Schlagwort: Donau

Flusskreuzfahrt modern

Die Flusskreuzfahrt zu verjüngen ist eine anspruchsvolle Aufgabe. nicko cruises hat mit der nickoVISION alle Voraussetzungen geschaffen und das Produkt kommt gut an. Das ist kaum verwunderlich: Drei Restaurants und eine lange Tischzeit, moderne Kabinen und aktivere Ausflüge sprechen für sich, findet Peggy Günther.

Achtzehn Uhr – Abfahrt in Wien. Viele Gäste der nickoVISION stehen noch an Deck, genießen den Blick auf die Strände der Donauinsel. Manche bestellen einen Aperitif in der Lounge und suchen sich dabei schon mal optisch einen Tisch im Hauptrestaurant aus. Der lichtdurchflutete Übergang zwischen Bar und Restaurant ist zwischen den Decks fließend gestaltet. Einige Passagiere entscheiden sich für einen Platz am Heck mit Blick aufs Fahrwasser in Mario‘s Grill. Hier werden unter anderem Steaks und Lachs serviert. Außerdem lockt noch das intime Spezialitätenrestaurant „Manhattan“ mit Jazzclub-Atmosphäre und festem Menü. Dank drei kulinarischer Alternativen herrscht eine entspannte Stimmung an Bord. Niemand muss pünktlich beim Abendessen sitzen und trotzdem läuft der Service zügig ab. Das ist ein Novum in der Flusskreuzfahrt.

Zum Wohlfühlfaktor trägt auch das moderne Design bei. Der Gast wird von einem schicken Interieur in Blau und Beige, kombiniert mit dunklen Hölzern empfangen. Das Konzept stammt aus der Feder von Robert Reitsma, dem kreativen Kopf der Reederei Scylla, dem Eigner der nickoVISION. Die gut geschnittenen Kabinen messen 14 Quadratmeter und ihre vierte Wand besteht auf dem Ober- und dem Mitteldeck komplett aus Glas. Entspannen mit Blick ist auch in der Sauna oder im kleinen Fitnessraum auf dem Hauptdeck möglich. Das frische Konzept wendet sich an ein jüngeres Publikum: Die nickoVISION ist ein Schiff für die Generation 60 plus. Und da diese oft noch deutlich fitter sind als die 70- bis 80-jährigen, sind nun auch aktivere Ausflüge im Programm: mehr Stadtrundgänge statt Busfahrten.

Das lässt sich auf den Donaufahrten hervorragend umsetzen: Das historische Ybbs können die Passagiere beispielsweise wunderbar vom Anleger aus zu Fuß erkunden. Zwischen Salzamt und Weinmaut läuft man durchs Sandtörl in die Altstadt, wo die Donauschiffer früher in 14 Wirtshäusern die schwierige Passage des Strudengaus feierten…

… Lesen Sie weiter in AN BORD.

Fotos: Peggy Günther, enapress.com

Zwischen Paprika und Cevapcici

Die meisten Donauschiffe sind zwischen Passau und Budapest unterwegs. Doch was kommt eigentlich danach? Peggy Günther fuhr mit dem neuen Phoenix-Flottenmitglied A-Silver hin.

Rund zwei Stunden nachdem die A-Silver an der Grenzkontrollstation festgemacht hat, kommen vier Beamte in dicken Jacken an Bord. Kreuzfahrtdirektor Fausto hat die Passagiere bereits auf den anstehenden „Facecheck“ vorbereitet. Brav erscheinen sie der Reihe nach an der Rezeption und blicken in die strengen Augen der Zöllner. Kurz darauf weicht die Anspannung aus den Gesichtern der leitenden Crewmitglieder. Die A-Silver darf die EU-Außengrenze passieren. An den Ufern ist nichts als Wald zu sehen. Stünde bei Stromkilometer 1433 nicht ein kleines Schild, würde man das Dreiländereck gar nicht wahrnehmen. Der Strom ist nun für 137 Kilometer Grenzlinie zwischen Kroatien und Serbien. Nächster Stopp: Belgrad.

