Schlagwort: Fähre

Zweites „Green Ship“ für TT-Line: „Peter Pan“ nach Übergabe in China auf Überführungsreise

Die Lübecker Fährreederei TT-Line hat am 28. November mit der Peter Pan das zweite Schiff ihrer sogenannten Green Ships-Generation von der chinesischen China Merchants Jiangsu Jinling-Werft in Nanjing übernommen. Erst im März dieses Jahres war mit der Nils Holgersson das Typschiff des Duos abgeliefert worden, das sich seit dem 26. April 2022 für die TT-Line auf der Ostsee in Fahrt befindet.

Der Neubau ist das sechste Schiff, das die Reederei in ihrer 60jährigen Geschichte unter diesem Namen in Dienst stellt. Die letzte Namensvorgängerin wird dafür in Tinker Bell umbenannt. Wenige Tage nach der Ablieferung, macht sich der als Bau-Nr. JL Z8180223 fertiggestellte Neubau auf die 49 Tage lange Reise Richtung Travemünde.

Zunächst wird in China Ladung übernommen, die nach Nordeuropa transportiert wird. Nach Zwischenstopps in Singapur, Colombo (Sri Lanka) und Jeddah (Saudi-Arabien), führt die Route weiter durch den Suezkanal ins Mittelmeer. Im Hafen von Zeebrugge wird die Ladung gelöscht sowie Ausstattungsequipment und Servicemitarbeiter aufgenommen, um Ausrüstungsarbeiten im Inneren der Ostseefähre durchzuführen und das Schiff für die erste kommerzielle Fahrt vorzubereiten. Schließlich führt die Route rund um Norddänemark nach Travemünde. Die Einfädelung in den Liniendienst soll Mitte des ersten Quartals 2023 erfolgen.

Der Entwurf der beiden Ro/Pax-Schiffe stammt von OSK Ship Tech. Wie ihr Schwesterschiff Nils Holgersson, hat auch die neue Peter Pan etliche zukunftsweisende Technologien zu bieten. „Nachhaltigkeit wird bei TT-Line seit Jahren großgeschrieben. Daher ist es für uns selbstverständlich, dass unsere neuen Green Ships mit einer Vielzahl an umweltfreundlichen Technologien ausgestattet sind, um unseren ökologischen Fußabdruck zu minimieren und damit einen Beitrag zum Schutz unserer Ostsee zu leisten.“, so TT-Line COO Andreas Schärli

So können die neuen Schiffe als erste Fährschiffe in der südlichen Ostsee mit Flüssigerdgas (LNG) betrieben werden, das als derzeit sauberster Schiffskraftstoff gilt und sind für die Verwendung von Bio-LNG vollständig vorgerüstet. Ein energieeffizientes Klimatisierungssystem sorgt für minimalen Energieverbrauch.

Das Wärmerückgewinnungssystem der Motorenwärme spart zusätzliche Energie. Die Green Ships sind außerdem komplett mit LED-Leuchtquellen ausgestattet, die den Strombedarf um 80% reduzieren und eine zehnfach längere Lebensdauer gewährleisten. Der optimierte Schiffsrumpf, einschließlich eines speziell entworfenen Wulstbugs, führt unter Berücksichtigung des Geschwindigkeitsprofils der Schiffe zu einem niedrigen Kraftstoffverbrauch.

Spezielle Wellenabdichtungen mit zusätzlichen Luftkammern vermeiden Wasserverschmutzung durch Schmieröl. Ein umfangreiches Abfallmanagement schont Ressourcen und es werden ausschließlich umweltverträgliche Kühlwasserzusätze sowie Reinigungsmittel verwendet. Plastikprodukte werden soweit möglich vermieden. Die Technik der neuen Green Ships, die auch über 20 Ladestationen für E-Fahrzeuge auf den Wagedecks verfügen, stammt zu mehr als 90 Prozent von europäischen Zulieferern.

Die 229 m langen, 31 m breiten und max. 6,9 m tiefgehenden 45000-BRZ-Schiffe, die über 239 Pax-Kabinen verfügen, sind für 800 Gäste ausgelegt und können auf über zwei Heckrampen mehr als 200 Sattelzüge auf ihren vier Autodecks mit 4600 Spurmetern aufnehmen. Die mit vier MAN Dual Fuel-Motoren von zusammen 29400 kW ausgerüsteten Neubauten sollen eine Geschwindigkeit von 22 kn erreichen. JPM

Erste der beiden LNG-RoPax-Fähren für TT-Line bei RMC auf Kiel gelegt

Mit einer traditionellen Münzzeremonie ist bei der finnischen Werft Rauma Marine Constructions Oy (RMC) die Spirit of Tasmania IV am 28.10.2022 als erste von zwei mit verflüssigtem Erdgas (LNG) zu betreibenden RoPax-Fähren für die im australischen Inselstaat Tasmanien ansässige Reederei TT-Line Company Pty Ltd auf Kiel gelegt worden.

