Schlagwort: Expeditionskreuzfahrt

Auf zu neuen Zielen

Am 21. Dezember fand das Roll-out für die Crystal Endeavor statt. Michael Wolf berichtet über die Entwicklung des Schiffes und die Routings.

Bundeskanzlerin Angela Merkel, die höchstpersönlich bei der Kiellegung des Expeditionsschiffes Crystal Endeavor auf der MV-Werft in Stralsund anwesend war, hatte in ihrer launigen Ansprache gemeint, dass sie sich durchaus vorstellen könne, einmal auf einem solchen Schiff zu reisen.
Von der Reederei wird sie sich wohl nicht einladen lassen, aber eine mögliche (wenn auch unwahrscheinliche) Buchung ist jetzt etwas näher gerückt: Am 21.Dezember wurde der Neubau aus der Halle auf den Schiffslift verfahren und am Folgetag zu Wasser gebracht. Die ersten Reisen könnten nach den jüngsten Informationen nunmehr im August beginnen.

Die neuesten Animationen zeigen ein elegantes, zeitloses Design für die Luxusyacht auf, die sich nach Aussagen der Reederei durch Ausstattung, Platz und Luxus an die Spitze der bestehenden Expeditionsschiffe und neue Standards setzen soll. Sechs Restaurants, darunter das Umi Uma & Sushisbar des berühmten peruanisch-japanischen Sushi-Meisters Nobu Matsuhisa, ein zweistöckiges Sonnendeck am Heck mit Pool, eine ausfahrbare Marina sowie bordeigene Helikopter. Ein kleines U-Boot, das bis zu sieben Gästen Platz bietet und Entdeckungsfahrten bis in eine Tiefe von etwa 300 Metern unternehmen kann, ist im Heck untergebracht. Mit einem weiteren ferngesteuerten Unterwasserfahrzeug sollen unter anderem versunkene Schiffswracks erkundet werden.
Die Crystal Endeavor soll, so die Reederei, ein Schiff der Superlative werden. Führend in der Branche ist bereits das Crew-Gast Verhältnis von 1,03, es kommen auf maximal 200 Gäste 206 Crewmitarbeiter. Dazu ist das Raumangebot von 100 BRZ, das jedem Gast zur Verfügung steht, für Luxus-Expeditionsyachten einmalig. Mit etwa 350 Millionen Euro soll der 20.000 BRZ große Neubau, der über die Eisklasse PC 6 verfügt, zu Buche schlagen.
Die 200 Suiten an Bord der Crystal Endeavor werden zwischen 28 und 105 qm groß sein.
Für die Expeditionen hat Crystal drei Kategorien festgelegt. „Remote Expedition“ soll in ferne, abgelegene und unbewohnte Gegenden führen. „Cultural Discovery“ wird Wissen über Regionen und ihre Bewohner vermitteln. „Destination Exploration“ führt zu Naturwundern und besonders ausgewählten landschaftlichen Schönheiten.
Die Fahrten, die bereits gebucht werden können, decken die unterschiedlichsten Gebiete ab. Die Polargebiete wie Arktis und Antarktis oder Grönland und Island stehen ebenso auf dem Programm wie tropische Destinationen wie Bora Bora, die indonesische Inselwelt, die Elfenbeinküste, Chilenische Fjorde und Patagonien sowie Westeuropa, das Great Barrier Reef und Neuseelands Sub-antarktische Inseln. Ein Team von Wissenschaftlern und Lektoren wird alle Reisen begleiten.

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https://www.youtube.com/watch?v=9iA7AchCXZI&feature=youtu.be
Roll-out CRYSTAL ENDEAVOR, Video: Crystal Cruises

Fotos/Video: Crystal Cruises, Aufmacherfoto: Christian Uecker – Oceanliner-Pictures

Zwischen Vulkanen und Voodoo

Die französische Reederei Ponant kooperiert seit kurzem mit National GeographicExpeditions. Peggy Günther entdeckte auf einer der ersten Reisen die Kapverden und das Bissagos-Archipel.

