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„Costa Venezia“ ist zurück

Die Türkei meldet sich rechtzeitig zur Sommersaison im europäischen Kreuzfahrtmarkt zurück. Am 2. Mai startete mit der Costa Venezia das erste große Schiff einer europäischen Marke mit Gästen ab Istanbul. Nach sechs Jahren Pause ist die Metropole auch wieder Reisewechselhafen für die größten Schiffe im Markt. Zuvor war Istanbul bereits als Destination wieder angelaufen worden.

Die Costa Venezia eröffnet in der Türkei jedoch ein neues Kapitel. Sechs Jahre nach dem Militärputsch im Juli 2016 kehrt wieder Normalität an den Bosporus zurück. Das neue 5200-Betten-Schiff war von der italienischen Reederei aus Asien abgezogen und nach Europa geholt worden, wo es jetzt ganzjährig ab Istanbul eingesetzt wird.

„Wir sind sehr froh, jetzt hier in der Türkei ein wirklich sehr interessantes Programm anbieten zu können“, sagt Mario Zanetti, Präsident von Costa Crociere. Das 323 Meter lange Schiff mit 2116 Kabinen ist den Sommer über jeden Sonnabend und Sonntag das größte Schiff am neuen Kreuzfahrtterminal Galataport in Istanbul. Für die Türkei ist das ein wichtiges Signal auf dem Weg zurück in den Tourismusmarkt.

Der Galataport im Stadtteil Karaköy ist zur Zeit Europas modernste Terminalanlage für Kreuzfahrtschiffe. Auf der alten Überseehafenanlage der einstigen Staatsreederei Turkish Maritime Line wurde aus Unmengen Beton und Stahl einer der modernsten Terminals der Kreuzfahrtbranche gebaut.

Foto: Frank Behling

Auf 29000 Quadratmeter erstreckt sich die auf drei Ebenen, unter der Kaikante der neue Terminal. Alle wesentlichen Abfertigungsanlagen, Check-in-Counter, der Busbahnhof und die Pkw-Parkplätze wurden unter die Erde verlegt. Bis zu 15000 Passagiere soll die Anlage täglich abfertigen können.

Die 1200 Meter lange Pieranlage nördlich des Karaköy-Fähranlegers soll bis zu drei große Schiffe gleichzeitig aufnehmen können, so die Planer. Zur Ausstattung gehört auch ein Heliport für Hubschrauber.

Oberirdisch gibt es eine Shopping-Mall mit Hotel und Restaurants. Alle Zäune sind hydraulisch versenkbar und können nach dem Ablegen der Schiffe den Blick auf den Bosporus freimachen. „Der Galataport ist das modernste an Terminals, was ich bislang gesehen habe“, sagt Tihomir Music, der Kapitän der Costa Venezia.  

Ganz billig war das gewaltige Bauwerk nicht. 1,5 Milliarden Euro wurden investiert. Die letzten Arbeiten sollen im Sommer angeschlossen sein. Bis dahin werden auch weitere Schiffe erwartet. Istanbul ist wieder im Fahrplan für fast alle großen Reedereien. Azamara, NCL, Seabourn, Hapag-Lloyd, Phoenix, TUI Cruises, Oceania, Regent Seven Seas, Viking, Silversea und Star Clippers sind auch schon angemeldet.

Foto: Frank Behling

Die Nummer 1 ist aber die Costa Venezia, die dort jedes Wochenende den Reisewechsel vollziehen wird. Bis zu 5000 Passagiere sollen aus- und eingeschifft werden. „Wir haben mit Turkish Airlines einen starken Partner. Außerdem ist einer der modernsten Flughäfen der Welt hier in Istanbul“, schwärmt Mario Zanetti von Costa.

Keine Rede ist mehr davon, dass die Costa Venezia eigentlich woanders Maßstäbe setzen sollte. Im März 2019 war das 323 Meter lange Schiff von der Fincantieri-Werft als erstes speziell für China gebaute Schiff präsentiert worden. Unter der Flagge der Costa Asia sollte die Costa Venezia mit dem Stil Italiens in Asien Passagiere aus China, Korea und Japan begeistern. Dem schwungvollen Start folgte dann in der Pandemie die Vollbremsung. Costa Asia musste alle Schiffe wieder nach Europa schicken. Wer jetzt eine Reise in Asien buchen will, landet auf der Homepage von Costa Asia in einer Sackgasse.

Die Türkei ist da der viel bessere Ausweg aus der wirtschaftlichen Kreuzfahrt-Krise in Asien. Auch wenn an Bord der Costa Venezia die chinesischen Schriftzeichen noch für eine Weile allgegenwärtig sind. FB