Dazu wurde die erste 230 t schwere Sektion (L-222) des Neubaus auf die Pallen im Baudock der Werft abgesenkt. Der Brennstart war erst am 9. März dieses Jahres erfolgt.

Die beiden Neubauten, die zuerst bei der FSG in Flensburg geplant und dort 2018 storniert worden waren, sind das bisher größte einzelne Exportgeschäft zwischen Finnland und Australien. Sie sichern die Beschäftigung der Werft für 3500 Mann/Jahre.


Animation: RMC

Die beiden Schiffe kommen auf der 242 sm langen Route über die Bass Strait zwischen Geelong (Victoria) auf dem australischen Festland und Devonport (Tasmanien) zum Einsatz und wurden speziell für diese wegen ihres rauen Seegangs als anspruchsvoll geltende Passage konzipiert.

Die 212 m langen, 31 m breiten und mit 48 000 BRZ zu vermessenden Fähren verfügen über Kapazitäten für jeweils 1800 Passagiere und 3700 Spurmeter für rollende Ladung auf zwei Fahrzeugdecks. Die Höchstgeschwindigkeit der mit jeweils vier Dual-Fuel-Haupt- und drei DF-Hilfsmotoren von Wärtsilä auszurüstenden Neubauten wird mit 26 kn angegeben.

Die Ablieferung der Spirit of Tasmania IV ist für das erste Quartal 2024 geplant, das Schwesterschiff, Spirit of Tasmania V, soll Ende 2024 folgen. Die beiden Einheiten sollen die 1998 ebenfalls in Finnland erbauten Fähren Spirit of Tasmania I und Spirit of Tasmania II ersetzen, die nach RMC-Angaben auf dieser Strecke rund 450 000 Passagiere pro Jahr befördern.

Nach Angaben des CEO der TT-Line Company, Bernard Dwyer, werden die Neubauten über rund 40 Prozent höhere Kapazitäten verfügen als die derzeit eingesetzten Schiffe. Dwyer geht davon aus, dass die neuen Fähren bedeutende Beiträge zur positiven Entwicklung der Besucherzahlen und der Wirtschaft Tasmaniens liefern. JPM

Tallink Silja: Bestes Finanzergebnis seit 2019

Die mit 15 Fähren unter den Marken Tallink und Silja Line im nördlichen Ostseeraum tätige und an den Börsen in Tallinn und Helsinki notierte estnische Tallink Grupp hat im dritten Quartal 2022 einen vorläufigen Nettogewinn von 37,9 Millionen Euro (im dritten Quartal 2021: 5,5 Millionen Euro) eingefahren. Der Gewinn vor Steuern lag bei 67,7 Millionen Euro (35,1 Millionen im dritten Quartal 2021). Der vorläufige Ertrag stieg im dritten Quartal 2022 gegenüber dem Vergleichszeitraum des Vorjahres um 49,9 Prozent auf insgesamt 255,6 Millionen Euro (170,5 Millionen Euro im dritten Quartal 2021).

Der Anstieg ist im Wesentlichen auf die Umsätze der Bordrestaurants und Shops, Erträge aus Ticketverkäufen sowie Einnahmen aus Vercharterungen zurückzuführen. Zum Ende des dritten Quartals 2022 waren nicht weniger als sechs Tallink-Silja-Schiffe verchartert.

Am 30. September 2022 betrug der Liquiditätspuffer des Unternehmens (Barvermögen, Aktien sowie ungenutzte Kreditoptionen) 226,0 Millionen Euro (am 30. September 2021 lag dieser bei 252,5 Millionen Euro). Die Investitionen des dritten Quartals 2022 lagen bei 5,5 Millionen Euro (im dritten Quartal 2021 lagen sie bei 3,7 Millionen Euro). In diesem Zeitraum zahlte das Unternehmen Kreditraten in Höhe von 25,0 Millionen Euro zurück, in den ersten neun Monaten des Jahres waren es insgesamt 71,0 Millionen Euro.

