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Kriegsfolgen: „Costa Fortuna“ bekommt 2023 neues Fahrtgebiet  

Die Hoffnungen auf den Erfolg mit einem türkischen Basishafen haben sich für Costa Crociere nicht erfüllt. Ein halbes Jahr nach dem Start des Türkei-Programms mit der Costa Venezia ab Istanbul zog die italienische Reederei jetzt die Notbremse. Der Grund ist der Krieg in der Ukraine mit seinen Folgen für die Region. Für die Route ab Istanbul wurde auch auf die Ukraine und Russland als Quellmarkt gesetzt.


Costa Fortuna, Foto: Frank Behling

Die Costa Venezia sollte eigentlich im November durch die Costa Fortuna in Istanbul abgelöst werden. Das Winterprogramm mit sehr attraktiven 11-Tages-Routen bis nach Israel und Ägypten war aber auch auf Zielgruppen aus der Region zugeschnitten.

Das Produkt sei das ideale Angebot für einige Nationalitäten, die im aktuellen Szenario keinen Zugang zu Kreuzfahrten haben, heißt es bei Costa. Gemeint sind damit Gäste aus Ukraine und Russland. Die einen müssen um ihre Freiheit kämpfen und haben eine Wehrpflicht, die anderen sind mit Sanktionen belegt und zum Teil vom Zahlungsverkehr ausgeschlossen.

Istanbul hat sich nach dem Ende der Sowjetunion zum beliebten Basishafen für Passagiere aus den Anrainern des Schwarzen Meeres entwickelt. Der Flughafen Istanbul hatte bis zum Kriegsausbruch im Februar ein dichtes Liniennetz in die Ukraine und nach Russland. Jetzt sind nur noch Flüge zu einigen russischen Airports übrig.

Foto: Frank Behling

Costa Cruises habe deshalb beschlossen, das für 2023 und 2024 geplante Programm für Costa Fortuna zu aktualisieren. Das Schiff wird sein Mini-Kreuzfahrtprogramm im westlichen Mittelmeer bis zum 20. November 2022 fortsetzen. Dann wird das Schiff nicht nach Istanbul fahren und die Costa Venezia ablösen, sondern über den Atlantik nach Südamerika fahren. Dort wird das 3470-Betten-Schiff die gesamte Wintersaison 8-tägige Kreuzfahrten zu Zielen in Argentinien, Brasilien und Uruguay fahren.

Für den Sommer 2023 und 2024 wird aktuell an neuen Programmen gearbeitet. Ein Einsatz in Westeuropa ist eine der Optionen. Hier hatte sich die Costa Fortuna 2022 sehr gut bewährt. 

Die Costa Fortuna war im September 2003 das erste Kreuzfahrtschiff aus der Carnival Destiny-Klasse der Carnival-Gruppe für die italienische Marke. Damals war sie für wenige Monate mit 102587 BRZ und 272 Meter Länge auch das größte Kreuzfahrtschiff einer europäischen Reederei. Die Queen Mary 2 von Cunard verdrängte sie im Dezember 2003 von dem Platz.

Im Schwarzen Meer hat sich losgelöst vom Krieg die Astoria Grande mit Kreuzfahrten für russische Kunden ab Sotschi etabliert. Die ehemalige AIDAcara fährt für einen russischen Veranstalter mit zahlungskräftigem russischem Publikum. Deshalb darf das Schiff auch nur Häfen in Russland und der Türkei ansteuern. Eine Normalisierung des Reiseverkehrs ist in der Region nicht vor einem Ende des Kriegs zu erwarten. FB