Schlagwort: Flusskreuzfahrt

Wilde Tiere, Natur pur und ein Hauch Luxus

Südamerika und das Amazonasgebiet faszinieren Reisende. Axel Scheibe fuhr mit der JANGADA auf dem mächtigsten Strom der Welt.

So richtig schnittig sieht sie nicht aus und auch ihre Fahrweise ist eher gemütlich. Trotzdem überzeugt die nagelneue JANGADA wohl jeden Passagier, der das Glück hat, auf ihr den Amazonas zu erforschen. Anfang 2019 in Dienst gestellt, verspricht sie etwas Luxus inmitten wilder Natur. Und das Versprechen hält sie.
Für die Mehrzahl europäischer Touristen, die es auf Südamerikas größten Fluss zieht, ist Manaus Ausgangs- und Endpunkt ihrer „Expedition“. So geht es auch der kleinen Reisegruppe aus Deutschland, die nach Stationen an den Wasserfällen von Iguazú, im wildreichen Pantanal und in Brasilia nun dem Höhepunkt ihrer Brasilienreise entgegensteuert, einem einwöchigen Aufenthalt auf dem Amazonas. Vorher jedoch gilt die Aufmerksamkeit Manaus, der Metropole am großen Fluss, die als einzige Millionenstadt der Welt nur per Flugzeug oder mit dem Schiff erreichbar ist. Straßenverbindung in die „Zivilisation“ gibt es nicht. Hat die Stadt auch heute über 2 Millionen Einwohner und gilt sie auch als eines der größten Industriezentren des Riesenreiches Brasilien, so hatte sie eigentliche ihre große Blütezeit bereits vor über 100 Jahren.
Tausende Glücksritter kamen, um mit Kautschuk reich zu werden. Einige Dutzend haben es geschafft, dem Rest blieb nur der Job als Tagelöhner auf den riesigen Kautschukplantagen, die dem Urwald entlang des Flusses abgerungen werden konnten. So wurde Manaus zu einer reichen Stadt und es entstand inmitten des Dschungels ein Opernhaus, das bis heute durch seine Schönheit besticht. Selbst europäische Superstars aus Oper und Operette zog es in diese wilde Gegend. Auch die Villen mancher Kautschukbarone lassen vergangene Pracht- und Reichtum erahnen. Besonders schön: der wieder erstandene historische Markt in seinen schmucken Jugendstil-Hallen am Fluss. Dort, am Hafen, drängen sich immer Dutzende mehr oder minder kleine Holzschiffe, zumeist farbenfroh bemalt, die mit ihrem Linienverkehr den Transport von Gütern und Menschen entlang des Flusses sicher stellen. In den unteren Decks stapeln sich die Waren und im Stock darüber baumelt Hängematte neben Hängematte. Die Routen auf dem Fluss und seinen Nebenarmen zu den oft weit entfernt gelegenen Siedlungen sind viele Tage lang. Für die Menschen am Strom der normale Alltag, für Touristen mit Komfortansprüchen wohl nicht der optimale Weg.

Denn ein bisschen Luxus sucht fast jeder Tourist, den es auf den mächtigsten Strom der Welt verschlägt. Damit kann die JANGADA dienen. Attraktiv ist sie, gleitet einem schwimmenden Luxusbungalow gleich sanft durch das Wasser. 2019 erstmals mit Gästen unterwegs kann sie doch auf einen Standard verweisen, den kaum eines der anderen Flussschiffe hat, die in recht großer Zahl von Manaus aus auf dem Amazonas und dem Rio Negro unterwegs sind.
Doch als erstes heißt es Schwimmwesten anziehen. Die JANGADA liegt etwas abseits der Stege und eines der kleinen Beiboote, die in den nächsten Tag immer wieder zum Einsatz kommen werden, bringt die Passagiere hinüber zum Schiff. Ein kleiner Sprung nur, doch Sicherheit wird groß geschrieben, die Westen müssen sein. Auch wenn sie für reichlich Schweiß nicht nur auf der Stirn sorgen. Das Thermometer steht oberhalb der 30 Gradmarke. Gemeinsam mit der hohen Luftfeuchtigkeit ein Klima im beginnenden Südwinter, das den „Nordlichtern“ zusetzt. Doch an Bord des Schiffes ist das vorbei. Schnell sind die 12 komfortablen Kabinen bezogen. Je 20 Quadratmeter sorgen für ein angenehmes Raumgefühl, die großflächigen Fenster bzw. Balkontüren bringen die Landschaft in die Kabinen und individuelle Klimaanlagen tun ihr Übriges dazu, dass bei einem kühlen Getränk in der Lounge die Müdigkeit abfällt.

