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Longyearbyen: Tender-Neubau für Kooperation mit Ponant bestellt

Die Verwaltung des Spitzbergen-Hafens Longyearbyen hat mit der französischen Kreuzfahrtreederei Ponant eine Kooperationsvereinbarung getroffen. Sie sieht den Bau und Betrieb eines Hafenlogistik-Schiffes zur Bedienung ihrer Expeditionsschiffe bei Anläufen dieses auch über einen Flughafen verfügenden und deshalb häufig auch für Passagierwechsel genutzten Arktis-Hafens vor. Hintergrund ist die wasserseitige Ver- und Entsorgung des neuen Flaggschiffes der Reederei, ihres derzeit beim norwegischen Vard-Werftbetrieb in Sövik in der Endausrüstung befindlichen ersten über die Eisklasse PC2 verfügenden Luxus-Expeditionsschiff-Neubaus Le Commandant Charcot, der mit seinem Tiefgang von 10 m an keinem der Kais von Longyearbyen direkt festmachen kann und deshalb auf Reede ankern muss. Wegen seines großen Tiefgangs war der auch u.a. mit verflüssigtem Erdgas (LNG) und Batterie zu betreibende 31757-BRZ-Polarexpeditionskreuzer bereits während seiner Komplettierungsphase von der norwegischen Vard-Werft nach Saint-Nazaire Frankreich verschleppt worden, weil vor Ort kein für die Installation der beiden je 17 MW leistenden-Azipod VI-Antriebe mit jeweils einem fünfflügeligen Propeller in den in Rumänien gebauten Kasko geeignetes Dock zur Verfügung stand.

Bei dem vom Port of Longyearbyen als Werft-Nr. 41 bei der erst 2012 gegründeten Werft Lextor Marin AS in Bolandet (Fosnavag) südlich von Alesund bestellten Neubau handelt es sich um einen 15 m langen und 5 m breiten Katamaran mit einer bis 20 t belastbaren Decksfläche von mehr als 40 Quadratmetern, der u.a. mit einem 8 t hebenden Faltkran im Vorschiffsbereich ausgerüstet wird. Seine Hauptaufgabe ist es, im Hafenbereich vor Anker liegende Schiffe nicht nur mit Versorgungsgütern, Ersatzteilen, Post, Gepäck usw. zu beliefern, sondern ihnen auch z. T. vorsortierte oder behandelte Abfälle sowie flüssiges Entsorgungsgut wie vegetabilische oder mineralische Altöle bzw. Schlämme oder Gemische (Sludge) zum Recycling bzw. Entsorgung abzunehmen. Als Antrieb kommen zwei Motoren mit einer Gesamtleistung von 660 PS zum Einbau, die auf feste Wellen und Propeller arbeiten. Zur Verbesserung der Manövrierfähigkeit wird der mit den erforderlichen Kommunikations- und Navigationsanlagen auszustattende Tender, der nach Angaben von Hafenchef Kjetil Braten selbstverständlich bei Bedarf auch allen anderen Kunden des Hafens zur Verfügung steht, auch mit einem Bugstrahler ausgerüstet.

Foto: Le Commandant-Charcot © Ponant – Stirling Design International

Da die Indienststellung des neuen Tenders für Ende Juli dieses Jahres geplant ist, könnte es dann auch zu einer Premiere – wenn nicht auch Taufe – kommen, da am 24. Juli in Longyearbyen auch die verzögerte 15-Nächte Jungfern-Rundreise der Le Commandant Charcot zum geografischen Nordpol beginnen soll und sich die beiden Flaggschiff-Neubauten dann erstmals begegnen dürften. JPM

Kiel will „ökologischster Hafen Europas“ werden

Ab 2021 können auch Kreuzfahrtschiffe mit Landstrom versorgt werden

Nicht nur die Fährschiffe der schwedischen Stena Line werden künftig auch in Kiel emissionsfrei im Hafen versorgt: Gemeinsam haben Kiels Oberbürgermeister Dr. Ulf Kämpfer, Stadträtin Doris Grondke und Seehafen Kiel-GmbH-Geschäftsführer Dr. Dirk Claus am 9. Dezember die LED-Fassade der neuen Landstromanlage am Ostseekai vorgestellt. „Die Landstromanlage ist ein wichtiger Schritt auf dem Weg, der ökologischste Hafen Europas zu werden“, sagte Kämpfer. Damit trage man maßgeblich zur Umsetzung des Masterplans“ 100% Klimaschutz“ bei.

Das Land Schleswig-Holstein hat den Bau der Landstromanlage mit 8,99 Millionen Euro gefördert, weitere 1,26 Millionen Euro kommen von der EU. Zudem hat die Bundesregierung ein Maßnahmenpaket beschlossen, um die Preise für Landstrom deutlich abzusenken.