In den ersten neun Monaten des Jahres (1. Januar bis 30. September 2022) stieg der vorläufige Ertrag von Tallink Silja auf 567,7 Millionen Euro (in selben Zeitraum des Vorjahres waren es noch 310,3 Millionen Euro). Der vorläufige Gewinn vor Steuern der ersten neun Monate des Jahres lag bei 85,4 Millionen Euro (in 2021 waren es 33,2 Millionen Euro), der vorläufige Nettoverlust lag bei 2,8 Millionen Euro (53,2 Millionen Euro in 2021).

„Die Ergebnisse des dritten Quartals dieses Jahres bringen uns endlich ein Stück in Richtung Normalität – jene Normalität, die wir vor der Corona-Pandemie genießen durften. Der Umsatz des dritten Quartals ist natürlich weit entfernt von den Ergebnissen, die wir vor Corona erzielt haben, trotzdem haben wir allen Grund, mit diesem Ergebnis sehr zufrieden zu sein“, so Paavo Nõgene, CEO der Tallink Grupp, der allerdings auch auf die derzeitigen Herausforderungen durch die ökonomischen, geopolitischen und Sicherheitskrisen hinweist.

Im Juli hätten die Passagierzahlen fast das Niveau von 2019 erreich. Sie reflektierten auch die veränderte Struktur des Geschäfts der Reederei. Nõgene: „Seit dem Start der Pandemie sind Tallink-Schiffe hoch im Kurs, wenn es um die Nachfrage nach Unterkünften im Hafen geht – und das in unterschiedlichen Ländern. Da wir hierdurch alternative Einnahmequellen erschlossen haben, sind wir momentan weniger von den tatsächlichen Passagierzahlen an Bord abhängig. Dieser neue Einkommensstrom – auch wenn er temporär ist – ist sehr hilfreich in der Nebensaison, daher sind einige Schiffe für die Herbst-Winter-Saison verchartert worden. Selbstverständlich wissen wir, das die geringen Abfahrten auch zu Schwierigkeiten bei der Buchung führen können – trotzdem ist es der momentan beste Weg, um uns aus diesen schwierigen Zeiten zu führen“.

Statt im ersten Halbjahr dieses Jahres nunmehr in der zweiten Novemberhälfte soll der jüngste Neubau der Reederei, die bei der Rauma Marine Constructions in der Ausrüstung befindliche MyStar, auf der Talllinn – Helsinki-Route in Dienst gestellt werden. In dieser Woche absolviert der 212 m lange und 30,6 m breite 50 000-BRZ Neubau, der mit verflüssigtem Erdgas (LNG) betrieben wird, noch letzte Probefahrten, Abnahmen und Endausrüstungen, bevor er dann nach Angaben von Nõgene den Passagieren „ein vollkommen neues Level an Service und Reisekomfort“ bieten wird. Das anlässlich des Aufschwimmens im Baudock am 12. August 2021 getaufte 27 kn-Schiff kann bis zu 3000 Gäste aufnehmen und verfügt über 3100 Spurmeter für Fahrzeuge. JPM

TURTLE 2022: „Robin Hood“ als Übungsplattform für simulierten Terror-Angriff

Gemeinsam mit der Bundespolizei hat das Bundesamt für Seeschifffahrt und Hydrographie (BSH) vom 17. bis 19. Oktober den Ernstfall einer sogenannten „maritimen Sonderlage“ in der Lübecker Bucht geübt. Bei der diesjährigen Gemeinsamen Nationalen Maritimen Sicherheitsübung (TURTLE 2022) diente die im Südschweden-Verkehr der TT-Line eingesetzte Fähre Robin Hood als Übungsobjekt für einen simulierten terroristischen Angriff mit Geiselnahme an Bord

Die GSG 9 der Bundespolizei und die Spezialeinsatzkommandos der Länder Schleswig-Holstein, Mecklenburg-Vorpommern, Niedersachsen, Bremen, Hamburg und Brandenburg trainierten die Bewältigung einer Vielzahl von möglichen Szenarien und das Zusammenspiel der Einheiten bei Tag und bei Nacht. Ziel der Übung ist das erfolgreiche Vorgehen gegen bewaffnete Täter in lebensbedrohlichen Einsatzlagen, die Befreiung von Geiseln bis hin zur Evakuierung und die Versorgung von Verletzten. Dabei ist auch die Zusammenarbeit mit der Schiffsbesatzung ein wesentlicher Bestandteil einer maritimen Sicherheitsübung, denn in solchen Fällen ist die Besatzung sowohl Betroffene als auch erster Kontaktpunkt für die Einsatzkräfte.