Während das Schiff langsam Fahrt aufnimmt und eine frische Brise an Deck auch den Aufenthalt außerhalb der „klimatisierten Zone“ angenehm werden lässt, nutzen einige Passagiere gleich die Gelegenheit, das Schiff zu erkunden und dem Kapitän auf der Brücke einen Kurzbesuch abzustatten. Der hat natürlich einiges Wissenswertes auf Lager, das er gern mit den Gästen teilt. Groß ist die JANGADA nicht, doch mit knapp 30 Meter in der Länge und 10 Meter in der Breite für maximal 24 Passagiere doch recht geräumig. Ein großes Plus der doppelrumpfigen Katamaranbauweise ist der geringe Tiefgang von gerade mal 1,30 Meter. „Damit können wir in manch kleinen Nebenfluss einfahren, wo andere Schiffe Probleme bekommen“, so Kapitän Mamoga….

Fotos: Axel Scheibe, Nigel/stock.adobe.com, Freder/istockphoto.com

Die Save entdecken

Save? Nie gehört!“, bekommt Peer Schmidt-Walther immer wieder zur Antwort, wen er auch nach dem kroatisch-bosnisch-serbischen Fluss fragt. Dabei ist der mit 944 Kilometern nur wenig kürzer als der Rhein.

Novi Sad

Es ist spät, als der Transferbus von Wien an diesem Abend von der Autobahn abbiegt und durch das langgezogene Straßendorf Zupanja rumpelt. Die Passagiere sind hundemüde. Die 14-Stunden-Reise hat ihr Sitzfleisch bis an den Rand des Erträglichen strapaziert. Slogan des Veranstalters indes: „Der Weg ist das Ziel!“ Womit sicherlich nicht die Busreise gemeint ist. Ende der abenteuerlichen Anreise vor einem hohen Deich.

Strahlen um die Wette

Von der Krone aus gesehen liegt sie in Zupanja den Gästen mit ihren 110 Metern Länge zu Füßen: die PRINZESSIN SISI. Ihre noch heute äußerst populäre Namenspatronin, ab 1854 Kaiserin von Österreich und Königin von Ungarn, wäre stolz gewesen. Unter dem festlich beleuchteten Schiff gurgelt die Save ihre nächtliche Flussmelodie. Kein Radetzkymarsch aus den Bordlautsprechern, dafür freundliche Crewmitglieder als hilfreiches Spalier beim Treppabwärts-Steigen. An der Eingangstür die herausragende Überraschung: George Clooney in Uniform! Sein Doppelgänger entpuppt sich als Zoran Milic: „Ich bin der Hotelmanager“. Mit ihm strahlen Kapitän Kostyantyn Synyakov und Kreuzfahrtdirektorin Romana Tichy um die Wette, als wollten sie den misslungenen Einstieg wieder glattbügeln. Die überaus freundlichen Servicekräfte geben sich alle Mühe, das späte Abendessen bei gebackenem Schweineschnitzel, gebratenem Seehecht oder Pasta Conchegliette aus der vielversprechenden Küche von Chefkoch Stanislav Krsak und seinem Team zu einem Highlight werden zu lassen. Der slowenische Wein glättet schließlich die Wogen.
Die Nacht ist kurz, denn schon um 08.30 Uhr steht der Ausflugsbus bereit.