Foto: PORT OF KIEL

Die Anlage zählt zu den leistungsstärksten ihrer Art und wird zunächst die Fährschiffe der Stena Line versorgen. Ab dem kommenden Jahr können dann zwei Schiffe, ein Kreuzfahrtschiff und eine Fähre, parallel Ökostrom beziehen. „Ab Januar decken wir 44 Prozent des Energiebedarfs der im Kieler Hafen liegenden Schiffe emissionsfrei und klimaneutral. In zwei Jahren sollen es dann bereits 60 bis 70 % sein. Damit nimmt Kiel eine Vorreiterrolle ein.“, kündigte Dr. Dirk Claus an.

„Diese Fassade ist bisher einmalig in ihrer Art. Die äußere Hülle hat bei Tageslicht durch ihre dynamisch strukturierten Lochungen einen ganz eigenen Charakter. Sobald die in der Fassade verborgenen LEDs dazu geschaltet werden, ergibt sich eine weitere Gestaltungsebene, die im Dunklen die Wahrnehmung komplett transformiert“, erläuterte Architekt Jan Schulz, BSP Architekten BDA. Für die 720 m² große Metallfassade wurden auf knapp der Hälfte der Fläche über 12.000 LEDs verbaut, die über eine Software einzeln ansteuerbar sind. Bei Vollbetrieb aller LEDs verbraucht die Fassade knapp 25 kWh Ökostrom.

Mit der jetzt erfolgten Einweihung der spektakulären Fassade der neuen Landstromanlage in Kiel bezieht die Stena Line nun auf 14 Fähren an sieben Terminals Landstrom während der Hafenliegezeit, und verringert ihre Emissionen nun auch an der Förde. Die Maßnahme führt zu einer Einsparung von 900 Tonnen Treibstoff und einem Äquivalent von 2.700 Tonnen CO2 pro Jahr. Die neue Anlage in Kiel wird mit 100 Prozent Ökostrom betrieben, somit werden während der Hafenliegezeit der Stena Germanica und der Stena Scandinavica neben CO2 auch NOX-, SOX– und Partikelemissionen eingespart.

Video: Port of Kiel

Neben Kiel bezieht Stena Line auch an zwei Abfahrtsterminals in Göteborg, sowie in Karlskrona, Norvik, Trelleborg und Hoek van Holland Landstrom für ihre Fähren und vermeidet damit jährlich 13.000 t CO2 im Routennetzwerk. Von 36 Fähren der Stena Line-Flotte wurden mittlerweile 14 für die Nutzung von High Voltage Shore Connection-Systemen (HVSC) umgerüstet.„Landstrom spielt für uns aus zwei Gründen eine wichtige Rolle: Zum Einen möchten wir einen unmittelbaren positiven Effekt auf die Luftqualität in den von uns frequentierten Häfen erzielen. Zum Zweiten erwarten wir in Zukunft einen noch höheren Anteil der Elektrifizierung in den Häfen: bei Pkw, Lkw, Hafenfahrzeugen und in unserem Falle natürlich vor allem bei den Schiffen. Mit unseren Batterie- und Powerbank-Projekten entwickeln wir unsere Fährdienste bereits seit längerem in diese Richtung weiter, und lernen jeden Tag dazu“, sagt Ron Gerlach, Trade Director und Geschäftsführer der Stena Line Deutschland. JPM

Erfolgreicher Probe-Anlauf: Hafenerweiterung in Ystad sichert weiteres Wachstum

Der Ausbau des südschwedischen Hafens Ystad in Südschweden ist beendet. Zwei neue Fähranleger mit neuen RoRo-Rampen und Landstromanschluss ermöglichen es jetzt, mehr Verkehre und größere Schiffe abfertigen zu können. Am 25. November 2020 absolvierte die erste Fähre erfolgreich ihren Probeanlauf im neuen Hafenteil, um sicherzustellen, dass die neuen Anleger einwandfrei funktionieren. Ab dem neuen Jahr werden die neuen Liegeplätze dann regelmäßig genutzt.

„Der Hafen von Ystad hat jetzt gute Voraussetzungen und Kapazitäten, um sowohl im Passagier- als auch im Frachtbereich weiter zu wachsen. Nach der Eröffnung der neuen Route Ystad-Sassnitz im September freuen wir uns besonders auf regelmäßige Verkehre von und nach Deutschland”, sagt Björn Boström, Geschäftsführer der Hafenverwaltung Ystad Hamn. Der südschwedische Hafen verzeichnet seit Jahren einen deutlichen Anstieg im Güter- und Personenverkehr und ist nach seinen Angaben größter Hafen in Schweden mit täglichen Fährverkehr nach Polen und Bornholm sondern auch drittgrößter Fährpassgierhafen des Landes.