Die Bundespolizei beteiligte sich mit einem modernen Einsatzschiff der Potsdam-Klasse und einem Polizeihubschrauber der Bundespolizeifliegerstaffel Fuhlendorf an der jährlich stattfindenden gemeinsamen Übung. An Bord des Schiffes wurden darüber hinaus Situationstrainings mit Diensthunden und Angehörigen des Entschärfungsdienstes der Bundespolizei trainiert. Das BSH führte an Bord einen Security-Workshop mit internationalen Partnern insbesondere der Ostsee-Anrainerstaaten durch.

Die beteiligten Behörden werten die gewonnenen Erkenntnisse aus und entwickeln mit den Ergebnissen ihre Interventionsmöglichkeiten weiter fort. Gemeinsame Übungen von BSH und Bundespolizei zur Bewältigung maritimer Sonderlagen finden bereits seit 2016 jährlich statt. Seit 2018 verfügt die Bundespolizei über die modernen Einsatzschiffe der Potsdam-Klasse, die mit einem vergrößerten Aktionsradius, ausgestattet mit einem Landedeck für Polizeihubschrauber und modularen Möglichkeiten zur Aufnahme von Einsatzmitteln und Einsatzkräften, ihre Fähigkeiten zur Bewältigung von maritimen Sonderlagen deutlich ausbauen konnte. JPM

In der Türkei: Emissionsfreie Fähre für Scandlines auf Kiel gelegt

Auf dem Helgen der türkischen Cemre-Werft ist am 30. August 2022 die erste Sektion für die zum Einsatz auf der Strecke Puttgarden – Rødby bestimmte noch namenlose emissionsfreie Frachtfähre der deutsch-dänischen Fährreederei Scandlines abgesetzt worden. Der für 140 Gäste ausgelegte und über 1200 Spurmeter für 66 Frachteinheiten verfügende Neubau mit dem Arbeitsnamen PR24, der mit einem 10 MWh-Batteriesystem ausgerüstet wird, soll eine Dienstgeschwindigkeit von 10 kn erreichen.

„Das Datum der Kiellegung ist interessant, weil das Schiff nach den zu diesem Zeitpunkt geltenden Vorschriften gebaut werden muss. Dieser Tag ist auch mit Traditionen verbunden. Deshalb legen wir bei der Kiellegung selbstverständlich auch eine neu geprägte Münze unter das Schiff“, so Scandlines-COO Michael Guldmann Petersen.

Klima- und Umweltfragen stehen seit langem ganz oben auf der Agenda von Scandlines. Bereits 2013 investierte das Unternehmen in Hybridfähren mit Batterien, und 2024 wird die erste emissionsfreie Fähre auf der Puttgarden – Rødby-Route in Betrieb genommen. Nur sechs Jahre später, im Jahr 2030, soll die gesamte Strecke emissionsfrei sein.



Die Batterien der 147,4 m langen, 25,4 m breiten und 5,30 m tiefgehenden Fähre können in nur 17 Minuten in Rødby aufgeladen werden. 2019 investierte Scandlines in ein 50 kV / 25 MW Stromkabel für den Hafen in Rødby. Im Frühjahr 2023 wird die Arbeit an der Verlängerung dieses Kabels bis zu den Fähranlegern begonnen. Dort, wo die Ladezeit künftig 17 Minuten betragen wird, sollen ein Transformator und eine Ladestation installiert werden.

Bei einer Überfahrtszeit von 70 Minuten ist die Fähre emissionsfrei. Sie kann auch als Hybridfähre eingesetzt werden, wie dies auf den Scandlines-Routen zwischen Deutschland und Dänemark jetzt geschieht. Beim Betrieb als Hybridfähre beträgt die Überfahrtszeit 45 Minuten. Die Fähre kann somit auch als Ersatzfähre eingesetzt werden, wenn eine der vier Doppelendfähren, die derzeit die Strecke Puttgarden – Rødby bedienen, einen Werftaufenthalt hat.



Die Arbeiten am Umbau der Terminals in Puttgarden und Rødby sind bereits im Gange. Der Liegeplatz 1 in Rødby wird zu einem Liegeplatz für alle fünf Doppelendfähren umgebaut. Der freistehende Teil der Betonbrücke, der von 1970 bis 1997 den Zugang für Pkw zu den oberen Decks der Fähren ermöglichte, wurde entfernt, und die Brückenklappe wurde mithilfe eines Krans abgetragen.

