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Angebot für die „Astoria“ aus Schottland

Das in Rotterdam seit fast zwei Jahren unter Arrest liegende Kreuzfahrtschiff Astoria könnte 2023 zur Starthilfe einer neuen Abwrackwerft in Schottland werden. Die Firma Atlas Decommissioning hat angekündigt, Gespräche über den Erwerb des 1948 gebauten Passagierschiffs zu führen.

Bei einer Präsentation der Pläne zum Aufbau einer Abwrackwerft in Greenock wurde das Passagierschiff als Projekt für das kommende Jahr genannt, wie die Zeitung Greenock Telegraph berichtet. Atlas hatte in Greenock 2021 das große Trockendock der Werft Inchgreen gepachtet.


Astoria, Foto: Frank Behling

Die Pläne sahen zunächst die Verschrottung der Containerschiffe Maersk Idaho, Nysted Maersk und Lucie Schulte vor. Diese Schiffe seien aber wegen der großen Nachfrage im Containermarkt nicht mehr zur Verschrottung ausgeschrieben worden, hieß es bei der Veranstaltung.

Bei der Astoria läge die Sache anders. Das Schiff stehe zum Verkauf und man sei in Gesprächen, so ein Mitarbeiter von Atlas. Man habe außerdem bereits sechs Millionen Euro in die Umrüstung des Docks von Inchgreen investiert. Dort soll die Verschrottung der Astoria nach westlichen Umweltstandards erfolgen. Für diese Arbeiten sollen in Greenock im kommenden Jahr etwa 100 Arbeitsplätze geschaffen werden.

Die Astoria ist für den Start des Unternehmens sehr gut geeignet, da es an Bord neben dem Stahl auch noch viele andere Dinge von Wert geben soll, die sich gut recyceln lassen.

Das älteste Kreuzfahrtschiff der Welt sollte eigentlich in den Niederlanden schon lange unter den Hammer kommen. Dieses Vorhaben scheiterte aber, da die Gebote weit unterhalb des Mindestgebots von zehn Millionen Euro lagen. Deshalb liegt das Schiff weiter in Rotterdam fest.


Fotos: Frank Behling


Pläne zum Umbau des Schiffes in ein Hotel in Lissabon scheiterten bei der Überführung von Tilbury nach Lissabon. Die Astoria liegt seit Dezember 2020 in Rotterdam. Nach der missglückten Überführung des 160 Meter langen Kreuzfahrers von Tilbury nach Lissabon wurde die Astoria am 13. Dezember 2020 nach Rotterdam geschleppt.

Im Waalhaven liegt das Schiff seitdem unter Arrest. Eigentümer ist laut Register noch die Teamson LTD aus Funchal auf Madeira. Deshalb wehr am Heck auch weiterhin die Flagge Portugals.

Der Schrottwert des Schiffes wird auf höchstens drei Millionen Euro taxiert. Die etwas kleinere Astor erbrachte bei der Versteigerung der CMV-Flotte an Abwracker in der Türkei nur 1,7 Millionen Dollar.

Der Lebenslauf des bei den Götaverken in Göteborg gebauten Liners begann 1948 als Stockholm. 1956 wurde das Schiff weltbekannt, als es vor New York den italienischen Liner Andrea Doria rammte.

Von 1960 bis 1985 fuhr das Schiff als Völkerfreundschaft DDR-Staatsreederei DSR, was es in Deutschland sehr bekannt machte. Später wurde das Schiff mehrfach umgebaut und saniert. Es fuhr auch als Italia Prima und Valtur Prima für Reisekonzerne wie Neckermann oder Festival Cruises. FB

Abwracker: Zwei Legenden kommen in Aliaga unter die Schneidbrenner   

Die Verschrottung von älteren Kreuzfahrtschiffen geht unvermindert weiter. Ende Juli kamen innerhalb von nur drei Tagen zwei weitere Kreuzfahrtschiffe in der Türkei auf den Strand.  

Die Pearl und die Gold Club wurden zur Verwertung beim Recycling-Zentrum in Aliaga abgeliefert. Beide Schiffe haben in den 90er Jahren auch ihren Anteil am Erfolg von AIDA und MSC gehabt. Mit dem Duo ist das Dutzend bei den Verschrottungen in diesem Jahr erreicht.

Für die deutschen Freunde der klassischen Seereise schmerzt besonders der Anblick der Pearl. Das 1981 in Hamburg als Astor bei den Howaldtswerken-Deutsche Werft (HDW) gebaute Schiff ist eine Legende.

