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„Britannia“ – Ein Name mit Weltruf

Königin Elizabeth II und Prinz Philip, Herzog von Edinburgh, an Bord der BRITANNIA (1977).
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In der Welt der großen Luxusyachten steht der Name Britannia für eine beispiellose Eleganz. Die 126 Meter lange Königsyacht der britischen Royal Navy hat bis heute einen ganz besonderen Platz in der Welt der Luxusyachten. In Großbritannien ist die Britannia ganz eng mit dem Leben von Königin Elizabeth II verbunden.   

Der royalblaue Rumpfanstrich, die hohen Masten und der beige Schornstein gaben den Stil vor. Die Britannia war Jahrzehnte das Schönheitsideal für Yachten. Erst mit ihr kam das dunkle Blau für Luxusyachten in Mode.

Dabei ging es beim Bau des Schiffes nicht allein um die Wünsche eines Monarchen. König George VI war kein Mensch für pompösen Lebensstil. Der Monarch hatte als Prince of York aber eine starke Bindung an die Royal Navy und trug die blaue Uniform auch mit Stolz. Hatte er doch an der Skagerrak-Schlacht im Ersten Weltkrieg teilgenommen.

Nach dem Zweiten Weltkrieg war der 1936 gekrönte König für den Zusammenhalt der Nation wichtig. Während der schweren Wirtschaftskrise Ende der 40er Jahre kam deshalb die Idee zum Bau einer neuen Yacht für den König. Sie sollte auch den heimischen Werften helfen.


Foto: Frank Behling

Am 5. Februar 1952 erteilte die britische Regierung den Bauauftrag für die 126 Meter lange Königsyacht bei der Werft John Brown in Clydebank bei Glasgow. Dieselbe Werft, die auch die Liner Queen Elizabeth und Queen Mary gebaut hat.

Nur einen Tag nach der Vergabe des Auftrags verstarb jedoch König George VI unerwartet. Seine Tochter Elizabeth wurde über Nacht zur neuen Königin Elizabeth II. Die junge Monarchin taufte am 16. April 1953 den Neubau beim Stapellauf in Clydebank. Es war die 83. Yacht im Dienst des britischen Königshauses. Das Steuerrad auf der Brücke stammte von der 1893 für König Edward gebauten Britannia.


Foto: Jürgen Saupe


Beim Bau und der Ausstattung legte die neue Königin großen Wert auf stilvolles Design. Statt Protz und Pomp kam Schlichtheit durch. Die königlichen Räume im Oberdeck sind ganz stark an das Design der Räume im Buckingham-Palast oder Schloss Windsor angelehnt. Selbst ein Kamin ist in die königliche Lounge integriert.

Als Besonderheit ist der Laderaum gestaltet. Dort mussten neben der Ausrüstung für den Umbau als Lazarettschiff auch einige Fahrzeuge des königlichen Fuhrparks untergebracht werden. Dazu eine Rolls Royce-Limousine, ein Geländewagen aus dem Hause Rover und ein Begleitfahrzeug. Außerdem die königlichen Pinassen für die Häfen, in denen das Schiff vor Anker lag.  



Das Besondere an der Britannia war ihre militärische Rolle. Beim Bau fiel die Entscheidung für eine Dampfturbine von Parsons-Dampfturbinen, die gerade auch für die neuen Zerstörer und Fregatte der Royal Navy zur Auswahl anstanden. Mit 12000 PS Leistung erreichte die Yacht mit der Turbine eine Geschwindigkeit von fast 25 Knoten.


Foto: Frank Behling

Nachteil war die mit 2400 Seemeilen relativ geringe Reichweite der Yacht. Die Reisen wurden deshalb immer genau geplant und Bunkerstopps gut geplant. Eine Transatlantik-Reise war gerade so eben machbar.

Erfahrungen mit diesem Antrieb flossen auch in die Entscheidungen für die zukünftigen britischen Marineeinheiten in den 60er Jahren ein. Der Zerstörer Glamorgan hat eine ähnliche Turbine an Bord.

Die Royal Navy war es auch, die die Britannia nach der Indienststellung im Januar 1954 bis zur Außerdienststellung 1997 betrieb. 21 Offiziere und 250 Unteroffiziere und Mannschaftsdienstgrade dienten an Bord.

Es war die Größe einer Fregattenbesatzung. In der Marine waren es die „Royal Yachtsmen“, deren Mützenband mit dem Namen des Schiffes begehrt waren. Die Yacht hatte für ihren militärischen Auftrag ein Lazarett an Bord. Auf eine Bewaffnung wurde aber verzichtet. Für das Salutschießen fuhr meist eine Fregatte der Royal Navy bei Auslandsreisen mit.