„Zum ersten Mal kann ich die Ergebnisse meiner Arbeit an dem Ort vorstellen, wo ich sie gesammelt habe. Und ich werde in einem Bett schlafen!“ Die Biologin Lucy Hawkes freut sich. Bei ihrem letzten Aufenthalt auf den Kapverden schlief sie unter einem einfachen Bretterdach mit Moskitonetz, frischmachen konnte sie sich nur im Meer. Nun freut sich die 40-jährige Britin auf ihre Kreuzfahrtpremiere an Bord der LE DUMONT D’URVILLE. Sie begleitet eine der ersten National Geographic-Reisen in Kooperation mit Ponant. In den USA arbeitet die Marke mit Lindblad zusammen. Gemeinsam mit der französischen Reederei soll nun der europäische Markt erschlossen werden. „Wir wollen Menschen ermöglichen, die Welt zu erforschen, um sie besser verstehen und bewahren zu können. Ponant ist dabei der perfekte Partner, weil sie eine der jüngsten und umweltfreundlichsten Flotten auf einer Vielfalt von Expeditionsrouten einsetzen“, sagt Nathan Philpot, Travel Director von National Geographic Partners. Er begleitet die Kreuzfahrt von den Kapverden zum Bissagos-Archipel und testet neue Ideen, wie etwa das „Beach Clean up“: Einmal pro Reise sollen die Passagiere am Strand Plastikmüll einsammeln, der dann von der Reederei fachgerecht entsorgt wird.

Expeditionsleiter Christophe Bassous will den Gästen diese Idee möglichst schonend beibringen. Schließlich sind sie in erster Linie Luxusurlauber, die eine fünfstellige Summe dafür bezahlt haben, eines der am wenigsten besuchten Länder der Welt kennenzulernen. Neben den mächtigen vulkanischen Bergen auf den Kapverden stehen nämlich auch drei Inseln des Bissagos-Archipels auf den Fahrplan. Mehrere Anbieter haben großes Interesse an diesem neuen Expeditionsrevier, doch aktuell ist allein Ponant hier unterwegs. Dieses Privileg verdankt die Reederei ihrem Kontakt zu Laurent und Sonia Durris. Das Ehepaar unterhält seit sechs Jahren im Nordwesten des Archipels ein kleines Hotel für Sportfischer und hat gute Beziehungen zu den Oberhäuptern vieler Inseln. Und die haben das Sagen in dem kleinen Land, das seit seiner Unabhängigkeit im Jahr 1973 keine komplette Amtsperiode unter ein und derselben Regierung erlebt hat.

„Eine Reise nach Guinea-Bissau ist wie eine Reise in eine vergangene Zeit“, sagt Sonia Durris, um die wenigen englischsprachigen Gäste auf den ersten Besuch in einem Dorf der Bijagos vorzubereiten. „Das Tanzen ist das Wertvollste, was die Menschen hier haben“, sagt Sonja, „deswegen zeigen sie es uns.“ Schon von weitem können die Passagiere die traditionellen Trommeln hören. Stolz bewegen die Männer und Frauen ihre Körper im Rhythmus der Musik. Sie sind eines der wenigen Völker Afrikas, das niemals versklavt wurden, da sie sich bei einer Gefangennahme „schneller umgebracht haben, als der Teufel die Augen schließt“, wie Sonia erzählt.Sie glauben nämlich, dass ihre Seele niemals Ruhe findet, wenn sie außerhalb ihres Landes sterben. Die Verbindung zum Land und zur Natur scheint über allem zu stehen. Voodoozauber und Tieropfer gehören zum täglichen Leben der Bijagos. Es ist wichtig, die Götter bei Laune zu halten. Vom Meer hielten sich die Menschen traditionell eher fern, zu groß ist der Respekt vor den Naturgewalten. Erst seit kurzem versuchen sich die Männer auch als Fischer….

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Zum Ende der Welt

Fünf Tage lang waren Caroline Verstraete (Text) und Mike Louagie (Fotos) mit der VENTUS AUSTRALIS unterwegs – durchfuhren die chilenischen Fjorde und entdeckten Patagonien.

Es gibt noch einen Ort, an dem keine Menschen sind, es keine Gebäude gibt. Wo die Natur, die Luft und das Wasser noch rein sind, die Tiere noch ihren eigenen Weg gehen können. Es ist der Ort, an dem Darwin seine ersten Schritte als Forscher machte. Wo man Gletscher sieht, durch Fjorde fährt und wo Pinguine die Besucher neugierig mustern.
Um dies zu erleben, muss man ‘bis zum Ende der Welt’ reisen, nach Ushuaia, der südlichsten Stadt der Welt. Die Stadt wird sicherlich keinen Architekturpreis gewinnen, aber ihre Geschichte ist faszinierend. Ein Guide erzählt uns, wie am Ende des 19. Jahrhunderts die Argentinier hier auf ‘Feuerland’ ein Gefängnis errichtet haben. Der ideale Ort, fernab von der bebauten Welt. Eben diese Gefangenen bauten schließlich die Stadt. Das alte Gefängnis ist immer noch da und wurde als Museum eingerichtet. Seine ehemaligen Zellen sind heute Ausstellungsfläche und geben eine perfekte Einführung in die Geschichte der Ureinwohner. Ein idealer Ort, um eine Expeditionskreuzfahrt zu beginnen.

