Fluss, in die Sanddünen sind nubische Dörfer gebettet.
Zwar sind Wüstengebiete nahezu vegetationslos, aber am Rand des Nils recken sich vereinzelt Akazien und Tamarisken in bis zu meterhohen Baumsträuchern mit langen Wurzeln, die tief ins Grundwasser reichen. Der auffälligste Baum ist die Dattelpalme, die Teile des Flusses säumt und die Oasen beschattet. Sie hat nicht nur Früchte, ihr Holz ist auch begehrt als Stütze und Balken in den Häusern. Stellenweise ist am Nilufer auch die bis zu drei Meter hohe Papyrusstaude zu sehen. Ihre Blätter dienten einst als Schreibmaterial, auch Bibel und Koran wurden darauf verfasst. Und die Botschaften der als gottgleich geltenden Pharaonen. Ägypten ist ein Wunderland, gebaut auf altehrwürdiger Geschichte.

Blicke in eine alte Welt

Die Kreuzfahrt auf dem Nil ist ein Urerlebnis. Vom Schiff aus wird das Land der Pharaonen betrachtet. Die Landschaft hat sich seit Jahrtausenden nicht verändert. Es gibt die klassische Kreuzfahrt von Luxor nach Kairo und umgekehrt, an acht Tagen und in allen Kategorien. Im Angebot sind aber auch kürzere Strecken von Assuan aus und im Gebiet des Nassersees. Die können vom Sonnendeck aus die historischen Landschaften erleben und sich staunen über die Wunderwelt Ägypten. Denn alle Routen führen zu den grandiosen Tempeln, Grabstätten und in die altehrwürdigen Städte am „großen Fluss“, wie die Ägypter sagen. Vom Schiff sind auch die Steinbrüche, Obelisken und die unter der Wasserfläche liegenden Tempelanlagen rund um Assuan und im Nassersee gut zu besichtigen und zu fotografieren.

Omar Sharif vor den Pyramiden von Gizeh

„Der Nil ist der Reichtum dieses Landes. Ohne ihn hätte es keine solche Geschichte gegeben, keine Pharaonen, keine Pyramiden. Wer den Nil nicht gesehen hat, hat die Welt nicht gesehen.“

Omar Sharif

Etwa die Route nach Kom Ombo, wenn sich beim Blick vom Schiff aus am Horizont der gewaltige Tempel aus dem Nil erhebt. Ein unvergessliches Erlebnis. Vom Doppeltempel von am östlichen Ufer blieben nur Ruinen. Sie breiten sich als markantes Uferpanorama vor den Besuchern aus. Die altägyptische Anlage Kom Ombo entstand von 304 bis 31. V.Chr., zu Ehren zweier Gottheiten. Naturgewalten wie Hochwasser und Erosion am Mauerwerk haben die Tempel beschädigt, aber gerade das wirkt authentisch. Jahrhundertelang war die Kultstätte unter Sand verschüttet, noch als wüst ineinander verkeilte Blöcke mit farbigen Aufschriften kündet das Denkmal vom Krokodilgott Sobek und dem falkenköpfigen Kampfgott Haroeris. Manchmal ist von Bord auch ein Nilometer zu sehen, im Hafenbereich oder vor einer Stadt. Das ist der uralte Höhenmesser für den Pegel des Flusses, der in verschiedenen Bauarten entstand. Nilometer sind altägyptische, aufragende Steinsäulen, oft mit Koranschriften verziert. In den Überflutungsperioden war der Wasserstandsmesser überlebenswichtig.

Am Abend fährt das Schiff auf dem Weg zu seiner Anlegestelle in das wechselnde Farbenspiel der untergehenden Sonne hinein. Es werden auch Felukenfahrten angeboten, das sind zweimastige einfache Küstenfahrzeuge mit Setteesegel, die seit Jahrtausenden auf dem Nil unterwegs sind. Früher haben Piraten sie genutzt, manche waren Kriegsschiffe. Heute sind sie eine Attraktion des Ägyptentourismus. Die Wasseroberfläche, durch die sich die Feluken sanft ächzend schieben, verändert ständig ihr Glitzerbild. Die Manöver des El-Rais (Bootsmann) bringen das Boot gemächlich voran, der Kreuzfahrtpassagier wird auf dem Nil transportiert wie in alten Zeiten.

Der Nil ist mit 6671 Kilometer Länge einer der längsten Ströme der Erde. Seine Quellflüsse entspringen im tiefsten Schwarzafrika, in Ruanda und Burundi. Der wichtigste Ursprung ist der 2700 Meter hohe Berg Luvironza in Burundi, von dort strömt das Wasser über die Hänge und formiert sich zum Fluss, der durch Uganda und den Sudan strömt. In Ägypten wird der Fluss zum Nildelta, bevor er hinter Kairo ins Mittelmeer mündet. Er ist die Lebensader Afrikas. Nur hier konnte die komplexe altägyptische Kultur mit ihrem feierlichen Pharaonenkult entstehen.Die Bedeutung des Flusses ist weniger seine Breite und Wassergewalt, es sind die Überschwemmungen bei Hochwasser. In der Regenzeit steigen die Quellflüsse automatisch an. In Ägypten überschwemmt das Hochwasser die Ufer, bei seinem Rückgang bleibt fruchtbarer Schlamm zurück. So können in der Wüste Nahrungspflanzen angebaut werden.