Da die PR24 sowohl auf dem oberen als auch auf dem unteren Deck Lkw befördern kann – wie es von den Fähren Rostock – Gedser bekannt ist – werden auch der Liegeplatz 1 in Puttgarden und der Liegeplatz 3 in Rødby umgebaut. Diese Arbeiten werden voraussichtlich noch in diesem Jahr beginnen. Das Investitionsvolumen beträgt rd. 80 Mio. Euro. JPM

Neue NIT-Studie: Fährreedereien sehen positiven Trend

Freude über die Erholung der Fährschiff-Branche seit Anfang des Jahres und auf den bevorstehenden Sommer: Die Buchungszahlen seien sehr positiv, manche Reedereien verzeichneten sogar bereits Ergebnisse über Vorkrisenniveau. Dieser positive Trend bestätige sich auch unter den Reiseveranstaltern, die Fährprodukte verkaufen. Die Nachfrage nach erdgebundenen Reisen sei überraschend hoch, so das Resümee nach der am 29. Juni in der Finnischen Seemannskirche in Hamburg veranstalteten diesjährigen Mitgliederversammlung des Verbandes der Fährschifffahrt und Fährtouristik (VFF).

Vertreter der Urlaubsgaranten 2022 – die Mitglieder des VFF Fährverbands trafen sich am 29. Juni in Hamburg zur jährlichen Versammlung. Foto: VFF

Dass das Interesse für Reisen mit dem eigenen Auto steigt, spüren die Mitglieder der 1995 gegründeten und in der Elbmetropole ansässigen Interessengemeinschaft, dem heute 55 branchenaffine Unternehmen angehören, bereits seit einigen Jahren. In einer Ende 2021 veröffentlichten Studie des Institut für Tourismus und Bäderforschung in Nordeuropa (NIT) anhand 2.099 Online-Interviews unter deutschen Bundesbürgern im Alter von 18 bis 75 Jahren zum Reiseverhalten der Deutschen gaben rund 55 Prozent der Bundesbürger an, sich in den nächsten fünf Jahren eine Reise mit der Fähre vorstellen zu können – das sind etwa sechs Prozent mehr als drei Jahre zuvor. Für die aktuelle Saison haben zwar ein Großteil der Reisenden ihren Urlaub bereits in den letzten Monaten geplant, jedoch haben sich viele noch aufgrund der Corona-Pandemie und des Ukraine-Konfliktes für eine kurzfristige Buchung entschieden.

Das sei aber nicht alles: „Gerade in den letzten Tagen kommen viele Reisende auf die Reedereien zu, weil sie sich aufgrund der Flugausfälle und der besorgniserregenden Zustände an Flughäfen Sorgen machen“, erklärt Benoît Surin, Vorstandsmitglied des VFF. Auch das Geschäft der Fährspezialisten unter den Reisebüros und Reisemittlern boomt kurz vor dem SommerbeginnFähren behaupten sich dabei einmal mehr als Urlaubsgarant. Denn aufgrund der Frachtbeförderung müssen sie feste Fahrpläne einhalten und sind täglich auf den Meeresautobahnen unterwegs. „Ob beim Vulkanausbruch, in der Corona-Pandemie oder im aktuellen Ausnahmezustand der Luftfahrt – die Fähre ist krisensicher und immer da, wo Urlauber sie brauchen“, so Surin. JPM

Hansa Destinations: Transportkapazität verdoppelt

Erst knapp vor einem Jahr hatte Hansa Destinations eine neue Route zwischen Rostock und Nynäshamn eröffnet. Inzwischen hat das Unternehmen die Transportkapazität verdoppelt und verbindet jetzt sechs Mal pro Woche und Richtung den Großraum Stockholm mit den Wirtschaftsregionen in Zentral-, Ost- und Südosteuropa.

Seit Ende April wird nicht mehr ausschließlich die RoPax-Fähre Drotten eingesetzt, sondern durch die eingecharte Eliana Marino, die über 2500 Spurmeter für rollende Ladung verfügt, zusätzliche Frachtkapazität geboten.

Die Route Rostock – Nynäshamn schließt den Großraum Stockholm, wo sich 50 Prozent des schwedischen Güterbedarfs befinden, direkt an den Ostsee-Adria-Korridor an, der Nord- und Ostdeutschland, sowie Bayern, Österreich, die Tschechische Republik, Slowakei, Rumänien, Bulgarien und Slowenien mit einschließt.

Die Verkehrsverlagerung von der Straße auf das Wasser trägt dazu bei, die grenzüberschreitenden Transportketten effizienter und somit umweltfreundlicher zu gestalten. Neben den Umwelteffekten ermögliche die Route Rostock – Nynäshamn Transportunternehmen aber auch, dem wachsenden Fahrermangel mit einer zuverlässigen Alternative zu begegnen, so Håkan Johansson, CEO der Rederi Gotland AB, die den Dienst von Hansa Destinations betreibt.