Entdecker und viel Natur
Unter den Augen der vielen mutigen Entdecker, die heute hier als Statuen über das Wasser schauen, checken wir auf der Ventus Australis ein. Obwohl die historischen Expeditionen nicht mit dem heutigen Luxus verglichen werden können, gibt es, glaube ich, eine Gemeinsamkeit: die Aufregung, „das Unbekannte“ zu entdecken.
Die Reederei kennt die Gegend bestens. Australis ist ein chilenisches Unternehmen, das seit 25 Jahren Patagonien-Kreuzfahrten durchführt. Es hat zwei neue Schiffe, die speziell für diese Region gebaut wurden. Beide können 200 Passagiere mitnehmen und Orte ansteuern, zu denen keine andere Kreuzfahrtgesellschaft fährt.
Wir sind „auf Expeditionskreuzfahrt“ und nicht „auf Kreuzfahrt“. Das ist etwas anderes. Es bedeutet, dass man sich teilweise von der Natur, dem Wetter und den Umständen leiten lässt. Nicht immer perfekt, um Programmen zu folgen, aber es gibt ein Team an Bord, das mit viel Leidenschaft so viel wie möglich von dieser Region zeigen möchte. Das geschieht mit den Zodiacs. Denn in diesen Gebieten gibt es natürlich keine Häfen, das Schiff liegt auf Reede. Zodiacs bringen die Passagiere in kürzester Zeit an Land oder unternehmen eine „Zodiac-Kreuzfahrt“. Heißt: es gilt die Gegend von diesen Schlauchbooten aus zu entdecken. Das erfahren wir alle beim ersten Briefing, Sicherheit wird groß geschrieben. Vorträge und Briefings werden vor jeder Exkursion durchgeführt, übrigens alle gleichzeitig in drei verschiedenen Räumen und dreisprachig – Englisch, Deutsch und Spanisch. Auch für die Ausflüge werden wir nach Sprache und Schwierigkeitsgrad in Gruppen eingeteilt.

Legendäres Kap Hoorn und indigene Bevölkerung
Abends verlassen wir von Ushuaia Richtung Süden. Wir überqueren den Beagle-Kanal und landen so in argentinischen und chilenischen Gewässern. Unser Ziel ist die südlichste Spitze Südamerikas: Kap Hoorn. Ein Ort mit Blick auf die Drake-Passage, dem wildesten Gewässern der Welt. Denn hier treffen sich Pazifik und Atlantik. Ein Ort, an dem viele Skipper ihr Leben ließen. Das können wir uns am frühen Morgen genau vorstellen – unsere Zodiacs werden wieder verstaut: zu viel Wind und Dünung machen es an diesem Morgen zu riskant. Trotzdem versuchen wir mit dem Schiff den bestmöglichen Blick auf das Kap zu bekommen. Schade für den Mann, der im Leuchtturm lebt. Er hatte sich bestimmt auf einen Besuch gefreut …

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Neues entdecken

Lange erwartet, konnte die WORLD EXPLORER im August ihre ersten Fahrten für nicko cruises aufnehmen. Sie überzeugt mit moderner Technik, Top-Design und sehr gutem Service. Vor allem das Routing ist hochinteressant und bietet auch Fahrten jenseits des Mainstreams, findet Michael Wolf.

Die kleine grüne Lokomotive im Hafen von Reykjavík hat nicht nur unter deutschen Gästen ihre Bewunderer. Bereits 1892 vom deutschen Lokomotivhersteller Arnold Jung geliefert, kam es über Umwege nach Island, half beim Bau des Hafens, beim lokalen Güterverkehr. Der Lohn für die alte Dame namens Minor: ein Ehrenplatz als Museumsstück direkt an der Pier.

Heute kann sie aber dem Schiff, das direkt hinter ihr liegt, nicht die Show stehlen: es präsentiert sich mit eleganten Formen in modernem grauen Outfit, schön designt. Zwei Hightech-Innovationen ihrer Zeit – mit über 100 Jahren Abstand.
Der erste Eindruck von der lange erwarteten, weil durch Nachbesserungsarbeiten in der Werft massiv verspätet ausgelieferten WORLD EXPLORER („an Bord“ berichtete), kann kaum besser sein.