Die Schönheiten der Wachau, ein Übernachtaufenthalt in Wien und ein ganzer Tag in Budapest liegen bereits hinter den Passagieren. Am Morgen lag das Schiff noch im beschaulichen Mohacs. Einmal im Jahr – zum Karneval – erwacht der verschlafene Ort im Süden Ungarns zu Leben: Dann vertreiben mehr als 1.000 Männer mit Schafsfellmänteln, gruseligen Weidenholzmasken und Ratschen, Glocken sowie anderen Krachmachern den Winter. Doch heute ist kaum etwas los in dem kleinen Dorf. Die meisten Passagiere der A-Silver haben ohnehin einen Ausflug nach Pecs gebucht. Auf dem Weg sehen sie sanfte Hügel, weite Felder, Pfirsichbäume. „Schnapsbäume“, sagt Reiseführerin Estelle. „Die Ungarn machen aus allem Schnaps. Palinko heißt er hier. Es gibt sogar Paprikaschnaps. Und zur Hochzeit verschenkt man den regionalen Wein namens Lämmerschwanz, damit das Paar männlichen Nachwuchs bekommt.“ Fischsuppe mit Karpfen und Paprika müsse man hier essen, rät Estelle den Gästen noch. Doch dafür bleibt keine Zeit.

Paprika hat selbstverständlich auch der ungarische Küchenchef Marc an Bord im Einsatz. Etwa fünf Gramm pro Portion kommen an sein original ungarisches Rindergulasch, das den Gästen hervorragend schmeckt. Und eine gute Küche ist entscheidend für den Erfolg eines Schiffes. Die A-Silver ist neu in der Flotte von Phoenix Reisen. seachefs kümmert sich um den Hotelbetrieb auf dem Schiff der österreichischen Reederei Lüftner Cruises. Etwa die Hälfte der Crew kommt aus Indonesien, die meisten anderen aus Osteuropa. Hoteldirektor Roland Zahnd arbeitet seit drei Jahren für seachefs, vorher war er für River Advice mit nicko cruises und Excellence-Schiffen des Reisebüros Mittelthurgau unterwegs. „Ich würde gern Ägypter oder Türken in der Crew beschäftigen“, sagt der Schweizer. „Sie kennen das Gastgewerbe von zuhause. Aber das ist schwierig aufgrund der angespannten Visasituation.“ Zahnd fährt gern auf dem Fluss. So lerne man ganz Europa kennen. Viele Regionen fehlen ihm nicht mehr auf der persönlichen Landkarte. Das Donaudelta gehört dazu und das wird vorerst auch so bleiben, denn die A-Silver fährt nur bis zum Eisernen Tor. „Eigentlich ist die Strecke danach auch recht langweilig, da passiert drei Tage lang nicht viel, bis das Schiff im Delta ist“, tröstet sich Zahnd….

… Lesen Sie weiter in AN BORD.

Fotos: Peggy Günther, enapress.com

Hochseeflair auf der Donau

Sie ist eines der größten Binnenkreuzfahrtschiffe der Welt: Auf der Donau ist seit dem Sommer dieses Jahres die AmaMagna im Einsatz. Michael Wolf konnte sich während der Taufreise das Schiff genauer ansehen.

Wow, was für ein Schiff! Die chinesischen Touristen, die in Budapest an der AmaMagna vorbeiziehen, machen Selfies, Fotos, Videos ohne Ende. Ein so großes Schiff hatten sie wohl selten auf der Donau zu Gesicht bekommen. Und sie haben Glück: Heute steht Captain Jan de Bruijn höchstpersönlich vor der AmaMagna, wartet auf die ersten Gäste. Fast liebevoll flaniert er an „seinem“ Schiff vorbei, das er schon seit Monaten in der Werft „betreut“ hatte, dort die letzten Arbeiten überwachte.
Zusammen mit dem Hoteldirektor schüttelt er die Hände der Anreisenden, von denen nur einige mit großen Bussen kommen, viele dagegen in Limousinen oder Vans.
Individuell ist das Stichwort, das die AmaMagna auszeichnet.