Durch die neue Kunden anziehenden Vielzahl an Möglichkeiten, vor allem die hohe Frequenz, habe sich das Eichartern der Eliana Marino bereits jetzt voll ausgezahlt. JPM

Neue „Nils Holgersson“ absolviert Erstanlauf im Heimathafen Rostock

Auf der Rückreise vom schwedischen Hafen Trelleborg nach Travemünde hat die neue Nils Holgersson der Travemünder Fährreederei TT-Line heute Nachmittag (28.04.2022) erstmals am Liegeplatz 53 im Hafenbecken A des Überseehafens Rostock festgemacht. Ihr am 7. März von der chinesischen Bauwerft Jiangsu Jinling übernommenes und mit einer Vermessung von 56138 BRZ größtes und längstes Schiff setzt die vor 60 Jahren gegründete Reederei künftig im Dreiecksverkehr zwischen Travemünde, Rostock und Trelleborg ein.

Foto: RostockPort/ nordlicht

Anlässlich des ersten Besuches des Neubaus in seinem Heimathafen Rostock überreichte Götz Strahl, Abteilungsleiter Logistik bei Rostock Port GmbH, als Vertreter des Hafens die traditionelle Erstanlaufplakette an Kapitän Stephan Schipplick.

„Wir freuen uns, dass Rostock der Heimathafen dieses neuen klimaschonenden Flaggschiffes von TT-Line ist“, sagte Rostock Port-Geschäftsführer Jens A. Scharner und wünschte dem Schiff und seiner Crew allzeit gute Fahrt.

Bei dem aufgrund seiner Ausstattung mit Dual-Fuel-Motoren sowohl mit Marinediesel (MGO) als auch mit verflüssigtem Erdgas (LNG) zu betreibenden-Neubau, handelt es sich um die erste Einheit des neuen Green Ship-Typs der Reederei, für die sie sich eine später in einen Festauftrag umgewandelte Option für einen Nachbau gesichert hatte, der am 21. Juli letzten Jahres aus dem Baudock ausgeschwommen war und im Herbst dieses Jahres unter dem Traditionsnamen Peter Pan in Fahrt kommen soll.

Der Entwurf für die beiden für 800 Passagiere und mehr als 200 Sattelzüge ausgelegten Neubauten stammt von OSK ShipTech. An dem Design der Innenausstattung hat die in Waren an der Müritz ansässige Firma Oceanarchitects einen wesentlichen Anteil.

Foto: RostockPort/ nordlicht

Die über 239 Pax-Kabinen verfügenden Neubauten mit einer Länge von 229,4 m, einer Breite von 31 m und einem Tiefgang von max. 6,9 m zeichnen sich u.a. durch eine 1200 qm große Außendecksfläche sowie 3500 qm öffentliche Räume aus. Für rollende Ladung stehen über zwei Heckrampen erreichbare rd. 4600 Spurmeter auf vier Decks mit 20 Ladeanschlüssen für E-Autos zur Verfügung. Als Hauptmotoren wurden je zwei Motoren des Typs 8L51 und 6L51/60 von MAN in Vater/Sohn-Konfiguration mit einer Gesamtleistung von 29400 kW installiert. Über Getriebe und zwei Verstellpropeller soll damit eine Geschwindigkeit von 22 kn erreicht werden. Die beiden ebenfalls von MAN zugelieferten je 500 cbm fassenden LNG-Tanks wurden auf Deck 1 platziert. Für die Bordstromversorgung wurden vier Wärtsilä-Motoren des Typs 9L20DF verbaut. Zur Verbesserung der Manövrierfähigkeit stehen drei Bugstrahlruder zur Verfügung. Zur Ausrüstung der nach den Vorschriften und unter Aufsicht von DNV erstellten Neubauten mit optimierten Schiffslinien und reibungsarmen Unterwasseranstrich gehören u.a. LED-Lichttechnik, auch Wärmerückgewinnungsanlagen.

Bei dem neuen TT-Line-Flaggschiff handelt es sich bereits um das siebte Schiff dieses traditionsreichen Namens. Seine letzte Namensvorgängerin, die 2001 von der SSW Fähr- und Spezialschiffbau GmbH, Bremerhaven, erbaute sechste Nils Holgersson (BRZ 36468), war Anfang Februar dieses Jahres bei einem Werftaufenthalt in Klaipeda in Akka umbenannt worden, um den Namen für das neue Flaggschiff freizumachen. JPM

Neues TT-Line-Flaggschiff in Travemünde eingetroffen

Nach einer rund fünfwöchigen und rd. 11 600 Seemeilen langen Überführungsfahrt von China ist der jüngste Neubau der in Travemünde ansässigen Fährreederei  TT-Line GmbH & Co. KG, die Nils Holgersson, am Mittwochabend erstmals an der Trave eingetroffen und hat um 19.30 Uhr am Skandinavienkai in Lübeck-Travemünde festgemacht. Bei seiner Ankunft wurde das in Rostock beheimatete neue Flaggschiff der Reederei traditionell mit einem Feuerlöschboot und einem Shantychor zünftig begrüßt.