Dazu der Liegeplatz: direkt im alten Hafen der isländischen Hauptstadt, direkt gegenüber der futuristischen Symphonie und nur wenige Gehminuten von der historischen Altstadt mit ihren Restaurants und Shops entfernt. Nicht so wie das Megaschiff von Royal Caribbean, das man aus dem Flieger erspäht – in kilometerweiter Entfernung am Fähren-Terminal.
Das ist der Vorteil der kleinen Schiffe wie der WORLD EXPLORER, den man auf der gesamten Reise erfahren wird – überall kann das Schiff in den Herzen der Städte „parken“.
Der Empfang an Bord ist entsprechend individuell: Eine adrette Riege von meist philippinischen Stewardessen und Stewards begrüßt den Gast im stylischen Rezeptionsbereich mit einem wandhohen LED-Screen, auf dem die schönsten Ziele des Schiffes zu sehen sind.
Die öffentlichen Räume liegen fast ausschließlich auf Deck 4 und 7.
Im Bereich hinter der Rezeption finden sich vier Internetplätze, der Platz der Kreuzfahrtdirektorin und eine Getränkestation, an der Kaffe, Tee und Wasser rund um die Uhr angeboten wird. Zwei interaktive Touch-Screens informieren über die Position des Schiffes.
Die moderne Bordboutique ist nicht als fester Raum gebaut, sondern durch schmale vertikale Schlitze nach außen geöffnet und bietet Accessoires, mit Logo versehene Pullover, Mützen, Windjacken aber auch Süßigkeiten und Kosmetika an.
Das kleine Kasino ist sicher für die amerikanischen Passagiere eingebaut (im Winterhalbjahr fährt die WORLD EXPLORER in der Antarktis für Quark Expeditions, nicko cruises kann aber Passagiere zubuchen)….

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Abenteuer Franz-Josef-Land

Renate Scheiper reiste mit der SEA SPIRIT zu den Eisbären, Walrossen und Seevögeln im Fanz-Josef-Land. Eine Reise mit Zodiac-Touren, Polar-Plunge, viel Geschichte und Abenteuer-Charakter.

Mit vereinten Kräften ziehen Expeditionsleiter Ryan aus England und Historiker Andreas aus Deutschland das Zodiac im seichten Wasser über die Kiesel. Es ist die erste Anlandung der Gäste des komfortablen Expeditionsschiffes Sea Spirit in Franz-Josef-Land. Drei weitere der insgesamt elf Zodiacs sind bereits unterwegs in die Geographers Bucht der Prinz Georg Insel. Plötzlich kommt ein Anruf von der Brücke: „Anlandung sofort abbrechen. Ein Eisbär ist unterwegs!“ Oh ja – da steht er hoch oben am Abhang eines Schneefeldes. Wir sind begeistert, auch wenn nun alle Zodiacs zurück müssen zum Schiff. Zwei Männer der russischen Eisbärpatrouille, welche die Sea Spirit begleiten und jeweils vor den Passagieren an Land gehen, hatten ihn entdeckt. Jetzt ist klar, weshalb am Vortag die fünf mit Gewehren ausgestatteten Russen nebst zwei Wissenschaftlern zustiegen, als die Sea Spirit nach zwei Seetagen, von Longyearbyen auf Spitzbergen kommend, auf Alexandra Land in russisches Gewässer einklarierte.
Das war der Erste unseres täglichen Eisbären. Die gescheiterte Anlandung wird nachmittags in einer anderen Bucht ersetzt durch eine Zodiac-Fahrt entlang gigantischer Gletscherfronten. Walrossfamilien schwimmen auf Eisschollen vorbei, teilweise so gequetscht, dass mancher Po halb im Wasser hängt. Doch sie scheinen sich wohl zu fühlen, räkeln sich, gähnen, wedeln mit den Flossen.