Obwohl das Schiff fast doppelt so groß ist wie die üblichen Flusskreuzfahrtschiffe, nimmt es nur 20 Prozent mehr Passagiere mit. Das macht sich überall an Bord bemerkbar: In der Größe der bemerkenswerten Kabinen und Suiten, in allen öffentlichen Bereichen, den Lounges und Restaurants und natürlich dem riesigen Sonnendeck: Platz ist überall mehr als reichlich vorhanden.
Dabei lässt der erste Eindruck nach dem Eingang mit der relativ kleinen Rezeption noch nicht auf das Raumangebot schließen. Aber dann öffnet sich alles sehr schnell: die bequemen Sitzgelegenheiten, die Bereiche für Hotel- und Cruisedirektor, das lichtdurchflutete Treppenhaus mit seinen zwei parallel angeordneten Marmortreppen und den (leider künstlichen) begrünten Bäumen, das sich über drei Decks erstreckt. Auf denen liegen im Vorderbereich die Restaurants und Lounges, nach hinten erstreckt sich der Wohnbereich, zu dem breite Gänge führen.

Exklusives Wohnen
In acht Kategorien werden die Kabinen und Suiten angeboten, die von 19 bis 66 qm groß sind.
Sie sind in modernen Rot- und Rost-Tönen designt, haben über den Betten meist dekorative Holzpaneelen, daneben körperhohe Spiegel. Neben einem Mega-TV-Screen (mit internationalen TV-Programmen und einer großen Auswahl von auch aktuellsten Spielfilmen, in einigen Suiten zum Ausfahren aus einem Holzsockel) sorgt ein iMac für interaktiven Zugang zum Internet, Surfen und Apple-TV, Buchungen von Bordleistungen etc., ein zusätzliches iPad hilft auch bei der Regulierung der Klimaanlage sowie bei der individuellen Beleuchtung.
Auf einem kleinen Touchscreen an der Wand kann dies ebenfalls eingestellt werden.
Mit wenigen Ausnahmen haben alle Kabinen begehbare Balkons mit Sesseln.
Jeden Tag bringen die wirklich freundlichen Crew-Mitarbeiter frische Wasserflaschen, sie sind kostenfrei. Die Schränke bieten außergewöhnlichen Platz. Die komplett ausgestatteten meist grau gefliesten eleganten Badezimmer sind wahrscheinlich die größten in der Flusskreuzfahrtindustrie. Sie verfügen über große Duschen mit festen Glaswänden, die Marmorplatte der beiden Waschbecken ragt dabei bei einigen durch eine Öffnung in den Duschbereich als Ablage hinein, ein ebenso praktisches wie optisch interessantes Detail. Für High End-Kunden hat die Reederei sechs Grand Suites und eine Owner Suite entworfen, sie bieten auch Butlerservice. In den Kabinen kann man sich auf diesem Schiff bequem auch mal für eine längere Zeit zurückziehen….

Fotos: enapress.com

Die Save entdecken

Save? Nie gehört!“, bekommt Peer Schmidt-Walther immer wieder zur Antwort, wen er auch nach dem kroatisch-bosnisch-serbischen Fluss fragt. Dabei ist der mit 944 Kilometern nur wenig kürzer als der Rhein.

Novi Sad

Es ist spät, als der Transferbus von Wien an diesem Abend von der Autobahn abbiegt und durch das langgezogene Straßendorf Zupanja rumpelt. Die Passagiere sind hundemüde. Die 14-Stunden-Reise hat ihr Sitzfleisch bis an den Rand des Erträglichen strapaziert. Slogan des Veranstalters indes: „Der Weg ist das Ziel!“ Womit sicherlich nicht die Busreise gemeint ist. Ende der abenteuerlichen Anreise vor einem hohen Deich.