Im Jahr 1983 als „Astor“, Foto: Frank Behling

In Deutschland begann die Laufbahn 1980 unter dem Projektnamen Hammonia für die Hamburger Reederei HADAG Seetouristik, die mit diesem Neubau in den damals aufkeimenden Kreuzfahrtmarkt einsteigen wollte. Das Projekt scheiterte an der finanziellen Kraft der halbstaatlichen HADAG. 1984 wurde die Astor in Hamburg an die südafrikanische Reederei Safmarine übergeben und fuhr danach als Astor unter Bahamas-Flagge.

Safmarine bekam Interesse am Seereisemarkt und bestellte 1984 bei der Bauwerft HDW in Kiel eine etwas größere Schwester. 1985 verkaufte Safmarine dann die erste Astor an die Deutsche Seereederei (DSR) nach Rostock. 

„Arkona“, Foto: Frank Behling

Als Arkona diente sie danach für Kreuzfahrten in der DDR. Der Verkauf über Südafrika in die DDR war auch von Gerüchten über den Verkauf von U-Bootplänen der Kieler Werft HDW an Südafrika begleitet.

Nach der Wiedervereinigung kam das Schiff 1990 unter die Bundesflagge und blieb im Dienst der DSR. Mit dem Betrieb des Schiffes kam dem Führungsteam der DSR die Inspiration zum Bau eines Clubschiffes. 1994 bis 1996 folgte dann der Bau der ersten AIDA. Damit war die Arkona zur Geburtshelferin der neuen Art der Kreuzfahrt in Deutschland geworden.

Mit dem Bau der AIDA gab es auch einen Kurswechsel für die Arkona, die zunächst noch neben der AIDA betrieben wurde. 

Nach 2000 wurde schließlich mit dem Bremer Veranstalter Transocean Tours ein Käufer gefunden, der das Schiff ab 2002 als Astoria im deutschen Seereiesemarkt einsetzte.

Bis 2010 kreuzte die Astoria zusammen mit der zweiten Astor, die 1986 in Kiel bei HDW in Dienst gestellt wurde. Sie war von Südafrika über Mauritius zunächst in die Sowjetunion gelangt und schließlich zurück nach Deutschland zu Transocean.

2010 stieß die etwas kleinere Astoria dann zur Flotte der britischen Reederei Saga Cruises, die mit ihrem damals speziell für britische Passagiere ab 50 entwickelten Kreuzfahrtprodukt im Markt großen Erfolg hatte und die Flotte erweiterte.

Als „Saga Pearl II“, Foto: Frank Behling

Zuerst wurde aus der Astoria dann die Saga Pearl II und 2012 für ein Jahr lang die Quest for Adventure. Bis 2019 diente sie dann wieder als Saga Pearl II. Bis dann 2019 das Ende durch die Ablösung der Spirit of Adventure kam.

In der Folge der Pandemie wurde das in Pearl II umgetaufte Schiff in Griechenland aufgelegt. Angesichts des Alters gab es aber kaum Chancen für einen Neuanfang. Ein Grund war auch der dieselmechanische Antrieb mit den vier MAN-Dieselmotoren.

Am 23. Juli verließ das Schiff nach fast zwei Jahren Piräus in Griechenland und wurde von dem Schlepper Christos XLIII über die Ägäis nach Aliaga geschleppt. 

Dort traf sie fast zeitgleich mit dem Kreuzfahrtschiff Gold Club ein, das neben ihr auf den Strand kam.

Bei der Gold Club handelt es sich um die 1977 für die britische Reederei Cunard gebaute Cunard Conquest, die ebenfalls eine bewegte Vergangenheit hinter sich hat. Sie fuhr von 1995 bis 2009 als Rhapsody zuerst für die Reederei StarLauro Cruises von Gianluigi Aponte, der das Schiff dann zusammen mit der Melody und Monterey zum Grundstock seines Kreuzfahrt-Unternehmens MSC Cruises machte.

Damit liegen in diesen Tagen zwei Kreuzfahrtschiffe in Aliaga in Sichtweite, die ganz maßgeblich am Aufschwung des Kreuzfahrttourismus in Europa ihren Anteil hatten. FB

Landet „Astoria“ beim Abbrecher

Um das älteste Kreuzfahrtschiff der Welt ist es ruhig geworden. Die Astoria liegt seit fast fünf Monaten in einem Arrestbereich des Rotterdamer Hafens. Und so richtig Hoffnung auf eine Zukunft für die einst stolze Stockholm von 1948 gibt es wenig.

Nach der missglückten Überführung des 160 Meter langen Kreuzfahrers von Tilbury nach Lissabon wurde die Astoria am 13. Dezember nach Rotterdam geschleppt. Im Waalhaven liegt das Schiff seitdem unter Arrest. Meterhohe Zäune, Container und Kamera sichern das Hafenbecken nahe der Innenstadt.