Wo Nofretete lebte

Es ist faszinierend, wie in einer solch unwirtlichen Region über Jahrtausende gelebt, geliebt, gearbeitet und gekämpft wurde. Aus den Symbolgestalten alter Zeiten treten nicht nur die Pharaonen als Könige hervor, sondern auch die Sklaven, die imposante Tempel in den Wüstensand platzierten. Das waren ingenieurstechnische Leistungen von hohem Grad, die namenlosen Handwerker waren Experten. Woher wussten sie, wie sie damit anfangen sollten? Wie haben sie die Anlagen stabil gemacht? Und wer waren die Künstler, die in jeden der Tempel mit Meißel und Naturfarben Inschriften prägten?Und natürlich gibt es noch die Frau mit dem klangvollen Namen, Nofretete. Übersetzt heißt das: „Die Schöne, die da kommt.“ 1912 wurde ihre lebensgroße Gesichtsbüste in Hitze, Staub und Trockenheit in Amarna von dem deutschen Archäologen Ludwig Borchardt aus dem Sand gegraben. Nofretete lebte vor mehr als 3000 Jahren, aber viele Wissenschaftler sind immer noch auf ihren Spuren. Inschriften und Malereien in Amarna zeigen die rätselhafte Königin neben ihrem Gatten Echnaton. Als junges Mädchen wurde die Königstochter aus dem Gebiet des heutigen Syriens gebracht. Wer so schön war, gehörte an die Seite eines Pharaos. Seit vor einigen Jahren per Radar eine Grabkammer ausgemacht wurde, glauben die Forscher, darin Nofretetes Mumie, hingebungsvoll balsamiert, zu finden. Dann gäbe es ein Pendant zu der unfassbar symmetrischen Büste der Schönen aus Kalkstein und Gips und mit dem turmartigen Hut auf dem Kopf im Ägyptischen Museum in Berlin.

Eine neue Pyramide

Ägypten, das sind Götter und ihre Gesandten, die Pharaonen. Aus dieser Gesinnung entwickelten sich die bedeutendsten Altertums- und Kulturdenkmäler. Luxor ist ein Ausgangsort. Zur Stadt im Süden des Landes, in Oberägypten, gehört das alte Theben. Es war die Hauptstadt der pharaonischen Epochen während ihrer Blütezeit vom 16. bis 11. Jahrhundert v.Chr. Zwei Bauwerke bezeugen das: Der Luxor-Tempel, zu Ehren des Gottes Amun errichtet, steht mitten in der Stadt. Zwei Kilometer nördlich liegt der Karnak-Tempel, die größte Tempelanlage der Welt. Am Westufer des Nils sind die Gräber im Tal der Könige zu bestaunen. Die Liste ist lang, jedes Grab ist unverwechselbar mit einem Namen und historischen Ereignissen verbunden.

Man kommt aus dem Staunen nicht mehr heraus. Wer auf der modernen Promenade von Luxor flaniert, spürt noch etwas von der Atmosphäre vor drei Jahrtausenden. Auch wenn Paläste und Sphinxfiguren, die die Allee zum Tempel eskortierten, vergänglich waren. Sie hatten die Körper von Löwen und die Köpfe von Widdern. Ägypten hatte eine Kultur, als die meisten Völker der Erde noch in primitiven Verhältnissen lebten.

Unter den Pharaonen waren herausragende Herrscher, die das Land geprägt haben. Jeder Ägypter weiß, wer Tutanchamun ist oder Ramses II. Aber auch die altägyptische Königin Hatschepsut, die nach dem Tod ihres Mannes 1479 bis 1458 v.Chr. das Reich regierte. Ihr Grab galt als verschollen, es wurde 2007 entdeckt. Eine Frau zwischen den emporragenden Memnon-Kolossen. Viele der im Tal der Könige dargestellten Machthaber, sind kaum noch kenntlich. Diese Toten werden im Land aber immer noch verehrt.

Die Kreuzfahrtreise auf dem Nil hat etwas von einer Überwältigung. Auf der Strecke zum Assuan-Staudamm zeigt sich das moderne Ägypten. Es war mit menschlicher Tatkraft am Werk, schon 1952 begann der Bau, um die biblischen Plagen Flut und Dürre zu bändigen. Präsident Gamal Abdel Nasser fand Kreditgeber in aller Welt, so konnten 24 Jahrhunderte alte Denkmale unter Aufsicht der Unesco abgetragen und an anderer Stelle wiederaufgebaut werden, nur einige versanken im See.

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