Strahlen um die Wette

Von der Krone aus gesehen liegt sie in Zupanja den Gästen mit ihren 110 Metern Länge zu Füßen: die PRINZESSIN SISI. Ihre noch heute äußerst populäre Namenspatronin, ab 1854 Kaiserin von Österreich und Königin von Ungarn, wäre stolz gewesen. Unter dem festlich beleuchteten Schiff gurgelt die Save ihre nächtliche Flussmelodie. Kein Radetzkymarsch aus den Bordlautsprechern, dafür freundliche Crewmitglieder als hilfreiches Spalier beim Treppabwärts-Steigen. An der Eingangstür die herausragende Überraschung: George Clooney in Uniform! Sein Doppelgänger entpuppt sich als Zoran Milic: „Ich bin der Hotelmanager“. Mit ihm strahlen Kapitän Kostyantyn Synyakov und Kreuzfahrtdirektorin Romana Tichy um die Wette, als wollten sie den misslungenen Einstieg wieder glattbügeln. Die überaus freundlichen Servicekräfte geben sich alle Mühe, das späte Abendessen bei gebackenem Schweineschnitzel, gebratenem Seehecht oder Pasta Conchegliette aus der vielversprechenden Küche von Chefkoch Stanislav Krsak und seinem Team zu einem Highlight werden zu lassen. Der slowenische Wein glättet schließlich die Wogen.
Die Nacht ist kurz, denn schon um 08.30 Uhr steht der Ausflugsbus bereit.

Amazonas des Balkans

Die Bus-Ausflügler steuern Slavonski Brod an, eine Stadt im Nordosten Kroatiens am Nordufer der Save, die die Grenze zu Bosnien-Herzegowina bildet. Touristisches Zugpferd ist hier die zwischen 1715 und 1780 auf Erlass von Eugen von Savoyen aus Ziegelsteinen erbaute barocke, ehemals kaiserlich-königliche Festung Brod. An dieser markanten Schnittstelle von Zeiten, Religionen und Kulturen könnte der Geschichtsbezug nicht deutlicher sein.
Bis zum Landgangsende bietet sich eine reizvolle Alternative an: ein Deichspaziergang mit weitem Blick über das fruchtbare Ackerland. Die kleinen Höfe mit ihren archaischen Ziehbrunnen und beschaulichem Leben kann man von hier quasi aus der Vogelperspektive betrachten. Lärchen tirilieren in der Höhe, von einer Wiese hört man das Klappern eines Storches, aus dem Uferdickicht fliegt ein Seeadler auf.
Am frühen Nachmittag gibt der ukrainische Kapitän Synyakov die Order zum Ablegen. Von seinem Außenfahrstand dreht er die PRINZESSIN SISI sanft auf dem Teller, bis der Bug zu Tal gerichtet ist. Zupanja adé! Links und rechts säumt die stark gewundene Save ein dichter Grüngürtel, aus dem es zwitschert, krächzt und kräht. Baumstämme trudeln in dem von Sedimenten braun gefärbten Wasser. Man ist versucht, an den Amazonas zu denken. Nur eben verlegt auf den Balkan.

Stark umkämpfte Region

„Entdecken Sie Brcko individuell bei einem Spaziergang!“, empfiehlt das Tagesprogramm. Die 93.000-Einwohner-Stadt ist nicht besonders ansehnlich.
Im Verlauf des Bosnien-Krieges in den 90er Jahren war Brcko, gelegen in Herzegowina, an einem schmalen Korridor zwischen dem West- und Ostteil der Republik Srpska, sehr umkämpft, wovon noch viele Einschusslöcher zeugen.
Kriegerisch ging es auch schon vorher zu, als im 17. Jahrhundert alle katholischen Kirchen und Klöster von den Osmanen zerstört und die Katholiken vertrieben wurden. Das betraf auch Tolisa, wo man aber 1862 ein neues Franziskanerkloster anlegte und die größte Kirche des Landes baute.
Kaiserin Sisi hätte wohl gestaunt über die heutige Situation ihres damaligen Riesenreiches. Sie und ihr Gatte Franz Joseph I. flimmern seit dem Nachmittag über das Bordprogramm, dargestellt von Romy Schneider und Karl-Heinz Böhm, ein dreiteiliger Klassiker.
Bis der Empfang mit dem Kapitän und das Willkommens-Abendessen die rührselige TV-Romanze unterbrechen….

Belgrad, Serbien

Fotos: Peer Schmidt-Walther, enapress.com, Fotostudio Semrad, AleksandarGeorgiev/iStockphoto.com