Gourmet-Dinner und Naturspektakel
Täglich informieren die vierzehn internationalen Lektoren durch Vorträge und Filme (auf Englisch, von Andreas simultan übersetzt) über Inseln, Tiere, Vegetation und die spannende Geschichte der Entdeckung von Franz-Josef-Land durch die österreichisch-ungarische Expedition 1872 – 1874 mit dem Segelschiff Admiral Tegetthoff, die den Archipel nach ihrem Kaiser „Franz-Josef“ benannte. Der ukrainische Kapitän Oleg bedauert, dass wir wegen des starken Eises Kap Tegetthoff nicht anlaufen können, wo das Schiff der Expedition damals vom Eis eingeschlossen wurde. Das soll uns besser nicht passieren. Dafür dröhnen Lachsalven durch die Oceanus Lounge, als er persönlich jeden seiner Offiziere vorstellt mit witzigen Einfällen. Zudem begeistert er alle 92 Passagiere aus 15 Ländern durch seine Politik der „offenen Brücke“, die manchmal regelrecht belagert ist. …

Fotos: Renate Scheiper, Sergey Gorshkov, Poseidon Expeditions, Dietmar Denger

Once in a lifetime

Auf den Pfaden großer Forscher wandeln, die entlegensten Teile der Welt bereisen, sich über unberührte Natur freuen oder seltene Tiere entdecken, das bieten Expeditionskreuzfahrten. Eine Reiseart, die boomt. Michael Wolf berichtet.

Mit Zodiacs unbewohnte Inseln anfahren, von Fachleuten oder Wissenschaftlern über die jeweilige Gegend mit ihrer Pflanzen- und Tierwelt Wissenswertes erfahren, gleichzeitig von einem guten Service und einer exzellenten Küche umsorgt zu werden: Diese Reiseart zieht immer mehr Menschen an. Der Traum von Eisbergen, Pinguinen oder Galapagos-Echsen hat allerdings seinen Preis – expedition cruising gehört zu den teuersten Segmenten der Kreuzfahrt-Industrie und kann durchaus auf einigen Fahrten den Tagespreis pro Person von 1.000 Euro übersteigen.

Dafür werden ihnen die faszinierendsten Eindrücke am Ende der Welt geboten, dort, wo kaum ein normaler Transportweg hinführt und schon gar keine „normale“ Kreuzfahrt.
Bekannteste Eis-Fahrgebiete sind die beiden Polargebiete. Vor allem die Antarktis, größer als China und Indien zusammen, geizt nicht mit Superlativen: eine bis zu drei Kilometer dicke Eisschicht mit Eisbergen, die die Größe eine europäischen Landes erreichen können.
Meist von Ushuaia aus durch die berüchtigte und oft bewegte Drake-Passage erreichbar, eröffnen sich auf diesem weißen Kontinent unglaubliche Eislandschaften und Tierwelten für die mittlerweile über 35.000 jährlichen Besucher.

Drastische Vorschriften beschränken heute zum Schutz der Umwelt die Flut der besuchenden Schiffe: Nur noch leichtes Marinedieselöl ist erlaubt, maximal 100 Passagiere dürfen gleichzeitig an Anlandungen teilnehmen, wo es Tiere zu sehen gibt.
Neue Zertifizierungen wie das „Green Ships“ Label setzen modernste Technologien voraus wie die dynamische Positionierung, die Verwüstungen des Meeresbodens durch den Anker vermeidet, einen leisen und sparsamen elektrischen Antrieb, eine entsprechende Aufbereitung von Abwasser und Abfällen sowie einer optischen Unterwasserortung zur Vermeidung von Kollisionen mit Walfischen.
Ähnliches gilt für die Arktis und die berühmte Nord-West-Passage, die fast 6.000 Kilometer lange Verbindung zwischen atlantischem und pazifischen Ozean.
Ein Geschäft, das brummt. Nach vielen Jahren ohne einen einzigen Neubau boomt es jetzt bei vielen Reedereien: nicht weniger als 52 neue Expeditionsschiffe mit der höchsten Eisklasse sind derzeit im Bau, einige wenige wurden bereits geliefert. Entstanden sind sie meist auf kleineren Werften, die oft zuvor noch keine Kreuzfahrtschiffe gebaut haben. Das führte in einigen Fällen zu Verzögerung bei der Ablieferung der Schiffe. Die Zahl der Passagiere soll sich von 242.000 im Jahr 2018 bis zum Jahr 2023 nach Angaben der Brancheninstitution cruise industry news fast verdoppeln….

Fotos: Fredy Thürig/stock.adobe.com, PhotoElite/stock.adobe.com, bublik_polina/stock.adobe.com

Exklusivität der Einsamkeit

Champagner im Zodiac und Hotdogs auf dem Pooldeck – die neue HANSEATIC NATURE schwimmt exakt in der Mitte zwischen klassischer Luxuskreuzfahrt und waschechter Expedition. Peggy Günther berichtet.