Foto: Ystad Hamn

Prognosen zufolge wird das Wachstum trotz der Pandemie weiter anhalten. Das gilt sowohl für den Verkehr von und nach Swinoujscie in Polen sowie nach Bornholm, als auch für die neue Verbindung nach Sassnitz auf Rügen. Um den positiven Zukunftsaussichten bestmöglich entgegenzukommen, musste die Kapazität des Hafens bedarfsgerecht erhöht werden. Das abgeschlossene Bauvorhaben ist eines der größten Infrastrukturprojekte Südschwedens und wurde mit EU-Fördermitteln in Höhe von fast 700 Mio. Euro unterstützt. Im Mai 2019 haben die Arbeiten begonnen, eineinhalb Jahre später ist der neue Hafenabschnitt für den Fährverkehr nun fertiggestellt. Der neue Fährhafen vergrößert den Hafen land- und seeseitig, und beinhaltet unter anderem neue Vorstauflächen, Ankunftsbereiche, neue Wellenbrecher, Flächen für Zoll- und Grenzkontrollen und nicht zuletzt moderne Fähranleger. Bis Ende 2021 soll zudem die Möglichkeit der LNG-Betankung für die Fähren der Swinoujscie-Routen geschaffen werden. JPM

Traditionsschiffe und noch immer Aufgaben!

Im Museumshafen Leer haben auch die kleinen Traditionsschiffe sinnbildlich gesprochen
noch „alle Hände voll zu tun“. Andreas Mausolf über eine besondere Flotte, die Dank des
Vereins „Schipper-Klottje“ nicht nur die maritime Geschichte der Umgebung hochhält,
sondern auch ab und zu „richtige“ Aufgaben erledigt.

Ein „leerer“ Hafen – unvorstellbar! Darum nennen die über 34.000 Bürgerinnen und Bürger der ostfriesischen Stadt Leer ihren Hafen auch nicht so, sondern bezeichnen ihn als „Leeraner“ Hafen – und der ist im Übrigen voll! Neben Fluss- und Seeschiffen des täglichen Umschlaggeschäfts bietet Leer etwas ganz Besonderes: Der Verein „Schipper-Klottje“, der seit 1994 auch alle zwei Jahre das internationale Traditionsschiffer-Treffen in Leer organisiert, betreut eine Flotte historischer Schiffe, mit denen die maritime Geschichte von Stadt und Umland lebendig bleibt. Und einige dieser Schiffe haben hin und wieder auch „richtige“ Aufgaben zu erledigen…

Stoßboot Mirjan auf dem Weg zur Anlegestelle.

Eine solche Aufgabe fiel am 17. Juli 2019 an, als der Traditions-Dampfer „Prinz Heinrich“ – 1909 auf der Meyer Werft gebaut und bis 1954 im Borkum-Dienst – von seiner Reise zum „Dampf-Rundum“-Festival in Flensburg zurückkehrte und Manövrierhilfe beim Anlegen benötigte. Das Stoßboot Mirjan – in Hoogezand/NL um 1930 gebaut – erledigte mit seinen 21 PS diese Aufgabe mit Bravour. Mirjan ein wohlgepflegtes Exemplar jener kleinen Bootstype , die ab den 1920er Jahren für diejenigen Schiffseigner und Schutenbetreiber, die es sich leisten konnten, eine bescheidene, jedoch effektive Unabhängigkeit von teuren Schlepphilfen ermöglichte. Die Boote waren überall dort verbreitet, wo die Flussschifffahrt die Regionalentwicklung bestimmte. Dauerhaft etablieren konnte sich diese Form des Transports jedoch aus Gründen der Effektivität und der umständlichen Handhabbarkeit nicht. Die Leistung variierte bei unterschiedlichen Baumustern zwischen 20 und 50 PS, die Länge der Schiffe lag bei ca. sechs Metern bei einem geringen Tiefgang von unter einem Meter.

Zahlreich fanden die dort „Upduwer“ oder auch „Opdrukker“ genannten Boote in den Niederlanden Verwendung. Mit etwas Glück stöbert man noch heute – wie etwa in Appingedam – solche Einheiten auf, die oft liebevoll gepflegt in privatem Einsatz stehen. In der DDR führte der Mangel an Schleppschiffen in der Mitte der 1950er Jahre sogar zum Neubau von 55 Stoßbooten mit einer PS-Zahl am oberen üblichen Rand für diese Fahrzeuge.

Kurz nach diesem denkwürdigen Einsatz am 17. Juli fand in Leer vom 9. bis 11. August 2019 das 13. Traditionsschiffer-Treffen statt. Wiederum organisiert vom „Schipper Klottje Leer“ brachte es Schiffe und ihre Besatzungen aus den Niederlanden und Deutschland zusammen und füllte wohl sämtliche Liegeplätze im Leeraner Hafen um Rathaus und Waage bis zum Anleger von „Prinz Heinrich“. Schiffsbesichtigungen und Vorführungen verliehen dem Leeraner Hafen, der hier sonst eher beschaulich daherkommt, an den drei Tagen einen Hauch von Fernweh und Begeisterung für Reisen und historische Schiffe. In vielfältigen Gesprächen zwischen Besuchern und Schiffseignern entstand so manche Idee für neue Unternehmungen! In einigen Bildern lassen wir Eindrücke vom 13. Traditionsschiffertreffen in Leer noch einmal vorüberziehen.

Fotos: Andreas Mausolf