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Archäologisch wertvolles Wrack in der Kadetrinne entdeckt

Ein einmaliger Fund, der von Experten als archäologisch wertvoll eingestuft wird: In der Kadetrinne in der Ostsee hat das Vermessungs-, Wracksuch- und Forschungsschiff Deneb des Bundesamtes für Seeschifffahrt und Hydrographie (BSH) hat das Wrack des Schaufelraddampfers Friedrich Franz II gefunden. Der Rumpf des bereits 1849 gesunkenen, 40 Meter langen Schiffes ist vollständig erhalten.  

Möglich wurde der Fund durch die gute Zusammenarbeit verschiedener Stellen: Bei der Vermessung der Kadetrinne kooperiert das BSH eng mit dem dänischen hydrographischen Dienst. Die Dänen hatten das Wrack erstmalig im Rahmen der Vermessung entdeckt und teilten dem BSH die Position eines bis dahin unbekannten Unterwasserhindernisses mit, ohne absehen zu können, um was es sich handelte. Sichtbar war nach Angaben von Deneb-Kapitän Andreas Thies zunächst nur eine Erhebung am Meeresboden. Die Kursangaben in den historischen Akten im Stadtarchiv Wismar, die die Geschichte des Schiffes dokumentieren, legten die Vermutung nahe, dass es sich um den am 22.07.1849 gesunkenen Schaufelraddampfer Friedrich Franz II handeln könnte.

Foto: Bundesamt für Seeschifffahrt und Hydrographie (BSH)

Nach Vorlage von Kapitänsberichten des aus Mecklenburg-Vorpommern stammenden Schiffsarchäologen Dr. Maik-Jens Springmann, der sich in seiner Forschungsarbeit dem Thema

„Die Postschiffsverbindung von Wismar nach Kopenhagen 1848-1862“ und ihre Dampfer“ widmete, untersuchte die Deneb die darin angegebene Havarieposition am 29.09.2020 mit Fächerecholot, Tauchgängen und ROV-Einsätzen, wobei das Wrack schließlich eindeutig als Raddampfer identifiziert werden konnte. Es liegt in ca. 27 Meter Wassertiefe und ist in gut erhaltenem Zustand. Die Fragmente der Schaufelräder, des Schornsteins und der Antrieb sind deutlich auszumachen. Wegen der besonderen archäologischen Bedeutung des Wracks unterrichtete das BSH die Landesarchäologie im Landesamt für Kultur- und Denkmalpflege Mecklenburg-Vorpommern über den Fund. Eine umfangreiche photogrammetrische Dokumentation des Wracks, um den Zustand zu erfassen und ein Modell zu erstellen, ist dort in Vorbereitung. Nach Angaben von Springmann soll das Wrack nicht geborgen, sondern als Denkmal dauerhaft auf dem Grund der Ostsee erhalten bleiben.

Foto: Bundesamt für Seeschifffahrt und Hydrographie (BSH)

Die 1847 als Earl of Rosslyn von der Smith & Rodger Govan Middleton Yard im schottischen Glasgow erbaute und später in Friedrich Franz II (Großherzog von Mecklenburg 1823 – 1863) umbenannte Schiff besaß nicht nur eine zu seiner Zeit neue Art von Dampfmaschine. Es war auch eines der ersten Schiffe, die ganz aus Eisen gebaut wurden. Bereits auf seiner ersten Reise nach Übernahme durch die Mecklenburgische Dampfschifffahrtsgesellschaft mit Ziel Kopenhagen kollidierte es in der Nacht des 22. Juli 1849 mit dem Schaufelraddampfer Lübeck und sank in Folge des Wassereinbruchs durch das dabei an Backbordseite unmittelbar hinter dem Schaufelrad entstandene Leck. Dabei kamen zwei Menschen ums Leben, und die übrigen konnten vom Kollisionsgegner aufgenommen werden. JPM

Terror-Abwehr auf See erfolgreich trainiert

Die Bewältigung einer maritimen Gefahrenlage bei einem terroristischen Angriff zu trainieren und die Leistungsfähigkeit der neuen Schiffe der Bundespolizei zu testen war das Ziel einer  vom 19. Bis 21. Oktober 2020 inder Lübecker Bucht erfolgreich absolvierten Übung bei neben der Ostseefähre Nils Holgersson der TT-Line Hubschrauber der Bundespolizeifliegerstaffel Fuhlendorf, Schiffe der Bundespolizei See, sowie die GSG 9 zum Einsatz kamen.

Durch ihre Größe, ihren Aktionsradius, das Hubschrauberlandedeck und die Möglichkeit der Aufnahme besonderer Einsatzmittel der GSG 9 schaffen die neuen Schiffe der „Potsdam“-Klasse die Voraussetzung, autark ohne landseitige Unterstützung zu operieren. So konnten die Einsatzkräfte der GSG 9 parallel mit Mehrzweckbooten und Polizeihubschraubern vom Einsatzschiff aus starten, den Zugriff einleiten und die Gefahrenlage auf der Nils Holgersson erfolgreich bewältigen. Die Besatzung der Fähre war eng in die Übung eingebunden, trainierte auf mehreren Ebenen die Umsetzung des ISPS-Codes (Internationaler Code für die Gefahrenabwehr an Bord von Schiffen und in Hafenanlagen) und konnte daraus bestehende Handlungsempfehlungen optimieren. Diese können zukünftig in den Gefahrenabwehrplan des Schiffes einfließen. In Zusammenarbeit mit dem BSH werden die Gefahrenabwehrpläne mit der Reederei individuell abgestimmt und in regelmäßigen Abständen überprüft.

Die Präsidentin des Bundesamtes für Schifffahrt und Hydrographie, Dr. Karin Kammann-Klippstein, bedankte sich bei der Besatzung der Nils Holgersson sowie allen Einsatzkräften für die gute und effiziente Zusammenarbeit: „Auch, wenn es derzeit keine konkrete Gefährdungslage gibt, können wir Szenarien einer akuten Gefährdung im maritimen Bereich, deren Bewältigung geübt wurde, nicht vollständig ausschließen. Wir haben in den vergangenen drei Tagen die Zusammenarbeit zwischen allen Beteiligten in einer sehr komplexen Gefahrenlage erfolgreich getestet. RACOON hat gezeigt, dass die Bundespolizei für den Ernstfall sehr gut aufgestellt ist“.

Um auf derartige Lagen vorbereitet zu sein und damit die Schifffahrt vor drohenden Angriffen von außen zu schützen, führen das BSH und die Bundespolizei jährlich eine Übung zur Abwehr äußerer Gefahren auf See durch. Dadurch können die Partner behördenübergreifend auf Bundesebene in einer realen Gefahrenlage schnell, entschlossen und erfolgreich gemeinsam agieren. JPM