Foto: Frank Behling

Die ausgefranste Flagge Portugals weht am Heck, an Oberdeck brennt das Licht und das CMV-Wappen ist noch im Schornstein. Ein Wachdienst kümmert sich um das Wesentliche. Das Schiff ist nicht mehr fahrtüchtig und die Kabinentechnik wurde nicht mehr genutzt. Der Zustand dieses Liners wirkt bedrückend.

Die Ansprüche der Gläubiger führten zur Insolvenz der Reederei Island Cruises, die in Lissabon mit dem Schiff nach der Pandemie große Pläne hatte. Die Gläubiger genehmigten deshalb im Januar die Versteigerung der Astoria in Rotterdam, einem beliebten Ort für Schiffsversteigerungen.

Doch bei der Astoria klemmte es. Ein Versteigerungstermin im Februar endete sogar ohne Gebote. Niemand wollte das 716-Betten-Schiff haben.

Ein Grund war das Mindestgebot von 10 Millionen Euro. Keiner der Interessenten war bereit, diese Summe auch nur annähernd zu zahlen. Nicht einmal Besichtigungen von Interessenten soll es gegeben haben.

Aktuell laufen neue Verhandlungen zwischen der Insolvenzverwaltung der portugiesischen Reederei Islands Cruises ‐ Transportes Marítimos Unipessoal.

Foto: Frank Behling

Neben Banken und Investoren in Portugal gehören auch Schleppereigner zu den Gläubigern. Noch vor dem Sommer soll jetzt die Entscheidung fallen, ob die Astoria nach Höchstgebot versteigert werden kann. In diesem Fall haben auch Schiffsabwracker eine Perspektive, da der massive Rumpf sehr viel Stahl bietet. Der Schrottwert des Schiffes wird auf höchstens drei Millionen Euro taxiert. Die etwas kleinere Astor erbrachte bei der Versteigerung an Abwracker nur 1,7 Millionen Dollar.

Kommt es bei so einer Versteigerung zum Zuschlag, dürfte das Schicksal dieses stolzen Schiffes schnell bei einer Abwrackwerft enden. Neben Aliaga in der Türkei gehören auch Abwracker aus Gent zu den Interessenten.

Zuletzt war das Schiff für den britischen Anbieter CMV im Angebot. Die Firma wurde im Zuge der Corona-Krise im Juli aber stillgelegt. Im Oktober wurden die meisten Schiffe versteigert. Die lediglich gecharterte Astoria wurde aus der Charter entlassen und sollte zurück nach Portugal.

Der Lebenslauf des bei den Götaverken in Göteborg gebauten Liners begann 1948 als Stockholm. 1956 wurde das Schiff weltbekannt, als es vor New York den italienischen Liner Andrea Doria rammte.

Von 1960 bis 1985 fuhr das Schiff als Völkerfreundschaft der DDR-Staatsreederei DSR. Später wurde das Schiff mehrfach umgebaut und saniert. Es fuhr auch als Italia Prima und Valtur Prima für Reisekonzerne wie Neckermann oder Festival Cruises. FB

Für ein Mindestangebot von 10 Mio. Euro: Ältestes Kreuzfahrtschiff der Welt heute unter dem Hammer

Für ein angesichts des pandemiebedingten Preisverfalls für Kreuzfahrttonnage und des bei den jüngsten Transaktionen registrierten Preisniveaus für unrealistisch halten Insider das Mindestgebot von 10 Mio. Euro, das der Insolvenzverwalter des letzten Eigners, der Island Cruises-Transportes Maritimos Unipessonal Lda., Lissabon, für die Versteigerung des ältesten Kreuzfahrtschiffes der Welt, aufgerufen hat. Für die von ihm beim für Madeira zuständigen Amtsgericht mit Sitz in Funchal beantragte Versteigerung konnten bis heute um 15.00 Uhr schriftliche Angebote für die in Deutschland unter vielen ihrer bisher 13 Namen gut bekannte Astoria bei dem in Lissabon ansässigen Insolvenzverwalter Jose Pinto Oliveira eingereicht werden, der diese am 1. März eröffnen und das Verfahren zur Aufhebung des Arrestes und Übergabe des von allen Belastungstiteln befreiten Schiffes fortführen wird.