„Es ist gerade recht windig und die Überfahrt könnte nass werden, aber trotzdem möchten wir Ihnen einen Besuch beim Lloydhotel nicht vorenthalten“, lautet die Durchsage von Expeditionsdirektorin Ulrike Schleifenbaum während des Abendessens an Bord der HANSEATIC NATURE. „Da das Wetter so ungemütlich ist, werden wir uns nicht zu lange vor Ort aufhalten, etwa eine halbe Stunde pro Zodiacgruppe.“ Wenigstens die Zeit für ein Getränk an der Hotelbar könne man doch einräumen, kontert eine Erstkreuzfahrerin im Restaurant. Gleichzeitig werden leise Zweifel wach: Heute Vormittag haben wir die nördlichste Siedlung auf Spitzbergen verlassen – mit Kurs in noch höhere Breitengrade. Wieso haben wir noch nie vom scheinbar nördlichsten Hotel der Welt gehört?

Foto: Hapag-Lloyd Cruises

Longyearbyen, die Walrosse von Poolepynten, Ny-Ålesund – bisher verlief die erste geplante Spitzbergenumrundung der HANSEATIC NATURE wie viele andere Reisen in dieser Region. Spitzbergen avanciert zum neuen Trendziel – die Zahl der Kreuzfahrtgäste ist in den letzten zehn Jahren um 140 Prozent gestiegen. Sogar große Megacruiser ohne jegliche Eisklasse machen in Longyearbyen fest. Spannend wird es jedoch erst, wenn die Reise weiter nach Norden führt, in Richtung Packeisgrenze.

Kapitän Thilo Natke freut sich darauf, sein neues Baby zum ersten Mal ins Eis zu fahren. Nach den letzten Monaten in der Bauleitung auf der Werft und der Jungfernfahrt Anfang Mai hat er nur kurz Urlaub gemacht, um Ende Juni bei der ersten Spitzbergenumrundung auf der Brücke zu stehen. Er müsse sich erst einmal an die neue Schiffsgröße gewöhnen, sagt Natke. Die HANSEATIC NATURE ist knapp 16 Meter länger und vier Meter breiter als sein letztes Schiff, die Bruttoraumzahl hat sich nahezu verdoppelt. 120 großzügige Kabinen und Suiten stehen den Passagieren auf dem Neubau zur Verfügung, das HanseAtrium als Vortragsraum mit Meerblick und natürlich die Ocean Academy.

Dieser neue Raum im Heck des Schiffes bietet nicht nur intuitive Möglichkeiten zum Selbststudium, sondern ist vor allem ein Ort der Begegnung mit den Experten an Bord. Auf der ersten geplanten Spitzbergenumrundung sind dies zwei Geologinnen, zwei Biologen, ein Glaziologe und ein Sozial- und Wirtschaftshistoriker. Sie halten nicht nur im Rahmen des allabendlichen Recaps informative Kurzvorträge und stehen bei Anlandungen an interessanten Punkten im Gelände. Während der Zeiten auf See haben sie auch Sprechstunden in der Ocean Academy.

Die größte Veränderung gegenüber der „alten“ HANSEATIC und der BREMEN ist die höhere Eisklasse der HANSEATIC NATURE. Der Neubau wurde mit PC6 qualifiziert, was die höchste Eisklasse für Passagierschiffe ist, alles darüber zählt als Eisbrecher. Kapitän Natke erklärt, was dazugehört: Im Haupteisbereich gibt es doppelt so viele Spanten, die Außenhaut ist bis zu 16 Millimeter dick, der Bugbereich besonders verstärkt. Die Propeller wurden aus Edelstahl statt aus Bronze gefertigt und die Maschinen sind elastisch gelagert. Als sich das erste Eisfeld der Reise zeigt, füllt sich der Nature Walk schnell mit blauen Hapag-Lloyd-Parkern. Die neue Promenade auf dem Vordeck des Schiffs zählt für viele Gäste zu den Lieblingsorten an Bord, denn nirgends kann man der Natur näher sein. Lautlos gleitet die HANSEATIC NATURE an die weiße Kante heran. „Festhalten“, sagt jemand und dann rumpelt es gewaltig. Der Bug teilt das Eis wie ein Kuchenmesser eine Baisertorte. Das Schiff setzt seinen Weg unbeeindruckt und mit unverminderter Geschwindigkeit fort, lässt kleine Schollen rechts und links der Fahrspur zurück…

Fotos: Peggy Günther, Hapag-Lloyd Cruises