Amazonas des Balkans

Die Bus-Ausflügler steuern Slavonski Brod an, eine Stadt im Nordosten Kroatiens am Nordufer der Save, die die Grenze zu Bosnien-Herzegowina bildet. Touristisches Zugpferd ist hier die zwischen 1715 und 1780 auf Erlass von Eugen von Savoyen aus Ziegelsteinen erbaute barocke, ehemals kaiserlich-königliche Festung Brod. An dieser markanten Schnittstelle von Zeiten, Religionen und Kulturen könnte der Geschichtsbezug nicht deutlicher sein.
Bis zum Landgangsende bietet sich eine reizvolle Alternative an: ein Deichspaziergang mit weitem Blick über das fruchtbare Ackerland. Die kleinen Höfe mit ihren archaischen Ziehbrunnen und beschaulichem Leben kann man von hier quasi aus der Vogelperspektive betrachten. Lärchen tirilieren in der Höhe, von einer Wiese hört man das Klappern eines Storches, aus dem Uferdickicht fliegt ein Seeadler auf.
Am frühen Nachmittag gibt der ukrainische Kapitän Synyakov die Order zum Ablegen. Von seinem Außenfahrstand dreht er die PRINZESSIN SISI sanft auf dem Teller, bis der Bug zu Tal gerichtet ist. Zupanja adé! Links und rechts säumt die stark gewundene Save ein dichter Grüngürtel, aus dem es zwitschert, krächzt und kräht. Baumstämme trudeln in dem von Sedimenten braun gefärbten Wasser. Man ist versucht, an den Amazonas zu denken. Nur eben verlegt auf den Balkan.

Stark umkämpfte Region

„Entdecken Sie Brcko individuell bei einem Spaziergang!“, empfiehlt das Tagesprogramm. Die 93.000-Einwohner-Stadt ist nicht besonders ansehnlich.
Im Verlauf des Bosnien-Krieges in den 90er Jahren war Brcko, gelegen in Herzegowina, an einem schmalen Korridor zwischen dem West- und Ostteil der Republik Srpska, sehr umkämpft, wovon noch viele Einschusslöcher zeugen.
Kriegerisch ging es auch schon vorher zu, als im 17. Jahrhundert alle katholischen Kirchen und Klöster von den Osmanen zerstört und die Katholiken vertrieben wurden. Das betraf auch Tolisa, wo man aber 1862 ein neues Franziskanerkloster anlegte und die größte Kirche des Landes baute.
Kaiserin Sisi hätte wohl gestaunt über die heutige Situation ihres damaligen Riesenreiches. Sie und ihr Gatte Franz Joseph I. flimmern seit dem Nachmittag über das Bordprogramm, dargestellt von Romy Schneider und Karl-Heinz Böhm, ein dreiteiliger Klassiker.
Bis der Empfang mit dem Kapitän und das Willkommens-Abendessen die rührselige TV-Romanze unterbrechen….

Belgrad, Serbien

Fotos: Peer Schmidt-Walther, enapress.com, Fotostudio Semrad, AleksandarGeorgiev/iStockphoto.com

Auf den Spuren der kleinen Mönche

In den Sommermonaten, wenn die Flüsse Myanmars Hochwasser führen, kreuzt die SANCTUARY ANANDA auf dem Chindwin bis hinauf nahe der Grenze zu Indien. An den Ufern des „Flusses der schnellen Pfeile“ begleiten die Reise eine Vielzahl von Zeremonien zur Einschulung von Novizen ins Kloster. Frank Sistenich hat sich an diesen für die jungen Mönche so bedeutenden Tagen umgesehen und berichtet von weiteren kulturhistorischen Höhepunkten Myanmar.

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