Astoria, Foto: Sammlung JPM

Wie berichtet, war das 1948 als Stockholm in Göteborg erbaute und u.a. durch Versenkung der Andrea Doria 1956 vor New York und seine Karriere als Völkerfreundschaft bei der bei der DSR in der DDR und Chartereinsätze bei bundesdeutschen Veranstaltern wie etwa als Italia Prima bei Neckermann bekannte 16100 BRZ-Schiff seit Januar 2015 in einer bis Ende 2020 befristeten Charter der Cruises & Maritim Voyages (CMV) beschäftigt und pandemiebedingt im Frühjahr 2020 im Themse-Hafen Tilbury aufgelegt worden. Nach der CMV-Insolvenz und der Versteigerung ihrer eigenen Flotte wurde die Astoria vorzeitig im Spätherbst letzten Jahres an ihre portugiesischen Eigner zurückgeliefert, die im Oktober beschlossen, den im Internationalen portugiesischen Schiffsregister auf Madeira (MAR) registrierten Veteran nach Lissabon zurückzuholen, um ihn möglicherweise zu veräussern oder als Hotelschiff zu nutzen. Sowohl der erste Anfang November mit einem Schlepper gestartete als auch der gut zwei Wochen später mit zwei Schleppern gestartete Überführungsversuch mussten wegen des zu großen Risikos durch die ungünstigen Wetterbedingungen abgebrochen werden, so dass die geplante Verschleppung vorzeitig am 13. Dezember in Rotterdam endete, wo das nicht fahrklare Schiff derzeit in der Kette liegt und vom Käufer auf der Basis „as is, where is“ übernommen werden könnte.

Funchal, Foto: Jens Meyer

Erst vor wenigen Wochen war mit der 1961 erbauten Funchal (BRZ 9600) ein ebenfalls bekannter Oldie nach siebenjähriger Aufliegezeit in Lissabon versteigert worden. Der frühere Portuscale-Liner Funchal wurde auf einer von dem letzten Eigner, der britischen Signature Living, arrangierten privaten Auktion durch den britischen Makler C.W. Kellock & Co. veräussert. Entgegen ersten Meldungen, ging das Schiff nicht an einen Abbrecher, sondern an ein Konsortium von fünf amerikanischen Privatleuten, die das Schiff vor Bekanntgabe ihrer künftigen Verwendungspläne überholen lassen wollen. Eine Bestätigung war dafür bisher noch nicht zu erhalten. JPM

„Astoria“ in Rotterdam

Wie geht es mit dem ältesten Kreuzfahrtschiff der Welt weiter? Eigentlich sollte die Astoria längst in Lissabon sein. Im Frühling war die Astoria als Teil der in Konkurs geratenen CMV-Flotte in Tilbury an der Themse aufgelegt worden.

Im Oktober gab es die Entscheidung, das Schiff nach Lissabon zu bringen zu lassen. Die portugiesischen Eigner wollen das Schiff am Tejo weiter nutzen. Das Problem: Die Astoria ist nicht mehr fahrttüchtig. Die Klassifikationsgesellschaft erlaubt nur die Schleppreise des Schiffes.

Nachdem das Schiff am 23. November die Themse verlassen und als Schleppzug Kurs auf die Nordsee nahm, hat sich nicht viel getan. Die niederländischen Schlepper Brent und Ginger kreuzten mit ihrem Anhang tagelang über die Nordsee.

Angeblich war das Risiko für den Transit durch die Biskaya bei den derzeit herrschenden Wetterverhältnissen zu groß.

Diese Probleme gab es auch schon Anfang November bei einem ersten Überführungsversuch. Der zuerst für die Fahrt nach Lissabon gecharterte portugiesische Schlepper Monte de Luz brach den Versuch der Fahrt durch den englischen Kanal ab und brachte das Schiff zurück in die Temse. Die Sorge eines Untergangs in der stürmischen Biskaya war einfach zu groß.

Und auch der zweite Versuch mit den niederländischen Schleppern endete wieder in einem Hafen an der Nordsee. Die Schlepper Brent und Ginger bekamen am 13. Dezember die Erlaubnis zum Einbringen der Astoria nach Rotterdam. Dort liegt die alte Lady jetzt zunächst über den Jahreswechsel und wartet auf eine Lösung.

Im Waalhaven unweit des als Hotelschiff genutzten Kreuzfahrers Rotterdam hat der 1947 in Dienst gestellte Astoria zudem einen geschützten Liegeplatz. Der Schlepper Brent ist weiter bei dem Schiff.

Der Lebenslauf des bei den Götaverken in Göteborg gebauten Liners begann als Stockholm. 1956 wurde das Schiff weltbekannt, als es vor New York den italienischen Liner Andrea Doria rammte. Von 1960 bis 1985 fuhr das Schiff als Völkerfreundschaft für die Deutsche Seereederei der DDR. In diesem Fall aber in Rotterdam, wo die Schlepper die Astoria am 13. Dezember in einer abgelegenen Ecke des Stadthafens vertäuten. FB