In 44 Dienstjahren absolvierte sie 968 offizielle Reisen für Großbritannien. Dabei legte sie 1,1 Millionen Seemeilen zurück. Die wohl bekannteste Mission war am 1. Juli die Rückholung von Chris Patten, dem letzten Gouverneur der Kronkolonie Hongkong. Zusammen mit Prinz Charles verließ Patten Hongkong an Bord der Britannia.


Foto: Sammlung JSA

1986 geriet die Yacht auch außerhalb des Königshauses in die Schlagzeilen. Als im Bürgerkrieg im Jemen die Hafenstadt Aden belagert wurde, evakuierte die Britannia 1000 Bürger europäischer Staaten. Dabei wurde die Rolle als Lazarettschiff genutzt.

In Deutschland war die Yacht auch mehrmals zu sehen. Hamburg, Bremen und Kiel wurden besucht. Viermal passierte sie den Nord-Ostsee-Kanal. Ihren letzten Auftritt hatte die Britannia in Deutschland am 21. Juni 1995 beim 100. Jahrestag der Eröffnung des Nord-Ostsee-Kanals. Sie führte an dem Tag den Jubiläumskonvoi von Rendsburg nach Kiel an. Damals allerdings ohne Queen an Bord.

An Bord war die Königin und ihre Familienmitglieder meist während der Sommermonate regelmäßig. Die Königin reiste mit ihr auch nach Kanada. Prinz Charles und Lady Diana absolvierten an Bord ihre Flitterwochen. Und auch Besuche von Königin Elizabeth II in Skandinavien erfolgten meist mit der Britannia. Nicht ohne Grund: In Norwegen und Dänemark haben die Königshäuser ebenfalls elegante Yachten.

1996 wurde die Britannia zum Spielball des Wahlkampfs in Großbritannien. Wegen der Kosten für die Unterhaltung der in die Jahre gekommenen Yacht fiel dann die Entscheidung zur Stilllegung. Die sehr aufwändige Dampfturbine war dabei auch ein Grund für das Ende. Die Dampfturbinen waren längst durch Gasturbinen oder Dieselmotoren ersetzt worden. Ein Umbau der Britannia schied aber aus Kostengründen aus.

Da die Royal Navy für das Geld der Britannia auch eine Fregatte betreiben konnte, fiel der Entschluss 1997 zur Außerdienststellung. Die letzte Fahrt ging erst nach London, dann nach Schottland.

Da das Schiff Teil der National Historic Fleet des Vereinigten Königreichs ist, wurde eine Anschlussverwendung gesucht. Der Royal Yacht Britannia Trust wählte Edinburgh (Leith) als Liegeplatz für das Schiff. Es wurde dort der Öffentlichkeit zugänglich gemacht.


Foto: Frank Behling

Aber ein Königreich ganz ohne Staatsyacht? In Zeiten, als russische Oligarchen immer öfter mit protzigen Megayachten auch in britischen Häfen festmachten, kam die Idee zu einem Nachfolgeprojekt.

Im Mai 2021 stieß der damalige Premierminister Boris Johnson die Idee zum Bau einer neuen königlichen Yacht an. Sie soll das neue „nationale Flaggschiff“ werden und 200 Millionen Pfund kosten. Inzwischen gibt es zwei Entwürfe für das Schiff. Ein Auftrag ist aber noch nicht vergeben.

Um die Britannia ranken sich auch viele Geschichten
Bei der Passage des Nord-Ostsee-Kanals gab es ganz besondere Vorgaben. So durfte das Schiff in den Schleusen und in Kiel nur durch Seeleute der Royal Navy festgemacht werden. Die Crewmitglieder wurden vorher an Land gebracht.
Besondere Freude war es für Prinz Philip, dieses Schiff zu nutzen. Der Prinz hatte ebenfalls in Royal Navy gedient und im Zweiten Weltkrieg an Seeschlachten im Mittelmeer teilgenommen. Er soll deshalb zu dem Schiff eine besondere Verbindung gehabt haben. So fuhr er 1956 mit der Britannia zur Eröffnung der Olympischen Sommerspiele nach Melbourne.
Die Fahrt nutzte der Prinzgemahl gleich für eine Weltreise. Dabei war er der erste Royal, der auch den südlichen Polarkreis überquerte. Queen Elizabeth II und die Kinder blieben bei mehrmonatigen Reise in England. 

Havarien waren bei dem Schiff äußerst selten. Meist waren es nur leichte Beulen. Das lag auch daran, dass ab der Erprobung 1954 immer ein Admiral als Kommandant eingesetzt war.

Große Beachtung fand auch die Flitterwochen-Reise mit Thronfolger Prinz Charles und Prinzessin Diana 1981, über die Details an Bord gab es nur Gerüchte. Alle Besatzungsmitglieder waren zu besonderer Diskretion verpflichtet. Wer auf der Britannia diente hatte aber gute Chancen für eine schnelle Beförderung nach Abschluss der Zeit auf dem Schiff. Frank Behling