Die auch zur Erledigung letzter Ausrüstungs- und Restarbeiten sowie ergänzenden Tests genutzte Überführung unter dem Kommando von Kapitän Stephan Schipplick verlief ohne Probleme. Hervorzuheben seien vor allem die „herausragenden See-Eigenschaften“ und die „beeindruckend niedrigen Verbräuche“ des Neubaus, so der Kapitän. Mit diesem Erstanlauf wird zugleich die über 60-jährige erfolgreiche Zusammenarbeit der Lübecker Hafen-Gesellschaft mit der TT-Line fortgesetzt: Ende März 1962 hatte die erste Nils Holgersson den Fährverkehr zwischen Travemünde und dem schwedischen Trelleborg eröffnet. Bereits Ende April soll nunmehr der auch im Bereich der Umweltverträglichkeit Maßstäbe setzende Neubau in diesen Liniendienst eingestellt werden. Für Ortwin Harms, Geschäftsführer der LHG, ist dies „ein guter Beweis für die jahrzehntelange erfolgreiche Zusammenarbeit mit TT-Line. Wir freuen uns auf die nächsten 60 Jahre“.

Das im Juli 2018 bei der chinesischen Jiangsu Jinling in Nanjing als Bau-Nr. JLZ8180222 bestellte Typschiff einer neuen TT-Line-Fährschiffsgeneration war am 7. März dieses Jahres an die Reederei übergeben worden.

Bei dem aufgrund seiner Ausstattung mit Dual-Fuel-Motoren sowohl mit Marinediesel (MGO) als auch mit verflüssigtem Erdgas (LNG) zu betreibenden 56138-BRZ-Neubau, handelt es sich um die erste Einheit des neuen Green Ship-Typs der Reederei, für die sie sich eine später in einen Festauftrag umgewandelte Option für einen Nachbau gesichert hatte, der am 21. Juli letzten Jahres aus dem Baudock ausgeschwommen war und im Herbst dieses Jahres unter dem Traditionsnamen Peter Pan in Fahrt kommen dürfte.

Der Entwurf für die beiden für 800 Passagiere und mehr als 200 Sattelzüge ausgelegten Neubauten stammt von OSK ShipTech. An dem Design der Innenausstattung hat die in Waren an der Müritz ansässige Firma Oceanarchitects einen wesentlichen Anteil.

Die über 239 Pax-Kabinen verfügenden Neubauten mit einer Länge von 229,4 m, einer Breite von 31 m und einem Tiefgang von max. 6,7 m zeichnen sich u.a. durch eine 1200 qm grosse Außendecksfläche sowie 3500 qm öffentliche Räume aus.

Für rollende Ladung stehen über zwei Heckrampen erreichbare rd. 4600 Spurmeter auf vier Decks mit 20 Ladeanschlüssen für E-Autos zur Verfügung. Als Hauptmotoren wurden je zwei Motoren des Typs 8L51 und 6L51/60 von MAN in Vater/Sohn-Konfiguration mit einer Gesamtleistung von 29400 kW installiert.

Über Getriebe und zwei Verstellpropeller soll damit eine Geschwindigkeit von 22 kn erreicht werden. Die beiden ebenfalls von MAN zugelieferten je 500 cbm fassenden LNG-Tanks wurden auf Deck 1 platziert. Für die Bordstromversorgung wurden vier Wärtsilä-Motoren des Typs 9L20DF verbaut. Zur Verbesserung der Manövrierfähigkeit stehen drei Bugstrahlruder zur Verfügung. Zur Ausrüstung der nach den Vorschriften und unter Aufsicht von DNV in Bau befindlichen Neubauten gehören u.a. auch Wärmerückgewinnungsanlagen.

Bei dem neuen Flaggschiff handelt es sich bereits um das siebte Schiff dieses traditionsreichen Namens. Seine letzte Namensvorgängerin, die 2001 von der SSW Fähr- und Spezialschiffbau GmbH, Bremerhaven, erbaute und in Lübeck beheimatete sechste Nils Holgersson (BRZ 36468), war Anfang Februar dieses Jahres bei einem Werftaufenthalt in Klaipeda in Akka umbenannt worden, um den Namen für das neue Flaggschiff freizumachen. JPM

Brennstart für emissionsfreie Scandlines-Fähre in der Türkei

2024 in Fahrt kommen soll die im November letzten Jahres von der deutsch-dänischen Fährreederei Scandlines bei der türkischen Cemre-Werft bestellte emissionsfreie Frachtfähre. 

Am 4. April fand dort der erste Stahlschnitt für den  Neubau statt, der auf der als Vogelfluglinie bekannten Traditionsroute Puttgarden-Rødby die nächste Schiffsgeneration einleiten soll.

 „Damit hat der Bau der Fähre begonnen. Vor uns liegt ein spannender Prozess mit vielen Meilensteinen“, konstatierte Scandlines-COO Michael Guldmann Petersen bei der in kleinem Kreis zelebrierten Brennstart-Zeremonie. Da das Frachtgeschäft des Unternehmens derzeit wachse, freue man sich sehr auf die Indienststellung der neuen Fähre. 

Allein im vergangenen Jahr habe die Zahl der beförderten Frachteinheiten um 12 Prozent zugenommen. Mit seiner Kapazität von 66 Frachteinheiten werde der Neubau die aktuelle Kapazität um 23 Prozent erhöhen. 

Bei einer Überfahrtszeit von gut einer Stunde wäre die Fähre, deren Dienstgeschwindigkeit mit 10 kn angegeben wird, emissionsfrei zu betreiben. Sie kann auch im Hybridbetrieb eingesetzt werden, so wie auch jetzt schon die von Scandlines auf den Strecken zwischen Deutschland und Dänemark eingesetzten Fähren. Im Hybridbetrieb würde die Überfahrtszeit auf der 18,5 km langen Vogelfluglinie 45 Minuten betragen. Auf diese Weise kann die Fähre auch als Ersatzfähre eingesetzt werden, wenn eine der vier Doppelendfähren, die derzeit auf der Strecke Puttgarden-Rødby unterwegs sind, ihre Werftzeit absolviert.

Foto: Scandlines

So wie bei den Fähren auf der Route Rostock-Gedser können sowohl auf dem oberen als auch auf dem unteren Deck Lkws befördert werden. Das bedeutet, dass Fährbett 1 in Puttgarden und Fährbett 3 in Rødby so umgebaut werden müssen, dass auch das obere Fahrzeugdeck mit Lkws beladen werden kann. Gleichzeitig wird im Terminal von Puttgarden ein neuer Bereich für Lkws geschaffen.

Mit der emissionsfreien Fähre macht die Reederei nach der Implementierung des Hybrid-Systems jetzt einen weiteren Schritt auf ihrer „grünen Reise“ zur  klimaneutralen Schifffahrt.

Die Fähre wird zunächst ausschließlich in Rødby in Dänemark aufgeladen. Schon im Jahr 2019 hatte Scandlines in ein Stromkabel mit 50 kV / 25 MW zum Færgevej in Rødbyhavn investiert. Dieses Kabel wird nun bis zu den Fährbetten verlängert, wo ein Transformator und eine Ladestation installiert werden. Auf Sicht ist geplant, auch in Puttgarden laden zu können, sobald eine gute Lösung für den Einkauf grüner Energie gefunden wird.

Der modulare Aufbau der 147,4 m langen, 25,4 m breiten und 5,30 m tiefgehenden Doppelend-Fähre, die 140 Passagiere und auf zwei Decks mit 1200 Lademeter 66 Frachteinheiten befördern kann, ermöglicht ihre spätere Anpassung, sodass sie dann auch Pkws mitnehmen kann. 

Scandlines verspricht sich davon maximale Flexibilität, sowohl im Hinblick auf die künftige Technologie als auch im Hinblick auf den Bedarf.

Der von der norwegischen LMG Marine A.S  als angeblich „größte Hybridfähre der Welt“ entworfene Neubau wird mit einem flüssigkeitsgekühltem 10 MWh-Lithium-Ionen-Batterie-Energiespeichersystem (BESS) von Leclanché ausgerüstet, das von den europäischen Werken des Herstellers zugeliefert wird. Es soll die neusten schnell aufladbaren 65-Ah-Batteriezellen aus eigener deutscher Produktion mit einer garantierten Lebensdauer von 10 Jahren  enthalten. Das modulare und skalierbare BESS verwendet eine hochredundante Architektur mit 48 Batteriesträngen, die auf acht Schaltschränke verteilt sind. Die Auslieferung des mit max. 864 Volt arbeitenden Systems an die Werft soll im Januar 2023 beginnen. JPM